Zwei Sturköpfe finden zusammen

von Onlyknow3
GeschichteKrimi, Freundschaft / P16
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Ryuji Otogi / Duke Devlin Seto Kaiba
16.05.2019
16.05.2019
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Fehlermeldung

Nach der Schule sitze ich an meinem Laptop, habe mich bereits eingeloggt und warte auf Ice-Dragon. Gestern hatte er mir noch etwas Wichtiges erzählen wollen, doch genau in diesem Augenblick ist mein Laptop abgesackt und hat sich einfach ausgeschaltet.



Das war nicht das erste Mal, in letzter Zeit passiert das häufiger und langsam nervt es. Zumal ich auch nicht mehr alle meine Dateien aufrufen kann, denn dann fängt das Bild sofort an zu kriseln. Im Augenblick funktioniert zwar wieder alles, fragt sich natürlich nur wie lange.



Während ich darauf warte, dass mein neuer Freund online kommt, sehe ich mich in meiner Wohnung um. Ich sollte vielleicht mal wieder aufräumen. Überall liegt schmutzige Wäsche, Bücher fliegen herum und auch ein paar Teller, die in die Küche oder sogar schon in den Müll gehören.



Unwillkürlich muss ich wieder an den heutigen Schultag denken und somit an die unerfreuliche Sozialkundestunde und Seto Kaiba. Der Ar... hat es heute wieder einmal geschafft, mich auf die Palme zu bringen und dieses Mal hat nur noch ein ganz klein wenig gefehlt und meine Faust wäre in seinem Gesicht, direkt auf seiner Nase, gelandet.



Der Grund ist simpel. Unser Lehrer hatte Gruppenarbeit angekündigt, da aber keiner aus der Klasse freiwillig mit dem Eisklotz zusammenarbeiten wollte – wie immer -, wurde ich dem reichen Pinkel zugeteilt. Was ja eigentlich gar nicht so schlimm gewesen wäre, wenn der Eisklotz nur nicht so arrogant und von oben herab wäre.



Das Thema war ein schlechter Scherz: „Wie ich mir eine Freundschaft aufbaue und was ich dafür tun muss, um diese zu behalten“.



Perfekt für Mr. "Ich-habe-keine-Freunde-nötig"



Doch Seto Kaiba, Eisklotz, Mr, Unnahbar, Multimillionär, war natürlich nicht bereit, etwas dazu beizutragen, um das Thema zusammen abschließen zu können. Das heißt, er saß da und sah mir zu, wie ich mich abmühte, und meckerte dann auch noch über meine Art zu arbeiten, was dazu führte, dass er meinen Block an den Kopf bekam.



Aber zurück zu Ice-Dragon. Heute lässt er auf sich warten. Ob er noch kommt weiß ich nicht, nur dass mein Display wieder anfängt zu kriseln. Es ist als ob sich ein Wurm durch den Desktop wühlen würde.



Die Erkenntnis trifft mich wie ein Blitz. Ein Virus! Schnell schließe ich alle offenen Dateien und schalte den Virenscanner ein. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät. Der Scanner beginnt das System zu checken, was sicher eine Weile dauern wird. Nach zwanzig Minuten hat er drei Viren gefunden, die ich beheben soll. Was ich auch mache. Dann ein Neustart und der Laptop scheint wieder zu laufen. Nun ja, ohne Viren geht es uns Menschen ja auch besser.



Jetzt ist auch Ice-Dragon endlich online.



Red Eye: „Wo warst du? Ich dachte, du kommst gar nicht mehr on.“



Ice-Dragon: „Ich musste noch etwas für die Schule erledigen. Ehrlich gesagt weiß ich bald nicht mehr, wie ich mit diesem Kerl umgehen soll. So wie er sich heute aufgeführt hat, könnte man meinen, er wäre ein Mädchen und hätte zurzeit seine Periode.“



Red Eye: „So schlimm?“



Ice-Dragon: „Schlimmer als sonst! Ich würde dir gerne genaueres berichten, doch ich muss leider gleich wieder weg. Arbeiten. Ich wollte dir lediglich kurz Bescheid geben.“



Red Eye: „Kann man nichts machen, viel Spaß dann bei der Arbeit!“



Ice-Dragon: „Ich werde definitiv mehr Spaß bei der Arbeit haben, als mit diesem Verrückten in der Schule.“



Ich will gerade noch etwas erwidern, als sich mein Laptop erneut einfach abmeldet und ausschaltet. Ich versuche ihn wieder zu starten, doch vergebens. Er lässt sich nicht mehr hochfahren. Was jetzt? Wenn das Ding kaputt ist, habe ich ein Problem! Ich kann mir keinen Neuen kaufen, dazu fehlt mir die Kohle.



