Let’s Read: »Game of Thrones – Der Winter naht«

von 505
GeschichteAllgemein / P16
11.05.2019
12.07.2019
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Kapitel 3
(S. 32-42)


Daenerys




Heilige Mutter Gottes. Was für ein Name.
    Ich versichere euch – das hier ist das erste Mal, das ich ihn schreibe. Bewusst jedenfalls und ich hoffe sehr, dass ich mich nicht zu häufig vertippen werde, beim Versuch, diese Zusammenhäufung an Buchstaben zu meistern.
    Daenerys. Daenerys. Daenerys.
    Na also, geht doch. Wenn ich nun noch den Drang meines Gehirns überwinden kann, ihren Namen ‚Daenarys‘ oder ‚Danaerys‘ zu schreiben, sind schätze ich auch die härtesten der harten GoT-Fans unter euch zufrieden.

Daenerys ist also die Dritte im Bunde der Point-of-View-Charaktere und ich frage mich unweigerlich, wie viele es unterm Strich wohl in diesen legendären Club schaffen werden. Bei der bisherigen Anzahl der Personen würde mich eine zweistellige Summe tatsächlich eher wenig überraschen. Ich halte euch diesbezüglich auf dem Laufenden.


Ihr Bruder hielt den Umhang hoch, damit sie ihn betrachten konnte. (S. 32)



Ach, komm schon, Martin! Lass mich meiner Leserschaft mal wieder einen deiner glorreichen Schachtelkonstrukte vor die Füße werfen, um sie völlig von ihren Hockern zu reißen. Dieser einleitende Satz ist – nun, wieder nur ein Satz.

Und auch die nächsten Zeilen über wird es nicht wesentlich spektakulärer.
    Gerade, als ich mir die Schreibweise des Namens unserer Protagonistin eingeprügelt habe (Daenerys – seht ihr? Ich hab’s voll drauf), stelle ich voller Erstaunen fest, dass die Gute im Folgenden ausschließlich Dany genannt wird. Ich meine, ja, George, ich verstehe dich. Aber ich war wirklich bereit, mich dem Ganzen zu stellen und du bietest mir frech einen derart simplen Ausweg?
    Ja, ich schätze, damit kann ich leben.
    Dany kriegt also von Viserys, der übrigens einen nicht minder gewöhnungsbedürftigen Namen trägt, besagten Umhang überreicht. Er sei ein Geschenk von Magister Illyrio und begeistert beide Geschwister gleichermaßen.
    Es ist vielleicht eine Geschmacksfrage, aber ich finde es immer beklemmend, wenn derart lange und detailliert über ein Kleidungsstück gesprochen wird, aber hier hat es immerhin einen Sinn. Denn die beiden scheinen in Recht ärmlichen Verhältnissen zu leben und besagter Umhang ist laut eigener Aussage das Weichste, das Dany je berührt hat. Illyrio möchte sie mit Gold und Juwelen überhäufen, damit sie wie eine Prinzessin aussehen wird. Und scheinbar ist sie genau das auch.


Eine Prinzessin, dachte Dany. Sie hatte schon vergessen, wie es war. Vielleicht hatte sie es nie wirklich gewusst. (S. 32)



Ob nun Prinzessin oder nicht. Eines ist Dany wohl ganz sicher nicht: einfach gestrickt. Denn sie ist sich sehr wohl darüber bewusst, dass jede Leistung, vor allem in jenem Ausmaß, eine Gegenleistung erfordert, weshalb sie ihren Bruder fragt, was sich Illyrio davon verspricht. Und das ist erstaunlich, liebe Freunde, weil das Mädchen gerade mal 13 Jahre alt ist. Ich war mit 13 sicherlich noch nicht so pfiffig.
    Viserys erklärt ihr, dass er bald auf dem Thron sitzen wird und es Illyrio dann zugutekommt, die Geschwister bei ihm Zuhause bewirtet zu haben. Oho, wird das Kapitel also doch noch interessant?
    Dany bestätigt mir noch einmal meinen ersten Eindruck über sie und wirkt zurückhaltend. Illyrio sei ein Händler, der zwar Freunde in allen neun Freien Städten, in Vaes Dothrak und jenseits der Jadesee, doch sie ist nicht überzeugt.


Außerdem hörte man, er habe nie einen Freund gehabt, den er nicht mit Freuden für den angemessenen Preis verkauft hätte. (S. 32)



Na, das klingt doch mal nach einem wirklich netten Mann! Gut so, Dany, immer schön skeptisch bleiben.
    Es bleibt auch nicht aus, dass wir zu Viserys ein paar Details erfahren. Er wird als junger Mann beschrieben, mit blasslilafarbenen Augen und nervösen Händen. Neben der außergewöhnlichen Augenfarbe sticht aber etwas anderes mindestens genauso deutlich hervor: Viserys ist cholerisch veranlagt.


