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Herz oder Kopf?

von MissTea
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Andrea "Anni" Brehme Katrin Flemming-Gerner
10.05.2019
28.06.2019
9
11.873
4
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
10.05.2019 958
 
Hey,
ich bin erst durch die Liebesgeschichte von Anni und Katrin zu GZSZ gekommen.
Die Fanfiktions, die es schon zu dem Thema gibt, haben mich dann so inspiriert, dass ich auch mal mein Glück versuchen wollte :)
Über Anregungen, Kritik und Lob würde ich mich sehr freuen! Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß bei der Geschichte!

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„Anni?“
Maren war die Überraschung in der Stimme nur so anzuhören und auch ein wenig die Unsicherheit. Denn die junge Frau, die da nur wenige Meter von ihr entfernt stand, hatte sich definitiv verändert. Die dunklen Haaren waren deutlich gewachsen und gingen inzwischen bis weit über ihre Schultern hinaus. Ungeschminkt, gebräunt und doch das typische Glitzern in den Augen. Maren schmunzelte und lief auf die  Braunhaarige zu, um sie in eine stürmische Umarmung zu ziehen. „Was machst du hier? Ich kann nicht glauben, dass du einfach so mir nichts, dir nichts in Berlin stehst – als wäre es das Normalste der Welt.“
„Ist es das etwa nicht?“ Auf Annis Gesicht zeichnete sich ein Strahlen ab. Das war es, was sie am Allermeisten vermisst hatte. Ihren Kiez und all seine wundervollen Bewohner. Neun Monate waren eine lange Zeit und sie war dankbar für jeden einzelnen Tag dieser wundervollen Reise, doch irgendwann war die Sehnsucht dann doch zu groß geworden. Anni grinste noch immer, als Maren sie wieder ein Stückchen von sich schob, um sie genauer von oben bis unten betrachten zu können.
Ja, ihr war selbst bewusst, dass sie sich verändert hatte. Innerlich wie äußerlich.
„Lass dich ansehen, du Abenteurerin!“, Maren zog eine Schnute, umfasste Annis Arm und drehte sie einmal um sich selbst, „Warst du schon in der WG?“
„Nein, das ist mein nächstes Ziel.“, versprach die Brünette und zwinkerte.
„Na dann, will ich dich mal nicht aufhalten. Aber -“, Maren hob drohend den Zeigefinger, „ich will eine genaue Berichterstattung darüber, wie Lilly und Sunny reagiert haben.“  
„Alles klar!“ Anni hob ihren Arm zu einem militärischen Gruß, was sowohl sie als auch Maren zum Lachen brachte. Die beiden Frauen hatten sich noch nicht richtig beruhigt, da rief jemand den Namen der Blondine. Anni erstarrte. Auch nach neun Monaten erkannte sie die Stimme auf Anhieb.
Das Klackern von Absätzen war zu hören und die junge Frau schluckte. In ihrer Vorstellung hatte sie sich bereit für die Begegnung gefühlt, doch in der Realität sah das nochmal anders aus.
Obwohl sie mitten in Berlin stand, Leute um sie herumliefen, verschiedene Gerüche in der Luft hingen und die unterschiedlichsten Geräusche zu hören waren – ihre gesamte Aufmerksamkeit richtete sich auf diese eine Person. Die Schritte, die immer näher kamen. Das Parfüm, dass ihre Ankunft ankündigte. Anni fragte sich, ob sich Katrin bewusst war, auf wen sie da zu lief. Doch noch ehe sie eine Antwort darauf wusste, war die Geschäftsfrau auch schon bei ihnen angekommen.


„Hey, ich dachte, wir wollte zusammen Mittag essen?“ Ihr Blick war auf Maren gerichtet, doch aus dem Augenwinkel sah Katrin, dass da noch jemand neben ihrer Freundin stand. Der Höflichkeit wegen drehte sie sich ein wenig, um die fremde Frau nicht vollkommen auszuschließen. Doch mitten in der Bewegung realisierte Katrin, wer da vor ihr stand und ein ungläubiges  'Anni' entwich ihren Lippen. Einen Moment lang schien die Welt still zu stehen und die beiden Frauen starrten sich nur völlig gebannt an. Unfähig in Worte zu fassen, was sie da gerade fühlten.
Schließlich übernahm Maren die Führung. „Du wegen dem Mittagessen... wollen wir das nicht verschieben und ihr setzt euch ein wenig zusammen? Ich bin sicher, es gibt da einiges, über das ihr reden wollt.“ Die Blondine wusste nur zu gut, wie sehr sich auch Katrin in den letzten Monaten verändert hatte. Nachdem Anni gegangen war, hatte sich ihre Freundin in Jemanden verwandelt, der es geradezu mit der Eiskönigin aufnehmen konnte. Ihre steinerne Maske hatte sie kaum noch abgenommen und sich unentwegt in die Arbeit gestürzt. Die gemeinsamen Mittagessen waren die einzige Zeit, in der die taffe Geschäftsfrau sich erlaubte auch ein wenig 'Mensch' zu sein.
Doch Annis plötzliches Auftauchen schien auch das zu Nichte zu machen. Ein perfektes Pokerface bildete sich auf Katrins Gesicht, die Lippen zu einem dünnen Strich verzogen und die Stimme zur äußersten Emotionslosigkeit entzerrt. „Nein, das wird nicht nötig sein. Ich habe sowieso nicht viel Zeit. Ich besorge mir einfach etwas Obst.“ Ihr Blick wanderte zu Maren, die sie fassungslos anstarrte. „Wir telefonieren, ja?“
„Darauf kannst du Gift nehmen.“ Maren hatte die Arme vor der Brust verschränkt und ein drohender Unterton schwankte in ihrer Antwort mit. Doch selbst das hielt Katrin nicht auf. So schnell wie sie aufgetaucht war, so schnell verschwand sie auch wieder. Einzig das kurze 'Einen schönen Tag noch!', dass sie Anni mitsamt falschem Lächeln zuwarf, blieb zurück.
Verstört erwachte die junge Frau aus ihrer Trance.
„'Einen schönen Tag noch!?' Manche Dinge ändern sich wohl nie, was?“
Auch ihr Gegenüber hatte noch nicht wirklich verdaut, was da eben passiert war.
“Ich kann nicht glauben, dass sie das gerade wirklich getan hat...“ Maren hatte das mehr zu sich selber gesagt, doch Anni klopfte ihr trotzdem beruhigend auf die Schulter.
„Nimm es nicht so schwer.“ Als sie den überraschten Gesichtsausdruck der Blondine sah, ergänzte sie zudem: „Hey, es ist... es ist okay. Ich habe nichts anderes erwartet.“ Sie zuckte fast schon gleichgültig mit den Schultern und ignorierte dabei gekonnt den Schmerz, der sich so eben in ihrer Brust ausbreitete. „Ich gehe dann mal zur WG!“
Mit einem letzten Lächeln drehte sie sich um und ließ Maren zurück. Die blonde Frau wusste nicht, was ihr am Meisten die Sprache verschlagen hatte. Annis erwachsenes Verhalten, Katrins Ignoranz ihrer eigenen Gefühle gegenüber oder dass beide Frauen tatsächlich glaubten, sie könnten einfach so übergehen, was da vor neun Monaten zwischen ihnen war.
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