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Herz oder Kopf?

von MissTea
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Andrea "Anni" Brehme Katrin Flemming-Gerner
10.05.2019
28.06.2019
9
11.873
4
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
06.06.2019 2.108
 
Hallo allerseits,
eigentlich passt es heute gar nicht hier her, weil...  #itsmybirthday
aber ich muss zugeben, dass ich zum ersten Mal seit ich angefangen habe die Geschichte zu schreiben so etwas wie Zweifel oder Unsicherheit empfinde. Ob das, worauf ich hinauswollte, wirklich Sinn macht, ob es nicht zu langweilig ist oder ob es möglicherweise Logikfehler gibt...
und das obwohl ihr immer wieder so positive Kommentare schreibt (Ein großes Dankeschön dafür an jeden Einzelnen!)
Aus diesem Grund kommt heute ein längerer Teil (vorgesehen war eigentlich, dass als zwei verschiedene Kapitel zu veröffentlichen) und ich nehme mir dafür die nächsten Tage etwas Zeit alles nochmal zu überdenken und gegebenenfalls neu zu strukturieren.
Habt einen fantastischen Tag und vergesst das Lachen nicht :)

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Mit einem entschuldigendem Lächeln wollte sie aufstehen, doch Katrin legte blitzschnell ihre Hand auf die der jungen Frau. „Ich will dich nicht verlieren.“
„Was?“ Anni starrte sie mit großen Augen an und Katrin konnte es ihr nicht verübeln. Sie war von sich selbst überrascht oder besser gesagt von ihrer plötzlichen Unerschrockenheit. Doch während Annis kleiner Rede war die Angst in ihr aufgestiegen - die Angst, diese wundervolle Frau, die ihr da gegenüber saß, erneut zu verlieren. Natürlich hatte Anni Recht, es standen tausend Gründe dagegen, aber in diesem Augenblick hatte Katrin das Gefühl, jeden einzelnen dieser Gründe bekämpfen zu wollen, wenn sie dadurch nur endlich wieder die Chance bekam, glücklich zu sein.
„Das war... also...  ich habe mit dem Satz die Nachricht beendet, die ich auf deine Mailbox gesprochen habe und davor etwas gesagt von wegen, dass wir nochmal miteinander reden sollten und dass das alles ziemlich schnell ging und...“, sie blickte zu der jungen Frau, die sie nur schweigend anstarrte, „Du wolltest das doch wissen.“
Anni sah sie weiterhin stumm an, was Katrin dazu veranlasste nervös auf ihrem Stuhl hin und her zu rutschen. Das kurzzeitige Gefühl von 'Wir werden für alles eine Lösung finden' war schlagartig erloschen, stattdessen fühlte sie, wie erneut Zweifel in ihr aufstiegen. Hatte sie es mit ihrer Aussage übertrieben? Waren das zu viele Emotionen für das erste Wiedersehen nach so langer Zeit?
Klare und verständliche Aussagen – im Geschäftsleben forderte sie nichts anderes, doch im Privaten fiel es ihr unsagbar schwer tatsächlich Farbe zu bekennen.
„Du machst mich echt fertig, weißt du das?“
Als sie Annis rhetorische Frage hörte, bildete sich ein verlegenes Lächeln auf Katrins Lippen. Das Blut rauschte in ihren Ohren. Aber immerhin sah ihr Gegenüber nicht mehr so aus, als wolle es flüchten. Anni blieb. Zumindest vorerst.
„Du wolltest mich also nicht verlieren? Inwiefern?“, sie machte ein kurze Pause und fügte dann noch hinzu: „Als jemand, mit dem du einen schnelle Nummer schieben und den Arbeitsalltag ein bisschen spannender machen kannst?“
„Nein.“ Katrin schüttelte vehement den Kopf. „Ich wollte – und will – dich nicht als Menschen verlieren, Anni, du bist... du bist mir wichtig. In vielerlei Hinsicht. Ich mag es, wie wir miteinander umgehen, dass alles so leicht ist und dass du... mir den Spaß am Leben wiedergegeben hast.“
„Also bin ich dein persönlicher.... Clown?“
Katrin riss geschockt die Augen auf und suchte gedanklich bereits nach den richtigen Worten, um dieses Missverständnis aufzuklären, da realisierte sie, dass Anni nur ein Scherz gemacht hatte. Sie legte ihre Hand auf ihren Brustkorb und nahm ein paar tiefe Atemzüge. Dieses Gespräch forderte wahrhaftig alles von ihr. In diesem Moment klingelte ihr Handy.