Ich denke einen Moment nach, dann kommt mir eine Idee. Ich rufe Duke an, der mir den Laptop verkauft hat, und dieser sagt, ich solle mit dem Gerät zu ihm kommen. Also packe ich den Laptop in den dafür vorgesehenen Transportkarton, um sicher zu gehen, dass nicht noch etwas kaputt geht. Dann mache ich mich auch schon auf den Weg zu Duke, wo ich nach einer guten Stunde ankomme.



„Ok, erzähl mir was passiert ist, Joey.“



„Seit ein paar Tagen spinnt der Laptop. Er geht immer wieder einfach aus und vorhin war so eine Art Wurm da, der sich durch die verschiedenen Dateien gefressen hat, die auf dem Desktop zu sehen sind. Ich habe schon einen Virenscan gemacht und auch drei Viren gefunden und entsorgt. Danach lief er erst wieder ganz normal, doch als ich mitten im Chat war, ging er dann wieder ganz aus und lässt nicht mehr einschalten.“



„Hast du in letzter Zeit etwas heruntergeladen oder neue Software installiert?“



Ich denke nach, schüttele den Kopf und klatsche mir dann mit der Hand an die Stirn.



„Was?“, will Duke wissen.



„Ich weiß nicht ob es damit zusammenhängt ...“



„Sag schon!“



„Tristan war vor ein paar Tagen an meinem Rechner. Er wollte sich Karten für ein Konzert seiner Band bestellen.“



Duke legt die Stirn in Falten, sieht mich dann skeptisch an und schüttelt den Kopf.



„Joey, du weißt, dass ich Tristan wirklich gern habe, aber am Computer ist er eine totale Null. Lass ihn bitte nie mehr auch nur in die Nähe des Laptops!“



Damit schnappt sich Duke den Laptop und öffnet ihn und entnimmt die Speicherplatte, um sie zu testen.



„Joey, so wie es aussieht hat dir entweder einer der Viren den Speicher zerstört oder es sitzt noch etwas drin was sich so nicht finden lässt. Tut mir leid für dich, aber den muss ich ans Werk schicken, schon alleine wegen der Garantie, die noch drauf ist.“



Ich nicke. Ich habe zwar nicht mit so was gerechnet, wenn es aber nicht anders geht, muss es halt sein. Ich seufze tief auf, das wird sicher teuer werden und wenn ich etwas zurzeit nicht habe, dann Geld. Das heißt, da sind wieder einige Überstunden und ein Zusatzjob nötig, um das auf zu bringen.



„Joey, ich mach dir einen Vorschlag, ich schicke das Gerät ein, wenn ich weiß was es kostet, schieße ich es dir vor und du kannst es in aller Ruhe wieder hier abarbeiten, wie damals als du ihn dir gekauft hast. Hilfe im Laden kann ich immer brauchen, wenn die Ware kommt.“



Ich sehe Duke nur an. Was würde ich nur ohne ihn machen? Er ist der Einzige, der meine Misere kennt und der mir geholfen hat, von meinem alkoholkranken Vater weg zu kommen, ohne das ich gleich ins Heim musste. Das hat Duke damals alles mit mir zusammen geregelt. So auch das ich die Wohnung bekomme, in der ich lebe.



„Danke Duke, ich wüsste nicht ob ich mir eine Reparatur sonst leisten könnte, danke das du mir wieder hilfst.“



Ja, ohne ihn wäre ich wirklich aufgeschmissen und wohl auch gar nicht mehr hier. Mein Vater wollte mich doch tatsächlich vor einiger Zeit in ein Bordell verkaufen, um seine Schulden bei einem der Zuhälter dort zu bezahlen. Ich weiß, das klingt wie ein schlechter Scherz, aber es war wirklich sein ernst. Doch Duke war da und hat es verhindert.



Wenn ich daran zurückdenke ...



Mein Freund scheint zu bemerken, dass es ich gerade etwas mitgenommen bin. Duke nimmt mich in den Arm und drückt mich an sich. „Ach Joey ...“



Nach ein paar Minuten habe ich mich wieder gefangen und löse mich von Duke.



