Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los.

von Remediem
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
General Hux Kylo Ren Leia Organa Luke Skywalker Rey
12.05.2019
13.08.2019
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Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt; Mein Pathos brächte dich gewiss zum Lachen, hättst du dir nicht das Lachen abgewöhnt.

- Faust



Ein Knurren hallte durch den Raum, wie das Schnauben eines Stieres, der gewaltig mit den Hufen scharrte.
Der Herr des Hauses war rastlos, vielleicht sogar aufgebracht, dass man ihm so schlechte Nachrichten brachte. Und das noch zu so später Stunde.
Kylo unterdessen betrachtete den Mann mit Argwohn.
Zwar merkte er durchaus, dass der zwei Meter Hüne irgendwas an sich hatte, das ihm einen eisigen Schauer über den Rücken jagte, doch vielmehr war es sein Aussehen.
Mit kalten, grauen Augen starrte er ihn ab und zu an, wenn er genug auf dem Flur auf und ab gestampft war, die strengen Haare schienen mit Gel gebändigt zu sein; sie wirkten weiß an ihren Ansätzen, allerdings schimmerten sie wie Speere im Licht der alten Glühlampe, die auf einer Kommode stand.
Az, der sich nach der ersten, voreiligen Drohgebärde nur als Allister Pryde vorstellte und auch so gerufen werden wollte, blieb immer noch misstrauisch, was er von dem jungen Nephilim in seinem Haus halten sollte.
Allerdings konnte er nicht bestreiten, dass er das Richtige getan hatte, als er Armitage hierher brachte.
Er musterte ihn und wachte über jede seiner Bewegungen mit Argusaugen. Ein junger Kerl, unerfahren und er konnte sein Unbehagen förmlich in der Luft schmecken.
Wenigstens das teilten sie im Augenblick, während sie nur warten konnten.
Kylos Ankunft in seinem privaten Rückzugsort war gelinde gesagt ein Chaos gewesen. Er hatte das heilige Blut seiner Adern schon riechen könnten, bevor man überhaupt anklopfen konnte und da Allister ein Mann der Tat war, der keine Eindringlinge duldete, war er ihm zuvorgekommen und hatte die hölzerne Pforte mit einem Schwung aufgerissen, der wohl zu heftig gewesen war.
Kylo, dessen Hand schon an der Tür und noch immer das zusätzliche Gewicht des Rothaarigen auf seinem Rücken, war fast rückwärts umgefallen, als man ihm das Holz gegen das Gesicht geschlagen hatte.
Seine Nase fühlte sich taub und wund an, etwas Blut klebte noch auf seiner Oberlippe, auch wenn er versucht hatte, sich so gut es ging zu reinigen.
Erst als man Hux erkannt hatte, wich vorerst der zornige Ausdruck auf Allisters Miene, die fast so königlich hochnäsig aussah, dass Kylo beinahe eine dumme Bemerkung entwichen wäre.
Jetzt stampfte der gefallene Engel auf und ab. Man konnte sogar seine geladene Aura spüren, wie der Boden leicht vibrierte oder die Lampe flackerte, wenn er ihr zu nahe kam.
Und das Warten zehrte an ihren Geistern.
Überraschenderweise hatte Kylo nämlich nicht nur Allister, sondern auch dessen Frau und Tochter den Abend gehörig vermiest. Eine Glanzleistung von ihm.
Und Selma, die Frau mit den feurigen Haaren, die beim Gehen komische Geräusche machte, war fast sofort zwischen ihn und ihren Mann gesprungen, als Allister ihn gleich wieder verjagen wollte.
In all dem Chaos war sie es schließlich gewesen, die sich um Hux kümmerte, während Allister auf Kylo aufpasste. Immerhin hatte dieser ja gelernt, dass sein Blut bei Dämonen nicht wirklich gut ankam, also hielt er sich an diese neue Regelung.
"Dad, setz dich endlich hin. Du machst ihm Angst."
Man hörte ein leises Quietschen unter der jungen Stimme.
Dee, Allisters Tochter, war die Einzige, die keine Vorbehalte hatte. Sie hatte Kylo auch das Taschentuch gereicht, als er drohte den teuren Teppich zu besuddeln.
Sie sah jung aus, hatte die Haare ihrer Mutter und die Augen ihres Vaters. Obwohl das Erste, was einem an ihr auffiel, ihr Rollstuhl war.
