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Herz oder Kopf?

von MissTea
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Andrea "Anni" Brehme Katrin Flemming-Gerner
10.05.2019
28.06.2019
9
11.873
4
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
30.05.2019 1.051
 
Hey ...
ich bin mir sicher, einige von euch haben seit dem letzten Kapitel bestimmte Vorstellungen und Wünsche wie es weitergehen wird,  aus diesem Grund will ich niemanden länger auf die Folter spannen - das ist meine Interpretation davon! Viel Spaß ;)
Und erneut ein großes Dankeschön für die vielen Rückmeldungen!!!!!!!

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Als sie so vor ihr stand mitsamt ihrer geschlossenen Augen, den leicht nach oben gezogenen Mundwinkeln und vollkommen schutzlos, wurde es Katrin schwer ums Herz. Wie hatte sie nur glauben können, dass Anni sich irgendwie verändert hatte. Natürlich waren die vergangenen Monate und was auch immer sie in der Zeit getan hatte, nicht an ihr spurlos vorüber gegangen, doch es war immer noch Anni, die da vor ihr stand. Diese unabhängige, kreative, lustige und herzensgute Frau, die nichts darauf gab, was andere über sie dachten.
Warum konnte Katrin nicht ein bisschen mehr wie sie sein?
Sie hatte es sich doch fest vorgenommen. Damals. Als ihr bewusst geworden war, dass das mit Anni doch größer war als alles was dagegen sprach. Sie hatte sich geschworen – falls es jemals nochmal die Chance dazu geben würde – ihren Gefühlen die Führung zu überlassen. Und jetzt?
Jetzt stand sie tatsächlich vor Anni und tat nichts. Sah sie nur an. Lächelte. War erstarrt.
Es war alles so einfach und doch so schwer. Vor allem für Jemanden, der sein ganzes Leben lang nur auf den perfekten Schein bedacht gewesen war, der Intrigen gesponnen und zum Gegenschlag angesetzt hatte – aber nie seinem Herzen eine wirklich Chance gab. Außer beim Bommel. Aber da hatte es kein Happy End gegeben. Würde es bei Anni auch so sein? Hatte sie wirklich so viel Angst davor, dass sie noch immer nicht über ihren Schatten springen konnte?
Katrin schluckte. Nein, verdammt, sie war eine Frau, die wusste, was sie wollte und die es sich ohne Umschweife nahm. Mit einem letzten Zögern beugte sie sich ein Stück weit vor und umfasste das Gesicht der jungen Frau. Berührte ihre Wangen. Zog sie näher zu sich. Schloss die Augen. Legte ihre Lippen zaghaft auf die ihres Gegenübers.
Sie versanken in einem Kuss, der nach Wiederkommen und vergangenen Erinnerungen schmeckte, der sanft begann und sich unaufhaltsam steigerte. Anni streckte ihre Arme aus und legte sie um Katrins Oberkörper, die wiederum ihre Hände in Annis Haaren vergrub. Sie atmeten immer schwerer und gaben sich doch gegenseitig Halt, lehnten ihre Körper gegeneinander und füllten die Leere, die sie in den letzten Monaten mit nichts anderem hatten füllen können.
Als sich ihre Münder wieder voneinander lösten und wieder ein wenig Raum zwischen ihnen entstand, lag ein Glitzern in ihren Augen und ein wissendes Grinsen in ihren Gesichtern.
„Wo hast du geparkt?“ Annis Stimme krächzte verräterisch, was sie verlegen auf ihre Unterlippe bissen ließ. Katrin lachte, ehe sich ihre Wangen ein wenig rot färbten.
„Ich bin nicht mit dem Auto hier.“
Sie sah, wie Anni überrascht ihre Augenbrauen hochzog. „Wieso nicht?“
Peinlich berührt wandte Katrin ihren Blick ab, wohl wissend, dass sie damit die Neugier der Brünetten noch mehr beflügelte. „Erinnerst du dich, ähm....“
„Ja?“ Anni war einen Schritt auf sie zukommen und hatte ihre Hand unter Katrins Kinn gelegt, um damit den Blick der Älteren wieder auf sich zu lenken.
„Erinnerst du dich, dass du mal gesagt hast, ich würde viel zu schnell fahren und es wäre längst nicht mehr gelb gewesen?“, sie verzog kleinlaut ihr Gesicht, „Nun möglicherweise hattest du Recht...“
Es dauerte einige Sekunden, ehe Anni verstand, was Katrin ihr damit sagen wollte. Dann jedoch brach sie in schallendes Gelächter aus. „Dir wurde dein Führerschein abgenommen?“
Sie schien sich nicht mehr einkriegen zu wollen und hielt sich nur so den Bauch vor Lachen. Und Katrin, die eigentlich eingeschnappt sein sollte von dieser Reaktion, konnte sich gegen Annis Lachanfall nicht verwehren und grinste ebenfalls. Glücklich über diesen unbeschwerten Moment.



