Too Strong To Fall

von Votani
CrossoverAbenteuer, Drama / P16
Levi Ackermann / Rivaille
11.05.2019
15.09.2019
7
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Der Morgen brach kalt und regnerisch an. Es war ein typischer Herbsttag, wie es sie jedes Jahr auf ein Neues gab. Levi drehte dem Fenster den Rücken zu, als die Tür zum Konferenzzimmer sich öffnete. Hineinmarschiert kamen alle Soldaten, die Erwin mit seiner Hilfe für die bevorstehende Mission auserkoren hatte. Levis verschlafener Blick blieb jedoch an dem rosafarbenen Haarschopf hängen, der soeben in seinem Blickfeld auftauchte.

Sakura hatte ihre Zivilkleidung gegen die übliche Uniform der Scouts eingetauscht, während sie ihre Haare nun offen trug. Sie waren zu kurz, um auch nur ihre Schulterblätter zu berühren. Petra ging an ihrer Seite und gemeinsam setzten sich beide Frauen in die zweite Reihe der im Raum aufgestellten Stuhlreihe.

Levis Mundwinkel zuckten in die Tiefe und er verschränkte die Arme vor dem Oberkörper, als auch die anderen Soldaten ihre Plätze einnahmen. Er wusste ganz genau, worauf das hinauflaufen würde. Petra würde sich mit ihr anfreunden – und wenn er sie nach dem Grund dafür fragte, würde sie ihm ganz bestimmend, wenn auch mit einem zögerlichen Lächeln, erklären, dass die einzigen Frauen im Squad eben zusammenhalten mussten.

„Was denkst du?“, erklang Erwins Stimme neben ihm, gesenkt und viel zu interessiert.

„Was soll ich schon denken?“, stellte Levi die Gegenfrage und hob den Blick. Der Ansatz eines Schmunzelns lag auf Erwins Lippen, welches ihn die Augen verdrehen ließ.

„Du hast mir Miss Haruno bezüglich noch keine offizielle Antwort gegeben“, sagte er, obwohl sie beide wussten, dass Erwins Ausdruck allein ausgereicht hatte, damit Levi den Bezug der Unterhaltung aufschnappte. Erwin war durchschaubarer, als er zu sein glaubte.

„Du hast sie hierher bestellt, Erwin“, erwiderte Levi. „Also kennst du die Antwort bereits.“ Genauso wenig wie er Erwin etwas vormachen konnte, konnte Erwin es ihm. Seine Augen kehrten zu Sakura zurück, die sich mit Petra unterhielt und sich offensichtlich all die neuen Gesichter einprägte. „Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob sie für eine Mission dieser Art bereit ist, aber wir wurden alle einst ins kalte Wasser geworfen. Entweder schwimmt sie oder sie sinkt.“

Erwins Lippen entwich ein zustimmender Laut, der fast gänzlich in dem Stimmengewirr, welches das Konferenzzimmer erfüllte, unterging. „Obwohl...“, räumte er ein, offenbar als Gedankenblitz. Levi wusste es besser, schwieg jedoch. „Die wirklich wichtige Frage erscheint mir eher, ob du in der Lage sein wirst, dich auf sie verlassen zu können.“

Kaum hatten diese Worte Erwins Mund verlassen, schallte bereits ein schrilles „Erwin!“ durch den Raum. Die Anwesenden drehten die Köpfe in die Richtung der Tür und auch Levis lustloser Blick glitt zu Hanji hinüber.

Ihre Augenbrauen waren zusammengezogen und sie stand mit den Händen in die Hüften gestemmt im Türrahmen. Erst als sie die volle Aufmerksamkeit hatte, marschierte Hanji zu ihnen hinüber. „Du hast eine derartig entscheidende Expedition geplant und ich erfahre erst jetzt davon?“

„Ich befand, dass Geheimhaltung in diesem Fall am angebrachtesten ist“, antwortete Erwin. „Levi ist der einzige, der davon wusste.“

„Es ist eben nie eine gute Idee, Plappermäulern von den wirklich wichtigen Dingen zu erzählen“, gab Levi zu bedenken.

