I don't wanna be your friend, I wanna kiss your neck

OneshotDrama, Romanze / P16 Slash
15.05.2019
15.05.2019
1
10044
13
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Guten Abend!

Nachdem ich letzte Woche bei den Aufzeichnungen von JKvsP7 war und jetzt in der post depression hänge, weil es vorbei ist und so toll war und die Ausstrahlungen noch viel zu lange hin sind, kommt dieser OS. Nach München war ich eh in der Stimmung noch was zu den beiden zu schreiben, was nicht AU ist, was durch meine Hauptstory momentan ja das ist, was ich hauptsächlich schreibe. Ursprünglich war dann ein neues Kapitel bei Pinky Promises angedacht. Bis dann Montag kam und Klaas sein wunderschönes Gesicht in der LNB Insta Story gezeigt hat. Und ein Halstuch getragen hat. Nicht zum ersten Mal nachdem er die Tage davor offensichtlich mit Joko verbracht hat.

Da ich aber niemandem was unterstellen will und das alles ganz bestimmt nur ein riesen Zufall ist, ich aber Zufälle (vor allem diese Art von Zufällen) liebe, habe ich die Inspiration gefunden, die ich brauchte. Meine letzte x+1Story liegt ja auch schon Ewigkeiten zurück und somit ist das hier entstanden.

Ein 4+1 mit etwas Drama, etwas Fluff, vielen Knutschflecken von einem Joko, der es einfach nicht lassen kann und mit einem Klaas, der das eigentlich auch nur halb so übel findet, wie er behauptet.

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem OS, danke dem Zufall der getragenen Halstücher und hoffe es gefällt euch! xoxo


xxxxxxxxxxxxxx



- I don’t wanna be your friend, I wanna kiss your neck –




i.

Selten war Klaas etwas so unangenehm gewesen wie das hier gerade. Den ganzen Tag schon war er mit Halstuch durch die Proben gelaufen, hatte was von einem Kratzen in seiner Kehle erzählt und Kopfschmerzen und war dadurch größtenteils in Ruhe gelassen worden. Schließlich wollte natürlich niemand riskieren, dass ausgerechnet Joko oder er krank wurden, wenn noch aufgezeichnet werden musste. Zwar war nur noch heute angesetzt und bis zur besten Show im November noch Zeit, doch trotzdem. Sie mussten schließlich gleich noch funktionieren.

Diese kleine Notlüge konnte Klaas nur leider jetzt, wo er hier in der Maske saß und gezwungen war das Halstuch zum ersten Mal seit er sein Hotelzimmer verlassen hatte, abzunehmen, nicht mehr aufrechterhalten. Der große, dunkle Knutschfleck an der rechten Seite seines Halses prangte ihm im Spiegel entgegen und natürlich blieben die Augen von Marie, ihrer Visagistin, auch sofort daran hängen. Sie zog eine Augenbraue überrascht hoch und Klaas spürte Hitze seinen Nacken hochkommen.

„Frag bitte nicht“, krächzte er. „Und sorg einfach dafür, dass das unter uns bleibt, ja?“

„Klar, kannst dich auf mich verlassen.“ Sie zwinkerte ihm zu und Klaas nickte stumm.

Er wusste, dass das stimmte. Marie hatte schon öfter die Maske bei Jokos und seinen Shows gemacht und er mochte sie tatsächlich gerne. Normalerweise unterhielt er sich auch immer locker mit ihr, während sie dafür sorgte, dass man seine Augenringe vor der Kamera nicht mehr so sehr auffielen, doch heute war er sowas von nicht in der Stimmung dafür. Er schämte sich einfach nur für dieses Mal an seinem Hals, von dem er sich förmlich ausgelacht vorkam. Dieses Gefühl nahm dann zumindest kurz darauf minimal ab, als Marie den Beweis von letzter Nacht unter gefühlten 5 Kg Make-Up hatte verschwinden lassen und auch mit seinem Gesicht fertig war.

Er bedankte sich also wie immer höflich mit einem Kopfnicken, rutschte von dem Stuhl, erleichtert diese Hürde hinter sich gebracht zu haben, und trat auf den Flur, wo er prompt fast in Joko reinrannte.

Der grinste ihn schief an, doch Klaas‘ Miene verfinsterte sich nur noch etwas mehr, vor allem als dessen Augen tiefer wanderten, er die Hand ausstreckte, um seinen Kopf leicht zu drehen und seinen Hals ganz offensichtlich abzuchecken. „Wie in Luft ausgelöst, sag ich ja. Die ganze Aufregung war also umsonst“, kommentierte er dabei.

Dort, wo Jokos Finger ihn berührten, fing Klaas‘ Haut an verräterisch zu kribbeln und die Nähe, die gerade entstanden war, ließ sein Herz unnatürlich schnell schlagen. „Alter!“, zischte Klaas aber trotzdem oder vielleicht auch genau deswegen und schlug Jokos Hand hektisch weg. „Vielleicht hier auf dem Flur noch ein bisschen offensichtlicher, damit es auch jeder mitkriegt!“ Gereizt funkelte er den Älteren an.

Nicht nur, dass er den Trottel schon dafür erwürgen könnte, dass er sich da letzte Nacht sowas von gar nicht zurück gehalten hatten und Klaas jetzt derjenige war, der darunter leiden durfte, nein, jetzt posaunte er das hier auch noch so raus!

Abwehrend hob Joko die Hände. „Hier ist doch keiner und außerdem hab ich doch gar nichts gesagt!“

Klaas schnaubte nur genervt bevor er sich umdrehte und den Weg in seine Garderobe einschlug. Natürlich folgte Joko ihm. Wäre ja auch zu schön, wenn nicht, doch ihn wegschicken wollte er irgendwie auch nicht.

Er akzeptierte es einfach stumm, als Joko ebenso wortlos auf das Sofa sinken ließ un das irgendwie das natürlichste auf der Welt zu schien. Sie beide hier, vor der Show, zusammen. Kurz betrachtete Klaas den Älteren und fragte sich ob wie Joko es eigentlich schaffte mit zunehmendem Alter nur noch besser auszusehen. Klaas wusste nicht mal genau was es war, doch irgendwas an Joko wirkte so unfassbar anziehend auf ihn, dass er tatsächlich sogar jetzt, wenn der Ältere nach ihm gegriffen hätte, nicht hätte widerstehen können.

Fuck. Was war denn los mit ihm? Er musste sich ganz dringend zusammen reißen! Ruckartig wendete er sich also ab und fing an vor dem Sofa auf und ab zu laufen. Das machte er oft, wenn er angespannt war und seine Gedanken rasten und er wusste, dass das Joko oft den letzten Nerv raubte, doch dieses Mal beschwerte er sich nicht.

Das, was letzte Nacht passiert war, war vielleicht unvermeidlich gewesen. Nach dem Ende von HalliGalli wussten sie schließlich beide nicht so ganz wohin, waren nicht ganz sicher was jetzt kam und diese permanente Konstante, das Wissen, dass es mit ihnen beiden nach dem Sommer weiterging, egal was war, die war plötzlich weg. Und das war seltsam und ungewohnt und, dass sie aneinander fest klammerten, an vertrautem und bekannten war normal. Dass sie in Nepal und Kroatien im Sommer auf Reisen irgendwie dem nachgegeben hatten, was da schon länger unter der Oberfläche gebrodelt hatte, hatte Klaas zunächst auf die Hitze; das Bier; in Nepal, den Honig geschoben. Er hatte Ausreden gesucht und die auch gefunden.

Doch als Joko vergangene Nacht dann vor der Tür seines Hotelzimmers gestanden hatte, hatte er auch nicht zwei Mal überlegen müssen, auch ohne Hitze und Bier und halluzinogenen Honig. Naja, aber es war ja nun auch gar nicht so sehr, dass es ihn störte, dass es passiert war. Ihm war egal, dass es Joko war und, dass der auch ein Mann war und das mit ihnen vielleicht auch nicht die schlauste Idee. Das war ihm alles egal, denn wenn sie zusammen waren, fühlte sich das ehrlicherweise gut und richtig an, es war intensiv und berauschend und Klaas wollte sich da einmal gar nicht so viele Gedanken drum machen. Er wollte es mal einfach passieren lassen, denn, ja, wem machte er was vor? Er vermisste Joko mit allem, was er hatte und nicht mehr regelmäßig mit ihm zusammen zu sein war gar nicht so cool wie erwartet.

Nur was ihn an der Aktion störte war, dass er jetzt diesen Knutschfleck am Hals hatte, wenn doch klar war, dass das nur unnötige Gerüchte aufwerfen würde. Denn das zwischen ihnen, das ging niemanden sonst was an und eigentlich war Klaas davon ausgegangen, dass Joko das auch bewusst war. Vielleicht hatte er ihm da aber ein paar Hirnzellen zu viel angerechnet.

