Das Leben danach

GeschichteDrama, Romanze / P18
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Takeru "T.K." Takaishi und Patamon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
06.05.2019
27.09.2020
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26.07.2020 4.974
 
Freitag, 5. Juli 2019
Büro von Masao


T.K. konnte sich in den folgenden beiden Wochen komplett auf seine Genesung konzentrieren und die Tage, an denen seine Tochter ihn besuchen kam, waren absolut Balsam für seine Seele, zumal sie ihm auch immer ähnlicher wurde, aber auch sehr viele Züge von Kari bekam. Tatsächlich begann sich Aiko viel an ihren Papa zu klammern und T.K. konnte nicht leugnen, dass ihm das gefiel.
Tai schuftete in der Zwischenzeit auch weiterhin im Entzug daran wieder komplett gesund zu werden, der Sport und die Therapiesitzungen taten ihm wirklich gut und er fand Wege, wie er seine inneren Dämonen kontrollieren und auch Stück für Stück bekämpfen konnte, das würde ihm im Alltag definitiv noch sehr weiterhelfen. Er ließ sich sogar die Haare kurz schneiden und fühlte sich damit auch relativ frei sozusagen wirklich einen Neuanfang zu wagen. Er trainierte weiterhin jeden Tag und aus dem bulligen Typen war jetzt ein gesunder, athletischer Mann geworden, der ordentlich Muskeln an den Armen hatte,  aber kein Sixpack mehr, sondern tatsächlich einen kleinen Bauch, damit musste Mimi dann leben können, aber er ging jetzt nicht davon aus, das seine Frau ein großes Problem damit haben würde. Die bisherigen drei Wochen taten ihm wirklich gut und er hatte keinerlei Bedürfnis mehr nach den Medikamenten, die Shihito ihm gespritzt hatte und somit waren seine Gedanken wieder geordnet und er auch mehr als bereit dazu zu seiner Familie zurück zu gehen und der Ehemann und Vater zu sein, der er sein wollte. Masao kam mitten in der vierten Woche zu ihm und bat ihn quasi um einen Gefallen und nachdem er so grob erfahren hatte was los war, stimmte er zu, jetzt war es auch mal an ihm, als großer Bruder Kari den Kopf zu waschen und zu hoffen, dass es ihr half.
Und nun war der Tag gekommen, er würde Mimi wiedersehen und gleichzeitig seiner Schwester den Kopf waschen. Er würde Kari definitiv nicht mit Samthandschuhen anfassen, das stand für ihn fest, denn genug war genug. Er war auf dem Weg zu dem Therapiezimmer, musste vorher allerdings noch den ganzen Papierkram ausfüllen und darauf warten, dass Masao ihm das Zeichen gab dazuzustoßen.

Masao war mit Mimi und Kari im Therapiezimmer und setzte alles auf den heutigen Tag, er hatte weder Kari noch Mimi eingeweiht, denn er wollte den Überraschungseffekt auf seiner Seite haben, also begann er die Therapie ganz normal, ohne sich etwas anmerken zu lassen. „Also Kari, wie lief die Woche? Und bitte ehrlich antworten du weißt ja, dass es sonst nichts bringt.“

