Stein für Stein

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Black Widow / Natasha Romanoff Hawkeye / Clint Barton Hulk / Bruce Banner Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Rocket Racoon Thor
10.05.2019
25.06.2019
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Bruce blickt Tony nach und dann sieht er Natasha verwirrt an. Er wartet auf ihre Erklärung warum sie Tony darum gebeten hat, den Raum zu verlassen. Doch Natasha schweigt, lediglich ein flüchtiges Lächeln umspielt ihre Mundwinkel und Bruce neigt leicht den Kopf zur Seite: „Dir ist schon klar, dass die Trainingseinheit für heute noch nicht beendet war?“, es ist nicht so vorwurfsvoll gemeint, wie es klingt. Ganz und gar nicht. Tatsächlich hat Bruce nichts gegen eine Pause. Gern auch eine längere. Sie kann auch bis morgen andauern … Besser wird er nicht, auch wenn er sich noch tausend Trainingsstunden um die Ohren schlägt.

Bruce ist öfter von der Plattform gefallen als er musste, gerade während der ersten Trainingseinheiten. Seine Füße traten gerne ins Leere, auch wenn er das gar nicht wollte, und dass er einmal den Gurt nicht richtig schloss, weil er in Gedanken woanders war, nun, das passierte ihm auch nur ein einziges Mal … Es grenzte an ein Wunder, dass er sich keinen Knochen bei dem Fall brach. Lediglich blaue Flecken und Prellungen trug er davon, Tony war ziemlich blass geworden und abgesehen von einem geschockten „Bruce!!“ ließ er ausnahmsweise mal jeglichen bissigen Kommentar vermissen…
Noch schwieriger konnte sich Bruce jedoch in die Selbstverteidigung hineindenken – kein Wunder, wenn man bei jedem Kampf bisher nur draufgehauen hatte, so sah es zumindest Thor. Bruce hatte eine ähnliche Meinung, aber eine andere Sicht auf die Dinge: „Warum muss ich mich verteidigen? Es gibt auf Vormir lediglich einen  Wächter! Den kriegt Nat im Schlaf klein, vermutlich kann ich lediglich dabei helfen den Typen aus dem Weg zu schieben...“
„Erstens kann dieser Wächter jede Art von Spezies sein! Und Zweitens, falls irgendeine andere Mission schief geht und ihr zwei dort zusätzlich gebraucht werdet ...“, Tony hatte inne gehalten, weil Extrarunden in ihrem Plan aufgrund der Unmöglichkeit eigentlich nicht vorgesehen waren, und hatte dann deutlich ruhiger gemeint: „Es ist einfach eine Vorsichtsmaßnahme, verstehst du? Wir wollen alle  heil zurückkommen, und ich … ich will mir keine Vorwürfe machen.“ Tony war es ernst damit gewesen, und anfangs war er entsprechend regelmäßig verzweifelt. Bis heute hat Bruce seine entnervten Worte im Ohr: „Bruce, in den letzten Tagen hab ich mehr graue Haare bekommen als in den vergangenen fünf Jahren zusammen genommen. Was ist an Arm hoch, Gewicht verlagern und wegducken  bitte nicht zu verstehen?!!“
„Normalerweise mache ich nicht fünf Dinge gleichzeitig!“ hatte Bruce gereizt und mit einer hilflosen Geste erwidert und dafür einen gedämpften Faustschlag in die ungeschützte Seite erhalten, was trotzdem weh tat. „Merkst du das?“, Tony hatte ihn angesehen, die Faust immer noch gegen seine Seite gedrückt, und es lag wirklich Sorge in seinem Blick: „Wenn dich dort etwas wirklich  trifft, Schutzweste hin oder her, dann kannst du erstmal gar nichts mehr machen. Nur hinfallen und liegen bleiben.“
“Das wiederum kann ich gut...“, Bruce hatte Tony entschuldigend angesehen. Und Tony hatte ihm den Arm um die Schulter gelegt, und ihm gesagt, dass niemand von ihnen Bruce fallen lassen würde. Und sie hatten weiter gemacht. Tag für Tag. Manchmal war Scott mit dabei gewesen, er hatte eine angenehm pragmatische Art an sich und er freute sich ehrlich wie ein Kind über jeden Fortschritt den Bruce machte. Oder Clint und Natasha gaben Ratschläge, die Bruce einmal mehr klar machten, dass Vieles was so leicht aussah einfach absolut nicht leicht war. Vermutlich dachten umgekehrt die anderen hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Forschungen genauso, aber mit sieben Doktortiteln allein war kein Kampf zu gewinnen … Doch allmählich war Bruce besser geworden, er bekam ein sichereres Körpergefühl und vor allem ein Gespür dafür was er sich zumuten konnte.
Und wenn also das Wenige, was Bruce bisher kann, aus der Sicht der anderen ausreicht, dann –

