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she never wanted to leave

GeschichteTragödie / P18 / Gen
Arthur Morgan Charles Smith Dutch van der Linde Micah Bell
02.05.2019
04.08.2019
12
26.116
5
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
02.05.2019 1.821
 
Vorwort:

Es freut mich, dass du auf diese Geschichte geklickt hast. Das ist meine erste Fanfiktion in diesem Fandom von Red Dead Redemption 2. Ich hatte da einfach eine Idee, die mich nicht mehr losließ und musste meine Finger an der Tastatur arbeiten lassen...

Kurze Info um was es geht, dass ihr abwiegen könnt, ob ihr Interesse habt:
Es geht wie bereits erwähnt um Lydia McCourtney, ein 19-jähriges Mädchen vom Lande nahe Annesburg. Aus ihrer Perspektive schildert sie ihren Lebensweg, wie sie nach brutalen Umständen in die Van-der-Linde-Gang gerät. Hierbei verstrickt sie sich in komplizierte Herzensangelegenheit, die sie noch in kriminelle Schwierigkeiten bringen werden. Dazu erfährt Lydia einige Geheimnisse ihrer Familie, mit der sie noch im Laufe der Handlung auf übelster Weise konfrontiert wird.

Wichtige Charaktere abgesehen von der ganzen Gang: Lydia McCourtney, Dutch Van der Linde, Micah Bell, Arthur Morgan, Charles Smith, Sadie Adler und Tilly Jackson.

Wenn du kein Fan von Brutalität wie Tod, Mord, Sex, Vergewaltigung, etc. bist (was in RDR2 eigentlich gang und gäbe ist), dann ist diese Geschichte wahrscheinlich nichts für dich. Ich werde sowieso nicht alles bis ins Unendliche ausschmücken, aber diese Themen sind eben in meiner Geschichte vertreten.

Ich hoffe du findest Gefallen an dieser Geschichte. Ich will jetzt auch nicht länger um das Thema schwafeln. Viel Spaß am Lesen und nur wenn du möchtest, kannst du mir ein Review da lassen. Bin gespannt was ihr davon haltet ;)

LG. Gravis Aenigma



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Kapitel 1 – Sonnenschein


Es schrieb sich der 28. Juni 1899. Die pralle Sonne brannte wie ein Höllenfeuer auf mein Gesicht, da ich meinen Hut unterwegs verloren hatte und mein Pferd auf halber Strecke verreckt war. Schon komisch welche Wege das Schicksal einschlug. Und trotzdem schleppte ich mich seit Tagen durch die Prärie und streifte wie ein Kojote heimat- und mittellos durch die Gegend.

Vor einem Monat hat das ganze Drama begonnen.
Nach fast zwei Jahrzehnten war mein Vater vor unserer Tür aufgetaucht. Mit einem Blumenstrauß aus Gänseblümchen, Löwenzahn und sonstigen Gräsern, die hier in der Nähe zu finden waren. Er suchte nach einem Unterschlupf, wo er sich vor den Gesetzeshütern verstecken wollte. Man sollte wissen, dass mein Vater zu den meistgesuchtesten Outlaws in den USA zählte und eigentlich für die Anzahl seiner Straftaten schon längst am Galgen hängen sollte. Nichtsdestotrotz schaffte diese Ratte es zu überleben und so verliebt meine Mutter in diesen Taugenichts war, gewährte sie ihm Zugang zu unseren erwirtschafteten Lebensmitteln, zu unseren Eigentümern und zu unseren tiefsten Geheimnissen. Tag ein, Tag aus umschmeichelte er meine junge Mutter mit freundlichen Komplimenten und gewann ihr Vertrauen wieder. Sie war geblendet. Und ich ebenfalls.
Man konnte es kaum glauben, dass sein Auftauchen zu einer Wiedervereinigung dieser Familie führte. Zu Beginn traute ich ihm und er zeigte mir auf dem Felde alle möglichen Tricks mit einem Revolver, die er in den 19 Jahren seiner Erziehung verpasst hatte mir beizubringen. Er sagte ich lerne schnell. Und ich war stolz auf mich. Es hätte perfekt laufen können. Niemand ahnte seine wahren Absichten, da mein Vater die Feldarbeiten übernahm, er abends erschöpft mit uns zu Abend aß und spät noch die Zeitung nach irgendwelchen Eilmeldungen durchblätterte in der Hoffnung seinen Steckbrief niemals auf eines der Blätter wiederzuerkennen. Kurz rauchte er eine Zigarette bis er sich ins Bett zu meiner Mutter legte und ein neuer Tag anbrach.
Nur allmählich bekam ich ein ungutes Gefühl. Ich glaubte fest daran, dass sich ein Mensch verändern konnte. Im Falle meines Vaters, suchte er nach einer Heimat, die er bei seiner Familie gefunden hatte. Nur wurde mir sein Verhalten immer suspekter. Denn mir entging nicht, dass er nachts das Ehebett verließ und aus der kleinen Hütte spazierte. Aus dem Fenster konnte ich beobachten wie er mit einer Schaufel Erdlöcher grub und schließlich fluchend die Erdschaufel wegwarf, bis er sie wieder in die Hand nahm und das Loch zuschüttete. Auch am Esstisch begannen sich seltsame Unterhaltungsthemen über Raubüberfälle, Geld und Reichtum zu entwickeln. Und er erzählte mir von einem seiner Banküberfälle, der ihn in die Arme meiner Mutter führte. Diese wurde bei dem Raub als Geisel gekidnappt, doch verliebte sie sich in meinem Vater und sie reiste eine Zeit lang mit ihnen. Bis zu meiner Geburt. Eigentlich eine wirklich romantischen Geschichte. Nur… hatte ich verdammt gute Menschenkenntnisse und ich traute ihm nicht sonderlich. Er war ein Outlaw – das nicht grundlos.

