Ein neuer Sicherheitschef

KurzgeschichteAllgemein / P18
Captain Becker Jess Parker OC (Own Character)
01.05.2019
01.05.2019
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Hallöchen meine Lieben.
Diese FF liegt schon etwas länger auf meinem Laptop, aber ich wusste nie so recht wie ich sie fertig schreiben sollte. Jetzt hab ich es ganz gut hinbekommen (finde ich zumindest) ;)
Habt viel Spaß beim Lesen.

Lg
Schwarzvogel

P.s. Über Reviews würde ich mich sehr freuen also haut in die Tasten und lasst mich wissen was euch gefällt und was euch nicht gefällt.


Ein neuer Sicherheitschef


Jess betrat das Büro vom Sicherheitschef und legte ihm die Akte auf den Schreibtisch hinter dem besagter saß. "Gute Wahl. Ich habe ihn gründlich durchleuchtet und es gibt nichts, was gegen ihn sprechen würde."
Becker blickte von seinen Unterlagen auf und nickte. "Gut. Lade ihn doch bitte zu einem Gespräch ein."


Zusammen auf einen gemeinsamen Kaffee saßen Abby, Matt und Jess in der Teamküche an dem großen Tisch in der Ecke.
"Wie hast du Becker dazu bekommen einen stellvertretenden Sicherheitschef einzustellen?", fragend sah Abby ihren Teamleiter an. "Ich hab ihn nicht überreden müssen, das hat Lester alleine hinbekommen.", schmunzelte Angesprochener und sah zu Jess hinüber. "Du hast seine Akte doch auch gelesen. Was hältst du von ihm?"
"Ich habe nicht nur seine Akte gelesen, ich habe ihn quasi von links auf rechts gedreht. Ich weiß alles was es über ihn nur zu wissen gibt.", zwinkerte sie. "Aber ich halte ihn für durchaus qualifiziert für den Job. Er machte einen guten Eindruck."
Matt nickte. "Ja, das sehe ich auch so."
"Das seht nicht nur ihr so. Morgen ist sein erster Tag." Becker betrat den Raum, sah seine drei Kollegen an und füllte seine Kaffeetasse wieder auf.
"Na da bin ich ja mal gespannt.", warf Abby in die Runde, ehe sie sich verabschiedete und zurück an die Arbeit ging.


Am nächsten Morgen wartete das Team in der Hauptzentrale gespannt auf Becker und den neuen Soldaten, wobei dieser nicht einfach nur ein Soldat unter vielen im ARC war, nein. Er fungierte als Beckers rechte Hand und war der stellvertretende Sicherheitschef.
Jess war immer noch mehr als verwundert, dass Becker jemanden in so einer Position neben sich duldete. Aber es war nun einmal Lesters Anweisung gewesen. Nachdem das ARC mehrmals hintereinander von Urzeitwesen heimgesucht wurde und Jess sowie Lester fast dabei gestorben wären, hatte letzterer beschlossen, dass ein weiterer hoch qualifizierter Soldat dem ARC und dem Team gut tat.
Becker war zwar zunächst überhaupt nicht einverstanden gewesen, denn er versuchte alles um Lester von dieser Idee abzubringen. Nach seiner Aussage bedarf es einen großen Arbeitsaufwand um einen stellvertretenden Sicherheitschef einzuarbeiten und dafür hätte er gar keine Zeit.
Vor allem glaubte Jess allerdings, dass es ihn wurmte, dass er nach Lesters Auffassung, einen weiteren Sicherheitschef brauchte.
Jess Gedanken schlugen sofort um als sie Becker in Begleitung eines fremden Mannes sah. Sie kannte diesen ja bereits aus ihren Recherchen doch es war noch mal etwas anderes, wenn diese Person real vor einem stand. Und sie musste sich eingestehen, dass er so in natura noch wesentlich besser aussah wie auf dem Foto. Er war ungefähr so groß wie Becker, allerdings hatte er dunkelblonde, ebenfalls kurze Haare. In seiner schwarzen Uniform stand er in Becker tatsächlich in nichts nach. Sie würde fast behaupten der Neue füllte diese ein bisschen besser aus.
"Das ist Kenneth Hold. Der stellvertretende Sicherheitschef." setzte Becker an doch Jess´ Aufmerksamkeit lag immer noch auf dem Mann vor ihr.
Kenneth hatte strahlende blaue Augen, ein kantiges Gesicht und eine kleine Narbe unter dem linken Auge. Sie kannte seine Akte und wusste, dass er genau wie Becker in der Armee gedient hatte und somit viele Einsätze überlebt hatte. Sie zollte diesen Männern Respekt, denn sie setzten ihr eigenes Leben immer wieder aufs Spiel um andere Leben zu retten.
"Und das ist Jessica Parker unsere Feldkoordinatorin."
Jess schreckte aus ihren Gedanken hoch und sah Kenneth ihr direkt gegenüber. "Äh, sie dürfen mich ruhig Jess nennen, das machen alle.", begrüßte sie ihn und nahm seine entgegen gestreckte Hand und schüttelte sie. "Eine Feldkoordinatorin, das ist mal etwas neues. Bisher hatte ich in diesem Bereich nur mit Männern das Vergnügen. Da macht die Arbeit doch gleich viel mehr Spaß."
Jess kicherte, der Mann war definitiv gesprächiger als Becker. "Kommen sie mit, ich werde ihnen ihre Ausrüstung geben."
"Oh bitte, kommen wir doch direkt zum Du. Ich bin Kenneth."
"Gut Kenneth, dann komm doch eben mit zum ADD und ich gebe dir deine Ausrüstung."
Zu zweit gingen sie die paar Schritte zum Hauptrechner und Jess reichte ihm seine Blackbox sowie das dazugehörige Kommunikationsgerät, welches er direkt an seiner Ohrmuschel befestigte. "Und das tragen wir den ganzen Tag lang?", wandte er sich an die junge Feldkoordinatorin. "So lange wir alle im Dienst sind, tragen wir den Knopf im Ohr, ja.", bestätige sie und beantwortete ihm noch ein paar Fragen die er an sie stellte, ehe er mit Becker verschwand.