Nach den Gesprächen mit T.K., Masao und Ken hatte Mimi wirklich der Kopf geraucht, das alles war doch zum Verzweifeln und sie war dankbar, dass Masao den Rest übernehmen würde. Mit den Kids kam sie gut zurecht, aber alleine für drei Kinder zu sorgen war wirklich hart und eine ordentliche Aufgabe, die sie aber ohne zu murren auf sich nahm. Doch wenn sie abends alleine im Bett lag, kamen ihr doch die Tränen, sie vermisste ihren Ehemann und war einfach nur verdammt dankbar, dass die Trennung zeitbegrenzt und temporär war. Mit dem Wissen, ihren Mann nie wieder sehen zu können, hätte sie wohl wirklich nur noch robotermäßig für ihre Kinder funktioniert, aber nicht mehr wirklich gelebt. Und sie wusste ja, dass der Entzug sein musste, damit Tai wieder auf die Beine kam. Mit T.K. telefonierte sie zwei, drei Mal und freute sich zu hören, dass es ihm langsam besser ging und er Zeit mit seiner Tochter haben konnte, während Kari Masao das Leben wohl zur Hölle machte, wie der am Telefon ebenfalls berichtet hatte, als er Mimi mit dem festen Termin zum Gespräch einlud. Eigentlich hatte sie keine Lust darauf, aber Masao zuliebe ließ sie sich darauf ein, wenn sie allerdings ahnen würde, was da im Hintergrund abging, würde sie wohl nicht so skeptisch sein. Also machte sie sich an besagtem Tag mal wieder in die Uniklinik auf, nachdem sie die Kleinen zu ihren Eltern gebracht hatte.
Kari hatte ebenfalls eine schwere Zeit, sie war so dankbar, dass T.K. wieder aufgewacht war, aber nicht zu ihm zu dürfen war für sie die reinste Folter. Sie stieg Masao gefühlt dreimal täglich aufs Dach, aber er gab nicht nach und ließ Kari schmollen, also nutzte sie die Zeit, um für Aiko zu sorgen, was nicht so einfach war und so langsam merkte sie dann doch mal, was ihr Verlobter eigentlich die ganze Zeit für sie getan hatte. Mit ihrer Tochter kam sie zumindest einigermaßen zurecht, aber irgendwie war sie abends doch froh, wenn die Kleine schlief und sie ihre Ruhe hatte. Sie weinte sich oft in den Schlaf, blockte bei Masao aber immer noch ab, weswegen sie nicht sonderlich begeistert war, dass sie beim Reinkommen auch Mimi im Raum vorfand. Sie sah ihre Schwägerin mit einem Blick an, der deutlich sagte: Was willst du denn hier?
Sie blickte Masao ausdruckslos an, seufzte ein wenig und gab dann nach. „Wie soll die Woche schon gelaufen sein? Mit Aiko lief es ganz gut, sie schreit weniger, vor allem, wenn sie bei T.K. gewesen ist, aber ich vermisse meinen Verlobten und will endlich zu ihm. Warum darf ich nicht zu T.K. verdammt?!“, sie wurde lauter und Mimi rollte unauffällig mit den Augen, wenn das so weiter ging, waren T.K. und sie geschiedene Leute, bevor sie überhaupt offiziell geheiratet hatten. Sie wunderte sich, dass Masao hin und wieder auf sein Handy schaute, das machte er sonst nie und Mimi bekam irgendwie ein komisches Vorgefühl. Kari sah Masao an, schien sich nach seinem Einlauf aber ein wenig beruhigt zu haben. „Warum darf ich nicht zu ihm, ich will mich doch nur mit ihm aussprechen und dass alles wieder gut wird.“

Masao wollte am liebsten eigentlich aufgeben, Kari war einfach unglaublich zickig und ohne Mimis Hilfe würde er da nicht weiterkommen, außerdem hatte er ja auch für Mimi noch eine Überraschung, von der sie noch nichts wusste. „Dass es mit Aiko besser läuft freut mich zu hören, dass sie immer weniger schreit ist ein gutes Zeichen, das heißt eure Bindung zueinander wird enger und das wollen wir ja auch“, eventuell hörte Aiko auch auf zu schreien damit Kari sie in Ruhe ließ, aber das behielt Masao wohlweislich für sich. „Warum du nicht zu T.K. darfst habe ich dir schon x-Mal erklärt Kari, du versprichst ihm alles wird besser und dann nimmst du die Therapie nicht für voll und tickst dann voll durch, wenn ihr mal wieder streitet. Das hier ist deine letzte Chance alles zu retten, sonst ist es vorbei und das musst du begreifen Kari, du weißt wie es jetzt geendet ist und ich will nicht, dass T.K. nächstes Mal tot in der Ecke liegt… zumal du mir noch immer nicht offen und ehrlich gesagt hast, was du genau für T.K. fühlst, du setzt dich mit deinen Gefühlen nicht auseinander und bist sauer, weil du gerade deinen Willen nicht kriegst, du bist fast wie ein Kleinkind gerade… Ich will dir helfen Kari und das seit Jahren, aber das geht nicht, wenn du mir immer nur die halbe Wahrheit erzählst.“ Er sah rüber zu Mimi und dann wieder zu Kari „Und in der Hoffnung, dass dieses Gespräch heute doch mal etwas bringt und du vielleicht endlich zur Besinnung kommst, haben wir heute einen Gast bei dieser Sitzung, der mit dir auch ein paar Takte zu bereden hat. Er schickte Tai eine WhatsApp, dass er jetzt reinkommen konnte. Tai atmete draußen noch einmal tief durch, er trug die Haare immer noch kurz, einen Drei-Tage-Bart, ein schwarzes Tanktop und eine Jeans. Er öffnete die Tür und betrat den Raum. „Hey alle zusammen…, ich bin zurück“, mehr konnte er gar nicht sagen, denn seine Frau warf sich ihm schneller an den Hals als er gucken konnte. Nicht dass er was dagegen hatte, ganz im Gegenteil, es tat unglaublich gut seine Frau wieder in den Armen halten zu können.