„Weißt du wo in meiner Nähe ein Internet Café ist?“



„Lass mich nachdenken, ja, neben dem Einkaufszentrum in deiner Straße. Dort wo die alte Bäckerei war, da ist jetzt ein Internet Café.“



„Danke, Duke, für alles.“



Der Mann winkt ab und wendet sich dem Laptop zu, den er wieder ordentlich verpackt hat und fügt noch einen Brief mit einigen Informationen für das Werk, an das er den Laptop schicken will, hinzu.



Ich verabschiede mich von Duke und mache mich auf den Weg zu dem Internet Café. Es dauert nicht lange, bis ich es finde, nur ist es voll, kein Platz mehr frei.



„Mist“, grummle ich vor mich hin, als ich eine bekannte Stimme höre. Als ich genauer hinsehe ist es Tea und Ryou, die vor einem der PCs sitzen, und gehe zu ihnen hin.



Ich höre gerade noch wie Ryou meint: „So klappt es nicht, wir brauchen jemand der uns hilft, Tea!“



„Kann ich euch helfen?“, frage ich deshalb.



„Joey, ich dachte, du hast heute keine Zeit, musst du nicht arbeiten?“



„Nein erst morgen wieder! Also, kann ich euch helfen?“



„Ja, kannst du, wenn du dich mit diesem Teil hier auskennst.“



„Ok, dann lasst mich mal hin, ich schaue was ich tun kann.“

Der PC hängt fest, weil zu viele Seiten offen sind, diese sich aber nicht mehr schließen lassen. So drückte ich drei Tasten und meldete den PC erst mal ab, um mich neu anzumelden.



Die Beiden beobachten mich dabei sehr genau. Ich fühle mich wie auf dem Präsentierteller, doch Tea und Ryou sind meine Freunde, da helfe ich eben, wenn ich kann - auch bei so was.



„So und was wolltet ihr jetzt wissen?Ich meine, ihr habt doch was gesucht?“



„Na ja, Tristan hat doch die Konzertkarten für diese Band bestellt und so wie es aussieht wurde er über den Tisch gezogen, denn bezahlt hat er sie schon, nur kommen die Karten nicht und das Konzert ist schon am Samstag.“



Tea gibt mir die Daten und ich schaue nach. Nach ein paar Minuten haben sie die Infos, die sie wollen. Das hieß im Klartext: Das Konzert, so wie die ganze geplante Tournee, waren gecancelt worden, weil der Sänger wegen seiner Magersucht im Krankenhaus war. So wurde allen die Karten bestellt und bezahlt hatten geraten, sich zu melden, damit sie es zurückerhielten. Das alles schreibe ich den Beiden auf und auch wohin sich Tristan wenden musste, um sein Geld wieder zu bekommen. Tea fällt mir um den Hals, was ich eigentlich nicht so mag. Besonders nicht, wenn es Mädchen machen. Aber was tut man nicht alles für seine Freunde? Ein Seufzen verlässt meine Lippen.Kurz darauf verlassen Tea und Ryou das Café.



Ich setze mich an den PC, an dem die Beiden zuvor waren, und logge mich mit meinem Account ein, doch die Enttäuschung ist groß, denn Ice-Dragon ist nicht mehr online, aber er hatte ja auch gesagt, dass er arbeiten müsse.



Ich hinterlasse ihm dennoch eine Nachricht.



Red Eye: „Sorry mein Lappi ist kaputt, musste ihn zu Reparatur bringen. Bin jetzt aber in einem Internet Café, um dir zu schreiben, Ice – Dragon. Bis zum nächsten Mal.



Gerade will ich wieder off gehen, als sich das Antwortfenster von Ice-Dragon öffnet.



