Der Bunker der Verlorenen

GeschichteAbenteuer, Drama / P16
OC (Own Character)
17.05.2019
17.05.2019
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17.05.2019 3.810
 
Man kann diese Geschichte als Fortsetzung von „Die Falle in den Wäldern“, aber auch als eigene Geschichte ansehen.

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Es hatte mit leichtem Regen begonnen. Dieser war jedoch schnell stärker geworden, und als der Boden schon so matschig war, dass man mit jedem Schritt fast bis zu den Knöcheln einsank, hatten drei Freunde beschlossen, in einer Höhle Unterschlupf zu suchen. Zumindest solange, bis der Regen nachließ.
Sie waren in dem Gebiet einer ehemaligen Stadt in Doyzland, wie das postapokalyptische Deutschland nun hieß, unterwegs, und vereinzelt standen verfallene und teilweise völlig überwucherte Ruinen alter Gebäude in der Gegend.
Es waren die Überreste der modernen Zivilisation, die in den letzten Jahrhunderten von der Natur zurückerobert worden waren. Und als eines der beiden Mädchen die Höhle entdeckte, erkannte nur einer von den drei Halbwüchsigen, dass es sich nicht um eine echte Höhle handelte.
Es war nämlich eine alte, verfallene Reihengarage. Diese hatte aus vier Garagen bestanden. Zwei von ihnen waren vollkommen eingestürzt, und in der dritten stand ein rostiges Gebilde, welches vor über fünfhundert Jahren ein Auto gewesen sein mochte. Lediglich eine von ihnen war noch bewohnbar. Zumindest, wenn man einen Unterschlupf vor dem Regen suchte.
Das Tor, welches aus Eisen bestanden hatte, war natürlich schon lange verrostet und in Einzelteile zerbrochen, sodass die Garage offen war, und die Natur sie schon ganz allmählich zurückeroberte. Der Bogen war aufgebrochen, und dicke Wurzeln waren in den Rissen zu sehen. Im vorderen Drittel der Garage wuchsen bereits einige Sträucher, während die restlichen beiden Drittel zu einem Großteil mit Dreck überzogen waren.
Seit die moderne Zivilisation vor über fünfhundert Jahren bei der Kometenkatastrophe untergegangen war, waren viele Städte verlassen, und von der Natur zurückerobert worden. Es gab auch eine ganze Reihe von Städten, die noch oder wieder von Menschen bewohnt waren, doch diese hier war eine, welche zu einem Teil der Wildnis geworden war.
„Weißt du, wo wir hier sind?“ fragte Elina ihren Freund.
„Nein, keine Ahnung, ich war noch nie in dieser Gegend.“ gab Kai zurück, „Aber ich würde vermuten, dass wir irgendwo in der Mitte von Doyzland sind.“
„Schaut mal, was ich gefunden habe.“ sagte Amira und hielt beide Hände voller Beeren vor ihren Freunden, „Sie sind einfach köstlich.“
„Amira, ich sagte dir doch, dass du mich vorher fragen sollst, wenn du Beeren gefunden hast, die du nicht kennst. Sie könnten giftig sein.“ fuhr Elina auf.
Das Mädchen sah schuldbewusst aus. Doch Amira neigte eben dazu, manchmal ein wenig unbesonnen zu handeln, so wie die meisten Halbwüchsigen es taten. Nach einem prüfenden Blick auf die Beeren, erkannte Elina aber, dass sie ungiftig und essbar waren. Sofort verteilte Amira sie an ihre Freunde.
Kai sah auf die Beeren in seinen Händen. Sie waren groß, blau... und mutiert. Das hatte es mit der Welt mittlerweile an sich. In den letzten fünfhundert Jahren waren durch die grünen Kristalle, aus denen der Komet bestanden hatte, und die außerirdischen Ursprungs waren, auf der ganzen Welt zahlreiche Mutationen entstanden. Die Pflanzen waren mutiert, ebenso die Tiere und auch zahlreiche Menschen. Die Tiere vor der Kometenkatastrophe gab es nicht mehr, sie waren beinahe ausnahmslos zu anderen Geschöpfen mutiert.