Aber ich war hier. In den weiten Landen von New Hanover. Fernab von meiner Heimat. Der Hengst meines Vaters verrottete mindestens 8 Meilen hinter mir. Und meine Füße gaben allmählich den Geist auf. Ab und zu ritten vereinzelte Kutschen und Reiter an mir vorbei, die mir nur verdutzte Blicke schenkten, anstatt nach meinem Wohlergehen zu fragen.
Aber so war nun einmal diese traurige Welt. Jeder dachte viel zu sehr an sich selbst als nur eine Sekunde an andere zu denken. Egoismus, würde mein Vater jetzt sagen – wie ich ihn hasste. Ganze vier Wochen hielten wir es mit ihm aus. Bis er sein wahres Gesicht zeigte und er mich dem Untergang weihte.
Kein Geld, kein Essen. Kein gar nichts. Nur noch mein Leben besaß ich. Aber was brachte mir das? Ein Menschenleben war nichts mehr wert. Das konnte ich euch versprechen. Es zählte nur noch Gold und Reichtum.
Es war zwecklos. Seien wir einmal ehrlich: Wenn ich nicht irgendjemanden um Hilfe fragte, war ich den Aasgeiern ausgeliefert. Verfluchte Hitzewelle im Sommer. Verfluchtes Pferd. Verfluchtes Schicksal.

Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich endlich einen Wagen sehen, der auf mich zuraste. Es war ein sehr bäuerlicher Karren, auf dem zwei freundlich aussehende Männer die Zügel der Pferde führten. Ich winkte ihnen zu, um sie zum Anhalten zu bewegen. Überglücklich lächelte ich die Männer an, die mich fragten: „Das Pferd 8 Meilen von hier entfernt… gehört wohl Ihnen, Miss?“. Verwirrt nickte ich zur Antwort und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Die beiden rutschten zusammen und der eine mit dem Cowboy-Hut klopfte mit seiner Handfläche auf den Platz neben sich: „Steig auf, Kleine. Wir nehmen dich ein Stückchen mit.“.
Ich konnte mein Glück kaum fassen. Er griff nach meiner Hand und zog mich hinauf. „Vielen Dank. Ich hätte nicht mit solcher Hilfe gerechnet.“, „Das machen wir doch gern.“, und der Herr mit dem Schnauzbart musterte meine Statur und setzte ein Lächeln auf. Schließlich spannte und schlug man die Zügel. Nur dieses Mal viel schneller als sonst und der Karren nahm eine beachtliche Geschwindigkeit an. Und mir wurde klar wieso.
Vier weitere Männer tauchten aus dem Gespann auf und zielten mit ihren Pistolen auf mich, als ich mich bereits zum Aufstehen bewegte. Der Wagen wurde schneller und immer schneller, geriet häufig ins Straucheln, als man willkürlich über Stock und Stein bretterte. Mein Sitznachbar packte mich an den Hüften: „Nicht so schnell, Kleine! Du bleibst schön hier!“, „Im Namen der O´Driscolls!“, schrie ein weiterer und alle begannen zu jubeln. Ich war gefangen. In dieser verdammten Situation. Ich schrie. Ich kämpfte dagegen an. Aber man verband meinen Mund mit einem Taschentuch und zog mich trotz meinem lauten Gestammel in den überdachten Anhänger des Karrens. So viel zu guten Menschenkenntnissen. Ich glaubte Rettung gefunden zu haben und fand den Untergang.