„Morgen früh? Nein, das ist möglich. Für Sie machen wir gern eine Ausnahme....“
Anni beobachtete, wie Katrin im typischen Geschäftstonfall telefonierte. Die Professionalität in Person. Auch um neun Uhr abends.
Grinsend schüttelte die junge Frau den Kopf, was von ihrem Gegenüber jedoch nicht unbemerkt blieb, denn so eben zog Katrin fragend die Augenbrauen hoch, um sich dann jedoch wieder auf ihr Telefonat zu konzentrieren. In Annis Innerem rumorte es. Adrenalin schoss durch ihre Adern und wäre sie nicht von jemand ganz Bestimmtem derart gefesselt gewesen, würde sie wahrscheinlich tanzend durchs Restaurant laufen. Das, was Katrin da vor wenigen Minuten zu ihr gesagt hatte, war zwar kein Liebesgeständnis, aber für ihre Verhältnisse ein riesiger Schritt nach vorn. Und Anni rechnete ihr das groß an.
„Gut, dann sehen wir uns morgen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!“ Mit diesen Worten legte Katrin ihr Handy auf den Tisch und ließ angestrengt Luft aus ihren Lungen entweichen.
„Keine guten Nachrichten?“ , fragte Anni sie besorgt, was die Ältere der beiden Frauen dazu veranlasste eine Grimasse zu ziehen. „Wie man es nimmt.“
Sie fuhr sich mit den Händen durchs Haar und stand dann auf. „Ich bezahle schon mal. Ich muss gleich nochmal ins Büro.“
„Weil?“ Anni umfasste Katrins Handgelenk und sah sie scharf an. Nur weil sie nicht mehr für die Geschäftsfrau arbeitete, bedeutete das nicht, dass ihr Probleme und Sorgen bezüglich KFI oder der Stiftung egal waren. Sie wollte eine Antwort haben.
„Ich hatte heute eine Videokonferenz mit einem möglichen neuen Investor. Es lief nicht gut und deswegen war ich eigentlich der Ansicht, dass wir uns von der Zuwendung verabschieden können. Aber jetzt hat Herr Sandgarden, der Investor, nochmal angerufen und mich um eine persönliche Präsentation gebeten. Er sagte, dass man mir angemerkt hat, dass ich heute nicht bei der Sache war, er aber ein Fan von zweiten Chancen ist.“
„Das klingt doch gut.“
„Schon, allerdings fliegt er morgen in die USA, das heißt es bleiben nur ein paar Stunden Zeit für die Präsentation, was bedeutet, dass ich mir wohl die Nacht um die Ohren schlagen werde.“
„Wann will er denn morgen kommen?“
„Circa um zehn Uhr.“ Katrin streckte sich, um dann endgültig in Richtung Theke zu laufen und die Rechnung zu begleichen. Anni sah ihr bekümmert nach. Ihre Hoffnung, dass sich der Abend noch weiter ausweiten würde, schien in sich zusammen zu fallen. Dabei war es gerade erst spannend geworden. Sie stieß einen Seufzer aus, als es ihr dämmerte. Womöglich gab es doch eine Möglichkeit noch ein wenig Zeit mit Katrin zu verbringen... die Idee war zwar nicht nur eigennützig, sondern versprach auch jede Menge Anstrengung, aber wie hieß es so schön 'Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt'.



