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Durch dick und dünn

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Annabeth Chase OC (Own Character) Percy Jackson
08.05.2019
09.06.2021
20
40.230
5
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
26.03.2021 2.174
 
Diesmal ist es ein bisschen länger, ich hoffe das ist gut. Im Vergleich zu anderen ist es trotzdem nicht viel, aber ich wollte es heute halt noch hochladen. Ich komme gerade echt nicht oft zum Schreiben. Sorry dafür. Über eure Meinung zu dem Kapitel würde ich mich wieder sehr freuen. Kritik nehme ich auch sehr gerne an. <3
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Lizz
Ich wusste nicht wie lange ich schon auf dem Baumstumpf saß, als plötzlich Onyx vor mir stand und mir gegen die Schulter boxte. „Was ist denn bei dir los?“, begrüßte sie mich gut gelaunt. Ich zuckte nur mit den Schultern. Ihr Blick war forschend „Du flennst doch nicht etwa wegen den Mädchen, oder? Die werden schon wieder.“ Ich schüttelte heftig mit dem Kopf. „So ein Blödsinn, was interessieren die mich denn?“, entgegnete ich hastig. Sie schien nicht ganz überzeugt, aber anstatt weiter nachzubohren zog sie mich hoch. „Lass und irgendwas lustiges machen“, seufzte ich. Ich konnte selbst kaum glauben, dass mich das so belastete, aber ich fühlte mich alles andere als gut, weil ich nicht wusste, was mit Tamina los war und ich mich noch nicht bei ihr entschuldigt hatte. Solche Situationen hinterließen in mir immer ein Loch, das erst wieder gefüllt werden konnte, wenn ich es geklärt hatte. Das lag vermutlich an den Genen. Gerechtigkeitssinn und so. „Also brauchst du doch Ablenkung!“, stellte sie triumphierend fest. „Höchstens ein bisschen“, antwortete ich, ohne sie dabei anzusehen.
Wie schon einmal streiften wir durchs Camp, auf der Suche nach einer spaßigen Beschäftigung. Als wir und an der Hinterseite des Haupthauses entlangpirschten, horchte ich plötzlich auf und hielt den Finger auf die Lippen. Vorsichtig deutete ich auf ein gekipptes Fenster, nicht weit über uns. Wir hielten die Luft an und grinsten uns zu. Eine weibliche und eine männliche Stimme waren dumpf zu hören. „Mach mal Räuberleiter“, zischte Onyx mir zu und ich faltete meine Hände ohne mit der Wimper zu zucken.
Sie war echt schwer und die Sohle ihrer schwarzen Boots waren nicht gerade angenehm, aber ich bis die Zähne zusammen und drückte die nach oben. Meine neue Freundin sollte mich ganz sicher nicht für ein Schwächling halten. Das war ich kein bisschen.
„Siehst du was?“, fragte ich halblaut. Sie hob zustimmend den Daumen in die Luft. „Wer ist da?“, wollte ich ungeduldig wissen. „Deine größten Fans“, scherzte sie und währenddessen wanderten meine Mundwinkel ein ganzes Stück nach oben. Das konnte wirklich lustig werden.
„Was machen die?“ „Sie sitzen nur dumm rum“, kam die Antwort. „Kannst du was verstehen?“ Sie wiegte den Kopf. „Nicht viel.“ Ich wurde immer ungeduldiger. „Aber sie sehen sehr ernst aus.“ „Lass mich auch mal“, flüsterte ich und fing an meine Hände abzusenken. „Ist voll uninteressant“, beeilte sie sich zu sagen. Ich schaute mit einer hochgezogenen Augenbraue zu ihr hoch. „Ja klar.“ Sie sah ein wenig beleidigt aus, aber hob mich nach kurzer Diskussion doch hoch.
Percy und Annabeth waren in einem gemütlich aussehenden Raum, der allerdings sehr dunkel war, weil sie die Vorhänge halb zugezogen hatten. Die Wände waren in einem leichten blau gestrichen und sie saßen dicht nebeneinander auf einem kleinen grauen Sofa. Onyx hatte Recht gehabt. Ihre Mienen waren wirklich sehr ernst.
