Muffliato

GeschichteRomanze / P12
Hermine Granger Sirius "Tatze" Black
01.05.2019
01.05.2019
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Muffliato


für Kingsman



Hermine saß in ihrem Bett im Gryffindor-Mädchenschlafsaal und hatte die Vorhänge, die sie von den anderen trennten, blickdicht zugezogen. Zusätzlich hatte sie einen Muffliato über ihr Bett gelegt. Für die anderen Mädchen war sie also gerade weder zu hören und zu sehen. Sie legte das Kinn auf ihre angezogenen Knie und betrachtete den Spiegel, den sie vor sich auf ihre Bettdecke gelegt hatte. „Wenn du meinen Namen sagst, erscheine ich im Spiegel, dann können wir uns unterhalten“, hatte Sirius erklärt. „So kannst du mich darüber auf dem Laufenden halten, was in Hogwarts passiert – es ist viel sicherer, als Gespräche über das Flohnetzwerk, solange du den Spiegel nicht verlierst. Aber ich bin mir sicher, dass du das nicht tun wirst! Weil du die Verantwortungsbewussteste aus eurer Dreierclique bist, ist es mir am liebsten, dass du den Spiegel hast. Ich weiß dass Harry dazu tendiert, impulsiv zu handeln und sich selbst in Gefahr zu bringen – nicht, dass ich das nicht verstehen könnte! –, du dagegen bist vernünftiger.“

Verantwortungsbewusst und vernünftig hatte er sie genannt. Worte, mit denen Hermine schon mehr als oft genug bezeichnet worden war, und die sie in der Regel auch mit Stolz aufnahm. Heute jedoch war mal wieder so ein Abend, an dem ihr all ihre Vernunft eher wie ein Gefängnis vorkam, als wie eine Auszeichnung. Und weil sie so verantwortlich und vernünftig war sagte sie also nicht Sirius‘ Namen, sondern verpackte den Spiegel sicher. Bevor sie einschlafen konnte, starrte sie noch lange an die dunkle Zimmerdecke, lauschte dem ruhigen Atmen der anderen, und fragte sich, ob Sirius gerade ruhig schlafen konnte.

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Das Schuljahr währte nun schon einige Wochen und Hermine konnte sich selbst nicht ganz erklären, warum sie Harry und Ron noch nichts vom Spiegel erzählt hatte. Natürlich, Sirius hatte angedeutet, dass auch dieser Kommunikationsweg hauptsächlich für Notfälle gedacht war, sicher war sicher, doch zumindest erwähnen, dass es diese Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen, gab, wäre Harry gegenüber echt anständig gewesen. Schlimm genug, dass er vor nur wenigen Monaten den Tod eines Schulkameraden beobachtet hatte, sowie den Mörder seiner Eltern zu neuer Macht erwachsen sah, bevor er diese Traumata auch nur ansatzweise verwinden konnte hatte er in Hogwarts mit üblem Spott durch die Presse und Mitschüler, und natürliche haufenweise Ärger mit der unerträglichen Umbridge zu kämpfen. Ganz zu schweigen davon, dass er, wie schon eh und je, in Cho verknallt war und wahrscheinlich gerade richtig heftig vom hormonelle Überschwang der Pubertät erwischt war. So jedenfalls analysierte Hermine sein Verhalten in letzter Zeit – ihre Eltern hatten bei ihrem ersten und einzigen Kind alles richtig machen wollen, von daher waren in der Hausbibliothek der Grangers etliche Bücher über Kindererziehung von der Geburt bis zur Pubertät vorhanden, die Hermine wahrscheinlich mit mehr Aufmerksamkeit gelesen hatte als ihre vielbeschäftigten Eltern. Von daher sah sie nicht nur mit Deutlichkeit, dass ein traumatisierter und pubertierender Harry ein Gespräch mit seinem Patenonkel dringend gebrauchen konnte, sie erkannte ebenfalls deutlich, dass ihre eigenen Gründe, nichts vom Spiegel zu verraten, ebenfalls durch ein Phänomen verursacht wurden, das sich auf hormonelle Schwankungen und das beginnende Erwachsenenalter zurückführen ließen: Hermine war verknallt, ja, vielleicht sogar verliebt – immerhin kannte sie Sirius um einiges besser als Lockhart, dessen Portraitfoto sie erst vor peinlich kurzer Zeit aus ihrem Portmonee entfernt hatte.

