Wahrheit und Recht - Die Geschichte der Auserwählten

von C0raZ0n
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
OC (Own Character)
09.05.2019
10.05.2019
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09.05.2019 4.181
 
Prolog

Eigentlich hatte ich mir das alles anders vorgestellt. Ganz anders. Jeder hatte so seine Pläne mit dem Leben. Einige wollten Anwalt werden, andere Ärzte oder berühmt werden. Das einzige was ich wollte, war es meine Schule gut zu machen, aufs College zu gehen um noch mehr zu lernen und dann schließlich auf eine gute Uni zu gehen. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie weiter gedacht, ich war zwar schon 16 und so langsam musste man wissen, wo man hin wollte, aber ich wollte mich erst mal treiben lassen. Zumindest wollte ich, nachdem ich was geworden war, auch ein wenig verreisen, mir dann einen Mann suchen, heiraten und schließlich Kinder haben. Das waren ganz normale Ziele. Vollkommen normal, Durchschnitt könnte man sagen. Doch zu all dem sollte es niemals kommen...

Kapitel eins

Wie immer hing ich auf dem Parkplatz mit meinen Freundinnen rum. Ein Treffpunkt vor der Schule, während der Schule und nach der Schule. Man sah, wer kam und ging, wer sich mit wem unterhielt und wer welche Klamotten anhatte. Das übliche Highschool-Drama.
Meine Wenigkeit hieß Cody Futhworth und ich war nicht gerade groß, gerademal 1,60m. Für viele eben nur der Zwerg. Schlanke Figur, wo es an einigen Stellen ruhig mehr hätte sein können... Blonde, mittellange Haare, wie so viele Mädchen an der Schule, aber ich konnte wenigstens von mir behaupten, das es Naturblond war. Meine Augen waren hellbraun und dazu hatte ich ein leicht rundliches Gesicht, eine kleine Nase, schmalen Lippen, die ich immer erfolglos versuchte mit etwas Lippgloss aufzupeppen. Ich war Durchschnitt, aber es war okay. Wenn ich mir so manch andere Mädchen in meinem Alter ansah, konnte man nur mit dem Kopf schütteln, wie assig oder nuttig sie rumliefen. Ich war jetzt auch keine Heilige, die hochgeknöpft rum lief, aber zwischen hübsch und nett gekleidet und nuttig lag ein riesiger Unterschied. Und das wussten auch meine Freundinnen.
Cassy Crane war eine Latino Schönheit. Sie hatte dunkles Haar und eine Karamelbräune, die mich manchmal echt neidisch werden ließ. Sie hatte wundervolle dunkle Augen, eine straffe spitze Nase und volle Lippen. Ihre Figur war echt ein Hingucker, nicht nur was in der Bluse sondern auch in der Jeans. Ich war zwar nicht lesbisch, aber Cassy sah echt toll aus. Ein paar Jungs standen Schlange bei ihr, aber sie hatte keine Lust auf Jungs. Die letzte Beziehung mit Jeremy Cole hatte ihr gereicht. Als nächstes hätten wir da Holly Mathews. Eine Blondine, die überhaupt nicht blöd war. Und im Gegenzug zu so vielen normalen Blondinen, trug sie eine Brille. Keine sexy Lehrerinnenbrille, sondern eine echte Streber-Nerd-Brille. Ohne die, wäre das hübsche Mädchen hoffnungslos verloren. Sie hatte schon mal ein paar Ecken und Türen mitgenommen, denn ohne war sie einfach blind. Sie war auch schlank, ebenfalls tolle Figur und eine Mähne, bei der man neidisch wurde. Ihre Augen waren ein dunkles, freundliches Blau, ihr Gesicht war schmal mit hohen Wangenknochen, womit sie manchmal etwas zu dünn aussah. Zuletzt gab es da noch Hayley Cronley. Ihre Eltern waren stinkreich, da ihnen mehrere Baufirmen gehörten. Haley fuhr trotzdem mit ihrem kleinen alten Prius zur Schule, trug immer noch ihre alte Klamotten und machte sich nicht viel aus Reichtum, obwohl sie uns manchmal öfter zu Burger und Pommes oder zu einigen Milchshakes einlud.
