Crime Sorcière

von Donoma
GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Cobra Erza Scarlet Gerard Fernandez Kinana / Cubellios Levy McGarden Lucy Heartfilia
17.05.2019
10.09.2020
46
72.768
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17.05.2019 1.311
 
Herzlich willkommen zu dieser, meiner neuen Geschichte!
Ein Alternative Universe diesmal... fernab von allem, was ich bisher in diesem Fandom geschrieben habe.
Mit dem Auftakt zu diesem neuen Projekt möchte ich mit euch meinen Geburtstag feiern - und ich hoffe, auch ihr werdet Freude haben: Viel Spaß! ... äh... wenn das der richtige Wunsch für die folgende Szene ist... ;)
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»Lieber Nathan, liebe Umika, liebe Kagura… liebe Trauergemeinde… hier nun müssen wir Abschied nehmen, von einem jungen Menschen, der uns viel zu früh genommen wurde…«

Die Worte, die vorne am Pult, direkt neben dem blumengeschmückten Sarg gesprochen wurden, rauschten an ihm vorbei. Er stand in der hintersten Ecke, hoffte, dass niemand seine Anwesenheit bemerken würde, denn er wusste, niemand hier würde sie gutheißen. Aber er hatte dabei sein müssen.

Bitte lassen Sie mich Abschied nehmen. Er war mein Freund. Ich habe das alles nicht gewollt.
Er wusste nicht, womit er verdient hatte, dass die Polizisten ihm diese Worte geglaubt hatten. Vor der Trauerhalle stand der Streifenwagen, der ihn nach der Trauerfeier mitnehmen würde. Auf direktem Weg ins Jugendgefängnis. Er hatte es verdient.

»… schlimm, wenn Eltern ihre Kinder verlieren, doch noch mehr schmerzt das Wissen einen Großvater wie mich, der seinen Enkel vor sich gehen sieht...«

Wie hypnotisiert starrte er nach vorne. Er sah den alten Mann, weißhaarig und gebeugt an dem schwarzen Rednerpult stehen, sich die Tränen nur mühsam verkneifend.

Er selbst konnte nicht weinen. So sehr er sich wünschte, dass Tränen seinen Blick verschleiern würden, er sah alles klar und deutlich.
Er sah die Mutter des Verstorbenen, die mit den Händen in ihrem Schoß ein Stofftaschentuch knetete, bemüht, die Fassung zu behalten.
Er sah den Vater des Verstorbenen, der die heulende, kleine Schwester des Toten im Arm hielt.
Er sah Familie und Freunde… Menschen, die ihm so nah waren, dass es fast auch seine Familie und Freunde… gewesen waren.
Er hatte kein Recht mehr, sie so zu bezeichnen.
Er sah die Chrysanthemen, die auf dem weißgelackten Sarg lagen. Chrysanthemen, das waren seine Lieblingsblumen gewesen. War es Hohn, dass es sich dabei um traditionelle Trauerblumen handelte?

Noch immer keine Tränen.

Er sah die weißen Lilien in dem Trauerkranz, den seine Eltern gespendet hatten. Seine Eltern, die den Verstorbenen fast als eigenen, zweiten Sohn angesehen hatten. So wie er selbst von dessen Eltern als zweiter Sohn angenommen worden war.
Verdammt, sie waren wie Brüder gewesen!

Noch immer keine Tränen.

Er sah das Foto des Toten, das in einem silbernen Rahmen neben dem Sarg aufgestellt worden war. Ein gutaussehender, schwarzhaariger, breitschultriger, junger Mann, kaum achtzehn Jahre alt.

»Ein kluger Mensch, dessen Namen wir nicht kennen, hat in Worte zu fassen vermocht, was mir nun schwer fällt. So möchte ich nun ihn zitieren: ‚In life I loved you dearly, in death I love you still. In my heart you hold a place, noone could ever fill. – But now I know you want me, to mourn for you no more. Remember the happy times, life still has much in store.‘ Ich bin ein alter Mann. Doch euch, liebe Trauergemeinde, will ich diese klugen Worte mit auf den Weg geben, der nun vor uns liegt. In tiefer Trauer müssen wir Lebe Wohl sagen… und dies sage ich bewusst, denn in unseren Erinnerungen, unseren Herzen wird er ewig leben. Lebe wohl, mein geliebter Enkel.«

Endlich kamen sie, die Tränen.
Rannen heiß wie Blut über seine Wangen, nässten seine Haut, ließen seinen Blick verschwimmen. Es war eine Erlösung, als er aufschluchzte. Er presste die Hände vor das Gesicht, hörte und sah nichts mehr. Auch nicht, dass jetzt vier der Trauernden, darunter der Vater des Verstorbenen, nach vorne traten und den Sarg aufnahmen, um ihn aus der Trauerhalle auf den Friedhof zu tragen. Er bemerkte nicht, dass nun auch der Rest der Trauergemeinde aufstand, um sich der Prozession anzuschließen – und er bemerkte auch nicht, dass er in seiner Ecke entdeckt worden war.

