In Sonnenschein und dunkler Nacht

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
James "Krone" Potter Lily Potter
01.05.2019
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In Sonnenschein und dunkler Nacht


für Anni98


Es war einer dieser Frühlingstage, die schon die Wärme des Sommers erahnen ließen, und die Hogwartsschüler durch die Leichtigkeit, die in der Luft lag, selbst die immer näher rückenden Prüfungen vergessen ließen. Selbst der See sah durch den strahlend blauen Himmel, der sich in ihm spiegelte, nicht halb so bedrohlich aus, wie sonst, das musste Lily zugeben, während sie blinzelnd auf dessen glatte Oberfläche, in der Reflektionen der Sonne schwammen, starrte. Es war ein hypnotischer Anblick, aus dem sie erst gerissen wurde, als jemand von hinter ihr einen Stein ins Wasser plumpsen ließ, der zunächst kleine und dann immer größere Kreise zog. Das bemerkte Lily aber schon gar nicht mehr, da sie sich erzürnt umdrehte: „Hey! Du hättest meinen Kopf treffen können!“

Es war James Potter, der sie so erschreckt hatte, und hätte sie es nicht besser gewusst, hätte sie gedacht, dass er ein wenig errötete. „Tja, hab‘ ich aber nicht!“, entgegnete er nur mit einem Grinsen und Lily spürte, wie sich auch auf ihrem Gesicht ein Lächeln breitmachte. Bei diesem Wetter, bei dem lauen Frühlingswind, der ihr durch die Haare fuhr, konnte man einfach niemandem böse sein, nicht einmal der größten Nervensäge Gryffindors, nein Hogwarts‘! „Du sahst so alleine aus, da dachte ich … möchtest du dich nicht vielleicht zu uns setzen?“ Er nickte in Richtung eines schattenspendenden Baumes, unter dem sich die Jungen, mit denen er immer herumzuhängen pflegte, versammelte hatte. Lily winkte den dreien zögerlich zu – sie sah doch genau, dass Sirius seinem Freund zuzwinkerte! – und zuckte dann mit den Schultern.
„Klar, warum eigentlich nicht?“

Von diesem Nachmittag wurde die Ausnahme zur Regel, und Lily gesellte sich immer häufiger zu den Rumtreibern, wie James ihr stolz seine Freunde vorgestellt hatte, und sie merkte, dass sie sich in dieser Runde so wohl fühlte, wie sie sich zu Beginn ihrer Schulzeit nie hätte vorstellen können. Natürlich, Sirius und James konnten nervige Aufschneider sein, daran war nicht zu rütteln, doch noch viel wichtiger war, dass die beiden absolut treue Freunde waren, die alles für die Menschen tun würden, die ihnen wichtig waren. Remus war der Ruhepol der Gruppe, und wurde schnell zu Lilys liebstem Bibliothekspartner. Auch Peter, den sie zunächst kaum beachtet hatte, wurde ihr zunehmend durch seine Freundlichkeit und seinen etwas zurückhaltenden Humor immer sympathischer.

Kurzum, sie war rundum zufrieden mit ihrem neuen Freundeskreis, und wenn sie mit den vieren im so frisch duftenden Gras saß, das Spiel von Licht und Schatten in den Blättern (und, ja, zugegebenermaßen auf James‘ Haaren) bewunderte, und unzählige Schokofrösche verzehrte bevor sie in der Sonne schmelzen konnten, dann konnte Lily in all ihrem Glück fast gänzlich vergessen, dass es gar nicht so lange her war, dass sie dieses schöne Wetter mit Severus gemeinsam genossen hätte, nicht mit seinen erklärten Erzfeinden.