Mimi dachte sich auch ihren Teil zu der Sache mit Aiko, die Kleine wusste ja, dass sie ab und an zu Papa durfte und so wie Masao sie ansah, dachte er wohl etwas Ähnliches wie sie. Allerdings schwieg sie, Masao schien einen Plan zu haben und den wollte sie ihm auch lassen. Kari sah ihn an und zuckte mit den Schultern, ob die Bindung jetzt besser wurde oder nicht, wusste sie ja nicht. Sie begann erneut zu schmollen und Mimi hätte am liebsten ihre Sachen gepackt und sich um ihre Familie gekümmert. Allerdings seufzte Kari dann und begann zu reden. „Meinst du, dass ich will, dass er stirbt?“ Mimi hätte diese Frage glatt mit Ja beantwortet. „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich T.K. liebe und mit ihm alt werden will? Ich meine, hallo?! Wir haben ein Kind zusammen.“ Mimi sah sie an, schaute zu Masao und als dieser nickte, fing sie an zu sprechen. „Um mal darauf zu kommen, du weißt ja, dass ich mit T.K. gesprochen habe und Masao mit Ken und wir beide kamen dabei irgendwann mal zu einem Punkt, an dem wir so ein wenig Zweifel hatten. Wie kam es zu dieser Schwangerschaft, Kari? Wir glauben zwar nicht, dass es so ist, aber wir müssen dich das trotzdem fragen: Hast du es mit Absicht darauf angelegt, schwanger zu werden, um T.K. an dich zu binden?“ Kari sah Mimi mit großen Augen an, dann Masao und man sah, wie langsam Tränen über ihr Gesicht zu fließen begannen. „Nein… nein das würde ich niemals tun… bitte glaubt sowas nicht von mir. Ich weiß, ich habe so meine Probleme mit Aiko, aber es war ein Unfall, ich hatte erst kurz vor dem Urlaub meine Periode gehabt und gedacht, dass ich nicht schwanger werden könnte, aber durch den ganzen Stress auf der Arbeit war mein Zyklus etwas durcheinandergeraten und ich hatte wohl genau an dem Tag meinen Eisprung.“
Mimi sah zu Masao, sie glaubte Kari, wie es mit ihm war, konnte sie aber nicht einschätzen. Allerdings wurde sie ein wenig hellhörig, als er meinte, er habe einen Gast eingeladen. T.K. war noch nicht richtig auf dem Damm, wen könnte er nur meinen? Sie trank aus ihrer Tasse und in diesem Moment ging  die Türe auf und als sie die Stimme hörte, fiel ihr vor Schreck die Tasse aus der Hand, sie zersprang klirrend auf dem Fliesenboden und keine zwei Sekunden später lag sie heulend ihrem Mann in den Armen, atmete seinen Duft tief ein und wollte ihn nie wieder loslassen. „Oh Tai… ich bin ja so froh… gut siehst du aus“, sagte sie immer noch unter Tränen, aber lächelnd, ehe sie ihn in einen innigen Kuss verwickelte. Kari saß einfach nur sprachlos da, aber in ihren Augen funkelte wieder sichtbar die Eifersucht, sie wollte auch zu ihrem Bruder, Mimi sollte endlich loslassen. Erst als Masao sich räusperte, löste sich Mimi von ihrem Ehemann, nahm seine Hand und führte ihn zum Sofa, doch er schüttelte den Kopf und setzte sich in einen Sessel, der schräg neben Masao stand, sicherlich um Abstand zu Kari zu halten, was in Mimis Augen auch Sinn ergab. Sie sah Masao an und schüttelte schmunzelnd den Kopf, ehe sie Tai das Wort übergaben.