Sein Zorn, einmal entfacht, wütete furchtbar. Viserys nannte es »den Drachen wecken«. (S. 33)



Und wieder punktet Dany mit Cleverness, denn sie unterlässt es, ihrem Bruder zu widersprechen, um ihn nicht unnötig zu reizen. Ich erwische mich dabei, eine erste, tiefergehende Sympathie für die Kleine zu entwickeln.

Viserys unterrichtet Dany darüber, dass ihre Sklavinnen zeitnah kommen würden, um sie zu baden. Es tut mir furchtbar leid, das sagen zu müssen, aber bei folgendem Szenario konnte ich mir kein Lachen verkneifen.


»[…] Achte darauf, dass sie den Stallgestank abwaschen. Khal Drogo besitzt eintausend Pferde, aber heute Abend will er etwas anderes besteigen.« (S. 33)



Natürlich möchte ich Sex mit 13-Jährigen nicht glorifizieren. Es war lediglich Situationskomik, die ich an dieser Stelle des Buches beim besten Willen nicht erwartet hatte.
    Doch nach dem kleinen Lacher folgt die wohl unangenehmste Szene des Buches (bisher, bitte topp‘ das nicht, George). Denn Viserys nimmt seine Schwester genau unter die Lupe, mahnt sie, sich gut zu präsentieren und – fasst ihr an die Brüste? Kotz, würg. Ich, als kleine Schwester, muss den Brechreiz hart zurückhalten und bin meiner leichten Aphantasie zum ersten Mal dankbar. Und ich muss leider zugeben, dass dieser Abschnitt sogar recht anschaulich geschrieben ist. Und nein, ich zitiere euch das hier ganz sicher nicht.
    Dany, ganz devot, bestätigt Viserys, dass sie ihn nicht enttäuschen wird, was ihren Bruder glücklich stimmt.


»Wenn man die Geschichte meiner Regentschaft schreibt, süßes Schwesterchen, wird es heißen, sie habe in der heutigen Nacht begonnen.« (S. 33)



Also, ich weiß ja nicht wie es euch damit geht, aber diesen jungen Mann würde ich ungern auf einem Thron sehen und ehrlich gesagt möchte ich nicht wissen, was er noch vorhat, um dieses Ziel zu erreichen.
    Aber George erspart uns, mehr von diesem überaus gütigen König in spe zu erfahren, indem er Viserys von der Bildfläche verschwinden lässt. Das stimmt offenbar auch Dany recht froh, die sich etwas zu entspannen scheint.
    Seid so gut und lasst mich einen kleinen Absatz zitieren, der mir besonders gut gefallen hat.


Die quadratischen Steintürme von Pentos zeichneten sich schwarz gegen die untergehende Sonne ab. Dany konnte den Gesang der Roten Priester hören, als diese die Nachtfeuer entzündeten, und das Geschrei zerlumpter Kinder, die unter den Mauern des Anwesens spielten. Einen Moment lang wünschte sie, sie könnte dort draußen bei ihnen sein, barfuß und atemlos und in Fetzen gekleidet, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft und ohne dieses Fest, an dem sie in Khal Drogos Villa teilnehmen sollte. (S. 33)



Traumhaft, oder? Süffisant, ganz leicht, und malerisch zugleich, kriegen wir ein unheimlich detailliertes Bild der Szenerie. Ich fühle mich, als sei ich bei Dany, als erlebe ich jenen Augenblick gemeinsam mit ihr. Komisch, aber ich habe gerade eine unbändige Lust, dieses Buch noch einmal auf Englisch zu erleben, denn ich bin unheimlich neugierig geworden, wie George sein Werk im Original umgesetzt hat. Vielleicht mache ich das ja mal. Sobald ich mit den 5 deutschen Teilen durch bin.
    Aber auch an dieser Stelle, ganz Martin-Manier, wird mit keinem Wort bedacht, wer dieser Khal Drogo eigentlich ist. Stattdessen lässt uns Dany wissen, dass unser bisheriger Schauplatz, Westeros, von ihr aus gesehen jenseits der Meerenge liegt. Es wird als lebendiges, grünes Land geschrieben und ich würde euch am liebsten gleich wieder einen ganzen Absatz zitieren – denn er ist außerordentlich gut geschrieben. Wenn ich diesem Drang aber stets wahllos nachgehen würde, bestünde dieses gesamte Projekt einzig und allein aus Zitaten. Das ist ja auch nicht Sinn der Sache.
    Jedenfalls nennen die Dothraki jenes Land Rhaesh Andahli, oder auch zu Deutsch Das Land der Andalen und ich werde das Gefühl nicht los, dass Dany ziemlich weit von Brans und Catelyns Heimat entfernt ist. Und darüber hinaus: offenbar auch ihrer eigenen.
    Der folgende Absatz bringt sogar auch etwas Klarheit in die Prinzessinnen-Aussage vom Anfang des Kapitels.