Auch, wenn ihre Tage so schnell und schön vergingen wie nie, zwischen den Lernsessions mit Remus – und ab und an Peter – und den Nachmittagen am See, wenn sie abends alleine in ihrem Bett lag überkam sie manchmal eine verzweifelte Traurigkeit wegen des verlorenen Kindheitsfreundes.
Nie hätte sie gedacht, dass es James auffallen würde, dass sie manchmal von einer stillen Nachdenklichkeit übermannt wurde, es fiel ihr ja selbst kaum auf.
„Lily! Du starrst schon wieder in der Gegend rum als würdest du mit offenen Augen schlafen!“  Er stubste sie mit dem Ellbogen in die Seite und wedelte mit der Hand vor ihren Augen herum, und blinzelte ein paar Mal.
„Oh, wirklich? Das habe ich gar nicht gemerkt, ich muss ja echt total weggetreten gewesen sein.“ Sie lachte verlegen.
„Ja, du hast so in die Ferne gestarrt, als wartet am Horizont ein Geliebter auf dich!“, mischte sich nun Sirius ein. „Es ist …“, er folgte ihrer Blickrichtung, „… es ist Schniefelus!“ Er verzog angewidert das Gesicht.
„Ich hab da gar nicht hingeguckt, wenn überhaupt, hab‘ ich durch ihn hindurch geguckt!“, verteidigte Lily sich. „Und nenn‘ ihn doch nicht so …“, fügte sie leiser hinzu.
„Du weißt, dass er dich mit einem noch viel schlimmeren Namen genannt hat!?“, brauste James auf.
Bevor sie sich ihrer Reaktion bewusst werden konnte, war Lily schon auf den Beinen: „Ja! Ja, das weiß ich! Und weißt du, wie entsetzlich es sich anfühlt, zu wissen, dass ein Mensch, den ich seit meiner Kindheit kenne, in meiner Herkunft Grund sieht, Hexen wie mich zu verachten? Weißt du, wie es sich anfühlt, sich die ganze Zeit zu fragen ob man das ganze Leben lang zu blöd gewesen war, dass der beste Freund einen eigentlich verachtet? Und am allerschlimmsten: weißt du, wie es sich anfühlt, diesen Jungen, der meinen Hintergrund so verachtet, trotz allem zu vermissen, weil er eben immer da war?“ Ihr liefen Tränen über die Wangen und die vier Jungen sahen sie erschrocken an. Sie schluchzte. „Nein, James, das weißt du alles nicht! Bei euch ist alles Sonnenschein und Freundschaft und Fröhlichkeit, und tut mir ja echt Leid wenn ich nicht konstant so drauf bin, aber das kann ich einfach nicht!“ Mit diesen Worten stürmte sie davon und schämte sich noch im Wegrennen ihres Ausbruches.

Sie erschien nicht zum Abendessen und hätte sich wohl bis zum nächsten Morgen hinter ihren zugezogenen Bettvorhängen versteckt, ohne mit jemandem zu sprechen, hätte sich nicht Marlene in ihre Höhle geschlichen. Zunächst setzte sie sich nur neben die Freundin und streichelte der immer noch sporadisch schniefenden Lily beruhigend über den Rücken. Dann meinte sie: „Ich soll dir was ausrichten – von Sirius und James. Ich weiß ja nicht, worum es geht, aber auf jeden Fall soll ich dir sagen, wenn du auch mal etwas anderes als Sonnenschein sehen möchtest, sollst du heute um Mitternacht im Gemeinschaftsraum warten.“ Lily nickte nur. Sie wusste noch nicht, ob sie ihren Freunden so rasch wieder unter die Augen treten sollte, so peinlich war ihr der Heulanfall. Aber als sich die anderen Mädchen zum Schlafen fertigmachten, behielt Lily ihre Tageskleidung an. Nur zu Sicherheit.

Ein bisschen war sie überrascht von sich selbst, als sie kurz vor Mitternacht wirklich aus dem Schlafsaal schlich. Die Rumtreiber warteten schon aus sie, sie alle waren überpünktlich, womit sich zeigte, dass Lily auf jeden Fall einen höheren Stellenwert bei ihnen hatte, als die meisten Unterrichtsstunden. Bei diesem Gedanken musste sie schmunzeln.
Das Gesicht von James, der sie in Empfang nahm, war jedoch ernst. „Wir haben darüber nachgedacht, wie wir dir zum einen zeigen können, dass auch bei uns nicht immer alles einfach und lustig ist, und zum anderen auch, wie wichtig du uns bist, und wie sehr wir dir vertrauen. Damit du merkst, dass du mit uns nicht nur Spaß haben kannst, sondern auch traurig sein. Wir verstehen das, versprochen! Selbst, wenn du traurig bist wegen Schnief- Severus! Wenn man mit uns befreundet ist, dann ist das in guten wie in schlechten Zeiten, nur, dass du das weißt.“ Er sah sie mit aufrichtiger Zuneigung an, dass Lily nur schweigend auf ihre Füße starren und den Jungen aus dem Eingangsloch folgen konnte. Sie spürte die Hitze auf ihren Wangen, und wusste nicht, ob das nur wegen James war, oder wegen der Ernsthaftigkeit der kleinen Prozession, die sich nun aus dem Schloss nach draußen schlich.