Jetzt schob sie sich durch den schmalen Flur vor dem Gästezimmer, in dem Selma Hux verarztete. Auf ihrem Schoß balancierte sie gekonnt ein Glas Wasser, dazu musterte sie ihren Vater eindringlich.
Der ließ sich erweichen und räumte, wenn auch mit einem gereizten Schnauben das Feld. Allister war nicht wirklich gesprächig.
"Du schaust so, als wäre der Herr selbst vom Himmel hinab gestiegen und hätte dir eine Ohrfeige verpasst", lachte Dee als sie Kylo das Glas reichte.
Auch wenn dem schon kalt genug war, nahm er es dankend an. Und außerdem war es eigentlich schön warm in diesem seltsamen Haus am Strand.
Es schien aus dem Nichts aufgetaucht zu sein. Es gab keine Straße, keinen Steg für Boote, keinen Landeplatz für Hubschrauber oder dergleichen. Ein verwunschenes, altes Fachwerkhaus mit großem Garten, soweit er es erkennen konnte.
"Und du bist ein Nephilim, richtig?", hakte Dee weiter, als er stumm blieb und nur einen Schluck tat, dabei jedoch auf die Tür schielte, hinter der er leise Geräusche hören konnte.
"Schätze schon", gab Kylo rau zu.
Er wusste selbst nicht was er war. Da waren viel zu viele Begriffe in seinem Kopf. Nephilim, Jäger, Mensch, Graublut.
Irgendwas davon sicher.
"Ich hab noch nie einen wie dich aus der Nähe gesehen. Wenn du Armie nicht mitgebracht hättest, würden wir uns auch gar nicht unterhalten können", plapperte Dee munter vor sich hin, dabei wendete sie ihren Rollstuhl mit wenigen Handgriffen. "Aber jetzt komm mit. Es ist egal was du bist, wenn du noch erfrierst."
Die Räder quietschten auf dem Teppich, der persisch aussah. Sie fuhr einige Meter, dann drehte sie sich um, nur um sich zu vergewissern, dass er ihr folgte.
Kylo konnte nichts gegen den Vorschlag vorbringen, denn die feuchte Kleidung war klamm und der Sand darunter scheuerte seine Haut bereits wund.
"Du bist sehr nett zu mir", brachte Ren scheu hervor, als sie das Wohnzimmer passierten, in dem Allister auf und ab patrouillierte und ihm einen bösen Blick zuwarf.
Er sah schnell weg und beeilte sich Dee zu folgen. Die kicherte etwas nach seiner Bemerkung.
"Weil ich dich nicht auspeitsche, weil du unser Haus betreten hast?", lachte sie hell und hielt vor einer massiven Tür an.
Ein Schlüssel steckte im Schloss, er sah alt und schwer aus, doch Dee drehte ihn ganz leicht herum und öffnete den Blick ins Zimmer.
Es war ein kahler Raum, die Fenster geschlossen, das Bett mit einem Laken abgedeckt, als habe lange niemand mehr darin geschlafen. Auf dem Nachttisch stand keine Lampe, sondern eine Kerze, daneben eine verstaubte Gänsefeder im Glas.
"Armitages Zimmer. Jedenfalls, bevor er nach England gegangen ist", erklärte Dee und rollte hinein.
Kylo sah sich erstaunt um. Hier hatte Hux gelebt und gewohnt? Wobei, der Raum sah so unpersönlich aus, wie er sich im echten Leben verkaufte. Keine Bilder, kein Spiegel. Nur Staub und ein Bett, samt Tisch, dem kleinen Hocker, auf dem Bücher lagen und einem Eichenschrank.
"Er wirkt gar nicht wie ein Familienmensch- Familiendämon."
Kylo verwirrte dieses politisch korrekte Gehabe viel zu sehr, doch er wollte aufpassen. Das Haus hatte sicher Ohren.
Dee fuhr mit ihren schlanken Fingern über das weiße Bettlaken. Dann schnippte sie den Staub von ihren Händen. Zeitgleich entflammte der Docht der Kerze und spendete mehr Licht, als das, das vom Flur aus hineindrang.
"Er war nicht lange hier. Einige Monate nur nach dem Vorfall. Um sich zu erholen."
Sie seufzte leise.
"Aber egal. Du kannst seine Sachen haben, wenn du willst. Dads Kleider müssten dir zu groß sein und meine willst du bestimmt nicht anziehen."
Irgendwie wirkte Dee stets fröhlich und munter. Fast zu aufgeweckt dafür, dass sie in diesem Rollstuhl saß.
