Der Weg zum Amt

OneshotAllgemein / P12
15.05.2019
15.05.2019
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Das ist mein Beitrag zu dem Wichtelprojekt Wichtel mir die Welt für Augurey. Ich habe mich dazu entschieden, den Beitrag in einem etwas ungewöhnlichen Format zu schreiben, mit dem ich zugegebenermassen nicht wirklich zufrieden bin. Ich hoffe, dir gefällt er trotzdem.

Viel Spass beim Lesen!

***


120 Tage vorher

«Habt ihr gehört?»

«Kingsley Shacklebolt tritt zurück.»

«Er hat genug vom Amt.»

«Krank, habe ich gehört.»

«Sein Stolz verkraftet nicht, dass das Hunnigton-Gesetz nicht durchkam.»

«Siebzehn Jahre ist ‘ne lange Zeit.»

«Möchte sein Leben ungestört geniessen.»

«Er war ein grossartiger Minister.»

«Nach dem Krieg hat er das Land wiederaufgebaut.»

«Die Leute haben ihn überschätzt.»

«Der Frieden ist ihm zu verdanken.»

«Er hat nichts erreicht in all den Jahren.»

«Shacklebolt tritt zurück?»

***


118 Tage vorher

Kandidatur für das Amt des Zaubereiministers / der Zaubereiministerin

Name: Adelaide Elliot

Geburtsdatum: 21. Februar 1984

Adresse: Evergreen Lane 11, Knightsbridge, London

Ausbildung: Hogwarts, Politikstudium an der Accademia Internazionale per Magi e Stregone in Venedig

Beruf: Leiterin der Abteilung für Internationale Magische Zusammenarbeit

Zauberstab: Pappelholz, Einhornhaar, elfeinhalb Zoll, federnd

Politische Kernpunkte: Schulsystem, Gleichberechtigung, internationale Kooperation

***


113 Tage vorher

Mein normalerweise sehr ordentlicher Arbeitstisch ist übersät mit Büchern und Pergamentrollen, in einer Ecke steht eine Tasse mit längst kaltgewordenem Tee, daneben ein angeknabberter Schokoladenriegel. Der Zauberspruch, den ich gerade zu lernen versuche, ist sehr komplex. Das Chaos kann ich nur so erklären. Seit Tagen schon wälze ich die Bücher, um sicherzustellen, dass ich auch alles Notwendige weiss.

Als ich von Kingsley Shacklebolts Rücktritt gehört habe, war ich ganz aufgeregt. Schliesslich ist es die erste ordentliche Wahl seit Cornelius Fudge. Alle Minister dazwischen wurden in der Krisenzeit vom Zaubergamot eingesetzt, auch wenn Kingsley dann später vom Volk noch demokratisch bestätigt wurde. Ein Wahlkampf mit allem traditionellen Bräuchen gab es seit 1990 nicht mehr. Diese Chance muss ich nutzen.

Als Kind schon, während meine Freunde davon erzählten Bäckerin, Lehrer oder Polizistin zu werden, wusste ich, dass ich Premierministerin werden wollte. Daran hat sich auch später nicht viel geändert. Nur dass sich herausgestellt hat, dass ich eine Hexe bin, hat den Plan eine kleine Anpassung notwendig gemacht: Ab diesem Zeitpunkt wollte ich Zaubereiministerin werden.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen bin ich jetzt nervös.

Schon seit ich fünfzehn Jahre alt war, weiss ich genau, was man alles machen muss, um Zaubereiministerin zu werden. In Theorie hätte ich den ersten Schritt schon längst ausführen können. Zur Kandidatur muss man eine speziell vom Ministerium angefertigte Pergamentrolle ausfüllen und verzaubern. Der Haken ist, dass man nur eine Chance hat, um es richtig zu machen. Wenn der Zauberspruch beim ersten Versuch nicht gelingt, verschwindet das Pergament und die Kandidatur gilt als ungültig. Das ist der erste Test, ob jemand die nötigen Fähigkeiten besitzt, um die Zaubergemeinschaft zu leiten. Meine persönlichen Informationen habe ich schon seit Tagen auf dem Pergament eingetragen, aber den schwierigen Teil habe ich mir noch aufgespart.

