Let's Read "Dragon Age 02: The Calling"

GeschichteAllgemein / P12
Duncan
06.05.2019
22.08.2019
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Kapitel 1
(S. 1 – S. 30)

„In the absence of light, shadows thrive.
—Canticle of Threnodies 8:21”
(Seite 1)

Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat aus dem Gesang des Lichts, und ich habe beschlossen, diese Zitate jedes Mal  auch hier zu zitieren. Weil ich es kann.

Das Kapitel beginnt damit, dass ein gewisser Duncan (keine Ahnung, wer das sein könnte) berichtet, dass er vor noch einem Jahr höchstens in Gefangenschaft einen Palast von innen gesehen hätte. Selbst das hält er jedoch für unwahrscheinlich, da gewöhnliche Diebe meistens vom Adel ferngehalten wurden, was in Ferelden allerdings anders gehändelt wird. Uns wird erklärt, dass er sich derzeit im Palast von Denerim befindet und dass dieser ihn absolut nicht beeindruckt. Ferelden ist ihm nämlich zu kalt, oh Wunder. Hab ich ja noch nie gehört. Ebenso kalt findet er die Vorhalle, in der er sitzt, in der er weder Dekoration noch irgendwelche Kamine sieht, dafür aber Hinweise darauf, dass im Gebälk Tauben nisten.
Und wie alle Nicht-Fereldener beschwert Duncan sich über Fereldener, deren Pragmatismus und deren Hundeliebe. Weil Pragmatismus und Hundeliebe offenbar falsch sind? Ich meine, es sind Hunde. Hunde sind wundervoll. Es ist ein Armutszeugnis für Orlaisianer, dass sie sie nicht wertschätzen können. Nicht, dass die Orlaisianer noch ein weiteres brauchen.
Scheinbar fühlt sich Duncan auch bösen Blicken ausgesetzt, weil er Orlaisianer ist, und zwei Dienerinnen haben ihn wohl angeschaut, als könne er mit dem Silber davonrennen. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber sitzt Duncan nicht hier, weil er jemanden bestohlen hat? Sofern die Dienerinnen das per Gerüchteküche gehört haben, könnte das durchaus Anlass für Vorsicht geben.
Duncan berichtet uns, dass er eine Lederrüstung trägt, zwei Dolche hat und über der Rüstung eine Tunika mit dem Griffon der grauen Wächter darauf anhat. Und dann beschwert er sich, dass er immer noch warten muss.
Dann tritt eine Elfe ein. „She was petite even for her kind, almost waiflike, with short mousy brown hair and large expressive eyes. She looked annoyed, as well, which didn’t surprise Duncan in the least.” (Seite 3) Merkt euch die mausbraunen Haare. Die Dame ist eine Magierin in Kettenhemd und blauem Rock, deren Ärger sich zu Belustigung wandelt, als sie auf Duncan zukommt und anmerkt, dass er immer noch da ist.
Außerdem hört sie auf den Namen Fiona. Ja, die Fiona.
Duncan grummelt, dass eine Frau namens Genevieve ihm die Füße abhacken würde, würde er weglaufen.
Die Kommandantin der Wächter (übrigens genannte Genevieve) diskutiert anscheinend derzeit mit dem Hauptmann der Stadtwache über Duncans Verhalten. (Oder, wie Fiona präzisiert, versucht der Hauptmann zu diskutieren, hat aber wenig Erfolg. Das hat mir doch ein Schmunzeln entlockt.) Gleich darauf treten zwei Leute ein. Die erste ist eine weißhaarige Frau mit Plattenrüstung und einem weißen Mantel, der zweite ein schwarzhaariger Mann in gelben Roben, der Erster Verzauberer Remille genannt wird. Wie sein Name schon verrät, ist der Kerl Orlaisianer. Gleichzeitig wird uns mitgeteilt, dass seit Fereldens Befreiung elf Jahre vergangen sind. Wir befinden uns also etwa 19 Jahre vor Origins im Jahre 9:11. So laut Timeline.