Hanji zog eine Schnute. „Trotzdem... mir so etwas Spannendes vorzuenthalten, ungeheuerlich! Es ist schließlich nicht so, als würde ich auf den nächstbesten Schlossturm klettern und es herausposaunen.“

„Das nicht“, sagte Erwin. „Aber—“

„Aber in deinem Eifer plapperst du alles mögliche aus, Brillenschlange“, fasste Levi zusammen, bevor er Hanji mit einem empörten Gesichtsausdruck stehen ließ und sich auf die andere Seite des Raums begab, um sich dort an die Wand zu lehnen.

Erwin schnaubte, bevor er sich an die versammelten Soldaten wandte. „Ihr solltet inzwischen alle mitgeteilt bekommen haben, warum ihr hier seid und dass die bevorstehende Mission keine normale Erkundungsexpedition sein wird“, begann er, ehe er die genauen Details erklärte. Eine Karte war hinter seinem Rücken aufgespannt und trug in etwa dieselben Markierungen wie die Karte, die Erwin ihm vor ein paar Tagen gezeigt hatte. Zudem war die Formation, die sie benutzen würden, dort aufgezeichnet.

Levi hörte jedoch nur mit halbem Ohr zu, während er die Versammelten musterte. Selbst einige der erfahrensten Soldaten wich die Farbe allmählich aus dem Gesicht. Gemurmel brach aus. Levi schnappte nur hin und wieder ein paar Wortfetzen auf, doch es war einfach zu erahnen, was ihnen allen bei dieser Ankündigung durch den Kopf ging.

Jahrelang hatten sie sich außerhalb der Mauern begeben, nur um den Titanen als Mahl zu dienen und am Ende doch nichts zu erreichen. Nur Erwins Führungsqualitäten hatten den Trupp zusammengehalten und dafür gesorgt, dass die Männer und Frauen nicht desertierten. In dieser Einheit war die Loyalität wichtiger, als in jeder anderen. Nun schien sich das Blatt jedoch gewendet zu haben, jetzt gab es einen neuen Plan, der neue Risiken mit sich brachte, aber auch so etwas wie eine vage Hoffnung, an die keiner mehr so richtig glauben konnte.

Levi verstand es, war sich aber auch bewusst, dass ihnen niemand die Entscheidung, ob sie die Hoffnung am Leben erhielten, abnehmen konnte. Das musste jeder Soldat im Raum für sich selbst ausmachen und mit den Konsequenzen dieser Entscheidung leben.

Erwin endete mit einem „Wir werden in zwei Tagen aufbrechen. Wenn es noch Fragen gibt, wendet euch an euren zuständigen Teamcaptain“, bevor er die Anwesenden mit all ihren Zweifeln und Gedanken entließ. Das anfängliche Gemurmel des Erstaunens war einer drückenden Stille gewichen, die von dem Schaben von Stühlen und unzähligen Schritten auf dem Steinboden begleitet war.

Levi lehnte auch weiterhin an der Wand und beobachtete die Soldaten, die an ihm vorbeigingen und das Konferenzzimmer verließen. Sein Blick begegnete Sakuras, die ihn erwiderte. Eine Art der Entschlossenheit zeigte sich auf ihrem Gesicht, als sie zusammen mit Petra, die ein Salut andeutete, an ihm vorbeiging.

Er sah ihr nicht nach, sondern löste sich stattdessen von der Wand, um Erwin mit gemütlichen Schritten anzusteuern. „Ich schätze nun wird allen klar, warum wir in der letzten Zeit die Vorräte so gestreckt haben und warum die Trainingseinheiten verschärft worden sind“, entrann es ihm und Erwin nickte.