Ich atme einmal tief durch. Dann räume ich alle Bücher und Pergamente zur Seite, trinke meinen Tee zu Ende und stärke mich mit meinem Schokoriegel. Am Ende bleibt nur noch meine Kandidatur auf dem Tisch liegen, so wie es sein soll. Ich nehme meinen Zauberstab in die Hand und konzentriere alle meine Gedanken auf den Spruch.

«Munus petere», sage ich mit fester Stimme, wobei ich die erste und die letzte Silbe besonders betone. Mit dem Zauberstab zeichne ich eine achtförmige Bewegung in der Luft, tippe das Pergament einmal kurz an, mache einen Kreis gegen den Uhrzeigersinn, berühre das Pergament dreimal in kurzen Abständen und beende den Zauber dann mit einer arithmetischen Spirale mit genau sieben Umdrehungen.

Das Pergament löst sich vor meinen Augen in einer Wolke von blauem Dunst auf.

«Merlin», flüstere ich überwältigt. «Hat es geklappt oder nicht?»

Der leere Raum gibt mir keine Antwort.

***


100 Tage vorher

Brief an Miss Adelaide Elliot

Sehr geehrte Miss Elliot,

wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Ihre Kandidatur bei uns eingetroffen ist und akzeptiert wurde. Sie sind eine von neun Zauberer und Hexen, die sich für das Amt ZaubereiministerIn beworben haben. Beigelegt finden Sie weitere Informationen zu Ihrem ersten offiziellen Termin während der Ministerwahl: der Merlin-Probe. Ihre Anwesenheit wird vorausgesetzt.

Mit freundlichen Grüssen
Eve Debenham
Verantwortliche für Nationale Politik
Zaubereiministerium

***


97 Tage vorher

Ich sitze gemütlich am Esstisch im Haus meiner Eltern und schaufle das zweite Stück Apfelkuchen in mich hinein. Mein Vater erzählt begeistert von den Hochzeitsplänen meiner jüngeren Schwester, während meine Mutter und ich kaum zu Wort kommen.

«Und?», fragt Mum, als Dad mal eine kurze Verschnaufpause einlegt. «Gibt es bei dir auch Neuigkeiten?»

So wie sie es betont, ist eindeutig, dass sie eigentlich fragen möchte, ob ich auch endlich mal heiraten werde oder zumindest einen Freund habe. Aber ich beschliesse die Gelegenheit zu nutzen, um ihnen von meinen aktuelle Karriereplänen zu erzählen.

«Der Zaubereiminister ist zurückgetreten», erkläre ich. «Ich habe mich für das Amt beworben.»

«Wirklich?», fragt Mum entzückt und umarmt mich.

«Gratuliere, Ada!», ruft Dad und klopft mir auf die Schultern.

Meine Eltern wissen, wie viel mir das bedeutet. Als Kind, als ich begonnen habe zu verstehen, wie viel Elend es auf der Welt gibt, habe ich meine Mutter gefragt, was man dagegen tun kann.

«Weisst du, Ada», hat sie damals gesagt, «du kannst deinen Einfluss immer nutzen, um die Welt zu verändern. Ein kleiner Schritt kann vieles ausmachen.»

An einem anderen Tag habe ich meinen Dad gefragt, was ein Premierminister macht und er hat erklärt, dass er der einflussreichste Mann des Landes sei. Von da an, habe ich stets gesagt, dass ich Premierministerin werden möchte. Am Anfang haben meine Eltern meistens nur gelacht, bis sie gemerkt haben, dass es mir wirklich ernst ist.

«Du solltest mir noch nicht gratulieren, Dad», ermahne ich ihn. «Ich habe gerade mal kandidiert, dass heisst noch gar nichts.»

«Hast du denn viel Konkurrenz?», erkundigt sich meine Mutter, während sie mir ungefragt ein drittes Stück Kuchen auf den Teller legt.

«Es haben sich insgesamt neun Leute beworben», antworte ich ihr und nehme einen Biss Kuchen.

«Das sind nicht so viele», meint Dad zuversichtlich. «Das schaffst du bestimmt.»

Ich schüttele nur den Kopf. Es ist nett gemeint, aber er hat immer viel zu viel Vertrauen in mich.

Mum scheint sich auch mehr Sorgen zu machen: «Du bist dir sicher, dass du bereit dafür bist? Du bist ja erst einunddreissig.»