Ice-Dragon: „Das ist ärgerlich. Was denkst du woran es liegt?“



Red Eye: „Ein Virus, vielleicht sogar was Schlimmeres, keine Ahnung.“



Ice-Dragon: „Dann hoffen wir mal, dass es kein Trojaner ist, die zerstören die Speicherplatte und somit sämtliche Dateien.“



Red Eye: „Sieht aber leider ganz danach aus und das nur, weil ein Freund von mir sich über meinen Rechner Konzertkarten bestellt hat. Sorry, bin ganz schön durch den Wind gerade.“



Ice-Dragon: „Verständlich und überaus ärgerlich. Deshalb lasse ich auch nie jemand anderen an meinen Laptop. Dein Freund sollte für die Reparaturkosten aufkommen, sofern sich noch etwas reparieren lässt.“



Red Eye: „Ja, mal sehen...“



Ice-Dragon: „Was hast du heute ansonsten so gemacht? Wie war die Schule?“



Red Eye: „Hör mir damit auf, sonst kommt mir die Galle erst recht hoch. Wenn ich nur an diesen arroganten Fatzke denke, könnte ich... Er hat doch echt ne ganze Stunde geschmissen, nur weil er keinen Bock auf das Thema hatte. Sorry, wenn ich daran denke, geht echt der Gaul mit mir durch und ich würde ihn am liebsten am Hals packen und ordentlich schütteln.“



Ice-Dragon: „Was hat er denn genau gemacht?“



Red Eye: „Das ist es ja, eben nichts. Wir hatten Sozialkunde und so ein dämliches Thema über Freundschaften und wie man diese aufbaut und behält, aber Mr. Besserwisser hatte es ja nicht nötig sich an der Gruppenarbeit zu beteiligen.“



Ice-Dragon: „So ein Thema hatten wir auch im Unterricht und mein Plagegeist hat es doch tatsächlich gewagt mich tätlich anzugehen, nur weil ich ihn darauf hingewiesen habe, dass seine Vorgehensweise kontraproduktiv ist.“



Ich bin leider nicht wirklich bei der Sache, in meinem Kopf spukt noch immer der kaputte Laptop und irgendwie bin ich auch sauer auf Tristan.



Red Eye: „Also war dein Tag heute auch nicht so besonders? Na ja, sind halt beides Idioten, da kann man nichts machen.“



Ice-Dragon: „Scheint so. Nur erweist sich mein Plagegeist inzwischen als anhänglich, d. h. er nervt langsam wirklich. Vor allem mit seinem dämlichen Grinsen. Dabei wüsste ich nicht, was er zu grinsen hätte. Aber er tut als wäre alles Bestens. Ich muss jetzt leider los. Morgen wieder um die gleiche Zeit?“



Red Eye: „Ja bis morgen, nur dann nicht so lange, muss auch arbeiten später.“



Ice-Dragon: „Ja, bis morgen.“



Bevor ich noch etwas erwidern kann, ist Ice-Dragon off gegangen, aber wenigstens konnte ich heute mit ihm schreiben. Inzwischen habe ich mich wirklich sehr an unseren Austausch gewöhnt. Doch langsam frage ich mich, wer der Typ eigentlich ist, mit dem ich da schreibe. Scheinbar hat er die gleichen Fächer wie ich. Wer weiß, vielleicht bin ich ihm sogar schon begegnet, ohne es zu wissen?

Ich erhebe mich von dem Stuhl nachdem ich den PC heruntergefahren habe und verlasse das Café. Mein Blick auf die Uhr, sagt mir das ich einkaufen gehen sollte, sonst werde ich heute Abend hungern müssen.



Also führt mich mein direkter Weg zum nächsten Supermarkt,und hole mir Gemüse, Reis, Butter, Brot und etwas Wurst für die Schule.



Auf dem Weg zu meiner Wohnung, bemerke ich im Schein der Straßenlaterne plötzlich eine Gestalt, die mir bekannt vorkommt. Ich stutze einen Moment, doch setze ich meinen Weg fort, ohne weiter darüber nachzudenken. Ein großer Fehler, wie ich im nächsten Augenblick auch schon feststellen muss. Die Gestalt ist niemand anderes als mein betrunkener Vater, der mich im nächsten Moment auch schon am Hals gepackt hat und gegen die nächste Hauswand drück, so dass ich gerade noch auf den Zehenspitzen stehen kann.



„Hab´ich dich endlich gefunden! Na, dann kannst du mir jetzt ja etwas Geld geben und wenn du keins hast, dann wirst du welches besorgen, Junge!“



Seine widerliche Fahne im Gesicht, kann ich nicht mal den Kopf weg drehen.

Leute gehen vorbei, doch keiner hilft. Die Tüte mit meinem Einkauf liegt auf dem Boden neben mir, die Flaschen sind durch den Sturz kaputt gegangen und laufen aus, das Brot ist durchnässt und sicherlich ungenießbar. Die Wurst, die Butter und das Gemüse sind von meinem Vater schon zertreten worden.