Als Katrin zu Anni zurückkehrte, die inzwischen gleichfalls von ihrem Platz aufgestanden war, fiel ihr sogleich das breite Grinsen im Gesicht der jungen Frau auf. Als hätte sie etwas ausgeheckt.
„Was denkst du, wenn ich dir sage, dass du dir nicht die ganze, sondern sagen wir nur die halbe Nacht um die Ohren schlagen musst?“
Katrin sah sie irritiert an, sie hatte keine Ahnung worauf Anni hinaus wollte.
„Na ja, mit einen guten Assistenten an deiner Seite.“, erklärte sie lächelnd, woraufhin die Geschäftsfrau protestierend den Mund aufmachen wollte, jedoch gnadenlos von der jungen Frau unterbrochen wurde, „Keine Sorge, weil ich deine Abneigung Patrick gegenüber live erlebt habe, würde ich mich  auch sehr gerne zur Verfügung stellen.“
„Du kannst doch nicht-“
„Natürlich kann ich meinen Schlaf opfern. Ich habe heute schon einmal einem Freund geholfen, erinnerst du dich? Außerdem gibt es niemanden – ich betone niemanden – der so gut mit dir und deinen arbeitstechnischen Prinzipien umzugehen weiß wie ich.“
Katrin schmunzelte ungläubig. Wie machte Anni das nur? Sie gab ihr reihenweise Gründe, sie noch mehr ins Herz zu schließen.



Der nächste Morgen

Stöhnend erwachte Anni. Ihr Rücken schmerzte fürchterlich und auch sämtliche andere Gliedmaßen fühlten sich an als wäre ein Laster darüber gefahren. Die Augen vom Schlafen noch ganz verklebt, blickte sie sich um. Wo befand sie sich? Ach ja, Katrins Büro. Katrin?
Schlagartig war die junge Frau hellwach, aber an der Situation änderte sich deswegen wenig. Sie befand sich ohne Zweifel in dem Büro der Geschäftsfrau, hatte die letzten Stunden schlafend in einem der Besucherstühle verbracht, den Oberkörper auf den Schreibtisch vor sich gelegt. Das erklärte zumindest, warum sie sich so elend fühlte. So langsam kamen auch noch einige weitere Erinnerungen hinzu. Ihr gemeinsames Abendessen, der Anruf von dem neuen Investor und ihr Vorschlag bei der Ausarbeitung der Präsentation zu helfen. Anni erinnerte sich, dass sie tatsächlich die halbe Nacht – bis es fast drei Uhr morgens war – daran gearbeitet hatten. Mit einem Seufzen streckte sie sich und suchte den Raum nach einer Uhr ab. Halb neun. Sie hatten noch Zeit.
Blieb die Frage, wo Katrin steckte. Gähnend stand Anni auf und lockerte ihre Muskeln, drehte sich schließlich träge um die eigene Achse und grinste.
Katrin hatte sich gleichfalls zum Schlafen einen der Besucherstühle ausgesucht. Sie lag zusammengekauert wie eine Katze und mit ihrer Jacke bedeckt am anderen Ende des Raumes. Noch völlig im Land der Träume versunken. Ihre Gesichtszüge waren geglättet, ein leichtes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. Wovon sie wohl träumte?
Anni konnte sich gegen den Hormoncocktail in ihren Adern kaum wehren. Diese Glücksgefühle, die augenblicklich in ihr tobten, hatte sie seit Monaten nicht mehr empfunden. Und das obwohl sie einige der schönsten Orte der Welt besucht hatte.
Auf Zehenspitzen schlich sie in Richtung Tür, während sie sich alle Mühe gab Schmerzenslaute zu unterdrücken. Es fiel ihr schwer zu glauben, aber offensichtlich war sie nicht mehr die Jüngste – zumindest nicht mehr jung genug, um in einer derartig gekrümmten Position zu schlafen.
Sie benötigte dringend einen Kaffee und eine kurze SMS an Sunny zu schicken, war wohl auch keine schlechte Idee. Sonst warteten sie und Lilly noch ewig. Anni bekam leichte Gewissensbisse, wenn sie daran dachte, dass sie noch nicht mal 24 Stunden in Berlin war und ihre Freundinnen bereits sitzen ließ. Womöglich wäre ein Mädelsabend im Mauerwerk eine gute Entschädigung!?
„Na, ausgeschlafen?“
Anni zuckte zusammen, sie hatte gar nicht mitbekommen, dass Katrin kurz nach ihr das Büro verlassen hatte. Träumend stand sie vor der Kaffeemaschine, während eine leichte Röte ihre Wangen überzog. „Soweit man das Schlafen nennen kann.“
Sie registrierte, dass Katrin ein Lachen unterdrückte und zog fragend die Augenbrauen hoch.
„So wie du geschnarcht hast, musst du wie ein Stein geschlafen haben.“
„Geschnarcht?“, wiederholte Anni gespielt empört und erwiderte dann felsenfest überzeugt: „Ich schnarche nicht. Du musst dir das eingebildet haben.“
Katrin grinste, ehe sie kommentarlos das Thema wechselte. „Ich würde gerne kurz nach Hause fahren, um mich umzuziehen und ein wenig frisch zu machen. Wäre das in Ordnung, wenn du hier solange die Stellung hältst, falls Herr Sandgarden früher kommt? Ich besorge dir auch als Frühstück alles, was du willst.“
„Alles, was ich will?“ Ein Funkeln erschien in Annis Augen und sie musste sich zwingen, die Grenze nicht zu überschreiten. Sie musste sich überhaupt bremsen. Dieses ganze Geplänkel, was da gerade zwischen ihnen lief und die Nacht, in der sie so harmonisch nebeneinander gearbeitet hatten, durften sie nicht vergessen lassen, dass die neun Monate der Trennung nicht von Ungefähr kamen. Katrin und sie waren wie ein Boot, dass voller Abenteuerlust und ohne Plan in die See gestochen war, um dann irgendwann schlagartig Schiffbruch zu erleiden. Wenn sie jetzt erneut das Meer besegelten, dann auf eine zaghafte, bedachte, strukturierte Art und Weise. Sie mussten sich darüber klar werden, ob sie wahrhaftig dasselbe wollten und bereit waren, dafür einzustehen. Mit allen Konsequenzen, die dann auf sie zukommen würden.
„Gut, dann hätte ich gerne einen doppelten Cappuccino, zwei Schokocroissants, ein Käsebrötchen und...“ Als sie Katrins perplexe Miene sah, stoppte Anni lachend ihre nicht ganz ernstgemeinte Aufzählung. Zu Ihrer Überraschung hatte sich die Ältere der beiden Frauen jedoch schnell wieder gefasst und willigte mit einem Zwinkern ein. „Alles notiert. Kommt sofort!“



