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Herz oder Kopf?

von MissTea
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Andrea "Anni" Brehme Katrin Flemming-Gerner
10.05.2019
28.06.2019
9
11.873
4
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02.06.2019 1.128
 
„Frau Flemming! Das ist ja eine Überraschung, Sie hier zu treffen! Ich hätte nicht gedacht, dass Sie überhaupt in so einer Art von Lokal... na ja Sie wissen schon.“
Sie hatten das Restaurant noch nicht ganz betreten, da sprach sie auch schon ein schlaksiger junger Mann an. Mit Nerdbrille, verwuschelten roten Haaren und Karohemd hatte er durchaus Ähnlichkeit mit dem jungen Bill Gates. Katrin spürte Annis interessierten Blick auf sich und ließ sich zu einem künstlichen Lächeln hinreißen. „Patrick, schön Sie zu sehen.“
Sie hoffte, dass es damit gegessen war, doch natürlich wurden ihre Erwartungen enttäuscht. Mit seinem ehrlich gemeinten, aber doch ziemlich übertriebenem Dauergrinsen und ausgestreckter Hand lief er auf sie zu, so dass sich die Geschäftsfrau genötigt sah, Anni und ihn einander vorzustellen. „Patrick, das ist Anni Brehme, ihre Vorgängerin. Anni, das ist -“  
„Patrick, Student der Betriebswirtschaftslehre im zweiten Semester und nebenberuflich als persönlicher Assistent von Katrin Flemming tätig, Geschäftsführerin von KFI International.“
Er ratterte seine Vorstellung herunter, als würde es sich um die Weltmeisterschaft im Aufsagen von Zungenbrechern handeln. Katrin blickte von ihrem persönlichen Assistenten zu ihrer Begleitung, die ihren Mund zwanghaft zusammen pressen musste, um nicht laut loszulachen. Schließlich hatte sich Anni soweit unter Kontrolle, dass sie Patricks immer noch ausgestreckte Hand schüttelte und ein ernstes „Sehr erfreut“ herausbrachte.
„Ich bestelle uns dann mal etwas.“
Katrin wusste, dass es nach einer schlechten Ausrede klang und Annis wissendes Grinsen gab ihr nur allzu deutlich zu verstehen, dass sie zumindest bei einer Person in diesem Raum aufgeflogen war. Aber das war egal, denn wenn sie jetzt eins brauchte, dann waren es ein paar Minuten Ruhe. Ihr 'persönlicher Assistent' war sehr ambitioniert und machte gute Arbeit, nichtsdestotrotz war er niemand mit dem sie über die professionelle Ebene hinaus Kontakt pflegte. Und das hatte Gründe.
Außerdem war da noch der Kuss mit Anni. Sie waren zum Alltäglichen übergegangen, so wie sie es immer getan hatten. Aber Katrin spürte, dass dieser Kuss zumindest bei ihr wieder alte – vielleicht nie wirklich erloschene Gefühle – zum Ausdruck gebracht hatte. Sie fühlte sich so leicht wie schon lange nicht mehr, doch es wäre gelogen zu behaupten, dass sie jetzt den totalen Durchblick hätte, was ihre Emotionen anging. Sie hielt sie noch immer ein Stück weit zurück.
Als Katrin wenige Minuten später mit einer Wasserflasche und zwei Gläsern bewaffnet wieder zu Anni und Patrick stieß, waren die beiden gerade in ein Gespräch verwickelt, das hauptsächlich daraus bestand, dass der BWL-Student munter drauf los plapperte, während die junge Frau kaum zu Wort kam. Katrin stellte schmunzelnd die Wasserflasche auf einen nahen Tisch, als sich Patrick dann doch entschloss die Gunst der Stunde zu Nutzen und seiner Vorgängerin eine Frage zu stellen.
„Könnten Sie mir vielleicht Tipps geben? Ich meine, Sie haben sicherlich mehr Erfahrung darin, wie man Frau Flemming zufrieden stellen kann...“
Anni nickte grinsend. „Klar, ich kenne da einige Methoden, die für Befriedigung bei ihr sorgen, aber ich bezweifle, dass sie die so eins-zu-eins umsetzen könnten...“
Katrin, die so eben dabei gewesen war, etwas zu trinken, verschluckte sich prompt und bekam einen Hustenanfall. Während Patrick augenblicklich versuchte seiner Chefin zu helfen und ihr unaufhörlich auf den Rücken klopfte, stand Anni die Unschuld ins Gesicht geschrieben. Erst als sich  ein Blickkontakt zwischen den beiden Frauen ergab, bildete sich ein schelmisches Lächeln auf ihren Lippen, was die Geschäftsfrau mit einem Augenrollen quittierte.