Bisher hatte er noch nicht so recht gewusst, was er von ihm halten sollte. Ja er war ein erfahrener Soldat und mehr als qualifiziert für diese Stelle doch er drang hier in sein Revier ein. Er stand einfach so da und plauderte mit ihr. Und das ging ihm gegen den Strich. Er war nicht hier um zu Plaudern, er war hier um seine Arbeit zu tun. Ohne das Becker es bemerkte setzte er sich in Bewegung und trat an die beiden heran. "Hold. Ich zeige ihnen den Rest vom ARC."
Angesprochener drehte sich zum Captain um und nickte. Becker folgend verließ er die Hauptzentrale, aber nicht ohne sich vorher bei Jess zu verabschieden. "Danke Jess, war schön dich kennen gelernt zu haben. Wir sehen uns dann."
So gründlich und zuverlässig wie Becker nun einmal war unterwies er Kenneth in jedes Sicherheitsprotokoll und erklärte ihm was zu tun sei, wenn der Lock Down eintreten sollte. "Der Lock Down tritt in Kraft wenn sich eine Anomalie im ARC öffnet, aber auch erst dann wenn die Bioscannerautomatik prähistorische Lebewesen erfasst hat. Falls dies der Fall ist wird das ARC abgeriegelt. Alle entbehrlichen Mitarbeiter müssen dann das Gebäude verlassen und nur noch das Team und ich sind anwesend um die Anomalie zu verschließen."
"Und jetzt auch ich.", stellte Kenneth fest und nickte Becker verstehend zu. Bevor Becker die Chance bekam in seinen Erklärungen fortzufahren wurde das ARC in ein rotes Signallicht gehüllt und ein Alarmton hallte durch die Gänge.
Becker setzte sich sofort in Bewegung ohne weiter darauf zu achten ob der Neue ihm folgen würde.


"Wir haben eine Anomalie.", verkündete Jess, die an ihrem Arbeitsplatz saß und dem ADD verschiedene Kommandos über die Tastatur gab. "Sie befindet sich auf dem Land. Fahrtdauer ca. eine bis zwei Stunden."
"Was stehen sie dann noch hier rum? Sie wissen was zu tun ist! Und Becker, bringen sie Mr. Hold bitte in einem Stück wieder zurück." Lester war aus seinem Büro getreten und sah zu seinem Team hinunter.
"Passt auf euch auf!", verabschiedete sich Jess und führte sie nun nur noch über die Kommunikationsgeräte in ihren Ohren.


Das Team hatte Glück, es waren zwar Lebewesen aus der Anomalie entkommen, aber keine gefährlichen, wobei diese in den letzten Wochen und Monaten großen Spaß daran hatten es den Mitarbeitern des ARCs schwer zu machen.
"Das war ja wirklich mal leicht.", schumzelte Connor als alle wieder auf dem Rückweg in die Hauptzentrale waren. "Du hast dich für deinen ersten Einsatz übrigens gut geschlagen." Connor klopfte dem stellvertretenden Sicherheitschef auf die Schulter und grinste. "Aber warte mal bis die großen Kaliber es auf dich abgesehen haben."
"Keine Sorge mit denen werde ich auch schon fertig. Schließlich bin ich nicht irgendein Soldat."
Im inneren des Wagens herrschte eine lockere Atmosphäre und Connor berichtete über einige Einsätze die sie zusammen bestritten hatten. Becker, der das Auto fuhr, hielt sich derweil aus der Unterhaltung raus. Seine Mimik lies sich wieder einmal nicht deuten, so konnte Matt, der auf dem Beifahrersitz saß, seinen Kollegen nicht einschätzen. Doch er kannte Becker jetzt schon lange genug, dass er annahm, dass ihm das Gespräch mächtig gegen den Strich ging. Auch wenn er sich mit einem Stellvertreter einverstanden erklärt hat, war er immer noch nicht sehr zufrieden mit der ganzen Sache.


Nach einigen Tagen war Kenneth Hold schließlich soweit eingearbeitet, dass er nun auch eigenständig ein Team leiten konnte. Alle Soldaten schienen ihn zu respektieren und auch er machte einen guten Job.
Es war später Nachmittag und Jess wollte noch einen Kaffee trinken, ehe sie nach Hause fuhr. In der Teamküche traf sie auf Kenneth.
"Oh hey. Du bist noch hier?", begrüßte die junge Feldkoordinatorin den Soldaten. "Ich habe noch lange kein Feierabend. Hab gleich noch ein paar Dinge zu erledigen unter anderem mit dem Captain."
Mit jeweils einer Tasse Kaffee in der Hand setzten sich die beiden an den Tisch. "Das klingt aber nicht so glücklich." stellte Jess fest. "Naja, weißt du es ist nicht immer einfach mit Captain Becker. Also verstehe mich nicht falsch, er macht seine Arbeit wirklich sehr gut, aber wirklich ran kommt man an ihn nicht. Wenn ich den Rest des Teams mit ihm vergleiche, dann ist es eine wirkliche Herausforderung mit ihm ein Gespräch zu führen. Aber ehrlich gesagt, ich kenne solche Typen aus dem Einsatz."
Aufmerksam hörte Jess zu und sie konnte sich gut vorstellen wie es war, wenn die beiden zusammen arbeiteten. Becker würde nur das nötigste sagen, einsilbige Antworten geben und von sich aus wahrscheinlich gar nichts sagen.
"Becker ist ein sehr disziplinierter Mann. Er ist schon seit Beginn an dabei und hat schon einiges erlebt. Er hat Kollegen kommen und gehen sehen und manche kamen nie wieder. Er ist sehr konzentriert und versucht uns, sein Team so gut es geht zu schützen. Manchmal, da gebe ich dir Recht, ist es nicht ganz einfach mit ihm zu arbeiten, aber deswegen ist er kein schlechter Mensch, im Gegenteil."
"Das sage ich auch nicht. Aber ich arbeite dann lieber mit anderen Teammitgliedern zusammen, zum Beispiel mit dir. Darf ich dir übrigens sagen, dass du heute wieder sehr hübsch aussiehst?!"


Becker kam gerade aus seinem Büro und benötigte dringend eine Tasse schwarzen Kaffee. Er wollte schon um die Ecke biegen und die Küche betreten doch er blieb aprubt stehen. Er hörte deutlich, dass Jess und Hold sich unterhielten und wie es schien waren sie alleine. Er wusste nicht was er verpasst hatte, aber deutlich konnte er hören, dass der Soldat mit Jess flirtete. Er hörte die junge Frau kichern. "Vielen lieben Dank Kenneth schön das es dir auffällt."
"Natürlich! Wem das nicht auffällt, dass du so eine hübsche, junge Frau bist, der ist ein Vollidiot. Aber erzähle doch mal, wie bist du zum ARC gekommen? Eine Frau in so einem Beruf ist ja eher selten."
"Du bist da nicht der Einzige der erstaunt war. Ich kann mich noch gut an Beckers Gesicht erinnern als ich mich ihm vorstellte. Und ganz ehrlich, ihm fiel es anfangs schwer mich als Feldkoordinatorin zu akzeptieren."
"Wirklich? Also ist er der typische Soldat, bloß keine Frau im Trupp?! Also ich kann mir keine bessere Felkoordinatorin vorstellen und ich finde Frauen sollten generell mehr in männlichen Berufen anwesend sein."
So langsam wurde es Becker zu viel, doch einfach gehen würde er nicht, denn auf seinen Kaffee würde er nicht verzichten. Ohne ein Wort stürmte er in die Küche, füllte seine Tasse und verschwand schließlich wieder.

