Poison in My Veins

von Iabbatu
GeschichteAngst / P18 Slash
Lincoln Borrows Michael Scofield
17.05.2019
17.05.2019
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17.05.2019 2.398
 
Trigger Warnung: Inzestuöse Gefühle und Gedanken, jedoch keine Handlungen. Thema wird mit der notwendigen Ernsthaftigkeit behandelt - wer sich auch im fiktionalen Bereich damit unwohl fühlt, kehrt jetzt bitte um.



Michael fühlt, wie die Luft aus seinen Lungen gepresst wird, als sein Rücken mit der Küchentür kollidiert – hart genug, dass sich morgen ein blauer Abdruck der Klinke knapp über seiner Hüfte abzeichnen wird.

Lincoln scheint sich da noch nicht ganz sicher zu sein, frei nach dem Prinzip ‘Doppelt hält besser’. Er ignoriert Michaels überraschtes Keuchen, seine Finger nach wie vor im Kragen von Michaels Hemd verkrallt und zieht ihn wenige Zentimeter von der Tür weg, nur um ihn erneut mit noch mehr Kraft dagegen zu stoßen.

„Was denkst du dir eigentlich, du Wichser?! Glaubst du, ich merk nicht, was hier läuft?“

Michaels Kopf dreht sich von der Flut an Eindrücken und vielleicht auch ein wenig von dem Zusammenprall mit dem massiven Holz der Eichentür – ein dunkles, gleichmäßiges Pochen, ganz anders als der beißende Schmerz an seiner Hüfte, wo kaltes Metall sich unnachgiebig in sein Fleisch drückt. Lincoln schaut ihn an, wie er es nur tut, wenn es ihm ernst ist – Lippen zusammengepresst, Augen lodernd vor Wut. Michael kann nicht antworten, nicht richtig atmen, ist nicht einmal in der Lage, klar geradeaus zu sehen. Zu viel, zu schnell, zu unerwartet.

Es ist nicht das erste Mal, dass das passiert, und es wird auch nicht das letzte Mal sein. Lincoln steht ständig unter Druck, Stress, Drogen, und Michael hat ein Talent, in den falschen Momenten das Falsche zu sagen. Das hier ist ungewohnt, weil Lincoln nicht betrunken ist, sich nicht bewegt, als würde die Wut unter seiner Haut kribbeln und nur darauf warten, auszubrechen. Lincoln ist nüchtern und er will Michael wehtun.

Nichts sagen erweist sich als die falsche (richtige) Taktik, da es Lincoln nur noch wütender macht. „Guck mich verdammt nochmal an, wenn ich mit dir rede!“
Er packt Michaels Kiefer und zerrt ihn grob nach oben, zwingt ihn, Lincoln in die Augen zu schauen. Seine Finger pressen hart gegen Michaels Kieferleiste, als wollte er den Knochen mit bloßen Händen brechen. Michaels Puls flattert unter seinen Fingern wie ein gefangener Vogel.

„Du hast jetzt dreißig verfickte Sekunden Zeit, mir zu erklären, warum ich von Alec hören muss, dass mein kleiner Bruder in der Schule Crack vertickt. Und wenn du mich anlügst, breche ich dir deinen verdammten Hals.“
Lincoln beugt sich nach vorne, seine Augen zu Schlitzen zusammengekniffen, wie ein lauerndes Tier. Er klingt erstaunlich ruhig, doch die Drohung in seinen Worten ist unmissverständlich und Michael muss mit Mühe ein Schaudern zurückhalten.
Lincoln will ihm wehtun, will sicherstellen, dass Michael es sich dreimal überlegt, bevor er je wieder eines dieser netten, harmlosen Päckchen unauffällig in seiner Tasche verschwinden lässt, geschweige denn je einen Gedanken daran verschwendet, den Kram selbst zu nehmen. Die Tatsache, dass Lincoln mit genau demselben Zeug ihre Miete bezahlt und mindestens vier Tage die Woche irgendwas einwirft, scheint hier keine Relevanz zu haben.

Lincoln ist vielleicht nicht fair, aber auch nicht nachtragend. Es wäre einfach, so schrecklich einfach ihn um Verzeihung zu bitten. Reue zu zeigen, in ein paar einfachen Sätzen zu erklären, dass er nichts verkauft, sondern nur mit gewissem Nachdruck überzeugt wurde, dass es besser für ihn wäre ein paar Päckchen von A nach B zu bringen, zumindest wenn ihm etwas an seiner körperlichen Unversehrtheit liegt. Lincoln wäre immer noch wütend – hauptsächlich, weil Michael ihm vorher nichts davon erzählt hat, aber er würde aufhören, ihn grün und blau zu schlagen. Es gibt weit schlimmeres, als einen Tag mit passiv aggressiven Kommentaren und Ignoranz gestraft zu werden, bis sein Bruder sich wieder abgeregt hat. Michael weiß aus Erfahrung, dass Lincoln nicht länger als 18 Stunden am Stück sauer auf ihn sein kann.