Und so ähnelten die Beeren die Kai in seinen Händen hielt, auch entfernt Heidelbeeren, nicht dass Kai ein großer Naturkundler war, waren jedoch mindestens so groß wie Tennisbälle. Zögernd nahm der Junge einen Bissen. Und es schmeckte einfach herrlich und süß. Er aß eine Beere auf, und begann dann mit der nächsten.
Alle drei Halbwüchsigen mussten schon ein seltsames Bild abgeben, wie sie da saßen und ihre Beeren aßen. Denn sie hätten unterschiedlicher nicht sein können.
Kai hatte kurze, schwarze Haare und grüne Augen. Seine Statur war weder sehr schmächtig, noch nennenswert kräftig. Doch muskulöse Personen waren unter den Technos auch eher selten. Und dass er einer war, zeigte seine Kleidung sehr deutlich. Er trug einen einteiligen, schwarzen Anzug, welcher über und über mit Platten bedeckt war, welche orange und türkis waren. Dazu trug er einen Gürtel, an welchem sich mehrere Taschen befanden.
Die Technos waren die Nachkommen jeder Menschen, welche sich vor der Kometenkatastrophe in die dafür gebauten Bunker hatten retten können. Über die Jahrhunderte hinweg, hatten sie sich technologisch weiterentwickelt, doch auch ihr Immunsystem litt darunter, dass sie die Oberfläche eine so lange Zeit über gemieden hatten. Noch vor wenigen Generationen wäre es für einen Techno lebensgefährlich gewesen, ohne Schutzanzug an die Oberfläche zu gehen. Doch mit der Zeit wurde ein Immunserum entwickelt, und Kai gehörte nun schon zu einer Generation, in der es völlig natürlich war, dass Technos sich an der Oberfläche bewegten.
Die Menschen die damals nicht in die Bunker fliehen konnten, sondern an der Oberfläche bleiben mussten, wurden durch die CF-Strahlung verdummt, sodass sie in die Steinzeit zurückfielen. Für viele Jahrhunderte lebten sie so, doch seit die CF-Strahlung vor einigen Jahrzehnten zurückgegangen war, kamen immer mehr intelligente Menschen unter ihnen zur Welt, und sie konnten sich weiterentwickeln. Inzwischen befanden sich die meisten Völker auf einem Stand zwischen der Bronzezeit und dem frühen Mittelalter.
Und aus einer solchen Kultur kam auch Elina. Sie war überaus hübsch, mit ihren langen, zu zwei Zöpfen gebundenen, blonden Haaren, ihren blauen Augen, und den Sommersprossen auf ihren Wangen. Allerdings hatte sie einen eher muskulöseren und kräftigen Körperbau, und das war auch notwendig, denn schließlich war sie eine Kriegerin.
Elina trug ein Wollkleid, und darüber eine leichte Lederrüstung. Sie hatte auch zwei Stiefel und Armschoner aus Leder. An ihren Hüften trug sie zwei Taschen, und auf dem Rücken ein stählernes Scimitar.
Die jüngste von ihnen war Amira. Sie war eine Mutantin, und ihre Mutation ließ sich nicht wirklich verbergen. Bei den abergläubischen Menschen galten Mutanten als Dämonen, und deshalb wurden sie häufig aus den Städten der Menschen verjagt, wenn nicht gar schlimmeres.
Amira hatte lange, schwarze Haare, braune Augen und eine dunkle Haut. Das war nicht verwunderlich, war sie doch die Tochter eines Arab. Auffällig waren jedoch ihre Ohren, welche denen einer Batera ähnelten, ebenso wie ihre Arme und Beine, welche schwarze Reptilienschuppen aufwiesen, und deren Finger und Zehen in Krallen endeten.
Amira trug Stoffkleidung. Ihr Oberteil war hellblau, und ihr Unterteil war hellgrün. Auf ihrem Rücken befand sich ein Köcher mit Pfeilen, sowie ein Reiterbogen.
Es dauerte nicht mehr lange, bis der Regen immer schwächer wurde, und schließlich von den ersten Sonnenstrahlen verdrängt wurde. Die Freunde verließen die verfallene Garage. Es war draußen noch nass, und von den Blättern der Pflanzen tropfte es vereinzelt herunter, doch immerhin konnten sie sich wieder durch die Stadt bewegen.