Erschrocken zuckte Jess zusammen als Becker in den Raum rauschte und schließlich wieder verschwand. Was war los mit ihm? Hatte er etwa gehört was Kenneth gesagt hatte?
"Was war denn mit dem los?", fragend sah Kenneth sie an doch Jess konnte nur mit den Schultern zucken.


Nach der Begegnung in der Teamküche waren erneut einige Tage vergangen und Jess verstand sich immer besser mit Kenneth, sie lachten viel miteinander und er schenkte ihr die Aufmerksamkeit die ein anderer ihr verwehrte. Doch je mehr sie mit Kenneth zu tun hatte und je mehr sie sich mit ihm verstand, desto mehr zog sich Becker von ihr zurück. So schien es auf jeden Fall und sie wusste nicht so recht was sie machen sollte, denn schließlich wollte sie nicht noch einen größeren Abgrund zwischen ihr und Becker, aber den Kontakt zu Kenneth wollte sie auch nicht abbrechen. Vielleicht war es mal Zeit für einen Mädelsabend um das alles auseinander zu friemeln und zu analysieren.


Es war ein ruhiger Tag im ARC und so hatten alle Mitarbeiter die Gelegenheit dass Gebäude endlich mal wieder auf Vordermann zu bringen. So war es nicht ungewöhnlich, dass Jess mal nicht an ihrem gewohnten Arbeitsplatz saß sondern in einer Kammer stand und eine Kiste mit neuen Erweiterungen für den ADD suchte. Und natürlich war die Kiste die sie suchte oben im Regal, so hoch oben, dass sie nicht dran kam. Seufzend drehte sie sich um und ging in Richtung Waffenkammer um sich einen Soldaten zu schnappen, der ihr helfen konnte. Ohne vorher an die Tür zu klopfen, riss Jess diese auf und lief schnurrstracks in einen schwarz gekleideten Körper hinein. Der Mann vor ihr, der wohl grade den Raum verlassen wollte, kam kurz ins schwanken. Um auch Jess nicht fallen zu lassen schlang er seine Arme um ihren zierlichen Körper und hielt sie fest.
"Na da hat es aber jemand eilig.", lachte Kenneth, den er war es in den Jess hinein lief. Sofort färbten sich ihre Wangen rosa als sie bemerkte in wessen Armen sie lag, dazu kamen auch noch einige schlüpfrige Ausrufe und die Pfiffe der anwesenden Soldaten.
"Da hat es ja jemand eilig, suchst du jemand bestimmten?", fragte Kenneth sie und lies von ihr ab. Jess trat sofort einige Schritte zurück und sah die Soldaten funkelnd an. Diese waren sofort still und richteten ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer Arbeit zu. "Entschuldige. Ich wollte mir eigentlich nur einen von den Jungs schnappen. Jemand müsste mir eine Kiste vom Regal holen.", erklärte Jess. "Na warum sagst du das nicht gleich. Ich helfe dir gerne.", lächelte Kenneth und folgte Jess schließlich aus dem Raum um ihr mit der Kiste zu helfen. Die Kommentare der anderen Soldaten hörten sie nicht mehr. "Wie es scheint hat der Captain Konkurrenz bekommen.", grinste einer. "Das wird spannend.", erwiderte ein anderer.


Nachdem Becker die wichtigsten Arbeiten erledigt hatte machte er sich auf den Weg in den Hauptraum um Jess einige Akten zu bringen. Auf dem Weg zu ihr traf er auf einige Soldaten, die ihn zwar respektvoll grüßten, sich allerdings auch immer wieder etwas zu flüsterten. Was war denn mit denen los? Er würde mal den Rest des Tages abwarten und wenn er dieses Verhalten weiterhin beobachtete, dann musste er mal ein klares Wort mit seinen Männern sprechen. Endlich angekommen im Hauptraum sah er vor sich Jess und Hold, so langsam bekam er das Gefühl, dass die beiden ständig zusammen waren. Mit gezielten Schritten ging er auf die beiden zu und schien das Gespräch der beiden mit seinem Erscheinen zu stören. "Die Akten der letzten Einsätze" Becker reichte Jess die Akten und wandte, nachdem sich Jess bedankt hatte, zu dem Soldaten um. "Wie sieht die Waffenkammer aus Hold?"
"Die ist so gut wie fertig.", antwortete der Angesprochene.
"Dann zurück an die Arbeit!", wies Becker ihn an und verschwand schließlich wieder um seiner Arbeit nachzugehen.
"Seit ein paar Tagen ist er echt unausstehlich.", kommentierte Kenneth. "Naja, du hast den Captain gehört, ich muss dann mal wieder. Solltest du noch einmal Hilfe brauchen, dann komm ruhig zu mir."