Ich bin machtlos, kann mich nicht wehren. Wenn nicht ein Wunder geschieht sterbe ich hier und jetzt. Ich schließe meine Augen, bekomme keine Luft und merke wie mir schwindelig wird, wie mir die Sinne schwinden und wie meine Hose nun auch nass wird. Ich bin einer Ohnmacht nahe, als plötzlich die Hand an meinem Hals verschwindet und ich zu Boden gehe, dann ist alles schwarz.



Ein Piepen an meinem linken Ohr reist mich aus meinen Träumen. Ich öffne die Augen und muss erst mal blinzeln. Es ist so hell hier, zu hell auf einmal. Ich schließe die Augen wieder und schüttele den Kopf, um diesen wieder klar zu bekommen. Was ist passiert, wo bin ich hier überhaupt? Langsam öffne ich die Augen wieder, nun kann ich erkennen das ich in einem Bett liege das nach Desinfektionsmittel riecht, ich sehe mich um, ja klar das Zimmer kenne ich, es ist ein Krankenzimmer.



"Krankenzimmer?! Wieso, bin ich im Krankenhaus?“, frage ich laut.



„Du warst bewusstlos, Köter“, antwortet mir eine kühle, vertraute Stimme.



„Kaiba? Wie, ich meine warum bist du hier?“



„Ich mag zwar manchmal etwas kratzig sein, doch einen Schulkameraden im Dreck liegen zulassen, soweit gehe ich dann doch nicht. Gewöhne dich aber erst gar nicht daran.“



Ich schlucke. „Danke, Kaiba“, flüstere ich leise, um nicht zu verraten, wie sehr mich die Worte des Brünetten verletzen. Dann schließe ich die Augen, ich bin einfach nur müde. Ich höre wie die Tür aufgeht, jemand geht hinaus und dann wird die Tür wieder geschlossen.



Dann herrscht nur noch Stille. Gespannte Stille, wie die Ruhe vor dem Sturm.



Ich muss wohl eingeschlafen sein, denn als ich die Augen wieder öffne, liege ich in einem anderen Zimmer, das viel größer ist als das Krankenzimmer und nicht nach Desinfektionsmittel riecht. Ich richte mich auf und sehe mir das Zimmer an. Mir gegenüber steht ein Schrank aus dunklem Holz, daneben ist eine Tür, vermutlich das Bad. Links daneben steht eine Kommode, auf der etwas liegt das zugedeckt zu sein scheint.



Auch sie ist aus dem dunklen Holz. Rechts von meinem Bett befindet sich ein Sofa, davor ein Tisch an dem noch zwei Sessel stehen. Auf dem Sofa sitzt Seto Kaiba,und hinter dem Sofa gibt es eine Fensterfront. Es macht Klick, Moment Kaiba, was macht der denn hier?



„Endlich ausgeschlafen, Köter?“



„Wo bin ich?“



„Bei mir Zuhause.“



„Wieso bin ich hier?“



„Das Krankenhaus hat Anzeige wegen Körperverletzung bei der Polizei gestellt. Diese ist mit deiner Akte nur allzu vertraut. Dein Vater hat dir das angetan, nicht wahr? Wieder einmal. Dein Zustand ist stabil, daher konnte das Krankenhaus dich nicht länger dortbehalten, aber die Polizei geht davon aus, dass dein Vater einen erneuten Anschlag auf dich verüben könnte und wollte dich in ein Heim bringen. Da habe ich interveniert und dich mitgenommen.“



„Danke, Kaiba, ehrlich. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Aber du brauchst dich nicht weiter um mich zu kümmern, ich bin immer allein klar gekommen und das mit dem Alten werde ich auch noch geregelt kriegen. Ich gehe, also gib mir bitte meine Kleider und ich bin weg!“



„Ich halte das zwar für keine gute Idee, aber wie du willst. Ich kann dich ja nicht festhalten.“



Kaiba wirft mir Hose und T-Shirt zu. Ich ziehe mich an, gehe zur Tür und will hinaustreten als sich mir Roland in den Weg stellt. Ein Nicken von Kaiba und er geht zur Seite. Kurz darauf verlasse ich das Kaiba-Anwesen mehr oder weniger fluchtartig. Ich will einfach nur weg.