Die Stadt war schon auf halbem Weg dabei, wieder ein vollkommener Teil der Natur zu werden. Der Boden war an vielen Stellen aufgebrochen, und Pflanzen, sogar schon regelrechte Bäume, wuchsen aus diesen Bruchstellen hervor. Und dort wo sich vor der Katastrophe schon Pflanzen befunden hatten, war die Gegend kaum noch von einem echten Wald zu unterscheiden.
Die meisten Gebäude waren zerfallen, kaum noch eines von ihnen hatte Fenster, dessen Scheiben nicht schon vor langer Zeit zerbrochen waren. Und auch die meisten von ihnen waren mit Moos und Efeu überwachsen, ebenso wie die Überreste der Autos, welche auf den Straßen standen.
So sah es an sehr vielen Orten der Welt aus. Nicht bloß in Doyzland und Euree, auch woanders waren viele Städte der Natur gewichen.
„Es sieht nicht danach aus, als ob es hier Menschen gäbe.“ meinte Elina schließlich, „Bevor die Nacht hereinbricht, sollten wir diese Stadt entweder verlassen haben, oder in die... Gar... Gara... diese Höhle zurückgekehrt sein.“
„Garage.“ half Kai freundlich aus, „Wieso bis Einbruch der Nacht?“
„Zahlreiche Raubtiere jagen bei Nacht.“ erwiderte das Mädchen, „Und auf offenem Feld können wir uns nicht so gut verstecken wie im Wald.“
Aus einiger Entfernung sahen sie ein Gebäude, welches ebenso verfallen wie die anderen war, aber zumindest von der Seite von der sie es sehen konnten, deutlich weniger überwuchert.
„Schauen wir uns das noch an.“ bat Amira, „Vielleicht finden wir ja etwas nützliches.“
Da es noch früh am Tag war, hatte Elina keine Einwände, und zu dritt gingen sie auf das Gebäude zu, und betraten es schließlich.
Innen lagen überall Haufen aus Holz, Metall, und anderen Dingen. Die Abstände dieser Überreste waren mehr oder weniger in dem gleichen Abstand voneinander entfernt. Von den Dingen die aus den Haufen herausragten, war jedoch nicht mehr viel erkennbar. Das Dach, zumindest der Teil der noch nicht ähnlich überwuchert oder eingestürzt war wie die Wände, ähnelte Wellblech... und Kai erkannte, was für ein Ort dieses Gebäude wohl gewesen sein musste.
„Ich glaube, wir sind in einem Baumarkt.“ sagte er.
„In einem... was?“ fragte Elina.
„Hier haben die Menschen in der Zeit der Alten ihre Sachen gekauft, um etwas zu bauen.“ erklärte er, „So wie die Garage, in der wir uns vor dem Regen versteckt hatten.“
Es fiel genug Tageslicht hinein, als dass es nicht dunkel war, denn die Lampen brannten selbstredend schon seit Jahrhunderten nicht mehr. Dennoch erschien es etwas düster. In Momenten wie diesen bedauerte Kai den Verlust seines Schockstabes, welcher ein Geschenk seiner beiden mendritischen Freunde Em´rako und Tai´vor gewesen war. Doch eine brutale, mörderische Guul hatte ihn zerstört. Mit dem Schockstab konnte man nicht bloß große Tiere betäuben, sondern auch Licht machen. Andererseits waren Menschen auch schon immer gut darin, zu improvisieren.
Der Junge brach ein Stück Holz ab, und richtete seine Laserpistole darauf. Diese hatte drei Einstellungen. Bei der roten Lampe verschoss sie tödliche Laserkugeln, bei der blauen Lampe waren es bloß Betäubungsschüsse, und leuchtete die grüne Lampe, so verursachte ein Treffer lediglich ein Feuer. Kai hatte noch nie tödliche Laserkugeln verschießen müssen, und hoffte auch, dass er das niemals tun musste. Er stellte die grüne Lampe ein, und schoss auf das längliche Holzstück, und es entbrannte sofort.