Ich verschlucke mich prompt an meinem letzten Bissen Kuchen, als ich diese Frage höre. Der bisher jüngste Zaubereiminister hat mit zweiunddreissig Jahren das Amt angetreten und musste schon nach zwei Monaten zurücktreten, weil er mit der Koboldrevolution völlig überfordert war. Die Geschichtsbücher betiteln ihn gerne als «unqualifiziert» und «grösster Fehlentscheid der Bevölkerung». Aber das werde ich meinen Eltern natürlich nicht auf die Nase binden.

«Ich glaube, ich bin im besten Alter dazu», versichere ich Mum, obwohl ich manchmal selbst Mühe habe, das zu glaube. «Ich habe schon einige Jahre Berufserfahrung und werde in meiner Abteilung sehr geschätzt.»

Schliesslich wurde ich erst gerade letztes Jahr zur Abteilungschefin befördert.

«Ausserdem will ich meine Chance nicht verpassen», füge ich nach einer kurzen Pause kleinlaut hinzu. «Zaubereiminister müssen sich einfach alle sieben Jahre demokratisch bestätigen lassen, nur wenn er – oder sie – abgelehnt wird oder zurücktritt, kommt es zu Neuwahlen.»

«Hm», meint Mum wenig überzeugt und wirft Dad einen besorgten Blick zu.

«Sie hat sich das bestimmt gut überlegt», sagt dieser beschwichtigend.

«Aber du bist doch sicher in einer Partei dabei, oder?», fragt Mum an mich gewandt weiter. «So dass du ein wenig unterstützt wirst.»

«Äh, nein. Es gibt gar keine Parteien bei uns. Jeder Kandidat steht für sich allein und hat ein eigenes politisches Programm.»

Meine Eltern werfen sich einen Blick zu, den ich mittlerweile nur zu gut kenne. Immer wenn sie etwas besonders merkwürdig finden an der Zauberwelt (zum Beispiel als sie erfahren haben, dass es in Hogwarts keinen Matheunterricht gibt), haben sie diesen Blickaustausch.

«Wie dem auch sei», sagt Dad abschliessend. «Will noch jemand Kuchen?»

***


90 Tage vorher

Die wichtigste Etappe der Zaubereiministerwahlen sind die Tore des Merlin. Es ist eines der sagenumwobensten Rituale der britischen Zauberwelt. Als wir in Geschichte der Zauberei das erste Mal davon gesprochen haben, hielt ich es für einen Witz. Alle Kandidaten für das Zaubereiministeramt müssen durch die Tore gehen, um ihre Fähigkeiten zu beweisen. Man muss keine Sprüche können, keine Hindernisse überwinden oder Denkaufgaben lösen. Man muss einfach nur durch die Tore gehen und am Ende auf der Rückseite des letzten Tores leuchtet eine grüne Zahl, die einem bewertet.

Was genau sie beurteilt? Auf diese Frage scheint es viele Antworten zu geben. Manche Bücher sagen es ist Wissen, andere behaupten es geht um Charakterstärke, während in den dritten steht, dass es allgemein um Führungsfähigkeiten geht. Mir fiel es schon als Dreizehnjährige schwer nachzuvollziehen, warum man diesen mysteriösen Punktzahlen einfach Glauben schenken soll und heute ist es mir noch immer ein Rätsel. Aber das Resultat der Merlin-Probe hat auf die Wahlen oftmals den höchsten Einfluss, mehr als jegliche Reden und Interviews.

Wir reisen mit einem Portschlüssel zu den Toren des Merlin, weil niemand ausser den amtierenden und ehemaligen Zaubereiminister wissen dürfen, wo sie sich befinden. Als wir landen, befinden wir uns auf einer farbigen Blumenwiese in voller Blüte. Vor uns stehen drei häusergrosse steinerne Tore, die mit Efeu überwuchert sind. Um die Tore herum in einem Abstand von etwa dreissig Fuss beginnt wie aus dem Nichts ein weisser undurchdringbarer Nebel, der wohl verhindern soll, dass wir uns orientieren können.

Ich kann nicht anders, als die Tore mit grossen Augen und weit geöffnetem Mund anzustarren. Es ist nicht, dass der Anblick so besonders beeindruckend wäre, aber der Gedanke wie sie entstanden sind und wie lange sie schon hierstehen, lässt mein Herz schneller klopfen. Der Legende nach soll Merlin die Tore selbst gebaut und verzaubert haben, um einen Weg zu finden, die Legitimität von Herrschern zu prüfen. Arthur soll mit einem Resultat von 369 Punkten abgeschlossen haben, was dann als Höchstwert definiert wurde. Seit das Amt des Zaubereiministers eingeführt wurde, ist nur Eldritch Diggory mit 366 Punkten Arthurs Bewertung nahegekommen.

