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Aufbruch in ein neues Leben ~ von Kim Sunshine ~

von Lucy Monk
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Anne de Bourgh Caroline Bingley Colonel Fitzwilliam Mary Bennet OC (Own Character)
11.05.2019
31.01.2021
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Aufbruch in ein neues Leben

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~ von Kim Sunshine ~


Vorab-Bemerkungen:

Diese FF wurde von meiner Schwester Kim (hier unter "Kim Sunshine" zu finden) begonnen, jedoch leider nicht fertig gestellt. Kim ist mit ihrer Familie umgezogen, hat einen neuen Job gefunden und seitdem kaum mehr Zeit zum Schreiben. Sie hat jedoch viele Notizen und auch Kapitelentwürfe zu dieser FF gemacht, kommt aber nicht dazu, diese auszuarbeiten. Sie bedauerte dies sehr, da es viele LeserInnen zu geben scheint, die wissen wollen, wohin die Story die Protagonistinnen führt. Weil ich auch ein großer Fan von Jane Austen und Mary Bennet bin, sendete sie mir alle ihre Notizen und Entwürfe per Mail zu und bat mich darum, diese auszuarbeiten und in die Geschichte nach ihrem Storyplot zu beenden. Natürlich fühle ich mich durch das Vertrauen, das Kim in mich setzt, geehrt und werde mich bemühen, die Geschichte in ihrem Sinne fertig zu stellen.

Allerdings werde ich sämtliche Kapitel nochmals durchlesen und Fehler überarbeiten, wenn ich sie finde. Falls euch etwas auffällt, was historisch nicht stimmen sollte, wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr mir Rückmeldung dazu gebt, damit ich es korrigieren kann.

Es würde mich freuen, die früheren LeserInnen dieser FF wieder willkommen heißen zu dürfen.

Für alle diejenigen, die die Geschichte nicht kennen, und die ich natürlich auch willkommen heiße, habe ich die Story in einer neu ausgearbeiteten Kurzbeschreibung etwas zusammengefasst.

Disclaimer: Sämtliche aufgeführten Figuren aus „Stolz und Vorurteil“ sind das geistige Eigentum von Jane Austen, die Story sowie Letty Hurst gehören meiner Schwester Kim.
Nun wünsche ich euch allen viel Vergnügen beim Lesen.

Lucy
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~ Kapitel 1 ~


„Mary! Mary!“

Genervt rollte Mary Bennet ihre Augen nach oben und wünschte sich, sie wäre an einem anderen Ort als auf Longbourn. Nicht einmal hier in der Bibliothek konnte sie sich sicher fühlen. Inständig hoffte sie, ihre Mutter würde sie nicht finden, damit sie dem Ball im Hause von Mrs. Long fernbleiben konnte. Mochte Mama dort allein mit Kitty hingehen. Ihr waren derlei Veranstaltungen genauso verhasst wie ihrem Vater.

„Mary! So antworte doch endlich!“, hörte sie die ungeduldige Stimme ihrer Mutter erneut.

Oh, wenn es nur ein Loch gäbe, in das sie sich verkriechen könnte.

In diesem Moment wurde die Tür der Bibliothek aufgerissen und an der Schwelle stand Mrs. Bennet mit säuerlichem Gesicht.

„Hier steckst du also!“, sagte sie in vorwurfsvollem Ton. „Das hätte ich mir ja gleich denken können! Aber sag mir, mein Fräulein, warum antwortest du mir nicht, wenn ich dich rufe?“

„Entschuldige bitte, Mama, ich war so in mein Buch vertieft, dass ich es nicht mitbekommen habe“, behauptete Mary scheinheilig. Sie war sich sicher, dass Gott ihr diese kleine Lüge vergab, denn er hatte gewiss Verständnis für sie, da er ihre Mutter kannte.