Doch da ist dieses Etwas, bitter wie Metall auf der Zunge, dass sich dunkel und drängend von innen gegen Michaels Schädeldecke drückt, sich ausbreiten will, verdreht und absolut krank – das sich unter Lincolns kompletter Aufmerksamkeit wohlig windet und jeden neuen Reiz aufsaugt.

Michael schließt die Augen, nimmt einen tiefen Atemzug und zählt langsam von zehn runter.
Dann stößt er Lincoln mit aller Kraft zurück.
Es ist mehr der Überraschungseffekt, als sein voller Körpereinsatz, der Lincoln nach hinten stolpern lässt, aber er nimmt, was er kriegen kann – wie immer, wenn es um seinen Bruder geht.
„Ernsthaft? Gerade du brauchst von mir ‘nen Grund fürs Drogen nehmen? Du bist jeden verfickten Tag high!“

Zwei endlose Sekunden ist es totenstill, dann explodiert brennender Schmerz in Michaels Unterleib und sein Keuchen hallt im gesamten Raum wider.

Der Schlag in seine Magengrube ist nicht unbedingt unerwartet, die Intensität jedoch schon. Michaels Knie sacken ein und seine Oberkörper krümmt sich, sein Magen krampft sich schmerzhaft zusammen, als müsse er sich jeden Moment übergeben.

„Du sagst mir nicht was ich tun und lassen kann, du kleiner Schwanzlutscher.“
Lincoln knurrt die Worte mehr als, dass er sie spricht und schubst Michael grob zurück, eine Hand verkrallt sich erneut im Stoff seines Shirts.
Michael würgt ein „Du hast mir gar nichts zu sagen“, hervor, immer noch nach Luft ringend.

Er ist zu langsam, um Lincolns geballte Faust abzublocken, die seinen Kiefer mit einem lauten Knacken präzise trifft.
Sein Kopf fliegt zur Seite von der Wucht des Schlages und pulsiert dumpf, das Blut rauscht zu laut in seinen Adern, donnert in seinen Ohren und alles schwimmt vor seinen Augen.
„Du willst die harte Tour?!“, zischt Lincoln hinter zusammengebissenen Zähnen und zwingt Michael mit zwei Handgriffen auf den Boden – zu schnell um zu kategorisieren, wie genau er das eigentlich anstellt – Michael weiß nur, dass seine Knie schmerzen und der Arm hinter seinem Rücken brennt von der Überdehnung.
Lincoln drückt ihn mühelos mit seinem Körpergewicht nach unten, raubt ihm jegliche Bewegungsfreiheit und Michael weiß, dass sein Bruder mehr Übung darin hat als er sollte, aber es hindert ihn offensichtlich nicht daran, genau diese Situation immer wieder zu provozieren.
Alles tut mittlerweile weh. Lincolns Hände, die seinen Arm und seine Hüfte umschließen üben genug Druck aus, um Blutergüsse zu hinterlassen und brennen auf seiner Haut. Es fühlt sich gut an, und von dem Gedanken wird ihm noch schlechter, als von dem Schlag in die Magengrube.

Sein Puls rast und ihm ist schwindelig, trotzdem versucht er sich aus Lincolns eisernem Griff herauszuwinden, nur um festzustellen, dass es zwecklos ist. Er schafft es irgendwie, seine Hand freizubekommen und sie mit aller Kraft gegen Lincolns Solarplexus zu stoßen, was zumindest ein heiseres Aufkeuchen von seinem Bruder mit sich bringt, doch er ist stärker als Michael.
Es ist ein Kinderspiel für ihn, Michael zurück auf den Boden zu drücken und ihn dort zu fixieren, ihn mit seinem Körpergewicht unten zu halten.

Alles verschwimmt, überlappt sich, verliert an Kontur; zu viele Eindrücke, eine Reizüberflutung aus Armen und Beinen und Schmerz, Lincs Geruch und seine rauen Hände auf Michaels schmerzender Haut. Das dunkle, gierige Etwas kuschelt sich direkt unter Michaels Brustkorb, über sein bebendes Herz.