»DU!«

Erst ihre Stimme ließ ihn zusammenzucken. Er ließ die Hände sinken.
Da stand sie vor ihm, das ungewohnt kurzgeschnittene, tiefrote Haar verschmolz fast mit dem schwarzen Trauergewand. Ihre Schminke war verlaufen, auch sie hatte geweint… natürlich hatte sie geweint.
Fast hätte er trocken aufgelacht.
Der Verstorbene war immerhin ihr Freund gewesen. Sie hatte ihn geliebt und auf so schreckliche Art und Weise verloren… Doch in ihren Augen lag unter der Trauer noch etwas anderes: Wut. Tiefe, verzehrende Wut.

Seine Kehle war trocken, er brachte kein Wort heraus.

»Du wagst es, hier zu erscheinen!?«

»Ich-«

Weiter kam er nicht. Mit einem Blick über die Schulter, zu der entschwindenden Trauergemeinde, packte sie seinen Arm und zog ihn mit sich.
Er wehrte sich nicht, konnte es nicht, stolperte einfach hinter ihr her.
Sie zerrte ihn in den Vorraum der Halle, auf eine Tür zu. Krachend schlug die Tür hinter ihr zu und sie befanden sich allein in einer kleinen Kammer.
Noch vor nicht allzu langer Zeit, hätte er jubiliert, in dieser Situation, doch jetzt… jetzt stand ihm eine gänzlich andere Frau gegenüber, als sie noch vor einigen Tagen gewesen war. In ihrem wadenlangen, schwarzen Samtkleid war sie fast unsichtbar in der dunklen Kammer, aber er brauchte sie auch nicht zu sehen, um zu wissen, dass ihre braunen Augen, ihre wunderschönen, tiefbraunen… ähem… dass die noch immer und mehr denn je vor Zorn funkelten.

Am liebsten wäre er vor ihr auf die Knie gefallen, hätte seinen Schuldgefühlen Luft gemacht, aber das ließ sein Stolz nicht zu. Nicht ihr gegenüber, der er immer den großen Beschützer, den Starken vorgespielt hatte.
Dennoch erschrak er fast, als er seine eigene Stimme hörte, es war, als würde jemand völlig anderer aus ihm sprechen: »Er war doch selbst dafür verantwortlich, dass er das Zeug genommen hat.«

Stille.
Sie schien den Atem angehalten zu haben, bei diesem Vorwurf.


Nein! Das… das wollte ich nicht sagen! Ich… ich weiß doch, dass es nicht seine Schuld war. ICH habe es besorgt! ICH habe mich von dem Preis blenden lassen!
Er hörte sie seinen Namen zischen und wusste, dass sie auf einmal direkt vor ihm stand. Mit den Absatzschuhen war sie genauso groß wie er. Genau auf seiner Augenhöhe. Und das machte ihm Angst.
Im nächsten Augenblick bohrte sich ein Finger in seine Brust. Es war ein Gefühl, als durchbohre sie sein Herz, als sie ihm die nächsten Worte geradezu entgegenschleuderte: »DU hast ihm das gepanschte Zeug angedreht! DU warst es, DU ganz allein! DU HAST IHN UMGEBRACHT, GÉR-«




„Onii-chan! Onii-chan!“
Eine andere Stimme. Jünger, kindlicher… freundlicher.

Schweißgebadet schreckte er auf.

Ein Mädchengesicht, umrahmt von langen, blauen Haaren, beugte sich über ihn. Besorgt blitzten ihre braunen Augen im spärlichen Licht der auf den Boden gerichteten Taschenlampe in ihrer Hand. Offenbar hatte sie das Zimmerlicht nicht anschalten wollen. „Onii-chan!“

Er atmete tief durch und brachte ein schales Lächeln zu Stande. „Ist schon gut, imouto-chan“, versuchte er sie zu beruhigen, während er sich halb im Bett aufsetzte. Mit dem Handrücken strich er dem Mädchen, das einen Schritt zurückgetreten war, über die Wange. „Eigentlich sollte ich doch dich vor Albträumen retten, Wendy. Ich bin doch der große Bruder...“

Da setzte sie sich zu ihm auf die Bettkante. „Aber du träumst doch schlecht, Onii-chan!“

„Ich weiß, Wendy. Es tut mir Leid, dass ich dich geweckt habe. – Geh‘ wieder schlafen, morgen ist Schule“ Er strich ihr noch einmal über die Wange und schubste sie dann sacht von seiner Matratze.

Ohne einen weiteren Einwand verließ sie sein Zimmer. Er hörte ihre tapsenden Schritte auf dem Flur, dann ihre eigene Zimmertür. Zwei Minuten später war es wieder still in der Wohnung.

Mit einem Stoßseufzer ließ er sich zurück in sein Kissen fallen, verschränkte die Arme unter dem Kopf und starrte an die Zimmerdecke hinauf. Es würde ihn wohl niemals loslassen, was damals geschah. Ein Tritt auf den falschen Pfad hatte ihm sein Leben zerstört.
Und wer war schuld daran?
Einzig und allein er selbst.
SIE hatte damals Recht gehabt.
ER hatte ihn umgebracht...
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