Die Geschichte vom Adoring Fan

von Eckstein
KurzgeschichteParodie / P16 Slash
14.05.2019
14.05.2019
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Die Geschichte vom Adoring Fan


Es war einmal vor einer langen Zeit. Im Lande Cyrodiil im Reich von Tamriel. In der großen Hauptstadt des Königreiches der Kaiserstadt trug sich die Geschichte zu. Die Geschichte ist eine, wie sie selten jemand erlebt hat. Sie trug sich wahrhaftig zu und handelt von Trauer, von Versagen, von Leid und Liebe und ja sogar von Lust und Enttäuschung.
Fangen wir von vorne an. In der Kaiserstadt. Ungefähr vor zwanzig Jahren. Als Kaiser Ulrich Septim noch herrschte und der Frieden noch allgegenwärtig war. Die Geschichte trug sich ein wenig außerhalb der Kaiserstadt zu. Und zwar im Hafenviertel. Auch wenn dieses Viertel schon immer berüchtigt war, so konnte man dort dennoch ein gutes Leben führen, zumindest als Ulrich Septim noch herrschte. Und genau in diesem Ort, in einem kleinen Holzhaus nähe des Lake Rumore trug sich unsere Geschichte zu. Ein kleiner Hochelf, der eigentlich ganz normal war, wuchs dort auf. Mit großen Träumen und geschickten Händen schlug er sich durch das Leben. Doch das Leben verhielt sich nicht so, wie er es sich wünschte.
Schon als er nur ein kleiner Hochelf war, verlor er seinen Vater. Es war ein grausiger Tag gewesen. Auch wenn die Sonne an diesem Tag hoch am Himmel gestanden hatte und der große Turm der Kaiserstadt strahlend beleuchtet wurde, so ging der Tag in die Geschichte ein. Zumindest für den kleinen Hochelf, der an diesem Tag seinen Vater verlor.
Es war ein ganz gewöhnlicher Tag gewesen, sein Vater war bei der Arbeit und seine Mutter war in einer Nachbarstadt unterwegs gewesen. Welche Stadt genau, das wusste der Sohn nicht. Er langweilte sich wie immer im Hafenviertel und hörte unwichtigen NPCs beim Dialog zu.
»Hast du schon gehört? In Anvil soll ein Prophet erschienen sein.«
»Steht wirklich das Weltende bevor?«
»Bleibt auf den Straßen, wenn ihr sicher reisen wollt.«
»Ich habe schon gegen Schlammkraben gekämpft, die gefährlicher waren als ihr es wart.«
»Ich kenne dich nicht und ich möchte dich nicht kennenlernen.«
»Auf Wiedersehen.«
Und damit gingen die zwei Personen auseinander.
Am Abend kam die Mutter vom Hochelf nach Hause. Ohne viele Gefühle zu zeigen, sagte sie, dass sein Vater heute schrecklich ums Leben gekommen war. Er hatte aus Versehen einen giftigen Apfel gegessen, nachdem er gegen eine Schlammkrabe und einen Goblin verloren hatte. Im Weitschießen. Mit Pfeil und Bogen. Die Beerdigung war gestern.
Seit diesem Punkt an, war das Leben vom kleinen Hochelfen ein anderes. Sein Leben war an einem Tiefpunkt angelangt. Außerdem erkannte er erst jetzt, dass seine Mutter Skooma abhängig war und deswegen immer in eine dunkle Spelunke in einer Nachbarstadt ging und sich mit anderen Leuten zum Skooma Trinken traf. Er wusste einfach nicht weiter.
Sein Leben ging bergab. Und dann hörte er davon, dass sich die Tore von Oblivion geöffnet hatten und bereits Kvatch gefallen war. Und dann starb Ulrich Septim. Die guten Zeiten waren vorbei und alles änderte sich, als Mehrunes Dagon uns den Krieg erklärte.
