Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los.

von Remediem
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
General Hux Kylo Ren Leia Organa Luke Skywalker Rey
12.05.2019
14.10.2019
20
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[Ich bin] Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. [...] Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht; drum besser wär's, dass nichts entstünde. So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.

- Faust




Mit schweren Schritten polterte eine nasse Erscheinung die Treppe des ruhigen Apartmentkomplexes hoch. Regentropfen hingen in den schwarzen Haaren, die Hände tief in den Taschen vergraben. Man zog sie nur heraus, um den Schlüssel an das Schloss der Wohnungstür mit der Nummer 33 zu setzen. Es klickte leise, als die Verriegelung nachgab und einen dunklen Raum offenbarte, sowie die Tür aufschwang. Nur die blassen Lichter der Straßenecke erhellten die pechschwarze Nacht.
Er seufzte tief, als er missmutig seine Füße über seine Türschwelle hob, nur um sich in dem wohlbekannten Chaos wiederzufinden. Das Apartment hatte er von seinem Vater geschenkt bekommen, ein grässliches Geschenk für jemanden, der eigentlich nichts mit seiner Familie zutun haben wollte und dennoch konnte es sich Kylo nicht erlauben Nein zu sagen. Vor allem, da die paar Räume ihm etwas Privatsphäre boten, die er Zuhause schrecklich vermissen konnte.
Er spähte in die Dunkelheit des Wohnzimmers, während hinter ihm die Tür zufiel. Ein leiser Ton, der ihm doch eine Gänsehaut bereitete. Irgendwann würde er diese verfluchten Schaniere ölen.
Die Wohnung war klein, aber erschwinglich, wenn er nicht über Kontakte den Preis hätte drücken können. Dennoch hatte er das Gefühl, dass seine Eltern auch da ihre Finger drin hatten und es machte ihn wütend, dass er sich so abhängig machen ließ. Am Liebsten wäre er nach der Schule abgehauen. Weit weg und irgendwo hin, wo man ihn nicht kennen konnte.
Trotz all seinen Vorsätzen war es nie so weit gekommen. Nur bis zum Bahnhof und dann hatte er kalte Füße bekommen.
Und die paar Räume hier waren seine letzte Bastion in der Stadt, die seiner Mutter zu Füßen lag.
Er murmelte irgendwas vor sich hin, als er sich den Schal aus dem Gesicht zog und fahrlässig gegen die Garderobe warf; es war Glück, dass sich die weiche Wolle in einem Haken verfing und hängen blieb.
Als seine Hände nach dem Lichtschalter suchten, wobei er notgedrungen einen Schritt nach vorne machen musste, rasselte etwas laut unter seinen Füßen.
Erschrocken machte der junge Mann einen Satz nach hinten, und stieß sich wenig elegant den Arm an der Türklinkte. Mit einem Fauchen auf den Lippen, erkannte er schließlich auch ohne Licht, was da so ein seltsames Geräusch machte: zwei zerknitterte Briefe lagen mit einem dicken, nassem Fußabdruck auf dem Boden.
Kylo runzelte die Stirn, rieb sich den Arm, nachdem er sich bückte und die Schreiben auflas. Dabei drückte er endlich den Schalter, um wenigstens eine Leuchtquelle herzustellen.
Die Deckenlampe surrte, als sie mit einem leichten Flackern ansprang. Bald müsste er die Glühbirne wechseln, fiel ihm nebenbei auf, wenn er sich das Beben der Helligkeit länger ansah. Aber genug davon.
Er trat sich die Schuhe von den Füßen, kickte die Stiefel in die Ecke neben der Tür, wo sie austropfen konnten. Der dunkle Mantel wanderte ebenfalls an die Garderobe zum Schal, der bei Licht rötlich schimmerte. Dabei las Kylo, wer ihm den ersten Brief geschickt hatte. Er biss sich auf die Zunge bei dem Adressat, den er als die nahe Kunsthochschule identifizieren konnte. Etwas hastig riss er ihn auf und fand ein leicht welliges Papier im Inneren. Seine Augen flogen über den Text.

Sehr geehrter Herr blablabla ... hiermit möchten wir bestätigen, dass wir Ihre Unterlagen erhalten haben ...

Er rutschte an das Ende des Paragraphen. Sein Herz klopfte lauter als es gesund war und sicher sollte er aufhören, sich weiter solche Hoffnungen zu machen, wenn er doch kaum Glück in der letzten Zeit hatte. Erst vor wenigen Minuten war er, dank eines anthrazitfarbenen SUVs zu einem Spontanbad auf dem Bürgersteig eingeladen worden.

