The Pairing Generator: 120er-Projekt

von lula-chan
GeschichteAllgemein / P12 Slash
05.05.2019
15.09.2019
20
18867
6
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Dieses Kapitel
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Schlagwort: Caged - Eingesperrt


Rezo döst vor sich hin, als EvilBergi den Raum betritt. Hellhörig, wie Rezo geworden ist, wird er sofort hellwach, macht jedoch keine Anstalten sich aufzurichten, geschweige denn seine Augen zu öffnen. Ruhig atmet er weiter.
Schon seit Tagen, vielleicht auch schon seit Wochen oder sogar Monaten, hat Rezo nicht mehr richtig geschlafen. Wenn er denn mal zur Ruhe kommt, versinkt er immer nur in diesem Dämmerzustand des Dösens. Bei dem kleinsten Geräusch ist er wieder wach. Mit der Zeit hat er es sich jedoch angeeignet es aussehen zu lassen als wäre er noch im Tiefschlaf.
Rezo hat keine Ahnung, ob sein Entführer das bereits durchblickt hat und es einfach hinnimmt oder ob er es tatsächlich noch nicht bemerkt hat. Im Grunde genommen  ist es Rezo auch egal. Soll er doch denken, was er will. Es interessiert Rezo nicht.
"Morgen", flötet ihm sein Peiniger ins Ohr, anschließend küsst er ihn auf die Wange.
Das ist das Zeichen für Rezo seine Augen zu öffnen und EvilBergi ins Gesicht zu sehen. Es fasziniert Rezo immer noch wie ähnlich er doch seinem jüngeren Bruder sieht. Einzig und allein die Augen, Tims sind grün-grau, EvilBergis sind rot, unterscheiden sie ... und ihre Körpergröße. Nach Rezos Einschätzung ist EvilBergi einige Zentimeter größer, aber da kann er sich auch irren.
EvilBergi. Auch ein Thema über das Rezo viel nachdenkt. EvilBergi hat Rezo selbst gesagt, dass er ihn so nennen soll. Seinen richtigen Namen kennt Rezo nicht. Sollte er jemals hier rauskommen, wird er Tim mal danach fragen.
"Na Prinzesschen, gut geschlafen?", reißt EvilBergi Rezo aus seinen Gedanken.
Rezo antwortet nicht, betrachtet seinen Gegenüber lediglich argwöhnisch.
EvilBergi zuckt daraufhin mit den Schultern, hält Rezo nun einen Plastikbecher mit Wasser und irgendwelchen darin gelösten Mineralien an den Mund, lässt ihn trinken. Erst als er leer ist, nimmt er ihn wieder weg. Ohne ein weiteres Wort verlässt er den Raum wieder, zieht die Tür hinter sich zu und schließt ab. Rezo ist wieder allein, so wie eigentlich die meiste Zeit. EvilBergi lässt sich nur zwei-, dreimal am Tag blicken, gibt Rezo etwas zu trinken und verschwindet dann wieder. In der Zwischenzeit ist Rezo eigentlich nur am Dösen oder am Nachdenken, je nach dem. Etwas anderes kann er eh nicht machen. Fast durchgängig an einen Stuhl gefesselt hat er sowieso keine Bewegungsfreiheit, um sich irgendwie anders zu beschäftigen.
Er denkt viel nach. Über seine Situation. Wie es dazu kommen konnte. Was es für Auswirkungen hat und haben wird. An seine Familie. An seine Freunde. An YouTube. An seine Zuschauer. Es muss Wochen, wenn nicht sogar Monate her sein, seit er das letzte Video auf seinem Kanal hochgeladen hat.
Er hat längst sämtliches Zeitgefühl verloren. Kein Wunder, wenn man sich die ganze Zeit in einem völlig abgedunkelten Raum befindet. Einzig und allein eine schwach leuchtende Glühbirne lässt ihn irgendetwas erkennen. Es gibt sowieso nicht viel zu sehen, aber das spärliche Licht gibt ihm dennoch das Gefühl nicht ganz alleine zu sein. Es gibt ihm seltsamerweise Hoffnung.
Sie müssen schon längst bemerkt haben, dass er verschwunden ist, entführt wurde. Die Polizei wird bereits nach ihm suchen. Rezo muss einfach nur durchhalten bis sie ihn befreien. Solange denkt er nach, über dies, über jenes, aber oft auch über sich selbst, über sein altes Leben in Freiheit und manchmal auch über seine Gefühle. Er hat schon mal gehört, dass sich manches entführtes Mädchen in ihren Entführer verliebt hätte, aber er hat es nie für möglich befunden, dass so etwas tatsächlich möglich wäre: Gefühle für jemanden zu entwickeln, der ihm die Freiheit raubt.
Am eigenen Leib musste Rezo jedoch erfahren, dass es eben doch möglich ist. Es ist EvilBergis Art, da ist sich Rezo relativ sicher, die ihn diese Gefühle hat entwickeln lassen, denn obwohl er ihn gefangen hält, ist er doch relativ sanft zu ihm. Bei den regelmäßigen Gängen ins Bad hilft er ihm beim Laufen, da Rezo durch das ständige Sitzen kaum mehr Kraft in den Beinen hat. Das Essen, was er ihm bringt, wenn auch eher selten, ist immer vegan. Manchmal bleibt er auch länger, dann unterhalten sie sich, führen durchaus philosophische Gespräche. Es sind die kleinen Gesten, die es ausmachen. Rezo fühlt sich in seiner Anwesenheit geborgen, was vielleicht auch einfach nur daran liegen kann, dass er die einzige Bezugsperson ist, die er derzeit hat, und sich ihm gegenüber auch nicht feindselig benimmt. Manchmal kommt es Rezo so vor, als würde er ihn nur noch um der Symbolik Willen an den Stuhl gefesselt halten, um eine theoretische Flucht zu verhindern, wobei Rezo selbst nicht mehr wirklich glaubt tatsächlich abzuhauen, sollte sich ihm die Chance bieten. Er ist sich sogar ziemlich sicher, dass EvilBergi das weiß. Es ist komisch für Rezo so zu empfinden, seine Gefangenschaft einfach hinzunehmen, sie sogar zu akzeptieren. So sollte er nicht empfinden, er macht es aber doch. Auch so ein Phänomen, von dem er bereits gehört hat, diesmal in Bezug auf Häftlinge, die eine jahrelange Haftstrafe abgesessen und nun aus dem Gefängnis freikommen. Die strikten Regeln im Gefängnis haben ihnen Sicherheit gegeben, ein eigener kleiner Mikrokosmos, und wenn sie dann nach all diesen Jahren freikommen, fehlt ihnen die Struktur. Sie befinden sich in einer Welt voller Chaos, die sich um weiten von der unterscheidet, in der sie früher einmal gelebt haben. Vielleicht sind es ja auch schon Jahre, die Rezo bereits in Gefangenschaft verbracht hat. Er kann es beim besten Willen nicht sagen. Das Gefühl für das richtige Zeitempfinden hat ihn längst verlassen. Es macht ihm auch überhaupt nichts mehr aus, nicht zu wissen, wie spät es ist, welchen Tag sie haben und wie lange er schon dort ist.
Das einzige, was ihm etwas ausmacht, ist der brennende Durst, der sich in seiner Kehle ausbreitet. Das Gefühl für Hunger hat er dagegen schon längst verloren. Sein Körper hat sich daran gewöhnt nur selten etwas zu essen zu bekommen. Der Durst macht ihn dafür aber verrückt. Er ist stärker als sonst, wird immer brennender, verlangender. Sein ganzer Körper fühlt sich ausgedörrt, seine Kehle kratzt unangenehm und ihn plagen starke Kopfschmerzen. Sie werden immer stärker, sind kaum auszuhalten. Irgendwann hängt Rezo nur noch schlapp in seinen Fesseln, schlafen scheint unmöglich und sein Kopf ist wie leergefegt.
Als sich dann schließlich irgendwann die Tür zu seiner Zelle öffnet, befindet er sich bereits in solch einem Delirium, dass er es kaum mitbekommt. Er wird aus seinen Fesseln befreit, kippt direkt zur Seite, doch wird von starken Händen gehalten. Sie geben ihm jedoch keine Sicherheit, dafür empfängt ihn eine wohlige Schwärze.