Die beiden streiten. Remille ist alles andere als glücklich, dass Genevieve seiner Meinung nach unnötig Unfrieden stiftet, da sie König Marics Unterstützung brauchen, und Genevieve (die übrigens nicht als Lady Genevieve angesprochen werden will, weil eine Lady und damit feminin sein ist, wie wir alle wissen, doof) meint, dass der Hauptmann der Wache sich zu viel herausnimmt. Genevieve rügt Duncan für sein Verhalten, der beschämt ist, und dann führt Remille sie in Richtung Thronsaal. Unterwegs sammeln sie vier andere Wächter ein: zwei menschliche Krieger, einen Bogenschützen und eine Zwergin. Wir haben es diesmal also mit einer größeren Gruppe zu tun. Nice, wenn auch für einen Autor nicht unbedingt einfach: je größer eine Gruppe ist, desto schwieriger ist es schließlich, jedem Charakter genügend Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, ohne dass es das gesamte Pacing des Romans herunterzieht. Und man braucht diese Aufmerksamkeit, damit man sich überhaupt für das Schicksal des Charakters interessiert. Aber ich mag Geschichten über Gruppen und deren Dynamik, bin also hoffnungsvoll.
Sie betreten den Thronsaal, den Duncan tatsächlich beeindruckend findet und den ich hier nicht beschreiben werde, weil…spielt Origins. Die einzige Dekoration sind Wandbehänge und eine Holzschnitzerei von einem Mann im Kampf mit Werwölfen. Dane, vermute ich mal.
„There was a man sitting casually on the throne, and Duncan wondered faintly if that was supposed to be the King. (…) His blond hair was unkempt and his clothing was hardly what Duncan would call regal, consisting of a rumpled white shirt and riding boots still covered in dirt.”  (Seite 7) Sagt hallo zu Maric, den wir hier wie gesagt wieder in der Riege der Hauptcharaktere begrüßen dürfen und dem es offensichtlich miserabel geht. (Er sieht laut Duncan auch so aus, als hätte er lange nicht geschlafen.) Daneben steht Loghain, der Duncans Meinung nach weit königlicher aussieht. Irgendwie ist es auch so ein Klischee, dass eine Person nicht so adelig aussieht, wie sie es nach Meinung des POV-Charakters tun sollte, irgendein Begleiter aber schon, oder? Mir fallen auf Anhieb drei Beispiele dafür ein, die zugegeben beide von G.R.R Martin stammen, aber ich bin sicher, es gibt noch mehr.
Remille komplementiert Marics Gesundheit (ich weiß, es ist nur eine „Das sagt man halt so“-Floskel, aber da es offensichtlich ironisch sein soll: haha) und verneigt sich, ebenso wie die Wächter. Remille stellt Genevieve vor (immer noch Kommandantin der Grauen von Orlais), die sich bei Maric für die Verspätung entschuldigt. Loghain kommentiert, dass sie trotz ihrer Absichten Unfrieden stiften, was Genevieve ärgert, da sie offenbar auf die Ehre ihres Ordens stolz ist.
Maric stellt Loghain vor, und wir erfahren, dass er in Orlais bekannt ist (als der Held vom Fluss Dane). Die beiden haben immer noch ihr sarkastisches Banter, was ich immer noch lustig finde.
Genevieve äußert die Vermutung, dass Loghain sich auf die Verbannung des Ordens aus Ferelden bezieht, aber Loghain tut ihre Bemerkung, dass sie das erklären kann, mit Missfallen ab. Remille unterbricht sie damit, dass das Geschichte ist, und Maric stimmt zu. Loghain will wissen, weshalb die Wächter sie haben warten lassen, und Genevieve gesteht, dass einer der Wächter ein Verbrechen begangen hat, um das sie sich kümmern musste.
Genevieve winkt Duncan vorwärts und erklärt, dass er versucht hat, auf dem Marktplatz zu stehlen, und deshalb in einen Kampf mit einer Wache geraten ist. Besagte Wache wurde dabei sogar verletzt. Duncan wirft ein, dass er die Wache hätte töten können, und korrigiert dann, als er merkt, wie falsch das klingt, dass er es aber nicht getan hat, was…zu seinem Vorteil ausgelegt werden soll, vermute ich mal? Ist ne eher schwache Verteidigung, würde ich sagen. Ich meine, ich könnte auch tagtäglich meine Familie damit nerven, dass ich sie mit Gegenständen bewerfe, und werde sicherlich keinen Orden dafür bekommen, dass ich es nicht tue.  
Maric ist über Duncans Verhalten nicht einmal wütend, und Genevieve erzählt, dass Duncan glaubt, wenn er sich schlecht benimmt, wird er aus dem Orden geworfen. (Bruh, du weißt, dass du die Verderbheit so einfach nicht loswirst, oder? Anders ist schließlich nach seiner Flucht aus dem Orden auch noch verderbt, ein stetiger Quell von Angsting für alle Andersmancer, als hätte diese Romanze nicht schon genug davon.) Maric will daraufhin wissen, ob er kein Grauer Wächter sein will, aber Duncan ist zu verlegen, um zu antworten. Vor allem, da ihn überrumpelt, dass Maric sich überhaupt dazu herablässt, mit einer niederen kriminellen Gossenratte wie ihm zu sprechen, was kein Adeliger in Orlais getan hätte. Mir gefällt, dass die Charaktere an fereldische (oder auch einfach Maric’sche) Eigenheiten nicht gewohnt sind und von ihren Adeligen viel schlimmeres Verhalten erwarten. Das merkt man gerade bei Fiona auch später noch. Es ist nur realistisch, und ich bin grundsätzlich ein Fan von Realismus.