Im Namen der Leitung dieser Einrichtung möchten wir Sie zu einem Bewerbungsgespräch einladen, welches am ...

Weiter las er gar nicht. Vielleicht, weil er es nicht glauben konnte, dass er vielleicht wirklich an der Schule angenommen werden könnte. Schon seit er ein Kind war, hatte er davon geträumt, irgendwann mal was zu machen, was die Leute bewegte. Kein Politiker oder Wirtschaftsberater wie seine Eltern. Trotzdem hatte er sich nicht durchsetzen können, auch wenn er seinen Abschluss in Jura nicht schlecht gemacht hatte. Als Anwalt verdiente man sicher kein knappes Brot, ansonsten hätte er sich den Luxus einer eigenen Wohnung, geschenkt oder nicht, niemals leisten können. Aber es war bedrückend, dass er jeden Tag immer dasselbe tat. Und von Gerechtigkeit zu träumen, war ein trostloser Traum in der Welt, in der das Geld regierte.
Genug davon.
Schwungvoll setzte sich der junge Mann auf das Sofa, sein Herz klopfte immer noch laut und kräftig. Vielleicht konnte er weiter arbeiten und nebenbei studieren. Oder wenigstens konnte er dort irgendwas tun, das ihn auf Dauer glücklich machte. Wieviele machten die Arbeit wegen dem Geld und nahmen sich später Zeit für amüsante Hobbys?
Seine erste wirklich vernünftige Handlung galt dem Griff in die Hosentasche. Das dunkle Handy fühlte sich warm in der kalten Hand an und es vibrierte, kaum dass es sich mit dem Wlan des Hauses verbunden hatte. Sollte er jemandem davon erzählen? Vielleicht Phas, die den kleinen Kaffeeladen an der Ecke hatte, die regelmäßig mit ihm ins Fitnessstudio ging und irgendwie so ziemlich seine einzige Freundin war.
Oder lieber seiner Cousine Rey, die bestimmt aus dem Häuschen war, wenn sie davon erfuhr?
Besser nicht, wenn ihr Vater das spitzbekam, würde es gleich seine halbe Verwandschaft wissen, eingeschlossen seine Eltern und das wollte er auf keinen Fall.
Dopheld, mit dem er sich das kleine Büro in der Anwaltskanzlei vom alten Snoke teilte?
Es würde ein stiller Triumph werden, wie Kylo feststellen musste. Etwas enttäuscht legte er das Handy zurück auf den Tisch, ignorierte dabei die ganzen Nachrichten, die das Display von Zeit zu Zeit erhellten.
Und dann saß er einige Minuten da, starrte gegen den schwarzen Fernseher und dachte nach. Und wenn das mit der Kunstschule doch keine so gute Idee gewesen war? Zwei Leben gleichzeitig zu führen, musste wahnsinnig anstrengend sein und dennoch wollte er es versuchen. Irgendwas, das glücklich machte.
Er hatte schon alles versucht. Von Zigaretten zu Drogen und Alkohol. Nichts befriedigte auf Dauer und am Tag danach fühlte er sich immer beschissen.
Während er so über sein Leben nachdachte, fand er aus dem Augenwinkel heraus etwas, das seiner Aufmerksamkeit bedarf. Bestimmt lenkte es ihn auch ab.
Unter dem aufgerissenen Briefpapier, das einsam auf der Tischkante lag, lag der zweite Couvert. Soweit er wusste, erwartete er außer dem Schreiben keine weitere Post. Vielleicht falsch abgegeben? Der Postbote schien es nicht so mit Nummern zu haben, oder wollte nie noch das letzte Stockwerk laufen. Er hatte von den Beschwerden seiner Nachbarn gehört. Von vertauschten Paketen und verschollenen Briefen.
Er zog das dünne Papier näher. Wobei es so dünn gar nicht war. An einer Ecke war es seltsam schwerer und er fühlte eine Erhebung. Vielleicht ein Ring? Eine Kette? Er wusste es nicht. Jedenfalls stand in feinen Lettern unfehlbar sein Name auf dem Umschlag. Also traf den Postboten keine Schuld.
Kylo drehte den Brief mit Neugier um. Der Adressat war vom Regen unkenntlich gemacht. Die schwarze Tinte verlief auf den Fasern und als er versuchte es mit den Fingern zu trocknen, verwischte es nur noch mehr.
Hoffentlich war das Innenleben nicht auch aufgeweicht.
Kurzerhand riss er das Papier auf. Er fand tatsächlich einen Ring samt Kette. Vorsichtig zog er das sicher alte Schmuckstück heraus. Es war ein dünner Goldring, mit feinen Gravuren und einem funkelnden Rubin, der wie lebendig schien. Die leichte Kette hing wie ein Goldfaden herunter, als Kylo das Objekt in der Hand drehte. Der Ring schien warm auf seiner Hand zu liegen, er wendete ihn und fand eine kleine Gravur im Inneren.