„Weißt du wie peinlich das gerade war?!“, knurrte Klaas also schließlich und verschränkte die Arme vor der Brust.

Joko biss sich auf die Unterlippe und faltete die Hände in seinem Schoß. „Hat sie danach gefragt?“

„Nein, hat sie nicht, aber das ändert ja nichts daran, dass sie jetzt weiß, was ich letzte Nacht gemacht hab! Und das auch sonst jeder sehen kann!“

Joko seufzte. „Klausi, komm schon. Es ist nur noch eine Aufzeichnung und man sieht jetzt wirklich nichts mehr…“

„Ja, können wir nur hoffen, dass die sich kein scheiß Spiel mit Wasser ausgedacht haben!“, brummte Klaas und ließ sich kraftlos auf das Sofa neben Joko fallen.

„Ganz ruhig. Werden die schon nicht!“, versuchte der ihn auch weiter zu besänftigen und berührte sanft seinen Arm.

„Das kannst du nicht wissen!“

„Klausi…“

„Ne, Joko! Echt! Ich hab keinen Bock auf sowas!“ Das ließ den Älteren alarmiert die Augen ein Stück aufreißen, doch Klaas fuhr schon fort: „Wir sind keine 15 mehr, man! Wie kommt das denn rüber?!“

„Es weiß doch niemand, Hase…“

„Ja, bis jetzt! Und wenn jemand das sieht, dann… Gott! Ich weiß nicht mal, was schlimmer ist! Wenn die checken, dass der von dir ist oder denken, dass ich mir sonst wen aufs Zimmer hole…“ Er vergrub das Gesicht frustriert in den Händen und stöhnte, wodurch ihm der Schatten, der sich kurz übers Jokos Gesicht legte, entging.

Der blieb einen Moment regungslos nur so sitzen bevor er erneut tief durchatmete und dann eine Hand in Klaas‘ Nacken schob. „Tut mir leid.“

Vermutlich hätte Klaas Jokos Hand sofort abschütteln, von ihm wegrutschen und ihn wegschicken sollen. Es wäre besser und das einfachste und logischste. Das, was da gerade dabei war, sich zu entwickeln, durften sie nicht mit ins Studio tragen, außerhalb ihrer vier Wände, ausweiten auf mehr, als das, was im Bett war. Doch, wie immer, wenn es um Joko ging, konnte Klaas einfach nicht logisch oder rational handeln. Seit dem ersten Tag hatte der Kerl hier eine ganz seltsame Wirkung auf ihn. Er drehte also nur den Kopf leicht, um Joko anzusehen. „Tut es dir nicht…“, brummte er dann.

Joko grinste eher gequält und zuckte mit den Schultern. „Nein, es tut mir nicht leid, dass es passiert ist, aber nächstes Mal halte ich mich etwas zurück, okay?“

Nächstes Mal. Klaas seufzte, aber nickte, denn verdammt, es tat ihm ja auch nicht leid, dass es passiert war. Dafür hatte sich das alles halt viel zu gut angefühlt und auch wenn das vielleicht leichtsinnig und egoistisch war und sie beide in Gefahr brachte, er war zu schwach um zu widerstehen. „Aber ernsthaft, Winterscheidt, das darf nicht andauernd passieren! Das fällt auf!“

Joko verdrehte leicht die Augen, ließ die Hand aus seinem Nacken zu seiner Wange wandern und lehnte sich dann plötzlich vor, um ihm einen Kuss auf den Mundwinkel zu hauchen, der Klaas kurz gefrieren ließ. Seine Lippen prickelten angenehm und er wollte schlagartig mehr.

„Falls man nachher doch was sieht und einer blöd fragt, sag einfach der ist von mir. Das wird eh keiner glauben und du hast deine Ruhe“, flüsterte Joko, ließ seinen Atem vermutlich absichtlich seine Lippen streifen und es kostete Klaas eindeutig zu viel Selbstbeherrschung sich nicht zu rühren.

Er starrte einen Moment nur Jokos Lippen an, verfluchte ihn dafür, dass seine Nähe so ablenkend auf ihn wirkte, konnte es sich selbst nicht so ganz erklären. Was hatte er nochmal gesagt? Klaas runzelte leicht die Stirn, musste sich konzentrieren, um sein Hirn dazu zu zwingen die Worte zu verarbeiten. Und ja,  vermutlich hatte er da auch noch Recht. Die Wahrheit, vor allem wenn er sie so direkt aussprach, würde niemand glauben, denn Joko und Klaas, die rum knutschen? Klang sogar gerade noch in Klaas' Ohren unrealistisch und vielleicht gab ihnen das fürs Erste genug Sicherheit und Schutz.  

Er nickte also nochmal und atmete tief durch, in einem Versuch seinen Kopf zu klären. Das war wohl auch relativ offensichtlich, denn Joko grinste leider schon wieder viel zu selbstsicher und nuschelte nur zwei Zentimeter von seinen Lippen entfernt: „Übrigens find ich, du siehst mit Halstuch unfassbar niedlich aus.“

Der Spruch weckte Klaas erfolgreich auf, ließ ihn empört schnauben und Joko von sich weg schuben, auf genug Sicherheitsabstand, um sein Gehirn wieder in Gang zu setzen. „Halt die Klappe, du Blödmann!“

Joko lachte, stand vom Sofa auf und wuschelte ihm durch die Haare. „Sorry Hase, aber es ist nun mal so. Wenn du das um den Hals hast, siehst du so…“

Klaas schlug nach seiner Hand und musste doch lachen, während er ihn unterbrach: „Joko! Ich schwöre es dir! Ich warne dich! Halt den Mund!“

Der Ältere lachte wieder und wich geschickt dem Schlag aus, den Klaas erneut auf ihn abzielte. Er ging jetzt auf die Tür zu, drehte sich aber mit der Klinke bereits in der Hand doch nochmal um und erwischt Klaas somit voll dabei, wie der ihn anstarrte. Das kurze Schmunzeln ließ erahnen, dass ihm das auffiel, doch er ließ es zu Klaas' Erleichterung unkommentiert. „Verschwinden wir heute was früher von der After Show Party, damit ich dir beweisen kann, dass ich mich besser im Griff hab?“

Um den Moment zu überspielen, lehnte Klaas sich nach hinten und tat so als müsse er überlegen. „Mal sehen, ob du mich da gleich genug beeindruckst, dass ich meinen kostbaren Schlaf für dich opfern will.“

Joko grinste nochmal, doch nickte dann. „Mhm, nicht leicht zu haben, Herr Heufer-Umlauf, ich verstehe.“

Klaas zuckte grinsend mit den Schultern, denn dass er dieses Angebot, zumindest solange es von Joko kam, wohl niemals ablehnen würde, musste der ja nicht unbedingt wissen.



ii.

Grinsend sah Klaas auf den Bildschirm seines Handys, während er sich in seinem Bürostuhl zurücklehnte. Viel Abreit hatte er bis jetzt zwar noch nicht geschafft, da er mal wieder etwas zu spät im Büro angekommen war und seine Konzentration auch zu wünschen übrig ließ, doch gerade war ihm das ziemlich egal. Zum einen war die Nacht nun mal nur sehr kurz ausgefallen und zum anderen war er vielleicht mit den Gedanken auch nicht ganz bei der Sache, sondern viel mehr bei dem gestrigen Tag bzw. dem Abend.

Schließlich war er nicht einfach weil ihm danach war mit dem spätmöglichsten Flug zurück nach Berlin gekommen und deswegen jetzt auch so müde. Joko für den Dreh für die Limo Werbung wiederzusehen war nun mal etwas, worauf er sich schon seit der Termin stand, gefreut hatte, da zuletzt die gemeinsame Zeit leider sehr knapp ausfiel. Dass sie dann nochmal zusammen waren, hatten sie deswegen auch nicht ungenutzt lassen wollen und den Abend so noch zusammen verbracht.

Die Nachricht, die er gerade empfangen hatte, war auch endlich die, auf die er den ganzen Vormittag gewartet hatte bzw. eher von der Person, auf die er gewartet hatte. Er öffnete sie also auch direkt.

J: Guten morgen, hase!

Die Tatsache, dass diese Nachricht implizierte, dass Joko wohl gerade erst wach geworden war und ihm als aller erstes geschrieben hatte, ließ Klaas‘ Herz kurz etwas schneller schlagen und sein Grinsen breiter werden. Er verfluchte zwar beides, doch war machtlos dagegen, genauso wie gegen seine Finger, die sofort zu einer Nachricht ansetzen.