Genevieve bietet an, dass Maric Duncan verhaften lassen könnte (sein Land, seine Regeln), Maric winkt ab, Loghain ist darüber nicht glücklich. So weit, so nicht neu. Dann will Maric wissen, warum die Grauen Wächter überhaupt in Ferelden sind.
Aus ehrlich schlimmen Gründen, stellt sich heraus: ein Grauer Wächter wurde in Ferelden in den Tiefen Wegen gefangen genommen, der Kenntnis von den Verliesen der Alten Götter hat. Was im Umkehrschluss heißt, dass die dunkle Brut das herausfinden und diese alten Götter suchen könnte. Sprich: Verderbnis
War ein ziemlich guter „Oh, fuck“-Moment, muss ich sagen. Da hat Gaider gute Arbeit geleistet.
Maric glaubt ihnen sofort und ist entsetzt. Loghain benimmt sich jedoch, wie wir ihn kennen und lieben und stellt sofort die Theorie auf, dass die Wächter sie nur manipulieren wollen, weil ihr Orden an Wichtigkeit verliert, da die letzte Verderbnis dreihundert Jahre her ist.
Ich kann nicht sagen, dass ich Loghain für diese Ansicht vollkommen verurteile. Immerhin sind dreihundert Jahre für so etwas tatsächlich eine recht lange Zeit und jetzt mal ehrlich, wer würde glauben wollen, dass eine Plage losbrechen könnte, das Land selbst vergiften würde? Es einfach von der Hand zu weisen, ohne überhaupt darüber nachzudenken, finde ich für den Berater des Königs dennoch ein wenig verantwortungslos. Manchmal sollte man anerkennen, dass andere Leute von etwas mehr Ahnung haben als man selbst, und die Möglichkeit zumindest in Betracht ziehen.
Genevieve versucht, Maric zu überzeugen, dass sie die Wahrheit sagt, und…erzählt ihm deswegen dieselben Fakten noch einmal. Okay. Interessante Strategie.
Genevieve sagt, dass Maric die Dunkle Brut mit eigenen Augen gesehen hat (ebenso wie Loghain, möchte ich hinzufügen) und weiß, dass sie keine Legende sind. Maric fragt, ob sie die Erlaubnis haben wollen, als Graue Wächter Ferelden zu betreten.
Äh, korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber…die sind von Orlais nach Denerim gereist. Mussten sie dafür schon nicht quer durch das Land? Vielleicht meint er mehr Graue Wächter oder sie sind auf dem Seeweg hergekommen oder so, immerhin ist Denerim eine Hafenstadt. Jedenfalls verneint Genevieve, da sie die Tiefen Wege bereits in Orzammar hätten betreten können. Sie erklärt, dass sie wissen, wo der vermisste Wächter in etwa ist, aber nicht, wie sie dorthin kommen sollen, da die einzigen Lebenden, die den Weg kennen, Loghain und Maric sind. Sie erinnert sie an ihren Ausflug in die Tiefen Wege vor…vierzehn Jahren. Wenn es vierzehn Jahre waren, und dieser Ausflug im Jahr 8:99 war (was dadurch gegeben ist, dass in einem der nach der Befreiung von Gwaren spielenden Kapitel das Jahr als 8:99 benannt wird, das Jahr 9:00 im letzten Kapitel anbricht und der Deep Roads Road Trip dazwischen liegt), dann müssten wir jetzt 9:13 oder 9:14 haben.
Sprich, Alistair, der im Laufe dieses Romans noch gezeugt wird, wäre in Origins höchstens…sechzehn oder siebzehn?
Was mag ich es doch, wenn Timelines keinen Sinn ergeben. World of Thedas benennt diese Daten übrigens auch falsch, obwohl das in der zweiten Ausgabe korrigiert wurde.
Genevieve fährt fort, dass sie zum Ortan-Thaig müssen, ein Ort, an dem seit über hundert Jahren nur Maric, Loghain, Rowan und Katriel waren, und die beiden Frauen sind tot. Siehe letztes Buch für eine Erklärung, warum.