Wir vier hingen immer zusammen, auch in der Klasse. Wir waren echt gute Freundinnen, bis zu einem dieser Tage, an denen es nicht hätte schlimmer kommen können. Es war Pause. Wir hingen auf dem Parkplatz unserer Schule der Newport Harbor Highschool kurz genannt NHS rum. Cassy und ich saßen auf der Ladefläche meines kleinen Trucks, den Dad mir für wenig Geld organisiert hatte, als ich meinen Führerschein bestanden hatte. Seit zwei Tagen litt ich schon unter einer Erkältung, rotzte rum und hustete wie blöd. Meine Mom hatte mich trotzdem zur Schule geschickt und meinte, das ich nur simulieren würde, da wir in Biologie eine Klassenarbeit schrieben. Sie war so ekelhaft penibel, was meine Schulsachen anging, das sie sich jeden Tag ins Elternportal einloggte um genau zu überprüfen, was für Hausaufgaben wir auf hatten und wann wir welche Arbeit schrieben. Und sie erinnerte mich jeden verdammten Tag daran (nerv!). Mein Dad war unter der Woche unterwegs. Er arbeitete als Dolmetscher und war die meiste Zeit im Zentrum von L.A, er kam nur am Wochenende nach Hause, oder aber wenn er sich Arbeit mit nach Hause nahm. Ich hatte noch eine jüngere Schwester, sie hieß Stacy und war 4 Jahre jünger als ich und das seltsame an der Geschichte, bei ihr war meine Mutter nicht so penibel und genau. Ihr ließ sie vieles durchgehen, wo ich wieder einmal Ärger bekommen würde (wieder nerv!). Selbst Stacy, die kleine verwöhnte Diva meinte heute morgen, das ich echt nicht gut aussah und das stimmte wirklich. Meine Haare waren spröde und zickten rum, meine Nase war ein einziger roter Zinken, meine Lippen hassten heute Lippglos und ich fühlte mich einfach nur elendig dreckig, bei dem Gehuste und Geschniefe.
„Das deine Mutter so einen Terz immer veranstaltet“, meinte Cassy die wirklich Mitleid mit mir hatte. Das Latinomädchen war echt nicht begeistert, das ich so angeschlagen zur Schule gekommen war. „Wenn du jetzt einen Unfall bauen würdest, würde deine Mom das bestimmt bereuen.“
Ich winkte bloß ab. „Von wegen! Ihre Mom würde noch sagen, das es Codys Schuld sei, weil sie nicht aufgepasst hat“, meinte Holly. Den Daumen nach oben zeigte ich, da mich ein Hustenanfall durchschüttelte. „Fahr einfach nach Hause Cody. Das hat doch keinen Sinn. Bio kannst du auch nachschreiben“, gab Hayley wieder. „Echt Cody. Fahr nach Hause und ruf Miss Heller an, das du nach Hause gefahren bist. Die ersten zwei Stunden hast du dich schon gequält und Bio schreiben wir erst in den letzten beiden“, pflichtete Hayley bei.
„Meint ihr echt?“,, krächzte ich. Und sah alle nacheinander an, bis mein Blick hinter Holly stehen blieb. Da stand ein seltsam aussehender Typ. Es war eigentlich nichts ungewöhnliches, das einige Typen seltsam aussahen, aber dieser... Er strahlte eine unheimliche Macht aus, das mein Herzschlag sich sofort beschleunigte und er war näher gekommen. „Hey, Leute, da ist so ein Typ“, meinte ich und nickte mit dem Kopf dem Kerl zu, wobei meine Freundinnen den Blick wandten und diesen Typen ebenfalls sahen. Er war in schwarz gekleidet und trug eine Kapuze über dem Kopf. Bei 25 Grad im Schatten musste dieser Typ doch völlig Banane... „Scheiße“, sagte Cassy und hüpfte von der Ladefläche. „Hä? Was?“, fragte ich noch blöd, als der Typ direkt auf uns zu gesteuert war und mich förmlich mit dem Blick taxierte, ehe ich es sah. „Heilige Scheiße“, murmelte ich. Das war ein Späher. Ein Typ der Schuld daran war, das er das Leben von unschuldigen Jugendlichen beendete. Er diente dazu Vampyre zu Zeichnen und das geschah in diesem Augenblick. Er war so nah gekommen, das er direkt neben Hayley stand, die ihn nur anstarren konnte. Dann begann er zu sprechen, das mir ganz anders wurde:“  Cody Futhworth. Sie wurde von der Nacht erwählt; ihr Tod wird ihre Geburt sein. Die Nacht ruft sie; höre und gehorche Ihrer lieblichen Stimme. Das Schicksal erwartet dich im House of Night!“ Und als wäre das nicht genug, zeigte dieser untote Typ mit dem Zeigefinger auf mich.