Masao hörte sich erst an, was Mimi und Kari sagten, ehe er sich dazu äußerte. „Ja, es ist ein Zeichen dafür, dass es zwischen Aiko und dir besser wird und das soll es ja auch, darauf arbeite ich ja mit dir hin, Kari. Bezüglich der Schwangerschaft glaube ich dir, Kari. Ich hatte ehrlich gesagt auch nicht erwartet, dass du so etwas tun würdest, aber wir müssen halt jede Option durchgehen, um den Punkt, der der Auslöser für alles war, zu finden und zu eliminieren.“ Und noch bevor er mehr sagen konnte, ging auch schon die Tür auf und Tai kam herein, die Tasse konnte Masao nicht mehr retten, aber das war ihm in dem Moment auch egal, denn zu sehen wie sehr Mimi sich freute ihren Mann wiederzusehen, das war mehr als genug Entschädigung dafür. Karis giftige Blicke in Richtung Mimi allerdings passten ihm absolut nicht und Tai schien diesen Blick ebenfalls zu sehen und so überließ Masao es jetzt Tai, seiner Schwester mal ordentlich die Leviten zu lesen.
Als Mimi in seinen Armen lag und ihm einen Kuss gab, machte Tais Herz vor Freude einen Sprung, er hatte Mimi unglaublich vermisst und sah sie schmunzelnd an. „Du siehst gar nicht mal so gut aus…, tut mir leid, dass du die letzten vier Wochen ohne mich auskommen musstest, aber der Entzug ist durch, ich bin ab jetzt wieder bei dir und unseren Kindern, Liebling.“, lächelnd gab er ihr noch einen Kuss, ehe beide sich hinsetzten und Tai war Karis Blick nicht entgangen und das ging ihm gehörig gegen den Strich. Er redete auch nicht um den heißen Brei herum, sondern kam direkt auf den Punkt, ob es Kari nun passte oder nicht. „Kari, jetzt mal im Ernst, was soll das? Dass du dich mit T.K. streitest, das ist die eine Sache, das passiert in einer Beziehung, aber wie kannst du ihm solche Dinge an den Kopf knallen? Es ist für einen Vater das Schlimmste sowas zu hören zu kriegen und noch dazu mit dem gewalttätigen Ex verglichen zu werden, das setzt dem Ganzen die Krone auf…, ihr müsst wirklich lernen besser miteinander zu kommunizieren, sonst endet das noch schlimmer als dieses Mal und das will glaube ich keiner von uns. Genau wie jetzt gerade, wo Mimi mich begrüßt hat, ich habe deinen Blick gesehen und es hat mich angekotzt, es steht dir nicht zu, eifersüchtig zu sein. Mimi ist meine FRAU, ob dir das nun passt oder nicht, du musst damit leben, ich kann nicht immer 24/7 für dich da sein, du musst auf eigenen Füßen stehen, du hast eine Familie gegründet und die sollte dein Fokus sein.“
Er sah sie ernst an. „Mimi und die Kinder sind mein Leben, meine eigene Familie, und es gibt für mich nichts wichtigeres im Leben, ich bin Vater und Ehemann, ich bin für meine Familie da und sorge für sie und genauso arbeite ich tagtäglich zusammen mit Mimi daran, dass unsere Ehe auch funktioniert, denn wenn wir zulassen, dass unsere Beziehung auf der Strecke bleibt, dann haben wir ein Problem, eine Beziehung ist immer Arbeit, tagtäglich, und mit Kindern wird das alles nochmal komplizierter, aber das geht alles, wenn man nur will.“ Er atmete einmal durch, ehe er weiterredete „Wie willst du deine Beziehung mit T.K. kitten, wenn du dich an mich klammerst? Dass du mich loslässt und dein Leben lebst, heißt nicht, dass ich für immer aus deinem Leben verschwinde, ich bin immer noch dein großer Bruder und ein Teil deiner Familie, aber nicht mehr der Fokus in deinem Leben, dein Fokus sollte auf deinem Verlobten und deiner Tochter liegen, nicht auf mir. Du begegnest Mimi mit einer ungeheuren Eifersucht, die dir nicht zusteht, und die ich auch nicht nachvollziehen kann, überleg doch mal ein paare Jahre weiter, wenn du T.K. dauernd links liegen lässt, weil du zu mir willst, dann kann ich dir sagen was passiert, die Beziehung wird am Ende sein und nicht mehr zu reparieren und Aiko wird bei T.K. bleiben und das weißt du auch. Willst du wirklich deine eigene, kleine Familie wegwerfen, weil du dich in Eifersuchtsanfälle meiner Frau gegenüber reinsteigerst? Damit stößt du alle nur weiter von dir, ich habe dich wirklich lieb Kari, aber so geht das nicht weiter, wir können uns weiterhin sehen, aber nicht mehr als einmal in der Woche für zwei bis drei Stunden, das muss ausreichen, entweder so oder gar nicht“, ja er wusste, dass es Kari nicht passen würde, aber es musste sein, damit sie mal wach wurde.