Jedoch zwinkerte sie ihm nur noch einmal zu, bevor sie wieder den Raum verließ und dabei die Tür hinter sich zuzog.
Und Kylo blieb erstmal angewurzelt da stehen, wo er stand.
Das war fast schon zu privat und Hux würde es sicher nicht gutheißen, wenn er in seinen Sachen wühlte. Aber andererseits machte ihn der raue Stoff verrückt und das Wasser knatschte noch immer in seinen Schuhen. Bevor er über irgendwas anderes nachdachte, streifte er sich die feinen Lederschuhe von der Ferse, dabei hielt er sich mit der Hand an der Wand fest und musste beim Zweite sogar nachhelfen.
Seine Socken waren tiefgrau verfärbt, Sand schimmerte am Stoff, also zog er sie gleich aus.
Der Boden fühlte sich kalt an, doch wärmer als wieder zurück in die Socken zu schlüpfen. Mühsam bewegte er seine Zehen und seufzte erleichtert. Wie angenehm es doch nach dem stundenlangen Spaziergang war, einfach mal wieder die Beine zu entspannen.
Als er die Augen, die er dem Moment wegen geschlossen hatte, wieder öffnete, trat er an das Bett heran. Das weiße Laken musste alt sein, einige Motten hatten daran geknabbert und Löcher hinterlassen. Doch als er es anhob, sah die Bettdecke so aus wie neu. Kuschelig weiche Wolle, nicht rau oder borstig. Ohne dass er es merkte, wanderten seine Finger unter die warme Decke. Wie schön es jetzt sein musste, einfach zu schlafen.
Allerdings verwarf Ren den Gedanken. Er musste vorsichtig sein, denn die Mehrheit des Hauses misstraute ihm noch.
Also trugen ihn seine nackten Füße weiter zum Schrank. Geschwungenes Holz, schöne Schnitzereien. Vielleicht kürzlich erst restauriert? Damit kannte er sich nicht aus.
Behutsam fasste er mit beiden Hände die zwei pilzförmigen Knäufe und öffnete die Türen.
Zuerst sah er diese großen, weißen Säcke, in denen seine Mutter immer die Anzüge seines Vaters aufbewahrte, um sie vor Motten oder Licht zu schützen. Fast wirkte der Schutz zu modern für dieses Zimmer, doch irgendwer musste sich ja darum kümmern, dass der Schrank noch stand und die Decke wie frisch gewaschen duftete.
Er zog den Reißverschluss an einem der Schutzhüllen hinunter. Gleich mehrere Oberteile hingen dort nebeneinander ordentlich aufgereiht, dazu ein kleiner Sack mit etwas, das stark nach Lavendel duftete.
Eines der dunklen Kleidungsstücke nahm er heraus.
Es war dunkle Seide mit Goldstickerein, so leicht, dass es sich wie Luft anfühlte. Unter dem teuren Stoff fand er ein helles, fast schmuckloses Hemd aus Leinen, es wirkte rau, doch es war fein gewoben und mit hauchdünnen Goldfäden verziert. Nichts von dem, was er selbst in seinem Schrank hatte, könnte es mit diesen Schätzen aufnehmen.
Und Kylo staunte, als er etwas neues herauszog.
Ein Hemd aus dunkelblauem Samt, es schimmerte im Licht der Kerze, sodass die liebevollen Details aus silbrigem Stoff auffielen, die ansonsten unsichtbar gewesen wären. Eine fast schon zu vornehme Robe für diese Zeit.
Jedes Museum der Welt würde sich um diese Exponate reißen, wenn sie davon wüssten. Und Kylo fragte sich, wie das alles so gut erhalten sein konnte.
Seine stillen Fragen jedoch behielt er für sich, so auch das Recht, die Sachen wieder zurückzulegen und etwas anderes, etwas normaleres für sich zu suchen.
Er entschied sich für ein schlichtes, weißes Hemd mit Goldrand am Kragen und schillernden Perlmuttknöpfen. Es war noch das Normalste in der ganzen Sammlung.
Das Hemd wanderte auf das Bett, denn jetzt fehlte ihm nur noch eine geeignete Hose.
Von denen gab es nicht ganz so viele, wie von den schmucken Trachten, die Hux wohl so angesammelt hatte. Trotzdem fand er eine helle Leinenhose, die vielleicht etwas zu kurz für ihn sein würde, aber in der Not fraß der Teufel Fliegen.