Maric schlägt Karten vor, die Genevieve aufgrund der womöglich veränderten Struktur jedoch nicht ausreichend findet. (Und Maric/Loghain würde sich besser zurechtfinden, wenn sie Umwege suchen müssen?) Sie bittet Loghain, sie zu begleiten, aber der lässt sie nicht einmal ausreden, da er es für eine Intrige hält, um ihn zu ermorden und es wie einen Unfall aussehen zu lassen. Genevieve schreit sie an, ob sie nicht sehen, wie verheerend eine Verderbnis für Ferelden wäre.
Loghain schlägt vor, ihnen eine Wegbeschreibung zu geben, was ich in seiner Situation mehr als verstehen kann. Zudem waren er und Maric vor anderthalb Jahrzehnten ein einziges Mal dort. Ich bezweifle, dass sie allzu gute Wegweiser wären.
Selbiges merkt auch Loghain an, aber Genevieve meint, dass sie alles nehmen würde. Außer Karten und Wegbeschreibungen, offensichtlich. Und während sie sich noch streiten, wirft Maric ein, dass er die Wächter begleiten wird. (Ich will eine dumme Synchro von der Streiterei bei dem Ratstreffen in Die Gefährten dazu. Und Maric ist Frodo und Genevieve Boromir. „One does not simple give the Grey Wardens a map“ oder so.) Selbst Loghain kann Maric ob der schieren Dummheit dieser Aussage nur verblüfft anstarren.
Dann verbietet er es Maric geradeheraus, und selbst Genevieve sagt, dass es für ihn als König zu gefährlich ist. Loghain stimmt dem zu und will dann wissen, wie sie sich überhaupt so sicher sein können, wo der Wächter ist und dass er gefangen genommen wurde. Sie weicht der Frage aus, Loghain fragt noch einmal nach. Bevor sie antworten kann, bestätigt Maric jedoch noch einmal, dass er selbst gehen wird. Genevieve weicht zurück, während Loghain sich offenbar weigert, das vor Publikum weiter zu diskutieren. Duncan geht stark davon aus, dass ein Streit bevorsteht und Maric seine Meinung noch ändern wird, was er, da es einen Ausflug in die Tiefen Wege nach Möglichkeit vermeiden würde, gar nicht mal zu schlimm fände. Dann werden die Grauen Wächter aus dem Thronsaal geführt und Maric und Loghain bleiben allein zurück.

POV-Wechsel zu Maric.
Das erste, was Maric uns erzählt, ist, dass er auf Loghains Standpauke wartet. Und dann denkt er ohne Übergang über Loghains Rüstung nach, die er nach der Schlacht am Fluss Dane dem Kommandanten der Chevaliers abgenommen und bei der Siegesparade getragen hat, sehr zu Marics Belustigung. Keine Ahnung, was das mit der Situation zu tun hat, aber Maric und damit Gaider hielt es für wichtig, also schreibe ich es hier mal hin. Vielleicht ist es ja eine Chekov’s Gun und diese Rüstung wird den Tag retten oder hat eine tiefe symbolische Bedeutung. Vielleicht soll es auf die Ironie hinweisen, dass Loghain eine orlaisianische Rüstung trägt, während er tiefes Misstrauen gegen Orlaisianer hegt. Oder vielleicht ist es nur ungeschickt eingebrachte Exposition. Es ist und bleibt ein Rätsel.
Dann erzählt Maric, wie viel Arbeit er und Rowan investiert haben, um Ferelden wiederaufzubauen, obwohl jede harsche Entscheidung ihn seelisch etwas mehr gekostet hat. „Loghain was a hero, and both Rowan and Maric were legends. When Rowan finally gave him a son, Maric had thought that perhaps a bit of happiness was finally possible. And then she had died, and everything had changed.”
(Seite 19)
Then, everything changed when the Fire Nation attacked.
Habe ich schon finally gesagt?

Aber mal im Ernst, ich musste durchaus schlucken, als ich das gelesen habe. Nach so vielen Opfern endlich glücklich zu sein und dann seine Ehefrau und beste Freundin zu verlieren, hat Maric nicht verdient, vor allem, da der Epilog von TST uns ja erzählt hat, dass auch er und Loghain sich nach Katriels Tod entfremdet hatten. Ich mag den Kerl als Charakter nicht abkönnen, aber nach allem, was er durchgemacht hat, was nichts mit seiner Dummheit zu tun hatte, ist das doch ziemlich hart. Vor allem hatte auch Rowan mehr verdient als einen elenden Tod, nach dem ganzen Bullshit, den durchmachen musste, um halbwegs glücklich mit ihrem Platz im Leben zu sein. Wir erinnern uns, dass keiner im Quartett am Ende des Buchs sonderlich glücklich war. (Ich meine, Katriel war auch nicht unglücklich, aber das könnte daran liegen, dass Tote keine Gefühlszustände haben.)