'Till death do us part.

Vielleicht ein alter Ehering? Jedenfalls klang die Inschrift ziemlich danach, wie ein Gelübde, das man am Altar sprach.
Aber da war noch was. Kylo legte den Ring beiseite und sah zurück zu dem Couvert auf seinem Schoß. Ein Brief lag noch darin, schön gefaltet und mit einer edlen Marmorierung im Papier. Es sah beinahe zu edel aus, dass es bei ihm gelandet war
Jedenfalls faltete er ihn auf. Es stand nicht viel darauf, wenige Zeilen, aber die in einem geschwungenen Goldton geschrieben.

An jeder Kette hängt ein Laster und der, der es meistert, wird reich belohnt.

Kylo runzelte die Stirn, sah von dem Ring in seiner Hand zurück zum Brief und wieder zum Couvert. Er langte mit den Fingern hinein, vielleicht war da ja noch etwas, das ihm etwas mehr Kontext bot.
Und tatsächlich fand er eine kleine Visitenkarte, die an der Innenseite des Umschlags klebte.

Bespin & Sons
Nachlassverwaltung
36 Downhill Street
Tel.: 01520 / 851212


Nachlassverwaltung? Er wüsste nicht, dass jemand in seiner Familie gestorben war. Kurzerhand nahm er das Handy von dem Tisch und begann zu wählen. Hoffentlich war jetzt noch jemand in diesem Büro, was bei fünf Uhr abends keine Selbstverständlichkeit mehr war.
Dennoch klickte es in der Leitung, gleich nach dem zweiten, monotonen Klingeln.
"Bespin und Söhne, wie kann ich Ihnen helfen?"
Es war eine freundliche Frauenstimme. Er konnte sie sich praktisch vorstellen, in einem Blazer im drehbaren Schreibtischstuhl, dunkle, hochgesteckte Haare. Nicht zu jung, grad das rechte Maß an Erfahrung und Frische. Kylo zuckte zusammen, als er merkte wie er abdriftete.
"Kylo Ren hier. Ich habe gerade einen Brief von ihrem Büro vor mir und-"
Bevor er seinen Fall sowie seine Verwirrtheit erklären konnte, hörte er ein sanftes Glucksen am Ende der Leitung.
"Oh natürlich", schnurrte die Frauenstimme in sein Ohr. "Mein Chef hat schon angedeutet, dass Sie sich danach erkundigen werden. Wir kamen zur Zeit noch nicht dazu, Ihnen die restlichen Unterlagen zukommen zu lassen. Die Technik heutzutage."
Kylo erwischte sich dabei zu nicken, auch wenn es keine Ausrede war, ihm hier Dinge ohne Kontext zuzuschicken.
"Laut dem Testament einer gewissen Shmi Skywalker, soll dieser Ring nur innerhalb der Familie bleiben. Es war gar nicht so leicht Sie zu finden, Mr. Ren."
Die Stimme gluckste fröhlich weiter. Das einzige, was Kylo einleutete, war der Nachname der alten Frau. Luke trug denselben, vielleicht war es eine entfernte Verwandte.
"Und warum bekommt mein Onkel nicht den Ring? Immerhin lebt er noch und müsste näher mit dieser Shmi verwandt sein", warf er dennoch ein, bevor die Frau ihn wieder unterbrechen konnte.
"Schon, aber Mrs. Skywalker hat bestimmt, dass jeweils immer ein männlicher Nachfahre auf einen weiblichen folgen darf. Ein seltsamer Wunsch, nicht? Aber der Kunde ist König."
Kylo kam kaum hinterher. Alles schien so merkwürdig und dennoch glaubte er der Stimme ... aus welchem Grund auch immer.
"Und der Ring ist-?"
"Ein Familienerbstück natürlich! 14 Karat Gold, 1,23 Karat Rubin im Ovalschliff. Bei der Datierung allerdings gab es ziemlich viel Diskussionsbedarf. Aber unser Spezialist Andrew schätzt ihn auf das späte neunzehnte Jahrhundert", kam die prompte Antwort aus dem kleinen Gerät.
Kylo hielt den Ring hoch. Er war hübsch, keine Frage. Und sicher teuer. Wieviel der wohl wert sein würde? Alleine der feuerrote Rubin musste ein Vielfaches von dem wert sein, als er es vermuten ließ.