Mit einer abartigen Heftigkeit spürte ich Schmerz in meinem Kopf, so stark, das ich aufstöhnte und das Gesicht in die Hände bergen musste. Und dann begann das Pochen. Mein Kopf pulsierte förmlich vor Schmerz, das sich mir fast der Magen umdrehte. Als ich nach einigen Minuten wieder aufsehen konnte, war der Typ verschwunden, nur meine drei völlig geschockten Freundinnen waren noch da. „Kneif mich mal einer, das war doch ein Traum oder?“, fragte Holly als erstes. Hayley stand näher dran und kniff sie, das Holly ihr fast eine langte, weil es zu doll gewesen war. Die einizige die überhaupt nichts sagte war Cassy. „Das ist ein Albtraum. Ein einziger Albtraum“, jammerte ich, da mir der Kopf so sehr weh tat und mir zum Überfluss jetzt noch die Augen tränten. Die Sonne kam mir so grell und abartig vor. „Hat er dich jetzt echt Gezeichnet?“, fragte Holly nach, trat näher und strich mir, als sei überhaupt nichts, den Pony aus der Stirn, der sich wieder einmal aus der Haarnadel gelöst hatte. Sie war mit mal so stocksteif, das es aussah als hätte ein Eisstrahl sie getroffen und eingefroren. Dann weiteten sich ihre Augen und sie taumelte zurück, als hätte ich sie geschlagen. „Verdammte Scheiße!“
Dann begann auch Hayley ein paar Meter zurück zu treten. „Hey“, sagte ich heiser. „Ich bin immer noch die von vor fünf Minuten, oder die vor zwei Stunden, oder heute früh, gestern und überhaupt.“
„Egal“, kam es neben mir und ich konnte den völlig verbitterten Blick von Cassy sehen. Sah das alles so schlimm aus? Ich kramte schnell in meiner Tasche, nach dem kleinen Klappspiegel, man wusste ja nie, wann man mal den Lippglos nachziehen musste. Und dann sah ich es. Fein und filigran prangte eine saphirblaue Mondsichel auf der Mitte meiner Stirn. Ich runzelte diese, womit sich das neue, ungewollte Tattoo bewegte. „Fuck“, fluchte ich leise, klappte den Spiegel zu und steckte ihn ein. „Du bist nicht mehr dieselbe Cody. Du bist jetzt ein anderes Wesen. Du bist ein Vampyr und das heißt, du verpisst dich jetzt.“ Hatte ich mich gerade verhört? Cassy sagte „verpiss dich“ zu mir? „Ich kann doch da gar nichts für! Cassy du bist meine Freundin!“
Doch dieser Appell würde nicht ausreichen. Als ich ihr Gesicht sah, zog sich ein unsagbar tiefer Schmerz in meine Brust. Ihr Gesicht hatte sie verhärtet, sie sah unnahbar aus und war definitiv dafür, das sie mich auch gewaltsam hier weg schaffen würde. Sie stellte sich vor Holly und Hayley um sie wohl zu beschützen. „Um dich noch einmal daran zu erinnern Cody. Vor 10 Jahren wurde meine Schwester gewaltvoll von einer wahnsinnigen Vampyrin getötet. Und das habe ich noch nicht vergessen, das werde ich niemals vergessen. Unsere Freundschaft ist beendet und weil wir befreundet waren, gebe ich dir diese letzte Chance abzuhauen, ehe ich dir das Leben aus dem Leib prügel.“
Schock durchfuhr mich. Ich wusste das Cassy drauf hauen konnte, schon öfter hatte sie uns vor pöbelnden Typen auf einer Strandparty beschützt und ja, sie würde mir das Leben aus dem Leib prügeln. Langsam rutschte ich von der Ladefläche. Meine Freundin hasste mich und die anderen beiden hatten Angst vor mir. „Okay..“, sagte ich, als mir die Tränen aus den Augen liefen. „Ich gehe... Könnt ihr meine Bücher abgeben?“, fragte ich. Hayley nickte bloß. „Danke... Ich... Ich lass den Spintschlüssel auch hier...“ Rotz lief mir aus der Nase, als ich die Schlüssel raus suchte und den Spintschlüssel abnahm. In meiner Tasche holte ich mein Schminktäschchen raus und mein Handy. „Holly ich weiß, du mochtest die Tasche. Sobald sie leer ist, kannst du sie gerne haben...“ Ich legte alles auf den Boden und ging dann zur Trucktür.
