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Let’s Read: »Game of Thrones – Der Winter naht«

von 505
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
11.05.2019
12.07.2019
5
13.452
2
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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13.05.2019 1.763
 
Prolog
(S. 5-15)




Mich fasziniert schon seit geraumer Zeit, mit welchen Worten Autoren ihre Geschichten beginnen lassen. In George R. R. Martins Fall zeigt sich wunderbar, dass es eigentlich völlig egal ist, wie du startest, solange es gut umgesetzt wird.
Denn wir werden direkt und mithilfe der wörtlichen Rede ins Geschehen geschmissen. Das war für mich zunächst merkwürdig, aber man kommt doch erstaunlich schnell in den Lesefluss. Man sieht also, dass diese Methode definitiv funktionieren kann.


»Wir sollten umkehren« (S. 5)



Diese drei Worte werfen schon in der ersten Zeile ein düsteres Setting auf. Sie stammen von einem der drei Charaktere, die unseren Prolog dominieren: Gared. Er ist, wie wir erfahren, ein älterer Mann, der mit seinem Vorgesetzten, dem wesentlich jüngeren Ser Weymar Rois, zu diskutieren beginnt. Rois wiederum kann seinen Beweggrund offensichtlich nicht nachvollziehen und macht sich statt Gareds Bedenken ernst zu nehmen über diesen lustig.


»Beraubt dich die Dunkelheit deiner Manneskraft, Gared (S. 5)



Platz nimmt das Szenario an einem Ort, der als Verfluchter Wald beschrieben wird. Er befindet sich hinter der Mauer. Was diese Mauer und auch die sogenannte Nachtwache, bei der alle unserer Charaktere arbeiten, aber genau ist, wird uns vorerst nicht verraten.

Stattdessen werden wir mit dem Dritten im Bunde vertraut gemacht. Will, ein Jäger, der seit vier Jahren Bruder der Nachtwache ist, soll einen interessanten Fund gemacht haben. Ergänzend muss man erwähnen, dass die Männer nicht ohne Grund durch die eisige Natur schlendern.


Neun Tage waren sie geritten […] hart auf den Fersen einer Bande von Wildlingen (S. 6)



Und natürlich wird auch dieser Begriff nicht erklärt, ist aber so ziemlich der einzige, mit dem man vermutlich gut etwas anfangen könnte, sollte man nicht zufällig schon einmal in die Serie hineingesehen haben. Es handelt sich offenbar um eine Gruppierung aus Männern und Frauen, die jenseits der Mauer lebt und keinen festen Wohnsitz hat.

Auf einem Ausritt soll Will dessen Leichen in ihrem Lager gesehen haben.
    Das reicht Gared völlig aus, da es zunehmend kälter wird und er darauf hinweist, dass sie den gesamten Weg auch wieder zurückreiten müssen. Rois hingegen ist noch nicht gänzlich überzeugt. Er lässt sich noch einmal detailliert erklären, wie Will die Körper am Boden liegend in einiger Entfernung von ihrem Standpunkt aufgefunden hat, allesamt auf den ersten Blick unversehrt. Als Gared das hört, stellt die Vermutung auf, dass sie erfroren sein könnten. Leider keine sonderlich fundierte Theorie.


»[…] Menschen in Fell und Leder, wenn ich dich erinnern darf, mit Obdach in der Nähe und der Möglichkeit, ein Feuer zu machen.« (S. 9)



Ich sag‘ es nur ungern, aber da hat der gute Rois es Gared aber richtig gezeigt. Er fordert die Anderen auf, die Stelle noch einmal zu besuchen, um sich die Toten selbst anzusehen.
Der Tag neigt sich derweilen dem Ende und Gared hat ja mal so richtig Bock in die falsche Richtung zu Reiten, muss sich aber leider der Anweisung seines Vorgesetzten fügen.
    Ein Stück abseits des Lagers leitet Will seine Begleiter an, von ihren Pferden zu steigen, um das letzte Stück zu Fuß zu gehen. Gared äußert seine Bedenken, da er ein ungutes Gefühl hat und auch Will kann nicht leugnen, dass an der ganzen Sache irgendetwas faul ist.


Will konnte es spüren. Vier Jahre war er bei der Nachtwache, und noch niemals hatte er sich so sehr gefürchtet. Was war das? (S. 10)



Die düstere Atmosphäre spitzt sich etwas zu. Martin scheint ein sehr gutes Händchen zu haben, was das bildhafte Beschreiben der einzelnen Szenen betrifft.