K: Morgen? Nichts für Ungut, Wintimaus, aber manche von uns haben sowas wie einen Job und sind schon was länger wach :*

J: Ja ja, ich weiß, ich lebe im luxus und du hast es sooo schwer :D

J: Oh! Schickes Halstuch uebrigens ;)

Scheinbar hatte Joko seine Instagram Story gesehen, in die er eben ein Video von sich selbst auf dem Fahrrad gepostet hatte. Mit Halstuch, denn natürlich hatte Joko sich gestern nicht zurückgehalten. Nur irgendwie konnte Klaas deswegen nicht mal wirklich wütend sein. Er wusste selbst nicht so genau was los mit ihm war, aber er hatte Joko die ganzen letzten Wochen in denen sie sich kaum gesehen hatten, so unendlich sehr vermisst, dass ihm alles andere irgendwie egal war. Alles was zählte war, dass Joko da gewesen war, dass er ihn immer noch so wollte und sich einfach nichts geändert hatte. Sie waren halt Joko und Klaas und die gehörten eben zusammen und das machte ihn beschissen glücklich. Nur musste er seinem Freund das ja nicht direkt unter die Nase reiben.

K: Ja, danke dafür, du Trottel!

J: Ach Klausi, du musst zugeben, dass es das schon wert war gestern, oder nicht? ;)

Klaas biss sich auf die Unterlippe. Denn ja, das musste er wirklich zugeben. Und das nicht nur weil Joko verdammt gut küssen konnte, scheinbar genau wusste, was er tun musste, um bei Klaas alles lahm zu legen und ihn alles andere vergessen zu lassen. Leider hatte er inzwischen erkannt, dass das viel weniger damit zu tun hatte, was sie taten, als vielmehr damit mit wem er es tat. Er setzte also erneut zu einer Antwort an.

K: Ja, das war es. Ich hab mich wirklich gefreut dich zu sehen, Winti!

Ein Klopfen an seiner Bürotür ließ ihn Aufsehen und als Thomas seinen Kopf in den Raum steckte, ließ Klaas sein Handy schnell sinken, so als ob sein Redakteur sonst aus der Entfernung schon erkennen könnte, was oder eher mit wem er gerade schrieb.

„Hallo Klaas“, grüßte er ihn aber lediglich.

Klaas zog eine Augenbraue hoch und nickte ihm kurz zu. Bis jetzt war er erfolgreich jedem Kollegen aus dem Weg gegangen, da er nicht in der Stimmung gewesen war dumme Sprüche zu hören. So war er vorhin schnell durch das Großraumbüro gehuscht und dann postwendend in seinem Büro verschwunden war, welches er bis jetzt nicht verlassen hatte.

Thomas trat jetzt aber ein, ein paar Blätter in der Hand, die er hochhielt, während er auf den Schreibtisch zu kam. „Hier das sind verschiedene Ideen für Rubriken für LNB, so wie das…“ Er brach plötzlich mitten im Satz ab, blieb stehen und legte den Kopf schief. „Ist dir kalt?“

Klaas blinzelte irritiert. „Hä? Ne, warum?“

„Na wegen dem Halstuch.“

Oh fuck. Klaas gab sich Mühe keine Miene zu verziehen, fuhr sich mit der Hand nur einmal über den Bart und antwortete dann hoffentlich locker: „Achso… Nee, das ist jetzt in, aber da hast du ja keine Ahnung von, Schmitt. Was die hippen Leute von morgen so tragen.“

„Ach was?“, fragte der andere Mann und fing plötzlich ganz seltsam an zu grinsen.

Das gefiel Klaas ganz und gar nicht und so fuhr er schnell fort: „Ja, warte nur ab. Jetzt lachst du noch, aber in so zwei, drei Monaten werdet ihr alle Halstuch tragen. Ich bin ja bekanntlich Trendsetter hier in der Redaktion. Muss ja auch wer machen den Job, auch wenn es undankbar ist.“

„Ne, ist klar.“

Klaas schnaubte leise und streckte einfach die Hand nach den Konzepten aus. „Ja ja, wie auch immer. Gib her, ich kümmre mich darum. Ist sonst noch was?“

Thomas lachte, übergab die Blätter an ihn und nickte. „Eigentlich wollte ich auch fragen, ob du mit Jakob und mir Mittagessen kommst?“

Kurz überlegte Klaas, doch da er hier ja bis jetzt nicht wirklich vorangekommen war und auch bezweifelte, dass sich das jetzt in absehbarer Zeit ändern würde, nickte er. Ablenkung war vielleicht auch gar nicht so übel. „Essen klingt gut.“

„Alles klar. Dann geh ich eben noch Jakob holen und wir treffen uns in fünf Minuten im Treppenhaus.“

Klaas zeigte ihm den Daumen nach oben und Thomas verzog sich wieder. Klaas speicherte das bisschen, was er zumindest bis jetzt geschafft hatte ab, fuhr seinen PC runter und schnappte sich seine Jacke. Ein Blick auf sein Handy verriet ihm, dass Joko nochmal geschrieben hatte und während er sich auf den Weg zu Thomas und Jakob machte, öffnete er die Nachricht.

J: Ich mich auch, Hase! Es war wirklich schoen dich bei mir zu haben!

Es war fast schon peinlich wie dumm ihn diese Nachricht grinsen ließ und er musste sich Mühe geben seine Gesichtszüge zumindest ansatzweise wieder unter Kontrolle zu kriegen bevor er auf seine beiden Kollegen im Treppenhaus traf. Scheinbar gelang ihm das nur nicht ganz so gut, da Jakobs Begrüßung aus einem: „Na, was hat Joko dir denn jetzt schönes geschrieben?“, bestand.

Ertappt biss Klaas sich auf die Unterlippe, leugnete das offensichtliche aber trotzdem. „Was? Gar nichts! Ich... äh... ich hab mein Handy hier, weil… ich bin hier Trendsetter, bekanntlicherweise und deswegen machen wir jetzt eine Instagram Story. Meine Fans interessiert es ja, was für eine Kacke ich den ganzen lieben langen Tag mache. Und ihr beide verdient auch mal zwei Sekunden Ruhm.“

Zur Ablenkung öffnete er Instagram, um ein Video zu machen und es in seine Story zu stellen, so wie Joko ihm das am Vortag gezeigt hatte. Er filmte seine beiden Redakteure, laberte etwas und fragte sich im selben Moment, ob Joko sich die Story ansehen würde.

Leider hatte er mit diesem Ablenkungsmanöver nicht ganz so viel Erfolg, wie gehofft, bei den anderen beiden Männern, da kaum, dass er sein Handy wieder sinken gelassen hatte und die ersten Stufen vor den anderen beiden runter war, Jakob auch schon brummte: „Also echt, einmal hängst du wieder mit Joko rum und schon wirst du zum Instagram Profi. Was hat  der eigentlich für einen Einfluss auf dich?“

„Ja, nicht nur das!“, bemerkte Thomas. „Er hat mir erzählt er wäre jetzt Trendsetter hier, aber ich wette mit dir, dass Joko ihm gesagt hat, dass ihm Halstuch steht und er deswegen jetzt eins trägt.“

„Denkst du nicht er hat da was zu verstecken?“, fragte Jakob grinsend und machte ein paar Kussgeräusche.

Thomas lachte. „Oh! Ja, dass Joko seine Finger aber auch nie bei sich behalten kann und…“

„Hallo?“, unterbrach Klaas die beiden und warf ihnen einen empörten Blick über die Schulter zu, während er die Arme verschränkte. „Ich steh direkt hier! Ich kann euch hören!“

Die beiden lachten nur noch mehr und Thomas klopfte ihm auf dem Rücken beim Vorbeigehen. „Wissen wir. Geleugnet hast du es bis jetzt aber eben nicht.“

Klaas schnaubte, zeigte den beiden Redakteuren einen Vogel und setzte seinen Weg dann fort. „Klar, Joko und ich, aber sonst geht es euch gut, ja?“

Wie richtig sie mit ihren vermeintlichen Witzen lagen behielt Klaas lieber für sich, während er an den beiden vorbei stolzierte und sich Mühe gab so unbeteiligt und angewidert auszusehen wie es eben noch ging.



iii.

In Gedanken versunken kaute Klaas auf seinen Nägeln und las die Zeilen, die er bis jetzt aufgeschrieben hatte, nochmal durch. Auch wenn bei Late Night Berlin Sommerpause war und er generell eigentlich Urlaub hatte, war einfach rumsitzen und nichts tun einfach nicht seine Art und das konnte er auch nicht gut. Er brauchte tatsächlich irgendwie immer was zu tun.

Somit hatte er beschlossen sich mit Mark endlich mal wieder ernsthaft an einem neuen Gloria Album zu arbeiten. Deswegen wollte er auch nächste Woche nach Hamburg fahren, um zum einen gemeinsam zu schreiben und vielleicht auch schon etwas aufzunehmen und zum anderen ganz vielleicht auch, um die Zeit vielleicht etwas schneller rumzukriegen bis er Joko endlich wieder sehen konnte.