Offenbar spricht sein Blick mal wieder Bände. „Komm her, du Held...“, Natasha holt ihn wieder in die Realität zurück, sie zieht ihn in eine warme und feste Umarmung und Bruce lässt das gerne zu und er hält sie ebenso fest. So bleiben sie eine Weile dicht beieinander stehen. Dieses Mal macht ihn ihre Nähe nicht sprachlos, er nimmt sie an und er gibt Natasha einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. Diese Momente zu zweit sind in letzter Zeit sehr selten geworden, und noch immer kann er es nicht fassen, dass sie überhaupt möglich sind. Seit fünf Jahren … und nun bringt diese Mission alles durcheinander … er selbst hat Tonys Weigerung sich diesem wir-machen-alles-rückgängig -Plan anzuschließen im ersten Moment wohl noch am Besten nachvollziehen können. Bruce seufzt leise, wenn er die Gedanken so für sich sortiert klingt das ziemlich egoistisch. Und dabei will er doch alle um sich herum bewahrt wissen. Der Zauberer, so hat Tony erzählt, habe gesagt, es gäbe lediglich ein Szenario bei dem sie gegenüber Thanos erfolgreich seien. Gehen sie hiermit nun den richtigen Weg, diesen einen Weg? Und welchen Preis zahlen sie dafür? Das hat der Zauberer nicht gesagt … Ja, Bruce hat Angst vor ihren Missionen und dass sie in ihrem sturen Willen ihr Scheitern nicht akzeptieren zu können womöglich einen anderen wichtigen Fakt einfach ignorieren: Das das alles so geschehen musste, dass sie es gar nicht verhindern konnten.  Und er hat Angst vor dem, was sie womöglich auslösen, wenn sie das Unvermeidbare nun dennoch ändern. Was es auch kostet.  Früher hatte er selbst nie etwas zu verlieren, nicht mal sich selbst, weil der Andere sowieso immer gewann … doch heute, heute sieht das anders aus. Vielleicht ist das der entscheidende Faktor: Angst statt Wut. Die ganze Zeit schon. Seitdem der Plan Gestalt angenommen hat. Weder Tony noch Natasha können ihm da seine Zweifel nehmen. Und während Bruce zweifelt, ist Tony wiederum rastlos wie tatendrangig und Natasha entschlossen und zuversichtlich wie eh und je … Wahrscheinlich zweifeln Agenten einfach nie.

