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Birdie

von Hyouka
GeschichteFreundschaft / P12
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
10.05.2019
18.02.2020
4
8.177
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10.05.2019 2.515
 
Die letzten drei Jahre waren nicht einfach gewesen. In Risas Augen gab es zwar schlimmere Dinge die man erleben konnte, aber sie war sehr froh gewesen als es vorbei gewesen war. Was hatte sie nicht alles dafür getan, ihrer Familie zumindest finanziell zu helfen? Normalerweise konnte eine einfache vierzehnjährige nicht viel für ihre Familie tun, aber Risa hatte Glück. Sie zufällig wurde von einem Talentscout entdeckt und dieser hörte von dem Problem, das ihre Familie hatte. Ihr kleiner Bruder war krank gewesen und hatte eine dringende Operation an den Beinen nötig gehabt - aber das war nicht möglich, ohne das nötige Geld. Risa hatte damals nicht lang nachgedacht und es einfach gemacht. Sie war in der zweiten Klasse der Mittelschule gewesen, als sie einer Girlgroup bei trat und ihre ersten Erfolge feierte. Doch der Erfolg dieser Gruppe hielt nicht lange an und Risa war ein halbes Jahr später schon wieder da wo sie angefangen hatte. Aber davon wollte sie sich nicht unterkriegen lassen, denn sie hatte ein Ziel - sie wollte das Geld zusammen haben, bis sie zur Oberschule ging. Das waren zu diesem Punkt nur noch anderthalb Jahre und es war wirklich nicht einfach - aber mit ein paar guten Marketing-Vertretern an der Seite kam sie ihrem Ziel näher. Risa hatte die Musik wirklich geliebt, aber mit der Zeit starb diese Liebe umso größer der Erfolg wurde. Während ihre erste Solo-CD noch spaßig war, ging es ab der zweiten nach und nach Berg ab. Zwar hatte sie einen Künstlernamen der sich YaYa schimpfte, aber die Leute erkannten sie mit der Zeit auch nach der Arbeit und in der Schule, was es nicht einfacher machte. Doch Risa hatte es bis zur Oberschule geschafft und das Geld zusammen gehabt. Sogar noch viel mehr als nötig, aber das überließ sie ihrer Familie. In den letzten Ferien vor dem neuen Schuljahr hatte sie noch wie im Vertrag vorgesehen ein letztes Album mit einigen Produzenten aufgenommen und dann das Ende ihrer Karriere bekannt gegeben. Die langen, pinken Haare hatte sie sich abschneiden lassen und die ganze Schminke fiel auch weg. Ihre Haare waren so noch etwa schulterlang und sie trug ein lilanes Stirnband dazu. Es war schon besser so, immerhin hatte sie den Traum zur Musik nicht mehr leben wollen. Das es so einfach geklappt hatte, konnte sie später auch kaum mehr glauben. Aber in der Oberschule erkannte sie niemand mehr, was auch an ihrer Ausstrahlung lag. Sie lächelte kaum mehr und war sehr ruhig geworden, sie war nun nicht mehr so lebhaft wie früher. Diese Ruhe tat aber auch gut und sie konnte sich so auf die Schule konzentrieren. Risa Tomoe war endlich wieder eine normale Schülerin geworden und das schon über ein ganzes Jahr lang. In diesem ersten Schuljahr an der Oberschule hatte sie so gute Noten wie nie, was sie selbst wunderte. Ihrem Bruder ging es in der Reha immer besser und sie beobachtete ihn gern bei seinen ersten Schritten die er wieder tat. Aber trotzdem fühlte Risa eine Leere, seit dem sie an die Yosen Oberschule gekommen war. Nur, woher kam diese unendliche Leere in ihrem Herzen?

„Risa? Willst du gar nichts essen? Du siehst schon den ganzen Tag so viele Löcher in die Luft.“, meinte Hanako, eine Mitschülerin von Risa als sie beim Essen waren.