Die beiden Mädchen sahen ihn aus großen Augen an. Sie wussten schon genug über Technik, um seine Waffe nicht für Magie zu halten, legten dennoch ein kindliches Erstaunen an den Tag. Das zeigte, wie jung sie eigentlich noch waren.
Mit der improvisierten Fackel sahen sie sich in dem Baumarkt um. Doch Kai erkannte schnell, dass es hier nichts mehr gab, was irgendwie zu gebrauchen war. Weit über fünfhundert Jahre hatten nun einmal ihre Spuren hinterlassen, und so gab es hier kaum etwas, das nicht verfallen war.
„Wir sollten gehen.“ sagte Kai schließlich.
„Du hast Recht.“ stimmte Amira zu, „Hier gibt es nichts interessantes.“
Doch Kai bemerkte etwas. Er ging einige Schritte darauf zu. Ein gutes Stück von ihnen entfernt, war eine riesige Skulptur zu sehen. Sie war bemerkenswert gut erhalten, und stellte ein riesiges Insekt dar. Kai grinste.
„Schaut euch das mal an.“ sagte er, „Die sieht ja richtig lebensecht aus.“
Die Skulptur, es war eine gigantische Gottesanbeterin, stand ruhig mitten im Raum... und drehte den Kopf. Kai hätte vor Schreck beinahe die Fackel fallengelassen. Elina, die hinter ihm stand, erbleichte.
„Ein Meentis, bei Wudan, das ist eine Meentis! Wir müssen fliehen!“ flüsterte sie.
Das mutierte Rieseninsekt trat einen Schritt näher. Kai trat vor, und wedelte mit seiner Fackel herum. Tatsächlich schien das Tier seinen Bewegungen zu folgen. Der junge Techno warf die Fackel weit von sich. Die Meentis sah der Fackel hinterher... und wandte sich dann wieder den drei Teenagern zu.
„Verdammt, bei Alan Grant und dem T-Rex hat es geklappt.“ schimpfte der Junge.
Er und die beiden Mädchen rannten los, doch das mutierte Rieseninsekt folgte ihnen. Auf offenem Feld hätte es sie mühelos eingeholt, doch hier war seine enorme Größe ein Hindernis.
„Sind das Götter, zu denen du gebetet hast?“ fragte Amira im Laufen, „Älän Gränt und der Tiräx?“
„Das erzähle ich dir später, wenn wir hier lebend herauskommen.“ versprach Kai, und fand es einmal mehr schade, dass niemand in seiner Nähe popkulturelle Hinweise verstand.
„Warum hast du sie nicht gehört?“ fragte er das Mädchen.
Amiras Mutation verlieh ihr einen scharfen Hörsinn. Das war in vielen Situationen nützlich, denn so konnten sie Gefahren meist aus dem Weg gehen.
„Sie muss sich lautlos bewegen können, oder schon die ganze Zeit über dort gestanden haben.“ gab die Mutantin zurück.
Mit jedem Schritt den sie zurücklegten, kam das Rieseninsekt immer näher. Sie würde sie bald eingeholt haben. Doch plötzlich sah Kai etwas. Es war ein seltsames Schild, welches grün war, eine ebenso grüne Gestalt in einem weißen Quadrat zeigte, neben der sich ein weißer Pfeil befand. Das Schild war schon lange verblichen und auch teilweise überwuchert, dennoch konnte man es noch erkennen. Etwas daran kam ihm bekannt vor... dann fiel es ihm wieder ein. Ein Notausgang.
„Wir müssen in den nächsten Gang einbiegen.“ rief er seinen Freundinnen zu.
Elina hörte und vertraute ihm, und rannte in den Gang, Kai und Amira folgten ihr sogleich. Nun standen sie in einem engen Gang, und vor ihnen war eine überwucherte Wand. Doch der Gang war so eng, dass das Rieseninsekt nicht hineinpasste, zumindest nicht ganz. Die Meentis schob ihren Kopf in den Gang, und näherte sich den Freunden so.
„Jetzt sitzen wir in der Falle.“ jammerte Amira ängstlich.