Loghain starrt Maric an und zieht dann sein Schwert, mit der Erklärung, dass er sich darauf stürzen kann, da das offensichtlich sein Begehr ist und schneller ginge als ein Ausflug in die Tiefen Wege. „At least this way we’ll have a body to burn. I won’t need to explain to your son why his father went off on a mad mission and never returned.” (Seite 19)
Noch mehr autsch, diesmal für Klein-Cailan. An diesem Punkt hatte ich beim Lesen ich wirklich ein wenig feuchte Augen. Einerseits…Maric ist offensichtlich depressiv, nach dem vorherigen Epilog zu urteilen, aber ich will mir auch nicht vorstellen, wie dreckig es ihm geht (wenn er krank ist, kann er da schließlich auch nichts für), aber noch mehr Leid tut es mir für Cailan, der nach seiner Mutter wirklich nicht auch noch seinen Vater so jung verlieren muss.
Maric weist Loghain darauf hin, dass die dunkle Brut existiert und die Wächter Recht haben könnten. Loghain ist nach wie vor skeptisch. Er fleht Maric an (kein Scheiß, das steht so in der Narration), darüber nachzudenken, dass sie nicht nur Orlaisianer sind, sondern die Grauen Wächter sich auch nicht um ihn oder Ferelden scheren, sondern nur um ihre eigenen Ziele. Wir als Spieler wissen, dass er damit Recht hat – immerhin ist das ein Fakt, der uns seit Origins bewusst ist. Man kann den Helden von Ferelden so nett und kätzchenrettend spielen, wie man will, es gibt immer noch Duncan, der den eigenen Charakter zwangsrekrutiert, wenn man dem Orden nicht beitreten will und Jory kaltblütig tötet, um die Geheimnisse des Ordens zu wahren, der den Rekruten einen Scheiß darüber erzählt was für den Beitritt tatsächlich nötig ist und wie viel es ihnen abverlangen wird (einen Teil ihrer Lebensspanne, ruhigen Schlaf, die Möglichkeit, eine Familie zu gründen…) und der ihnen auch nicht erzählt, dass sie möglicherweise nicht nur sterben werden, sondern dass dabei auch noch ihre Seele zerstört wird, was religiöse Charaktere, die auf dieses Konzept und ein Leben nach dem Tod etwas geben, ziemlich verstören sollte. Wobei man bei letzterem sagen kann, dass er vermutlich nicht davon ausgegangen ist, dass der allerneueste Rekrut der Wächter den Erzdämon würde erschlagen müssen. Das sind ein paar ziemlich große Sachen, um sie jemandem vorzuenthalten. Ob all das gerechtfertigt ist oder nicht, sei mal dahingestellt, aber es ist eine Tatsache. Die Grauen Wächter sind nicht nett und ganz sicher kein Wohlfahrtsverein. Waren sie nie, werden sie nie sein. Was narrativ durchaus in Ordnung ist, aber trotzdem anerkannt werden sollte.
Das muss selbst Maric zugeben, entgegnet jedoch, dass es noch andere Gründe gibt. Loghain will wissen, ob es an Rowans Tod vor zwei Jahren liegt, da Maric seitdem nicht einmal mehr seinen Sohn oder Ferelden wirklich wahrnimmt. Es wird beschrieben, dass er wirklich besorgt aussieht.
Maric erklärt ihm, dass Flemeth ihm damals erzählt hat, dass eine Verderbnis über Ferelden kommen würde, jedoch erst nach Marics Tod. (Was nicht faktisch zutreffend ist, denn wie die Comics uns erzählen, ist Maric erst nach DA2 wirklich gestorben, also mehrere Jahre nach der Verderbnis. Just saying. Außer natürlich, es ist die sechste oder siebte Verderbnis gemeint, was…schlecht wäre. Für Ferelden. Wenn auch nach Trespasser-Stand nicht unbedingt sein größtes Problem.)
Loghain (der, wir erinnern uns, Maric vor einigen Jahren dazu manipuliert hat, wütender auf Katriel zu sein, als rechtens war, weil er wollte, dass er sie tötet) fragt Maric, ob er auch glaubt, dass sie recht damit hat, dass Maric ihm nicht trauen kann, und Maric fragt ihn, ob sie also nur Lügen erzählt hat. Loghain denkt, dass sie nur nach ihren eigenen Zwecken gehandelt hat und bietet Maric dann an, dass er selbst die Wächter begleiten könnte, wenn es so wichtig ist, da Cailan seinen Vater braucht.
