Am Ende wird alles gut - Ist es noch nicht gut, ist es noch nicht das Ende

GeschichteAllgemein / P12 Slash
Bathilda Bagshot Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Kingsley Shacklebolt
02.05.2019
13.08.2019
14
22034
5
Alle Kapitel
38 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
8. Wenn alles anders kommt


Hermine starrte gebannt auf das Stück Pergament in ihrer Hand, auf das Kingsley die Adresse der Zahnarztpraxis ihrer Eltern notiert hatte. Als erfahrener Auror und mittlerweile Zaubereiminister war es ein Leichtes für ihn gewesen, diese herauszufinden. Ron, der neben ihr stand, starrte mit aufgerissenen Augen auf die Straßenbahnen, die an ihnen vorbei fuhren. Hermine schmunzelte über Rons beinahe kindliche Freude, die inzwischen ein kleines bisschen ansteckend wirkte. Der Zwist war längst vergessen und Hermine bemühte sich, etwas lockerer zu sein. Wenn Ron es schaffte, obwohl er einen Bruder verloren hatte, warum nicht auch sie?! Immerhin hatten sie Unvorstellbares geleistet. Da hatten sie sich ein Auszeit mit ein paar entspannten Tagen mehr als verdient. Doch die Ungewissheit, wie es mit ihren Eltern weiter ging, schwebte wie ein Damoklesschwert drohend über ihr.

Vor dem Gebäude, in dem sich ihre Eltern aufhalten müssten, ging Hermine die Düse. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und sie konnte nicht mehr zählen, wie oft sie ihre verschwitzten Hände an ihrer Hose abgerieben hatte. Nervös kaute sie auf ihrer Unterlippe bis es weh tat. „Komm schon, Hermine. Es sind deine Eltern! Und du bist eine begnadete Hexe. Was soll schon schief gehen?“ versuchte Ron sie zu ermutigen. Ehe Hermine protestieren konnte, griff er ihre Hand und zog sie mit zum Eingang. Im Treppenhaus schlug ihr schon der typische und so vertraute Geruch einer Zahnarztpraxis entgegen. Ron rümpfte angewidert die Nase, was Hermine jedoch unkommentiert ließ. Für sie roch es einfach nur nach Zuhause. Ein einziges Stockwerk trennte sie jetzt noch davon, ihre Eltern wieder zu sehen.

Sie war so aufgeregt, dass sie gegen die Glastüre zum Empfangsbereich gelaufen wäre, hätte Ron sie nicht festgehalten. So eine tollpatschige Art passte eigentlich überhaupt nicht zu ihr, doch sie war sich sicher, durch die offen stehende Tür eines Behandlungszimmers ihren Vater gehört zu haben.

Ron gab sein Bestes, sie zu beruhigen, doch die Anspannung in Hermine wuchs noch weiter an. Es war nicht fair, doch sie hätte Ron zu gerne gesagt, er solle die Klappe halten. Er verstummte von selbst, als die Zahnarzthelferin sie zu sich hernickte. „Haben sie einen Termin?“ fragte sie ziemlich unfreundlich und kurz angebunden, ohne sie anzusehen. Was ihre Eltern sich wohl dabei gedacht hatten, so eine unsympathische Person an den Empfang zu setzen?! „Ahm…nein, den habe ich nicht. Sind Mr. Und Mrs. Granger denn da?“ fragte Hermine. Die Zahnarzthelferin zog eine Flunsch und es fehlte nur noch, dass sie mit den Augen rollte. „Mr. Granger hat heute Vormittag Dienst. Wenn sie zu Mrs. Granger wollen, die ist immer erst ab 15 Uhr da.“ Hermine nickte verstehend. Die meisten Patienten kamen erst zur Feierabendzeit in die Praxis. Deswegen hatte ihre Mutter früher schon hauptsächlich am Nachmittag und Abend gearbeitet, während ihr Vater immer Vollzeit gearbeitet hatte. „Wann sind denn beide das nächste Mal da?“

Die Zahnarzthelferin schnaubte. „Wollen sie etwa gleichzeitig behandelt werden?“ schnappte sie belustigt und sah mit hochgezogenen Augenbrauen zwischen Ron und Hermine hin und her. Hermine fühlte sich schrecklich an Pansy Parkinson erinnert. Sie würde Lachen, wenn das hier deren ältere Schwester wäre. Doch dann veränderte sich der Blick der Zahnarzthelferin, wurde beinahe leer, aber freundlich. „Ich seh gleich mal nach. Moment bitte“, säuselte sie. Hermine drehte sich zu Ron um und sah, dass die Spitze seines Zauberstabs aus seinem Ärmel herausschaute. Dankbar lächelte sie ihm zu. Ron erwiderte das Lächeln und hakte seinen Zeigefinger in Hermines Hand ein. Es war nur eine kleine Geste, doch sie beruhigte Hermine ungemein. Ihre hektische Atmung normalisierte sich, nachdem sie tief durchgeatmet hatte. „Morgen Nachmittag haben wir geschlossen. Übermorgen um 17 Uhr hab ich einen Termin für sie frei?!“