Mimi war der Blick von Kari Gott sei Dank erspart geblieben, da sie mit dem Rücken zu ihrer Schwägerin gestanden hatte, aber ihrem Mann und Masao war es nicht entgangen und sie rechnete es Tai hoch an, dass dieser nicht mehr kuschte, sondern endlich mal frei von der Leber weg sagte, was ihm nicht passte. Kari sah man an, dass sie einfach nur baff war, damit hatte sie nicht gerechnet, aber sie fing natürlich sofort wieder an, sich zu verteidigen, nach Ausreden zu suchen und ähnliches.
„Ich hab doch bestimmt schon hundert mal gesagt, dass es mir leidtut, was ich zu T.K. gesagt habe, ich war halt sauer, weil er mir dauernd vorschreiben will, was ich zu tun und zu lassen habe, das mit Davis war nicht richtig, das weiß ich jetzt auch, aber wenn man wütend ist, rutschen einem auch schon mal Sachen raus, die man nicht so gemeint hat. Aber da man mich ja nicht zu ihm lässt, konnte ich ihm das bisher noch nicht sagen. Und was willst du eigentlich von mir? Ich bin nicht eifersüchtig auf Mimi, aber sie hätte mich ja wohl auch mal kurz dich begrüßen lassen dürfen. Ich weiß, dass sie deine Frau ist, das kann sie ruhig auch sein, immerhin brauchst du das ja auch, damit ihr euer perfektes Bilderbuchleben weiterführen könnt, um mir vorzuhalten, wie sehr ich versagt habe! Und erzähl mir nicht, was für eine harte Arbeit eure Ehe wäre, bei euch läuft doch alles wie am Schnürchen, kein Streit, keine Krisen, nichts, also hör auf so heuchlerisch zu sein Tai, was haben sie bloß im Entzug aus dir gemacht, du siehst nicht mehr aus wie mein Bruder, ich erkenn dich überhaupt nicht mehr wieder!“, sie schrie schon fast, ihr war das gerade einfach alles zu viel. „Im Moment kann ich nichts kitten, weil deine ach so perfekte Frau und Masao mich nicht zu ihm lassen, weil sie der Meinung sind, dass ich mich nicht entschuldigen soll, also gib mir gefälligst nicht die Schuld an der Scheiße, sondern ihr! Ich kann mich ja schlecht auf meine Familie konzentrieren, wenn ich meine Familie gar nicht haben darf!“ Dass Tai ihr gerade ein Besuchslimit aussprach, überhörte sie gekonnt, sie war auf hundertachtzig, nahm vor Wut nun ihre eigene Kaffeetasse und schmiss sie quer durch den Raum, knapp an Mimi vorbei gegen die Wand.