Aber wo soll ich hin? Nach Hause kann ich jetzt nicht mehr? Und zu essen habe ich auch nichts. Duke fällt mir ein, doch ich habe kein Geld, um zu ihm zu fahren. Ich überlege kurz, dann ziehe ich mein Handy aus der Tasche und rufe Duke an. Nach dem zweiten Klingeln wird abgenommen und eine verschlafene Stimme meldet sich.



„Wer will was von mir?“



Ich schlucke, ehe ich mich melde. „Duke, ich bin es, kannst du mich abholen bitte, ich kann nicht zurück in meine Wohnung, mein Vater... Du musst mir helfen!“



Nun war es vorbei, ich konnte meine Angst nicht länger unterdrücken. Sie steckt zu tief und das Gefühl, das mein Vater hier irgendwo lauert, ist übermächtig.



„Joey, wo bist du gerade?“



„Im Villenviertel in der Nähe der Kaiba Villa!“



„Okay, bleib dort, da bist du sicher, ich beeile mich.“



Es dauert nicht lange und ich sehe auch Dukes Auto. Deshalb gehe ich auf die andere Straßenseite wo er direkt vor mir hält. Ich steige ein, atme erst einmal tief ein und aus und nachdem ich mich angeschnallt habe, fährt Duke auch schon los. Erst zu meiner Wohnung und dann zu ihm. Ohne große Umschweife oder Fragen hat er mir angeboten, in seinem Gästezimmer zu schlafen.



Duke fragt nicht, er handelt.

So ist Duke.



Als ich am nächsten Morgen aufstehe, um in die Schule zu gehen, ist Duke auch schon weg. Wie immer um diese Zeit ist er schon in seinem Laden zwei Straßen weiter. Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Bus, der direkt vor dem Haus hält, zur Schule. So kann ich sicher unterwegs sein und niemand weiß wirklich woher ich gekommen bin.



Der Unterricht zieht sich wie Kaugummi, die Stunden sind mehr als langweilig. Was nicht nur an dem Lehrer liegt, sondern auch am Thema und ich bin erleichtert, als die letzte Stunde endlich um ist. Ich packe meine Sachen zusammen und verlasse das Gebäude und den Hof und steige auch schon in den Bus, der wartend da steht.



Bei Duke um die Ecke ist ein Internet Café, wohin ich mich jetzt auch begebe. Ich brauche einfach Ablenkung von dem Tag heute und vor allem von dem was gestern passiert war. Ich schaue auf die Uhr. Ja, Ice-Dragon müsste schon on sein. Nachdem ich mich eingeloggt habe, sehe ich auch schon zwei Nachrichten. Eine ist von ihm, diese öffne ich sofort.



Ice–Dragon: „Ich muss dir leider mitteilen, dass mir ein wichtiger Termin dazwischen gekommen ist und ich leider nicht auf dich warten kann. Ich bin gezwungen an einem langweiligen Arbeitsessen teilzunehmen.“



Ich antworte kurz.



Red Eye: „Kann man nichts machen, Arbeit geht vor. Mach dir keinen Kopf, muss auch noch arbeiten heute.“



Damit logge ich mich wieder aus und verlasse den Laden.



Bei Duke im Geschäft angekommen, gehe ich nach hinten, wo ich in Ruhe meine Hausaufgaben machen kann, als plötzlich mein Handy klingelt.



„Ja, was gibt’s?“



„Ich kriege dich, egal wo du dich versteckst, Söhnchen, verlass dich darauf, ich finde dich.“



Ich legte auf ohne Antwort zu gegeben. Warum droht der mir, wenn er mich haben will soll er mich holen kommen!



Duke erscheint in der Tür, sieht mich an und weiß sofort, dass etwas nicht stimmt, sagt jedoch nichts.



„Ich zieh mich um und geh arbeiten Duke, es wird Zeit das ich mich auf den Weg mache. Bis später dann.“



Duke nickt nur. Odin, der hinter ihm steht, bekommt ein Kopfnicken, dass ihm andeuten soll mir zu folgen.



Die Schicht zieht sich und es ist weit nach Mitternacht als ich das Café nach Schichtende verlasse. Es ist dunkel, trotzdem sehe ich an der Hauswand gegenüber dem Café einen Schatten, der sich schnell in die Dunkelheit zurückzieht. Dennoch mache ich mich auf den Weg zu meiner Wohnung und lasse mich erleichtert in mein Bett fallen.