Hermine schielte auf das vollgekritzelte Terminbuch. Es war kein Termin frei, doch Rons Verwirrungszauber leistete ganze Arbeit und so stimmte sie schnell zu. Allerdings bedeutete das, dass sie noch mindestens eine Nacht hier verbringen mussten, wenn sie ihren Vater nach der Arbeit nicht nach Hause verfolgen wollten. Schon zu Hause hatten sie sich gegen diese Option entschieden. Allein in einem Behandlungszimmer war weitaus erfolgsversprechender, als in einer Wohngegend mit neugierigen Nachbarn. Sie wollten keinesfalls die Muggelpolizei oder womöglich noch australische Auroren auf sich aufmerksam machen, weil sie ungebeten in ein Haus eindrangen und Muggel verzauberten.

Sie entschieden, dass sie die beiden freie Tage mit Sightseeing und dem Verstreuen der restlichen Asche verbringen wollten. Hermine wollte diese Phiole mit Voldemorts Überresten endlich los werden. Auch wenn keine Gefahr davon ausging, schlichen sich immer wieder Gedanken an den Horkrux in ihren Kopf und ließen sie die wildesten Geschichten zusammenspinnen. Sie versuchte sich einzureden, dass es unsinnig war. Doch dieses scheußliche Gefühl, dass es noch nicht vorbei war, ließ ihr keine Ruhe. Sie hatte mit Kingsley darüber gesprochen, ihm ihre Sorgen und Gefühle offenbart. Er hatte versucht, sie zu beruhigen. Es war wohl nicht ungewöhnlich, dass man nach monatelanger Flucht und einem Kampf auch nach dem Sieg nicht sofort abschließen konnte. Als Auror hatte er mehrfach solche Erlebnisse nach langwierigen Fällen gehabt. Doch wirklich beruhigt hatte Hermine das nicht.

Den restlichen Tag verbrachten Hermine und Ron wie gewöhnliche Touristen. Es war erstaunlich, wie viele Sehenswürdigkeiten sie an einem Tag schafften. Sie mussten nur aufpassen, dass niemand sie beim apparieren beobachtete. Am Tag darauf machten sie sich auf ins australische Outback. Das Wetter war mit einer Durchschnittstemperatur von 22 Grad mehr als angenehm und so liefen sie eine ganze Weile ziellos durch die Gegend, bis sie eine passende Stelle gefunden hatten. Diesmal überließ Hermine es Ron, die Asche zu verstreuen. Er machte es ganz unspektakulär, in dem er den Korken von der Phiole zog und den Inhalt einfach auf den roten Sand rieseln ließ. Als Hermine sein zufriedenes Gesicht sah, übermannte sie die Freude und Erleichterung über den Sieg doch. Mit Tränen in den Augen fiel sie Ron in die Arme und presste ihn fest an sich. Im ersten Moment schien er etwas überrumpelt von ihrem Gefühlsausbruch, doch dann erwiderte er ihr Umarmung, nahm ihr Gesicht sanft in seine Hände und küsste sie.

Seit Tagen, genau genommen seit dem Moment in der Kammer des Schreckens als sie den Horkrux zerstört hatten, fühlte Hermine sich wieder wirklich zu Ron hingezogen. Das Kribbeln im Bauch, wenn er sie berührte, war endlich wieder da. Sowohl in Hogwarts als auch im Fuchsbau waren sie ständig von traurigen Menschen umgeben gewesen und so etwas wie Zweisamkeit hatten sie kaum genießen können. Obwohl sie beide erwachsen waren, hatte Molly darauf bestanden, dass Hermine mit in Ginnys Zimmer schlief. Hermine genoss es, keine Anstandsdame und tausend neugierige Augen um sich zu haben.

Noch während sie sich küssten, disapparierte Hermine. Ron gab einen erschreckten Laut von sich, als sie leicht wankend in ihrem Hotelzimmer landeten. Doch Hermine nutzten diesen Moment, grinste Ron frech ins Gesicht und schob ihn rückwärts in Richtung Bett. Ron wehrte sich nicht.