„Nein, hier können wir hinaus.“ beschied Kai sie und trat zu der von Moos überwucherten Wand. Er tastete an ihr herum, bis er den Türgriff fand. Freudig drückte er ihn herunter... und brach ihn ab. Entsetzt sah er auf den Türgriff in seiner Hand. Durch die Jahrhunderte war er so marode geworden, dass er nun einfach abgebrochen war.
„Dort ist ein Ausgang, durch welchen wir fliehen können.“ sagte er und zeigte auf die überwucherte Tür, „Doch nun kann ich ihn nicht mehr öffnen.“
„Ich übernehme das.“ bot Elina an und trat vor.
Sie war die kräftigste unter ihnen, wenn jemand die Tür zerstören konnte, dann sie. Elina sprang vor, und trat heftig gegen die Tür. Doch die Meentis schob sich immer näher. Kai richtete die Laserwaffe auf sie, stellte die blaue Lampe ein, und schoss zwei blaue Laserkugeln ab. Diese trafen den Panzer, bewirkten jedoch nichts.
„Ihr Panzer ist zu dick. Laserstrahlen können ihn nicht durchdringen.“ stellte er fest.
„Ich... ich glaube... das... das ist ein Weibchen.“ sagte Amira mit zitternder Stimme, „Die... die Männchen haben nämlich Flügel, und sind nur zwei... Drittel... so groß wie die da.“
Das Mädchen versuchte, sich möglichst tapfer zu geben, doch Kai kannte seine Freundin gut genug, um zu erkennen, dass sie riesige Angst hatte. Er strich ihr beruhigend über den Rücken, und legte ihr schließlich einen Arm um die Schultern.
Jetzt wo er die Meentis genauer betrachtete, schätzte er sie auf eine Größe von sechs Metern. Und wenn die Männchen bloß vier Meter groß waren, waren sie wohl trotzdem nicht zu unterschätzen. Auch das hatte sich in den letzten fünfhundert Jahren geändert. Die Tiere, besonders die Insekten, waren zu enormen Größen mutiert, und der Mensch stand schon lange nicht mehr an der Spitze der Nahrungskette.
Elina taumelte einige Schritte zurück. Kai bewunderte das Mädchen. An ihrer Stelle wäre er wahrscheinlich schon ziemlich erschöpft, doch sie hielt sich tapfer. Erneut trat sie zu, doch die Tür des Notausgangs bewegte sich kein bisschen.
Amira zog einen Pfeil hervor, und wollte ihn auf die Bogensehne legen, doch Kai drückte ihre Hand hinunter und sagte: „Wenn eine Laserwaffe nicht durch den Panzer kommt, dann bringen Pfeile auch nicht viel.“
„Was tun wir, wenn Elina die Tür nicht aufbrechen kann?“ fragte Amira verzweifelt, und sah so aus, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen.
„Ich werde es schaffen!“ hörte sie Elinas Stimme, gefolgt von dem Geräusch eines Trittes gegen eine überwucherte Tür.
„Von hier aus könnte ich noch die Regale treffen und sie in Brand stecken.“ sagte Kai, „Das morsche Holz würde schnell in Brand geraten, und die Go... Meentis würde grausam verbrennen. Aber wir kämen auch nicht mehr heraus, denn ihr Körper würde den Gang blockieren.“
„Sie ist kein Dämon, der von Orguudoo entsandt wurde. Sie ist nicht böse, sondern bloß ein Tier. Das wäre sehr grausam.“ meinte Amira, „Und uns würde es auch nicht retten.“
Kai war froh, dass seine Freundin ihm da zustimmte. Doch das Insekt kam immer näher. Ein Kopf der fast so groß wie ein Kleinwagen war, näherte sie den drei Teenagern, und war keine zwei Meter mehr entfernt. Ihre Mandibeln sahen sehr bedrohlich aus. Das schabende Geräusch von Chitinplatten auf Betonboden wurde nur von dem Geräusch der Tritte gegen den Notausgang unterbrochen.
Und plötzlich ertönte ein besonders lautes Geräusch, und die Tür fiel aus den Angeln. Kai sah zu Elina. Nun wirkte das Mädchen wirklich erschöpft, doch sie hatte es geschafft. Sie sah ihre Freunde an und lächelte triumphierend... doch einen Moment später verzog sich ihr Gesicht vor Entsetzen.