„Es macht mir keinen Spaß Geheimnisse zu haben und allen etwas vorzuenthalten, aber... es ist effektiver“, erwiderte Erwin.

Levi sagte nichts, als er ebenfalls den Raum verließ. Diese Taktik war effektiver, um möglichen Spionen, die für die Regierung oder anderen Organisationen arbeiteten, Informationen zu enthalten. Zudem verhinderte es, den Soldaten zu viel Zeit einzuräumen, um über die bevorstehende Expedition und ihren möglichen Tod nachzudenken.

Sein Weg führte ihn in die Küche des Schlosses, in dessen angrenzenden Speisesaal einige Soldaten freudlos auf trockenem Brot herumkauten. Harsche Worte erfüllten den Raum, verebbten jedoch binnen Sekunden, als man Levi entdeckte.

Er schenkte ihnen keinen einzigen Blick, als er sich eine Tasse aus dem Schrank holte, einen Teebeutel hineingab und ein bisschen heißes Wasser aus dem Kessel hineingoss. Anschließend verließ er die Küche wieder, konnte aber in der Ferne noch vernehmen, wie die Unterhaltung hektisch wieder aufgenommen wurde, als könnte da einer seine Gedanken nicht mehr für sich behalten.

Levi konnte es kaum weniger interessieren, worüber sie sprachen und wie sie zu der Mission standen, solange sie in zwei Tagen auf dem Rücken ihrer Pferde saßen und ausritten, um sie zu erfüllen.

Regentropfen schlugen noch immer im monotonen Rhythmus gegen die Fensterscheiben und ertränkten die Welt dahinter in Farblosigkeit. Gelangweilt betrachtete Levi das trostlose Wetter und schlenderte durch den Gang, der ihn zu seinem Quartier brachte.

Auf dieser Seite des Schlosses war der östliche Turm zu sehen, der wie ein stiller Koloss, größer als die meisten Titanen, Wache stand, während der Trainingsplatz von Steinmauern umschlossen und vollkommen verlassen dalag.

Farbe in einer grauen Landschaft zog Levis Aufmerksamkeit auf sich und er blieb stehen. Scheinbar war der Trainingsplatz doch nicht so verlassen, wie er angenommen hatte. Mit zwei Schritten hatte er das Fenster erreicht und bettete einen Unterarm auf den kalten Sims. Seine Augen waren an die Person dort unten geheftet, die sich als Sakura Haruno herausstellte.

Sie stand allein auf dem Platz und schnallte sich umständlich die 3DM-Ausrüstung um die Hüften. Der Wind zog an dem grünen Umhang, den sie trug und der sie vor dem Regen schützen sollte. Doch der Wind riss ihr die Kapuze vom Kopf und Sakura zerrte sie unbeholfen wieder über ihre Haare. Sie stand halb mit dem Rücken zu ihm, was ihm einen Blick auf die auf den Mantel gestickten Flügel verlieh, auf das Zeichen des Aufklärungstrupps.

Hatte er sie falsch eingeschätzt? War sie doch nicht einfach das verwöhnte Mädchen, das bei den Aristokraten hinter Wall Sina aufgewachsen war und sich nun einbildete Soldatin spielen zu können? Traute sie sich selbst doch mehr zu, als sie angedeutet hatte? Oder trainierte sie hier draußen im Regen, weil sie es eben nicht tat?

Levi hob die Tasse an seine Lippen, als er zusah wie der Regen unablässig auf sie herabfiel und sie trotzdem die zwei Schwerter an ihren Hüften hervorzog. Sie lagen schwer in ihren Händen, das konnte er selbst aus der Ferne sehen. Aber Levi konnte gleichzeitig auch sehen, wie sie trotz allem ihr Gewicht verlagerte und mit den Klingen in einer Angriffstechnik ausholte, welche den Nacken eines Titanen mit Präzision durchtrennen konnte. Die Technik existierte, ausgearbeitet und akkurat, nur an Erfahrung mangelte es.
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