Obwohl sämtliche Horrorfilme uns bereits eingetrichtert haben, dass das eine sehr dumme Idee ist, spaltet sich die Gruppe auf. Gared bleibt bei den Pferden zurück, während Rois sich von Will zu dem Lager führen lässt. Wir erfahren beiläufig, dass Rois zwar ein sehr schönes und edles Schwert besitzt, aber offenbar deutlich weniger Kampferfahrung als seine Begleiter.
Auf dem Aussichtspunkt, den Will ohne Probleme wiederfindet, macht er schließlich eine erschreckende Entdeckung.


Ihm stockte das Herz. […] Alles war genau so, wie er es noch wenige Stunden zuvor verlassen hatte. Nur war keiner mehr da. Alle Leichen waren verschwunden. (S. 11)



Der erste Plottwist.
Ja, doch. Ich kann mir ganz gut vorstellen, dass das den Erstleser ganz schön kalt erwischt. Jedenfalls spitzt sich die Spannung so langsam ganz gut zu.

Auch der gute Will ist nun panisch, während Rois tatsächlich anfängt zu lachen. Er geht davon aus, dass die Wildlinge ihr Lager an einem anderen Punkt aufgeschlagen haben müssen, also fordert er Will auf, einen Baum hinaufzuklettern, um nach irgendwelchen Hinweisen Ausschau zu halten. Ohne Widerworte fügt sich Will und versucht mühsam gegen den Wind anzukommen.

Wieder einmal werden wir mit einem unkommentierten Ausdruck bombardiert.


[…] Rascheln des Laubs, das eisige Rauschen des Bachs, der ferne Schrei einer Schneeeule. Die Anderen machten kein Geräusch. (S. 12)



Hmm, also ich bin ehrlich mit euch. Nach acht Staffeln Game of Thrones musste ich Google zu Rate ziehen, um zu erfahren, wer damit gemeint sein könnte. Und jetzt bin ich noch verwirrter als vorher. Aber kommen wir am Ende des Kapitels noch einmal darauf zurück.


Aus dem Augenwinkel bemerkte Will eine Bewegung. Fahle Formen glitten durch den Wald. (S. 12)



Jetzt wird es also ernst. Etwas scheint in der Nähe unserer beiden Charaktere zu sein, doch Will zweifelt an seiner Entdeckung, weshalb er Rois keinen Bericht erstattet. Allerdings bemerken beide, dass es wesentlich kälter geworden ist und sogar Rois wird nun unruhig. Zurecht, denn ein Schatten tritt auf ihn zu.


Hoch ragte er vor ihm auf, hager und hart wie alte Knochen, mit Haut so weiß wie Milch. (S. 12)



Und spätestens an dieser Stelle wird klar, dass Rois hier keinem Menschen entgegentritt. Die Kreatur trägt eine Rüstung, die die Farbe verändern kann, was ihr eine optimale Tarnung garantiert, und eine spezielle, dünne Waffe, die aus keinem dem Menschen bekannten Metall geschmiedet ist. Nun ist erneut die Rede von dem Anderen und die Verwirrung hält sich wieder in Grenzen.

Rois stellt sich der Kreatur entgegen, während Will vom Baum aus alles beobachtet. Dabei fallen vor allem die eisblauen Augen des Anderen auf, die als unmenschlich und kalt beschrieben werden. Er beobachtet außerdem, wie weitere der Kreaturen in einiger Entfernung und außerhalb Rois‘ Blickwinkel erscheinen.

Will warnt ihn nicht, weil er sicher ist, dass er in diesem Fall sterben würde. Unterhalb des Baumes beginnt nun der Kampf. Rois gelingt trotz mangelnder Erfahrung, seinen Gegner eine Weile in Schach zu halten. Die Begleiter des Anderen eilen diesem dabei nicht zur Hilfe, genauso wenig, wie Will einschreitet.


Dann kam Rois‘ Parade um einen Herzschlag zu spät. (S. 14)



Trotz bitterer Verletzung startet Rois einen letzten Angriff mit den Worten „Für Robert“, der aber spielend leicht von seinem Gegner pariert wird. Dabei gibt sogar das Schwert des Kommandanten nach, dessen Qualität wenige Seiten zuvor noch so gelobt wurde.

Es kommt, wie es kommen muss. Wir werden Zeuge vom allerersten Tod des Buches. Ja, der liebe Rois hat gerademal 14 Seiten überlebt und wurde nicht älter als 18, wie wir auf Seite 6 erfahren.
Aber mit seinem Tod ist noch längst nicht alles vorbei.