Allgemein hatte Risa nicht viele Freunde, aber Hanako Ono und Yukina Masuda waren Klassenkameraden die sie sehr mochte. Irgendwann hatte sie den beiden auch mal erzählt, dass sie einst YaYa gewesen war. Aber im Grunde war es ihnen so ziemlich egal gewesen. Die Verwunderung war dagewesen, aber eigentlich war es auch nicht so wichtig gewesen. Das änderte ja nichts an der Person, die Risa nun war. Hanako war ein bisschen größer als die 1,57 m große Risa und hatte ihre braunen Haare meistens in einem Zopf gebunden. Ihre grünen Augen strahlten immer eine gewisse Neugier aus und sie liebte es unnützes Wissen von sich zu geben. Auch Yukina war immer dabei und eine sehr fröhliche Natur. Im Vergleich zu den anderen beiden war sie sehr groß mit ihren 1,70 m und hatte langes, blaues Haar. Die drei Mädchen kannten sich nicht nur aus der Schule, sondern verbrachten auch die Zeit nach der Schule zusammen. So wie im Club als auch die Freizeit, aber Risa hatte schnell ein Problem mit der Clubsache gehabt. Yukina und Hanako waren Coach und Manager des Basketball-Mädchenteams, aber für Risa war da eigentlich kein Platz mehr. Sie hing ein ganzes Jahr einfach dort herum, bis die Schulleitung es mitbekam und ihr einen Platz im Jungenteam zu ordnete. Allerdings war sie nur bei den Trainings dabei, die eigentlichen Spiele besuchte sie von den Jungs nie.
„Ich hab doch schon was gegessen.“, antwortete Risa monoton und Yukina zeigte auf die Gabel.
„Du hast sie bis jetzt kein einziges Mal angerührt, Risa. Hast du dich mittlerweile eigentlich beim Jungenteam eingelebt?“, fragte sie und Risa schaute sie verwirrt an.
Erst schob sie sich einen Löffel Nudeln in den Mund und antwortete dann: „Ich geh hin, aber ich gehe nicht zu den Spielen. Mir doch egal, ob der Interhigh ist. Araki-sensei hat damit auch kein Problem.“
Yukina und Hanako konnten sich wirklich vorstellen, wie Araki das tatsächlich egal war. Dabei war das Verhältnis zwischen Risa und Araki wirklich nicht immer so gut gewesen. Als Sportlehrerin war sie mindestens genauso streng wie als Coach des Jungenteam und so war eine eher träge und gelangweilte Risa eher ein Dorn in ihrem Auge. Aber die beiden kamen während des Trainings gut aus und Risa machte ihre Arbeit gut. Wahrscheinlich war das der Grund, warum Araki nichts dazu sagte wenn sie nicht zu den Spielen kam. Risa war ihr ja auch nur zugeteilt worden, wirklich für ihren Zutritt war sie am Anfang auch nicht gewesen. Aber keiner von beiden sagte etwas gegen den anderen und das war schon in Ordnung so.
„Du könntest ja wenigstens mal mit ihr reden, Risa. Willst du nächstes Jahr echt von der Schule gehen und dich mit niemandem außer uns anfreunden?“, warf ihr Yukina vor und Risa antwortete ehrlich.
„Ihr reicht mir, warum brauche ich noch andere Freunde? Und Jungs sind gruselig, ich bin froh wenn ich nicht mit denen reden muss.“

Risa war keine Männerhasserin, aber sie hatte Gründe warum sie Jungs nicht mochte. Diesen Grund kannten Yukina und Hanako nicht, aber Risa war zu ihrer YaYa-Zeit öfter gestalkt worden. Deshalb hatte sie selbst auch kaum bewussten Kontakt zu Jungen außer ihrem kleinen Bruder. Aber ein bisschen über Hanako und Yukinas Worte musste Risa schon nachdenken. Vielleicht war es ja das, weswegen sie sich so leer fühlte – denn beim Training der Jungen fühlte sich am meisten leer und allein. Bei ihren Freunden fühlte sie sich etwas besser, aber nicht völlig gut. So richtig verstand Risa es auch nicht, aber sie war auch erst siebzehn. Da verstand man eben vieles noch nicht, aber zumindest wollte sie wissen ob ihre Freunde mit dem Vorschlag Recht hatten. So ein einfaches Gespräch mit Araki konnte ja nicht die Welt untergehen lassen. Meistens arbeitete Risa direkt neben ihr und analysierte alles was sie sah.
„Fukui-senpai hat heute bessere Zeiten als gestern. Es ist aber auch schwer, als kleinster in dieser Gruppe gegen solche Riesen anzukommen.“, meinte Risa, die ja selbst die kleinste Person neben dem Starter der Yosen Oberschule war.
Für Risa waren die Jungen dieses Teams irgendwie mehr Riesen als Menschen. Ein ganz klein bisschen Angst hatte sie vor ihnen auch, aber das versuchte sie sich nicht anmerken zu lassen. Araki seufzte als sie Risa hörte und fing an zu meckern.
