Poker Face

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Ami Mizuno / Sailor Merkur Haruka Tenoh / Sailor Uranus Makoto Kino / Sailor Jupiter Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Setsuna Meioh / Sailor Pluto
12.05.2019
10.10.2019
11
26010
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Liebe Leser,

Sicherheitshalber möchte ich für dieses Kapitel eine Trigger-Warnung aussprechen. Es ist etwas ruppiger als ihr es vermutlich von mir gewöhnt seid, also sicher ist sicher.

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"Kannst du dich noch an den Tag erinnern, wo ich diese Schulung geschmissen habe und wir auf deinen... und einen Kaffee trinken gegangen sind?" Makoto gluckste. "Du kannst ruhig sagen, der Tag an dem wir auf Mamoru getroffen sind... Ja, ich erinnere mich noch. Du meintest, die Schulung nicht zu brauchen und dass du bei dem Lehrer sowieso nichts dazu gelernt hättest." Ami nickte. "Richtig, denn dieser Lehrer... ist mein Ex-Freund. Und er war dabei, als ich schon einmal entführt wurde – mit ihm gemeinsam. Damals waren wir sogar verlobt, wollten heiraten, sobald wir aus Sybala zurück nach Japan gekommen wären."

Makoto lauschte interessiert. Ami war also schon einmal verlobt gewesen, das hätte sie nicht gedacht. "Damals wurden wir mitten in der Nacht in dem Flüchtlingslager überfallen, welches wir dort mit Ärzte ohne Grenzen aufgebaut hatten. Soldaten verschleppten uns in eine Höhle und fesselten uns. Tagelang passierte gar nichts, wir bekamen nur was zu trinken und etwas Brot. Und dann eines Abends kamen ganze Horden von Soldaten, alle bewaffnet. Wir konnten ein paar Worte arabisch, was dort gesprochen wurde und baten sie, uns gehen zu lassen. Erst lehnten sie ab, dann begannen sie zu tuscheln und... nach wenigen Minuten sagten sie auf gebrochenem Englisch, sie würden uns gehen lassen, wenn... wir ihnen etwas anbieten könnten."

Ami seufzte, bevor sie weitersprach. "Sie wollten eine Show haben und wir haben erst nicht verstanden. Bis sie zwei weitere Gefangene brachten – ebenfalls einen Mann und eine Frau, ebenfalls Helfer, allerdings aus unterschiedlichen Ländern. Beide waren nackt, beide hatten offene Wunden, als wären sie ausgepeitscht worden. Dann sagte der Anführer dem Mann, er solle mich ficken." "Das hat er doch hoffentlich nicht... oder?", keuchte Makoto, der bei dem Gedanken daran übel wurde. "Er hätte es sofort getan, das war mir klar. Er hätte alles getan, um denen zu entkommen, dass spiegelte sich in seinen Augen. Doch Taiki protestierte wild, sagte, dass er das niemals zulassen würde, dass ein Fremder seine Verlobte vor seinen Augen vergewaltigen würde. Und das brachte den Anführer dann auf eine andere Idee. Er sollte es selbst tun."

"Also hat dieser Anführer... deinen Verlobten gezwungen, mit dir zu schlafen?" Die Blauhaarige nickte. "Ja. Taiki hatte wohl gehofft, sobald unsere Fesseln gelöst wären, einen Versuch zu unternehmen, mit mir zu fliehen, doch sie machten keine Anstalten, ihm die Hände zu befreien, die hinter seinem Rücken zusammengebunden waren. Er bräuchte keine Hände um mit mir zu schlafen, sagten sie. Dann... sie zogen mich aus, machten anzügliche Kommentare in schlechtem Englisch, begrapschten mich und ich... musste ruhig bleiben. Es war eklig, aber ich hoffte ja, dass sie uns danach gehen lassen würden. Auch meine Hände blieben hinter meinem Rücken gefesselt, als sie mich vor Taiki hinlegten – zwei Männer drückten mich an den Schultern nach unten, meine Arme drückten gegen meine Wirbelsäule und es tat weh. Zwei andere hielten meine Beine fest und spreizten sie. Und die fremde Frau wurde gezwungen, Taiki seine Hose zu öffnen und ihn vorzubereiten."