»Unser [Land], des Blutrechts wegen, durch Verrat von uns genommen, dennoch unser, auf ewig unser. […]« (S. 33)



Ohja, das Kapitel ist noch interessant geworden. Der böse, böse Robert ist also zu Unrecht König, habe ich das richtig verstanden?
    Doch im Gegensatz zu Viserys hat Dany keinerlei Erinnerung an ihr Heimatland. Es folgt ein unheimliches Schauplatz-Name-Dropping, von denen man tatsächlich fast alle auf der Karte anfinden kann, wenn man sich das Wo-ist-Walter-Suchspiel echt antun möchte (Casterlystein, Hohenehr, Rosengarten, das Grüne Tal von Arryn, Dorne, die Insel der Gesichter). Falls sich einer unter euch diesem Wimmelbild stellen möchte – ihr wisst ja, wo ihr die Karte finden könnt¹.


Viserys war ein Junge von acht Jahren gewesen, als sie aus Königsmund fliehen mussten, um den vorrückenden Armeen des Usurpators, des Thronräubers, zu entkommen, doch Daenerys hatte noch nicht einmal den Bauch ihrer Mutter gewölbt. (S. 34)



Interessant, höchst interessant. Da habe ich doch glatt ein neues Wort gelernt: Usurpator. Und da George meinen blutjungen Lernfortschritt natürlich mit Vergnügen fördern möchte, kommt diese frisch aufgeschnappte Vokabel von nun an des Öfteren mal vor. Ich würde fast sagen häufig. Ich würde fast sagen kontinuierlich. Danke, George, es ist selbst durch meine grauen Zellen durchgesickert.
    Interessant aber auch, weil wir uns schlussfolgernd selbst errechnen können, dass Viserys nun in etwa 21 oder 22 Jahre alt sein muss, je nachdem, wann Dany geboren wurde. Ich habe diesbezüglich schnell mal Google Zurate gezogen und habe erstaunlicherweise keinerlei genaue Angaben zu dieser Frage gefunden. Schade eigentlich.
    Und, ganz nebenbei bemerkt, Dany wird zum ersten Mal mit ihrem vollen Namen tituliert. Warum genau ist mir schleierhaft, aber ich wollte es mal erwähnt haben.

Ferner erinnert sich Dany an das, was ihr Bruder von der Eroberung des Usurpators zu berichten wusste. Rhaegar, der gemeinsame Bruder, überlebte den Thronsturz nicht und auch seine Frau und der gemeinsame Sohn kamen dabei ums Leben. Währenddessen floh Danys Mutter gemeinsam mit Viserys und schwanger mit Dany nach Drachenstein. Das ist ebenfalls eine Insel in Westeros, nicht weit von Königsmund entfernt. Ein Wunder, dass sie laut Viserys‘ Erinnerungen dort mindestens neun Monate, bis zu Dany Geburt, ausharren konnten.


Die polierten Schädel der letzten Drachen, die blicklos von den Wänden des Thronsaals starrten, während der Königsmörder des Vaters Kehle mit goldenem Schwert durchschnitt. (S. 34)



Jetzt wird doch langsam ein Schuh draus. Ich fasse noch einmal zusammen: Robert hat in einem Aufstand gemeinsam mit den Straks und Lennisters den Thron an sich gerissen, wobei Danys Vater, der König, sowie ihr Bruder samt Frau und Kind ums Leben kamen. Damit ist sie strenggenommen eine Prinzessin.

Nach dieser überaus aufschlussreichen Erinnerung erfahren wir auch einiges über Danys Geburt. An jenem Tag wütete ein furchtbarerer Sommersturm und während Dany das Licht der Welt erblickte, starb ihre Mutter, wofür Viserys seiner kleinen Schwester die Schuld zurechnet. Was stimmt denn nicht mit diesem Charakter?
    Wieder einmal möchte George meinen Sachverstand herantreiben, indem er meinen Wortschatz mit einer neuen Errungenschaft speist: Garnison. Für diejenigen unter euch, die, ganz wie ich, keine Ahnung haben, was das jetzt schon wieder sein soll, bediene ich mich mal ganz frech an der Duden-Definition.