Sie sprachen leise. Ich konnte nur wenig verstehen. „Warum, es kann doch sein Percy!“, meinte Annabeth eindringlich. Dann kam ein gestenreicher Satz von Percy, der seine Frau offensichtlich sehr traurig machte. Irgendwas mit keine Anhaltspunkte. Von was redeten die da? Was war was oder auch nicht? Ich hatte keinen blassen Schimmer. Den nächsten Satz von Annabeth hätte ich wahrscheinlich verstehen können, wenn mir Onyx nicht dazwischen gequatscht hätte. „Man, wie viel hast du denn zu Abend gegessen?“, ächzte sie. „Halt die Klappe“, zischte ich wütend. Dann hörte ich wieder nur Wortfetzen wie „Realität“ und „Unwahrscheinlich“ und hörte, wie Annabeth anfing zu Schluchzen. Annabeth weinte eigentlich nie. Also ich hatte es zumindest noch nie gesehen. Sie weinte nie in der Öffentlichkeit. Percy nahm sie in den Arm und drückte ihr liebevoll einen Kuss aufs Haar. Ihr Körper zitterte und sie schlang die Arme um ihn.
Egal über was sie geredet hatten, es war auf jeden Fall kein schönes Thema gewesen. „So du Walross, ich hab jetzt kein Bock mehr“, brummt die Arestochter unter mir und zieht ohne Vorwarnung ihre Hände weg. Ich zucke zusammen und kann mich gerade noch abfangen, bevor ich voll auf meine Seite knalle. Beim Aufstehen sehe ich sie vorwurfsvoll an und klopfe mir den Staub von der Hose. „Scheiße ey, das war wichtig“, fuhr ich sie an, „Annabeth hat voll geheult!“ Sie nickte gleichgültig. „Na und? Du bist voll schwer!“ „Schwertkämpfen kannst du, aber für zwei Minuten Räuberleiter machen, das geht nicht, oder was?“, erwiderte ich anklagend. Als Antwort zuckt sie nur mit den Schultern.
Auf einmal hören wir aus dem Fenster Percys Stimme. Sie wird lauter. „Ich glaube, ich habe etwas gehört, da ist jemand“, erklärt er und wir schauen uns hilflos um. In der Nähe ist weder ein Baum noch irgendeine andere Versteckmöglichkeit. Ich wandte mich suchend um. Nur das Volleyballfeld. Onyx rannte ohne Vorwarnung los und zog mich mit sich. Ich schaute mich nicht um, aber ich war mir sicher, dass Percy das Fenster gleich erreicht haben musste. „Beeil dich Mal“, zischte meine Freundin und einige Sekunden später bogen wir um die Hausecke. „Hat er uns gesehen?“, fragte ich außer Atem. „Woher soll ich das denn wissen?“, entgegnete Onyx kühl und lies meine Lederjacke los.
Offensichtlich hatten wir es geschafft, denn beim Mittagessen stauchte mich der Sohn des Poseidon nicht zusammen. Wenn er uns erkannt hätte, wäre uns, in besondere mir, eine ordentliche Standpauke sicher gewesen. Vor allem weil Percy immer noch nicht so ganz davon überzeugt war, dass ich die Hütte nicht angezündet hatte. Er traute mich echt alles zu, obwohl ich keinerlei Grund dazu gehabt hätte. Klar war ich sauer auf ihn gewesen, weil ich alle verdammten Hütten hatte putzen müssen, aber so fies war ich dann doch nicht. Ich hatte ihm aber nicht von meinen nächtlichen Beobachtungen erzählt. Das hatte ich lieber für mich behalten. Ich war mir sicher, dass mir das noch nützlich sein könnte.
Meine liebste Tageszeit war die Nacht. Dann fühlte ich mich sicher, vor den Blicken anderer und frei. Tagsüber verbrachte ich meine Zeit gerne im Wald. Dort hatte ich in der letzten Zeit auch gelebt. Der Weg zwischen den beiden Camps war lang gewesen und da ich kein Geld für Unterkünfte hatte, hatte ich eben in Ruinen und Jagdhütten übernachten müssen.