~ * ~

Es war das reinste Gefühlschaos das Hermine empfand, als sie wieder englischen Boden unter den Füßen hatte. Ihre Eltern rissen nicht wie gehofft alle Zelte ab und kamen zurück. Sie hatten sich ein neues Leben in Australien aufgebaut, ihre Praxis lief erst seit kurzem richtig gut. Das wollten sie nicht sofort wieder aufgeben und in England nochmal von vorne anfangen. Hermine konnte es wirklich verstehen. Ihr Verhältnis war zwar immer gut, aber nie besonders innig gewesen. Sie war froh und dankbar, dass ihre Eltern sich wieder an sie erinnerten. Auch wenn sie ihr gegenüber deutlich distanziert gewirkt hatten. Das brachte es wohl mit sich, wenn man den eigenen Eltern die Erinnerung an ihr einziges Kind nahm.

Genau genommen, war es gar nicht so verkehrt, wenn ihre Eltern erstmal dort blieben. Hermine musste erstmal ihr eigenes Leben auf die Reihe bekommen. Sie wollte ihren Schulabschluss machen. Allerdings wusste sie nicht, ob das in Hogwarts möglich war. Vielleicht sollte sie in Beauxbaton mal anfragen, ob sie ihr letztes Jahr nachholen konnte. Doch erstmal musste sie einen Schlafplatz für die Nacht finden.

Eines stand fest, sie würde NICHT mit Ron in den Fuchsbau zurück kehren. Die letzten Tage hatte ihr mehr als deutlich gezeigt, dass sie nicht zusammen passten. Vielleicht lag es an dem Schock, unter dem sie zweifelsohne alle noch standen. Doch Rons Benehmen war einfach nur beschämend und unpassend gewesen und Hermine würde ihm das nicht so einfach verzeihen können.

Unschlüssig stand er vor ihr und druckste herum. Sie hatten sich nicht offiziell getrennt. Zumindest hatte Hermine es nicht ausgesprochen. „Wir…sollten nach Hause gehen. Uns ausschlafen…und etwas essen. Hm?“ Ron lächelte sie verlegen an, streckte die Hand nach ihr aus. Sie ergriff sie nicht. Hermine musste einen Schlussstrich ziehen. Jetzt! „Das sollten wir, ja. Allerdings ist der Fuchsbau nicht mein zu Hause.“ Die Worte schmerzten sie. Aber es war die Wahrheit. So gern sie die Weasley-Familie mochte und so willkommen sie sich dort immer gefühlt hatte, all die traurigen Menschen erdrückten sie. Und Mollys gluckenhaftes Verhalten, hatte sie vor ihrer Abreise beinahe in den Wahnsinn getrieben. Sie hatte sich die Tage nach der Schlacht so schrecklich unwohl dort gefühlt. Doch da hatte es, durch Ron, wenigstens noch das Gefühl der Zugehörigkeit gegeben. Das war nun restlos verschwunden. „Was? Hermine! Aber…wo willst du denn sonst hin?“ Ron sprach das ‚Du hast kein Zuhause und weißt doch gar nicht, wo du hin sollst‘ nicht laut aus, aber es schwang mehr als deutlich mit. Er machte sich keine Sorgen um sie. Dafür klang er zu verbittert. Seine Worte kränkten Hermine nur noch mehr.

Es war ihr egal. Im Moment würde Hermine sogar das Malfoy Manor dem Fuchsbau vorziehen. Sie lachte bitter auf. Ein kehliges, freudloses Lachen. „Leb wohl, Ron.“ Hermine drehte ab und ging eiligen Schrittes davon. Ron hatte Recht. Sie hatte keine Ahnung wohin. Ihr Geld würde vielleicht gerade so noch für eine einzelne Übernachtung im Tropfenden Kessel ausreichen. Ein Abendessen müsste sie sich dann jedoch sparen. Das Haus ihrer Eltern war längst verkauft. Hogwarts lag wahrscheinlich immer noch in Trümmern. Der Fuchsbau war tabu. Es gab nur einen weiteren Ort, der ihr einfiel.
Noch im Gehen disapparierte sie.


TBC

***************************************

Na, wie hat euch das Kapitel gefallen? Und wer ahnt, wo Hermine hin gehen wird?

Das nächste Kapitel wird etwas länger (vermutlich 2-3 Wochen) dauern, da ich am Freitag in den Urlaub fahre.

Vielen Dank noch an Alex, Sandra und Dramafan für die Reviews. Hat mich riesig gefreut, von euch zu lesen ;)
Review schreiben