Noch ein Camp?

von Th0mY255
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Kalypso Leo Valdez OC (Own Character)
12.05.2019
09.10.2019
15
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Auch wenn Jolene nun lebte, tanken mussten wir trotzdem. Unser Fiesta wurde ganz unruhig, als die Tankanzeige immer weiter sank, knallte und ächzte das Auto lautstark, was wir als das Jammern eines Kindes interpretierten: Mama ich hab Hunger!
Wir fuhren am nächsten Rastplatz raus. Es war mittlerweile dunkel geworden und wir befanden uns kurz vor Paris. Wir waren alle ziemlich erschöpft, weil wir schon seit Stunden im Auto saßen und an diesem Tag bereits einen schweren Autounfall (üb)erlebt hatten. Da ich der einzige war, der Französisch sprechen konnte, übernahm ich das Tanken. Ich fütterte Jolene – "Hier kommt das Fluuugzeug!" - und rammte den Tankschlauch in die stark verbeulte Tanköffnung. Ich ging in den Laden um zu bezahlen und kramte bereits in meiner Hosentasche meinem Portemonnaie. Mira und ich hatten von unseren Elten Urlaubsgeld bekommen. Statt das für Cola, Eiscreme und hässliche Souvenirs aus den Alpen zu verwenden, musste es nun als Tankgeld herhalten. Hinter dem Tresen stand ein Mann mittleren Alters in einem blauen Tshirt, dass Farbe und Logo der Tankstelle besaß. Ein Namensschild prangte auf seiner Brust und verkündete: Bruno Capio. Seine schwarzen Haare und sein Bart waren kurz und gepflegt. Alles in allem machte er einen sehr gelangweilten Eindruck. Ich überlegte kurz, dann nahm ich noch ein paar Snacks und eine Packung Kaugummi aus dem Regal – man konnte ja nie wissen.
„Bonsoir Monsieur", begrüßte mich der Verkäufer in gelangweiltem Ton.
„Bonsoir", antwortete ich und fügte in meinem stockenden französisch hinzu: „Äh station numéro deux.... äh si vous plaîtes." Ich deutete aus dem Fenster auf unseren verbeulten Fiesta, der an der Zapfsäule Nummer zwei stand. Das entlockte Bruno, dem Verkäufer, zum ersten Mal eine Reaktion. Erst zog er nur die Augenbrauen sehr hoch, dann lachte er laut auf. „Cet voitur?", fragte er und schien sich nicht mehr einzukriegen. Bruno wandte sich zu einer offen stehenden Tür, die zu einem Raum hinter dem Tresen führte und rief: „Nicholas! Viens voir ici!" Kurz darauf kam ein älterer Herr mit langen weißen Haaren, die im offen auf die Schulter fielen, herbei. Durch seinen krummen Rücken war er sehr klein, hatte ein freundliches Gesicht und blickte erwartungsvoll Bruno an.
Mir wurde die Situation zunehmend unangenehm. Es war klar gewesen, dass die Leute misstrauisch werden konnten, wenn sie unser demoliertes Auto sahen, aber jegliche peinliche Fragen hatte ich eigentlich vermeiden wollen.
„Nicholas! Regarde cet voitur!", wiederholte Bruno noch einmal und der alte Mann regte sich und fing an zu Schmunzeln.
„Ah interressant!", sagte Nicholas und wandte sich nun mir zu. „Est-ce que c'est ton voitur? Tu n'est par encore trop jeune pour conduire?" Ich fing innerlich an zu verzweifeln. Nicholas kam nicht nur unser Auto merkwürdig vor, er hatte auch Zweifel, ob wir überhaupt alt genug waren um Auto zu fahren – wo er ja nicht ganz unrecht hatte.
„Oui... äh non", zeigte ich wiedermal mein Talent für eindeutige Aussagen. „C'est le voitur de mon amie..." Ich versuchte auf Frida zu deuten, die mit geschlossenen Augen auf dem Fahrersitz einen Power Nap vollzog.  Nicholas und Bruno beäugten mich nun beide eingehend, aber zu meinem Überraschen wirkte Bruno nur wahnsinnig neugierig und Nicholas eher gutmütig freundlich.