Mimi hatte nun genug gehört und gesehen, stand auf, stellte sich mit den Händen in die Hüften gestemmt vor ihr hin und funkelte sie an. „So mein liebes Fräulein, JETZT. IST. SCHLUSS! Du hörst mir jetzt zu und nein, ich will nichts hören, schweig einfach und schreib dir eins hinter die Ohren: Wag es dich noch mal eine Kaffeetasse nach mir zu werfen und du brauchst dich bei uns NIE WIEDER blicken zu lassen! Verstanden?!“ Bei dem Blick, den Mimi draufhatte, gefror wohl sicherlich selbst Masao das Blut in den Adern. Kari nickte nur stumm und Mimi redete weiter. „Nur weil wir unsere Unstimmigkeiten nicht in die Öffentlichkeit tragen, heißt das nicht, dass wir nicht auch hin und wieder unsere Differenzen haben. Aber im Gegensatz zu T.K. und dir reden wir darüber, schreien uns auch mal richtig an, dass die Fetzen fliegen und dann vertragen wir uns. Wir streiten nie vor anderen oder vor den Kindern, weil sich das einfach nicht gehört. Und hör endlich auf, mich immer als Ausrede zu benutzen, wenn bei dir was nicht klappt, ich bin weiß Gott nicht perfekt. Die Beziehung mit Michael hat bei mir auch vieles kaputt gemacht, ich habe richtig Probleme damit, meinen Körper zu akzeptieren, er hat mir immer das Gefühl gegeben, dass ich nicht gut genug bin, dass ich nicht schlank genug bin, bis heute habe ich diesen Drang dazu, wie eine Verrückte zu trainieren, aber nie bin ich zufrieden mit mir. Das hat auch unsere Ehekrise im Sommer letztes Jahr ausgelöst, ich habe mir damals sogar vorschreiben lassen, wie viel ich essen darf und manchmal tagelang gehungert, damit ich Michael besser gefalle. Wäre ich damals nicht nach der Trennung an gute Therapeuten geraten, hätte ich heute sicher eine Essstörung. Aber ich weiß selbst, dass ICH meine Einstellung ändern muss, nicht jemand anderer. Und DU musst das auch lernen. Gib einmal zu, dass DU scheiße gebaut hast, dass du dich ändern musst und nicht T.K., weißt du eigentlich, was er sich für Schuldgefühle macht? Er glaubt, dass er schuld daran ist, dass es dir so schlecht geht, er reißt sich alles für dich aus, um Aiko ein guter Vater zu sein, denk da mal drüber nach. Und dann stell dir noch mal vor, wie es wäre, wenn niemand mehr da wäre. Ich glaube kaum, dass du das willst, Kari. Wach auf, verdammt.“ Mimi atmete tief ein und aus, während bei Kari bereits die ersten Tränen zu laufen begannen.

Masao beobachtete das Ganze nur, dachte sich seinen Teil und war erstaunt darüber, wie größenwahnsinnig Kari war, so extrem gegen Tai und Mimi zu schießen, aber Mimi quittierte das direkt mit einer Ansage, die sich gewaschen hatte und Masao hielt wohlweislich weiterhin den Mund.
Tai hingegen hörte sowohl Kari als auch Mimi zu und bei Karis Aktion riss ihm endgültig der Geduldsfaden und er war stinksauer. „Okay, jetzt reicht es verdammt noch mal! Was bildest du dir überhaupt ein? Dass man dich nicht zu ihm lässt bist du selbst schuld! Dann sagst du ihm wie leid es dir tut, aber ändert es etwas? Wenn der nächste Streit kommt, rastest du wieder aus und wirfst ihm Dinge an den Kopf ohne zu überlegen. Der Kerl liebt dich! Und dass, seit ihr Kinder wart, aber hat es sich nie getraut das zu sagen, du willst die Wahrheit haben? Okay bitte, Davis hat genau gewusst, was T.K. für dich fühlt und genau deswegen hat er dich ausgesucht und für sich beansprucht, um T.K. eins auszuwischen, denn er wusste wie sehr es ihn quälen würde, euch Tag für Tag zusammen sehen zu müssen, aber hat er dich mit Eifersuchtsanfällen terrorisiert? Ich kann mich nicht erinnern, dass er das gemacht hat! Und wag es ja nicht, noch einmal irgendwelche Dinge nach meiner Frau zu werfen, sonst hast du ein riesiges Problem mit mir und glaub mir das willst du nicht! Und wie ich mir die Haare schneide oder mich kleide, das geht dich einen Scheiß an, es ist meine Entscheidung, was ich tue in MEINEM Leben, ob es dir nun passt oder nicht ist nicht mein Problem.“