Es war schon etwas lächerlich, das wusste er. Nur leider war er sehr lächerlich, wenn es um Joko ging in letzter Zeit. Schon länger war das, was zwischen ihnen lief nichts mehr auf rein körperlicher Basis. Okay gut. Vielleicht war es das so ganz nie gewesen, aber es hatte seine Zeit gedauert bis Klaas das akzeptieren hatte. Inzwischen hatte er sich aber irgendwie damit abgefunden und damit arrangiert, dass er eben doch mehr für Joko empfand.

Zuerst hatte er die Affäre auf der Stelle abbrechen wollen bevor sich da echt Probleme draus entwickelten. Doch jedes verdammte Mal, wenn er sich selbst davon überzeugt hatte, dass es das Beste für sie beide wäre, wenn sie doch wieder nur Kollegen waren, dann sah der Winterscheidt ihn mit diesem weichen Blick an, lächelte ihn an als würde er gerade die Sonne zum ersten Mal aufgehen sehen und berührte ihn, als wäre er das kostbarste auf der Welt. Genau dann warf Klaas jedes Mal seine ganzen Prinzipien über Bord, erwürgte die Stimme der Vernunft und ließ sich fallen. Er konnte nicht anders. Es war so als würde er plötzlich nicht mehr von der Schwerkraft sondern von Joko angezogen werden und niemals hätte er es übers Herz gebracht das zu beenden.

Er wusste nämlich nicht mehr wie er das überleben sollte. Das bewies ihm diese bescheuerte Sommerpause nämlich schon viel zu gut. Joko und er hatten sich jetzt bald 3 Wochen nicht gesehen. 2 Wochen, 5 Tage, 17 Stunden und 49 Minuten, wenn man genau sein wollte. Wann sie sich wieder sehen würden, stand auch noch in den Sternen und das machte Klaas verrückt. Spätestens im September ja, wenn sie gemeinsam für die beste Show in München aufzeichnen würden, aber September war noch fast ganze zwei Monate hin und momentan war Klaas sich nicht ganz sicher ob er das schaffen würden.

Frustriert raufte er sich die Haare. Wirklich, wann war er eigentlich so ein liebeskranker Trottel geworden? Er hatte es doch schon ein paar Mal geschafft, wenn Joko mal wieder Amerika und Paul und Matthias und sonst irgendeine Kacke so viel wichtiger gewesen war und sie sich Wochen nicht gesehen hatten. Ja, da hatte Klaas ihn auch vermisst, doch er war immer zu stolz gewesen das zuzugeben.

Bis jetzt.

Vor zwei Tagen, als sie telefoniert hatten, da war es ihm raus gerutscht. Er hatte sich selbst damit überrascht und auch Joko hatte kurz inne gehalten. Es war zwar  die Wahrheit, doch brachte im Endeffekt ja doch nichts, denn Joko zu sagen, dass er ihn vermisste zauberte ihn Klaas nicht nach Berlin, also sparte er sich solche Peinlichkeiten für gewöhnlich lieber.

Das Klingeln an der Tür riss Klaas aus seinen Gedanken und er blinzelte kurz irritiert. Wow. Jetzt saß er hier wirklich seit bald 40 Minuten, als er die Pizza, die da wohl gerade mit dem Lieferdienst kam, bestellt hatte und kein einziger Wort hatte er geschafft aufzuschreiben. 1a Arbeit, Herr Heufer-Umlauf. Frustriert warf er den Stift, den er lediglich zwischen den Fingern gedreht hatte, hin, stand auf und schlürfte in den Flur, um aufzudrücken. Während die Schritte das Treppenhaus nach oben kamen, kramte Klaas aus seinem Portemonnaie einen 20 Euro Schein, um den Boten mit großzügigem Trinkgeld zu zahlen.

Irgendwie erschöpft lehnte er im Türrahmen und überlegte gerade sich direkt nach dem Essen ins Bett zu legen und heute einfach abzuhaken, als der Pizzabote seine Etage endlich erreichte.

Klaas starrte den Mann jedoch erst mal nur ungläubig an. Er vergaß sogar für einen Moment zu atmen. Denn die Person, die gerade vor ihm zum Stehen kam, war nicht der erwartete Pizzabote. Fast war Klaas sich sicher, dass er eingenickt war und träumte.

„Hallo Hase“, murmelte nämlich Joko gerade.

„Joko?“ Soweit Klaas wusste, war Joko in Amerika. Das hier konnte unmöglich real sein.

„Ja“, bestätigte der Ältere jedoch, grinste schief und breitete die Arme einladend aus. „Hi. Überraschung.“

Fuck. Und da machte es klick in Klaas‘ Kopf. In der nächsten Sekunde hatte sein Körper auch schon reagiert und er schmiss sich in Jokos Arme, schmiegte sich eng an ihn und schoss die Augen. Die Wärme, die ihn umgab, der vertrauten Geruch, der Kuss auf seinem Kopf bewiesen ihm dann das Gegenteil. Das war viel zu gut, um nur ein Traum zu sein. „Fuck. Du bist hier…“

Joko schob eine Hand in seinen Nacken, streichelte sanft über die Haut dort. „Ja, ich bin hier.“

Ohne sich so richtig voneinander zu lösen, stolperten sie ins Innere der Wohnung und Joko schloss die Türe mit der Ferse hinter ihnen. Im selben Moment umfasste Klaas sein Gesicht und küsste ihn. Gott, was hatte er das vermisst. Er spürte wie sich Jokos Finger etwas mehr in seine Hüfte krallten und es kostete ihn eindeutig zu viel Kraft sich wieder von ihm zu lösen, als seine Lungen nach Sauerstoff verlangten.

Joko grinste ihn jedoch sofort an, so breit und dämlich, dass Klaas‘ Herz noch etwas schneller schlug, wenn er auch erst mal von dem Älteren abließ, damit er sich zumindest Jacke und Schuhe ausziehen konnte. „Was machst du hier?“, fragte Klaas dabei, immer noch völlig überrumpelt.

Joko lachte leise und zuckte mit den Schultern. „Du hast gesagt du vermisst mich.“

„Ja und? Das hat dich früher doch auch nicht interessiert...“

Joko zog eine Augenbraue hoch. „Früher hast du mich ja auch nicht vermisst.“

„Natürlich hab ich das.“

„Wie? Echt jetzt?“

Ganz klasse. Hätte Klaas früher gewusst, dass es nur das gebraucht hätte, drei kleine geflüsterte Worte am Ende eines Telefonats, um den Mann hier zurück zu ihm zu bringen, hätte er das schon deutlich früher mal gemacht. „Winterscheidt ey, du bist und bleibst doch ein blöder Trottel...“

Joko schnaubte, während er wieder auf Klaas zukam, um die Hände an seine Hüften zu legen und ihn so vor sich her ins Wohnzimmer zu schieben. „Wenn du mich nur vermisst hast, um mich zu beleidigen, geh ich wieder.“

Automatisch schoss Klaas‘ Hand zu seine Ärmel, um sich dort festzukrallen, was verräterisch und bescheuert war. „Wehe…“, brummte er zerknirscht.

Joko grinste leider auch viel zu triumphierend, weshalb Klaas ihn von sich wegschob und sich aufs Sofa schmiss, um nach seinem Handy zu greifen. „Weißt du, als es gerade geklingelt hat, hab ich eigentlich mit meiner Pizza gerechnet, also danke für die Enttäuschung.“

Joko schnaubte bevor er sich einfach auf Klaas drauf schmiss. Der keuchte überrascht auf, als Jokos Lippen dazu seinen Hals streiften und er neben seinem Ohr nuschelte: „Ach ja? Das heißt du fällst dem Pizzaboten auch immer so um den Hals oder was?“

Klaas schloss die Augen und ließ den Kopf nach vorne hängen, als Joko gezielt diese empfindliche Stelle hinter seinem Ohr fand und dort ein paar Küsse hinhauchte. „Mhm… Ne…“

„Ne? Denen bläst du direkt einen, oder wie?“

„Alter!“ Klaas warf Joko einen empörten Blick über die Schulter zu. Stimmung zerstören war echt sein Spezialgebiet.

„Was denn?“, fragte der Ältere lachend.

Klaas schüttelte leicht den Kopf bevor er sich umständlich unter Joko auf den Rücken drehte. „Du bist unmöglich, Winterscheidt. Noch ein Wort und ich schmeiß dich echt gleich raus, um mit dem Pizzaboten die Nacht zu verbringen.“

Joko piekste ihm darauf in den Bauch und brummte, wenn er es ja auch irgendwie selbst drauf angelegt hatte: „Vergiss es! Jetzt lass ich dich sicher nicht mehr gehen und schon gar nicht zu einem anderen Typen!"

