Tonio & Julia - Augenblicke

OneshotRomanze / P12
Julia Schindel Tonio Niederegger
16.05.2019
16.05.2019
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Geplänkel: Ich konnte mich nicht zusammenreißen und habe einen One-Shot zu „Tonio & Julia“ geschrieben. Das Ende der zweiten Staffel hat meine Gedanken nicht ruhen lassen. Das ist meine Idee, wie es weitergeht. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. Natürlich freue ich mich auch über Reviews.

Disclaimer: Tonio & Julia gehört mir nicht und bringt mir keinen Cent.

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Augenblicke

Eigentlich wollte Julia nur die Tür schließen, doch dann erblickte sie ihn. Auch auf der Entfernung erkannte sie, dass er alles gesehen hatte. Seine Haltung, sein schneller Atem vom Radfahren und sein Gesichtsausdruck waren eindeutig. „Tonio?“, rief sie ihm zu. Das löste ihn aus seiner Starre, denn er drehte sich um. „Tonio!“, rief sie noch einmal, doch er saß schon wieder im Sattel seines Rennrades und fuhr davon. Julia schaute ihm noch einen Moment hinterher, ehe sie hineinging und die Tür hinter sich schloss. Die Leichtigkeit, mit der der Abend begonnen hatte, war verflogen. Sicherlich hatte ihre Mutter recht, sie war jung und schön und hatte ihr Leben noch vor sich. Daher fragte sie sich, warum sie es nicht mit dem Arzt versuchen sollte. Die Frage konnte sie sich selbst ganz leicht beantworten. Die Antwort war jedoch ein Ding der Unmöglichkeit.

Innerlich zerrissen betrat sie die Küche und fand Felix mit einem Glas Wein am Tisch vor. Er unterhielt sich mit Yasin, der nebenbei den Tisch deckte. Das beruhigte sie, denn so musste sie sich nicht mit ihrem Besuch auseinandersetzen und konnte ihren Gedanken nachhängen, während sie den Hefeteig weiter knetete. Von der Unterhaltung im Raum nahm sie dabei nichts war. Stattdessen sah sie seinen verstörten Anblick vor sich, das Bild hatte sich in ihr Gehirn gebrannt. Als der Teig fertig war, deckte sie die Schüssel ab und stellte sie zum Gehen an den warmen Ofen, ehe sie sich die Hände wusch. Kurz drehte sie sich zu ihrer Familie und Felix um. Erwartungsvoll schauten sie alle an, doch sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Julia war sprachlos und innerlich zerrissen. „Ich... ich muss... telefonieren“, warf sie in den Raum und rannte nahezu aus dem Haus in die Ferienwohnung.

Sie schloss die Tür hinter sich und rutschte daran herunter, bis sie auf dem Boden saß. Aus ihrer Hosentasche zog sie ihr Handy und suchte seinen Kontakt heraus. Für einen langen Moment schaute sie aufs Display, auf seinen Namen. Julia war hin und hergerissen, was sie machen sollte, als sie aus einem Impuls heraus auf die Anruftaste drückte. Es klingelte einmal, zweimal, dreimal. Dann meldete sich ihr Gewissen und sie legte auf. Verschreckt starrte sie auf ihr Mobiltelefon und ließ es dann fallen. Julia schwankte zwischen Weinen und Schreien, als ihr Handy klingelte. Rasch hob sie es auf und las dabei deutlich seinen Namen. Es verstrichen einige Sekunden und Klingeltöne, ehe sie das Gespräch annahm. Das Telefon hielt sie sich an ihr Ohr und hörte nur sein Atmen. Das Geräusch beruhigte sie, so wie auch seine Gegenwart sie immer zur Ruhe kommen ließ. In dem Augenblick wünschte sie sich nichts sehnlicher, als bei ihm zu sein.

