Poker Face

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Ami Mizuno / Sailor Merkur Haruka Tenoh / Sailor Uranus Makoto Kino / Sailor Jupiter Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Setsuna Meioh / Sailor Pluto
12.05.2019
26.03.2020
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~ Eine Woche später, Tokyo ~

"Zum letzten Mal, Kino-san, Sie müssen erst die Abschlussuntersuchung abwarten." Die Stationsleitung der zuständigen Krankenhausstation blickte sie prüfend und etwas ungeduldig an. "Ami, könntest du ihr das bitte..." "Sie weiß es. Aber sie hasst Krankenhäuser. Ich sorge dafür, dass sie im Bett bleibt." Entschuldigend sah die Blauhaarige die Frau an, die normalerweise ihre Stationsleitung war. Doch noch war sie selbst krankgeschrieben – Kaori hatte natürlich sofort dafür gesorgt, dass alle wussten, dass sie Entführungsopfer war und der zuständige Psychiater im State Memorial Krankenhaus in Tokyo hatte sie nur allzu gerne sofort für drei Wochen außer Gefecht gesetzt. "Danke Ami... Und dir alles Gute."

Ami nickte nur, dann beobachtete sie, wie Berthier das Zimmer verließ. "Du verärgerst sie mit deiner ständigen Fragerei. Und sie mag es nicht, wenn Menschen ständig fragen." "Dann soll sie mich einfach gehen lassen. Es ist doch alles wieder in Ordnung." Ami seufzte, während ein Lächeln ihre Lippen umspielte. "Sie geht einfach auf Nummer sicher – was du übrigens auch tun solltest." "Vor allem sollte ich dich fragen, wie du gedenkst dafür zu sorgen, dass ich im Bett bleibe." Makotos Augen glitzerten plötzlich lüstern und die Blauhaarige lachte laut auf. "Hör auf! Ich werde sicherlich nicht hier über dich..."

Hastig unterbrach sie ihren Satz, als die Tür hinter ihr aufging. "Oh... Yamamoto-sensei. Was machen Sie hier?" "Das könnte ich Sie auch fragen, Mizuno. Hatte ich Sie nicht bereits krankgeschrieben?", fragte der Mann mit den grauen Schläfen sie, während er bereits einen neugierigen Blick auf Makoto warf. "Ich bin als Besucherin hier, Yamamoto-kun." "Nun, das lasse ich gelten. Guten Tag, Kino-san. Sie sind also die Verrückte, die um die halbe Welt geflogen ist, um unsere Mizuno-san zu befreien?" Amis Mund klappte auf und sie starrte den Psychiater ungläubig an, während Makoto bereits mit einem breiten Grinsen nickte. "Ja... Die bin ich." "Ich gratuliere Ihnen, dass Sie dies geschafft und sie befreit haben. Wir alle möchten uns bei Ihnen dafür bedanken. Der Verlust von Mizuno-san wäre nahezu unersetzbar gewesen."

Während die Blauhaarige den Kopf schüttelte vor lauter Unglauben, – abgesehen von ihrer schockierten Miene war sie zusätzlich auch noch knallrot angelaufen – begann Yamamoto, Makoto zu untersuchen. Er war nicht nur Psychiater, sondern auch Allgemeinmediziner und durfte als solcher auch die körperlichen Untersuchungen durchführen. Er ließ sich ihre Wunde zeigen, stellte ihr ein paar weitere Fragen zu ihrem seelischen und körperlichen Wohlbefinden, während er ihre Pupillenreaktionen testete, dann stellte er sich neben das Bett und notierte etwas auf seinem Klemmbrett. "Also schön - Sie dürfen gehen, Kino-san. Sollten sich allerdings Albträume ergeben oder andere Situationen, die Sie an das Erlebte erinnern, kommen Sie bitte sofort wieder zu mir." "In Ordnung.", bestätigte Makoto und frohlockte.