1. Standort einer [Besatzungs]truppe
BEISPIELE
- in Garnison liegen, legen
- die Garnison verlassen
- die Truppe ist jetzt in der Garnison


2. Gesamtheit der an einem Standort stationierten [Besatzungs]truppen
BEISPIELE
- die Garnison rückte zum Manöver aus
- eine Stadt mit einer Garnison belegen


Danke, Duden, ich werde heute ruhig schlafen können. Aber was ist denn jetzt mit der Garnison, fragt ihr euch? Tja, die Garnison, Drachenstein, war ihr letzter Besitz, den sie gezwungenermaßen an den Usurpator (Seht ihr? Selbst ich benutze die neue Vokabel schon feuchtfröhlich) verkaufen wollten.
    Doch leider machte ein gewisser Willem Darry diesem Plan einen Strich durch die Rechnung, indem er die beiden Kinder samt Amme nach Braavos verschleppte. Allerdings mit gar nicht mal so schlechten Absichten, wie mir scheint. Dany weiß nur Gutes von ihm zu berichten, denn er beherbergte die beiden und behandelte sie stets gut, ganz im Gegensatz zu Viserys. Doch auch Ser Willem sollte das Zeitliche segnen, indem er einer Krankheit erlag.
    Damit verloren die Kinder ihr festes Dach über dem Kopf und waren gezwungen, vom einen Ort zum anderen zu fliehen, da Viserys es nirgends für sicher genug befand.


Die gedrungenen Messerstecher des Usurpators waren ihnen dicht auf den Fersen, so sagte er, obwohl Dany nie einen von ihnen zu Gesicht bekam. (S. 35)



Darf ich noch einmal darauf hinweisen, dass Dany nicht gerade ein Dummchen ist? Beim ersten Lesen habe ich das Ganze für absolut selbstverständlich genommen, vielleicht, weil ich Dany serienbedingt älter in Erinnerung habe und es mir schwer fällt, sie mir als dreizehnjähriges Kind vorzustellen, aber das ist ganz und gar nicht selbstverständlich. Mein erster Eindruck von ihr ist erstaunlicherweise wirklich gut! Später mehr dazu im Serienvergleich.

Jedenfalls hatten es die Targaryen-Kinder es anfangs noch recht leicht, temporäre Unterschlupfe zu finden, doch je länger Robert (Schluss mit dem Usurpator-Gerede!) auf dem Thron saß, desto weniger waren die Menschen bereit, den Waisen zu helfen.
    Aber Viserys ist davon überzeugt, dass sie sich eines Tages alles zurückholen, was ihnen genommen wurde. Danys Träume sind etwas bodenständiger, weil sie sich lediglich das Haus zurückwünscht, in dem sie mit Willem Darry gelebt hatten. Das Haus mit der roten Tür. Na mal schauen.

Es klopft an der Tür, womit der kleine, aber feine Rückblick nach eineinhalb Seiten dann auch sein Ende findet. Wie angekündigt handelt es sich bei Danys Besuch um zwei Dienerinnen. Oder Sklavinnen, wenn wir pingelig sein wollen. Eine alt und still und die andere jung und quirlig. Die beiden verhelfen Dany zu ihrem Bad, das offenbar noch kochend heiß ist, was Dany nicht im Geringsten stört.


Sie mochte die Hitze. Sie gab ihr ein Gefühl von Sauberkeit. Außerdem hatte ihr Bruder ihr oft genug erklärt, nichts sei zu heiß für eine Targaryen. »Wir sind das Geschlecht des Drachen«, sagte er dann. »Das Feuer liegt uns im Blut.« (S. 36)



Ohja, man merkt, dass die beiden aus Westeros stammen. Diese Sache mit den Wappentieren hat wirklich etwas. Ich sollte in unserer Familie auch etwas Vergleichbares einführen, doch fürchte ich, wären wir dann das Geschlecht des Faultieres.
    Die junge Dienerin plappert einfach drauf los und lässt nicht nur Dany wissen, dass sie sich glücklich schätzen könne. Schließlich sei Drogo ein reicher Mann, mit hunderttausend Reitern in seinem Khalasar und einem Palast in Vaes Dothrak. Doch Dany blieb still. Schließlich war sie stets davon ausgegangen, dass sie eines Tages Viserys heiraten würde – bitte was?


