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Der Aufstieg und Fall des Lefáir Dú Lac

von Shadowolv
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
09.05.2019
09.05.2019
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I.Kapitel, Die Rückkehr nach Hause

Das bretonische Dorf lag still und friedlich vor dem jungen Ritter als er die lange Straße zum Bergfried hinaufritt. Das Dorf in dem er seine Kindheit verbracht hatte, bevor ihn sein Vater an den Hof des Barons Léverne geschickt hatte, damit er dort seine Jahre als Knappe erleben konnte, und bei seinem Gönner zu dem kräftigen, von Tatendurst getriebenen Jüngling wurde, der er jetzt war. Erst vor wenigen Wochen hatte er den Ritterschlag empfangen und zu diesem freudigen Anlass hatte der Baron ihm ein ausgezeichnetes Kettenhemd überreicht. Kaum einen Tag später hatte die Nachricht vom Tod von Lefárs Vater den Hof erreicht, zusammen mit der dringenden Bitte seines älteren Bruders nach Hause zu kommen. Lefár zögerte nicht lang, er verabschiedete sich herzlich von dem alten Baron, der ihm wie ein zweiter Vater gewesen war, und ritt gen Norden nach Hause.
Und jetzt war er wieder da, die alte Schmiede und den steinernen Turm vor sich, der sich mächtig über den, in der Sonne glitzernden, grünen See erhob, der dem Ort seinen Namen verlieh. Dú Lac. Als er durch den Torbogen in den Hof ritt, und die altbekannten Wirtschaftsgebäude betrachtete, hörte er ein tiefes, harmonisches Lachen, und wandte den Kopf zu dem grauen Burgfried aus dem ein Mann trat, mit dem gleichen, dunklen Haar, wie Lefár selbst, von ähnlicher Statur und dem selben Schalk in den Augen. Nur hier unterschieden Lefár und sein Bruder sich. Atraus hatte Augen die so grün wie der See waren, und Lefárs Augen glichen dem Himmel an einem heissen Sommertag.

„Bruder, es tut gut dich endlich wieder zu sehen! Seit dem letzten Mal ist viel Zeit vergangen. War Léverne gut zu dir? Und wie war die Reise? Ich hoffe diese gottverdammten Bestien sind nicht schon auf den Straßen des Königs unterwegs!“

Kaum war Lefár aus dem Sattel, wurde er in eine Umarmung gezogen, die ihm die Luft aus den Lungen presste. Er atmete zum ersten Mal, seit er wieder im Ort war, richtig ein. Als er den Geruch von Leder, Kuhmist und den vertrauten Duft von Heu, nach dem Atraus stets roch, einsog, war ihm beinahe nach Weinen zumute. Es tat so gut die melodische Stimme seines Bruders zu hören, wieder zuhause zu sein!

„Es ist schön endlich wieder hier zu sein!“ sprach er seine Gedanken laut aus. „Und um all deine Fragen zu beantworten: Dieser Tiermenschen Abschaum wagt sich noch nicht aus seinen Drecklöchern hervor, aber ich fürchte bald ist es soweit. Sogar Léverne musste schon seine Muntleute aussenden. Aber genug davon, wie steht es um Dú Lac, und wie geht es dir?“ fragte Lefár in einem Atemzug.
Für einen kurzen Moment legte sich ein Schatten über Atraus' kantiges Gesicht, und einen Augenblick lang sah Lefár wie abgekämpft und müde sein Bruder aussah. Doch dann zwinkerte Atraus und Lefár fragte sich ob er sich das nur eingebildet hatte.

„Ach es geht schon, es geht schon. Die Bauern sind jetzt auf den Feldern, und ich habe mir gerade Vaters Unterlagen für die Abgaben der letzten Jahre angeschaut. So wie es aussieht geht es mit uns Bergauf. Aber jetzt komm rein, wir wollen etwas trinken und essen, und du kannst dir den Reisestaub abwaschen.“