„Beeilt euch!“ schrie sie.
Die Kriegerin sprang durch den Notausgang, und Kai folgte ihr. Als letztes sprang Amira, gerade im letzten Moment. Die Meentis hatte sie beinahe erreicht und ließ ihre Mandibeln so knapp vor dem Mädchen zubeißen, dass diese den Luftzug spürte.
Die drei Teenager rappelten sich wieder auf. Durch den schmalen Notausgang würde die Meentis auf keinen Fall passen. Sie stieß eine Art fauchendes Geräusch aus, und Kai hätte in diesem Moment jede Wette angenommen, dass es enttäuscht und verärgert klang.
„Was ist das dort?“ fragte Elina neugierig und deutete auf ein längliches Gerät.
Es war strahlend weiß, sah seltsam neu aus, und lief auf einer Art Kettengetriebe, wie ein Panzer aus dem frühen 21. Jahrhundert. Kuppelförmige, jedoch verdunkelte Fensterscheiben waren vorne und an den Seiten angebracht worden.
„Es könnte das Gefährt von anderen Technos sein.“ vermutete Kai.
Amira ging einige Schritte darauf zu und strecke neugierig eine Hand aus. Doch noch bevor sie das Gefährt berühren konnte, schlug neben ihr ein weißer Laserstrahl in den Boden. Erschrocken drehte sich das Mädchen um. Ein gutes Stück von dem Gefährt entfernt, standen drei Männer. Sie trugen Tarnkleidung und hatten sich in einem Stück Mauerrest versteckt.
„Ich würde nicht zu nahe dran gehen.“ drohte einer von ihnen und wedelte vielsagend mit seiner Laserpistole herum, „Da lässt man den Wagen kurz unbewacht, und schon wollen Halbwilde ihn mit ihren Händen beschmutzen.“
Diese drei Männer waren unverkennbar Technos. Es war deutlich, dass die Tarnkleidung die sie trugen, modernster Stoff war, und eine Schutzschicht aus Plastiflex enthielt. Zwei von ihnen trugen gewöhnliche Laserpistolen, doch einer von ihnen trug etwas, was wie eine Art Laserkanone aussah. Sie war dazu gedacht, größere Tiere zu töten.
„Verschwindet von unserem Wagen, oder sollen wir euch tanzen lassen?“ fragte einer der anderen, und schoss genau vor Amiras Füßen in den Boden, sodass diese erschrocken hochsprang.
Zwei der Männer lachten böse, während der dritte eher betreten aussah, und den Blickkontakt zu den drei Freunden vermied.
Elina und Amira erkannten sie auch als Technos. Sie ähnelten ihrem Freund Kai auf eine gewisse Weise, wie sie so klug und wissend waren. Doch zugleich unterschieden sie sich auch von ihm, denn im Gegensatz zu Kai waren sie arrogant, kalt und sogar ein wenig gehässig.
„Junge, du bist kein Halbwilder, oder?“ fragte einer der anderen, „Was hast du in der Gesellschaft von diesen beiden zu suchen?“
„Sie sind meine Freunde.“ erwiderte Kai, „Und sie können sich besser benehmen als ihr. Da treffe ich zum ersten mal seit Monaten auf andere Technos, und es sind solche wie ihr.“
„Pass mal schön auf, was du da sagst.“ drohte einer von ihnen.
„Komm schon, wir haben wichtigeres zu tun.“ versuchte ihn der Techno der die Laserkanone hielt, zu beruhigen.
„Worüber redet ihr? Weshalb ist er so aufgebracht?“ fragte Elina.
Kai und die Technos hatten sich auf deutsch unterhalten, denn schließlich befanden sie sich im postapokalyptischen Deutschland. Doch die ursprüngliche Sprache wurde nur noch von den Technos gesprochen, die primitiven Menschen redeten ausschließlich in der Sprache der Wandernden Völker. Als Kai den beiden Mädchen erzählte, wie das Gespräch verlief, griffen diese langsam zu ihren Waffen, während Elina vortrat, und sich schützend vor ihn stellte. Kai legte seine Hände auf die der Mädchen, damit sie ihre Waffen nicht zogen. Das würde sie nur noch mehr provozieren. Elina war eine geschickte Schwertkämpferin, und Amira eine gute Bogenschützin, doch gegen Laserwaffen hätten sie keine echte Chance.