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Noch einige Abende begannen damit, dass Hermine ihr Bett für ein Gespräch unabhörbar machte, und endeten damit, dass sie den Spiegel unverrichteter Dinge wieder wegsteckte. Sie wusste, dass Harry ein Gespräch gebrauchen konnte – außerdem hatte Sirius ihr ja nicht gesagt, sie solle den Spiegel vor den anderen versteckt halten, nur dass sie den magischen Gegenstand aufbewahren sollte. Und trotz aller Freundschaft zu Harry, trotz dem schlechten Gewissen wegen ihres Geheimnisses, eine so quälende wie lächerliche Eifersucht führte dazu, dass Hermine Abend für Abend nur ihr eigenes Spiegelbild anstarrte, statt entweder mit Sirius zu sprechen oder Harry und Ron einzuweihen.

Nach Harrys erstem Nachsitzen bei Umbridge, und auch dem Schmerz in der Narbe, den er empfunden hatte, als sie ihn berührt hatte, war klar, dass Harry mit Sirius reden würde, so oder so. Und als er den Plan fasste, einen Brief zu schreiben, der nur für Sirius verständlich sein würde, musste Hermine – verantwortungsbewusst und vernünftig – einfach eingreifen: „Harry, lass‘ das! Wir können uns nicht sicher sein, dass der Brief nicht doch jemandem in die Hände gelangt, der mit dem Inhalt etwas anfangen kann. Gar nicht zu reden davon, dass es genug Leute gibt, die eine Botschaft von dir wahrscheinlich grundsätzlich nachverfolgen, egal, ob sie wissen, an wen sie gerichtet ist.“
„Das ist ja ganz toll Hermine, aber was soll ich denn tun? Hast du denn vielleicht einen Vorschlag, anstatt einfach nur darauf herumzutrampeln, was nicht geht?“
Hermine schluckte. „Ich … ich muss euch etwas sagen. Ich habe nämlich wirklich eine Möglichkeit, mit Sirius in Kontakt zu treten.“

Die Reaktion der beiden Jungen war wütender, als Hermine es gedacht hatte. Sie hätte wirklich nicht lange mit dieser Eröffnung warten sollen! Harry beschuldigte sie, ihm nicht zu vertrauen, versuchte sogar, ihr den Spiegel wegzunehmen, und sie brauchte eine ganze Weile, bis er eingesehen hatte, dass die Entscheidung nicht ihm, Harry, den Spiegel zu geben, von Sirius ausging. Ron verfolgte das Wortegefecht wie ein Zuschauer bei einem Tennismatch – Hermine fragte sich sogar, trotz ihrer Wut ganz abwesend, ob Zauberer den Tennis kannten – und als Hermine die Notlüge sprach, dass Harry ihr den Spiegel würde zurückgeben müssen, da Sirius regelmäßig kontrollieren würde, ob sie ihn bei sich habe, hatte sie gewonnen, soweit man einen Streit mit ihrem besten Freund als Sieg zählen konnte.

Harry bestand dennoch darauf, sich für das Gespräch zurückzuziehen. Als er wiederkam warf er Hermine den Spiegel nahezu achtlos hin: „Hier – damit du und Sirius gleich darüber tratschen könnt, dass ihr kein Vertrauen in mich habt!“
Wortlos verließ er den Gemeinschaftsraum und nach kurzem Zögern folgte Ron ihm. Hermine wischte sich Tränen aus den Augen und wusste nicht, auf wen sie wütender war, Harry oder sich. Gleichzeitig spürte sie, dass sich jetzt, wo der Spiegel zum ersten Mal benutzt worden war, etwas verändert hatte – ihre Scheu war verloren gegangen, sie würde mit Sirius sprechen, jetzt sofort!