Mit einer kurzen Email hatte Lester sie für den nächsten Morgen alle in sein Büro beordert. Er hatte  nicht erwähnt worum es ging, weshalb sich Jess, Abby und Emily wunderten und sich darüber unterhielten während sie auf dem Weg in die Tiefgarage waren. "Wisst ihr was Lester von uns will?"
"Nein keine Ahnung.", antwortete Jess knapp angebunden. Ihre Gedanken waren immer noch bei dem heutigen Nachmittag als Becker ihr die Akten gebracht hat und sehr schlecht gelaunt wirkte.
"Du warst aber auch mal gesprächiger Jess.", bemerkte Abby. "Was beschäftigt dich?"
"Becker.", seufzte sie. "Habt ihr gemerkt, dass er in letzter Zeit ziemlich mies gelaunt ist?"
"Ist er das nicht fast immer?", fragte Emily lachend nach.
"Nein, er ist irgendwie anders. Ich bekomme ihn kaum noch zu Gesicht und wenn, dann ist er immer sehr kurz angebunden und spricht kaum mit mir. Also nicht dass er sonst übermäßig viel erzählt, aber in letzter Zeit ist er noch stiller als sonst."
"Könnte vielleicht an den Gerüchten hängen.", warf Abby ein.
"An welchen Gerüchten?", hackte die Feldkoordinatorin nach.
"Die Soldaten erzählen hinter vorgehaltener Hand, dass Kenneth ein Auge auf dich geworfen hat und du ihm nicht abgeneigt bist. Du lagst wohl schon in seinen Armen."
"Bitte was?! Warum erzählen die denn so was?!"
"Naja komm, du scheinst dich schon sehr gut mit ihm zu verstehen und man hat das Gefühl, dass er ständig in deiner Nähe ist. Aber erzähl doch mal wie es dazu kam, dass du in seinen Armen lagst."
Und somit berichtete Jess von ihrem unbeabsichtigten Zusammenstoß mit dem stellvertretenden Sicherheitschef.
Die ganze Heimfahrt über spukten diese Gerüchte in ihrem Kopf herum. Kam es wirklich so rüber als wollte sie etwas von Kenneth Hold? Wirkte es so auf Becker und war er deshalb so still und unnahbar in letzter Zeit? Wenn sie es recht bedachte fing das ganze an als Kenneth eingestellt wurde. Sie wusste von Anfang an, dass es Becker nicht gefiel einen weiteren Sicherheitschef da zu haben, aber sie hatte gedacht, dass er sich so langsam damit abgefunden hatte. Ja, sie bemerkte, dass die Soldaten besser mit Kenneth zurecht kamen als mit Becker, sie hatten eine ganz andere Beziehung zu dem Neuen und das auch nur, weil er so ganz anders als Becker war. Er ist gesprächiger und offener, er führte bisher immer mal mit einigen Soldaten Gespräche, also auch private. Lachen konnten sie auch mit ihm und er war wesentlich lockere als Becker, was nicht bedeutete, dass er seine Arbeit schlechter machte. Es musste schwierig für Becker sein ein Team zu führen, wenn da noch jemand anderes war, der aber so anders arbeitete wie er. Vielleicht sollte sie morgen einfach mal mit Becker sprechen. Doch dass sie dazu keine Gelegenheit bekommen sollte wusste sie zu dem Zeitpunkt nicht.


Gemütlich schlenderte Connor mit seiner Freundin durch die Gänge. Sie waren auf dem Weg in Lesters Büro. Auf dem Weg begegneten sie Becker, der sie kurz grüßte und dann so weit es geht schweigend mit ihnen den Weg zurück legte. In Lesters Büro angekommen stießen sie auf Emily, Matt und Jess. Kurz nach ihnen folgte Lester zusammen mit Kenneth.
"Wenn dann alle vollzählig sind, dann kann es ja losgehen.", eröffnete Lester die Teambesprechung. "Wie sie wissen hat das ARC in letzter Zeit einiges durchgemacht und jeder von ihnen hat genügend Zeit gehabt um sich davon zu erholen. Was durchaus überflüssig war wenn sie mich fragen. Aber der Urlaub steht nun einmal jedem zu. Auch ihnen Becker. Und da Hold, wie es mir scheint, gut eingearbeitet ist, wird er ihre Arbeit in den nächsten Wochen übernehmen. Sie haben ab sofort Urlaub und das ist nicht verhandelbar!" Lester hatte sich Becker vollends zugewandt und er wusste ganz genau, dass er diese Entscheidung nicht gut heißen würde. Doch schließlich hat er Hold nicht umsonst eingestellt. "Und jetzt verschwinden sie alle wieder. Es gibt genug zu tun." Lester setzte sich hinter seinen Schreibtisch und widmete sich einigen Unterlagen. Alle verließen den Raum nur Becker war noch nicht bereit zu gehen. "Ich versichere ihnen, dass ich keinen Urlaub benötige."
"Ich entscheide wer hier Urlaub braucht und wer nicht und ich habe mich für sie entschieden. und jetzt verschwinden sie nach Hause oder sonst wo hin, es gibt Menschen die arbeiten müssen."
Mit ausdruckslosem Gesicht verließ Becker das Büro und traf auf seine Kollegen die auf ihn gewartet hatten. "Ich glaube da bleibt dir nichts anderes übrig als nach Hause zu fahren.", stellte Matt fest. "Mach dir ein paar ruhige Tage und mach das was du so machst, wenn du nicht im ARC bist."
"Sie müssen sich wirklich keine Sorgen machen Captain, ich habe mit Lester alles besprochen und die Männer bereits informiert, dass sie die nächste Zeit im Urlaub sind." Kenneth trat an Becker heran. Becker zeigte immer noch keine einzige Emotion und nickte nur. "Wenn nur ein Waffenkoffer an der falschen Stelle liegt wenn ich wieder da bin." Ohne seinen Satz zu vollenden  und ein weiteres Wort zu verlieren verließ er die kleine Runde und war auf dem Weg zur Umkleidekabine um seine Sachen zu holen. Als er im Fahrstuhl stand und sich die Türen gerade schlossen, konnte er noch kurz Jess erkennen, die auf ihn zugeeilt kam, wie es schien wollte sie noch etwas von ihm, aber er hatte Zwangsurlaub und würde deshalb keine Minute länger im ARC bleiben.

"Becker!", rief sie noch als sich die Fahrstuhltüren schließen. Sie wollte doch noch mit ihm reden. "Verdammt.", fluchte sie und drehte auf dem Absatz um um zurück zu ihrem Arbeitsplatz zu gehen.


Die ersten Tage nach der Verkündung von Beckers Urlaub vergingen und Jess hatte jeden Morgen wenn sie das ARC betrat, das Gefühl, dass etwas fehlte. Die Abwesenheit von Becker machte sich für sie deutlich bemerkbar und vor allem bei einem Anomaliealarm war sie es gewohnt, dass Becker dicht hinter ihr stand und die Lage über die Monitore des ADD checkte. Sogar seine Befehle über das Com vermisste sie irgendwie. Es war komisch anstatt seiner Stimme nun die von Hold zu hören.
Es war spät als Jess schließlich das Büro von Kenneth aufsuchte um ihm die Berichte der heutigen Einsätze zu bringen.
"Ich wollte dir nur eben die Berichte bringen."
"Danke Jess. Magst du dich nicht kurz setzen? Ich würde gern etwas mit dir besprechen." Jess nickte und setzte sich auf einen Stuhl etwas abseits des Schreibtisches. Kenneth erhob sich aus seinem Stuhl und setzte sich auf den der neben Jess´ stand.
Kenneth redete über einen der heutigen Einsätze und wollte mit ihr eine Optimierung der Kommunikation besprechen. "Das klingt schon sehr vernünftig, aber ich kann nicht einfach so etwas ändern. ich muss das vorher mit Becker und Matt absprechen."
"Ich glaube nicht, dass Matt etwas dagegen hätte, ich habe es ihm gegenüber mal erwähnt und er schien nicht abgeneigt zu sein. Und Becker ist die nächste Zeit nicht da. Lass es uns doch einfach mal ausprobieren wie es läuft." Bei seinen letzten Worten streifte seine Hand ihren Oberschenkel als er diese von seinem Bein auf die Rückenlehne ihres Stuhls legte. "Tut mir Leid Kenneth, aber das kann ich wirklich nicht einfach so machen. Du ich muss jetzt auch wieder los, ich habe auch gleich Feierabend." Etwas perplex über diese Berührung verließ sie sein Büro und ging zurück zum ADD um ihn in den Stand By Modus zu versetzten. Als sie schließlich zuhause war machte sie sich immer noch über dieses Gespräch und vor allem über diese Berührung Gedanken. Warum kam Kenneth ausgerechnet jetzt mit dieser Idee an? Nutzte er es aus weil Becker nicht da war? Und was sollte diese flüchtige Berührung? War sie beabsichtigt oder nur ein versehen?  