„Ich bin Levin, und der Leiter dieser Militäroperation.“ stellte sich der Mann vor, welcher die Laserkanonen hielt, „Deshalb habe ich auch die beste Waffe. Und ich bin erfreut, auf einen anderen Techno zu stoßen. Wenn wir unseren Auftrag erledigt haben, darfst du uns gerne in unseren Bunker begleiten, falls du nicht zu deinem zurückkehren kannst. Aber dieses Angebot gilt leider nicht für die beiden Mädchen in deiner Begleitung. Und du müsstest dich vorher über mehrere Stunden hinweg desinfizieren lassen, weil intime Kontakte zu primitiven Menschen bei uns verboten sind.“
„Wir sollen irgendwelche Riesenkäfer wegballern, die Handelskarawanen angreifen.“ warf ein anderer der Männer ein.
„Mein Name ist Kai.“ erwiderte der Junge, „Doch auch wenn euer Angebot mich ehrt, so muss ich es ablehnen. Ich fühle mich diesen beiden Mädchen viel verbundener als euch. Wir haben schon viele Abenteuer zusammen durchgestanden.“
„Unfassbar. Jemand mit edler Bildung und Kultur lässt sich lieber von halbwilden Mädchen beglücken, als zu seinem Volk, den Technos, zu stehen.“ meinte einer der anderen Männer angewidert, „Und das, obwohl sehr viele Bunker dringend frisches Blut benötigen.“
„Davon abgesehen sind sie meine Freunde, und nicht mehr.“ fügte Kai säuerlich hinzu, „Also ziehen wir nun friedlich fort.“
Er erklärte den beiden Mädchen, dass sie gehen konnten, und dass es keinen Angriff geben würde, als Amira entsetzt auf etwas schaute, was sich hinter ihm befinden musste.
„Die Meentis ist hier!“ schrie sie.
„Wie närrisch von uns. Wenn ein so großes Tier diese Ruine betreten kann, muss es auch eine Öffnung geben, durch die es wieder hinausgelangen kann.“ entfuhr es Elina.
Die drei Technos richteten ihre Waffen auf die riesige, mutierte Gottesanbeterin.
„Nein, ihr müsst fliehen!“ rief Kai, „Laserwaffen bringen bei einem Tier dieser Größe nichts!“
„Als ob wir auf einen Teenager hören würden.“ rief ihm einer der Männer verächtlich entgegen.
Sie schossen auf das große Tier, doch ihre Waffen richteten keinen echten Schaden an. Die Meentis sprang vor, und packte einen der Technos mit ihren Mandibeln. Für ein Tier ihrer Größe war sie erstaunlich schnell. Kai sah entsetzt den Techno in den Mandibeln der Meentis zappeln, als eine Hand sich hart um seinen Unterarm legte.
„Los jetzt, wir müssen fliehen!“ sagte Elina.
„Müssen wir nicht ihnen helfen?“ fragte der Junge.
„Wir können es nicht. Wir würden nur ebenso umkommen.“ sagte Amira eindringlich.
Kai warf einen bedauernden Blick auf die drei Technos, dann rannte er mit seinen Freundinnen davon. Die Welt war in den letzten fünfhundert Jahren zu einem grausamen Ort geworden, und man konnte nicht immer jemandem helfen. Auch wenn diese drei Technos die beiden Mädchen so abfällig behandelt hatten, so wünschte er es doch keinem von ihnen, Futter für ein mutiertes Rieseninsekt zu werden.
Sie hörten hinter sich noch die Schreie, als die Meentis und die Technos schon lange außerhalb ihrer Sicht waren. Die beiden Mädchen, besonders Elina, hätten Kai mühelos abhängen können, doch sie nahmen auf ihn Rücksicht, und liefen nicht so schnell, wie sie es gekonnt hätten.
Und so liefen sie zu dritt auf eine Baumgrenze zu, welche das Ende der Stadt und den Beginn eines Waldes darstellte.
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