„Nun, du musst dich jetzt von deinen Büchern losreißen! Schließlich sind wir auf Mrs. Longs Ball eingeladen.“

„Ach, Mama, muss ich denn unbedingt mitkommen?“

„Aber, natürlich, natürlich!“, rief Mrs. Bennet aufgebracht aus. „Wie sieht das denn aus, wenn ich dich zu Hause lasse?“

„Du könntest mich ja entschuldigen“, schlug Mary vor. „Sag Mrs. Long einfach, dass ich starke Kopfschmerzen habe, und geh allein mit Kitty auf den Ball.“

„Papperlapapp!“, erwiderte ihre Mutter ungehalten. „Nichts da! Du kommst mit auf den Ball! Wie willst du je einen Mann kennenlernen, wenn du nicht unter Leute gehst? Und nun beeil dich! Wir wollen schließlich nicht zu spät kommen!“

Mary seufzte, erhob sich und eilte auf ihr Zimmer, um sich umzuziehen. Es hatte gar keinen Sinn, mit Mama zu diskutieren. Sie würde diesen Abend also wieder über sich ergehen lassen und sich zu Tode langweilen…

~~~~~


Genau wie Mary es vorhergesehen hatte, war der Abend für sie langweilig verlaufen.

Kaum waren sie bei Mrs. Long angekommen, hatten weder ihre Mutter noch Kitty oder sonstwer sich um sie gekümmert. Es war, als sei sie unsichtbar geworden. Genauso gut hätte sie zu Hause bleiben und ihre Zeit sinnvoll in der Bibliothek von Longbourn verbringen können. Aber nein, stattdessen musste sie herumstehen, in dieselben bekannten Gesichter schauen und ihnen zulächeln, dieselben öden Themen anhören und darüber hinaus das oberflächliche Geschwätz von Kitty und Maria Lucas über den Schmuck oder die Kleidung von diesem oder jenem ertragen. Als Mama endlich meinte, dass es Zeit sei, um nach Hause zu fahren, kam es Mary wie eine Erlösung vor. Doch sie ahnte nicht, was sie in der väterlichen Kutsche erwartete.

Kaum hatte sich der Wagen in Bewegung gesetzt, wandte sich Mrs. Bennet ihrer zweitjüngsten Tochter zu und sagte: „Du hast heute Abend wieder ganz reizend ausgesehen, Kitty.“

„Danke, Mama.“

„Mrs. Long und Mrs. Miller meinten, dass du dich herausgemacht hättest. Kein Vergleich mit Jane und Lydia selbstverständlich, aber dennoch hübscher als die meisten der anwesenden jungen Damen. Selbst Sir Lucas war ganz angetan und meinte, dass du auch bei Hofe eine gute Figur machen würdest.“

„Hat er das wirklich gesagt, Mama?“

„Ja, mein Kind, und es ist ja auch kein Wunder. Meine Töchter gelten gemeinhin als hübsch – bis auf eine…“

Mrs. Bennet machte eine vielsagende Pause und blickte zu ihrer Drittältesten, bevor sie weitersprach: „Ich frage mich wirklich, was mit dir los ist, Mary. Den ganzen Abend über hast du kein einziges Mal mit einem der Herren getanzt.“

„Du weißt, dass mir das Tanzen nicht gerade liegt, Mama.“

„Schön, aber du hättest dich unterhalten können.“

„Das habe ich getan, Mama.“

„So? Also immer, wenn ich nach dir sah, standest du stumm wie ein Fisch herum.“

„Es gibt Menschen, denen das Talent fehlt, viel zu reden. Dafür besitzen sie die wertvolle Gabe des Zuhörens…“

„Was ist das für ein Unsinn, Mary!", fuhr Mrs. Bennet sie an. „Männer wollen von einer Dame auch unterhalten werden.“

„Nun, meine Gesprächspartner liebten es, sich selbst reden zu hören“, entgegnete die Angesprochene mit feiner Ironie. „Im Übrigen ist es mir herzlich gleichgültig, was Männer von einer Dame erwarten.“

„Was sind denn das für Redensarten?!“, schimpfte ihre Mutter. „Gerade dir dürfte so etwas nicht gleichgültig sein. Wenn du schon nicht mit Schönheit glänzen kannst, dann solltest du wenigstens geistreich sein.“

