No hesitation makes no-one a better man

KurzgeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Jean-Éric Vergne Sam Bird
15.05.2019
14.08.2019
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Kapitel 6


‚lips‘


Es war zu spät, um noch klar denken zu können. Zu spät in zweierlei Hinsicht, zum einen, weil es wirklich spät geworden war – die Uhr tickte gnadenlos gen Mitternacht – und zum anderen, weil er noch immer viel zu beschäftigt damit war, zu begreifen, was in den vergangenen sechs Stunden passiert, was seine Welt quasi auf den Kopf gestellt hatte. War das möglicherweise eine der bisher unerkannten Bedeutungen der Redewendung sich Hals über Kopf in jemanden verlieben? Wenn sie es war, dann war sie auf jeden Fall äußerst treffend und er musste das beurteilen können, immerhin machte er diese Erfahrung ja gerade. Jean-Éric hatte alles auf den Kopf gestellt mit diesem kleinen Büschel Lavendel in einem zu großen Blumentopf, der jetzt neben der Palme im Wohnzimmer auf der Fensterbank stand und im warmen orangen Licht der Salzkristallleuchte badete. Er seufzte leise und wohlig.

Jetzt war es vertraut und neu zugleich, mit Jean-Éric auf der Couch zu kuscheln. Es war neu und trotzdem fühlte er sich geborgen, mehr als sonst, weil es jetzt sicher war und nicht länger nur ein Ausprobieren auf Zeit.
Jean-Éric bewegte sich ein paar Zentimeter, und er schloss die Augen. Es war gar nicht so wichtig, was über den Fernseher flimmerte, nach dem Essen hatten sie einfach wahllos durch die Programme gezappt, waren bei einem Spielfilm hängen geblieben und dann doch viel mehr mit sich und einander beschäftigt gewesen.

„Jev?“

Statt einer Antwort bekam er einen sanften Kuss auf den Nacken.

„Wir könnten ins Bett umziehen“, schlug er vor.

„Dafür müssten wir aufstehen“, wandte Jean-Éric murmelnd ein, berührte mit den Lippen erneut seinen Nacken.

„Hm... das wäre blöd...“

Schmunzelnd schloss er die Augen. Wenn sie aufstehen müssten, würde er wenigstens so lange, wie sie brauchten, um sich im Bett wieder aneinander zu kuscheln, auf die zarten Berührungen von Jean-Érics Lippen auf seiner Haut verzichten müssen – und das wollte er nicht. Noch nicht jetzt zumindest, irgendwann später, ja, aber noch nicht jetzt.

„Eben“, hauchte Jean-Éric auf seine Haut.



***
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