Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / K.I.Z / Apfeltee

Apfeltee

von Gloria666
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Maxim Drüner Nico Seyfrid Tarek "Tafel" Ebéné
04.05.2019
18.07.2019
20
23047
4
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Nico

Der Sonntag war seltsam. Meine Eltern hatten aus heiterem Himmel beschlossen, mich heute besuchen zu kommen und kaum war ich am Vormittag nach Hause gekommen, standen sie auch schon vor der Tür. Ich hatte gerade noch Zeit gehabt, meine Zähne zu putzen und mir eine andere Hose anzuziehen. Aber um ehrlich zu sein war es mir nur recht, für den Rest des Tages in Maxims Hoodie zu stecken. Auch wenn ich mir damit wie ein kleines Teenie-Girl vorkam, das das erste Mal so etwas wie einen festen Freund hatte, so musste ich mir doch eingestehen, dass ich für diesen Geruch allmählich töten würde.

Da es in meinem Kühlschrank mehr als nur eine kleine Lücke gab, wollte meine Mutter etwas mit uns essen gehen und auch wenn wir noch nie eine wirklich gute Beziehung zueinander hatten, bemerkte ich, dass sie mir gefehlt hatten. Ausnahmsweise schafften wir es sogar, uns kein einziges Mal zu streiten und die Gespräche waren lockerer, als ich sie mir vorgestellt hatte. Danach schlenderten wir noch eine Runde durch die Stadt und deren Parkanlagen, um dem Hund meiner Eltern ein wenig Auslauf zu geben. Außerdem tat es nach dem langen Winter mehr als gut, die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings auf der noch blassen Haut zu spüren. In einem tiefen Atemzug nahm ich die kühle Luft in mich auf und war plötzlich mehr als froh, darin schon einen Hauch von Sommer erahnen zu können. Ich fühlte mich fast beschwingt und meine sonstige üble Laune wich einem ganz neuen, ungewohnten Gefühl. Es hat nicht viel gefehlt und man hätte es als Glück bezeichnen können.

Am frühen Abend brachten mich meine Eltern wieder zurück zu meinem Häuserblock. Mit einem fragenden Blick und einem zaghaften Lächeln auf den dünnen Lippen trat meine Mutter einen Schritt auf mich zu, sodass ich unwillkürlich meine Arme ausbreitete und sie kurz, aber fest an meinen Oberkörper drückte. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann wir uns das letzte Mal umarmt hatten. Ich wusste auch nicht mehr, dass sich solch eine einfache Geste so gut anfühlen konnte. Meine Eltern hatten es nie leicht mit mir gehabt, ich hatte oftmals nur Ärger mit nach Hause gebracht und irgendwie wusste ich es in dem Moment plötzlich sehr zu schätzen, dass sie dennoch immer für mich da sein würden.

Mein Vater druckste schließlich etwas herum und wandte sich kurz vor dem Abschied noch einmal direkt an mich: „Wir hatten es noch nicht konkret erwähnt, aber wir fahren am Mittwoch in den Urlaub. Und naja… wir können Mo nicht mitnehmen. Wir wissen ja, dass du arbeiten musst, viel zu tun hast und sicher auch Besseres...“ Ich ließ ihn nicht fertig aussprechen und unterbrach ihn stattdessen: „Nein, ist schon gut. Ich werde es irgendwie einrichten können.“ Da ich entgegen der Annahme meines Vaters neben meiner Arbeit eigentlich überhaupt nicht sonderlich viel zu tun hatte, konnte ich mich gut um den schon etwas altersschwachen Hund kümmern. Außerdem hatte ich ihn schon immer gern gehabt und ich freute mich darauf, endlich wieder ein wenig Zeit mit ihm allein verbringen zu können. „Okay, das wäre wunderbar. Könntest du ihn Dienstag bei uns abholen?“ Lächelnd bejahte ich und wir verabschiedeten uns endgültig voneinander.

In meiner Wohnung angekommen, holte ich mir eine Jogginghose aus dem Schrank und setzte mich mit einem Bier auf meinen kleinen Balkon. Die Sonne ging gerade zwischen den Häusern unter und ich genoss die Stille des Hinterhofes, die nur durch vereinzeltes Vogelgezwitscher unterbrochen wurde. Ich nutzte die friedliche Stimmung, zündete mir eine Zigarette an und blies den Rauch langsam in Richtung des zart rosa-blauen Himmels.

Als die Sonne schließlich verschwunden war, zog ich mein Handy hervor und las die verpassten Nachrichten, die sich im Laufe des Tages angesammelt hatten. Es war größtenteils das Übliche, bei einer unbekannten Nummer wurde ich allerdings etwas stutzig. Doch als ich den Inhalt der kurzen SMS las, stahl sich unwillkürlich ein kleines Lächeln auf meine Lippen: „Viel Spaß mit Schopi und bis bald. Ich freue mich. M.“ Das konnte nur Maxim sein. Also speicherte ich ihn ein und überlegte, ob ich ihn jetzt schon fragen sollte, ob er morgen Abend Zeit hätte. Doch irgendwie fand ich, dass er erstmal genug für mich getan hatte und ich dem Ganzen etwas mehr Zeit geben sollte. Ich beschloss also, ihm am nächsten Morgen zurückzuschreiben und begab mich stattdessen wieder in die Wohnung, da es draußen langsam wieder kalt wurde. Nachdem ich mir etwas Kleines zu essen gemacht hatte, setzte ich mich auf das Sofa und griff zu dem Buch, welches ich heute Morgen in aller Eile auf die Sitzfläche gelegt hatte. Neugierig fing ich an, die ersten Seiten zu lesen und fand erstaunlicherweise recht schnell in die philosophischen Texte.

Ich las und las und konnte aus irgendeinem Grund nicht mehr damit aufhören. Es war spannend zu sehen, wie dieser Philosoph unsere Handlungsbeweggründe so unfassbar einfach dargestellt und auf den kleinsten Nenner heruntergebrochen hatte. Nun wurde mir allmählich auch bewusst, was Maxim mir damit sagen wollte. Demnach hatte ich gestern Abend also aus „Mitleid“ gehandelt… Und als ich Maxim davon erzählt hatte, wie ich mit aller Kraft verhindern wollte, dass ein anderer Mensch durch die gleiche Hölle geht, wie ich es damals bin, hatte er vermutlich unweigerlich an die Mitleidsethik Schopenhauers denken müssen. Und wollte nun, dass ich mich selbst damit vertraut machte. Wie süß war das denn, bitte?!

Irgendetwas sagte mir, dass in diesem Menschen noch viel mehr als nur ein „Retter“ steckte, der hilflose Seelen auf der Straße aufsammelte und in seiner Wohnung schlafen ließ. Und diese Erkenntnis berührte mich zutiefst. Ich war nun mehr als gespannt, was er sonst noch zu sagen hatte, wenn wir uns demnächst treffen würden.
Auch wenn ich erst gegen Mittag auf Arbeit musste, beschloss ich kurz vor Mitternacht dennoch, ins Bett zu gehen. Den Schlaf brauchte ich gerade mehr als alles andere, um die Geschehnisse des Wochenendes zu verdauen. Mit einem letzten Blick auf das Buch auf meinem Nachttisch, schloss ich meine Augen und fiel schon wenige Momente später in einen tiefen Schlaf.
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