„Allemand?", fragte Nicholas, ich nickte und wir wechselten ins Deutsche.
„Mein Name ist Nicholas Flamel", stellte der Mann sich vor. „Darf ich raten? Du bist Joshua und im Auto wartet deine Schwester Mira?"
Ich war so verblüfft, dass ich nur eine Reihe unverständlicher Laute und ein zittriges Nicken zustande brachte.

Zehn Minuten später fanden Frida, Mira und ich uns im Hinterzimmer des Ladens wieder. Bruno schloss die Ladentür ab und stellte das Schild auf geschlossen, während Nicholas Flamel für uns Kaffee und Tee kochte. Ja ihr habt richtig gelesen, Nicholas Flamel, DER Nicholas Flamel. Eben jener Nicholas Flamel, der legendäre Alchemist, der neben dem Herstellen von Gold und Silber auch noch den Stein der Weisen und das Elixier der ewigen Jugend und damit Unsterblichkeit besaß. Eben dieser Nicholas Flamel war nun Besitzer einer Tankstelle und schien zu wissen, wer wir waren. Der Alchemist reichte uns Tassen und setzte sich, während Bruno gerade die Tür zum Laden schloss, sich Türsteher mäßig vor unsere einzige potenzielle Fluchtmöglichkeit stellte und mit bösem Blick auf ein paar Überwachungsmonitore starrte.
„Monsieur Flamel, woher wissen sie, wer wir sind?", fragte Frida.
„Nenn mich doch bitte Nicholas!", antwortete er. „Sonst fühle ich mich immer so steinalt!" Er faltete seine knittrigen Hände und holte Luft. „Bestimmt habt ihr meinen Namen schon einmal gehört. Viele wissen, dass ich Alchemist bin, viele wissen nicht, dass mein Vater Vulcanus, der römische Gott der Schmiede und auch Alchemisten. Jupiter war ziemlich wütend auf ihn, als mein Vater mir half, das Geheimnis um den Stein der Weisen zu ergründen. Jedenfalls habe ich über Umwege von euch und eurer Mission gehört. Ich bin sehr erleichtert, dass ihr Hrungir entkommen seid. Das erklärt natürlich den jämmerlichen Zustand eures Autos..."
„Unsere Mission scheint ja wirklich in aller Munde zu sein", stellte ich wenig begeistert fest. Über ein wenig Geheimhaltung, hätte ich mich wirklich nicht beschwert.
„Leider sind die Riesen und einige nordischen Gottheiten sehr an eurem Scheitern interessiert.", erzählte Nicholas.
„Wissen Sie Herr Flamel... ähh Nicholas weißt du, warum die Riesen verhindern wollen, dass wir nach Amerika gelangen und Joshua diese Prophezeihung ausspricht?"", fragte Mira.
Nicholas Flamel seufzte. „Riesen wollen meistens eine einzige Sache: Krieg. Sie planen ein Bündnis von solchem Ausmaß, wie es wahrscheinlich noch nie da gewesen ist. Wie ich schon erwähnt habe, arbeiten sie sogar mit einigen nordischen Göttern zusammen, außerdem machen sie Geschäfte mit Triumvirat Holdings."
„Mit wem? Trimmrad Holdings?", fragte ich verwirrt.
„Triumvirat Holdings", wiederholte Flamel. „Ein Triumvirat ist der Zusammenschluss von drei Männern, die zusammen in alten Zeiten Rom regiert haben. Ich muss euch leider mitteilen, dass mehrere alte römische Kaiser schon vor hunderten Jahren aus der Unterwelt ausbrechen konnten und seitdem im Untergrund mit Triumvirat Holdings ihre erneute Herrschaft planen. Sie sind der Grund, warum eure Mission so wichtig ist. Sie haben alle anderen Orakel in Besitz genommen, sodass die Halbgötter keine Weissagungen haben, um gegen sie und die Riesen zu kämpfen.