Mary gab auf diese beleidigende Äußerung keine Antwort, was Mrs. Bennet aber nicht davon abhielt, in halb weinerlichem Ton weiter auf ihr herumzuhacken.

„Willst du denn als alte Jungfer enden, Mary?“, fuhr sie fort. „Was soll dann aus dir werden, wenn dein Vater nicht mehr ist? Mr. Collins wird keine Zeit verlieren, uns aus dem Haus zu jagen. Kitty ist bis dahin sicherlich gut verheiratet und ich kann bestimmt bei einer meiner Töchter im Haus unterkommen. Aber wo willst du hin, Mary?“

„Beruhige dich, Mama“, erwiderte die Angesprochene in kühlem Ton. „Ich denke nicht, dass Mr. Collins uns aus dem Haus jagen wird. Dazu sind er und Charlotte viel zu anständig.“

„Oh! Du hast eine viel zu hohe Meinung von den Collins!“, kreischte ihre Mutter nun und fing an, mit ihren Armen theatralisch in der Luft herumzufuchteln. „Glaubst wohl, der Herr Pfarrer hat Mitleid mit dir, wenn du ihm schöne Augen machst?! Dabei ist es dir nicht einmal gelungen, einen Blick von ihm zu erhaschen, als er in unserem Hause zu Gast war und eine von euch heiraten wollte.“

In diesem Moment hielt der Wagen vor dem Hause der Bennets und Mary verlor keine Zeit, aus der Kutsche herauszukommen und sich sofort auf ihr Zimmer zu flüchten. Ihre Mutter ahnte nicht, wie sehr sie sie eben getroffen hatte. Damals, als sich ihr Cousin William Collins auf Freiersfüßen befand und zu diesem Zweck nach Longbourn gekommen war, hatte sie nichts unversucht gelassen, seine Aufmerksamkeit zu erregen, denn sie fand ihn sehr sympathisch. Leider beruhte dies nicht auf Gegenseitigkeit. Mr. Collins machte vielmehr Elizabeth den Hof, obwohl es für jedermann offensichtlich war, dass diese nichts von ihm wissen wollte. Als sie schließlich seinen Heiratsantrag ablehnte, wollte er eigentlich sofort abreisen. Doch der Besuch Charlottes und ihre Einladung in ihr Elternhaus verhinderten dies; und bereits am nächsten Tag verbreitete es sich wie ein Lauffeuer in ganz Meryton, dass Collins sich mit Charlotte Lucas verlobt hatte.

Allein die Erinnerung daran tat Mary immer noch weh, obwohl es schon fast zwei Jahre her war. Natürlich empfand vor allem Mama diese Mitteilung als eine Art Ohrfeige, während ihre Schwestern und ihr Vater dies sehr gelassen aufzunehmen schienen. Keiner von ihnen ahnte freilich, wie sehr es sie schmerzte und wie viele Nächte lang sie aus Liebeskummer um Mr. Collins geweint hatte, denn außerhalb ihres Zimmers gab sie sich stets sachlich. Allerdings gelang es ihr unter dem Vorwand, einen heftigen Migräneanfall zu haben, der Hochzeit von Charlotte und Collins fernzubleiben. Sie suchte und fand Trost in der Bibel, denn sie wusste niemanden in Meryton, dem sie ihren Liebeskummer anvertrauen wollte.

Eigentlich hatte Mary geglaubt, die Sache mit Collins längst überwunden zu haben, doch die Worte ihrer Mutter von eben verrieten ihr allzu deutlich, dass sie immer noch etwas für ihren Cousin empfand. Dabei durfte es nicht sein. Er war mit Charlotte glücklich, wie er immer wieder in seinen Briefen an Vater versicherte, und vor kurzem erst schrieb er, dass seine geliebte Frau guter Hoffnung sei. Dies hatte Mary seltsamerweise nichts ausgemacht. Weshalb also wirkten die Worte ihrer Mutter jetzt so verletzend auf sie?

Es klopfte leise an ihre Tür und Mary schaute erschrocken auf.

„Wer ist da?“, fragte sie atemlos.

„Ich bin's, Kitty.“

„Was willst du?“, kam es missmutig von Mary, die keinerlei Lust darauf hatte, jetzt mit ihrer albernen, jüngeren Schwester zu plaudern.