Jetzt erst bemerkte ich, das uns einige Schüler beobachtet hatten. Ich musste die Lippen zusammen pressen um nicht aufzuschreien.
Ich setzte mich rein, hustete und wischte mir mit einem Taschentuch alles ab, startete den Motor und fuhr vom Parkplatz, dann erst mal ein Stück die Straße runter und blieb stehen.
Ich war zwar noch nicht weit genug weg, aber der Heulkrampf war heftig. Ich hatte meine Freundinnen verloren, weil so ein toter Späher auftauchte und mich Gezeichnet hatte. Das war aber noch nicht alles. Ich hatte mein Leben verloren. Alle Ziele, die ich mir vorgenommen hatte, waren zunichte gemacht. Ich hatte rein gar nichts mehr. Meine Freundinnen waren meine Zuflucht, meine Ratgeberinnen, sie waren echt alles für mich. Ich heulte Rotz und Wasser, wobei mein Schädel mich mit seinem Pochen fast umbrachte. Was sollte ich bloß ohne sie tun? Der Schmerz in meiner Brust wollte nicht versiegen und als ich die Sonnenblende runterzog und in den Spiegel sah, wollte ich wirklich nicht glauben was ich sah. Dieses Ding hatte mein Leben kaputt gemacht. Dieser Typ hatte mein Leben kaputt gemacht. Der nächste Heulkrampf kam, wobei ich schniefte und weinte und in mein Taschentuch schluchzte, woraus ein Hustenanfall wurde. In genau diesem Moment brauchte ich eine Freundin. Ich brauchte eine ganz dringend, aber bis auf die Drei hatte ich keine wirklichen, der Rest waren nur Bekannte und ich kannte auch niemanden der sich mit diesem Vampyrkram auskannte. Auch wenn ich es nicht wollte, wusste ich, das ich ins House of Night musste, sonst würde ich sterben. Irgendein Forscher hatte raus gefunden, das es was mit den Genen zu tun hätte und mit Pheromonen, weshalb uns die Späher Zeichnen konnten. Wenn man nicht ins House of Night ging, würde man sterben, da sich der Körper der Wandlung entziehen würde, aber mehr gab es nicht zu wissen, es hatte mich auch nie so wirklich interessiert. Das einzige was ich wusste war, das ich sterben würde, wenn ich hier blieb und dass das nächste House of Night in Malibu war.
Es dauerte noch etwas bis ich mich etwas beruhigt hatte, mir die Tränen wegwischte und mir noch mals gründlich die Nase putzte. Dann kramte ich nach dem Abdeckstift und übertupfte das Mal ordentlich, so das es aussah als würde ich einen gigantösen Pickel verstecken und friemelte mir den Pony tief in die Stirn, ehe ich dann die Sonnenbrille aufsetzte. Die Sonne war echt grausam zu meinen Augen und meine Haut prickelte merkwürdig. Nach Hause, das war das einzige was ich jetzt nur noch wollte, obwohl ich nicht mal daran denken wollte, was meine Mom dazu sagen würde. Wieder startete ich den Motor, sah mich um und fuhr los. Ich wohnte schon ein ganzes Stück von der Schule weg und vor dem Auto musste ich noch die gelbe Limousine alias Schulbus nehmen, wie jeder Jugendliche. Auf den fahrbaren Untersatz war ich schon froh, sonst hätte ich vermutlich echt auf dem Schlauch gestanden. Immer wieder bahnten sich die Tränen aus meinen Augen. Ich konnte Hollys und Hayleys Gesicht nicht vergessen, aber am schlimmsten war Cassys. Sie war furchterregend wütend und hassend. So hatte ich sie noch nie erlebt. Immer wieder durchlebte ich diesen Schrecken, diesen Hass, diese Wut. Am Stoppschild blieb ich wie gewohnt stehen, sah mich um und wartete noch kurz. Der Lieferwagen hinter mir allerdings nicht. Ich fühlte wie mein Kopf gegen das Lenkrad schlug und dann gingen bei mir die Lichter aus.