Sechs Tage verbrachte sie nun schon in diesem Krankenhaus – die Presse wusste davon Gott sei Dank nichts. Doch sie hatte wahrlich Besseres zu tun. Außerdem hatte Ami, die nur drei Tage im Krankenhaus behandelt werden musste, sich strikt an die Anweisung der Ärzte gehalten und ihr nichts von der Außenwelt erzählt. Ihr fehlten sechs Tage Wissen über all das, was seit der Rückkehr aus Tatoa geschehen war.



~ Rückblende ~

"MAKO!" Amis lauter Schrei erfüllt das Flugzeug, als wäre er Gift für die Ohren. Erst jetzt sahen sie alle das, was die Brünette die ganze Zeit vor ihnen verheimlicht hatte: Eine klaffende Wunde am linken Schlüsselbein, die nun kräftiger zu bluten schien. "Es ist nichts...", versuchte Makoto zu beschwichtigen, doch Ami fing bereits an, ihr das T-Shirt aufzureißen. "Das ist nicht Nichts, das fängt an sich zu entzünden. Was hast du angestellt?" "Ich habe dich befreit.", erwiderte Makoto, dann zischte sie laut, als Ami eine Stelle neben der Wunde berührte. "Wann ist das passiert? Und sag mir jetzt nicht, das wäre egal – was auch immer da drin ist, es muss sofort raus!", rief Ami in blanker Panik und sah sich bereits um, während Angst ihr die Kehle zuschnürte.

Das Flugzeug hatte nur einen kleinen Erste-Hilfe-Koffer an der Wand hängen und sie hatte noch nie eine Operation durchgeführt - sie hatte immer nur assistiert! "Ich... ich habe mich wohl nicht schnell genug in den Sand geworfen...", flüsterte Makoto nun leise und Seiya, der neben sie getreten war, erinnerte sich an den Schusswechsel und die Szene, kurz bevor sie die Siedlung erreicht hatten, von der die Blauhaarige weggerannt war. "Aber Sie sagten doch, Ihnen wäre nichts passiert!" "Verstehen Sie etwa nicht warum? Sie hätten mich doch weggeschickt..." Ein flehender Blick trat in die Augen der Brünetten und Seiya schüttelte es innerlich, als er verstand, wie wichtig das alles für Makoto gewesen sein musste. "Kino-san, wissen Sie eigentlich, was eine einzige Kugel anrichten kann?" Fassungslos und dennoch mit einem schlechten Gewissen, wandte sich Seiya an die Blauhaarige. "Vermutlich ist Sand in den Wundkanal gekommen... Das dürfte die Entzündung verursacht haben. Es ist immerhin fast sechs Stunden her..." Ami starrte die beiden an. "Sechs Stunden? Mako – du musst unglaubliche Schmerzen gehabt haben! Wie hast du das..." "Ich musste dich doch in Sicherheit bringen...", stammelte die Brünette, dann unterbrach sie ihre Worte, stöhnte kurz auf und wurde ohnmächtig.

Seiya und Ami mussten sie auffangen, damit sie nicht auf den Boden des erst vor wenigen Minuten abgehobenen Flugzeuges knallte – dazu kam die ruckartige Bewegung in der Luft und der Co-Pilot, der per Lautsprecher fragte, was das für ein Geschrei gewesen war. "Kun – beruhige ihn. Sag einfach, Jadeite hätte sich den Kopf gestoßen. Das ist sogar realistisch." Es war offensichtlich, dass der Mann namens Jadeite sicherlich widersprochen hätte, wäre nicht allen der Ernst der Lage bewusst gewesen. "Was machen wir jetzt?" "Wir müssen die Kugel rausholen...", brummte Ami. "Entschuldigen Sie... ähm... Kunzite-kun, können Sie auch nach der Flugdauer fragen?" "Mach ich, Mizuno-san.", erwiderte der Silberhaarige und verschwand. "Was meinen Sie genau mit rausholen...?", fragte Seiya nervös und sah Ami an. "Das was Sie verstanden haben... Und ich werde Hilfe brauchen." Erst als sich die Blauhaarige zu Seiya umdrehte, bemerkte sie, dass er ihr wohl nicht helfen würde - er war fast grün im Gesicht.