In meinem ganzen Leben hätte ich nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich wollte nicht mehr leben.

Erschöpft schleppte ich mich an einen Richtungsweiser, um mich kurz festzuhalten und für den Augenblick eine Pause einzunehmen. In einer angenähten Taschen meines zerrissenen Rockes suchte ich nach einem Taschentuch, um mir die blutige Nase zu putzen, und blickte hinauf auf die Schilder: 12 Meilen bis nach Valentine. Es war bereits Sonnenuntergang. Paar Stunden noch und ich würde da sein. Nur hatte ich keinerlei Kraft mehr in meinen Beinen. Meine Stirn schlug ich gegen den Wegweiser und begann in Tränen auszubrechen. Ich werde es niemals nach Valentine schaffen. Nie werde ich den Ort sehen, von dem mir meine Mutter immer so oft erzählt hat. Wo meine Großeltern einst gelebt haben. Diese irischen Vollidioten. Und ich als Nachfahrin dieses Blutes stand also kurz vorm Sterben an diesem Wegpunkt für Reisende und verfiel einer erbärmlichen Verzweiflung. Nur was ich in den letzten drei Tagen erlebt hatte, war mit Abstand der schlimmste Punkt in meinem Leben, den ich erreichen konnte. Ich war ein Häufchen Elend. Ein Stück Scheiße – wie es mein Vater ausdrücken würde. Es war sinnlos zu kämpfen. Ich sollte mich einfach hinlegen und sterben. Oder mir mit einer Pistole einen Gnadenschuss verpassen. Das war es. Wenn mir diese Bastarde nicht alles genommen hätten, hätte ich es auch getan. Mich umgebracht. Aber ich hatte nichts. Die O´Driscolls haben mir alles genommen. Mein Hab und Gut, meine Jungfräulichkeit und schließlich meine Hoffnung.
Schließlich bäumte sich ein großer, schwarzer Schatten über mir auf. Langsam drehte ich mich zu dem Reiter um und musste die Augen vor der untergehenden Sonne zukneifen. Er wirkte wie eine Fata Morgana in diesem grellen Licht, aus dem er geritten kam und senkte seinen Kopf hinab: „Mam.“, ertönte eine raue, grummelige und wohltuende Stimme. Ehe er weitersprach ließ er einen Wagen vorbeifahren und stieg von seinem Pferd ab. Für das Wetter war er ziemlich warm gekleidet und er fragte mich: „Was machen Sie hier?“. Unfähig etwas laut auszusprechen, lehnte ich mich erneut mit dem Rücken gegen den Stock im Boden und wisperte: „Wasser.“. Aus der Satteltasche seines Rosses holte er einen Flachmann heraus, den ich dankend annahm. Gierig öffnete ich den Verschluss und schüttete den Inhalt meine Kehle hinunter. Nur merkte meine Zunge schnell, dass das gar kein Wasser war. „Whiskey. Hilft auch.“, meinte er knapp und ich wischte mir den Mund mit meinem Handrücken ab. Auf das starke Gesöff begann meine Atmung flacher zu werden und meine Brust hob sich beim Holen nach Luft höher. Der freundliche Herr sprang auf seinen Sattel, spannte seine Füße in die Steigbügel und streckte seinen Arm aus. „Ich kann Sie mitnehmen. Nach Valentine.“. Lange starrte ich auf seine Hand. Und bewegte mich kein Stückchen.
Das letzte Mal, als ich jemandem vertraut habe, wurde ich entführt und misshandelt. Schließlich sprach er in einen sanfteren Ton: „Vertrauen Sie mir.“.

Sollte ich ihm vertrauen? Er war groß. Stark. Und hatte diesen hinterhältigen Blick in den Augen. Er war kein anständiger Bürger, der sich an die Gesetze hielt. Aber er schien auch kein unbarmherziger Teufel zu sein. Es war eine Entscheidung für oder gegen das Leben.
Ich legte meine Hand in die seine und er zog mich auf den Rücken seines Pferdes. Freundlicherweise durfte ich meine Arme um ihn legen und so höflich wie er war, um ein Gespräch zu beginnen, fragte der Herr: „Wie heißen Sie?“, „Lydia.“, flüsterte ich und ich konnte nicht anders als meinen schweren Kopf gegen seinen Rücken zu lehnen. Gedankenlos vertraute ich diesem Mann. Er war mein Ticket zum Leben. Und ich war dankbar dafür. Dankbar, dass er mir wie ein Engel von Gott geschickt wurde. In diesem Unglück. Und wir ritten gegen den Sonnenschein, der allmählich hinter den Hügeln verschwand. Dank sei Gott dem Herrn.
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