Jahrhundertelang hatten bei der Targaryen Bruder und Schwester geheiratet, seit Aegon der Eroberer seine Schwester zur Braut genommen hatte. Die Linie muss rein bleiben, hatte Viserys ihr tausen Mal erklärt. (S. 36)



Meine natürliche Neugier schreit in mir, ich solle den Artikel zu Inzestfolgen weiter durchlesen, der sich wie von allein auf meinem zweiten Bildschirm geöffnet hat, aber lassen wir das mal lieber. Unterschwellig frage ich mich aber schon noch, ob Viserys deshalb womöglich so missraten ist.
    Jedenfalls sei es nicht üblich, dass Targaryens sich mit minderwertigeren Menschen paaren (Kein Witz, das steht da wirklich). Dennoch hatte Viserys eingewilligt, seine Schwester zu verkaufen.
    Die Sklavinnen hübschen Dany auf, kleiden sie an und schmücken sie mit zig verschiedenen Sorten Schmuck, sodass sie in meiner Vorstellung aussehen muss wie ein Weihnachtsbaum. Dabei sammeln sich auch endlich so viele Informationen über ihr Äußeres, dass es sich endlich lohnt, selbst ein paar Worte dazu zu verlieren. Sie hat veilchenblaue Augen und langes, silbernes Haar. Außerdem scheint sie recht schlank zu sein.
    Als sie dann fertig dekoriert ist, wirft sie schließlich einen Blick in den Spiegel, was mich wieder zu Google greifen lässt. Ich hatte wirklich keine Ahnung, seit wann es Spiegel überhaupt gibt und da Game of Thrones (Ist das jetzt ein Spoiler?) ja eher im Mittelaltersetting spielt, wollte ich lieber auf Nummer Sicher gehen. Da laut Wikipedia die ersten Spiegel aber bereits etwa 3000 vor Christi benutzt wurden und das Mittelalter aus gleicher Quelle zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert anzusiedeln ist, halte ich lieber wieder meine Klappe.
    Dany gesellt sich zu ihrem Bruder und Illyrio, der nun endlich auch seinen Auftritt bekommt.


Für einen derart massigen Mann bewegte er sich erstaunlich anmutig. Unter losen Gewändern aus flammenfarbener Seide wackelten Ringe aus Fett. Gemmen glitzerten an allen Fingern, und sein Leibdiener hatte ihm den gelben Gabelbart geölt, bis er wie reines Gold schimmerte. (S. 37)



Ich komme heute wirklich nicht von Google weg, weil ich ungebildetes Ding wirklich keinen Schimmer habe, wie ein Gabelbart aussieht. Tut mir den Gefallen und jagt den Ausdruck selbst mal durch die Suchmaschine eures Vertrauens. Sagen wir es so: Ich bin noch immer nicht wirklich schlauer als vorher.
    Illyrio ist ganz verzückt von Dany, während Viserys wieder etwas auszusetzen weiß. Außerdem äußert er seine Bedenken, dass Dany womöglich zu jung für den Khal sein könnte, was Illyrio allerdings ablehnt. Immerhin habe sie ja schon ihre Blutungen. Widerlich. Ich bin mal gespannt, wie alt denn unser guter Drogo überhaupt ist.
    Viserys und Illyrio diskutieren kurz über etwas absolut Belangloses (Wirklich. Kaum der Rede wert), wobei erneut klar wird, wie hitzköpfig Danys Bruder eigentlich ist. Anschließend steigt die Gesellschaft in einen Palakin – ja, das Wort habe ich heute ebenfalls gelernt – der nun endlich  Drogos Anwesen ansteuert.
    Auf dem Weg dorthin lässt Viserys Dany an seinen Träumereien teilhaben. Nun wird auch endlich deutlich, zu welchem Preis er seine Schwester verkauft: Er braucht eine Armee. Etwa zehntausend Dothraki benötigt er grobgeschätzt, was erstaunlicherweise nicht mal das gesamte Khalasar Drogos ausmacht, wie Viserys zu berichten weiß. Außerdem hofft er auf die Unterstützung der Häuser Tyrell, Rothweyn, Darry, Graufreud und die Dornischen.
    Graufreud – da klingelt doch was! Und den Namen Darry durften wir ja jüngst auch kennenlernen. Jedenfalls ist Viserys überzeugt, dass er von jenen Familien Unterstützung erwarten kann.
    Auch Illyrio ist davon überzeigt, dass die meisten Einwohner Westeros‘ nur darauf warten, dass die Targaryens das zurückerobern, was ihnen rechtmäßig zusteht, sollte man seinen Spionen trauen.


Dany hatte keine Spione, keine Möglichkeit, in Erfahrung zu bringen, was irgendwer jenseits der Meerenge tat oder dachte, doch sie misstraute Illyrios schmeichlerischen Worten, wie sie allem misstraute, was Illyrio anging. (S. 38)