Die anderen acht Kandidaten scheinen sich ähnlich überwältigt zu fühlen wie ich, nur die fünf Mitglieder des Zaubergamots, die als Zeugen mitgekommen sind, wirken unberührt. Vermutlich sind sie nicht zum ersten Mal hier. Vier von ihnen verteilen sich zwischen den Toren, der letzte bleibt bei uns stehen.

«Elliot, Adelaide», liest er von einem Pergament vor und nickt mir auffordernd zu, als ich mich melde.

Mit meinem Nachnamen bin ich die erste im Alphabet von uns Neunen, also muss ich auch als erste gehen. Ich spüre die Blicke der anderen und versuche mir die Nervosität nicht anmerken zu lassen. Meine Hände balle ich zu Fäusten, damit sie nicht zu zittern beginnen. Ich mag Prüfungen im Allgemeinen, aber das hier macht mich fertig. Ein Test, auf den man sich nicht vorbereiten kann und bei dem unklar ist, wie man überhaupt erfolgreich abschliessen kann, scheint mir wie ein Albtraum.

Langsam und vorsichtig gehe ich die ersten paar Schritte und versuche positiv zu denken. Wer weiss, was für ein Unheil negative Gedanken anrichten könnten.

Ich kann das, ich kann das, ich kann das.

Immer wieder repetiere ich das Mantra, bis ich plötzlich schon am anderen Ende der Tore angekommen bin.

«Sehr gut!», ruft mir die Grossmeisterin des Zaubergamots zu, die hinter dem letzten Tor auf mich wartet. Verblüfft drehe ich mich um und lese die grüne Zahl auf dem Torbogen: 352

***


30 Tage vorher

Tausende Eulen fliegen über ganz Grossbritannien mit blauen Kuverts in ihrem Schnabel. Sie fliegen in jedes Haus, in jede Wohnung, wo ein volljähriger Zauberer oder eine erwachsene Hexe lebt. Die Zeit zur Abstimmung ist gekommen, die Zeit, um ein Kreuz vor einen der neun Namen zu setzen. Hunderte Briefe werden ungeöffnet liegengelassen, weil die Stimmberechtigen zu beschäftigt sind oder schlicht zu wenig Interesse haben. Andere öffnen die Umschläge, sobald sie sie erhalten, weil sie schon seit Wochen über der richtigen Antwort brüten und alle Kandidaten bis ins kleinste Detail analysiert haben. Manche entscheiden aus dem Bauch heraus, andere orientieren sich vor allem an der Merlin-Probe. Viele haben den Wahlkampf mitverfolgt und finden es trotzdem schwierig, eine Entscheidung zu treffen. Doch die Zeit eilt. Neunzehn Tage bleiben der britischen Zauberwelt, um zu wählen.

***


10 Tage vorher

Tagesprophet

ELLIOT GEWINNT

Die Zaubereiministerwahlen sind entschieden. Die einunddreissigjährige Adelaide Elliot hat mit einem äusserst knappen Ergebnis gewonnen. Vor sechs Monaten hat noch kaum jemand ihren Namen gekannt und heute wurde sie zur neuen Regierungschefin gewählt. Zuerst beeindruckte sie mit der aussergewöhnlich hohen Beurteilung von 352 Punkten in der Merlin-Probe, dann verblüffte sie mit ihren kreativen Reformideen. In den letzten paar Wochen hat sich immer mehr abgezeichnet, dass ihre Politik grossen Anklang findet. Elliot hat in ganz Grossbritannien Diskussionsrunden veranstaltet, an denen mehr und mehr Menschen teilgenommen haben. Sie zeigte auf, warum unser Schulsystem überholt ist und wie sie es verbessern will. Ausserdem konnte sie viele davon überzeugen, dass es wichtig ist enger mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um den Frieden und die Magie zu schützen.

