Bong

von Bane Gats
GeschichteAllgemein / P12
16.05.2019
16.05.2019
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Was ist nur passiert? Vor ein paar Jahren haben wir noch in meinem Garten fangen gespielt und uns Zöpfe geflochten wärend wir Lieder von Bibi und Tina mitgesungen haben. Das einzige weiße Pulver, dass für uns interessant war, war AhoiBrause. Jungs waren nur nervig, wir sind viel lieber auf Pferden geritten. Kleider waren total unwichtig, wenn sie kaputt gingen hat Mama sie schon geflickt, bis auf das eine Lieblingskleid das nicht dreckig werden durfte! Als wir mal Alkohol probieren wollten, weil das doch so cool bei den Erwachsenen war, haben wir den Wein sofort auf den Rasen gespuckt und Fanta nachgespült bis der Geschmack verschwunden war. Tattos waren mit Wasser abwaschbar und glitzerten, wir haben nicht einmal daran gedacht sie für immer zu tragen.
Und heute? Heute hast du Wasser in deine aus Colaflaschen selbstgebaute Bong gefüllt bis das Feuer in dir erloschen ist. Feiern gehst du nicht mehr, du sitzt alleine in deinen kleinen Zimmer auf dem kaputten Bett und trinkst dir deine Welt schön. Ja ich habe ein Alkohol Problem, ich kann damit nicht umgehen wenn ich die Kontrolle verliere. Ich bin das klassische Beispiel für "Baut eine menge Scheiße die man am nächsten Tag berreut". Aber ich lebe noch, unter meiner Haut pulsiert energie und leben. Unter deiner Papierdünnen, von Narben und schnitten gezierten Haut zeichnen sich nur noch leere Adern und kalte Knochen ab, die zerfallen wenn man dich umarmt. Zigaretten rauchst du um den Hunger zu stoppen der nur da ist weil du nicht essen kannst wenn du traurig bist. Du musst fast kotzen wenn das Nikotin deine Lungen füllt und der Geruch von Tabak sich in dem Stoff deines Lieblings Tshirts einbrennt. Du ziehst Kokain Linien wie ich mit dem Bleistift quer durch deinen Alltag um ihn aufzuhübschen. Du redest dir ein, es würde intellektuell wirken wenn du Flaschenweise Wiskhy in dich kippst. Keinen einen Tag hälst du ohne Marihuana aus. Dir ist egal mit wie vielen Giften, Kräutern, Glasfasern und Haarsprays das Zeug gestreckt wurde, so lange es dich vergessen lässt. Vergessen das dein Vater, den du viel zu wenig kanntest, letztes Jahr gestorben ist, bevor er auch nur auf Wiedersehen sagen konnte. Dass du immer mehr Druck aushalten musst, immer mehr leisten sollst als du Kraft hast. Dass der in den du so verliebt warst dich abgewiesen hat weil du nicht seinen Idealen entsprichst. Dass du Entscheidungen über deine zukunft treffen sollst, obwohl du keinen Plan davon hast wie dein Leben aussehen soll. Dass du für deine Mutter immer nur eine Enttäuschung bist, sie dich in ein Irrenhaus stecken wollte weil du so kaputt bist. Ich weiß wie es dir geht, warum es dir geht wie es dir geht. Ich verstehe jeden Schritt den du gehst, weiß warum du ihn gehst und wie er enden wird. Aber helfen kann ich dir nicht. Du isolierst dich von allem und jedem. Du bist immer öfter alleine, redest mit möglichst wenigen Personen und setzt immer deine Kopfhörer auf.
Du hast angefangen mit den Dingen aufzuhören die dir ein Lächeln in das müde Gesicht gezaubert haben und hast aufgehört an einen Neuanfang zu glauben. Der Mensch den ich mal kannte hast du in den ekelhaftesten Drogen ertränkt, ihn getötet. Zurückgelassen hast du eine Gott verdammte Leiche aus den Resten deiner Drogen und Ängste.
Und ganz ehrlich? Ich habe nicht allzu viel gegen die Drogen die du nimmst, einige davon konsumiere ich auch ab und zu, zum Spaß. Und auch wenn ich manchmal etwas übertreibe, grade was den Alkohol angeht, kenne ich mein Limit. aber DU? Du verschwindest in dieser Scheiße. Du versuchst nicht einmal dich an dein Limit zu halten, wenn du dich noch daran erinnern kannst wer du bist, ist es zu wenig. Ich will nicht zum wiederholten mal neben deinem Krankenhausbett sitzen, auf die piepsenden Geräte starren und hoffen das dein Herz einfach weiter schlägt. Hoffen, jedes mal wenn eine Schwester das Zimmer betritt, dass mir niemand sagt du wirst es nicht überleben. Zu oft musste ich an diesem Ort Nächte Wache halten, habe mich Stundenlang mit Litern Kaffe wachgehalten weil ich Angst hatte einzuschlafen und nicht für dich da sein zu können wenn du aufwachst oder wirklich stirbst. Und all das, ohne dass du auch nur daran denkst mit dieser Scheiße aufzuhören. Ich kann das nicht noch einmal, auch wenn ich weiß das ich auch beim nächsten mal da sein werde, ich dich auch noch hundert Male aus irgendwelchen Büschen ziehen und Nächte neben dir im Krankenhaus sitzen werde. Aber wenn du keinen Tag mehr nüchtern überleben kannst, dann weiß ich nicht wie das enden soll. Ich weiß wie es enden wird, wahrscheinlich auch wann, aber weißt du das auch? Ich habe mich mit dem Gedanken abgefunden, dass Menschen irgendwann gehen, früher oder später. Manche sogar freiwillig. Weinen werde ich trotzdem.
Ich liebe dich. Und ich würde alles dafür geben dich aus dieser Scheiße rauszuholen, aus diesem Dilirium in das du dich selbst katapultiert hast. Aber das kannst nur du, egal wie sehr ich dir helfen will, die einzige Person die dir die Vodkaflasche für immer aus der Hand schlagen kann bist du.


.Bane.
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