Wieder ein fantastisches Beispiel für meine These. Viserys ist das Naivchen. Er lässt sich Honig ums Maul spielen und frisst genau das, was man ihm vorsetzt, während seine kleine Schwester aufmerksam und kritisch hinterfragt, ob etwas hinter den Schmeicheleien stecken könnte.
    Viserys hingegen schwört, Robert zu erschlagen, um Rhaegars Tod zu rächen, und zusätzlich den Lennister, den Königsmörder, der seinen Vater auf dem Gewissen hat.
    Darauf kommt unser Grüppchen an seinem Ziel an. Am Tor werden sie von einem der Unbefleckten in Empfang genommen und es scheint für einen Augenblick so, als fürchte sich Viserys. Es folgt etwa eine Viertelseite ohne nennenswerten Inhalt (Sie werden zum Anwesen durchgewunken und Illyrio erklärt, dass namhafte Gäste anwesend sein werden, die eines gewissen Schutzes bedürfen, vor allem Viserys, der ja sicherlich das Ziel von Kopfgeldjägern des Usurpators sei. Gähn. Wo ist die Action? Wo bleibt der Khal?)
    Ein Eunuch verkündet die Ankunft der frisch eingetroffenen Gäste.


»Visery aus dem Hause Targaryen, der Dritte seines Namens« […]»König der Andalen und der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Protektor des Reiches […]« (S. 40)



Momentchen mal. Ich genehmige mir mal einen Augenblick, um ein paar Seiten zurückzublättern.
    Ah, ja, ganz wie ich es mir gedacht habe. Es handelt sich hierbei um die exakt gleichen Titel, die unser guter Ned seinem Kumpel-Schrägstrich-König Robert zugesprochen hat. Also, Eins zu Eins dieselben, lediglich der Name wurde ausgetauscht. Ich wollte nur sichergehen.
    Und auch unsere gute Dany wird kaum minder prunkvoll vorgestellt.


»[…] Seine Schwester Daenerys Sturmtochter, Prinzessin von Drachenstein. […]« (S. 40)



Zugegebenermaßen – ein paar Titel weniger misst unsere gute Protagonistin ja schon, aber derart vorgestellt zu werden hat schon was.
    Zuletzt fällt auch Illyrios Name, der als Magister der Freien Stadt Pentos präsentiert wird.

Ich komme nicht umhin, euch noch einmal einen Absatz zu präsentieren, den ich besonders gut gelungen finde. Auch hier wird wieder recht gut deutlich, wie malerisch Martins Beschreibungen sein können. Aber macht euch selbst ein Bild davon.


Mondlicht bemalte die Blätter in den Farben von Knochen und Silber, während die Gäste darunter flanierten. Viele davon waren dothrakische Pferdeherren, große Männer mit rotbrauner Haut, deren hängende Schnauzbärte mit metallenen Ringen gebunden waren und deren schwarzes Haar geölt und geflochten und mit Glöckchen behängt war. (S. 40)



Unter den Gästen sind außerdem noch Banditen, Ritter, ein Roter Priester und sogar Lords anzutreffen – aber nicht eine einzige Frau außer unserer guten Dany. Kein Wunder, dass alle Blicke auf sie gerichtet sind.
    Illyrio flüstert ihr ein paar Namen wichtiger Gäste zu. Darunter ein Khal mit seinem Sohn und ein Ritter aus Westeros. Letzterer erhascht Danys Aufmerksamkeit. Illyrio erklärt, dabei handle es sich um Ser Jorah Mormont. Er habe Wilddiebe versucht als Sklaven zu verkaufen und sich Robert somit zum Feind gemacht.
    Viserys bittet, Mormont noch heute Abend sprechen zu können und wir bekommen eine recht detaillierte Charakterbeschreibung.


Er war ein älterer Mann, über vierzig, mit beginnender Glatze, doch noch immer kräftig und gesund. Statt Seide und Tuch trug er Wolle und Leder. Sein Rock war von dunklem Grün, bestrickt mit dem Bild eines schwarzen Bären, der auf zwei Beinen stand. (S. 41)



Aha, ein Berliner also.
    Spaß beiseite. Woran merkt man, dass der gute Jorah eine wichtigere Rolle spielen wird? Na, wer weiß es? Richtig. Sein Äußeres wird detaillierter als das von Dany und ihrem Bruder zusammenrechnet beschrieben. Vertraut mir, Leute. Jorah wird uns sicherlich noch eine Weile lang beglücken.
    Aber kommen wir nun endlich zum Wesentlichen. Trommelwirbel bitte! Auftritt: Khal Drogo.


Ängstlich wandte [Dany] sich um und nahm den Mann in Augenschein, von dem Viserys hoffte, dass er noch vor dem Ende dieser Nacht um ihre Hand anhalten würde. […]

Khal Drogo war noch um einen Kopf größer als der größte Mann in diesem Raum und dennoch leichtfüßig, anmutig wie ein Panther in Illyrios Menagerie. Er war jünger, als sie gedacht hatte, nicht über dreißig. Seine Haut war von der Farbe polierten Kupfers, sein dicker Schnauzbart mit goldenen und bronzenen Ringen durchflochten. […]

Sein Gesicht war hart und grausam, seine Augen kalt und dunkel wie Onyx. (S. 41)



Na, das ist doch mal eine gelungene Charakterbeschreibung.
    Wo man bei Dany und ihrem Bruder kaum den Hauch einer optischen Beschreibung serviert bekommt, könnte ich schon jetzt eine Zeichnung von Drogo anfertigen, lediglich auf Grund dieser 8 Zeilen. Ich sehe ihn quasi schon vor mir.