Auch die nächsten Tage in der Schule ziehen sich, mit einer Ausnahme. Die Fetzereien mit Kaiba steigern sich. Er ist irgendwie unbefriedigt, scheint unausgeglichen zu sein, als würde ihm etwas fehlen. Mir verschafft es zu guter Laune, ihn so zu sehen und auf die Palme zu bringen.



Die Nachmittage verbringe ich im Internet Cafe und chatte mit Ice-Dragon.



Seit einer Woche bin ich nun schon wieder in meiner Wohnung, schließe gut ab, wenn ich rausgehe oder drin bin. Ich traue dem Alten leider alles zu. Immerhin hat er schon einmal versucht, mich zu verkaufen. Doch bisher ist nichts mehr gewesen, auch kein Anruf mehr. Was soll´s?



Nach der Schule sitze ich im Blacklist am PC und chatte mit Ice-Dragon.



Er berichtet von Problemen bei seiner Arbeit, was ihn sehr aufzuregen scheint und ich habe irgendwie das Gefühl beobachtet zu werden. Ich sehe mich um, aber nichts verdächtiges ist zu sehen. Die anderen Leute im Raum blicken starr auf ihre Bildschirme. Trotzdem werde ich das Gefühl, dass jemand mich im Auge hat, nicht los.



Ice-Dragon: „Bist du noch da, Red?“



Red Eye: „Sorry, ja bin ich, fühle mich allerdings etwas beobachtet gerade.“



Ice-Dragon: „Denkst du, es gibt jemanden, der dich beobachten würde? Ein Stalker vielleicht? Mit solchen Subjekten ist nicht zu spaßen. Vielleicht solltest du das Café wechseln.“



Red Eye: „Na ja, es gäbe da vielleicht jemanden. Habe ich mir auch schon überlegt in ein anderes Café zu gehen, danke für den Rat.“



Ice-Dragon: „Keine Ursache, dann gibt es wenigstens eine Person, die meine Ratschläge befolgt!“



Red Eye: „Lass mich raten, hat dich dein Anhängsel wieder genervt?“



Ice-Dragon: „Jetzt fängst du auch noch damit an, ihn als Anhängsel zu bezeichnen.“



Red Eye: „Was hat er denn gemacht, das du dich so ärgerst, wenn ich das fragen darf?“



Ice – Dragon: „Ich erspare dir besser die unangenehmen Details, Red. Glaub mir, du willst sie nicht wissen. Nur so viel, seither habe ich Kopfschmerzen und musste zu stärkeren Tabletten greifen. Mein Stresslevel ist katastrophal laut meinem Arzt.“



Red Eye: „Das glaube ich dir auf´s Wort, du klingst auch ganz schön fertig. Du solltest dich ausruhen oder mal in Urlaub fahren.“



Ice-Dragon: „Würde ich gerne, ob du es glaubst oder nicht, aber das kann ich mir zurzeit nicht erlauben. Ich muss mich um einige wichtige Projekte kümmern. Und krankfeiern ist in meinen Augen ein no go, es sei denn man ist wirklich krank. Aber Stress ist dafür kein Grund. Da fällt mir ein, ich muss leider auch wieder los. Die Arbeit ruft. Bis morgen, Red. Ich hoffe, dein Tag war besser. Und passe wegen dem vermeintlichen Stalker auf.“



Red Eye: „Keine Sorge, ich kann auf mich aufpassen. Tschüss, bis morgen und reg dich nicht zu sehr auf.“


Damit schließe ich mein Chatfenster und logge mich aus. Dann sehe ich auf die Uhr. Noch zwei Stunden bis zum Schichtbeginn. Ich seufze einmal und erhebe mich. Langsam verlasse ich den Laden und will mich gerade auf den Heimweg begeben, als ich erneut das Gefühl habe, beobachtet zu werden. Als ich mich jedoch umwende, sehe ich niemanden.


Vor meinem Haus steht allerdings ein Auto, das ich irgendwoher kenne. Als ich näher darauf zugehe, sehe ich Roland, Kaibas Assistenten. Was macht ein Auto der Kaiba Corporation hier in der Straße und dann noch direkt vor meiner Wohnung? Doch ehe ich Roland danach fragen kann, werde ich unsanft zur Seite geschubst und sehe im nächsten Augenblick nur noch wie Kaiba in dem Wagen verschwindet, der sofort losfährt.