„Tonio“, unterbrach sie schließlich die Stille, doch er gab noch immer keinen Laut von sich. „Was wolltest du hier?“ Sein Atem wurde schwerer. In dem Moment war ihr klar, dass etwas sagen wollte, doch er schwieg weiterhin. „Du kannst nicht einfach alles durcheinander bringen“, schloss sie und hatte dabei Tränen in den Augen.
„Du bringst alles durcheinander. Du bist einfach aufgetaucht. Alles war gut, ehe du zurückgekommen bist“, erwiderte er mit ruhiger Stimme, zu ruhig für ihren Geschmack.
„Ich habe damals den Brief gefunden und du hast mir nichts erzählt. Ich habe dich geliebt und du bist ins Priesterseminar gegangen.“ Julias Stimme wurde immer brüchiger, sie konnte sich kaum noch zusammenhalten.
„Aber du wolltest frei sein. Du wolltest die Welt sehen. Du wolltest deine Freiheit. Auch ich habe dich geliebt, Julia. Ich...“ Für einen Moment hielt Tonio inne, sie erwartete die letzte Salve an Worten, die sie nicht hören wollte. „Lass mich gehen. Ich kann nicht mit dir zusammen arbeiten, dich jeden Tag sehen, dich mit ihm zusammen sehen.“ Abrupt stoppte er. Die Traurigkeit und den Schmerz in seiner Stimme konnte sie nicht überhören.
„Dann lebe dein Leben. Ich halte dich nicht auf“, sagte sie mit fester Stimme und riss sich dabei zusammen. Mehr konnte sie aber nicht sagen, ohne dass die Fassade bröckelte. Deshalb legte sie einfach auf.

Das Mobiltelefon glitt ihr erneut aus den Händen, während ihr Kopf in ihre Hände sank. Es war so schwer, ihn gehen zu lassen. Daher ließ sie den Tränen hemmungslos freien Lauf, bis sie irgendwann von allein versiegten. Zweimal hatte sie ihn verloren und beide Male hatte sie mit Schuld daran. Sie konnte kaum atmen, so weh tat es ihr. Ihr Herz brannte. Mit 18 Jahren konnte und wollte sie nicht für immer planen, vielleicht brauchte sie deshalb ihre Freiheit. Der Brief vom Priesterseminar war eine willkommene Gelegenheit, ihn hinter sich zu lassen. Mittlerweile war sie aber erwachsen und wusste, was sie vom Leben wollte. Nach ihrer Ankunft hatte sie ihm gesagt, dass sie Liebe, Sex und Familie wollte. Verschwiegen hatte sie aber, mit wem sie das haben wollte. Weder bei Paul noch bei Felix oder einem anderen Mann hatte sie jemals an das Komplettpaket gedacht, dabei kam ihr immer nur der in den Sinn, den sie nicht haben konnte.

Ein leises Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken. Julia konnte nur vermuten, wer vor ihrer Tür stand, aber sie tendierte zu Felix oder ihrem Vater. Sie zog ein Taschentuch aus der rosa Schürze, die sie noch immer trug, und schneuzte sich ausgiebig, dann tupfte sie an ihren Augen herum und wusste genau, dass sie damit nichts kaschieren konnte. Sie nahm das Handy wieder in die Hand und richtete sich auf, um die Tür zu öffnen. Ein letztes Mal atmete sie tief ein, um sich vorzubereiten. Langsam legte sie die Hand auf die Klinke und drückte sie herunter.

Sie rechnete mit allem, aber nicht mit ihm. Julia machte keinen Schritt und keinen Laut, schaute nur in seine großen, dunklen Augen. Die Gefühle, die in seinem Blick lagen, waren so präsent, dass sie am liebsten die Augen geschlossen hätte, aber das konnte sie nicht, denn sie wollte den Moment bewusst wahrnehmen. Außer einem gelegentlichen Wimpernschlag stellte sie auch bei ihrem Gegenüber keine Bewegung fest. Ihr Zeitgefühl hatte sie vollkommen verloren, aber mit jedem Augenblick, der verstrich, wollte sie Tonio umarmen, ihn festhalten und ihn nicht gehen lassen. Die Wörter ihrer Mutter krochen in ihr Gedächtnis und sie wusste ganz genau, dass nur ein Mann ihr gut tat. Tonio stand ihr gegenüber. Noch immer sagte er kein Wort, aber er griff nach ihren Händen, was sie überraschte. Ihr Blick glitt hinunter zu den verbundenen Gliedern, dann schauten sie ihm wieder in die Augen.

„Ich liebe dich, Julia.“ An seiner Stimme erkannte sie sofort, wie ernst er es meinte. „Mein Beruf ist mir egal, solange ich mit dir zusammen sein kann.“ Tonio machte einen kleinen Schritt auf sie zu. „Ich lerne was anderes oder arbeite auf dem Bau, Hauptsache du bist da.“ Ein weiterer Schritt überwand die Distanz zwischen den beiden fast gänzlich. „Und du möchtest...“

Den Satz konnte er nicht beenden, denn Julia schlang noch während er sprach ihre Arme um ihn und zog ihn zu sich. Sie schaute Tonia einen Moment lang tief in die Augen, dann küsste sie ihn leidenschaftlich.
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