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Unexpected

von Akanne
OneshotAllgemein / P12
Gavin Reed RK900
17.05.2019
17.05.2019
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Seine Schritte wurden langsamer. Doch ob es daran lag, dass er langsam keine Kraft mehr hatte, konnte Gavin Reed nicht genau sagen. Was er jedoch mit einem Grinsen erkannte, war, dass der Andere in eine Sackgasse gerannt war. Endlich hatte die Verfolgung ein Ende, dachte sich der Detektive, als er neben seinem Partner zum Stehen kam und schnaufend nach Luft schnappte. Er beugte sich etwas nach vorne und stützte sich mit seinen Händen auf den Oberschenkeln ab.

„Das war´s!“, meinte Gavin und stellte sich wieder aufrecht hin. „Keine Spielchen mehr!“

Der Mann, einer der bekanntesten Drogendealer der Stadt, trat einen Schritt nach hinten und schaute sich um, als würde er nach einem Ausweg, nach einer Fluchtmöglichkeit, suchen. Doch gab es keine. Das war dem Dealer genauso klar, wie Nines, der schon vor einigen Blocks zu diesem Ergebnis gekommen war. Und doch wussten beide, dass es so einfach nicht enden würde.
Bevor der Android jedoch irgendetwas machen konnte, fing Gavin an, sich dem Kriminellen langsam zu nähern und auf ihn einzureden:

„Du bist in einer verdammten Sackgasse, Mann!“ Am liebsten würde Nines seinen Kollegen zu sich ziehen, denn so, wie er sich gerade verhielt, war er dabei, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Mal wieder. Leider war der Detektive zum einen zu weit von ihm entfernt, als dass er ihn einfach am Arm hätte zurückhalten können und zum anderen konnte Nines nicht einfach seinen Blick von dem Dealer nehmen. Aber einfach tatenlos wie eine Dekoration herumstehen, konnte er auch nicht.
„Detektive…“, versuchte er also, bekam jedoch eine Antwort, mit der er schon gerechnet hatte: Keine. Gavin trat nur einen weiteren Schritt nach vorne.

„Hier wird es gleich nur so von Polizisten wimmeln.“, sprach der Detektive einfach in einem Tonfall weiter, als würde er alles wissen und auf den Anderen mit leichtem Spott herunterblicken. Nun war er fast zwei Armlängen von dem Dealer entfernt und er war sich sicher, seinen Fall endlich abschließen zu können, ohne weitere, große Zwischenfälle. Er musste den anderen nur davon überzeugen können. „Es ist vorbei.“
Der nächste Schritt war ein Fehler von Gavin. Er war dem Dealer mittlerweile zu nah gekommen und dieser letzte Schritt ließ diesen zu der letzten Maßnahme greifen, die er noch als Ausweg sah. Plötzlich ging alles sehr schnell.
Die Hand des Dealers schnellte zu seiner Waffe, die er am Rücken unter seinem Shirt am Hosenbund versteckt hatte. Gavin sah nur noch, wie der Lauf auf ihn gerichtet wurde, bevor er seine eigene Waffe aus dem Holster ziehen konnte. Er kniff seine Augen unbewusst zusammen und zuckte stark, als er einen Schuss vernahm. Ein zweiter Schuss hallte kurz darauf in der Gasse wider.

Verwirrt öffnete der Detektive wieder seine Augen und sah an sich herunter. Das verstand er nicht. Wurde er nicht gerade angeschossen? Sollte er dann nicht Schmerzen haben und auf den Boden fallen? Oder stand er noch so unter Adrenalin, dass er es gar nicht spürte?
Seine Hand, die an seinem Oberkörper nach einer Wunde suchte, stoppte, als er Nines bemerkte, der mit dem Rücken zu ihm gewandt stand. Wann war er…?
Bevor er sich jedoch große Gedanken darum machen konnte, bemerkte er noch etwas anderes: Der Dealer lag bewegungslos auf dem Boden und die Verstärkung, die plötzlich hinter ihnen stand, schlich vorsichtig zu ihm, prüfte, ob er noch lebte. Sie hatten ihn jedoch mit ihren Schüssen erfolgreich erschossen.

Nines drehte sich zu Gavin um, um zu gucken, ob es diesem gut ging. Er scannte ihn für mögliche Verletzungen, die er sich vielleicht während des Schusswechsels zugezogen haben könnte, doch außer einen sehr hohen Puls fand er nichts Auffälliges. Gavin dafür schon. Er fand ein Loch in Nines´ Jacke, aus dem Blau austrat und einige Striemen auf dem Weiß hinterließen.
Seine Augen wurden größer. Der erste Schuss war also doch von dem Dealer und nicht von den anderen Polizisten abgedrückt worden.

Wie in Trance hob Gavin seine Hand. Er konnte nicht verstehen, warum dieser verdammte Android einfach diesen Schuss für ihn eingesteckt hatte. Warum er sein eigenes Leben in Gefahr gebracht hatte. Die einfachste Antwort wäre, dass die Androiden dafür programmiert waren, Menschen zu retten und sogar vor ihr eigenes Leben zu stellen, doch stimmte das nicht. Das tat es schon lange nicht mehr. Androiden hatten schon vor Jahren gezeigt, dass sie mehr als nur Roboter waren, dass sie Individuen, wie alle anderen auch, waren und ein eigenes Denkvermögen besaßen, dass sie eigenständig dachten, also auch handeln ließ.
Nines hätte ihn also auch einfach sterben lassen können, hätte nichts machen müssen, um ihm zu helfen. Er hätte den Dealer einfach ausknocken können, nachdem er den Abzug betätigt hatte, um ihn danach mit Leichtigkeit verhaften zu können. Er hatte sich aber dafür entschieden, sich vor Gavin zu stellen.

Als der Detektive bemerkte, dass er seine Hand zu der Wunde des Androiden ausstrecken wollte, zögerte er. Schließlich nahm er sie wieder nach unten und ballte sie zur Faust.
Am liebsten würde er Nines anschreien, ihm sagen, wie dumm seine Entscheidung war und dass er knapp dem Tod entkommen war. Am liebsten würde er ihn schubsen, um seine Wut zu untermauern und ihm zu sagen, dass er so etwas nie wieder machen sollte.
Am liebsten würde er so Vieles machen, doch als die Sanitäter zu ihnen stießen, zwang Gavin sich dazu, ruhig zu bleiben.

Jetzt war nicht die richtige Zeit, um seine Wünsche in die Tat umzusetzen. Jetzt nicht.
Später vielleicht.
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