Seltsamerweise fühlte ich mich gut, als ich die Augen wieder aufschlug. Meine erste Frage war, wo war der Laster, der hinter mir gewesen war und wo war mein Truck? Doch wurde es mit mal vollkommen seltsam. Weder war die Straße, das Stoppschild oder irgendwelche Häuser zu sehen. Vor mir lag eine Welt aus reinem Weiß, nicht grell oder erschreckend kalt. Es war ein angenehmes Weiß, freundlich und sanft. Mal was anderes nachdem meine Augen so höllisch von der Sonne gebrannt hatten. Das konnte somit nur eines bedeuten: Ich war tot.
Gerade wollte ich mich schon fragen, ob ich im Himmel war und gleich Petrus vorbeikäme, doch da hörte ich eine sehr sanfte Stimme zu mir sprechen, die sich alles andere als männlich anhörte. Komm... Komm zu mir... Folge dem Weg... Ich sah mich um. „Hier ist kein Weg“, antwortete ich dieser Stimme, die aus dem Nichts gekommen war. Doch mit mal erschien in dem ganzen Weiß ein silbernes Band, welches auf dem Boden lag. Ich bückte mich, hob es auf und wickelte es im Gehen auf. Keine Ahnung, das ich überhaupt dieser Stimme folgte, aber irgendwie hatten sich meine Füße verselbstständigt. Und dann war das Band zu Ende und ich sah mich um. „Ähm... Ich glaube ich bin jetzt da“, sagte ich vollkommen verloren. Mit mal setzte sich das Weiß ab. Es löste sich auf, wie Nebel und zum Vorschein kam ein wunderschöner weißer Sandstrand mit einem Meer dahinter, welches so viele verschiedene Blautöne hatte, das mir fast schwindelig wurde. Die Wellen schäumten sanft die Gischt auf, das Rauschen was daraus entstand war wunderschön. Also hier, dachte ich, könnte ich bleiben. Das war ja ganz hübsch und wenn dass das Jenseits war, war es völlig okay zu sterben. Also schlenderte ich etwas an diesem Strand entlang und nun fiel mir auch auf, das ich barfuß war und ein hübsches Kleid anhatte, es war warm und angenehm und die Sonne war auch toll. Nichts tat weh, alles war gut. Und wie ich so schlenderte, das silberne Band geschultert, änderte sich langsam die Landschaft. Vom weißen Sandstrand gelangte ich in einen Wald und schließlich zu einem kleinen Bach, womit ich stehen blieb. Denn da am Bach, saß eine Frau, die so schön war, das sie nicht von dieser Welt sein konnte. Sie hatte eine Melodie gesummt, die verworren war und verschlungen, hätte sie nicht gesummt, wäre sie mir vermutlich nicht mal aufgefallen, aber es war als würde diese Melodie in mich hinein fließen, mich mitwiegen, zu diesem seltsamen Rhythmus.
Ich wollte sie nicht unterbrechen, wie sie so da saß, mit den Füßen im Wasser und das lange Haar strich, welches ihr über die Schulter fiel. Ich hatte keine Ahnung wie lange ich so blöde da stand und ihr zusah, aber als sie ihr Lied beendet hatte, drehte sie den Kopf zu mir und... mir blieb fast das Herz stehen. Sie hatte so unglaublich schöne dunkle Augen, das sie mich sofort an Cassy erinnerte und der schöne Zauber war mit einem Mal verpufft.