Makoto stand vom Bett auf. Draußen war es dunkel und diese Erzählung verlangte förmlich nach einem Verstoß gegen ihr selbst auferlegtes Alkoholverbot. "Ich brauche einen Drink...", flüsterte sie, während ungewollte Bilder durch ihren Kopf schossen. Bilder, die sie niemals hätte sehen wollen. "Ich komme mit.", sagte Ami und schwang leichtfüßig die Beine aus dem Bett, dann folgte sie Makoto ins Wohnzimmer. "Soll ich aufhören?" "Nein... Ich würde gerne alles erfahren.", erwiderte die Brünette, obwohl sich ihr Magen bereits verkrampfte. Man hatte Ami schlimme Dinge angetan und wieder kam sie sich mit ihrer Familiengeschichte unwichtig vor. Sie ging an ihre Bar, holte zwei Gläser hervor, gab mehrere Eiswürfel hinein und kippte dann Whisky über die durchsichtigen Quadrate.

"Hier." Sie reichte eines der Gläser an Ami weiter, die es nahm und vorsichtig nippte. "Das ist das erste Mal, dass ich Whisky trinke.", gestand sie ein, nippte, dann jedoch leuchteten ihre Augen. "Der ist ja köstlich!" "Das ist ein Karuizawa, ein japanischer Whisky. Er ist mild und sehr lange im Eichenfass... Aber das interessiert dich sicherlich nicht. Sagen wir einfach, er ist gut." Die Blauhaarige kicherte. "Ich habe nichts anderes erwartet." Ihre Augen wurden wieder ernst und Makoto nickte. Sie setzten sich auf das Sofa, dann begann Ami, weiter zu erzählen.

"Taiki tat, was er tun musste – immerhin standen hinter und vor ihm fast 15 bewaffnete Männer. Nach einer Weile merkte ich, dass es ihm gefiel... und er war weniger sanft als vorher. Als er fertig war, entschuldigte er sich bei mir, doch die Männer hatten noch nicht genug. Und sie wurden erfinderischer – die fremde Frau und ich wurden Rücken an Rücken gesetzt und zusammen gefesselt und..." Ami brach ab, als sie sah, dass Makoto die Augen schloss. "Ich weiß nicht wie lange es so weiter ging. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Die Männer - sowohl Taiki als auch alle mir unbekannten – fanden langsam Spaß daran und nach einer Weile waren wir Frauen die einzigen, die in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurden."

Auch sie schloss nun die Augen, verdrängte ihre Erinnerungen, die sie zu überfallen drohten. "Irgendwann war es dann Taiki, der neue Dinge vorschlug, die er ja schon immer mal hatte ausprobieren wollen. Ich protestierte, sagte ihm, er solle uns hier endlich rausholen, aber... er schien zu viel Spaß zu haben. Erst ein paar Tage später, als Fremde auftauchten und uns retten wollten, da kam er wieder zur Besinnung. Er verhandelte mit den Entführern, bot ihnen Geld an und ich hoffte... Bis er nicht mehr wiederkam. Und die Fremden, die uns retten wollten, verschwanden ebenfalls. Ohne Taiki gab ich auf. Ich kämpfte nicht mehr, ich trank und aß nicht. Ich tat gar nichts mehr, ließ die Zeit an mir vorübergehen und stierte ins Nichts. Ich hoffte, er würde mit Verstärkung zurückkommen und mich holen, doch der Anführer meinte, er hätte lediglich um seine Freilassung verhandelt, ich wäre gar nicht erst erwähnt worden."

"Dieses Aas...", brummte Makoto, doch Ami fuhr schon fort. "Ich dachte, dass der Anführer log, um einen Keil zwischen mich und Taiki zu treiben. Aber das Ganze hatte auch etwas Gutes. Ohne meinen Kampfgeist war ich ihnen wohl zu langweilig und nach einer Weile ließen sie mich einfach gehen. Jemand gab mir ein altes, zerrissenes T-Shirt, das mir bis zu den Knien ging und dann ließen sie mich laufen. Ich weiß nicht, wie lange ich genau das getan habe, bis mich jemand gefunden hat, aber derjenige wusste sofort, wer ich war und verständigte die japanische Botschaft. Und die waren ganz verblüfft, mich zu sehen, denn für die war ich tot." "Tot? Wieso das denn?"