Sie alle schwiegen, doch als Lily erkannte, wohin sie gingen, konnte sie einen Ausruf der Überraschung nicht verbergen. „Die peitschende Weide? Was wollt ihr denn da?“
„Das“, begann James, der nun ihre Hand nahm, was sich selbstverständlich und gut anfühlte, „würdest du bei einer Erklärung kaum glauben, von daher musst du jetzt einfach zusehen.“

Die nächsten Minuten kamen Lily so surreal vor, dass sie genauso gut ein Traum hätten sein können. Peter, der sich in eine Ratte verwandelte, sodass er das Peitschen der Weide stoppen konnte. Der dunkle Tunnel, durch den sie nacheinander erst rutschten und dann gingen. James hielt ihre Hand, wann er konnte, ansonsten wäre sie bestimmt schon längst umgekehrt.

Endlich hatten sie ihr Ziel erreicht. Es schien sich um eine kleine Holzhütte zu handeln, deren Inneres zwar eigentlich gemütlich eingerichtet war, sähen die Möbelstücke nicht so aus, als würden sie regelmäßig durch die Gegend geworfen oder von großen Tieren zerkratzt und zerbissen werden.
„Jetzt“, James holte tief Luft. „Kommt die größte Enthüllung des Abends. Bist du bereit?“ Er machte eine dramatische Geste und Sirius gab auf dem Holztisch ein Trommelsolo. Einzig Remus sah sie mit Ernsthaftigkeit im Blick an. Peter war immer noch eine Ratte.

„Ähm, ich weiß nicht?“
Jetzt war es Remus, der sprach: „Du weißt doch sicher, was ein Animagus ist, oder?“
Lily nickte. „Ja, also, ist Peter deshalb …“
„Nicht nur Peter.“
Während Remus mit ihr gesprochen hatte, war es schon geschehen: Vor ihr standen nun ein riesiger, zotteliger, schwarzer Hund sowie ein eleganter Hirsch. Lily wich zurück, nur instinktiv, denn von den Tieren – ihren Freunden – ging sichtlich keine Gefahr aus.
„Na? Möchtest du raten, welcher von beiden James ist?“, scherzte Remus.
Lily musste gar nicht überlegen, sondern trat näher an den Hirsch heran und, als James keinen Abstand nahm, streichelte sanft über die Seite seines Halses.
Erst dann fiel ihr auf, dass Remus immer noch er selbst war. „Und du? Wolltest du dich nicht verwandeln?“, fragte sie neugierig.
Wie auf ein Stichwort verwandelten die anderen drei sich zurück in Menschen und fielen einander ins Wort.
„Also, das muss Remus nicht alleine erklären …“
„Von Wollen kann bei mir wirklich keine Rede …“
„Wir haben doch nur für ihn …“

Nachdem die vier sich beruhigt hatten, lernte Lily die ganze Geschichte. Von Remus, der so verflucht war, doch auch so glücklich, solche guten Freunde zu haben, dass sie für ihn eine Nacht im Monat ihre Menschlichkeit zurückließen.

„Siehst du,“ flüsterte James, als sie zurück zum Schloss liefen, wieder Hand in Hand, und diesmal hielt Lily ihn mit einer Sicherheit fest, auf die sie nie zu hoffen wagte, „ich wollte, dass du das siehst. Dass auch bei uns nicht alles Sonnenschein und Fröhlichkeit ist, wie du gesagt hast. Aber dass wir füreinander da sind, egal was kommt. Und dass ich auch für dich da bin, egal was kommt.“
Lily wandte das Gesicht ab, damit er nicht sah, dass ihr schon wieder Tränen über die Wangen liefen. Doch dann riss sie sich innerlich am Riemen und wandte ihm dann doch das Gesicht zu. Er konnte sie ruhig sehen: weinend, lachend, wütend. Denn er würde ihr beistehen.

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Liebe Melly,

alles, alles Gute zum Geburtstag (auch wenn der Tag an sich schon fast wieder vorbei ist)!! Ich hoffe, du hast einen schönen Tag verbracht. In dieser Geschichte habe ichdas Zitat "Ich hingegen fühlte mich wie ein lebender Kollateralschaden." von Kerstin Gier als Inspiration genutzt. Ich hoffe, du hattest Spaß beim Lesen und hast ein tolles/erfolgreiches/vergnügliches neues Lebensjahr!

Liebe Grüße
Jubilee
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