Ich…muss ehrlich sagen, dass ich das irgendwie doch knuffig finde. Loghain versucht offensichtlich, seinen Freund vor sich selbst zu beschützen, auch, wenn er vorher noch so vehement dagegen war, mit den Wächtern zu gehen und weiß, dass das eine tödliche Entscheidung sein könnte. Es spricht mehr für Marics und Loghains Freundschaft als vieles im ersten Buch. Was nicht heißt, dass ich Loghain sein Verhalten, mag es auch „für Ferelden“ gewesen sein, verziehen habe.
Maric widerspricht, dass Cailan nicht ihn, sondern seine Mutter braucht und er dem Königreich besser dienen kann, wenn er unterwegs ist, da er in Denerim niemandem hilft. Loghain hält das für dumm. Ich auch, Loghain, ich auch.
Maric will, dass Loghain in Denerim bleibt, um Cailans Regent zu werden, sollte er nicht zurückkehren, und Loghain widerspricht, dass er Maric das nicht tun lassen wird, wenn ihn keine Armee umgibt. An seinem Tonfall erkennt Maric, dass es sinnlos ist, mit Loghain darüber diskutieren, und da es schon mehrere Attentäter aus Orlais gab, die ihn seit Fereldens Befreiung töten wollten, fragt er sich sogar, ob Loghain nicht vielleicht doch Recht hat.
Jedoch ist ihm klar, dass Flemeth sie gerettet hat, und er erträgt kaum den Gedanken, dass eine Verderbnis über Ferelden herfallen könnte. Da Ferelden gerade erst anfangen dürfte, sich wirklich vom Bürgerkrieg zu erholen, kann ich umso mehr verstehen, dass er sein Land unter allen Umständen davor retten möchte. Allerdings möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass selbsterfüllende Prophezeiungen ein Konzept sind, das existiert. Maric hat selbst erwähnt, dass Flemeth gemeint hat, eine Verderbnis würde in Ferelden geschehen, nachdem Maric bereits tot ist (was sehr vage ist, weil…wenn die Verderbnis sich in hundert Jahren ereignen würde, könnte Maric da recht wenig Einfluss drauf nehmen). Was aber wichtiger ist: wenn man das eine glaubt, sollte man auch das andere glauben, und Marics Wunsch, die Katastrophe zu verhindern, könnte sie überhaupt erst in Gang setzen. Tut sie nicht, wir wissen ja, dass die Verderbnis erst knapp 20 Jahren geschehen wird, aber trotzdem.
Maric jedoch denkt, dass eine derartige Prophezeiung keinen Sinn hätte, wenn nicht, um sie zu verhindern. How very Meera Reed of you, Maric.
Maric gibt zu, dass Loghain Recht hat, und Loghain glaubt es ihm keine Sekunde und starrt ihn skeptisch an. Maric schlägt vor, ihnen Karten zu malen und Ratschläge mit auf den Weg zu geben, Loghain jedoch sagt, dass er genug von Orlaisianern hat und Maric es alleine machen soll. (Sehr intelligent, Loghain, alter Junge. Du kennst Maric, misstraust ihm in dieser Sache und lässt ihn trotzdem mit den pöhsen pöhsen Wächtern allein?) Dabei merkt er an, dass er vor allem Remille nicht traut.
Schaut die Neonfarben auf meinem Zaunpfahl an, sie sind so schön bunt.
Hm. Entschuldigt. Keine Ahnung, worum es dabei ging.
Maric tut Loghains Kommentar damit ab, dass Remille immerhin Orlaisianer ist. Loghain findet es weniger lustig und warnt Maric, sich nicht zu lange mit den Wächtern aufzuhalten, da sie auch noch die Geschäfte des Königsreichs zu besprechen haben. Maric verspricht, das zu tun. Er gibt zu, dass er Mitleid für Loghain verspürt, obwohl er sich dafür schuldig fühlt. „For all of Loghain’s protests about how he remained in Denerim to help run things, Maric knew why he really didn’t return to Gwaren. A perfectly lovely young wife was there, raising their perfectly lovely young daughter. They were all running away from something.“ (Seite 24)
Ich muss zugeben, ich habe keine Ahnung, worum es in diesem Absatz geht. Ist das Familienleben nichts für Loghain, oder trauert er immer noch Rowan nach und kann nicht ertragen, dass Celia nicht sie und Anora nicht ihr gemeinsames Kind ist, oder ist er heimlich in Maric verliebt, oder…was?