„Wie kann es sein, dass nordische Riesen und Götter mit römischen Kaisern zusammen arbeiten?", fragte Frida. „Sie sind doch quasi natürliche Feinde?"
„Sie planen die Welt aufzuteilen. Amerika – die neue Welt – bekommen die Kaiser. Die alte Welt Europa dürfen die Riesen zurück erobern. Ihr gemeinsamer Feind sind die Götter und ihre Kinder. Alle Halbgötter müssen sich zusammen schließen! Germanen, Römer und Griechen! Das können sie nur, wenn die Prophezeiung ausgesprochen wird! Wenn nicht, werden die Riesen den Krieg gewinnen und das Land unter sich aufteilen. Deshalb sollten wir jetzt planen, wie ihr am besten weiter reist..."
„Wie wäre es mit unserem frisch aufgetankten Auto?", fragte ich, da ich die Frage relativ unnötig fand. Wollte Nicholas uns etwa Fahrräder leihen oder uns Tickets für den nächsten Bus mitgeben?
Die Augenbrauen des alten Mannes hoben sich, bevor sich seine Miene erhellte. „Ich glaube, du hast das Problem nicht ganz verstanden. Selbstverständlich haben die Riesen schon Untergebene ausgesandt und sie auf die Suche nach euch geschickt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie schon bald hier sind und es sowieso schon zu spät für eine schnelle Flucht ist."
Ich war durchaus erstaunt, wie gelassen er das erzählte. In Fridas und Miras Gesichtern erkannte ich, dass nicht nur ich von dieser Neuigkeit in Panik versetzt war.
Frida sprang sogar auf. „Dann müssen wir schnell los, vielleicht sind sie noch nicht da!"
„Bleib besser sitzten, Kind", versuchte Nicholas sie zu beschwichtigen. „Dann können wir unser vorgehen, doch viel besser planen."
Plötzlich meldete sich Bruno zu Wort und deutete auf die Überwachungsmonitore. „Nicholas! Ils sont ici!"
„Sie sind schon da!", übersetzte Flamel für Mira und Frida. Wir alle drängten uns nun um die Monitore. Dunkle Schatten auf vier Beinen bewegten sich auf den pixeligen Monitoren und ich ahnte Böses.
„Wölfe!", jammerte ich auf. Das waren mit Abstand magischen Kreaturen, die ich am meisten hasste. Nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen normale Wölfe, von denen nur noch wenige in  Europa leben und ab und zu mal ein Schaf reißen. Aber große, böse und magische Wölfe kann ich einfach nicht ausstehen. Schon Rotkäppchen wusste, dass Wölfe böse Kreaturen sind, die wahlweise Großmütter oder kleine Joshuas verspeisten. Echt uncool!
„Wie kommen nordische Wölfe nach Frankreich?", fragte Frida. „Wir sind hier doch im römischen Gebiet!"
„Nun, nicht nur die Nordmänner haben Wölfe. Die Römer haben sie ebenso verehrt. Der Wolf ist das perfekte Wesen für die Zusammenarbeit zwischen den Riesen und Triumvirat Holdings. Diese hier werden wahrscheinlich unter dem Befehl von Marcus Antonius stehen.
Irgendetwas klingelte in meinem Kopf bei diesem Namen.
„Marcus Antonius?", fragte meine Schwester. „Ist das nicht auch so ein Römer aus der Antike?"
„Stimmt genau", sagte der Alchemist und nickte. „Marcus Antonius war der engste vertraute Cäsars und unterlag später Octavian, dem späteren Augustus, in der Schlacht. Er ist, wie wir wissen, mit den Kaisern aus der Unterwelt entkommen und im Moment Prokonsul der Provinz Gallien."
„Sind denn nur böse Römer aus der Unterwelt entkommen?", jammerte ich wieder, doch zu meiner Überraschung erhellte sich Nicholas Gesicht.
„Ganz im Gegenteil!", beteuerte er und deutete auf Bruno. „Ich hab ganz vergessen euch meinen Freund und Mitarbeiter vorzustellen. Bruno ist nur sein Deckname. Darf ich vorstellen: Marcus Iunius Brutus!"
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