Mit diesen Worten wandte Atraus sich dem Soller zu und ging voraus. Ein Stallknecht eilte herbei und nahm Lefár die Zügel aus der Hand. Dieser jedoch folgte bereits seinem Bruder zum Eingangsportal. Als er allerdings einen Blick über die niedrige Mauer warf, konnte er erkennen dass man angefangen hatte auf der Nordseite zum Wald hin, einen Erdwall aufgeschüttet hatte, und dort eine Palisade um das Dorf gezogen wurde.
Neugierig geworden eilte er seinem Bruder nach, um zu fragen: „Atraus, warum lässt du Verteidigungsanlagen errichten? Reicht der Bergfried nicht mehr?“
„Ach, das braucht dich jetzt nicht zu kümmern, lass uns lieber trinken und über die alten Zeiten lachen!“ rief sein Bruder über die Schulter zurück, und tat Lefárs Frage mit einem Achselzucken ab.
Dieser runzelte die Stirn erwiderte aber nichts.
Aber nachdem er sich kurz das Gesicht, den Hals und die Hände gewaschen hatte, und sie gemeinsam bei Wein und kalter Ente saßen konnte er sich nicht mehr zurückhalten.
„Was ist hier los Atraus? Die Palisade, die Frage nach den Tiermenschen? Es ist etwas passiert, oder?“
Atraus seufzte tief und rieb sich die Nasewurzel. Und wieder schien er Lefár so unglaublich müde. „Ja du hast Recht. Wir müssen einiges besprechen.“ Er holte wieder tief Luft und fing an zu sprechen: „Vor ein paar Wochen gab es einen Angriff. Mutanten. Bestien aus den Tiefen des Waldes. Sie sind nachts über uns hergefallen und nur Vaters scharfem Verstand und starkem Schwertarm ist es zu verdanken das wir kaum Verluste zu beklagen hatten. Wir haben sie abgewehrt aber sie haben ein wenig geplündert und zwei Hütten angesteckt. Vater ist schließlich der Anstrengung und seinen Verletzungen erlegen. Seither gebe ich mir alle Mühe uns gegen einen solchen Angriff besser zu wappnen. Darum die Palisade. Ich habe auch eine Miliz ausgehoben und lasse sie Patrouillen am Waldrand abgehen. Verstehst du Lefár, falls so etwas wieder passiert müssen wir ausreichen vorbereitet sein!“ Lefár nickte stumm. „Und jetzt müssen wir über Vaters Hinterlassenschaften sprechen. Gemäß unseren Gesetzen und seinem Willen nach, wird der Erstgeborene, in diesem Fall  ich, Land und Titel erben. Das bedeutet dir werden einige andere Gegenstände hinterlassen.“ Erneut nickte Lefár nur. Er hatte mit so etwas gerechnet. Seit er denken konnte wusste er dass ihm ein anderes Schicksal zugedacht war. Interessiert fragte er nach: „Was bleibt mir?“ „Etwas Geld, Unser Wappenschild und -“ er drehte sich an dieser Stelle um öffnete eine massive, große Eichentruhe aus der er ein in blaue Seide eingeschlagenes Schwert nahm. Atraus legte es auf den mit zahllosen Unterlagen übersäten Schreibtisch. Lefár setzte sich auf und betrachtete es mit Faszination. Das Schwert hatte ein schlankes Heft dessen Griff aus Horn geschnitzt war. Als Lefár die Seide aufschlug und die Klinge musterte, stach ihm sofort die seltsame Machart ins Auge. Diese Klinge war von keinem Bretonen gefertigt worden. Zu fein und präzise war die Klinge geschmiedet worden, und sie war zu schlank und blattförmig.

„Woher kommt diese Waffe? Vielleicht Estaliatisch? Möglicherweise sogar zwergisch?“ Er warf einen fragenden Blick zu seinem Bruder der schmunzelte und mit einer Handbewegung auf die Schneide wies.

„Schau sie dir genau an.“ War alles was er erwiderte. Erst als Lefár die Klinge genau untersuchte und fasziniert mit den Fingern die eingeprägten Muster berührte wurde ihm klar, woraus diese Waffe bestehen musste! „Das ist Ithilmar! Aber das besitzen doch nur...“ Ihm blieb die Spucke weg. „Elfen. Ja dieses Schwert wurde von Elfen geschmiedet. Nur zu, nimm sie ruhig in die Hand. Sie gehört ja jetzt dir.“ Als er das hörte zuckte Lefár überrascht hoch.

„Aber das ist ein so großes Geschenk! Dieses Schwert ist sicher ein kleines Vermögen wert! Dessen bin ich nicht würdig! Ich bin noch nicht einmal ein Ritter des Königs! Noch kein Feind fiel von meiner Hand!“ stieß er verwundert hervor.
„Dann ist das die richtige Waffe um erstes Blut zu vergießen!“ lächelte Atraus. „Wenn du sie immer im richtigen Sinne für die Armen und gegen die Feinde Bretonias führst sehe ich nichts was dagegen spricht.“ „Ich schwöre beim König und der Herrin des Sees dass ich diese Klinge stets im Gedenken an das was richtig und gerecht ist schwingen werde!“ rief Lefár, überwältigt von solch einem Geschenk. Als er das Schwert in die Hand nahm, merkte er dass sie kaum Gewicht hatte.
Und gerade als er die Waffe unter dem stolzen Blick seines Bruders in die Scheide schob, drang das Klirren von Metall zu ihnen in das Gemach, vermischt mit dem Rufen von Männern und Frauen.
Die Brüder sahen sich an, und verließen schnellen Schrittes die Kammer um unten auf den Hof zu treten.
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