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Er tauchte sofort auf, hatte den Spiegel vielleicht noch vom Gespräch mit Harry bei sich. Oder er wartete den ganzen Tag auf Botschaften, alleine im verhassten Elternhaus, eine Sorge, die Hermine nicht aussprechen wollte. Sie wusste, dass Sirius sich schwer tat, Schwäche zu zeigen, und wollte ihn nicht gleich beim ersten Gespräch mit Besorgnis überschütten. Als sein Gesicht im Spiegel auftauchte, konnte sie nicht verhindern, dass ihr Herz hastig zu klopfen begann. Kurz war sie besorgt, ob Sirius nach dem Gespräch mit Harry auch wütend auf sie sein würde, doch er empfing sie mit einem strahlenden Lächeln. „Hermine! Wie geht es der klügsten Hexe in ganz Hogwarts.“
Sie spürte sich erröten und gab ein Kichern von sich, das noch immer mit einem Schluchzen vermischt war. „Naja, so gut es mir eben nach einem Streit mit Harry gehen kann – davon hat er dir ja bestimmt eben genug erzählt …“
„Ja, das hat er in der Tat – aber ich bin froh, dass du den Spiegel nicht leichtfertig herausgerückt hast, und auch darauf bestanden hast, ihn wieder zurück zu bekommen! Alleine wenn ich schon darüber nachdenke, wie er sich Umbridge gegenüber verhalten hat … Klar, ich bin auch stolz auf ihn, und sie ist eine widerliche Person, die aufmüpfige Schüler verdient und schlimmeres, aber er soll doch auf sich aufpassen! Und ich sitze hier und kann nichts tun.“ Hermine hörte ein Rummsen außerhalb ihres Blickfeldes, wahrscheinlich hatte Sirius mit der Faust auf den Tisch geschlagen. „Ich bin wirklich froh, dass du bei den Jungs bist, Hermine. Und jetzt erzähle mal, also, wirklich – wie geht es dir denn? Dir als Hermine, nicht als Spiegelhüterin oder vernünftige Aufpasserin von Harry.“

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Die Gespräche zwischen den beiden wurden häufiger und länger. Es dauerte eine Weile, bis Hermine wirklich verstand, dass Sirius an ihr interessiert war, an ihr als Person und nicht nur als Bindeglied zu Harry und nach Hogwarts. Doch nachdem sie einige Wochen nächtlich bis in die frühen Morgenstunden miteinander gesprochen hatten und sie, trotz der Schreckensherrschaft Umbridges, sich immer mal wieder dabei erwischte, wie sie mit einem verträumten Lächeln durch die Gänge des Schlosses lief, konnte selbst Hermine, die rationalisierte, was sie konnte, nicht mehr leugnen, dass da etwas wahr, was nur sehr wenig mit Rationalität zu tun hatte. Doch um sich zu schämen oder an sich zu zweifeln – oh, wenn Harry das wüsste, sie mochte sich seine Reaktion gar nicht vorstellen! - war sie viel zu glücklich, freute sie sich viel zu sehr auf jede Nacht, wenn im Schlafsaal die Lichter gelöscht wurden.

„Bist du auch jeden Tag so ungeduldig wie ich?“ begrüßte sie Sirius diesmal.
„So ungeduldig wie du?“ Er lachte laut auf. „Ich meine, ich bin hier den Großteil des Tages alleine, abgesehen von diesem verdammten … also, von Kreacher.“
Ein größeres Zugeständnis an Elfenrechte konnte sie von ihm wohl noch nicht erwarten. Hermine lächelte.
„Sag‘ mal …“, sprach er jetzt weiter.
Obwohl es bei Sirius auch dunkel war, und nur ab und an das Flackern einer Kerze sein Gesicht erhellte, konnte Hermine nun sehen, dass er errötet war.
„Ja?“ Sie grinste, ein wenig triumphierend. Sonst war sie es, die ständig aus dem Konzept zu bringen war, wenn Sirius sie nur anstrahlte und zarte Dinge sagte, es war befriedigend, auch ihn mal mit roten Wangen und um Worte ringend zu sehen.
„Mir ist endlich mal wirklich bewusst geworden, dass du immer schon im Bett bist, wenn wir sprechen …“
„Ja, also, das ist … tagsüber habe ich ja keine Gelegenheit, so ist das einfach sicherer.“ Na toll, ihre Fassung hatte ja lange gehalten.
„Ich wollte nur fragen – was hältst du davon, wenn auch ich jetzt in mein Bett gehe? Den Spiegel nehme ich natürlich mit?“
Hermine wusste gar nicht, wie man gleichzeitig so glücklich, verlegen, verwirrt und begeistert sein konnte, doch ihr Nicken sagte alles.

Wieder einmal war sie zutiefst dankbar, dass es so etwas gab, wie den Muffliato-Zauber.


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Hallo Kingsman,

vielen Dank für die inspirierenden Vorgaben! Auf Sirius und Hermine als Pairing bin ich irgendwie noch nie gestoßen, aber ich bin schwer begeistert von der Idee. :D

Liebe Grüße
Jubilee
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