Am nächsten Morgen bekam Jess Kenneth eine lange Zeit nicht zu Gesicht. Erst gegen Mittag kreuzten sich ihre Wege. "Hey Jess. Du hör mal, tut mir Leid, wenn ich dich gestern mit meiner Idee etwas bedrängt habe. Es könnte sein, dass es so rüber kam, dass ich Beckers Abwesenheit ausnutzen möchte, aber das ist wirklich nicht so. Mir schwirrt die Idee nur schon ein paar Tage im Kopf herum und ich dachte ich frage dich einfach mal. Ich verstehe auch, dass du das nicht einfach so ändern kannst und du das erst mal mit allen besprechen möchtest."
Nach dieser Erklärung waren Jess Zweifel von Gestern wie weggefegt und sie schüttelte über sich und ihr aufkeimendes Misstrauen den Kopf.
"Hallo ihr zwei, gut das ich euch treffe." Connor kam auf die beiden zu und sah sie grinsend an. "Ich hatte die Idee, dass das Team mal wieder was trinken gehen könnte, was haltet ihr davon?"
"Klingt nach einer guten Idee, ich bin dabei.", antwortete Kenneth.
"Natürlich bin ich dabei Connor. Ich freu mich schon."


Am Wochenende war es dann endlich soweit. Das Team würde sich zu einer gemütlichen Runde in einer Bar treffen. Doch bevor es los ging stand Jess vor ihrem Kleiderschrank und überlegte was sie anziehen sollte. Über die Freisprechanlage ihres Smartphones telefonierte sie mit Abby. "Sag mal Abby, was ist eigentlich mit Becker, kommt der auch?"
"Connor hat versucht ihn zu erreichen, aber anscheinend nimmt er das mit dem Urlaub nun doch ernst. Um auf deine Frage zu antworten, nein er kommt nicht."
"Oh Schade."
"Aber dafür kommt ja Kenneth, mit dem verstehst du dich ja auch gut." deutlich konnte Jess das Grinsen in Abbys Stimme hören.
"Ja ja, lach du nur. Sag mir doch lieber mal was ich anziehen soll?!"
Die beiden quatschten noch eine Weile und besprachen was Jess anziehen könnte. Nachdem endlich ein Outfit stand legte Jess auf und machte sich für den Abend fertig.


Connor, Abby, Emily und Matt waren die ersten die die Bar betraten. Sie suchten sich eine gute Ecke zum Sitzen und unterhalten aus und warteten auf die anderen beiden die noch kommen würden. Der erste der auftauchte war Kenneth, er begrüßte seine Kollegen freundlich und setzte sich dazu. Ein paar Minuten später kam schließlich auch Jess an und sie spürte die deutlichen Blicke von Kenneth und überlegte ob sie sich nicht doch etwas zu freizügig angezogen hat. Bei den warmen Sommertemperaturen hatte sie sich für eine kurze Hose, die viel Bein zeigte, entschieden. Dazu trug sie ein sommerlich leichtes Top. Sandaletten mit Keilabsatz, eine Handtasche und der passende Schmuck rundeten das Outfit ab. Jess begrüßte alle mit einer kurzen Umarmung und setzte sich schließlich zu den beiden Mädels, Kenneth saß ihr schräg gegenüber.
Der Abend wurde nach einigen Getränken ausgelassen und witzig und die Gespräche handelten einmal nicht von der Arbeit. Es wurde viel gelacht, vor allem weil auch Kenneth einige peinliche Geschichten aus seiner Vergangenheit erzählte. Er schien eigentlich gut in das Team zu passen. Je später der Abend wurde, desto mehr Getränke wurden bestellt und irgendwann hielt es die drei Frauen nicht mehr auf den Stühlen. Sie stürmten die Tanzfläche und ließen sich von der Musik leiten. Irgendwann konnten die Männer ebenfalls zum Tanzen überredet werden und so war es nicht wunderlich, dass Kenneth zusammen mit Jess tanzte. Er konnte sich gut bewegen und es machte Jess Spaß mit ihm zu tanzen. Nach ein paar weiteren alkoholischen Getränken tanzten sie schließlich eng umschlungen und es schien als würde kein Blatt Papier mehr zwischen sie passen. Zurück am Tisch verabschiedet Jess sich kurz von ihren Freunden und verschwand auf der Toilette um sich frisch zu machen. Sie hatte gerade den kleinen Raum wieder verlassen als jemand sie am Arm packte und in eine Nische zog. Sie erblickte im halbdunkel Kenneth, der sie an die Wand lehnte und seine Lippen auf ihre legte. Total überrumpelt erwiderte sie den Kuss für einen Augenblick und als lautes Gelächter an ihre Ohren drang ließ sie von ihm ab. Keiner von beiden sagte ein Wort und Kenneth war der erste der verschwand. Immer noch total überrascht checkte Jess erneut ihr Make-up und ging zurück zu ihren Freunden. Keiner von ihnen schien mitbekommen zu haben was da zwischen den beiden passiert ist. Und auch Kenneth verlor kein Wort darüber, ab und zu bemerkte Jess seine Blicke aber er selbst blieb stumm.
Als Jess ein paar Stunden später schließlich in ihrem Bett lag, machte sie sich über das Geschehene immer noch Gedanken. Was sollte sie von dem Kuss halten? Und warum hatte er sie geküsst? War er einfach nur angetrunken gewesen oder war es pure Absicht? Wie sollte sie ihm am Montag begegnen? Es dauerte definitiv zu lange bis sie endlich eingeschlafen war und das zeigte sich auch am nächsten Morgen. Sie war den ganzen Tag über müde und den Gedanken an den Kuss bekam sie einfach nicht aus dem Kopf.