„Elende Jammerlappen. Die sollen nur nicht abheben, nur weil es beim Interhigh momentan so gut läuft.“
Irgendwie wusste Risa nicht so richtig, was sie dazu sagen sollte. Aber Araki war der Coach, sie musste es wissen. Risa war dagegen nur der kleine Manager mit eher wenig Erfahrung. Erst Recht nicht mit den Spielen, zu denen ging sie ja nicht.
„Aber ist es nicht gut, dass es beim Interhigh gut läuft?“, fragte Risa und Araki sah nun zur kleineren hinüber.
„Schon, aber du solltest die Jungen mal vor dem Spiel prahlen hören. Manchmal hab ich Lust sie für jedes dumme Wort mal richtig zu verprügeln. So eine riesige Klappe hatten wir damals auch nicht, als wir noch jung waren.“, fauchte Araki und Risa nickte etwas eingeschüchtert.
„Verstehe … vielleicht ist es ja gut, dass ich nicht dabei bin. Aber ich rede ja allgemein nicht so viel mit den Jungs.“, erklärte Risa und in dem Moment fiel es Araki selbst auf.
Es dauerte einen Moment, bis Araki ihre assistierende Schülerin direkt fragte. Warum, konnte Risa nicht erkennen. Aber vielleicht überlegte sie auch nur, warum Risa sich so vor den Jungen fern hielt.
„Warum eigentlich?“, kam es von Araki fragend und war Risa ihr eine Erklärung schuldig.
Wie sollte sie das am besten formulieren? Sie hasste Jungen nicht, aber die besten Erfahrungen hatte sie auch nicht mit ihnen gemacht.

„Na ja … das ist etwas schwer zu erklären.“, stammelte Risa, die zur Abwechslung nicht völlig monoton sprach.
Araki sah sie misstrauisch an und erwartete wahrscheinlich sonst was.
„Magst du etwa irgendeinen von denen? Es ist bestimmt Himoru, auf den stehen alle Mädels die hier her kommen. Aber glaub mir, der ist auch ein totaler Lap-“
Aber Risa unterbrach sie und schüttelte hektisch mit dem Kopf. „Nein, ich kenne die Jungs doch gar nicht wirklich. Es hat einen anderen Grund, aber der ist wirklich etwas schwer zu erklären.“
Araki schaute etwas misstrauisch, aber Risa hatte auch bisher nichts getan was dagegen sprach. Doch sie kamen auch nicht dazu, weiter darüber zu sprechen. Denn Murasakibara kam in diesem Moment wegen irgendetwas an und wollte im Grunde eigentlich nur faulenzen. Also nichts neues, selbst Risa hatte schon von dem riesigen Typen aus dem ersten Jahr gehört und war nicht sonderlich begeistert von ihm. Sie war schon froh, dass er sich ihren Namen nicht gemerkt hatte. So kam Risa also ein weiteres Mal dazu, mit Araki zu sprechen. Sie hatte wahrscheinlich noch nicht oft darüber nachgedacht, aber der Gedanke wenigstens mit ihr besser klar zu kommen war eigentlich gar nicht so schlecht. Aber bis dahin musste sie sich wahrscheinlich noch etwas vorarbeiten. Und gerade zu der Zeit des Interhighs würde das wahrscheinlich eh nichts werden. So ging auch ein weiterer Schultag für Risa vorbei und sie konnte es kaum abwarten wieder heimzukommen. Ihre Mutter war wegen der Reha ihres Bruders nach wie vor daheim und kümmerte sich um den fünfzehnjährigen Naoki.
„Du siehst in letzter Zeit sehr gelangweilt aus, Risa. Ist alles in Ordnung?“, fragte ihre Mutter, von der sie die pinken Haare geerbt hatte. Die Farbe ihres kleinen Bruders gingen eher in eine rötliche Richtung, aber man erkannte schon die Ähnlichkeit zwischen den Geschwistern.
„Mich verfolgt niemand mehr und ich habe meine Ruhe. Das ist alles was ich wollte.“, antwortete Risa und ihre Mutter seufzte.
„Ich verstehe ja was du meinst. Aber du verbringst auch wenig Zeit mit deinen Freunden, kann das sein? Ich hab ein bisschen Angst, dass du durch die Sache die für uns getan hast nun absolut keine sozialen Kontakte mehr hast. Es war deine Entscheidung mit deiner Karriere aufzuhören und die akzeptieren wir alle. Aber so völlig ohne Freunde ist es an der Schule doch auch schwer.“, meinte ihre Mutter und Risa stocherte ein wenig in ihren Nudeln herum.