Will harrt eine Weile auf dem Baum aus, starr vor Angst. Als er die Augen öffnet, sind die Kreaturen wieder verschwunden, weshalb er schließlich den Baum hinabklettert, um Rois‘ Leiche anzusehen und dessen zerbrochenes Schwert als Beweis für ihre unglaubliche Begegnung zu bergen.

Er will sich auf die Suche nach Gared machen, woraus aber leider nichts wird. Denn vor seinen Augen steht Rois‘ Leiche wieder auf. Nur dieses Mal mit blauen Augen.




Und damit endet unser Prolog. Ein wirklich spektakulärer Auftakt, falls ihr mich fragt. Neben den bereits erwähnten, bildhaften Beschreibungen möchte ich vor allem anmerken, wie viel wir unterm Strich über unsere Charaktere erfahren.
Die wirklich wichtigen Informationen habe ich für euch bereits zusammengefasst, aber das ist bei weitem nicht alles. Zum Beispiel wird erwähnt, dass Gared durch die Kälte beide Ohren, einen Finger und ein paar Zehen verloren hat. Oder dass Will wegen unerlaubtem schießen eines Hirschs die Wahl zwischen der Nachtwache oder dem Verlieren einer Hand hatte.

Das sind nur wenige Beispiele, die mir so spontan im Kopf geblieben sind. Für diejenigen, die die Staffeln bereits gesehen haben, ist das nichts neues, aber es ist wirklich erstaunlich, wie detailliert auch diese Nebencharaktere, die so früh schon das zeitliche segnen müssen, ausgearbeitet sind. Das hat meiner Meinung nach große Anerkennung verdient, was sicherlich jeder, der schon einmal eine eigene Welt erschaffen hat, bestätigen würde.




Wie bereits angekündigt möchte ich auch auf die prägnanten Unterschiede zur Serie eingehen. Tatsächlich muss ich sagen, dass die Umsetzung des Auftakts gar nicht mal so schlecht gestaltet ist. Weil ich die allererste Folge von Game of Thrones bereits vor einer Weile gesehen habe und sie mir deshalb nicht mehr deutlich in Erinnerung war, habe ich mir diese Szene noch einmal auf YouTube angesehen.
Zwar befinden sich unsere Charaktere dort in unmittelbarer Nähe zur Mauer, während im Buch von einer acht- oder neuntägigen Rückreise der Fall ist und außerdem hat man den Anderen dort ein Kind dazu gedichtet, vermutlich um die Dramaturgie voranzutreiben, aber ansonsten ist mir kaum etwas aufgefallen.
Die einzige offensichtliche Änderung ist, dass diese Wildlinge gewaltsam getötet wurden. Im Buch ist davon die Rede, dass sie aussahen, als könnten sie auch ebenso gut schlafen. Aber auch hier schätze ich mal, dass die Dramatik im Vordergrund stehen sollte. Oder, dass man so besser erkennen kann, dass die Wildlinge auch wirklich tot sind.

Ach, und bevor ich es vergesse: Meine Verwirrung. Nun, die kommt daher, dass ich davon ausgegangen bin, dass Rois und Will keine Ahnung haben, dass die 'Anderen', beziehungsweise die White Walker, überhaupt (wieder) existieren. Dieses Erstaunen wird im Buch nicht mal angedeutet, während es in der ersten Folge GoT ja durchaus dramatisiert wurde - ohne großartig etwas vorwegnehmen zu wollen, was womöglich noch in den kommenden Kapiteln behandelt wird. Vielleicht wird da noch ein bisschen Klarheit geschafft. Wir werden es lesen.


Wie dem auch sei. Alles in allem finde ich den Prolog sehr gelungen. Er macht definitiv Lust auf mehr und ich kann es kaum erwarten, bald bedeutenderen Charakteren gegenüberzustehen. Deshalb will ich mich auch gar nicht weiter mit der Analyse beschäftigen, sondern gleich mit dem ersten Kapitel fortfahren.


_____
A/N:

Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge und Vergleichbares dürft ihr mir selbstverständlich gerne zukommen lassen. Ich hoffe, ihr hattet ansatzweise so viel Freude an der ersten Seiten, wie ich ^^ Ich bemühe mich, schnell mit dem Schreiben fortzufahren, obwohl mir erst beim Kommentieren des Prologs aufgefallen ist, wie viel Arbeit mir noch bevorsteht, haha. Also, hoffentlich liest man sich zeitnah.

Macht es gut, Leute
bis dann oder irgendwann,

505
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