„Nur ein wenig mit dir sprechen“, erwiderte Kitty, die die Tür einen Spalt öffnete und ihr Gesicht hereinsteckte. Als sie sah, dass Marys Gesicht tränenüberströmt war, kam sie jedoch rasch herein, zog die Tür hinter sich zu und ließ sich neben ihrer Schwester auf dem Bett nieder. Behutsam legte sie ihre Hand auf diejenige Marys und sagte leise: „Mama hätte dir nicht so gemeine Worte an den Kopf werfen dürfen. Das war nicht recht von ihr.“

„Sie sieht mich eben so – daran kann man nichts ändern“, gab Mary zurück, spürte aber, wie wohl ihr Kittys Mitgefühl tat. „Was ich aber nicht verstehe ist, dass sie mich immer und immer wieder auf diese unsäglichen Bälle mitschleppt. Sie glaubt doch selbst nicht daran, dass sich nur ein Mann für mich interessiert…“

„Jetzt tust du Mama unrecht, Mary. Sie will wirklich nur das Beste für uns und sie wäre überglücklich, wenn sie dich auch versorgt wüsste. Ich hörte unlängst, wie sie mit unserer Tante darüber sprach. Mama meinte, du wärest eine so gebildete junge Dame, dass sie nicht verstünde, weshalb Mr. Collins nicht sein Glück bei dir versucht habe. Von all ihren Töchter, so meinte sie, hättest du am besten zu ihm gepasst – jedenfalls besser als Charlotte Lucas – und er sei ein Dummkopf gewesen, dich nicht zu beachten.“

„Das hat Mama wirklich gesagt?“, fragte Mary erstaunt.

„Ja“, bekräftigte Kitty. „Mama hält viel von dir. Jedenfalls findet sie, dass du einen guten Ehemann verdient hättest. Mindestens so einen wie Charles Bingley. Irgendwo auf der Welt warte ein wohlhabender, gutaussehender Bücherwurm auf dich, meinte sie zu unserer Tante, und sie würde alles daransetzen, damit er dich nimmt. Meine Mary, so sprach sie, hat das verdient.“

„Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass Mama so von mir denkt.“

„Nun ja, sie hackt sehr viel auf dir herum, Mary, aber ich glaube, sie tut das nur, weil sie sich so große Sorgen um dich macht.“

Mary sah ihre jüngere Schwester dankbar an und drückte deren Hand.

„Danke, dass du mir das erzählt hast“, murmelte sie und umarmte Kitty dann spontan. Zum ersten Mal spürte sie echte Zuneigung für ihre Schwester. Als sie sie aus ihren Armen entließ, fuhr sie fort: „Wird Zeit, dass wir uns jetzt schlafen legen. Gute Nacht, Kitty.“

„Gute Nacht, Mary.“

Während Kitty sich wieder aus dem Zimmer schlich, dachte Mary, die sich nun auszog und dann ins Bett legte, über das nach, was ihr ihre Schwester erzählt hatte. Mama schien sie demnach ebenso gern zu haben wie all die anderen und ihre Nörgelei an ihr war der Ausdruck von Mutterliebe.

Mary seufzte.

Sie konnte Mamas Sorgen verstehen, denn in deren kleiner Welt gab es für Frauen nichts anderes, als die Gattin eines wohlhabenden Mannes zu sein, der gut für sie sorgte. Natürlich gab es auch noch andere Möglichkeiten für eine gebildete junge Frau, doch Mama würde davon nichts wissen wollen. Mary konnte sich schon jetzt das Theater ausmalen, dass ihre Mutter veranstalten würde, wenn sie ihr eröffnete, sich eine Stelle als Gouvernante suchen zu wollen. Aber eines Tages musste dieses Gespräch stattfinden und sie konnte damit nicht mehr allzu lange warten. Denn Mary verspürte keinerlei Lust darauf, irgendeinen Mann zu heiraten, mit dem sie sich nicht verstand und für den sie nichts empfand. Einer solchen Beziehung war eine Anstellung als Gouvernante eindeutig vorzuziehen…