Ein nervtötendes Piepen dringt zu Rezo durch, sorgt dafür, dass er aufwacht. Langsam öffnet er seine Augen, blinzelt wegen dem Licht, so etwas Helles ist er gar nicht mehr gewöhnt. Ein Stöhnen verlässt seine Lippen. Er fühlt sich schlapp und ausgelaugt. Einige Sekunden, vielleicht sogar Minuten, starrt er nur auf die weiße Decke über ihm. Erst als er etwas wacher ist, macht sich auch das unangenehme Pieksen in seiner Ellenbeuge bemerkbar: eine Infusionsnadel, die an einen Tropf mit durchsichtiger Flüssigkeit angeschlossen ist.
Langsam realisiert Rezo, dass er sich im Krankenhaus befindet. Panik macht sich in ihm breit. Er versteht nicht, warum er hier ist und nicht in seiner dunklen Zelle.
Erst das regelmäßige Atmen einer zweiten Person im Raum, lässt ihn wieder zur Ruhe kommen. Rezo sieht sich nach der Quelle um und wird rechts von ihm fündig. Es ist ein junger Mann mit schwarzen Haaren, der auf einem Stuhl neben Rezos Bett sitzt. Sein Kopf ruht auf seinen Händen gebettet auf Rezos Krankenbett. Es braucht etwas bis Rezo ihn erkennt: Toni. Er sieht fix und fertig aus, trotz dass er gerade schläft. Rezo wird erst jetzt so richtig klar, wie seine Familie und Freunde unter seiner Entführung gelitten haben müssen und wie froh sie sein müssen ihn wiederzuhaben, während er sich selbst bereits mit dem Gedanken angefreundet hat noch lange Zeit in Gefangenschaft zu verbringen. Ohne es zu wollen, beginnt Rezo zu weinen, sein ganzer Körper zittert und wird immer wieder von Schluchzern geschüttelt, die in seiner Kehle kratzen. Rezo weiß noch nicht einmal genau, warum er weint. Es stürzt gerade einfach alles auf ihn ein. Nur am Rande bekommt er mit, wie Toni aufwacht und sich verschlafen aufrichtet, nur um Rezo kurz darauf in eine Umarmung zu ziehen, ihm tröstend über den Rücken zu streichen. Haltsuchend krallt sich Rezo in Tonis Oberteil fest, schluchzt nur noch stärker. Erst als Rezos Hals ganz wund ist und nur noch schmerzt, kann er sich langsam beruhigen. Kraftlos liegt er nun in Tonis Armen, während immer noch Tränen über seine Wangen laufen. Toni lässt ihn nicht los, gibt ihm den nötigen Halt.
Rezo öffnet seinen Mund, möchte etwas sagen, doch nur ein Krächzen verlässt seine Lippen. Toni schaltet schnell, holt aus einer Kühltasche einen Eiswürfel hervor und legt ihn auf Rezos Zunge. Das Eis schmilzt langsam, tut Rezos Hals gut, lindert die Schmerzen.
"Ich bin so froh, dass du jetzt hier bist", sagt Toni leise, "Ich hatte solche Angst um dich. Wir hatten solche Angst um dich. Deine ganze Wohnung war verwüstet. Du bist nicht an dein Handy gegangen. Von dir fehlte jede Spur."
"Wie lange?", fragt Rezo nach. Er weiß nicht, was er sonst sagen soll.
"Fast sieben Monate", lautet die leise Antwort.
Rezos Augen weiten sich leicht.
Sieben Monate lang war er gefangen.
Sieben Monate lang wussten seine Familie und seine Freunde nicht, wo er steckt.
Sieben Monate lang haben sie gehofft und gebannt.
Sieben Monate lang hat er die Sonne nicht mehr gesehen.
Sieben Monate lang hat er kaum etwas gegessen.
Rezo sieht an seinem Körper hinab. Er ist abgemagert, sehr sogar. Nur noch Haut und Knochen, mehr nicht.
Wieder steigen Rezo Tränen in die Augen. Er kann kaum glauben, dass sie noch nicht aufgebraucht sind. Toni schließt ihn fast sofort wieder in seine Arme, hält ihn fest, doch diesmal lehnt sich Rezo lediglich gegen ihn, seine Arme locker neben seinem Körper liegend, seine Augen geschlossen.
Erst als sich die Tür zu seinem Krankenzimmer öffnet, macht er sie wieder auf und spannt sich unbewusst an. Es sind Ju, Nia und TJ. Eine seltsame Kombination, wie Rezo findet. Langsam entspannt er sich wieder.
"Du bist wach", stellt Ju mit einem Lächeln auf den Lippen das Offensichtliche fest.
Rezo lässt seinen Blick über die Dreiergruppe schweifen. Sie sehen alle ähnlich fertig aus wie Toni
"Hey", sagt Nia leise, während TJ immer noch schweigt, dafür spricht seine Mimik aber Bände.
Das ist für Rezo der Moment wieder hemmungslos mit dem Schluchzen zu beginnen. Es macht ihn froh, aber auch unendlich traurig, seine Freunde so zu sehen.
Gerade ist ihm einfach alles zu viel.


