The Sweet Poison of Love

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
12.05.2019
22.05.2019
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Während Kellan auf dem Heimweg war, bemerkte er seinen Verfolger nicht.
Der dunkle Schatten harrte vor dem Wohnheim aus, als der Blonde darin verschwunden war und beobachtet ganz genau wo das Licht anging. Erst dann glitt der Schatten zu den Briefkästen und den Klingelanlagen und suchte dann die genaue Wohnung raus.
Dann verschwand der Verfolger.

Davon bekam Kellan nichts mit. Kaum war er in der Wohnung angekommen, ließ er sich aufs Bett fallen. „Was für ein Tag…“, meinte er leise und starrte dann hoch in die Ecke seines Wohnzimmers. Dort saß eine Spinne. „Hallo Bertha!“, rief er und winkte der Spinne im Netz zu.
Seit 2 Wochen nahm Kellan sich fest vor, das Netz zu beseitigen. Mittlerweile hatte er sich daran gewöhnt und die Spinne Bertha getauft. Sie war seine Mitbewohnerin, der er mehrmals in der Woche seine Sorgen anvertraute. Er hätte es sogar lustig gefunden, wenn es nicht so traurig gewesen wäre.
Freunde hatte er keine in Dunedin, nur Bekannte die ihn schätzten, aber nichts mit ihm unternehmen wollten. Nur selten wurde er mal mit in den Club eingeladen.
Kellan packte seufzend seine Errungenschaften aus und betrachtet nochmal die Stoffe. Er lächelte leicht und packte sie sorgfältig in eine große Plastekiste die er mit Tafelfolie beklebt hatte. Er holte den Tafelschwamm raus und wischte den alten Text weg.  „Mhhh... Was meinst du Bertha?“, fragte er laut und sah kurz zur Ecke hoch. „Am besten schreib ich einfach Semester 04/Semesterarbeit Ballkleid 001 White Russian drauf. Ja, dann weiß ich, was drin ist.“
Er kritzelte drauf los und räumte dann die Box zurück in sein Regal. Sein Magen begann zu knurren.
Kochen konnte Kellan nicht. Also griff er zu seinem Handy bestellte sich eine Pizza.
„Weißt du Bertha? Ich glaube, diesmal fange ich ganz früh mit dem Nähen an. Sieben Ballkleider sind halt echt heftig.“ Die Spinne antwortet nicht. Natürlich nicht. Sie konnte ja nicht reden.

Nachdem Kellan seine Pizza gegessen hatte, frisch geduscht und seine Haare trocken gerubbelt hatte, ließ er sich auf dem Sofa nieder. Es war noch früh am Abend und der Mond begann gerade erst richtig hoch zu steigen. Durch das geöffnete Fenster drang die warme Nachtluft ins Zimmer. Er hörte die Musik aus dem naheliegenden Studentenclub wummern und die Lichtanlagen, die der dunklen Nacht signalisierten, dass die Party hier erst angefangen hatte.
Kellan starrte auf seinen Laptop und überlegte, ob es Sinn machte, mit dem Schnittmuster anzufangen. Doch die Bässe, die aus dem Club herüber schallten, verscheuchten die Gedanken und er dachte an Marco.
Ob er vielleicht heute in dem Club war? Vielleicht konnte er ihn wiedersehen?
Kellan zweifelte ein wenig, dass Marco nur weil sie sich heute in der Mensa gesehen hatten, in den Club zurückging um ihn dort wieder zu treffen. Immerhin wäre das ein sehr kurioser Zufall.
Obwohl… die Nacht mit Marco war heute genau zwei Wochen her. Vielleicht, aber nur vielleicht, hatte das Schicksal heute gute Laune?
Kurzentschlossen sprang Kellan auf und suchte seine schwarze Jeans aus dem Schrank, dazu zog er ein schwarzes Shirt an. Er warf einen Blick in den Spiegel und wuschelte seine Haare etwas durch. Nur gut, dass sie an den Seiten kurz geschoren und nur in der Mitte etwas länger waren. Er gab gerne zu, dass er sich den Look von Jeremy Renner abgeschaut hatte. Kellan fand den Schauspieler großartig. Als er die Frisur in dem Film Avengers Endgame gesehen hatte, musste er sie haben.
Noch einmal strich er sich durch die Haare, dann schnappte er sich Schlüssel und Portmonee. „Bis später, Bertha!“
Dann fiel die Tür ins Schloss.

Zwei Stunden später bereute Kellan seine Entscheidung. Der Club war voll, laut und stickig. Die Menschen drängelten sich auf der Tanzfläche und unterhielten sich, in dem sie sich anbrüllten. Wie man so jemanden kennenlernen wollte, war ihm ein Rätsel.
Mit einem Cuba Libre in der Hand schlängelte Kellan sich in eine etwas ruhigere Ecke zurück. Er hatte Ausschau gehalten, aber nirgendwo die kristallenen Augen entdeckt, die ihn so schwach werden ließen, dass er eine gelähmte Zunge hatte.
Langsam lehnte sich der Blonde gegen Wand und ließ den Blick nochmal über die Menge schweifen.
Doch statt Marco, entdeckte er lediglich mehrere Leute die Drogen schnupften, knutschende Pärchen und Schlägertypen, die auf Stress aus waren.
Kellan seufzte und sah auf sein Glas hinab. Was hatte er erwartet? Das Marco noch einmal auf ihn zu spazierte und ihn auf ein Abenteuer entführte? Solche Momente waren einzigartig und konnten nicht wiederholt werden.
Seine Stimmung erreichte den Tiefpunkt. Er hätte zuhause bleiben sollen und das Schnittmuster erstellen sollen. //Austrinken und dann gehen.//, dachte er ruhig und strich sich durchs Haar.
Er hob das Glas an die Lippen und wollte einen Schluck nehmen, doch in dem Moment sah er den Stalker…
Rasch ging Kellan in die Hocke und atmete tief durch.
//Verfluchte Scheiße.//, dachte er und versuchte ruhig zu atmen.
„Spielst du verstecken?“, fragte ihn eine sanfte Stimme von der rechten Seite. Kellan sah zur Seite und blickte auf eine schwarze Hose. Langsam hob er den Blick und schaute in die grauen Augen von Marco. Dieser ging ebenfalls in die Hocke und sah ihn neckisch grinsend an.
„Ich hoffe, du versteckst dich nicht vor mir?“, fragte er den Blonden und legte dabei den Kopf leicht schief.
Kellan war wie eingefroren. Das musste ein Traum sein. Sein Hirn reagierte nicht und seine Zunge war erneut wie gelähmt.
Diese wunderschönen grauen Augen, die funkelten wie Diamanten, bannten ihn vollständig.
Langsam schüttelte er leicht den Kopf und in dem Moment brach auch seine Selbstbeherrschung fast vollständig zusammen.
„Nein… nein… ich… ähm….“, stotterte Kellan und Marco grinste leicht.
„Wie wäre es, wenn wir den Ort ändern?“, fragte der braunhaarige und Kellans Herz drehte durch.
Ohne nachzudenken nickte er.
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