Illyrio sucht zunächst allein das Gespräch mit dem Khal, was Viserys die Gelegenheit bietet, Dany zu erklären, dass die Länge des Zopfes eines Dothraki darüber Auskunft gab, wie lange er keinen Kampf verloren hatte. Erlag einer seinem Gegner im Kampf, so schnitt man ihm die Haare ab, um ihn öffentlich zu demütigen. Drogos Zopf reicht bis hin zu seinen Schenkeln und Viserys weist trotz Offensichtlichkeit darauf hin, dass er dementsprechend noch keinen einzigen Kampf verloren hatte.


Ihr Bruder tat ihr manchmal weh, wenn sie den Drachen weckte, doch niemals machte er ihr solche Angst wie dieser Mann. (S. 41-42)



Arme Dany. Ich fühle mit ihr.
    Zum ersten Mal in diesem Kapitel tut sie etwas Unüberlegtes. Die Angst vor Drogo nimmt so sehr Besitz von ihr, dass sie sie ihrem Bruder gegenüber offen äußert. Sie fleht ihn an, gemeinsam mit ihr nach Hause zu gehen, was Viserys wütend stimmt. Er entgegnet entzürnt, dass man ihnen ihr Zuhause genommen hat. Er lässt sie wissen, dass er dafür sorgen würde, dass sie heimkehren würden – gemeinsam mit Drogos Armee. Und dafür ist Viserys jedes Mittel recht. Oder mit seinen eigenen Worten:


»Ich würde dich von seinem ganzen Khalasar ficken lassen, wenn es sein müsste, süßes Schwesterchen, von allen vierzigtausend Mann und von ihren Pferden auch, wenn ich dafür meine Armee bekäme. […]« (S. 42)



Ich verspüre den unbändigen Drang, Viserys ordentlich ins Gesicht zu schlagen. Und der Pokal ‚Größtes Arschloch der GOT-Reihe‘ wandert prompt an diesen widerwertigen Möchtegern-König.
    Aber, hey. Versuchen wir irgendetwas Positives in dem ganzen zu finden. Jetzt haben wir bereits eine zweite Aussage über die Größe von Drogos Khalasar. Laut Danys Sklavin handle es sich dabei ja um etwas hunderttausend Mann und ich bin mir momentan echt nicht sicher, ob sie mit dieser Behauptung etwas übertrieben hat oder ob Viserys hier einfach wahllos eine geschätzte Zahl in den Raum geworfen hat. Ich werde in Zukunft auf weitere Hinweise achten, um der offenen Frage auf den Grund zu gehen.
    Inzwischen ist Illyrio auf dem Rückweg zu den beiden Geschwistern, in Begleitung des Khals höchstpersönlich. Viserys zwingt seine Schwester, ihre Tränen wegzuwischen, um vor ihrem möglichen Gatten in spe nicht schwach zu wirken.
    Natürlich möchte ich euch den letzten Absatz nicht vorenthalten.


»Lächeln«, flüsterte Viserys aufgeregt, und seine Hand suchte das Heft seines Schwertes. »Und richte dich auf. Lass ihn sehen, dass du Brüste hast. Und bei allen Göttern, davon hast du wenig genug.«

Daenerys lächelte und richtete sich auf. (S. 42)



Ekelhaft, ekelhaft, ekelhaft.
    Ich bin so. Un. Sag. Bar. Angeekelt.
    Und wisst ihr, was ich noch bin? Unheimlich positiv überrascht. George R. R. Martin, du kleines Genie. Wie kann man so authentisch so widerliche Charaktere präsentieren, unzensiert und frech, sodass man nach knappen 10 Seiten bereits tiefen und endlosen Hass empfindet? Es ist der blanke Wahnsinn!

Mein Fazit? Dieses Kapitel ist fantastisch. Trotz holprigem Start.
    Es ist, wie immer, sehr authentisch, nervenaufreibend und triggert so Vieles in mir, dass ich zwischen den Zeilen immer mal wieder bitter schlucken musste, die Finger um den Buchrücken verkrampft habe und mir eine wilde Beschimpfung nach der anderen durch den Kopf gejagt ist.
    Kurzum: Ich liebe es! Bitte mehr davon.