Fortsetzung auf Seite 2


***


Drei Stunden vorher

IST ELLIOT BEREIT?, lautet die Schlagzeile des heutigen Tagespropheten, darunter ist ein grosses Bild von meinem Gesicht: ein selbstsicheres Lächeln auf den Lippen, die Augen ganz konzentriert auf die Kamera und das lange braune Haar sorgfältig zu einem Dutt zusammengebunden. Ich sehe stoisch aus, zu stoisch? Zu starr? Für Muggelfotografien ist es wichtig möglichst still zu sitzen, aber hier in der Zauberwelt ist es anders: dass ich kaum blinzle oder mich bewege, wirkt unnatürlich und unprofessionell. Also, das letzte was ich heute gebrauchen kann.

Kopfschüttelnd lege ich die Zeitung weg, für Selbstzweifel ist nun wirklich der falsche Zeitpunkt. Ich zwinge mich dazu ein Stück Toast und ein Glas Saft hinunterzuwürgen, räume das Geschirr weg und gehe ins Badezimmer. Nachdem ich die Zähne geputzt habe, schaue ich mich im Spiegel kritisch an. Die Frisur sitzt, alle Schönheitsmakel habe ich sorgfältig mit Magie kaschiert und das freundliche, motivierte aber dennoch distanzierte Lächeln beherrsche ich mittlerweile im Schlaf.

Leise sage ich den Text auf, den ich bestimmt schon hundertmal geübt habe: «Ich, Adelaide Elliot, gelobe feierlich, das Amt der Zaubereiministerin getreulich - »

«Du klingst lächerlich», unterbricht mich mein Spiegel spitz.

«Sei doch still, du weisst gar nicht, wovon du redest», fahre ich ihn an. Heute habe ich nun wirklich keine Nerven für seine negativen Kommentare.

«Ich weiss, dass ich dazu bereit und qualifiziert bin», behaupte ich energisch, obwohl das alle zu bezweifeln scheinen, sogar mein Spiegel.

«Sicher?», fragt dieser spöttisch nach.

«Todsicher», entgegne ich prompt und starre ihn geradeaus an.

«Geht doch», kommt es nun zufrieden vom Spiegel.

***


Hier und Jetzt

Das gesamte Zaubergamot ist versammelt, zusammen mit dutzenden Journalisten und den wichtigsten Ministeriumsmitarbeitern sitzen sie auf Bankreihen in dem dunklen Saal, in dem normalerweise Gerichtsverhandlungen stattfinden. Der Anklagestuhl wurde weggeräumt und an den Wänden leuchten mehr Fackeln als an einem ordinären Tag, doch die düstere Ausstrahlung des Raumes bleibt. Alle Augen sind auf uns gerichtet, auf Kingsley Shacklebolt und mich, wie wir in der Mitte des Raumes stehen und warten.

«Es ist so weit», verkündet eine helle Stimme aus dem hinteren Teil des Raumes.

Eine zierliche blonde Frau tritt hervor und kommt auf Shacklebolt und mich zu. Eve Debenham. Sie nickt uns zu, wir nicken zurück. Die Amtseinweihung ist eine altehrwürdige Feierlichkeit, es sollen keine unnötigen Worte verloren werden.

Shacklebolt lächelt mich mit seinem sympathischen Lächeln an, bevor er mir seine Hand gibt. Ich umschliesse seine Finger mit meinen und Debenham berührt mit ihrem Zauberstab unsere verschränkten Hände. Ich kann die Magie in meinem Blut pulsieren fühlen, wie sie bis zu den Fingerspitzen kriecht und mit Shacklebolts Zauberkraft in Berührung kommt.

«Ich, Kingsley Shacklebolt», spricht Shacklebolt mit tiefer Stimme und ein Punkt auf seinem Handrücken beginnt blau zu leuchten, «schwöre feierlich stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben. Meine Zeit ist nun zu Ende. Ich lege das Amt des Zaubereiministers in die Hände meiner würdigen Nachfolgerin, Adelaide Elliot.»

Während er gesprochen hat, ist das blaue Licht immer weiter nach vorne gewandert, bis es nun zwischen unseren Fingerspitzen tanzt.

«Ich, Adelaide Elliot, gelobe feierlich, das Amt der Zaubereiministerin getreulich auszuführen und der britischen Zauberwelt zu dienen. Ich gelobe, die Freiheit des Volkes zu schützen und das Geheimnis der Magie wahren.»

Das blaue Licht pulsiert auf meinem Handrücken, die Verantwortung liegt nun auf meinen Schultern.
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