Ami legte den Kopf schief und lächelte sarkastisch. "Das habe ich erst herausgefunden, als ich Stunden später in Japan gelandet bin. Setsuna, meine Chefin, die damals noch bei Ärzte ohne Grenzen war, holte mich vom Flughafen ab und erzählte mir alles. Taiki hatte den Botschaftern nach seiner Flucht erzählt, dass mich die Entführer vergewaltigt hätten und dass sie mich, bei der Weigerung, erneut mit ihnen zu schlafen, erschossen hätten. Und meine Leiche wäre in einer der Höhlen versteckt gewesen, die sie gesprengt hatten." "So ein Schwein..." Makoto ballte die Fäuste, wusste nicht, was sie außer Beschimpfungen sonst über diesen Mann hätte sagen sollen.

"Ja. Aber sein Gesicht war göttlich, als er mich wiedergesehen hat. Er weiß, was ich weiß und seitdem geht er mir eigentlich aus dem Weg. Bis zu dieser Schulung, wo ausgerechnet er mir beibringen sollte, wie ich mich zu verhalten habe, wenn ich entführt werde..." "Schlechte Ironie des Schicksals?", riet die Brünette und Ami nickte. "Ja, das war es. Denn der eigentliche Referent, den Setsuna ausgewählt hat, ist kurzfristig erkrankt und hat ausgerechnet Taiki gebeten, für ihn einzuspringen. Und da niemand bei Medair von dieser Geschichte wusste, außer mir und Setsuna und sie schon auf dem Weg nach Tatoa war..." "Ist es auch niemandem aufgefallen.", schloss Makoto und seufzte. "Hast du nie das Verlangen gehabt, ihn umzubringen?"

Ein Lachen erfüllte den Raum. "Nein. Mit der Zeit ist er mir gleichgültig geworden, solange er nicht vor meiner Nase ist." "Wie hast du das geschafft?", fragte die Brünette neugierig. Sie selbst hatte zwar nicht das Verlangen, ihren Bruder für sein Nichtstun zu töten, doch nur zu gerne hätte sie ihm eine reingehauen, einfach um all ihren Frust zu verdeutlichen. "Ich habe gearbeitet, um es zu verarbeiten. Auch wenn mich das alles vielleicht verändert haben mag – es definiert mich nicht. Mich definiert höchstens mein steter Wunsch, etwas Gutes zu tun. Das wird von dem Schlechten, was mir wiederfahren ist aber nicht verhindert." Makoto nickte abwesend. "Das ist wirklich lobenswert... Ich hingegen..."

Sie unterbrach sich, bevor sie sich verplapperte. Sie war noch nicht bereit, jemandem ihre Kindheit anzuvertrauen. Der letzte, bei dem sie das getan hatte, hatte ihr ernsthaft Psychopharmaka verschreiben wollen, mit den Worten, dass diese ihr helfen würden. Doch Tabletten würden sicher nicht helfen. Und reden als Therapie verweigerte sie, sie wollte keine Tipps haben, wie sie ihr Leben zu leben hatte ohne Frust und Hass auf ihren Bruder. Sie hatte sich im Griff.

"Weißt du aber, was mir gerade bewusstwird?" Ami unterbrach Makotos Gedankengänge und sie sprach erst weiter, als diese sie fragend ansah. "Das gestern... Das war das erste Mal seit Sybala, dass ich wieder mit einem Menschen geschlafen habe." “Du meinst... Ernsthaft?” “Ja. Ich weiß, für dich muss das wie eine unglaublich lange Zeit wirken, aber... bis gestern habe ich es nicht wirklich vermisst.” Makoto blickte sie an, mit einer Mischung aus Verwirrung und Unglauben. "Und du hattest die Vibratoren gekauft, weil...?" "So merkwürdig das auch klingen mag, aber... in einem Kinderbuch, dass ich Naomi mal vorgelesen habe, während sie auf eine OP gewartet hat, da stand... Angst vor einem Namen macht nur noch größere Angst vor der Sache selbst." "Ah... Harry Potter."