Ich bin nur nicht ganz sicher, ob die gute Daenerys in dem Serien-Pendant so häufig mit ihrem Kosenamen bedacht wurde, aber ich musste unweigerlich an den Moment denken, in dem Jon darauf bestanden hat, sie Dany zu nennen (8. Staffel?). Als Antwort ließ sie uns wissen, dass sie ja seit Ewigkeiten niemand mehr so genannt hatte, was mich beim ersten Gucken mehr als nur verwirrt hat. Inzwischen habe ich die erste Staffel schon ein zweites Mal gesehen und kann zumindest bestätigen, dass Viserys ihren Namen mindestens einmal abgekürzt hat.
    Im Buch hingegen ist sie Dany. Punkt. Und das hat natürlich einen wesentlich kindlicheren Charme, der mit ihrem genannten Alter auch sehr gut einhergeht. In der Serie hingegen wurde ja auch sie ein wenig älter geschummelt.

Um noch einmal meinen Punkt von vorhin aufzugreifen: Warum es mich generell wundert, dass ich schon so früh Sympathie für Dany empfinde, ist recht simpel. Ich mag sie nicht. Ich fand es unheimlich schwierig, in der Serie warm mit ihr zu werden, was nicht mal unbedingt mit ihrem schändlichen Ende zu tun hatte.
    Nein, ihr Handlungsstrang war schlicht und ergreifend für mich zumindest zeitweise der langweiligste. Es ist mein Ernst, liebe Freunde, es gab Szenen, in denen ich mit den Augen gerollt habe, als das Geschehen in Meereen wieder aufgegriffen wurde. Dany war mir oft zu radikal und hitzköpfig und ich bin sehr gespannt, ob zumindest hier mein anfänglicher Eindruck von Buch-Dany weiterhin beständig bleibt. Es würde mich durchaus freuen.

Und, dürfte ich für einen Moment meinen distanziert professionellen (hahahaha) Schreibstil ablegen? Ahhhhh, Jorah, Jorah, Jorah! Das hat zwar nichts mit einem direkten Serienvergleich zu tun, aber ich möchte unheimlich gerne anmerken, wie sehr ich mich auf so manch einen Charakter freue – und Jorah ist definitiv einer von ihnen. Ich musste schon mehr als nur ein wenig schmunzeln, als sein Name zum ersten Mal fiel und ich kann es kaum erwarten, dass er uns endlich richtig vorgestellt wird.

Aber bis dahin müssen wir uns wohl oder übel noch ein klein wenig gedulden. Denn der nächste POV-Charakter-Name fällt mir bereits ins Auge und ich kann euch schon mal soviel verraten, dass wir dort auf mindestens ein bekanntes Gesicht stoßen werden.





_______

Die aktuelle Charakter-Statistik
Charakter-Counter bei Kapitelende: 39
Davon tot: 9


¹ Ich verlinke euch die beiden Teile noch einmal im Vorwort ganz oben, damit ihr in Zukunft nicht immer das Kapitel suchen müsst.


A/N: Aaaah, Freunde.

Ich bin so enttäuscht, dass ich meine selbstgesteckten Upload-Pläne nicht einhalten kann. Wie bereits geteasert ist vor fast zwei Wochen ein kleiner Welpe bei uns eingezogen, der mir kaum eine freie Sekunde für meine Schreibprojekte lässt. Ich hoffe sehr, ihr könnt dafür etwas Verständnis aufbringen. Ich schreibe so oft und so schnell ich kann – versprochen. Aber natürlich möchte ich euch auch nichts Liebloses vor die Füße spucken. In jedem dieser Kapitel steckt viel Liebe, einiges an Recherche und Herzblut, was nun mal seinen Tribut kostet. Und das ist in erster Linie Zeit. Und Zeit habe ich leider nicht sonderlich viel.

Trotzdem bemühe ich mich, das nächste Kapitel schnellstmöglich voranzutreiben und beantworte natürlich auch noch das offene Review sobald ich mal eine ruhige Minute finde.

Falls ihr in diesem Kapitel Fehler jeglicher Art finden solltet, lasst es mich ruhig wissen. Bei fortschreitender Müdigkeit lässt es sich recht schwer Gegenlesen, aber ihr habt euch das neue Kapitel nun mal verdient.

Sehr, sehr, sehr viele liebe Grüße gehen raus an euch. Ich hoffe, ihr habt eine stressfreiere Woche.



bis dann oder irgendwann (und hoffentlich bald),



505


P.S.: Neuigkeiten zu geplanten Uploads findet ihr recht up to date auf meinem Profil. Wer gerne auf dem neusten Stand über kommende GOT-Kapitel-Uploads bleiben möchte, sollte auf jeden Fall ab und an mal dort vorbeischauen :)
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