Katrin schnappte sich ihre Handtasche und wandte sich in Richtung Ausgang, als ihre Intuition sie plötzlich zurückhielt. „Bevor das später in dem Trubel untergeht – danke! Danke für deine Hilfe und deine Ideen, ohne dich wäre die Präsentation sicherlich nicht so gut geworden.“
Sie schaute Anni tief in ihre Augen, um zu verdeutlichen, wie erst sie das meinte. Sie war ihr wirklich sehr dankbar und es hatte unsagbaren Spaß gemacht, wieder mit ihr zu arbeiten.
„Ein Kompliment von der großen Katrin Flemming?“, neckte Anni sie, woraufhin Katrin konterte mit: „Musst du immer das letzte Wort haben?“
„Nein, das Allerletzte reicht mir völlig.“, versicherte Anni ihr schelmisch und verringerte die Distanz zwischen den beiden Frauen. Noch in der selben Sekunde beschleunigte sich Katrins Puls, doch zu ihrer Verwunderung zog die junge Frau sie lediglich in ihre Arme. Wobei 'lediglich' das falsche Wort war, denn manchmal – so wie in diesem Moment – war eine Umarmung mehr wert als alles Andere. Annis Atem an ihrem Hals zu spüren und wie ihre Hände ihren Rücken streichelten,
erfüllte sie mit Vertrauen und Stärke. Wenn Katrin sich noch irgendwie unsicher oder unvorbereitet in Angesicht des möglichen neuen Investors gefühlt hatte,  war sie jetzt vollkommen entspannt und
als wäre das nicht schon genug, raunte Anni just in diesem Augenblick: „Du schaffst das!“
Natürlich schaffe ich das, du bist ja hier. Obwohl ihr die Antwort auf der Zunge lag, schaffte Katrin es nicht, den Gedanken wirklich auszusprechen.
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