Ami starrte sie an. "Du kennst das? Das ist doch ein Kinderbuch!" Makoto zuckte grinsend mit den Schultern. "Na und? Es ist spannend, Mut machend und holt einen aus einer chaotischen Welt in eine magische Welt voller Chancen und Möglichkeiten." "Okay... Naja, auf jeden Fall dachte ich, dass dies auch gut auf... die Situation damals und meine Angst vor Sex danach passt und habe... angefangen, mich sozusagen selbst zu therapieren.", erklärte Ami und wirkte verlegen. "Offensichtlich erfolgreich...", brummte Makoto, stellte ihr Glas von sich und näherte sich der Blauhaarigen. "Wenn ich dir zu forsch oder schnell bin... Dann musst du mich aufhalten.", sagte die Brünette, dann küsste sie Ami auf den Mund.

Diese erwiderte den Kuss und umarmte Makoto, spielte mit deren Pferdeschwanz, während eine andere Hand sich weiter nach unten bewegte. Die Brünette stöhnte in den Kuss, als Ami sie in ihren Hintern zwickte, dann drückte sie die Blauhaarige leicht zur Seite sodass diese auf dem Sofa lag und Makoto über ihr kniete. Doch das inständige Ziehen an deren T-Shirt sorgte dafür, dass sie bald schon auf Ami draufsaß, mit leicht schlechtem Gewissen, wenn sie an deren Erzählung dachte. Aber Angst war keine in den wunderschönen blauen Augen zu sehen und so schob Makoto ihre Bedenken einfach beiseite. Ihre ungeduldigen Hände rissen an der weißen Bluse, die Ami wieder angezogen hatte und Knöpfe flogen durch das Wohnzimmer, als die Fäden derer nachgaben. "Sorry, ersetz ich dir.", murmelte die Brünette, doch Ami winkte ab. "Egal... weiter." Und Makoto tat ihr diesen Gefallen – solange bis die Blauhaarige keuchend unter ihr lag, leicht schwitzend und mit verklärten, sexlüsternen Augen.



~ * ~

So verlief das gesamte Wochenende. Mal redeten sie, mal fielen sie übereinander her und nur ganz selten verließen sie das Haus – zum Beispiel um im Billig-Supermarkt an der Ecke Tiefkühlpizza zu kaufen. "Das letzte Mal, dass ich so eine Pizza gegessen habe, war... da war ich fünf Jahre alt...", betonte Makoto erstaunt, als sie das zweite Stück in die Hand nahm. "Ich hätte aber nie gedacht, dass es schmecken kann." "Wo gehst du denn sonst Pizza essen?" "Naja... also eigentlich esse ich sehr selten Pizza – aber wenn, dann fliege ich nach Mailand und esse bei Antonio.", erwiderte die Brünette, bevor sie sich die Spitze ihres Pizzastückes einverleibte. "Nach Mailand? Mailand in Italien?", keuchte Ami und starrte ihr Gegenüber entsetzt an. "Klar. Antonio macht die beste Pizza der Welt."

Es war das erste Mal an diesem Wochenende, dass Ami sich der Unterschiede zwischen ihr und Makoto deutlich bewusstwurde. Sie lebte praktisch von Tiefkühlgerichten, während die Brünette ohne finanzielle Sorgen zum Pizzaessen nach Mailand fliegen konnte. Doch Makoto schien zu spüren, dass etwas die Blauhaarige beschäftigte und sorgte dafür, dass diese ihre Gedanken vergaß, denn kaum war die Pizza vernichtet, da zog sie Ami an sich und schaffte es bereits mit einem intensiven Kuss, dass die Gedanken der jungen Krankenschwester sich eher um die nächsten Minuten drehten, in denen sie stöhnend auf dem Sofa lag und von Makoto spielerisch leicht über die Klippe geschickt wurde.
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