Den Wald im Camp mochte ich sehr gerne. Wenn man weiter hinein ging, wurde er immer geheimnisvoller und düsterer. Kein anderer Camper traute sich hier hinein. Ich war ganz alleine und konnte in Ruhe nachdenken. Das dachte ich jedenfalls. Als ich um eine kleine Baumgruppe ging, sah ich ein Licht, wie von einer Taschenlampe und zog den Kopf schnell zurück.
Ich wartete einige Sekunden, bevor ich eine kleinen Schritt nach vorne wagte, und um den Stamm herumlugte. Im Schein einer Taschenlampe saß eine Gestalt auf einem ähnlichen Baumstumpf wie ich vor kurzer Zeit noch, und betrachtete verschiedene Blätter auf seinem oder ihrem Schoss.
Als noch Stück weiter auf die Lichtung trat und die Augen zusammenkniff glaubte ich, eine Landkarte mit roten Kreuzen darauf erkennen zu können. Sie waren direkt am Meer, soweit ich das sah. Zwischen dem Ozean und einem großen Wald. Was es damit wohl auf sich hatte. Ich hätte gerne noch weiter beobachtet, aber gerade als die Person etwas in ein kleines Notizbuch schrieb, knackste es verräterisch unter meinem Fuß. „Verdammter Mist“, murmelte ich sehr leise und verschwand blitzschnell wieder hinter der Baumgruppe. Verstecken musste ich mich an dem Tag oft. Ich betete inständig zu meiner Mom, dass ich nicht entdeckt worden war. Wenn sie einmal nett zu mir sein wollte, dann bitte in dieser Sekunde!
Langsamer und bedachter als zuvor schlich ich mich davon, bis ich mir sicher war, außer Hörweite zu sein. Dann lief ich immer schneller, bis ich den Waldrand erreichte und nahe der Arena wieder ins Tageslicht trat.
Yuro hatte ich mit der ganzen Aufregung völlig vergessen. Als ich in meine Hütte zurückkehrte, saß er auf der Lehne des einzigen Stuhls im Raum und schlug mit den Flügeln. Im schien es zum Glück gut zugehen. Ich kramte aus meinem Beutel das letzte Essbare heraus. Eine kleine Tüte Walnüsse und legte sie ihm hin. Hungrig machte er sich darüber her. Er hatte schließlich seit dem letzten Abend nichts mehr in den Schnabel bekommen.
Ich lies mich derweil auf das, immer noch etwas staubige, Bett fallen und starrte an die Decke. Ans Schlafen war nicht zu denken, obwohl meine letzte Portion davon schon eine Weile her war. Es gab einfach zu viel, was mich beschäftigte. Warum hatte die sonst so toughe Annabeth geweint? Worüber hatten sie sich unterhalten? Wer war das im Wald gewesen? Was hatte er oder sie dort gemacht? Wurde ich entdeckt? Was hatte es mit der abgebrannten Hütte auf sich?
Meinen Kopf lehnte ich an Bettende und zog die Beine zu mir heran. Ich war wirklich ratlos. Das kam nur sehr sehr selten vor, denn normalerweise machte ich mir nichts aus der Meinung anderer und ihre Angelegenheiten interessierten mich meistens auch herzlich wenig. Warum es mir gerade in der Situation so viel ausmachte? Ich hatte keine Antwort darauf. Wie es Tamina wohl ging? Erst wurde sie angeschossen und dann verbrannte ihre Hütte. Was für Schäden sie davongetragen hatte, wusste ich nicht. Vielleicht war sie ja auch noch gar nicht wach?
Ich dachte noch eine kleine Weile nach und wandte mich dann zu Yuro, der immer noch sehr glücklich mit seinen Nüssen zu sein schien. „Soll ich zu ihr gehen?“, fragte ich ihn unsicher. Er drehte seinen Kopf ein Stück. Es klang echt verrückt, aber es sah aus, als würde er Meine Worte verstehen. Sein Kopf legte er ein winziges bisschen zur Seite. Vielleicht war es auch nur Einbildung, aber irgendwie deutete ich das als Zustimmung. Ich amte laut aus und erhob mich stöhnend. Die durchgemachte Nacht steckte mir in den Knochen, es war zwar nicht ansatzweise das erste Mal gewesen, aber es war eben viel passiert.