„Macht es das besser für dich? Ist das ’ne Art Power Trip, deinen kleinen Bruder zusammenzuschlagen? Macht dich das geil?“
Michael keucht die Worte, seine Stimme ist nicht mehr als ein armseliges Winseln, aber es ist egal – es reicht, um Lincolns Blick in reines Feuer zu verwandeln, Wut, Ärger und Abscheu so deutlich über sein Gesicht flackern zu sehen, als wären sie aufgemalt.

Manchmal glaubt Michael, dass er es mit Absicht macht. Dass er Lincoln solange herausfordern will, bis er ihm sagt bis hier hierhin und nicht weiter, bis die Toleranz seines Bruders ein Ende hat und er Michael in die nächstbeste Anstalt verfrachtet, wo er ohne Zweifel hingehört.

Der Tag wird kommen, ist unausweichlich – doch er ist nicht heute. Heute drückt Lincoln ihn nur noch nachdrücklicher nach unten und gräbt seine Finger tiefer in sein Fleisch, als wolle er ihn mit bloßen Händen zerreißen.

„Am liebsten würd’ ich dir einfach dein verdammtes Maul stopfen“, knurrt er, gefährlich leise, und Michael schaudert. Es klingt mehr nach einem Versprechen als nach einer Drohung und er beißt sich auf seine Lippe, bis er Blut schmeckt.
Lincolns Hand gleitet zu Michaels Hals, langsam und mit zu viel Druck und die Erwartung in seinem Unterleib zittert wie ein lebendiges Tier. Lincolns Daumen presst sich in die Höhle unterhalb seiner Kehle, drohend, und Michael wimmert, streckt ihm seinen Hals entgegen – Unterwerfung und Herausforderung zugleich, bettelt beinah darum.
Lange Finger schließen sich um seinen Hals als würden sie dort hingehören und drücken gegen seine Luftröhre, warm und verheißend und unnachgiebig.
Michaels Puls rast und Lincoln muss es spüren, wie das Blut unter seinen Fingern entlang rauscht, das Adrenalin in jedem Winkel seines Körpers kribbelt, das überforderte Stöhnen welches durch Michaels Kehle vibriert – zu viel, zu viel von allem. Er verliert das Gefühl für den Raum um ihn herum, den Boden unter ihm, der Sauerstoffmangel lässt die ersten schwarzen Punkte vor seinen Augen tanzen und Lincoln schaut ihn immer noch mit diesem unkontrolliert, so unendlich wütenden Blick an und schließt seine Finger noch enger um seinen Hals, bis er würgen muss und Tränen in seine Augen steigen. Dann, plötzlich, sind seine Hände weg, zusammen mit seinem Gewicht, und nur noch der Schmerz ist da.

Michael keucht und hustet, krümmt sich zusammen und Lincoln lässt ihn, steht auf und lässt ihn einfach dort auf dem Fußboden liegen. Michael hört, wie er die Lederjacke vom Stuhl nimmt und seine Schuhe anzieht, dann die quietschende Tür und das Klicken des Schlosses.

Danach ist es still. Der Raum fühlt sich hohl an, leer. Fremd.
Er bleibt liegen und starrt an die Decke, wartet, bis die schwarzen Punkte aus seinem Sichtfeld verschwinden.
Seine Körper fühlt sich auch fremd an, zu heiß, summend mit nervöser Energie und verdrehtem Verlangen nach Berührung und Michael will nicht weiter darüber nachdenken, als würde seine pochende Erektion verschieden, solange er ignoriert, dass sie überhaupt da ist.
Seine Haut prickelt überall dort, wo morgen blaue und rote Blutergüsse aufblühen werden und das Atmen schmerzt.
Er hebt seine Finger vorsichtig zu seinem Hals und streicht über seine Kehle, wo Lincolns Finger noch Minuten zuvor seine Haut malträtiert haben. Die Berührung lässt ihn aufkeuchen – nicht unbedingt vor Schmerz, obwohl davon auch genug dabei ist. Er fühlt sich kalt und leer und das Dunkle Etwas, welches sich behaglich in Michaels ganzen Körper ausgestreckt hat, will Lincolns unnachgiebige Finger zurück, unter denen jeder Atemzug brennt.

Es ist krank. Krank auf absolut jeder Ebene und Michael weiß das, weiß es seit Jahren. Es ändert nichts daran, dass er so hart ist, dass er nicht mehr klar denken kann und in ein paar Tagen Lincolns Abdrücke auf seiner Haut vermissen wird. Er wünscht, er könnte den Teil, der Lincoln so verzweifelt will, dass es weh tut einfach herausreißen – könnte seine Bauchdecke aufschneiden und das Dunkle Etwas mit blutigen Fingern aus seinen Gedärmen klauben. Wünschte, er würde das alles nicht fühlen.