Am Montag betrat sie das ARC mit gemischten Gefühlen. Sie liebte ihre Arbeit und sie liebte das ARC, aber heute wusste sie nicht was sie erwartete und das lag definitiv an Kenneth. Sollte sie das Gespräch mit ihm suchen oder würde er das machen? Ach Gott, warum war alles immer so kompliziert? Wobei kompliziert war da gar nichts. Sie mochte Kenneth, ja, aber sie mochte ihn als Kollegen, sie fand ihn nett und mehr nicht. Ihr Herz schlug immer noch für den anderen Sicherheitschef, auch wenn er vor seinem Urlaub mehr als unfreundlich war, auch zu ihr. Aber das war ihr egal, sie liebte ihn nun ein mal.  

Den ganzen Tag über hatte sie keine freie Minute mit Kenneth alleine, entweder galt es eine Anomalie zu verschließen oder er war mit seinen Soldaten beschäftigt. Außerdem schien heute ständig jemand etwas von ihr zu wollen und somit wuchs ihre To-Do Liste für den heutigen Tag. Und bis sie diese komplett abgehackt hatte, war es schon weit nach Feierabend. Ihre Kollegen hatte alle schon Feierabend und vielleicht war der einzige der noch das war Kenneth. Vielleicht würde sie jetzt Zeit finden mit ihm zu sprechen. Also machte sie sich auf dem Weg um ihn zu suchen. Zuerst schaute sie in seinem Büro nach, aber dieses war dunkel und leer. Auch die Waffenkammer lag dunkel vor ihr, also ging sie weiter zur Umkleidekabine, vielleicht holte er grade seine Sachen um Feierabend zu machen. Zaghaft klopfte sie an die Männer Umkleidekabine und bekam zur Antwort ein lautes Herein. Sie traf tatsächlich auf Kenneth, er trug eine Jeans und hielt sein Shirt in der Hand, welches er sich wohl gerade anziehen wollte bevor Jess angeklopft hatte.
"Jess, du bist ja noch hier.", wunderte er sich.
"Ich hatte heute viel zu erledigen, aber gut dass du noch da bist. Hast du kurz Zeit für mich?"
"Das trifft sich gut, ich wollte auch noch mit dir reden."
"Okay ähm, dann fang doch einfach an. Um was geht es?"
Kenneth ließ sein Shirt, welches er immer noch in der Hand hielt auf die Bank fallen und kam mit nacktem Oberkörper auf sie zu. "Weißt du, ich muss immer wieder an unseren Kuss letztens denken. Er geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Du gehst mir einfach nicht aus dem Kopf. Bei unserer ersten Begegnung hätte ich dir am Liebsten schon die Kleider vom Leib gerissen und dich vernascht." Während er sprach ging er immer weiter auf Jess zu und drängte sie somit an die Wand. Er war um einiges größer als sie und musste sich somit etwas zu ihr hinunterbeugen. Erneut legte er seine Lippen auf ihre doch dieses mal blockte Jess sofort ab, stemmte ihre Hände gegen seine nackte Brust und schob ihn von sich weg.
"Tut mir Leid Kenneth, aber ich bin hier um dir zu sagen, dass der Kuss ein Fehler war. Verstehe mich nicht falsch, ich finde dich nett und ich mag dich als Kollegen, aber mehr ist da nicht."
"Das sah die letzten Wochen aber anders aus, vor allem letztes Wochenende." Er nährte sich ihr abermals und begann sie zu bedrängen.
"Nein, hör mir zu. Wir haben beide etwas zu viel getrunken und wir verstehen uns gut, aber mehr will ich wirklich nicht!"
"Ich bin dir wohl nicht gut genug! Liegt es daran, dass ich nicht Captain Becker bin? Ich weiß was sich die Soldaten so erzählen. Jess die auf den Captain steht. Jess die sich an den stellvertretenden Sicherheitschef ranmacht und bestimmt nicht nein zu ihm sagen würde." Mit Leichtigkeit schob er ihre Hände beiseite und presste sich an ihren zierlichen Körper. Er begann ihren Hals zu küssen und seine Hände über ihren Körper gleiten zu lassen. Jess war geschockt. "Nein, ich will das nicht!" versuchte sie ihn zurückzuweisen. Mit aller Kraft versuchte sie ihn von sich weg zu schieben. "Bitte Kenneth, lass mich in Ruhe, ich will das nicht!" Ehe Kenneth seine Lippen erneut auf ihre legen konnte gelang es Jess ihn im Gesicht zu erwischen. Ohne viel nachzudenken hatte sie ihre Hand erhoben und wollte ihm mit der flachen Hand in sein Gesicht schlagen, doch sie rutschte ab und nur ihre Fingernägel streiften seine Haut. Dies reichte allerdings aus um ihn kurzzeitig aufzuhalten. Jess schlüpfte unter ihm weg und stand nun mittig im Raum. Doch bevor sie diesen verlassen konnte hatte Kenneth sich bereits zu ihr umgewandt und sah wütend auf sie hinunter. "Schlampe.", zischte er und ging wieder auf sie zu. Dieses mal packte er ihre Hände und schob sie auf die Bank, die gegenüber der Spinde stand. Er zwang sie in eine liegende Position und begann wieder damit ihren Körper zu berühren. Seine Hände fuhren an ihren Seiten auf und ab, strichen über ihre Brüste und schoben schließlich ihr Kleid an ihren Beinen nach oben bis sie halb entblößt vor ihm lag. Während er das tat schrie Jess ihn immer wieder an, dass er aufhören solle und das sie das nicht will. Doch es kümmerte ihn kaum. Auch die aufsteigenden Tränen hinderten ihn nicht an seinem Tun.