Meinem Gehirn machte das aber anscheinend nichts aus. Müde war ich kein bisschen.
Darüber, dass ich auf dem Weg niemandem begegnete, war ich sehr glücklich. Ich wollte mit niemandem sprechen. Ich war eben eine Einzelgängerin. Noch nie hatte ich viele Freunde gehabt. Menschen verunsicherten mich eher und ich wollte auf keinen Fall Schwäche und Verletzlichkeit zeigen. Vor niemandem. Außer vielleicht vor Yuro.
Die Tür stand offen, also betrat ich das kleine Gebäude, das sich nahe beim Haupthaus befand. Als ich den schmalen Flur betrat, wäre ich fast in jemanden hineingelaufen. „Pass doch auf“; zischte er genervt. „Mach´s doch selbst“, antwortete ich im gleichen Tonfall. Als ich aufsah, blickte ich in graue Augen. Vor mir stand Luke. So weit ich wusste, hieß er so.  Ich hatte noch kein einziges Wort mit ihm gewechselt, was ich eigentlich auch so belassen wollte.
Er musterte mich misstrauisch. Ich hielt seinem Blick ohne mit der Wimper zu zucken stand. „Verfolgst du mich?“, wollte er plötzlich wissen. Ich verzog verständnislos das Gesicht. „Wieso sollte ich?“, entgegnete ich. „Na erst spionierst du im Wald herum und jetzt rennst du in mich rein. Komisch, oder?“ Ich zog die Augenbrauen nach oben. „Du warst das also im Wald. Du hast mich also gesehen“, er nickte knapp, „Und was hast du da gemacht?“ Seine Arme verschränkte er vor der Brust und sah mich kühl an. Es gefiel mir gar nicht, dass er mindestens einen halben Kopf größer war als ich und deswegen auf mich hinabblicken konnte. „Ich wusste nicht, was dich das angeht“, erklärte er und fuhr sich durch die dunklen Haare. Ich zuckte mit den Schultern. „Dann halt nicht.“
Ich verzog den Mund zu einem kurzen Lächeln, das allerdings nicht sehr freundlich war und ließ ihn dann stehen.
Das Zimmer in dem Tamina lag war ein typisches Krankenhauszimmer. Alles akkurat, ordentlich und sehr weiß gehalten. Das erste was mir an ihr auffiel war der dicke Verband um ihren Arm. Ich klopfte an die offenstehende Tür und löste den Blick von ihrer Bettdecke.
„Hey“, fing ich an. Sie sah sehr blass aus und an manchen Stellen hatte sich ihre Haut komisch verfärbt. Sie gab ein trauriges Bild ab. „Wie geht´s?“, fragte ich und versuchte die Unsicherheit aus meiner Stimme zu verbannen. Sie wiegte den Kopf hin und her. „Könnte besser sein.“ Ich biss mir auf die Unterlippe und gab mir einen Ruck. „Tut mir leid, wegen deinem Arm“, nuschelte ich. Entschuldigungen waren absolut nicht mein Ding. „Wie bitte?“ „Das mit deinem Arm tut mir leid. War einfach ein Reflex“, wiederholte ich etwas lauter. Sie nickte. „Ist schon okay. Ich hätte mich ja auch anders verhalten können.“ Ich atmete erleichtert auf und brachte ein kleines Lächeln zu Stande. Bei dem was sich nun an die Oberfläche meines Gedächtnisses drängte, musste ich allerdings schlucken. Die Erinnerung daran, wie die Hütte angesteckt worden war. „Bei dir auch alles okay?“, fragte sie auf einmal schüchtern und ich nickte hastig. „Klar, alles super.“
Kurz darauf ging ich wieder. Mit einem deutlich besseren Gefühl.
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