~~~~~


Als Mary und Kitty am anderen Morgen ins Esszimmer kamen, um gemeinsam mit ihren Eltern das Frühstück einzunehmen, erwartete sie bereits eine strahlende Mrs. Bennett.

„Oh, meine Süßen“, begrüßte sie ihre Töchter fröhlich. „Ich habe überaus gute Nachrichten für euch.“

Während sich die Mädchen setzten, ließen sie ihre Mutter nicht aus den Augen. Dabei bedachte Kitty sie mit einem erstaunten und Mary mit einem misstrauischen Blick.

„Ja, ja, ihr könnt es ruhig glauben!“, fuhr Mrs. Bennet fort. „Wer, meint ihr, hat mir geschrieben?“

„Du solltest die beiden nicht so auf die Folter spannen, meine Liebe“, sagte ihr Mann.

„Also, Mama, wer hat denn nun geschrieben?“, richtete Mary schließlich ihre Frage an Mrs. Bennet, damit diese endlich zur Sache kam und man sich dann in Ruhe dem Frühstück widmen konnte.

„Unsere liebe Lizzy“, klärte Mrs. Bennet ihre Töchter auf. „Sie schreibt, dass es allen gut gehe. Auch der kleine Nathaniel gedeiht prächtig. Doch sie teilt mir ebenfalls mit, dass sie sich ein wenig nach euch beiden sehnt und lädt euch darum ein, die Sommermonate auf Pemberley zu verbringen. Nun, was sagt ihr dazu, Mädchen?“

„Oh, das ist großartig!“, rief Kitty erwartungsgemäß aus. „Wir waren ja bisher nur ein einziges Mal für eine Woche dort und ich habe immer noch nicht alle Zimmer gesehen.“

Mary schwieg. Sie erinnerte sich noch gut an den prächtig ausgestatteten Landsitz, der ihr bereits von Weitem große Ehrfurcht eingeflößt hatte. Das Innere des Gebäudes war ebenso einschüchternd und sie war sich dort ein wenig verloren vorgekommen. Aber vielleicht lag es einfach auch nur daran, dass ihr das riesige Haus bis zu ihrer Abreise fremd geblieben war, da sich niemand die Mühe gemacht hatte, sie dort herumzuführen.

Damals hatten die Darcys sowohl die gesamte Familie Bennet als auch einige Familienangehörige von William eingeladen, ein paar Tage bei ihnen auf Pemberley zu verbringen. Natürlich war Mama dann mit Kitty und ihr dorthin gefahren, während Papa angeblich Abrechnungen machen musste und keine Zeit hatte, sie dorthin zu begleiten.

Natürlich war es so wie immer: Die meisten der Anwesenden beachteten Mary nicht. Nur Georgiana Darcy unterhielt sich des Öfteren mit ihr und hatte Freude daran, gemeinsam mit ihr zu musizieren. Doch immer wieder wurde Georgiana von Felicitas Fitzwilliam, der Ehefrau eines der Vettern von Elizabeths Mann, mit Beschlag belegt und musste sich gezwungenermaßen diesem Gast widmen. Aber Mary erinnerte sich voller Dankbarkeit daran, dass Georgiana ihr dabei immer einen bedauernden Blick zugeworfen hatte. Sie beide verband eindeutig die Liebe zur Musik.