Klaas verdrehte zwar demonstrativ die Augen, konnte sich das Grinsen aber trotzdem nicht verkneifen, vor allem als Joko sanft über seine Wange streichelte und sie sich in die Augen sahen.

Und das war so ein Moment, in dem Klaas sich vorstellen konnte, dass da wirklich mehr, mehr als nur das körperliche zwischen ihnen, sein könnte. Dass es klappen könne. Dass das, was sie fühlten, genug war. Es waren diese kurzen Momente, auf die Klaas niemals wieder verzichten wollten, die ihn irgendwie am Leben hielten und ihm immer wieder diese verräterische Hoffnung gaben. Es waren diese Sekunden, in denen weder er noch Joko eine Maske trugen, in denen sie ehrlich waren, in denen es keine Worte brauchte. Wo sie fühlten und das vollkommen in Ordnung war.

Als Joko sich dann endlich runter beugte und den Finger, der bis gerade sanft Klaas‘ Unterlippe nachgezeichnet hatte, durch seine eigenen Lippen ersetzte, flatterten Klaas‘ Augen zu und er schob die Finger ganz automatisch in Jokos Haare. Wie sehr ihm das hier gefehlt hatte und er es inzwischen fast schon brauchte, wurde ihm jetzt wieder so wirklich bewusst. Seine ganze Welt schrumpfte auf das hier zusammen, dem Gefühl von Jokos Lippen, von seiner Hand, die sich unter sein Shirt schob, und die Nähe zu ihm ließ mal wieder so gut wie alle Sicherungen in seinem Kopf durchknallen.  Nichts anderes zählte und am liebsten hätte Klaas diesen Moment in die Ewigkeit gezogen.

Joko löste den Kuss jedoch, atmete schwer und sah ihm mit diesem weichen Blick in die Augen, der seine Knie immer, wenn er stand, gefährlich weich werden ließ. Es war dieser Blick, bei dem Klaas das Gefühl bekam, als ob Joko direkt auf seine Seele sehen konnte und es kein Geheimnis gab, das er vor ihm verstecken könnte. Aber das war okay, denn wem außer Joko konnte er sich schon komplett anvertrauen? Niemand kannte ihn besser, niemand akzeptierte ihn so, niemandem vertraute er so sehr. Sanft strich er Joko durch die Haare und spürte eine Wärme in seiner Brust anschwellen.

„Joko... du hast mir so gefehlt..."

Er lächelte und gab ihm einen Kuss auf die Nasenspitze. „Du mir auch und deswegen werde ich auch erst mal nicht wieder gehen, wenn du das nicht willst."

Klaas blinzelte überrascht, denn damit hatte er ehrlich nicht gerechnet, doch er fing fast sofort an breit zu grinsen. Diese Worte kamen für Klaas gerade einer Liebeserklärung gleich und machten ihn so glücklich, dass er Joko zu einem stürmischen, chaotischen Kuss zu sich zog.

Der lachte gegen seine Lippen, vertiefte den Kuss und drang nur kurz darauf mit der Zunge in seinen Mund ein. Klaas überließ ihm die Dominanz, mochte es sogar irgendwie, dass Joko ihm hier so deutlich zeigte, dass er ihn wollte. Er gab die Kontrolle ab, ohne zu zögern, weil das hier Joko war und er Joko vertraute und er wusste, dass er sich fallen lassen konnte.

Klaas stöhnte leise, als Joko sich an seiner Haut festsaugte und lehnte den Kopf zur Seite, um ihm mehr Angriffsfläche zu geben. Niemals im Leben hätte er Joko jetzt von sich schieben können. Im Gegenteil, er drückte sich ihm noch entgegen und schlang ein Bein um seine Hüften. Selbst wenn er am Ende einen Knutschfleck hätte und bei 30 Grad im Schatten morgen ein Halstuch tragen müsste, war ihm das sowas von egal. Es würde schon niemandem auffallen, denn es war doch Sommerpause und die hatte schließlich auch ihre Vorteile.



iv.

Fluchend lehnte Klaas den Kopf zur Seite und betrachtete die beiden riesigen dunklen Verfärbungen an seinem Hals kritisch. Manchmal könnte er Joko wirklich erwürgen. Als hätten sie dieses leidige Thema jetzt nicht schon unzählige Male gehabt. Eigentlich war es auch besser geworden, seit sie fest zusammen waren. Jetzt wo Joko keine Grund mehr hatte ihn so zu markieren, da er sowieso niemanden außer Joko an sich ran ließ, hatte er sich tatsächlich benommen und die einzigen Knutschflecken, die Klaas bekommen hatte, waren die, die sonst niemand zu Gesicht bekam.

Natürlich waren die letzten Tage, so sehr er sich auch darauf gefreut hatte, so viel Spaß er auch gehabt hatte endlich wieder mit Joko vor  der Kamera zu stehen und dabei nicht gegen ihn antreten zu müssen, so hart war es gewesen, auch für ihn. Die ganze Zeit waren sie zusammen gewesen, umeinander rum geschlichen, hatten sich bei allen möglichen Spielen nah kommen und berühren müssen, ohne jedoch das ganze bis zum Ende durchziehen zu können. Sie hatten die Finger bei sich behalten müssen, sich zurückhalten und benehmen müssen. Zu viele Augen waren auf sie gerichtet gewesen, irgendwer war immer da gewesen, hatte ungünstig gestört und ihnen eine Kamera ins Gesicht gehalten. Mehr als einmal war es brenzlig gewesen und sie waren nur knapp einem unfreiwilligen Outing entgangen.

Auch wenn Joko mehr gemosert und gemeckert hatte, war es für Klaas auch alles andere als einfach gewesen, seinen Freund nur aus der Ferne und ganz heimlich anschmachten zu können, ihn nicht instinktiv zu küssen oder die Hand zur Versicherung nach ihm auszustrecken. Öfter als er zugeben mochte hatte er sich extrem am Riemen reißen müssen und sich die ganz Zeit unendlich auf diesen letzten Abend gefreut, ab dem sie endlich nicht mehr ganz so sehr aufpassen mussten. Nur natürlich hatte Joko mal wieder übers Ziel hinaus schießen müssen.

Mit einem Schnaufen, strich Klaas sich die noch nassen Haare aus der Stirn und drehte sich dann um, um das Bad seines Hotelzimmers zu verlassen. Joko lag immer noch in seinem Bett, die Augen noch zu, doch Rücksicht darauf nahm Klaas jetzt nicht mehr. „Winterscheidt!“, knurrte er stattdessen laut und genervt und blieb neben dem Bett stehen, um dem Älteren gegen die Stirn zu flitschen.

Der verzog darauf das Gesicht, stöhnte leise und schlug halbherzig nach seiner Hand. Mehr passierte nicht.

„Ey! Hallo! Aufwachen!", verlangte Klaas und schlug ihm leicht gegen die Wange. „Wird langsam mal Zeit! Ich war sogar schon duschen und du gammelst hier rum!"

„Bist du noch nackt?", fragte Joko, öffnete grinsend ein Auge und schob dann doch die Unterlippe vor, als er  sah, dass Klaas ein Handtuch um den Bereich gewickelt hatte, der für ihn wohl besonders von Interesse war. Ob ihm die Wut des Jüngeren darauf echt entging oder es ihm schlichtweg egal war, wusste dieser nicht so ganz, denn Joko streckte die Hand aus und legte sie an seine Hüfte bevor er nuschelte. „Du machst mich echt unglücklich... Wieso hast du denn nicht wenigstens mit Duschen nicht auf mich gewartet?“

Klaas schnaubte. „Alter!“ Das war wieder so typisch für den Kerl. „Joko ey…! Mein Flug geht in anderthalb Stunden und du wolltest deinen Arsch nicht schwingen, also beschwer dich nicht!“

Joko grinste immer noch verpennt, drehte sich halb auf den Rücken und fragte dann doch erstaunlich besorgt klingend: „Apropos Arsch. Wie geht es deinem? Hast du Schmerzen?"

Klaas verdrehte die Augen, während seine Wut schon wieder etwas schrumpfte. Denn eine Sache musste er wirklich zugeben. Joko machte sich immer Sorgen um ihn. Obwohl er im Bett überraschenderweise wirklich der dominantere war, war Klaas aufgefallen, dass er immer haargenau darauf achtete, dass er nicht zu schnell vorging, ihm nicht weh tat und auf seine Reaktion achtete. Das war natürlich unendlich süß, doch manchmal war er für Klaas' Geschmack fast schon etwas zu vorsichtig. Er war schließlich nicht aus Glas. „Keine Sorge", antwortete er ihm jetzt auch. „Es ist alles gut."