"Hm, vielen Dank, Ma'am", nuschelte er gedankenverloren, während er grübelte, was er mit dem Ding jetzt anfing.
"Immer ein Vernügen, Sir."
Beiläufig drückte er die Dame weg und verbannte das Handy zurück auf den Tisch.
Vielleicht sollte er den Ring irgendjemandem geben, der Ahnung davon hatte. Jemand von der Bank oder ein Auktionshaus? Oder aber, er würde seine Mutter danach fragen, wieso gerade er den Ring bekommen hatte. Bestimmt wusste sie auch, wer diese Shmi war.
Je länger er darüber nachdachte, je wärmer und schwerer lag der Ring in seiner Hand. Der Rubin funkelte lebhaft im Licht der Deckenlampe. Sicher nicht ideal, aber das Feuer schien kräftig in dem kleinen Kristall.
Die Verzierungen schienen bei längerem Betrachten wie Ranken auszusehen, kleine Blätter an dürren Zweigen, oder Linien, die sich bewegten. Und je länger er den Ring in seiner Hand hielt, je stärker wurde das Bedürfnis, einmal ein paar Tausender um den Hals zu tragen. Wofür hatte er das Ding schon bekommen, wenn er es nicht auch einmal anprobieren konnte?
Zaghaft hob er die Kette an, sie war dünn und lang, sicher trug man den Ring nah am Herzen, wenn sie erst um den Hals hing.
Er neigte den Kopf etwas, schob die feuchten, dunklen Locken unter dem Goldfaden hindurch. Der Ring fühlte sich leicht und warm auf seiner Haut an. Er hielt ihn fest, für einen Moment, ehe er ihn losließ und unter den dünnen Sweatshirt versteckte. Vielleicht war es auch Zeit, den Tag hier zu beenden. Morgen würde er genug Arbeit vor sich haben, vor allem, wenn er an das Gespräch mit der Kunstschule dachte. Es würde alles irgendwie gut werden. Das hatten Dinge doch so an sich.
Mit einem Gähnen streckte er die Hände von sich. Einmal diese tiefe Müdigkeit in sich zu spüren war er nicht gewohnt. Und doch schien sie einladend, wie ihn das Gewicht des Ringes nach unten zog. Sein Kopf sackte wie von alleine auf die Armlehne, die Beine hochgehoben und auf dem Sitzpolster abgestellt. Zum Umziehen war keine Zeit, nicht, wenn er so müde war, dass er augenblicklich einschlafen konnte, wenn er wollte.
Kylo blinzelte gegen das flackernde Licht der Deckenlampe. Sollte er es ausschalten? Dabei wirkte es gar nicht mehr so hell wie sonst.
Seine Augen wurden schwer. Dass der Fernseher leise knisterte, bemerkte er nicht mehr. Das Flackern wurde stärker, die Lampe ächzte etwas darunter; noch hielt das Glas. Dass der Bildschirm mittlerweile ansprang und das verzerrte Bild eines Nachrichtensprechers zeigte, drang schon nicht mehr zu ihm durch. Viel zu verlockend war es, kurz die Augen zu schließen und alles sacken zu lassen. Morgen würde sein neues Leben anfangen.
Er wusste gar nicht, wie sehr er damit Recht behalten sollte.
Ein Schatten beugte sich über ihn. Krallenartige, dunkle Finger, wie mit Tinte besprüht, streckten sich nach dem grauen Stoff des Shirts aus. Etwas gurgelte leise, als die Finger über den Punkt strichen, an dem der Ring zum Liegen kam. Das Gurgeln wurde zu einem Schnurren, die Kralle drückte sich tief durch den Stoff, immer weiter bis auf die Haut.
Es roch verbrannt, nach Asche und Rauch.
Der Fernseher erlosch mit einem abrupt lauten Geräusch, die Lampe verdunkelte das Zimmer mit ihrem fehlenden Licht.
Und in der Wohnung war wieder Stille eingekehrt.
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