Er bewegt sich für die nächsten zwanzig Minuten nicht, sondern starrt nur an die Decke mit ihren gelblichen Wasserflecken, seine Erektion genauso ignorieren wie die heißen Tränen, die seitlich seine Schläfen hinab rinnen und auf der Haut trocknen.
Alles fühlt sich dumpf und schwer an und die Zeit zieht sich wie altes Kaugummi.

Als er schließlich aufsteht, fühlt er sich ausgelaugt und der Schmerz hat sich tief in seine Knochen gesetzt, vibriert angenehm mit jeder Bewegung.
Es gibt Tausend Leute, die Schmerzen erregend finden. Keine große Sache. Die Tatsache, dass es nicht die Schmerzen, sondern der Nachklang von Lincolns Händen auf seiner Haut ist, die ihn das hier genießen lassen, ignoriert er.

Es dauert drei Stunden, bis Lincoln zurück kommt – Michael liegt bereits zusammengerollt im Bett, darauf wartend, das Knarren der Tür zu hören. Er blinzelt verschlafen in das Gesicht seines Bruders, als dieser sich neben ihm auf die Bettkante gleiten lässt und fühlt sanfte Finger, die über seine Schläfen streichen – ein krasser Gegensatz zum heutigen Nachmittag. Sie sind warm auf seiner Haut und Michael hat ihm bereits verzeihen, bevor er nur ein Wort gesagt hat.

„Es tut mir leid“, murmelt Linc, und streichelt über Michael kurzgeschorenes Haar, immer noch mit so viel Vorsicht, dass Michael erneut Tränen in seinen Augen spürt.

„Schon vergessen“, wispert Michael zurück. Seine Stimme zittert ein wenig.

Lincoln schüttelt den Kopf, Augenbrauen zusammengezogen, seine Finger immer noch auf Michaels Hinterkopf ruhend.
„Du hattest recht. Ich bin das schlechteste Vorbild, dass es gibt. Und das eben … das ging gar nicht. Aber ich will nicht zuschauen müssen, wie du dir deine Zukunft wegen so einem Scheiß verbaust.“

Michaels will widersprechen, aber er beißt sich im letzten Moment auf die Zunge.
Lincolns Fingerkuppen fahren für den Bruchteil weniger Sekunden über seine Kehle, sanft, beinah liebevoll und selbst im schummrigen Licht des flackernden Tankstellenschildes, welches durch das zu kleine Fenster fällt, sieht Michael die Reue in seinen Augen. Lincoln ist schon immer besser darin gewesen, sich mit Taten statt mit Worten zu entschuldigen. Michael hingegen hatte nie ein Problem mit Worten und deshalb bewegen sie sich hier gerade auf verdammt dünnem Eis. Er ist müde, Lincolns Hände auf seiner Haut sind das Einzige, an das er denken kann und er könnte tausend Dinge sagen, möchte tausend Dinge sagen, die sein Bruder ihm nie verzeihen könnte. Letztendlich lässt er es – Lincoln verdient das nicht.

„Ich weiß. Sorry“, murmelt er, nicht wirklich aussagekräftig, aber anscheinend ausreichend für Lincoln, der neben ihm auf die Matratze sinkt und ihn an sich zieht, Michaels Kopf unter seinem Kinn platziert und die Arme um ihn schlingt, wie er es nur tut, wenn er ein wirklich schlechtes Gewissen hat.

Für einen Moment bleibt Michael steif liegen, doch dann entspannt er sich und schmiegt sich an Lincolns Seite, absorbiert die Nähe und Wärme, die sein Bruder ihm so gedankenlos anbietet.
Er schläft besser als seit Wochen, mit Lincolns schlagendem Herzen genau neben ihm, so nah, dass er es spüren kann.

Am nächsten Morgen, als bleiche Sonnenstrahlen durch das zu kleine Fenster scheinen, ist sein Bruder verschwunden, aber ein Papierkranich steht auf dem üblichen Platz, um ihn zu begrüßen.
Michael nimmt ihn vorsichtig in seine Hand und presst die andere automatisch gegen seine schmerzende Kehle; Lincs Werk, der Kranich sowie der Bluterguss.
Veronica hat oft gesagt, es sei verstörend, wie Zuneigung und Gewalt bei Linc Hand in Hand gehen. Michael findet es verstörender, dass seine Reaktion auf beides genau gleich ausfällt; er will mehr davon.



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