Jokos Finger streichelten sanft über die Haut knapp oberhalb des Handtuchs, während er wohl beruhigt nickte.

Um zu verhindern, dass er die Gänsehaut, die er mit dieser einfachen Berührung bei Klaas auslöste, bemerkte, trat der einen Schritt vom Bett weg, um außerhalb seiner Reichweite das Handtuch zu Boden fallen zu lassen. In dem vollen Wissen, dass Joko ihn anstarrte, bückte er sich zu seinem Koffer, um eine frische Boxershorts zu angeln. Kaum hatte er die übergezogen, war Joko auch schon von hinten an ihn ran getreten, hatte die Arme um ihn geschlungen und ihn an seine Brust gezogen.

Klaas schloss die Augen, als Joko die Haut unterhalb seines Bauchnabels streichelte, ihm ein paar Küsse in den Nacken hauchte und sich langsam zu seinem Hals vorarbeitete, wo er inne hielt, als er wohl die Knutschflecken von letzter Nacht entdeckte. „Oh… ups.“ Jetzt verstand er wohl auch, warum Klaas ihn eher unsanft geweckt hatte. „Sorry Klausi“, nuschelte er ohne sein Grinsen auch nur im Ansatz zu verstecken.

Der Kleinere schnaubte und stieß seinen Ellbogen halbherzig nach hinten in Jokos Seite, der sich davon nicht wirklich abschütten ließ. „Als ob dir das leid tut…“, brummte Klaas.

„Naja, beschwert hast du dich letzte Nacht aber auch nicht.“

Klaas brummte nur nochmal, denn leugnen konnte er das leider auch nicht. Joko lachte leise und vergrub die Nase in seinen Haaren, wo er nuschelte: „Die Aufzeichnungen sind durch, Hase. Es sieht doch niemand mehr jetzt.“

„Ja klar“, knurrte Klaas, wenn er sich auch instinktiv enger an den anderen Mann schmiegte. „Weil das bis Montag ganz sicher weg ist.“

„Wer weiß.“

„Alter Joko! Du hast mir schon genug Knutschflecken verpasst, damit ich weiß, dass die hartnäckig sind!“

Joko lachte wieder und Klaas drehte sich in seinen Armen, um ihm einen bösen Blick zuwerfen zu können. „Das ist nicht witzig!"

„Ja, ich weiß doch", erwiderte Joko bevor er sich runter beugte und Klaas einfach küsste. Damit unterband er erfolgreich jede weitere Diskussion. Vor allem als er ihm dann auch noch sanft über die Wange streichelte und flüsterte: „Ich liebe dich, Klausi.“

Klaas lächelte jetzt doch wieder und stellte sich auf die Zehenspitzen, um einen weiteren Kuss zu bekommen. „Ich liebe dich auch, du Trottel.“

Joko ließ seine Stirn langsam die von Klaas sinken, der die Hände in Jokos Nacken schob und sein Grinsen nicht mehr so ganz unter Kontrolle bekam. Sie verharrten einen langen, stillen Moment nur so, sahen sich an, atmeten einander ein und genossen die Nähe, die sie beide brauchten und die doch nur hinter verschlossener Türe stattfinden konnte.

„Ich wünschte du könntest hier bleiben…“, murmelte Joko schließlich.

„Oder du könntest mitkommen…“, seufzte Klaas und schloss die Augen. Joko zog ihn noch etwas enger an sich und Klaas hätte in dem Moment wirklich so gut wie alles gegeben, um wirklich bleiben zu können, Joko doch mitzunehmen oder einfach nur mit ihm zusammen sonst irgendwo hin zu fahren. Er wollte sich nicht von ihm trennen und es frustrierte ihn, dass er schon wieder nicht wusste, wann genau sie sich nach heute wieder sehen würden.

Jokos Finger streichelten seine Wirbelsäule entlang und zogen eine neue Gänsehaut hinter sich her. „Weißt du, manchmal wünschte ich mir ich könnte dich wenigstens zum Flughafen bringen, deine Hand halten, dich da zum Abschied küssen und müsste mich vor niemanden dafür rechtfertigen... So wie jedes andere normale Paar eben auch...", flüsterte Joko plötzlich. „Es macht mich so wahnsinnig, wenn du bei mir bist, aber ich dich nicht so anfassen darf, wie ich will, dass ich immer aufpassen muss, was ich sage, wie ich dich ansehe und was ich mache… Manchmal würde ich wirklich alles dafür geben, um mit dir abhauen zu können und auf alles andere einfach zu scheißen…“

Klaas spannte sich etwas an und runzelte leicht die Stirn, während er prüfend die Augen wieder öffnete. Das Thema des Outings war eins, was sie bis jetzt relativ erfolgreich umschifft hatten. Die paar Mal, die es aufgekommen war, war es unangenehm geworden. Sie hatten sich zwar nicht direkt gestritten, doch es war auch nicht gerade cool gewesen. Klaas wusste, dass Joko am liebsten sofort der ganzen Welt erzählen wollte, dass sie zusammen waren, doch Klaas wollte das nicht. Er schämte sich nicht, im Gegenteil, er war stolz auf Joko und ihre Liebe. Es war das kostbarste und wichtigste auf der Welt für ihn und gerade deswegen wollte er es um jeden Preis schützen. Es der Öffentlichkeit zu präsentieren und den Medien zum Fraß vorzuwerfen entsprach da nicht ganz seiner Vorstellung. Ihm war klar, dass das nicht auf ewig so funktionieren würde, doch für jetzt wollte er das hier, Joko, nur für sich mit niemandem teilen.

„Ich weiß“, murmelte Klaas schließlich nur, da er nicht wusste, was er sonst sagen sollte. Das letzte, was er wollte war Joko verletzen, doch er fühlte sich so hilflos und überfordert mit der Situation. Instinktiv klammerte er sich noch etwas mehr an Joko fest, so als hätte er Angst der Ältere könnte sich jeden Moment in Luft auflösen.

Dieser seufzte. „Ich hasse es dich gehen zu lassen. Es wird jedes Mal schwerer.“

Gequält schnitt Klaas eine Grimasse. „Ja und gerade machst du es nicht einfacher…“

Joko senkte den Blick und zog ihn noch enger an sich, wobei er das Gesicht an seiner Halsbeuge vergrub und tief einatmete. „Tut mir leid…“

Klaas biss sich auf die Unterlippe und streichelte beruhigend über Jokos Nacken, während das schlechte Gewissen sich in ihm ausbreitete. Das hier war ja nicht Jokos Schuld. Im Gegenteil. Wenn einer schuld trug, dann wohl er selbst.

Natürlich wollte er auf der einen Seite zu Joko stehen, zu ihrer Beziehung und ihrer Liebe, doch was wenn das nach hinten los ging? Klaas war sich nicht ganz sicher ob sein Freund alle möglichen Konsequenzen in Betracht gezogen hatte und ihm klar war wie hoch der Preis sein könnte für das hier. Klaas war zwar bereits alles zu geben, doch er hatte trotzdem  Angst. Angst davor, dass ihnen alles über den Kopf wachsen könnte, Angst Joko zu verlieren, Angst davor, dass alles kaputt gehen konnte, Joko kaputt gehen würde und er selbst unvermeidlich ebenso.

„Ich würde es trotzdem nicht anders wollen, Winti. Das weißt du, oder? Das mit uns, das ist das Beste, was mir passiert ist“, nuschelte er schließlich neben Jokos Ohr.

Der Ältere nickte leicht, nuschelte ein weiteres: „Ich liebe dich so sehr", und löste seinen Griff um Klaas kein bisschen. Doch der war darum auch dankbar. Sie blieben einen langen Moment noch nur so stehen, brauchten es irgenwie beide, als würden sie die Nähe des anderen für die kommende Tage und Nächte, die sie mal wieder alleine verbringen mussten, aufsagen und abspeichern wollen. Dass das nur bedingt funktionierte wusste Klaas nur leider inzwischen viel zu gut.

„Joko…“, murmelte er irgendwann schweren Herzens, denn eigentlich war das letzte, was er jetzt wollte sich von diesem Mann hier zu lösen. „Mein Flug…“

Joko seufzte, eine Mischung aus Frust und Hilflosigkeit, doch lockerte dann schlussendlich seinen Griff. Klaas gab ihm noch einen Kuss auf die Lippen, grinste ihn schief und hoffentlich zumindest ansatzweise aufmunternd an bevor er sich dazu zwang sich weiter anzuziehen. Eigentlich wäre das auch für Joko die Möglichkeit gewesen abzuhauen, da es auch vor dem Team wohl seltsam wirken würde, wenn sie ihn hier später finden würden, wenn er doch eigentlich eine Wohnung hier hatte.