Er hatte jetzt nun schon zwei Wochen Urlaub, den er letzten Endes auch genutzt hatte. Er war für ein paar Tage weggefahren, hatte sich seine Ausrüstung geschnappt und war für ein paar Tage in der Wildnis verschwunden. Nur er, der Sternenhimmel und die Natur. Hier konnte er für einen Augenblick die neue Situation im ARC vergessen um sich schließlich effiziente Gedanken darüber zu machen. Doch irgendwann hatte es ihm gereicht und er war zurück nach London gefahren. Er hatte beschlossen am nächsten Tag wieder arbeiten zu gehe. Es war ihm egal, dass ihm eigentlich noch eine Woche zustand und es war ihm egal wie Lester reagieren würde. Er konnte und er wollte dem ARC nicht mehr fernbleiben, Nicht nur wegen seiner Arbeit sondern auch wegen seinen Kollegen, vor allem wegen einer bestimmten Kollegin. Ihm hatte es tatsächlich mehr zu schaffen gemacht sie ständig mit Hold zusammen zu sehen als anfangs angenommen. Doch auch darüber konnte er sich in der Wildnis einige Gedanken drüber machen und er nahm sich vor sie wieder mehr zu beachten. Schließlich konnte sie nichts dafür das Hold jetzt nun einmal da war. Er hatte es sich fest vorgenommen an diesem Abend noch zum ARC zu fahren um sich die Lage anzusehen, er hatte keine Lust auf irgendwelche Überraschungen am Morgen. Also setzte er sich in seinen Wagen und fuhr in Richtung ARC.
Nach einer Viertelstunde hatte er seinen Wagen in der Tiefgarage abgestellt und fuhr mit dem Aufzug nach oben. Die Gänge vor ihm waren nur durch ein spärliches Licht beleuchtet doch es genügte vollkommen aus um zu sehen ob alles beim Alten war. Sein erster Weg führte ihn in sein Büro. Einige Akten lagen auf seinem Tisch, er blätterte sie kurz durch und legte sie schließlich zurück. Nun endlich im Hauptraum angekommen bemerkte er auch dort nichts ungewöhnliches, alles war wie immer. Wobei, nachdem er sich noch mal umgesehen hatte, bemerkte er, dass der ADD nicht im Stand By Modus war. An dem roten Stuhl hing außerdem Jess Tasche. War sie etwa noch da? Er hatte ihr Auto gar nicht gesehen. Sein nächstes Ziel war die Waffenkammer und auf diesem Wege kam er auch an der Teamküche vorbei, vielleicht genehmigte sie sich noch einen Kaffee bevor sie fuhr. Er schlenderte weiter und kam schließlich an der dunklen Küche vorbei. Hier war Jess nicht. Irgendwo würde sie sich schon aufhalten. Nachdem er auch die Waffenkammer inspiziert hatte wollte er noch mal kurz einen Blick in seinen Spind werfen. Je näher er dem Raum kam, desto deutlicher konnte er aufgeregtes Schreien und Weinen hören. Sofort schlugen alle Alarmglocken in ihm an, denn er erkannte sofort zu wem die Stimme gehörte, Jess. Sein langsamer Gang wurde schneller und er verfiel von einem Trab ins Rennen. Er konnte nun deutlich hören was Jess schrie. Sie schrie immer wieder nein, immer wieder sie will das nicht und immer wieder einen Namen. Kenneth. Ohne weiter zu überlegen trat Becker die Tür auf und erfasste in Sekundenbruchteilen die Situation. Jess lag auf der Bank, über sie gebeugt stand Kenneth mit nacktem Oberkörper, seine Hände überall auf ihrer Haut. Er hatte ihr Kleid bereits über ihr Taille nach oben geschoben, die Träger waren über ihre Schultern geschoben. Sie lag halb entblößt unter ihm und immer wieder schrie sie ihn an, sie weinte und zitterte vor Angst. Mit einem gezielten Griff packte Becker ihn an der Schulter und zerrte ihn von der jungen Frau weg. Erschrocken sah er ihn an, anscheinend hat er ihn vorher nicht wahrgenommen. Doch Kenneth fasste sich schnell wieder und wollte sich von Becker losreißen und auf ihn losgehen. Doch Becker war schneller, seine Faust traf ihn mit voller Kraft im Gesicht und Kenneth taumelte rückwärts. Doch so schnell gab er sich nicht geschlagen, er rappelte sich auf und ging auf Becker los, er holte aus und wollte ihm ebenfalls eine verpassen. Becker war schneller und konnte gerade noch so ausweichen. Das machte Hold nun vollends wütend und er preschte gedankenlos auf den Captain zu. Er ließ seine Fäuste fliegen, verpasste Becker doch noch einen Kinnhaken von dem er sich jedoch schnell erholte. Dieses mal bekam Becker ihn wieder zu fassen und drückte ihn zu Boden, seine Faust landete in seinem Gesicht, ein mal, zwei mal, drei mal. Bevor er das vierte mal zuschlagen konnte hörte er Jess seinen Namen wimmern. Sofort war er an ihrer Seite und hielt sie fest in seinen Armen als sie sich in diese geflüchtet hatte. "Becker.", weinte sie. Er hielt ihren zitternden und bebenden Körper fest in seinen Armen. Kenneth lag derweil benommen hinter ihnen und stöhnte immer wieder vor Schmerzen. Becker wusste ganz genau was er jetzt zu tun hatte. Er nahm Jessica auf seine Arme, verließ den Raum und schloss ihn hinter sich. Dort konnte Hold erst einmal nicht weg. Mit Jess auf seinem Arm ging er in sein Büro, er schaltete das Licht ein und legte sie behutsam auf seinem Ledersofa ab, welches gegenüber seines Schreibtisches an der Wand stand. Vorsichtig richtete er ihr Kleid und hielt sie eine Weile einfach nur fest. "Jess, ich muss die Polizei anrufen." Leicht nickte Jess in seinen Armen und Becker ließ sie für einen Augenblick alleine. Er nahm sein Smartphone aus der Jeanshose, verließ kurz den Raum um zu telefonieren, Jess sollte das Gespräch nicht so deutlich mitbekommen und kehrte dann wieder zu ihr zurück. Er setzte sich zu ihr auf das Sofa und zog sie erneut in seine Arme. Die ganze Zeit über sprach Jess kein einziges Wort, das einzige Geräusch welches ihre Lippen verließ war ein unregelmäßiges Schluchzen. Neben der Polizei hatte er auch Lester informiert. Dieser war zwar nicht sonderlich begeistert, dass man ihn so spät noch störte doch als er hörte was passiert war hatte er versichert, dass er sich sofort auf den Weg machte. Und nach ein paar Minuten stand er schließlich mit der Polizei in Beckers Bürotür. Becker schilderte den Beamten und seinem Chef die Lage und das was er mitbekommen hatte, ehe die beiden männlichen Polizisten gefolgt von Lester zur Umkleide gingen um Kenneth Hold vorerst fest zu nehmen. Die dritte Polizistin wandte sich währenddessen zu Jess und befragte sie nach dem Vorfall. Becker hatte beschlossen während der Befragung bei Jess zu bleiben, sie brauchte ihn jetzt mehr und er konnte nicht versprechen was er tat, wenn er Kenneth noch mal gegenüber stand. Mit leiser Stimme schilderte Jess den Vorfall in der Umkleidekabine und erzählte was Kenneth getan hatte. Dabei hielt sie seine Hand fest in ihrer  und drückte immer wieder zu, wenn ein Schluchzen nicht unterdrücken konnte.
"Da wir einen Augenzeugen haben der bestätigen kann, dass Mr. Hold trotz einer mehrfachen Verneinung Miss Parker sexuell belästigt hat, ist es nicht nötig sie wegen einer Untersuchung in ein Krankenhaus zu bringen. Ratsam wäre es allerdings sie diese Nacht nicht alleine zu lassen.", informierte die Polizistin und verschwand mit ihren Kollegen und Kenneth Hold als sie Beckers Aussage aufgeschrieben hatte.
"Kümmern sie sich um Miss Parker?", fragend wandte sich Lester an den Sicherheitschef nachdem er Jess einige Zeit sorgenvoll gemustert hatte. "Ja das werde ich. Ich werde sie erst einmal mit zu mir nehmen.", entschied Becker und wollte sein Büro wieder betreten. "Was haben sie hier eigentlich gewollt?" hielt Lester ihn von seinem Vorhaben ab. "Ich habe mich entschieden morgen wieder meine Arbeit aufzunehmen und wollte nur nach dem Rechten sehen."
"Sie haben morgen noch frei, einer muss sich um Jess kümmern. Ach und gut das sie da waren. Fahren sie jetzt ich kümmere mich noch um alles." Dankend nickte Becker seinem Vorgesetzten zu und ging zu Jess hinüber. "Komm wir fahren nach Hause."
Jess nickte abwesend, nahm die Hand, welche Becker ihr hin hielt, und stand auf. Becker führte sie aus dem ARC und schließlich in seine Wohnung.
"Möchtest du vielleicht duschen?"
Stumm nickte Jess. Er legte ihr alles bereit, ein paar Handtücher und eine Jogginghose sowie ein T-Shirt von ihm. Das würde ihr zwar alles zu groß sein, aber etwas anderes hatte er nicht.
Nachdem sich Jess im Badezimmer zurück gezogen hatte rief er Matt an und schilderte ihm die Situation, schließlich sollte der Teamleiter bescheid wissen warum zwei Mitglieder dieses Teams am nächsten Tag nicht da waren. Bestürzt über diese Nachricht versicherte Matt sich am nächsten Tag um alles wichtige zu kümmern und das restliche Team zu informieren. Nachdem Jess nun über eine dreiviertel Stunde im Badezimmer war entschied sich Becker dazu an die Tür zu klopfen. "Ist bei dir alles in Ordnung?", fragte er durch die geschlossene Tür. Doch er bekam keine Antwort weshalb er noch einmal klopfte und nach Jess rief. "Jess bitte sag etwas.", bat er und nach dem er noch einmal geklopft hatte öffnete sich die Tür. Jess stand mit einer zu großen Jogginghose und einem viel zu großen T-Shirt vor ihm, ihre Haare hingen ihr feucht über die Schultern und ihre Augen waren rot vom Weinen. Becker sah sie sorgenvoll an und nahm sie bei der Hand. "Komm du kannst in meinem Bett schlafen, ich nehme die Couch im Wohnzimmer."
Abermals nickte Jess nur und ließ sich in das Schlafzimmer führen. Dort legte sie sich in das Bett von Becker und vergrub sich unter der Bettdecke. "Wenn irgendetwas ist Jess, ich bin im Wohnzimmer." Becker ließ die Schlafzimmertür offen und ging zurück in das Wohnzimmer. Dort zog er seine Hose und sein Shirt aus und legte sich mit einer Wolldecke auf die Couch. Doch bis er den Schlaf gefunden hatte dauerte es. Vor seinem inneren Auge sah er immer wieder wie Hold sich über Jess beugte und sie überall berührte. Als er dann endlich seinen Schlaf fand war dieser nur von kurzer Dauer, denn Jess´ Schreie ließen ihn wieder hochfahren. In einer Bewegung erhob er sich von der Couch und lief in sein Schlafzimmer. Jess lag in seinem Bett, die Decke hatte sie von sich gestrampelt und immer noch wälzte sie sich unruhig und weinend in den Lacken. "Jess, wach auf, es ist nur ein Traum. Alles ist gut. Jessica!" Becker hatte sich zu ihr gebeugt und hielt sie an den Schultern fest. Mit einem Keuchen erwachte Jess aus ihrem Traum und sah ihn mit tränennassen Augen an. "Alles ist gut Jess, ich bin hier. Dir wird nichts mehr passieren.", beruhigte er sie und nahm sie erneut in seine Arme. Als sie sich schließlich wieder beruhigt hatte löste Becker sich von ihr und half ihr sich wieder zurück in das Bett zu legen. Er wollte gerade wieder das Zimmer verlassen und sich zurück auf die Couch legen als ihre leise Stimme an seine Ohren drang. "Bitte bleib bei mir."
Diesen Wunsch konnte er ihr nicht abschlagen also ging er um das Bett herum und legte sich von der anderen Seite zu ihr. Sobald er lag rückte sie näher an ihn und Becker schlang automatisch seine Arme um sie und zog sie noch ein Stück näher zu sich. So schliefen schließlich beide ein.