Sie seufzte, während sie weiter die Wunde untersuchte, die Makoto zu verstecken versucht hatte. "Ich muss mich beeilen – es ist am besten die Kugel herauszuholen, wenn sie noch ohnmächtig ist. Wo ist eigentlich mein Gepäck?" "Hier..." Eine kleine und leise Stimme flüsterte neben ihr und Naomi stand da, ihre kleine Tasche mit dem Verbandsmaterial in Händen haltend. "Danke Naomi.", lächelte Ami, dann nahm sie die Tasche entgegen und suchte nach einer Pinzette. "Hat jemand von Ihnen eine Taschenlampe?" Wortlos reichte ihr Seiya die seine, dann verzog er sich in den hintersten Teil des Flugzeugs – genau wie alle anderen Männer. "Typisch... Freiwillig in den Krieg ziehen, aber den Schwanz einziehen, wenn ein bisschen Blut ins Spiel kommt.", brummte Ami und erst als Naomi neben ihr sie fragte, was sie mit Schwanz einziehen meinte, realisierte sie, dass sie ihren Gedanken laut ausgesprochen hatte.

Mit Hilfe der kleinen aber umso mutigeren Naomi schaffte es Ami irgendwie, die Kugel zu entfernen. Sie desinfizierte die Wunde so gut sie konnte und verband sie, dann bat sie den Piloten dafür zu sorgen, dass bei ihrer Landung direkt ein Krankenwagen zur Verfügung stand. Erst danach traute sie sich, sich in ihren Sitz fallen zu lassen und zurückzulehnen, ließ Naomi auf ihren Schoß krabbeln, wo diese fast sofort erschöpft einschlief. Und erst als ihr Blick wieder auf den Sitz neben ihr fiel, erinnerte sich an das Friedensangebot in dem Briefumschlag.

Neugierig griff Ami danach und öffnete den Umschlag, den Makoto für sie hatte vorbereiten lassen. Mehrere Papiere kamen zum Vorschein und als Ami diese überflog, wollte sie ihren Augen nicht trauen – es waren Adoptionspapiere für Naomi, ein Antrag auf die japanische Staatsbürgerschaft für die Kleine und überall stand ihr Name als adoptierende Person drin. Der Clou war jedoch, dass alle Papiere bereits fertig ausgestellt waren, mit Stempel und Unterschrift eines Amtsmitarbeiters. Zudem lag da noch ein Einreisevisum für Naomi, was Makotos Sicherheit erklärte, als sie sie daran erinnert hatte, das Naomi doch gar keine Papiere hätte.

Ami saß nur da und staunte. Ihr war sofort klar, dass all das irgendwie Makotos Werk sein musste. Das Friedensangebot, welches ihr die Brünette machte, bestand daraus, Naomi nie wieder alleine zurücklassen zu müssen. Naomi war nun keine Vollwaise mehr und das war alles, was Ami sich immer für sie gewünscht hatte. Jetzt war es tatsächlich Wirklichkeit geworden und Amis Liebe, die sie für Makoto empfand wurde immer stärker. Erst flog sie um die halbe Welt um sie zu retten und dann das! Doch es war auch zu viel geschehen in den letzten Stunden und ihr Körper ächzte nach Erholung und sorgte dafür, dass auch Ami die Müdigkeit überfiel und sie einschlief.

~ Rückblende Ende ~



“Tut es doch noch weh? Sollen wir zurückfahren?” “Ami, es war nur ein Ziehen. Alles in Ordnung.”, murmelte Makoto und verdrehte innerlich die Augen. Bei jedem kleinen Zucken bekam die Blauhaarige Panik, dass ihre Schussverletzung wieder aufgehen könnte. Dabei hatten ihr die Ärzte im State Memorial gesagt, dass sie ohne Amis Eingreifen wohl eine ausgewachsene Blutvergiftung davongetragen hätte. Sie hatten ihr sogar das Blut gewaschen, damit auch wirklich kein Sandkörnchen sich irgendwo mehr ablagern konnte. Natürlich spürte sie jede Bodenunebenheit in den Straßen Tokyos, die das Taxi entlangrauschte, aber es war besser, als nie wieder etwas spüren zu können. Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit, seit sie in das Flugzeug Richtung Tatoa gestiegen war. Und niemals hätte Makoto es für möglich gehalten, hinterher in einem Krankenhaus aufzuwachen, mit einer fast schon panischen Ami neben ihrem Bett.