Doch er blieb und im Stillen war Klaas unendlich froh darum. Nur kurz darauf, als er wieder in Jeans und Hemd  auf dem Bett saß, um sich seine Socken anzuziehen, saß Joko neben ihm, streichelte sanft die Haare hinter seinem Ohr glatt und musterte ihn eingehend, ähnlich wie zuvor, als würde er sich dieses Bild genau merken wollen, um später davon noch zu haben. Die Schwere, die sich vor einem Abschied immer über sie legte, war zwar nicht ganz verschwunden, doch es half ja alles nichts. Das wussten sie ja nun auch. „Ich glaube du solltest Montag vielleicht echt nochmal ein Halstuch tragen“, murmelte Joko, mit einem schwachen Grinsen.

Klaas schnaubte leise, wenn es um seine Mundwinkel auch schon wieder zuckte. „Was du nicht sagst… ist auch ganz unauffällig…“

Joko schob die Hand in seinen Nacken und spielte mit den kleinen Locken dort. „Also ich muss sagen, dass ich die Spekulationen über deine… Aktivitäten sehr unterhaltsam finde.“

„Klar, Hauptsache du hast was zu lachen...", schnaufte Klaas und drehte sich, jetzt wo er fertig mit seinen Socken war, Joko ganz zu.

Der war aber schneller, nutzte das aus und schlang auch schon beide Arme um ihn. Bevor Klaas sich versah, saß er halb auf Jokos Schoß und küsste ihn. Klaas grinste leicht und nuschelte gegen Jokos Lippen: „Bin ja schon froh, dass ich keinen Anzug mehr trage. Wie lächerlich das aussehen würde in Kombination mit einem Halstuch.“

Joko lachte noch etwas mehr und zuckte mit den Schultern. „Lass es trotzdem besser in der Maske überschminken. Ist ja auch nicht das erste Mal, also sollten die da inzwischen ja Übung drin haben.“

Klaas schnaubte und gab Joko einen Klaps auf den Hinterkopf. „Das macht es wirklich kein Stück besser, falls du versuchst mich hier aufzuheitern, du Idiot.“

Jokos Lachen darauf machte es im Gegensatz dazu aber doch etwas besser und Klaas musste doch wieder grinsen. Als Joko ihn dann mit einer schnellen Bewegung auf den Rücken und in die Kissen beförderte, um sich seinen Kiefer entlang zu küssen und seinem Hals wieder zuzuwenden, leistete er auch mal wieder keine Gegenwehr. Stattdessen vergrub er seine Finger in Jokos Haare und schloss die Augen. Fuck. Fünf Minuten hatte er doch eigentlich noch und ob er nun zwei oder drei Knutschflecken verstecken müsste, würde auch keinen Unterschied mehr machen.



v.

Um sich selbst nicht die Möglichkeit zu geben zu viel nachzudenken, öffnete Klaas die Beifahrertüre, sobald Joko den Motor ausgestellt hatte, um auszusteigen und die warme Luft tief einzuatmen. Er freute sich eigentlich auf den heutigen Tag, auf das Konzert, auf die Bandmitglieder. Es war viel zu lange her, dass sie das letzte Mal so richtig als Gloria und nicht nur bei LNB aufgetreten waren. Er hatte es vermisst, keine Frage. Doch gleichzeitig wusste er auch, dass heute irgendwie anders sein würde und, dass seine Nerven etwas mehr als sonst flatterten, war vielleicht auch normal.

„Ey, du machst mir auch echt alles kaputt, Heufer-Umlauf…“, brummte Joko gerade, während er um den Wagen rum und auf ihn zukam.

Fragend zog Klaas eine Augenbraue hoch, während er die Hand, die Joko ihm hinhielt, griff, um ihre Finger miteinander  zu verschränken.

„Na, ich wollte dir die Tür aufmachen“, erklärte er dazu, als wäre es das offensichtlichste auf der Welt. Vor allem vor ihrem Outing hatte Joko in der Öffentlichkeit oft zu diesen kleinen Gesten gegriffen, wie ihm die Tür aufzuhalten, Stühle für ihn zurückziehen bevor er sich selbst setzte, ihm den Vortritt zu lassen oder für sie beide zu zahlen. Klaas war das zwar immer irgendwie ein bisschen unangenehm gewesen und so richtig wie er darauf reagiere sollte, hatte er nie gewusst, doch das Grinsen in den Situationen hatte er auch nie ganz bekämpfen können.

Jetzt nach ihrem Outing hatte das nur immer noch nicht nachgelassen und wenn es Klaas heimlich auch gefiel, dass Joko ihn so behandelte, tat er gerne so, als würde es ihn stören. Vermutlich weil er wusste, dass Joko es auch besser wusste und seine Gemecker so eh nie ernst nahm. „Alter“, schnaubte Klaas deswegen auch. „Ich glaub das kriege ich gerade noch so alleine hin.“

Joko zuckte mit den Schultern, während er den zweiten Arm um seine Mitte schlang und ihn an sich zog. „Und wenn schon, das ist eben romantisch!“

Klaas verdrehte leicht die Augen. „Joko, meinst du nicht, das langsam mal gut ist? Wir sind jetzt schon was länger zusammen und…“

„Und ich liebe dich halt immer noch wie am ersten Tag“, unterbrach Joko ihn grinsend.

Er wusste haargenau, was er mit solchen Aussagen bei Klaas auslöste. Dem stieg nämlich die Hitze in die Wange und er versteckte sein Gesicht schnell an der Brust des Älteren. „Boah, hör bloß auf! Ich kotz gleich!“

Joko lachte, umfasste sanft sein Kinn und hob so seinen Kopf, um ihn zu küssen. Klaas schmiegte sich dabei automatisch enger an ihn und schloss die Augen. Dass sie sich hier auf dem Parkplatz vor der kleinen Halle, in der er in wenigen Stunden mit Gloria auftreten würde, bei Tageslicht und wo sie jeder sehen konnte, einfach küssen konnten war immer noch keine Selbstverständlichkeit und noch lange keine Normalität.

Das Outing hatte sie einiges an Nerven gekostet. Sie hatten oft genug deswegen gestritten, hin und her diskutiert und zeitweise da war Klaas sich sicher gewesen, dass das mit ihnen keine Zukunft haben konnte. Doch ein Leben ohne Joko war nun mal keins, was Klaas mehr wollte, was er sich vorstellen konnte, was ihm überhaupt noch lebenswert erschien und dieses Verstecken und Aufpassen und der Kleinkrieg zwischen ihnen hatte sie beide so viel Kraft gekostet, war so ermüdend gewesen und auslaugend. Ins kalte Wasser zu springen war nie einfach, doch verdammt, irgendwann hatte Klaas dann doch die Nase voll gehabt.

Denn er war sich so verdammt sicher, was diesen Mann betraf und mit jedem Tag wurden die Gefühle in ihm nur noch größer und stärker und intensiver. Das hier war das einzig richtige für ihn und würde es auch immer bleiben. Und als Joko ihn mal wieder nachts leise zugeflüstert hatte, dass er am liebsten auf alles scheißen würde und ihn einfach nur lieben wollte, da hatte Klaas ihn geküsst, genickt und ihm gesagt, dass sie genau das tun würden. Jokos verdutzter Gesichtsausdruck darauf hatte ihn trotz der Anspannung zum Lachen gebracht und als er ihn darauf stürmisch geküsst und immer wieder geflüstert hatte, wie sehr er ihn liebte, da hatte das Klaas‘ Entschluss nur noch gefestigt.

Als Joko dann bei der letzten Folge Late Night Berlin vor der Sommerpause mal wieder „überraschend“ ins Studio gepatzt war, weil er ihm sagen wollte, dass er ihn liebte und ihn vor laufenden Kameras geküsst hatte, da hatte Klaas natürlich vorher Schiss gehabt und er hatte gezittert und sich an Jokos fest geklammert, als der vor ihm gestanden hatte.

Auch wenn das jetzt gerade mal knapp 1 ½ Monate her war, bereute Klaas es nicht, keine Sekunde hatte er mehr gezweifelt, dafür war er einfach viel zu glücklich endlich zu Joko stehen zu können und auch ihm nicht mehr dabei zu hören zu müssen, wie er die Beziehung und ihre Liebe verleugnete. Es hatte eine riesen Last von ihnen beiden genommen und seitdem lief alles zwischen ihnen gefühlt nur noch besser.