Ja, er war wirklich wütend und hielt damit auch nicht hinterm Berg, dass sah er nicht mehr ein. „Du führst dich auf wie ein kleines Kind, das seinen Willen nicht bekommt, wir führen weiß Gott keine perfekte Ehe und bei uns kracht es des Öfteren auch mal gewaltig, aber wir beide wissen ganz genau was wir aneinander haben und das ist viel mehr wert, als die Sachen wegen denen wir streiten, wir schreien uns an und jeder lässt Dampf ab, dann reden wir in Ruhe drüber und schaffen die Sache aus der Welt, wie es erwachsene Menschen nun einmal tun! Du kannst dich glücklich schätzen, dass du eine gesunde Tochter hast, du kannst dir nicht im Entferntesten vorstellen, wie es war, als wir erfahren haben, dass Mimi schwanger war, denn dass sie die Kinder lebend zur Welt bringt, die Chancen standen nachher bei fünf Prozent. Du betest und hoffst jeden Tag, dass alles gut geht, aber auch das haben wir geschafft, weil wir zusammenarbeiten und nicht gegeneinander! Versteh das mal endlich! Komm heraus aus deiner Scheinwelt und stell dich der Realität und werde verdammt nochmal erwachsen! Stell dich deinen Taten und akzeptiere auch die Konsequenzen und verdammt, lern endlich mal aus deinen Fehlern! Du siehst immer nur dich, du bist so egofokussiert, dass du um dich herum alles vergisst, ich habe dir viel zu lange alles durchgehen lassen und es immer runtergespielt, aber damit ist es jetzt endgültig vorbei! Ich bin für dich ein Heuchler? Schön, wieso klammerst du dann noch so? Du hast genau ZWEI Optionen: Du wirst Masao und dir selbst gegenüber endlich mal ehrlich und arbeitest ernsthaft an deinen Problemen, für dich und für deine Familie oder du machst weiter wie bisher und wirst alles verlieren, was du hattest, deine Tochter, T.K. und letztlich auch mich, denn ich lasse es nicht zu, dass du dich zwischen Mimi und mich stellst. Du hast mich schon einmal vor die Wahl gestellt und meine Entscheidung wird immer dieselbe sein, ich werde mich immer wieder für MEINE Kinder und MEINE Frau entscheiden!“

Tai hatte sämtliche Muskeln angespannt und die Hände zu Fäusten geballt, er war wirklich in Rage, wie konnte man nur so voller Missgunst und Neid durchs Leben gehen? „Hör endlich auf dich dauernd mit Mimi zu vergleichen, du bist nicht sie und sie ist nicht du, geht das nicht in deinen verdammten Schädel rein? Ohne diesen Entzug wäre alles vorbei gewesen, meine Ehe am Ende und meine Kinder müssten ohne Vater aufwachsen. Ich bin freiwillig in diesen Entzug gegangen, obwohl ich wusste wie hart es werden würde meine Familie möglicherweise monatelang nicht zu sehen, aber ich musste es tun! FÜR MEINE FAMILIE und ich bereue es nicht, weil ich gelernt habe, dass es immer wert ist für seine Familie zu kämpfen, denn eine Familie ist das Kostbarste, was man haben kann und du hast es sie doch auch mit Aiko und T.K., aber du arbeitest daran, dir alles kaputt zu machen, indem du beide immer wieder von dir wegstößt, anstatt auch mal an unangenehmen Sachen zu arbeiten! Werde verdammt nochmal erwachsen!“

Dass sich Masao erst mal im Hintergrund hielt, war wohl wirklich das Beste, wenn ihm gewisse Körperbestandteile lieb waren. Mimi hingegen war es zu viel gewesen und nun stieg auch Tai ein, dem man deutlich seine Wut ansah, aber es schien zu wirken, denn Kari wurde mucksmäuschenstill und hörte ihm schweigend zu, sie wusste nicht mehr, was sie noch sagen sollte. Mimi war zu Tai gegangen und hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt. „Beruhig dich Liebling, ich weiß, dass du sauer bist, aber davon wird es auch nicht besser. Wenn sie es jetzt nicht kapiert, dann ist das nicht deine Schuld, dann muss sie damit leben. Ich bin stolz auf dich, dass du das alles durchgezogen hast und ich bin dankbar, dass ich dich und die Kids habe. Vergiss das nie“, sie küsste ihn sanft auf die Stirn und sah dann zu Kari, die ziemlich blass geworden war.