Nun saß die Blauhaarige neben ihr im Taxi, ihre Finger waren mit den ihren verknotet und ihr Kopf lehnte an Makotos gesunder rechter Schulter. Sicherheitshalber, um Ami zu beruhigen, – und auch, um den nervigen Kommentaren der Schwestern und Ärzte zu entgehen – trug sie den linken Arm noch in einer Schlinge und hatte versprochen, diese erst nächste Woche abzulegen. “Naomi freut sich schon sehr dich zu sehen. Sie ist übrigens mit Hotaru schon fleißig dabei, japanisch zu lernen. Und Haruka hat mir gestern Abend gesagt, dass sie sehr erfreut ist, dass Hotaru nun auch jemanden hat zum Englisch üben.”, erzählte Ami.

Sie und Naomi waren bereits nach drei Tagen aus dem State Memorial entlassen worden – bei ihr hatten die Ärzte einen möglichen Schock abwarten wollen, Naomi hatten sie wegen deren Unterernährung unter Beobachtung gestellt. In diesen drei Tagen hatte Haruka dafür gesorgt, dass das Zimmer in Makotos Wohnung, in dem bisher die restlichen vollen Umzugskartons gelagert gewesen waren, zu einem Kinderzimmer umfunktioniert worden war. Gemeinsam mit Mamoru und ihrer Mutter Ikuko hatte sie dies aufgeräumt, gestrichen und eingerichtet und Naomi hatte die beiden mit großen Augen angeschaut, als sie ihr erklärt hatten, dass dies ihr eigenes Zimmer war.

Makoto war zunächst wenig begeistert davon gewesen, dass ihre Schwester ausgerechnet Ikuko hinzugezogen hatte und hatte auch deren Besuch im Krankenhaus bei sich verweigert. Dann jedoch hatte Haruka ihrer jüngeren Schwester noch einmal ordentlich den Kopf zurechtgerückt und Ami hatte beiläufig erwähnt, wie sehr und liebevoll sich Ikuko um Naomi gekümmert hatte, wenn sie Zeit für sich benötigt hatte, und so hatte Makoto schlussendlich etwas gezwungen zugestimmt, dass ihre Mutter heute – wenn sie endlich wieder in ihre eigene Wohnung zurückkehren würde - anwesend sein durfte.

Mamoru hatte sie zu seiner eigenen Überraschung einmal im Krankenhaus besuchen dürfen und die Gunst der Stunde genutzt, mit ihr über die Vergangenheit zu reden. Er hatte sich dafür entschuldigt, dass er sie in der Kindheit nicht beschützt hatte, hatte ihr offengelegt, wie es ihm damals gegangen war und auch, dass er bis heute in psychiatrischer Behandlung war, weil er seinen Schwestern nicht geholfen hatte. Er hatte außerdem gesagt, dass er alles tun würde, um dies wiedergutzumachen, doch Makoto hatte abgewunken. Sie wusste bereits von Haruka, dass nicht ihre Schwester im Hintergrund alles organisiert hatte, damit Makoto Naomi nach Japan bringen und eventuell adoptieren durfte. Das war alleine Mamorus Werk gewesen und angesichts der Freude, die Ami dadurch empfand, konnte sie ihm einfach nur dafür danken. Damit waren sie in ihren Augen quitt und das hatte sie ihm auch so gesagt.

“Wir sind da.” Makoto schreckte aus ihren Gedanken hoch. “Oh.” Hoffentlich würde alles gutgehen – besonders im Hinblick auf ihr erstes Treffen mit Ikuko, das vorausgeplant war und länger dauern würde als das letzte bei Haruka. “Du schaffst das. Ich bin bei dir.” Makoto drehte den Kopf und blickte in Amis wunderbare Augen, so voller Liebe für sie. “Mit dir schaffe ich alles.”, erwiderte die Brünette. Dann verließen sie das Taxi und Makoto hoffte, dass alles gutgehen würde.
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