Natasha murmelt leise: „Du musst nicht nervös sein. Ganz und gar nicht. Fünf Sekunden in dieser Welt, fünf Stunden in der Zeitschleife. Da müssen wir uns nicht einmal beeilen, hm?“, meint sie aufmunternd.
„Es geht mir doch nicht um den Zeitfaktor, Nat, das haben Tony und ich inzwischen so berechnet und optimiert, da kann nichts schief gehen, die Zeit kann nicht plötzlich still stehen oder schneller ablaufen. Ich kann nur nicht versichern, dass ich dir auf Vormir wirklich eine Hilfe bin.“
„Das bist du.“, erwidert Natasha mit fester Stimme, als habe sie bereits eine ganz eigene Zeitreise unternommen und wisse inzwischen wie erfolgreich sie sich auf Vormir geschlagen haben.
Bruce macht ein ungläubiges Geräusch: „Phh... Thor oder Steve könnten dich aus unvorhergesehenen Situationen weitaus besser raus--“
„Wir beide sind ein Dreamteam, meinst du nicht?“ Natasha blickt ihn an, und ihre Zuversicht macht ihn schwach. Und doch … dieses Mal … er lächelt traurig: „Ach, Nat, … das werden die schlimmsten fünf Sekunden meines Lebens.“
„Und das, obwohl ich mit dabei bin?“, sie hebt amüsiert eine Augenbraue: „So wenig traust du mir also zu.“
Bruce weicht ihrem Blick aus. „Oh nein, ich traue dir eine Menge zu.“, murmelt er dann.
„Bruce, das war Ironie.“, Natasha tippt ihm kurz gegen die Brust und lacht leise. So sehr es sie immer wieder erstaunt dass Bruce zwar die schwierigsten Theorien zu durchschauen vermag, aber wiederum durch einfachste Unterhaltungen total verwirrt wird, so sehr liebt sie ihn für diese Art – sein Fokus liegt oftmals einfach in seiner ganz eigenen Welt. Wo einfache Dinge kompliziert sind und komplizierte Dinge völlig simpel. Und sie liebt sein Staunen, wenn sie ihn dort immer mal wieder herausholen kann. So wie jetzt.
Bruce sucht weiter nach Worten: „Vielleicht ist es nicht das obwohl  ...“, er blickt sie unsicher an.
„Es ist das weil? “, vermutet Natasha: „Willst du lieber mit Thor nach Vormir um ---“
„Nein, nein! Vielmehr sollte ich  nicht nach Vormir ...“, wehrt Bruce ab, und er klingt noch unsicherer als zuvor: „Ich meine... also ...“, er bricht ab und sucht hilflos Natashas Blick: „Nat, ich kann dir jede Formel erklären, aber wenn es darum geht --“
„Du denkst zuviel, Bruce.“, sagt ihm Natasha auf den Kopf zu und es klingt, als führten sie diese Unterhaltung nicht zum ersten Mal. Sie verstärkt nachdrücklich ihre Umarmung: „Lass los und tu es einfach. So wie wir alle.“
„Schwierig, wenn man jahrelang nur im Labor gesessen hat und das tu-es-einfach  von jemand Anderem übernommen wurde.“
Natasha hebt eine Augenbraue: „Ich habe dich ganz gut aus deinem Labor herausbekommen, meinst du nicht?“
Bruce senkt den Blick, er lächelt unmerklich und nickt dann nur wissend: „Hm, das hast du …“, er sieht sie an. Dann löst er sich von ihr, und mit etwas belegter Stimme meint er: „Ich möchte nicht der Grund sein, wenn wir beide scheitern und womöglich einer von uns dabei –“
Natasha geht rasch einen Schritt auf ihn zu und legt ihm die Hand über den Mund, sie weiß genau, dass er es absolut nicht mag auf diese Weise unterbrochen zu werden, aber wenigstens ist ihr dann seine Aufmerksamkeit gewiss. Bruce schiebt etwas energischer als er will ihre Hand beiseite, doch Natasha weicht keinen Zentimeter zurück. Sie blickt ihn entschlossen an: „Die Missionen stehen fest, die Aufgaben stehen fest, die Teams stehen fest. Das sind die Fakten. Und am Ende der Gleichung steht das Ergebnis, dass wir alle mit den Steinen zurückkehren. Wir müssen lediglich die bestehenden Variablen bis hin zum Ziel Schritt für Schritt abhaken. Im besten Fall gemeinsam.“, sie neigt den Kopf leicht zur Seite: „Also, wo ist das Problem, Doktor Banner?“
„Wenn du das so sagst, dann klingt das --“
„....gar nicht mehr so kompliziert, hm?“
„Es klingt zu einfach. “, wagt Buce leisen Widerspruch.
Natasha lässt gespielt entnervt ihre Stirn auf seine Schulter sinken und sie murmelt in seine Trainingsjacke hinein: „Ach Bruce... wenn wir zurück sind, dann machen wir mal einen Crashkurs in Sachen Mitarbeitermotivation.“
„Ich glaube, für die Art von Motivation die du meinst, brauche ich keinen Crashkurs mehr.“, erwidert Bruce prompt.
Natasha hebt langsam ihren Kopf und blickt ihn überrascht an, dann zieht sich ein Lächeln über ihr Gesicht und sie meint amüsiert: „Schau an … Mister ich-bin-verklemmt-und-mag-keine-Wortspiele  hat heute seinen doppeldeutigen Tag.“
„Nur wenn ich mir dir allein bin...“, nuschelt Bruce und wird ein wenig rot um die Ohren.
Natasha sieht ihn an, wie sie ihn wirklich nur ansieht, wenn niemand anderes mit im Raum ist. Doch im Gegensatz zu Bruce weiß sie ihre seltenen sprachlosen Momente mit Taten auszugleichen … und Bruce erwidert den Kuss. Sie sind allein, da kann ein flüchtiger Moment auch gern mal länger andauern.

Ein mahnendes Räuspern lässt beide schließlich auseinander gehen.
Clint schaut durch die geöffnete Tür des Trainingsraumes, er deutet mit den Pfeilen in seiner Hand in ihre Richtung und meint mit einem schiefen Grinsen: „Die  Trainingseinheit stand heute aber nicht auf dem Plan.“
Bruce wird wieder etwas rot um die Ohren und Natasha wendet sich Clint zu, ihre Arme behält sie dabei demonstrativ um Bruce' Taille gelegt: „Was genau hat Tony an lässt du uns kurz allein  bitte nicht verstanden?“
Clint schenkt ihr weiterhin ungeniert sein schiefes Grinsen, so wie jemand, der ganz genau weiß, dass er trotz allem nichts zu befürchten hat - als könnte Natasha jemals böse auf ihn sein .... Dann zuckt er nur mit den Schultern und blickt kurz hinter sich, als würde er nach Tony suchen, ohne sich dabei jedoch allzuviel Mühe zu geben. Schließlich wendet er sich wieder Natasha und Bruce zu. Er mustert vor allem Bruce, der ihm eine Spur blasser als sonst erscheint: „Sieht so aus, als bräuchten wir Haudegen alle mal noch nen Drink vor dem großen Tag, hm?“, meint er dann mit einem flüchtigen wie aufmunternden Lächeln. Er kann Bruce' Zweifel so kurz vor dem Finale absolut verstehen: Bruce erinnert ihn damit oftmals an Wanda, als diese während ihres ersten gemeinsamen Kampfes in Sokovia an ihrer Nützlichkeit zweifelte während ihnen Ultrons Geschosse um die Ohren flogen … Clint wartet gar nicht erst die Antworten der beiden ab, sondern bedeutet ihnen mit einem Nicken ihm zu folgen. Zu dritt verlassen sie den Trainings- und Simulationsraum.
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