Jedenfalls kommt noch ein neuer Absatz.
Die Wächter kommen wieder in den Thronsaal, und die vorwärtsschreitende Genevieve lässt Maric an Rowan denken. „Rowan had been all heart, always showing concern for her kingdom and doting on their son every chance she got. She had enjoyed being a queen just as she had enjoyed being a mother, far more than she had ever enjoyed being a warrior.” (Seite 25)
Dieser Absatz irritiert mich.
Möglicherweise spielt Gaider darauf an, dass Rowan einmal darüber nachgedacht hat, dass es nur noch Krieg und Tod und nichts Schönes mehr in ihrem Leben gibt, und meint damit, dass sie es zu schätzen weiß, als Königin Dinge aufbauen und Freude an den Künsten und an ihrem Sohn haben zu können. Aber ich habe auch nicht den Eindruck, dass sie unglücklich damit war, eine Naturgewalt auf dem Schlachtfeld zu sein. Nachdem Rowan sich erst überwinden musste, am Ende des Buches Marics Königin zu werden, und es als Leben von Pflicht und Verzicht dargestellt hat, finde ich diesen Umschwung jetzt ein wenig abrupt. Wobei natürlich durchaus möglich ist, dass das nur Marics Auffassung ist oder Rowan ihre Meinung offscreen geändert hat. Rowan musste ja auch sterben, damit Maric einen Grund hat, depressiv zu sein, und sie darüber hinaus nicht betrügen kann.
Holy shit, könnt ihr euch eine Königin Rowan vorstellen, die in Origins mit der fünften Verderbnis aufräumt? Und ihren Sohn davon abgehalten hätte, wie ein Idiot auf dem Schlachtfeld zu sterben? Es wäre episch gewesen.
Genevieve will wissen, ob Maric seine Meinung geändert hat, und Maric stellt die Bedingung, dass niemand von ihrem Aufbruch erfährt, wenn er mit ihnen gehen soll. Sie machen aus, dass sie einander mit Namen statt mit Titeln ansprechen, und Genevieve stellt Duncan dazu ab, Maric als Schutz zur Seite zu stehen. Duncan ist davon nicht unbedingt begeistert, und Maric bemerkt, dass er seine Gedanken und Gefühle sehr offen zeigt, was ihn erstaunlich wenig stört. Selbst der Fereldische Adel besitzt laut ihm gewisse Hinterlist, und wahrscheinlich findet er die Abwechslung erfrischend.
Genevieve weist Duncan an, diese Aufgabe als seine Bestrafung zu betrachten, da Maric ihn jederzeit ins Gefängnis werfen könnte, wenn er sich weigert, ihm seine Wünsche zu erfüllen.
Dann stellt Genevieve die übrigen Wächter vor. Der erste ist Kell, ihr Leutnant, der eine besondere Sensibilität für die dunkle Brut besitzt. Er ist der Bogenschütze mit der Kapuze, und Maric beschreibt, dass er sehr helle Augen hat. Da später auch noch Gesichtstätowierungen beschrieben werden, stelle ich mir Kell übrigens immer vom Aussehen her wie den Wächter aus dem Sacred Ashes Trailer vor. (Klickt hier, um das Ding anzuschauen.)
Die Zwergin heißt Utha und ist eine der Stummen Schwestern (und als solche stumm. Duh). Sie hat einen langen roten Zopf, trägt nur eine Robe und hat keine Waffen, da die Stummen Schwestern mit bloßen Händen kämpfen. Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich cool, weil es doch mal etwas anderes ist.
Die beiden Krieger der Gruppe heißen Julien und Nicolas. Beide haben Orlaisianische Schnauzer (leider keine Hunde), und Julien hat kurze braune Haare und einen kurzen Bart, während Nicolas schulterlanges blondes Haar hat. Julien wirkt sehr reserviert, Nicolas schüttelt Marics Hand und grinst ihn an. Julien hat ein Großschwert, welches fast so groß ist wie er. Selbst angenommen, Julien ist relativ groß, haut das sogar hin, denn kleine Großschwerter sind so etwa 1,6m lang, große eher so um die 1,8m. Ich will allerdings nur mal anmerken, dass mit einem Großschwert zu parieren oder Stiche/Schnitte auszuführen wie mit einem normalen Schwert alles andere als einfach sein sollte, vor allem auf engem Raum. Fragt mich nicht, warum zweihändig kämpfende Krieger nicht einfach große Langschwerter (so um die 1,5m Länge wäre schon ziemlich lang für ein Langschwert) nehmen, die deutlich einfacher zu händeln sein sollten.