„Ich habe doch Hanako und Yukina. So absolut keine Freunde habe ich nun auch wieder nicht, wir hängen halt nach der Schule nicht herum. Da bin ich einfach froh meine Ruhe zu haben und im Club genauso. Alles gut, Mama.“
Im Grunde wusste Risa selbst, das es falsch war. Aber sie war froh, ihren Bruder trotz noch vorübergehenden Rollstuhl grinsend am Tisch sitzen zu sehen.
„Ist die Yosen eigentlich eine gute Schule? Vielleicht kann ich ja dahin ab nächstes Jahr, wenn es mir dann schon besser geht.“, kam es von ihm und Risa wusste nicht so recht was sie antworten sollte.
In einem Jahr war er wahrscheinlich schon weiter und konnte wieder richtig laufen, war wahrscheinlich sogar schon einen Kopf größer als sie. Mit Krücken konnte er teilweise schon laufen, aber es fiel ihm eben noch etwas schwer so ganz allein voranzukommen.
„Du solltest dir eine Schule aussuchen, die auch zu dir passt. Nach mir kannst du dich da nicht richten. Und ich bringe mich auch nicht sonderlich in das Schulgeschehen ein. Also kann ich dir auch nicht sagen, was da alles los ist.“

Eigentlich ging sie schon ein ganzes Jahr auf die Oberschule, aber irgendwie war die Normalität in Risas Kopf noch immer nicht angekommen. Sie war immer recht vorsichtig wenn jemand hinter ihr stand und passte genau auf was vor ihr passierte. Dinge, auf die sie eigentlich nicht mehr achten musste. In diese glitzernde Welt des Ruhms wollte sie nicht mehr zurück, allein weil es so viele Schattenseiten gab. So verkroch sie sich nach dem Essen also wie immer im Zimmer und grübelte ein bisschen vor sich hin. Etwas am Computer zu machen war gerade nicht im Rahmen ihrer Laune. Manchmal versuchten sie bestimmte Manager oder Plattenfirmen anzuschreiben, aber das brachte nicht mehr viel. Mit dieser Sache wollte Risa abschließen, auch wenn es ihr noch nicht ganz gelungen war. Viel nach draußen ging sie auch nicht, eben weil sie oft nicht die Lust dazu hatte. Sie war nur froh, dass man sie später nicht noch weiter zu ihrer weiterführenden Karriere gezwungen hatte.
„Ich kann Araki-sensei nicht einfach erzählen, dass ich mal ein Idol war. Klar, es würde wahrscheinlich mein Verhalten gegenüber den Jungen erklären und mein allgemein eher zurückhaltendes Verhalten. Aber ich weiß schon, warum ich es in der Regel keinem erzähle. Ich habe zwar noch keine richtig schlimmen Erfahrungen gemacht, aber … sobald es irgendwer rausfindet der es nicht wissen soll, bin ich geliefert. Aber ich hätte dann auch endlich etwas, womit ich ihr reden könnte. Vielleicht gibt sie mir ja dann Vorschläge, wie ich mit den Jungen reden soll. Eigentlich sind die ja gar nicht so schlimm, aber … so ein bisschen Schiss habe ich schon.“
Vor allem auf irgendwelches Drama hatte sie keine Lust. Oder das sich irgendeiner von diesen Jungen in sie verliebte, auch wenn sie das eher als unwahrscheinlich sah. Es gab nicht einen Jungen, der jemals an ihr Interesse gehabt hatte. Die meisten Jungen waren nur an YaYa interessiert gewesen und das war auch in Ordnung so gewesen. Sie selbst hatte mit ihrer Idolseite absolut nichts gemeinsam, außer dass sie sich den Körper geteilt hatten. YaYa war nur ein Mittel zum Zweck gewesen um ihren Bruder wieder gesund zu machen. Aber sie hatte genauso auch auf einige Dinge verzichten müssen. Ein Privatleben, echte Freunde … so ein normales Leben war für sie immer noch völlig unvorstellbar. Aber irgendwie musste das doch machbar sein. Innerlich fing sie an zu knobeln, nachzudenken. Würde das überhaupt Sinn machen? Sie konnte ja nicht bis zum Ende der Oberschule einfach nur rumhängen.
„Wie machen das normale Leute, verdammt.“, fluchte sie, während sie sich dann die Kopfhörer auf setzte und erst einmal die Augen schloss. Viel konnte sie in diesem Moment eh nicht tun, aber vielleicht ja in naher Zukunft.
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