Kurz sah sich Kylo zur Tür um. Nicht, dass ausgerechnet Allister oder schlimmer, dass Hux jetzt reinkam und ihn beim Umziehen erwischte.
Als alles still blieb, setzte er sich neben seine Beute und begann zögerlich damit, sich die noch immer nasse, dunkle Hose von den Hüften zu schälen.
So vollgesaugt wie der Stoff war, war es ein kleiner Kampf, bis sie mit einem leisen Flatsch auf dem Boden landete.
Die Boxershort ließ er an, auch wenn er jetzt ein Bad oder nur eine Dusche grandios gefunden hätte.
Schnell nahm er den Leinenstoff in die Hand und schlüpfte mit den Füßen in die dafür vorgesehenen Öffnungen.
Wie erwartet war die Hose zu kurz, sie rutschte ihm bis über die Knöchel, aber der Stoff dehnte sich wenigstens so weit, dass er ihn nicht sofort zerstörte, sollte er sich widersetzen.
Die Hemdknöpfe waren schnell geöffnet und auch der letzte Rest seines Tauchgangs breitete sich auf dem Boden aus.
Kylo bekam Gänsehaut, als er in die weichen Ärmel fuhr. Er wusste nicht, was das für ein Stoff war, aber es fühlte sich wie tausend Küsse auf der Haut an.
Ganz schließen konnte er allerdings nicht, es war klar, dass es für jemand zierlicheren geschneidert worden war, als er es von sich behaupten konnte.
Wie Hux wohl darin aussehen würde?
Kylo setzte sich wieder und rieb sich die Augen. Seine Hände rochen nach Salz und wirkten rauer, als sie eigentlich waren.
Er war nicht oft am Meer gewesen, vielleicht zweimal als Kind, dann, nach der Karriere seiner Mutter nicht mehr. Und irgendwie hatte er es vermisst.
Ren legte den Kopf in den Nacken.
Was sie jetzt wohl tat? Und ob sie nach ihm suchen würde?
Er wusste nicht, wie das mit diesem Aufspüren funktionierte, aber sicher würde seine Mutter alles tun, um ihn vor der vermeintlichen Gefahr zu schützen.
Oder hatte sie Recht und Dämonen waren wirklich gefährlich?
Er wusste nicht, wem er mehr Glauben schenken sollte. Hux oder seiner Familie, die ihn doch nur eigentlich vor der feindlichen Welt da draußen beschützen wollte?
Er wusste es nicht, und das störte ihn gewaltig.
Konnte er überhaupt je wieder wem trauen?
Kylo ahnte, dass sein Ausflug hier mehr Fragen aufwarf, als für ihn gut sein würden.
Was, wenn man sie hier fand? Würde jemand ihn von Hux trennen können, der doch selbst alles versucht hatte, um den Fluch des Rings zu brechen? Vielleicht war die Technik ja schon so weit, oder irgendwer hatte einen Zauberspruch dafür entworfen. Oder aber, was wenn er ewig mit Hux leben musste, so wie es jetzt danach aussah?
Irgendwann würden sie sich im Streit verletzt haben, das war fast Gewissheit. Ihre Gemüter waren wohl zu verschieden, da war Hux, der lieber alles in Grund und Boden schwieg, und er, der im gleichen Fall wild herumbrüllte, weil sich das Problem nicht von alleine löste.
Sie waren zu verschieden und doch in einem Punkt gleich. Sie waren verloren in dieser Welt. Hux in seiner, und Kylo in der, des Rothaarigen.
Er seufzte kehlig und rieb sich den Nacken.
Wie spät es wohl gerade war? Wohl weit nach Sonnenuntergang, vielleicht elf Uhr abends? Er wusste es nicht, nur dass er sich nicht wirklich müde fühlte. Musste wohl der Jetlag sein.
Vielleicht sollte er doch versuchen zu schlafen. Immerhin würde Hux sicher nicht in den nächsten Minuten aufwachen und in Allister wollte er nicht schon wieder laufen. Er fürchtete sich irgendwie vor ihm, auch wenn er faktisch fast dasselbe war wie Hux, so war er doch bedeutend feindseliger und Hux war schon nicht besonders freundlich zu ihm gewesen.
Der nächste Morgen würde es klären. Hoffentlich. Bis dahin konnte er eh nur sitzen und warten. Und beten, dass er nicht sehr bald den Tod durch was-auch-immer fand.
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