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Vielen Dank für sechs Empfehlungen, 54 Reviews, elf Favo-Einträge, 2.082 Views und ein Buch. <3
Das Pairing erraten hat niemand. Wundert mich auch nicht.
Dieses Kapitel ist mir wesentlich leichter von der Hand gefallen als das davor. EvilBergi habe ich hier auch eine viel sanftere Seite angedichtet als Schmaluten. Aber wer weiß? Vielleicht ist das ja nur Taktik.
Ich habe auch schon eine Idee für eine Fortsetzung von diesem Kapitel und dem vorherigen.
So, jetzt nochmal zu meinem Aufruf: Es fehlen immer noch Namen. Bitte schickt mir nochmal welche. Das wäre sehr lieb. Vorschläge in Leerreviews gelten nicht! (Ich wollte das nur nochmal gesagt haben.)
Zum Schluss noch die Updates aus der Umfrage (Kapitel 12):
Insgesamt abgestimmt: 17
Davon:
~ Ja - elf Stimmen (65%)
~ Nein - drei Stimmen (18%)
~ Weiß nicht - drei Stimmen (18%)
Wenn ihr noch nicht abgestimmt habt, könnt ihr das noch gerne machen. Ich denke aber nicht, dass hier noch viel gerissen werden kann.

Eure lula-chan


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Nächstes Pairing: odalien
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