„Davis wusste, dass T.K. in mich verliebt war?“, fragte sie und als Mimi nickte, begann Kari zu schluchzen, alles brach aus ihr heraus. „Und ich habe ihm die ganze Zeit von meinem Glück vorgeschwärmt, als es zwischen ihm und mir noch okay war… und anschließend hatte ich ihm die Ohren vorgeheult, weil ich so unglücklich verliebt in ihn war trotz dessen, dass er mir all diese Dinge angetan hat.“ Sie sah Tai und Mimi an, dann Masao. „Ich will doch eigentlich gar nicht streiten, weder mit T.K., noch mit euch, aber jedes Mal, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es gern hätte, dann werde ich so verdammt wütend und ich weiß einfach nicht, wie ich das kontrollieren soll, es ist, als wäre ich nicht ich selbst und wenn ich wieder bei klarem Verstand bin, dann merke ich erst, was ich da eigentlich angerichtet habe. In dem Moment, wo ich T.K. all diese Sachen an den Kopf geworfen habe, war es mir ernst damit, aber schon auf dem Weg in die Klinik habe ich es bereut, wie immer eigentlich, ich liebe ihn doch und will mit ihm zusammen sein, er war immer für mich da und das will ich nicht missen, wir waren doch mal so glücklich. Und Aiko ist mir doch auch ans Herz gewachsen, manchmal merke ich, dass ich nicht mit ihr klarkomme und das macht mich launisch, weil ich solche Angst habe, dass ihr durch meine Unfähigkeit etwas passiert.“ Tränen rannen weiter unaufhörlich ihr Gesicht entlang und sie sah zu Tai. „Du warst immer meine Antwort auf alles, aber ich weiß eigentlich auch, dass du das nicht sein kannst, ich will dich auch nicht vereinnahmen und ich bin froh, dass Mimi damals kam und dir geholfen hat, aber wenn ich euch zusammen sehe, dann ist sie wie ein rotes Tuch für mich, sie löst in mir so eine Wut aus, obwohl ich sie doch eigentlich lieb habe…“
Sie atmete tief ein und aus, ehe sie weitersprach. „Ich habe immer das Gefühl nicht gut genug zu sein, für niemanden, ich war für Davis damals nicht gut genug, er hat mich für eine andere fallen gelassen, aber Mimi, sie wird von allen geliebt und deswegen habe ich mir immer gewünscht, zu sein wie sie, ihren Platz zu haben, auch wenn ich weiß, dass das natürlich nicht geht. T.K. tut alles für mich, das weiß ich eigentlich auch, aber wenn er mir Dinge verbietet, dann muss ich wieder daran denken, wie es bei Davis war, manchmal hat er mich tagelang eingesperrt, wenn er getrunken hatte, ich fühlte mich einfach in die Ecke gedrängt und deswegen habe ich dann auch angefangen auszuteilen, von Davis wurde ich dafür meistens verprügelt, ich kann einfach nicht umdenken. Ich weiß, dass T.K. das nicht tun würde, aber wenn er Dinge macht, die an Davis erinnern, dann reagiere ich einfach nur noch blind… es tut mir leid, dass immer alles so schief geht, wenn er und ich nicht einer Meinung sind. Manchmal wünschte ich, ich wäre niemals aus Amerika zurückgekommen. Ich habe es niemandem erzählt, aber eigentlich wollte ich mir das Leben nehmen, ich hatte schon alles besorgt, der Abschiedsbrief war geschrieben, ich war so hoffnungslos, obwohl Mimi versucht hatte, mich aufzubauen. Doch dann kam ein Brief von T.K., er war so voller Liebe und Vertrauen in mich, so voller aufbauender Worte… da konnte ich nicht mehr…, aber ich habe sein Leben zerstört… ich wünschte mir, ich wäre einfach nicht mehr da…“ Sie schlug die Hände vors Gesicht und weinte weiter, während Mimi nur Masao betroffen ansah, da waren wieder neue Sachen ans Licht gekommen, die sie alle ganz schön geschockt hatten.
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