Es war ein ganz gewöhnlicher Tag, als sich das Schicksal des nicht mehr so kleinen Hochelfen wieder änderte. Aber dieses Mal zum Besseren.
Er schlenderte wie jeden Tag durch die große Kaiserstadt, als er Gold klirren hörte. Er drehte sich um und sah den Eingang zur Arena. Erst jetzt bemerkte er, dass er die Arena noch nie eines Blickes gewürdigt hatte. Er ging zu dem Mann hin, der hinter einer Schatztruhe stand.
»Willst du bei der heutigen Schlacht wetten?«, fragte der Mann.
»Ich? Nein.«
»Wenn du zuschauen willst, dann gehe lieber schnell hoch, der Kampf fängt gleich an.« Er deutete links auf eine Tür.
»Wie viel kostet es?«
»Der Eintritt ist kostenlos. Wir wollen doch nicht für unnötige Brutalitäten auch noch Geld verlangen. Ich wünsche dir einen angenehmen Aufenthalt«, sagte der Mann. »Und versuche erst gar nicht die Truhe hier zu öffnen. Sie ist mit fünf Dübeln gesichert und außerdem gibt es hier keinen toten Winkel, indem du sie unbemerkt öffnen könntest.«
Damit ging der Hochelf hoch.
Es war der erste Kampf, den er gesehen hatte, aber nicht der letzte. Aufgeregt schaute er bei den aufeinander schlagenden Schwertern zu. Am Ende jubelte er sogar begeistert mit. Er hatte auf die Person aus dem blauen Team gesetzt. Und tatsächlich, derjenige gewann sogar! Am Ende des Tages ging der Hochelf begeistert nach Hause. Er merkte nicht einmal, dass seine Mutter wieder nicht da war.
Jeden Tag schaute sich der Hochelf die Kämpfe in der Arena an. Und jeden Tag jubelte er begeistert mit. Aber vor allem, wenn sein Lieblingskämpfer aus dem blauen Team dabei war, freute er sich besonders. Er wusste, dass dieser Kämpfer es irgendwann zum Champion schaffen würde. Und damit wurde der Hochelf langsam zum Fan und dann zum Adoring Fan. Er fing mit dem Wetten an und setzte immer nur auf seinen Lieblingskämpfer. Und dieser gewann auch immer. Irgendwann fing der Adoring Fan an, sich Plakate in seinem kleinen Haus von seinem Kämpfer aufzuhängen. Der Hochelf bewunderte die Poster, er bestaunte sie und manchmal masturbierte er auch dazu. Stundenlang konnte er sie ohne zu zwinkern anschauen. Wochen vergingen und er bemerkte nicht einmal, dass seine Mutter schon seit vielen Tagen nicht mehr zurückgekehrt war. Immer zu dachte er nur an seinen Helden.
Irgendwann war es dann soweit und der derzeitige Champion wurde von seinem Helden herausgefordert! In der Stadt sprach es sich rasch herum und das Stadion war prall gefüllt. Aber das machte nichts. Der Adoring Fan hatte wie immer einen Platz in der ersten Reihe. Er hatte zwei Tage vor dem Kampf am Eingang dafür gewartet.
Der Kampf ging los und der Adoring Fan brüllte, kreischte und weinte vor Freude zu seinem Helden.
»Zeig's ihm! Mach ihn fertig!«
Und das machte er auch. Dragonborn, äh, der Kämpfer aus dem blauen Team besiegte den hässlichen Ork und wurde damit der neue Champion. Aber nicht sofort, der alte Champion blutete kreischend noch auf dem Boden aus. Als alles Blut heraußen war, standen die Zuschauer auf und jubelten ihm zu. Und der Adoring Fan? Er war schon längst weg. Er wartete vor dem Eingang. Er wartete auf seinen Helden. Auf ihn. <3
Er wartete und wartete. Bis sich die Türe zu den Kämpfern öffnete und er heraustrat. Sofort rannte er zu ihm hin.