Zwar hatte es neben vielen positiven Reaktionen, auch einiges an negativen, dummen, homophoben Kommentaren gegeben, doch damit hatten sie gerechnet. Das war zwar alles andere als schön, doch die Sommerpause und der damit verbundene Abstand von Kameras half. Klaas war guter Dinger, dass zum Herbst hin, wenn es weiterging, sich alles irgendwie eingependelt und beruhigt hatte. Ein Interview hatten sie nach ihrem Outing zwar noch gegeben, um alles klar zu stellen und zu bestätigen, doch abgesehen davon hatten sie sich bedeckt gehalten. Das heute war für Klaas das erste Mal wieder in die Öffentlichkeit gehen seitdem. So war er zwar nervös, doch dass Joko bei ihm war, half.

Als sie sich jetzt voneinander lösten und sich in die Augen sahen, fiel es ihm auch nicht schwer zu grinsen. „Lass uns besser rein gehen, sonst reißt Mark mir den Kopf ab, wenn wir noch später kommen“, murmelte er trotzdem direkt, bevor er überhaupt die Chance bekam sich in dem Moment und seinem Freund zu verlieren, wie das sonst immer passierte.

„Oh ja, das wäre wirklich schade, um dein schönes Köpfchen“, erwiderte Joko, legte den Arm um Klaas‘ Schultern und zog ihn mit sich vorwärts Richtung Hintereingang.

Im Flur schon trafen sie auch direkt auf die ersten Crew Mitglieder, die ihnen zuwinkten und Begrüßungen zuriefen. Niemand sah sie schief oder erstaunt an, da vermutlich jeder damit gerechnet hatte, dass Klaas heute nicht alleine kommen würde. Einerseits war das beruhigen, andrerseits aber auch ein bisschen peinlich. Denn die Knutschflecken an seinem Hals waren dabei wohl auch kaum zu übersehen.

Zugegeben kurz hatte er heute Morgen vor dem Spiegel überlegt ein Halstuch umzubinden, vielleicht aus alter Gewohnheit. Doch es war wirklich heiß draußen und somit wäre das Tuch wohl genauso offensichtlich wie die Markierungen, die Joko vor drei Nächten dort hinterlassen hatte. Ihm war bewusst, dass später auf der Bühne auch die Fans das sehen würden und es sicher auch nicht lange dauern würde bis Bilder und Videos hochgeladen wurden. Der Gedanke störte ihn, wenn er ehrlich war, aber nur noch halb so sehr wie das mal der Fall gewesen war.

Sie wurden dann direkt durch gewunken in die Halle für den Soundcheck, wo sich wohl auch schon der Rest der Band aufhielt und nur noch auf den Sänger gewartet wurde. Vor der Bühne, stellte Klaas sich trotzdem auf die Zehenspitzen und gab Joko noch einen Kuss, den dieser mit einer Hand in seinem Nacken verlängerte.

„Herr Heufer-Umlauf, Herr Winterscheidt, die gesamte Crew hier wäre euch sehr verbunden, wenn ihr es schaffen würdet euch mal für 10 Minuten zu trennen und das Knutschen auf später verschieben könntet. Uns ist allen bewusst wie hart das ist für euch, aber wir hängen schon eine halbe Stunde hinterher wegen eurem vermutlichen Quickie im Auto“, erklang Marks Stimme durch das Mikro und allgemeines Gelächter ertönte, was Klaas dazu veranlasste sich doch schneller von Joko zu lösen, als er eigentlich wollte, um Mark einen bösen Blick über die Schulter zuzuwerfen. Der grinste jedoch nur breit und winkte ihnen beiden zu.

Einen letzten Kuss stahl Klaas sich dann aber doch noch von Joko ehe er Richtung Bühne deutete und nuschelte: „Okay, ich glaub ich muss echt langsam mal…“

Joko nickte, wenn er ihn auch noch einen Moment festhielt und ihm dann grinsend ins Ohr flüsterte: „Ich weiß. Ist auch in Ordnung, solange wir später echt noch was knutschen.“

Klaas lachte leise, bevor er sich dann von Joko löste und demonstrativ einen Schritt von ihm wegtrat. „Man Winti, du musst echt mal lernen dich zu zügeln.“

Der Ältere schnaubte und schüttelte den Kopf. „Das musst du gerade sagen, Heufer-Umlauf.“

Klaas lachte nur nochmal und warf Joko noch ein Zwinkern und einen Luftkuss zu ehe er schlussendlich seitlich an der Bühne die vier Treppen nach oben sprang. Nachdem er dann nochmal tief durchgeatmet hatte, um seinen Kopf, den Joko mit ziemlich großem Erfolg und lächerlicher Leichtigkeit immer ziemlich beschlagnahmte, ansatzweise wieder zu klären, ließ er sich von Mark in eine kurze Umarmung zur Begrüßung ziehen. „Sehr gütig, dass du uns mit deiner Anwesenheit hier oben beehrst“, brummte der dabei gutmütig neben seinem Ohr.

Klaas hob kurz grüßend die Hand in Richtung der anderen Mitglieder ihrer Band, die alle schon ihren Posten eingenommen hatten, während er in Richtung Mark nur murmelte: „Ja ja…“

„Meine Güte, Klaas“, entfuhr es diesem aber fast im selben Moment, was den Jüngeren kurz zusammenzucken und dann irritiert zu ihm sehen ließ. Nur um festzustellen, dass die Augen seines Kollegen an seinem Hals hängen geblieben waren.

„Sag bitte einfach nichts…“, brummte der Jüngere deswegen schnell und hob eine Hand, um die Knutschflecken zu verdecken.

„Ihr seid ja wirklich schlimmer als Teenager“, lachte Mark. „Dir ist schon klar, dass das gleich alle sehen werden?“

Klaas nickte leicht, während er sich abwandte, um die paar Schritte nach vorne zum Mikro zu gehen. „Ja, aber weiß doch jetzt eh jeder…“

Marks nickt darauf, ohne auch nur um Ansatz zu versuchen sein Grinsen zu unterdrücken und es vielleicht etwas weniger unangenehm für Klaas zu machen. „Das stimmt und es ist wirklich unfassbar süß, dass ihr beide offensichtlich sogar nach 10 Jahre Ehe immer noch so ein aktives Sexleben habt!“

„Mark ey! Konzentrier dich lieber auf deinen Job hier, damit wir den Soundcheck jetzt mal durchkriegen.“

„Kannst es wohl gar nicht erwarten wieder mit deinem Schatz zu verschwinden.“

„Alter!“, entfuhr es Klaas empört, der ausnahmsweise mal wirklich nicht daran gedacht hatte. „Du hast doch eben gemeckert, dass wir schon so in Zeitverzug sind!“

Mark hob abwehrend die Hände, grinste aber immer noch, während er sich ein paar Schritte nach hinten auf seinen Posten verzog.

Kopf schüttelnd stellte Klaas das Mikro vor sich auf die richtige Höhe ein. Er wusste, dass Mark das gerade nicht böse gemeint hatte. Im Gegenteil. Er wusste, dass der andere Mann ein Befürworter ihrer Beziehung und ihres Outings war, von Anfang an war das so gewesen und oft genug hatte er Klaas davor bewahrt durch zu drehen, wenn ihm die Sache mit Joko über den Kopf zu wachsen gedroht hatte. Nur leider hatte er die selbe blöde Angewohnheit, wie viele aus der Florida. Sie alle hatten viel zu viel Spaß daran sich über Joko und ihn lustig zu machen, vor allem wenn es darum ging, dass angeblich so gut wie jeder vor den beiden Moderatoren selbst, gecheckt hatte was genau bei ihnen abging, weil ihnen die Liebe und die Regenbögen aus den Ohren liefen, um es mal in Franks Worten zu formulieren.

Eine Vorstellung, die Klaas gleichermaßen gefiel, wenn es um Joko ging, wie es ihm peinlich war, wenn es ihn selbst betraf.

Er atmete jetzt nochmal tief durch, ließ seine Schultern kreisen und fand mit seinen Augen fast sofort Joko, obwohl er ihn nicht mal bewusst gesucht hatte. Der grinste ihn aber so breit an, dass sein Herz kurz scheinbar grundlos ins Stolpern geriet, Mark und sein Gelaber vergessen waren und er nicht anders konnte als zurück zu grinsen. Und genau das, dieses Gefühl, dieses Glück, dieser Mann, war es, was Klaas wollte, für immer. Und wenn er ehrlich war, störte es ihn gerade auch nur noch halb so sehr, dass sein Hals die Beweise trug. Auch wenn sie eigentlich aus dem Alter raus waren und es unnötig war inzwischen und vielleicht etwas übertrieben. Aber gleichzeitig war das hier auch 'Ich scheiß auf alles andere', es war 'Ich will nur dich' und es war 'Egal was kommt, du bist alles, was ich brauche'. Das war wirklich echt und real und perfekt und plötzlich wollte Klaas auch, dass das jeder wusste.

Er liebte Joko. Joko liebte ihn. Und das war genau richtig so.
Review schreiben
 
 
'