Apropos Langschwerter: Nicolas trägt ein Langschwert und einen Schild. Langschwerter sind im Regelfall zweihändige Schwerter. Just saying. Wenn sie einhändig geführt werden, sind es sogenannte Kampfschwerter oder Ritterschwerter, die ähnliche Maße haben. Ist eine Frage des Schwertgriffs, bzw. dessen Länge. (Langschwertgriffe sind für zweihändige Führung ausgelegt.)
Das letzte Teammitglied ist Fiona, die Elfe mit der Duncan vorher gesprochen hat. Sie ist eine Magierin, die ein Jahr zuvor aus dem Zirkel in Montsimmard rekrutiert worden war. Maric merkt gedanklich an, dass er sie nicht für eine Magierin gehalten hat, weil…alle Magier, die er bisher getroffen hat, Männer waren. Männer, die wissen, wie sie ihren Willen bekommen. Und Fiona ist hübsch, wenn auch sehr kühl ihm gegenüber.
Soll mir dieser Absatz vermitteln, dass Maric nur Männer für Magier hält, oder dass hübsche Leute keine Magier sein können? Ich denk da glaub ich gar nicht weiter drüber nach…
Remille tritt hinzu und erklärt Maric, dass sie sich auf den Weg nach Kinloch Hold machen müssen, da sie nicht viel Zeit haben. Scheinbar hat der Zirkel den Wächtern bereits Hilfe zugesichert, bevor sie sich in die Tiefen Wege aufmachen. Genevieve ist besorgt, weil Wächter normalerweise sofort von Dunkler Brut getötet werden (was eigentlich keine Besonderheit der Wächter ist, meines Wissens tötet die Dunkle Brut alles sofort, außer es ist weiblich und sie wollen es brutmuttern) und sie verhindern müssen, dass sich Informationen, die der Wächter weitergeben könnte, verbreiten. Sollten sie den Wächter nicht erreichen, bevor er bricht, will Genevieve jede Dunkle Brut töten, die davon weiß. Könnte angesichts des Hiveminds schwierig werden, aber viel Glück dabei. Maric glaubt, dass sie das sogar ernst meint, und denkt über den legendären Heldenstatus der Grauen Wächter in anderen Ländern nach. (Zudem kennt er ja die Geschichte von Sophia Dryden, aka ein paar hundert Wächter halten eine gesamte Armee auf. Wobei die Wächter da natürlich mit ihrer Festung den strategischen Vorteil hatten.)
Scheinbar halten auch andere Nationen die Wächter für ein Relikt, aber niemand zweifelt ihre Fähigkeiten an.
Maric fragt, wer der Wächter ist, den sie suchen, und Genevieve zögert erneut.
„‘His name is Bregan,’ she said, her tone curt. ‘He is my brother.’” (Seite 30)
Dun-dun-dun!
…Äh, Plottwist? Zugegeben, unbedingt kommen gesehen habe ich es nicht, aber es ist auch nicht so, als ob es großartig irgendetwas verändert. Sicher, es gibt Genevieve eine zusätzliche Motivation, ihn finden zu wollen, und stellt ein wenig in Frage, warum sie wirklich so darauf pocht, ihn zu finden, aber die wichtigste Information (sein Wissen um die Gefängnisse der alten Götter) haben wir schon vor mehreren Seiten erhalten, und damit fügt es keine zusätzliche Spannung hinzu. Und wir kennen Genevieve nicht genug, damit wir das als schweren Schlag für sie auffassen. Aber es war ein netter Versuch.
Damit ist dieses Kapitel auch zu Ende.


FAZIT

Neues Buch. Freude!
Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich TC zuletzt gelesen habe, deshalb hatte ich einiges schon wieder vergessen. Schön finde ich, dass dieses Kapitel den Anfang für Duncan und Fiona darstellt. Wir bekommen hier einen ganz anderen Duncan präsentiert als ein paar Jahrzehnte später in Origins, und gerade Fiona hat ja in Inquisition nur wenig Hintergrund bekommen. Die Prämisse für die Handlung finde ich auch ziemlich interessant, zumal wir ja wissen, dass einige Jahrzehnte später tatsächlich eine Verderbnis beginnt. Ich jedenfalls freue mich schon auf weitere Kapitel. Auch, wenn Maric darin vorkommt. Soweit es Anfänge betrifft, fand ich dieses erste Kapitel recht solide.
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