Willkommen Tochter... Du hast den Weg zu mir gefunden... Den Weg? Oh, ja. Die Stimme gehörte zu dieser Frau, aber lächeln konnte ich nicht. „Hallo. Ähm ja, ich bin dir gefolgt“, sagte ich und kratzte mich am Kopf. „Sag mal, bin ich tot? Kommt mir zumindest so vor, mit dem weißen Licht, dem Strand und so...“ Da lachte die Frau so glockenhell, das ich mir selbst völlig banal vorkam und schief grinste. Nein, meine Tochter. Du bist nicht tot. Ich habe dich nur zu mir gerufen, in diese Sphäre. Sphäre? Was? Ich war nicht tot? Ich war so überrascht, das ich sie nur anglotzen konnte. Sie hatte sich erhoben und ihr Körper wurde von einem wunderschönen hellen Kleid, was irgendwie weiß und silbern war, bedeckt. „Und wer bist du, wenn du Leute in so eine... Sphäre bringen kannst?“ Mir schwirrte echt der Kopf, das hieß das ich wohl zwischen Leben und Tod stecken musste und wenn ich aufwachte, würde ich vermutlich ums weiter leben kämpfen, was mich an den Späher erinnerte und an das Mal. Das Leben als Vampyr. Sie lächelte mich so warm und freundlich an und nahm meine Hand. Ich habe viele Namen, aber du sollst mich nennen, wie es all meine gesegneten Kinder, die Vampyre, tun, Nyx, die Personifizierung der Nacht, deine Göttin. Da machte ich riesige Augen. Sie war die Göttin der Vampyre? Jetzt echt? Und ich stand hier dumm rum wie 100 Meter Feldweg, der den Mund nicht mehr zu bekam. „Wow ähm... okay... krass... Du bist die Göttin der Vampyre... Nyx...“ Sie lächelte immer noch freundlich über meine wiederholenden, stockenden Worte. Ich spüre deine Trauer, meine teure Tochter, was bereitet dir solch einen Kummer? Ganz sacht, berührte sie meine Wange, womit ich erst jetzt bemerkte, das ich nach meinem Schock und der Überraschung, begonnen hatte zu weinen, als sie ihre Frage gestellt hatte. „Ich war gerade noch an der Schule, bei meinen Freundinnen“, sagte ich schon und schniefte kurz, ehe ich einmal tief durchatmete. „Der Späher hat mich Gezeichnet und meine Freundinnen sind ausgerastet. Cassy, Holly und Hayley, heißen sie. Die zwei hatten Angst und waren voll verstört, aber Cassy...“ Ich wollte gar nicht daran denken, aber von ganz allein, sprudelten die Worte nur so heraus:“ Cassy hat unsere Freundschaft beendet und sich vor Holly und Hayley gestellt, sie wollte das ich gehe, sonst würde sie mir das Leben aus dem Leib prügeln...“ Die Göttin sah zuerst leicht erschrocken aus, aber dann wurde ihr Gesichtsausdruck ganz mild und sie nickte, als wollte sie, das ich weiter sprach. „Cassy hatte erzählt, das sie vor zehn Jahren ihre Schwester verloren hat. Sie sagte, das Kendra durch eine gewalttätige, irre Vampyrin getötet wurde. Und Cassy hasst alle Vampyre deswegen und deshalb... hasst sie auch mich. Sie hat mir die Chance gegeben wegzulaufen, weil wir mal Freundinnen waren... Es tat so weh, als ich sie ansah... und ihre Worte erst... Der Schmerz, dieses Leid... Es hört einfach nicht auf...“
Ganz sacht strich sie mir über die Schultern und über den Kopf. Es tut mir leid um deine Freundin und ihren Verlust. Es tut mir auch um deinen Verlust leid. Nicht jeder kann sich aus der Trauer und der daraus entstehenden Wut erholen, einiges braucht eine sehr lange Zeit um verarbeitet zu werden... „Heißt das, das Cassy vielleicht irgendwann nicht mehr so wütend und hasserfüllt sein wird? Also ich mein, das sie wieder meine Freundin sein will?“ Hoffnung keimte auf. Vielleicht war das ja nur ein Bruch auf Zeit, das man sich zurückziehen musste und irgendwann wieder anfangen konnte. Die Zeit würde ich ihr auf jeden Fall einräumen. Vielleicht, das kann ich dir nicht sagen, das ist die Entscheidung deiner Freundin. Gut, das es leicht werden würde, davon ging ich nicht aus. Es war Cassys Entscheidung, aber ich würde sie nicht wegstoßen oder sie verteufeln, ich würde versuchen mit ihr zu reden, falls es dazu kommen würde...