„Werden wir die einzigen Gäste sein?“, fragte Mary interessiert. Nur die Aussicht darauf, endlich einmal längere Zeit allein mit Georgiana zu verbringen, konnte sie dazu bewegen, gerne nach Pemberley zu fahren.

„Das weiß ich nicht, mein Kind“, antwortete Mrs. Bennet.

„Na, ich hoffe doch, dass sich außer uns noch einige andere Leute dort aufhalten“, meinte Kitty. „Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freuen würde, Oberst Fitzwilliam wiederzusehen.“

„Oh ja, er ist ein überaus charmanter Mann“, stimmte ihre Mutter sofort zu. „Und obwohl er nur der jüngere Sohn eines Earls ist, kann er einer Frau trotzdem noch ein recht bequemes Leben bieten.“

„Also auf mich machte Oberst Fitzwilliam nicht gerade den Eindruck, als wolle er heiraten“, wandte Mary ein, was ihr einen ärgerlichen Blick von Seiten ihrer Mutter und Schwester eintrug.

„Was für ein Unsinn!“, entfuhr es Mrs. Bennet auch gleich darauf. „Sein älterer Bruder hat schließlich auch vor einem halben Jahr geheiratet. Ich glaube, der gute Oberst wird bald seinem Beispiel folgen, sobald er die richtige Partnerin für sich findet…“

Dabei warf Mrs. Bennet einen freundlichen Blick auf ihre zweitjüngste Tochter und fuhr fort: „Mir schien, er fand Kitty bei unserem letzten Zusammentreffen ganz reizend.“

Während ihre Schwester leicht errötete, musste Mary sich sehr darum bemühen, nicht zu lächeln. Zufälligerweise wusste sie, dass Oberst Fitzwilliam in Elizabeth verliebt gewesen war und immer noch darunter litt, dass sie die Frau von William Darcy geworden war. Charlotte Collins, die mit ihrem Mann zu Lizzys und Janes Doppelhochzeit angereist kam, hatte es ihr einige Tage nach dem feierlichen Ereignis bei einem nachmittäglichen langen Spaziergang unter vier Augen verraten. Da Mary versprochen hatte, niemandem davon zu verraten, schwieg sie. Es war ohnehin sinnlos, ihre Mutter davon abzubringen, für Kitty und sie nach geeigneten Ehemännern Ausschau zu halten.

„Nun, dann ist es also beschlossene Sache“, wurde Mary von der Stimme ihrer Mutter in die Gegenwart zurückgerufen. „Ich werde Lizzy gleich nach dem Frühstück schreiben, dass ihr nächste Woche zu ihr kommt.“

„Fährst du denn nicht mit, Mama?“, fragte Kitty verwundert.

„Aber nein, Kind, wo denkst du hin?“, erwiderte Mrs. Bennet. „Wie du weißt, bereitet es mir kein Vergnügen, lange Reisen zu unternehmen und an Gesellschaften teilzunehmen. Schließlich bin ich kein junges Ding mehr! Nicht, dass ihr Mädchen mir nicht alles auf der Welt bedeuten würdet, aber ich bin Lizzy doch recht dankbar, dass sie sich für einige Monate um euch beide kümmern will. Auf diese Weise verschafft sie mir die nötige Ruhe, um meine strapazierten Nerven ein wenig zu erholen.“

Als Mary das hörte, begann sie allmählich, sich auf  Pemberley zu freuen. Die Aussicht darauf, einige Monate Ruhe vor ihrer Mutter zu haben, versprach auch ihr Entspannung. Doch darüber hinaus könnte sie sich in der Gegend von Lambton umhören, ob es nicht jemanden gab, der eine Gesellschafterin oder Gouvernante suchte…
 
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