Thorhendil

von Tauruial
GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
16.05.2019
20.05.2019
10
16641
1
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Schneebedeckte Weite. Überall dieses gleißende eiskalte Weiß. Beine, die immer schwerer werden. Mit jedem Schritt fühlen sie sich an wie purer Blei, der langsam mit dem Untergrund verschmilzt.
Plötzlich ertönt ein Horn. Ein lang gezogener Ton ein, ja was war es, ein Jagdhorn? Sie dreht sich um, um in die Richtung zu sehen, von der der Ton kam, während sie rückwärts einige Schritte weiterläuft und… fällt!
Tosender Wind umgibt sie. Ohrenbetäubend rauscht er um sie herum, trägt sie immer weiter abwärts, in ein weißes Nichts. Sie schließt die Augen, hält für einen Moment die Luft an, da der Wirbelsturm um sie herum keine Luft zum Atmen zulässt und prallt mit einem plumpen Geräusch auf staubigem Boden auf. Nein, das war kein Staub. Eiseskälte empfängt sie. Langsam richtet sie sich auf und es erklingt wieder das Horn, dieses Mal jedoch näher. Sie sieht sich um und erkennt, dass der vermeintliche Staub Schnee ist und in der Ferne, am Horizont, kann sie eine graue, sich bewegende Masse ausmachen. Irgendwo hinter sich hört sie eine tiefe Stimme in einem befehlsartigen Ton Worte in einer fremden, jedoch vertrauten Sprache sagen und kurz darauf hört sie ein Surren in der Luft. Die graue Masse rückt immer näher und nun kann sie einige grauenhafte entstellte Gesichter erkennen. Dunkle, lederne Haut, furchteinflößende spitze Zähne, Keulen und Klingen in ihren Klauen und dieses ohrenbetäubende infernalische Gebrüll, welches ihren Kehlen entrinnt. Und wieder dieses Surren in der Luft, direkt über ihrem Kopf und wenig später brechen einige dieser grauenvollen Kreaturen mit gurgelnden und erstickenden Lauten zusammen. Sie wirbelt herum und unmittelbar hinter ihr rückt eine Front von hochgewachsenen und majestätischen Kriegern in silber glänzender Rüstung heran, bewaffnet mit Pfeil und Bogen.
Verwirrt tritt sie einige Schritte zurück, dreht auf der Stelle um und rennt so schnell sie kann durch den eisigen Schnee, welcher ihre Fußknöchel blutig scheuert. Ihr Fuß bleibt plötzlich stecken und sie fällt der Länge nach hin. Unter ihr spürt sie eine harte Rüstung und als sie hinsieht, merkt sie, dass sie über einen leblosen, blutverschmierten Körper gestolpert ist. Es ist ein kleiner, gedrungener und muskulöser Mann mit dichtem, langen Bart. Seine Augen sind geschlossen, jedoch erkennt sie den Schmerz in seinem Gesicht, den er kurz zuvor erlitt. Was er wohl in seinem letzten Moment gedacht hat, fragt sie sich.
Ein plötzlicher Wind reißt sie aus ihren Gedanken. Er weht entfernte Worte zu ihr. Flüche, ausgespuckt voller Zorn und Widerwärtigkeit. Sie hebt ihren Blick entgegen dem Wind und erkennt eine mächtige Gestalt, ebenso grässlich aussehend wie diese Kreaturen einige Augenblicke zuvor, die durch diese eleganten und langgliedrigen Krieger bekämpft werden. Jedoch hat dieses Wesen eine helle Haut und ihm fehlt ein Arm. Es steht gebeugt über einem Mann, in goldener Rüstung. Seine Statur sieht genauso aus, wie die des Toten, über dem sie sich noch immer abstützt. Mit einem Mal sieht er zu ihr herüber und sein Blick ist voller Stärke, Zorn, aber auch Verzweiflung, während er mit aller Macht versucht, sich die tödlichen Waffen des Riesen vor ihm vom Leib zu halten. Erschrocken hält sie die Luft an. Wie ist es möglich, dass sie seine tiefblauen Augen aus dieser Entfernung so deutlich ausmachen kann?
Wie von selbst greift ihre Hand nach dem Bogen, den der Tote noch immer in seinem Griff hält und mit ihrer anderen Hand reißt sie den blutverkrusteten Pfeil aus seiner Brust. In einer flinken Bewegung legt sie den Bogen an, visiert ihr Ziel an und feuert den Pfeil mit all ihrer Kraft ab. Er verfehlt nicht. Er bohrt sich geradewegs seinen Weg durch das massive helle Fleisch, durch Rippenbögen, Lunge und Herz. Mit einem gurgelnden Laut bricht die Gestalt zusammen und bevor sie vornüber kippt, schleift sich der Krieger in seiner sonnenhellen Rüstung zur Seite.
Ein triumphierendes Lächeln umspielt ihren Mund, jedoch erstirbt es noch im selben Moment, als ein stehender Schmerz ihre linke Schulter erfüllt. Ihr Blick gleitet zu dem Pfeilende, das zwischen ihrer Achsel und Brust herausragt. Ein weiterer Schmerz, jedoch dumpf und pochend durchzuckt sie vom Hinterkopf kommend. Taumelnd vor Schwindel sucht sie den Blick des goldenen Kriegers in der Entfernung, aber die Schwärze ist schneller, umhüllt ihren Blick und lässt sie in samtener Schmerzlosigkeit zu Boden gehen.
Alles, was sie wie in traumartiger Erinnerung noch wahrnimmt ist, wie sie von starken Armen hochgezogen und weggetragen wird.
Ob im Traum oder in Wirklichkeit, azurblaue Augen sehen sie liebevoll an, verführerisch geschwungene Lippen sprechen zu ihr, raue kräftige Hände und Arme betten sie weich.