Am nächsten Morgen war große Aufruhe im ARC. Lester hatte alle in sein Büro zitiert und teilte ihnen die Nachricht mit. Geschockt zogen Abby und Connor die Luft ein. Matt hatte Emily gestern nach seinem Telefonat mit Becker bereits informiert.
"Oh nein! Wie geht es Jess jetzt?", fragend sah Abby ihren Chef und Matt an. "Jess ist bei Becker, er hat sie, nachdem er sie vor Hold gerettet hat, mit zu sich genommen. Er wird sich erst mal um sie kümmern.", erklärte Matt und nach einer Zeit des Überlegens und beratschlagen wie es demnächst mit Jess weiter gehen sollte, gingen alle an ihre Arbeit jedoch nicht ohne dabei an Jess zu denken.


Becker war bereits seit einiger Zeit wach doch er lag immer noch regungslos im Bett. Er wollte Jess, die immer noch schlafend in seinen Armen lag nicht wecken. Er versuchte sich nicht allzu viele Gedanken zu machen und wartete darauf, dass Jess wach wurde und er einschätzen konnte wie es ihr ging. Nach einer weiteren halben Stunde spürte er zaghafte Bewegungen in seinen Armen und Jess schlug langsam ihre Augen auf. "Guten Morgen.", sprach Becker leise zu ihr und Jess richtete ihren Blick auf ihn. Lange blieb sie still doch irgendwann hauchte sie ihm ein leises "Danke.", entgegen und schmiegte sich weiter in seine Arme.
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