»The Grand Champion! Steht direkt neben mir! Neben mir! Und es ist kein Traum! Der große Champion steht neben mir! Ich werde dir folgen, ich werde bei dir sein, immer und überall, wenn du es nur willst!«
»Ähm«, stammelte der Champignon. »Okay...« Und damit folgte der Adoring Fan den neuen Meister, seinen Helden.
Der Adoring Fan hatte sich für diesen Tag extra schick gemacht, er hatte sich nicht nur seine Schamhaare abrasiert, sondern auch seine Haare gelb gefärbt. Sie sollten Feuer darstellen und den Champion sagen: Ich brenne für dich (Rot und Orange waren beim Färber ausverkauft gewesen).
Tja, und so war der Adoring Fan zufrieden und glücklich. Endlich hatte er seine Aufgabe, die des Bewundern, erfüllt. Er wollte seinem Helden auf ewig dienen. Denn er war derjenige gewesen, der ihm aus seinem schrecklichen Leben herausgeholt hatte.
Ende? Nein, noch nicht. Die Geschichte von (unbekannter Name) geht noch weiter. Alles schien perfekt zu sein. Bis zu dem Zeitpunkt an, an dem der Champion wohl die Schnauze von ihm voll hatte.
Es war ein ganz normaler Tag. Der Adoring Fan folgte seinem Helden ganz dicht. So dicht, dass der Champion die Erektion vom Hochelfen gegen seinen Hintern deutlich spüren konnte. Und ab da an, hatte der Champion es satt. Er wollte nicht länger von diesem Zwerg verfolgt werden. Er wollte nicht länger diese hässliche gelbe Frisur sehen oder gar sein doofes Grinsen. Er wollte ihn nicht länger bei sich haben. Und deswegen sagte er ihm, er solle hier warten.
»Hier warten? Genau hier? Natürlich! Ich werde hier warten! Genau hier! Solange, bis der große Champion wieder zu mir kommt!«
Und damit hatte er ihn los.
Wochen vergingen und der Champion kehrte zufälligerweise, ohne daran zu denken, dass er genau hier den Hochelfen verbannt hatte, an diesen Ort zurück. Und dort stand er noch. Dreckig, stinkend und heruntergekommen. Er hatte sich nicht einmal von dem genauen Punkt bewegt. Er hatte nur für Essen bei den vorbeikommenden Leuten gebettelt. Nicht nach Geld, da Geld ihm nichts bringen würde. Er konnte hier nicht weg, um sich etwas zu kaufen. Schließlich musste er genau hier warten.
Der Champion nahm ihn deswegen wieder mit, da er ihn so nicht stehen lassen konnte. Der Champion hatte eine Idee... Da wo ihn niemand sehen würde... Da könnte er ihn um die Ecke bringen. Ohne weiteren Skrupel tat er es auch. Mitten im Nirgendwo. Niemand hatte ihn dabei gesehen. Aber ein paar Tage später... da tauchte der Adoring Fan wieder auf. So als ob nichts passiert war.
Und er tötete ihn wieder. Und er lebte wieder. Und er tötete ihn wieder und er lebte wieder.
Der Champion konnte nicht mehr in Ruhe schlafen. Ständig wurden seine Träume von diesem hässlichen Hochelfengesicht heimgesucht. Was sollte er nur tun? Selbst in die Tore von Oblivion folgte der Adoring Fan ihm. Aber bei Kämpfen haute er immer ab. Und in seinen Taschen war nichts besonderes, der Champion hatte schon oft bei ihm Taschendiebstahl begangen.
Wie sollte er ihn nur loswerden? Plötzlich hatte er eine Idee.
Er sagte ihm einfach, dass er ihn nicht weiter folgen sollte. Und das tat er auch. Schließlich machte er alles, was der Grand Champion wollte.
Und das war die Geschichte vom Adoring Fan. So wie sie sich wirklich zugetragen hat.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann gibt es heute immer noch kein Elder Scrolls VI.
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