Als sich die beiden Frauen wieder einigermaßen beruhigt hatten, machten sie sich erneut auf den Weg – wohin wusste keiner so genau. Immer der Nase nach, hätte Anni wohl erklärt, wenn sie sich denn getraut hätte etwas zu sagen. Doch sie wollte die Stimmung nicht mit unbedeutenden Worten vergiften, also schwieg sie. Ihr Körper machte allerdings nicht den Anschein sich an diese Art von Vorhaben halten zu wollen, denn sie waren keine fünf Schritte weit gekommen, als auch schon ein lautstarkes Grummeln ertönte.
Beschämt drückte Anni ihre Hände auf ihren Bauch, der von diesem Ablenkungsmanöver jedoch wenig hielt und erneut ein Rumoren erklingen ließ.
Katrin sah sie belustigt an. „Keine Zeit zum Essen?!“
Anni schüttelte nur mit dem Kopf. Tatsächlich hatte sie über die ganze Aufregung heute die Nahrungsaufnahme völlig vergessen, was ihr jetzt umso mehr zum Verhängnis wurde. Ihr Bauch wollte mit den nervtötenden Geräuschen gar nicht mehr aufhören. „Vielleicht könnten wir tatsächlich -“
„- Falafel essen gehen?“, beendete Katrin den Satz mit einem Schmunzeln, welches die junge Frau augenblicklich erwiderte. Ohne sich abzusprechen, liefen sie zu einem ganz bestimmten Restaurant, während der Himmel über ihnen sekündlich dunkler wurde und die Luft abkühlte. Ein lauer Frühlingstag ging zu ende und es herrschte ein angenehme, aber doch erwartungsvolle Atmosphäre.
Beide Frauen wussten, dass sie ein Gespräch nicht ewig aufschieben konnten.
„Ich war in deiner Abwesenheit noch ein paar Mal dort essen.“
Anni blickte verwundert zu der Frau, die fast schon zu selbstverständlich neben ihr her spazierte. Taffe Geschäftsfrau hin oder her, aber Katrin steckte doch immer wieder voller Geheimnisse.
„Einfach weil es dort so gut schmeckt oder der alten Zeiten wegen?“ Sie heftete ihren Blick auf die Braunhaarige, um ja nicht ihre Reaktion zu verpassen, doch Katrin zuckte nur nichtssagend mit den Schultern. Anni stöhnte innerlich auf. Es war ja nicht so, dass sie unter Zeitdruck standen und doch hätte sie sich über ein oder zwei klare Aussagen mehr als gefreut. Aber vielleicht musste sie sich auch einfach zuerst öffnen. „Weißt du, Asien ist ja für Zurückhaltung bekannt, aber Berlin...?!“
Wie erhofft, sprang die Ältere der beiden Frauen auf diesen Zug auf. „Asien?“
„Ja, einer der Kontinente, die ich besucht habe. Neben Australien und Südamerika.“
„Wow, da bist du ja viel herum gekommen.“
„Neun Monate sind eine lange Zeit.“ Die junge Frau hob hilflos ihre Handflächen in Richtung Himmel, unsicher, ob es richtig war, diese Grenze bereits jetzt zu überschreiten. Katrin schenkte ihr als Antwort nur ein betrübtes Lächeln und hielt ihr die Tür auf, denn so eben waren sie bei dem Restaurant angekommen.
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