Dennoch habe ich dich nicht nur zu mir geholt, um mit dir über deinen Kummer zu sprechen... „Nicht?“, fragte ich verwirrt. Sie lächelte matt. Möchtest du erfahren, weshalb ich dich rief? Wollte ich das? Sie sah zwar freundlich und lieb aus, aber ich konnte diese Macht fühlen. Was kam auf mich zu? Hatte ich etwa Mist gebaut? Direkt stellte ich ihr diese Frage, worauf sie wieder glockenhell lachte. „Na ja, wenn eine Göttin einen zu sich ruft, ist es doch meistens so, das man Mist gebaut hat“, gab ich wieder und fuhr mir verlegen durch den Nacken. Meine Tochter, es gab nichts was in meiner Missgunst lag, eher im Gegenteil. Jetzt lächelte sie wieder und ihre Augen waren gütig. Zumindest fiel mir echt ein Stein vom Herzen, das ich wirklich nichts Blödes angestellt hatte. In der Vergangenheit ist sehr vieles geschehen. Das Böse wurde besiegt, das Gute herrscht nun wieder in dieser Welt... Ihr Lächeln verflüchtigte sich etwas und sie sah etwas bedrückt aus. Vieles ist zerbrochen und es besteht die Möglichkeit, das es nie wieder heilen wird, es sich umkehrt und wieder ein Kampf ausbricht, der zwischen Gut und Böse entscheidet... Irgendwie hatte ich gerade ein sehr seltsames Gefühl. Du, mein kostbares Kind, bist jemand der voranschreiten kann, auch wenn dir das noch nicht bewusst ist. Du sprichst Wahrheit und du sprichst Recht und in dieser Welt, nachdem die Alte geendet hat, bist du es, die sie heilen kann...
Jetzt war ich sprachlos und baff. Die Göttin Nyx, die Personifizierung der Nacht, war davon überzeugt, das ich etwas heilen konnte was kaputt war, oder nach ihren Worten zufolge zerbrochen war. Himmel ich war 16 und kam nicht mal mit meiner Mutter klar, die mich überwachte wie eine der Frauen von Stepford. Und wann bitte, hatte ich mal Recht gesprochen? Klar war ich gegen Ungerechtigkeit, vor allem gegen Mobbing, aber das war ein moralischer Grundsatz! Und Wahrheit? Himmel! Wie oft hatte ich mir eine Ausrede einfallen lassen, damit ich mich wegschleichen konnte?
„Ähm, Göttin Nyx. Ich hab meine Mutter angelogen um auf Partys gehen zu können. Das ist nicht unbedingt Wahrheit sprechen und gegen Mobbing und Diskriminierung war ich schon immer, das ist auch nicht wirklich Recht sprechen“, gestand ich ihr ein, worauf sie bloß grinste. Die Wahrheit bezieht sich auf höhere Dinge, als auf die Aussage auf Partys gehen zu können. „Ja, aber ich bin doch erst 16! Ich kenn mich doch mit sowas gar nicht aus! Himmel, ich komm nicht mal mit meiner Mom klar oder mit mir selbst!“ Da lächelte sie wieder lammfromm, als wüsste sie das alles und es schien vollkommen okay für sie zu sein. Das habe ich schon einmal gehört meine Tochter... Es sind nicht die gelebten Jahre, die dich dazu verleiten, Wahrheit und Recht zu sprechen und schließlich Heilung über das Zerbrochene zu bringen. Es ist dein Herz, was dich zu dem macht. Und aus diesem Grund, hast du meinen tiefen Segen... Das alles rallte ich überhaupt nicht mehr, aber sie nahm dann mein Gesicht in ihre Hände und blickte mich so liebevoll und gütig an, das ich nicht anders konnte. „Wirst du mir denn helfen, Göttin? Weil, ohne dich werde ich das wohl nicht schaffen...“ Da lachte sie wieder glockenhell. Meine geliebte Tochter, ich werde dir beistehen und dir helfen. Hab vertrauen auch zu dir, das du voranschreiten kannst, als meine Tochter der Nacht. Sie küsste dann meine Stirn. Sei gesegnet mein kostbares Kind... Mit mal verschwamm das Bild von ihr. „Nyx! Geh noch nicht Göttin! Ich weiß doch gar nicht, was ich genau machen soll!“, rief ich, als ich doch noch ihre Stimme mit ihrer Antwort vernahm: Folge deinem Schicksal und du wirst es erkennen... Der Wald worin ich mich befand löste sich auf und als hätte ich einen unglaublichen Flashback, legte ich den ganzen Weg, wieder zurück, bis es wieder ganz Weiß wurde und schließlich vollkommen schwarz.
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