„Ich hatte schon fast vergessen, was für Sprüche aus deinem Mund kommen...“
„Ach, komm schon, so schlimm war der jetzt auch nicht.“ Mit einem Zwinkern biss Anni in ihren Falafelburger, woraufhin Katrin erneut mit den Augen rollte. Diesmal jedoch mit einem breiten Lächeln im Gesicht, was daran liegen musste, dass ihr Assistent in Spe inzwischen gegangen war. Anni hatte sofort gespürt, dass sich Katrins Laune durch das plötzliche Aufeinandertreffen mit dem Studenten deutlich verschlechtert hatte und war noch in der selben Sekunde zu dem Entschluss gekommen, dem Ganzen irgendwie entgegen zu steuern. Trotz allem war sie mit dem Spruch ein Risiko eingehen, nicht wissend, ob ihre ehemalige Chefin und Geliebte bereit für solche zweideutigen Anspielungen war.
Umso glücklicher war die junge Frau, dass sie jetzt gemeinschaftlich zusammen saßen und ihre Burger verspeisten. „Dann erklär doch mal, wenn du so ein großer Fan von deinem Assistenten bist, warum du ihn überhaupt eingestellt hast?“
Katrin ließ ein Zischen erklingen, ehe sie schwerfällig ihren Kopf von einer zur anderen Seite neigte. „Er ist toll, führt die Arbeit zufriedenstellend aus. Es gibt nichts zu Meckern.“
„So sieht Begeisterung aus!“  Der Sarkasmus triefte nur so aus ihrer Stimme, während noch zusätzlich eine Grimasse auf Annis Gesicht erschien.
Katrin lachte kurz, wurde dann aber ernst. „Was hätte ich denn machen sollen? Du hast gekündigt und auf Dauer brauchte ich jemand Neuen...“
Die junge Frau erstarrte. Sie hatte das Gefühl, ihr wäre geradewegs in den Bauch geboxt worden. Natürlich wusste sie, dass aus der Brünetten nur die absolute Ehrlichkeit sprach, trotzdem fühlte sie sich angegriffen. Als wäre es ihre Schuld, dass Katrin nun mit Patrick arbeiten musste... dabei hätte sie ja nie gekündigt, wenn die Geschäftsfrau ihr Liebesgeständnis nicht einem schlecht formulierten Vertrag ähnelnd abgeschmettert hätte. „Du weißt wirklich, wie man die Stimmung ruiniert. Aber weißt du was, es war die richtige Entscheidung.“
„Klar, Südamerika, Asien, Australien – da sagt doch niemand 'nein'.“
„Du hättest ja mitkommen können!“
„Anni.“ Katrin sah sie fast schon strafend an, was ihr Gegenüber laut aufseufzen ließ. Es war ein Tag der emotionalen Höhen und Tiefen gewesen, mit einigen erinnerungswürdigen Momenten – der Kuss gehörte definitiv dazu, Anni wurde ganz warm ums Herz, wenn sie nur daran dachte – doch jetzt waren sie auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Es war von Anfang an  nur eine Frage der Zeit gewesen und doch tat diese Erkenntnis weh.
„Stimmt, du konntest nicht mitkommen, weil es eine ganz spontane Entscheidung von mir war und ich dich – egoistisch wie ich bin – zurückgelassen habe. Natürlich wärst du gerne mitgekommen, na ja wenn du eben nicht Geschäftsführerin von KFI wärst und die Stiftung hättest und... ach ja, Johanna – und wenn wir schon dabei sind – Jasmin und tausende andere Gründe, die dagegen sprechen. Sein wir doch mal ehrlich, Katrin, wir können jetzt da weitermachen, wo wir aufgehört haben, aber das führt nur wieder zu... gebrochenen Herzen.“
Sie hatte gar nicht so emotional werden wollen, doch unterbewusst schienen diese Worte, trotz all der Zeit, die vergangen war, nur so darauf gewartet zu haben endlich ausgesprochen zu werden. Vielleicht hatte Anni sich geirrt. Damals war sie der Meinung gewesen, dass Katrin sie einfach nicht lieben würde, aber vielleicht war es auch anders, vielleicht hatte die taffe Geschäftsfrau tatsächlich Gefühle für sie, die nur einfach nicht ausreichten, um das zu Besiegen, was gegen ein gemeinsames Leben stand. Die Blicke der Anderen, Johanna und vor allem Jasmin.
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