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GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Heimdall Loki Thor Valkyrie
01.05.2019
10.09.2019
5
9455
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Huhu ihr lieben, nachdem ich so viele kleine Fortsetzungsgeschichten zu Little Talks geschrieben habe, dachte ich, ich veröffentliche sie doch auch hier. Dieses mal sind es eher kurze, in sich abgeschlossene Geschichten.

Er erwachte von einem gewaltigen Donnergrollen. Senkrecht saß er im Bett und blinzelte in die Dunkelheit.  Tossender Wind jagte um das Gebäude und klang wie das Heulen wütender Dämonen aus Helheim während schwere Regentropfen unermüdlich gegen die Fensterscheiben prasselten.
Seufzend schälte er sich aus den warmen Decken und lief zur Tür, durchquerte das große Wohnzimmer ihrer Suite ohne das Licht anzumachen und betrat ohne anzuklopfen – es wäre bei dem lauten Donner sowieso nicht hörbar gewesen–  Thors Zimmer.

Sein Bruder saß genauso aufrecht im Bett wie er vor wenigen Momenten, schwer atmend und keuchend.
Auf seinem nackten Oberkörper zeigten sich immer wieder kleine aufgeladene Funken.
Hinter dem großen Fenster tanzten grelle Blitze und erhellten den New Yorker Nachthimmel.

„Habe ich...habe ich wieder jemanden gegrillt?“ fragte Thor nach dem das Donnergrollen wieder leiser wurde.

Loki rollte die Augen, ging aber zum Fenster. Alles was sein Bruder auf der langen Reise nach Midgard  zurückhalten musste, die natürlichen Naturgewalten, die ihn durchströmten – Donner, Blitze, alles was auf der Statesman keinen Weg aus seinem Innersten finden durfte, das alles musste raus. Es hatte in der ersten Nacht auf der Erde mit einem gigantischen Gewitter angefangen und wiederholte sich alle paar Nächte – jedoch nicht mehr so stark wie in jener ersten Nacht und außer dem Vorfall letzte Woche war auch niemand zu schaden gekommen.

„Ich sehe weder ein Feuer noch höre ich Sirenen...scheint also alles in Ordnung zu sein.“

erklärte er, auch wenn der Blick nach draußen doch unheilvoll schien. Die Bäume des nahen Central Parks wiegten sich wie Gräser unter dem gewaltigen Sturmwind und immer wieder flogen vereinzelte Zweige und ganze Äste am fernen Nachthimmel vorbei.

Thor lehnte sich zurück in seine Kissen.
                                                                                 
„Den Nornen sei Dank...“

„Thor...es war nur das Zelt eines Obdachlosen letzte Woche…“
erinnerte Loki ihn leicht genervt.

„Es war alles, was der Mann hatte!“ ereiferte sich Thor.

„Und wir haben ihn ausreichend dafür entschädigt. Er ist jetzt besser dran als vorher.“ hielt Loki dagegen. Eigentlich dachte er, sie hätten das Thema zu genügend ausdiskutiert. Immerhin konnte der Mann von Glück sagen, dass er nicht in seinem Zelt gewesen war als einer von Thors unkontrollierten Blitzen eingeschlagen hatte.                                                                                                                      

„Das andere Opfer hatte nicht so viel Glück...“

„Das andere Opfer war ein Eichhörnchen!!!“  

Thor hob seine Hände, auf all seinen Fingerspitzen tanzten immer noch kleine Funken. Er seufzte und deutete auf den leeren Platz neben sich in dem großen Doppelbett.

Loki zögerte kurz, machte es sich dann aber doch am äußersten Rand des Bettes, in sicherem Abstand zu seinem Bruder, bequem. Er zog die unbenutzte Decke über sich, legte sich auf den Rücken und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf.

„Nicht das du jetzt mich erwischst...“

Thor lachte freudlos.

„Bestimmt nicht...es...es ist bald wieder vorbei...“
                                     
Die Blitze vor dem Fenster waren etwas weniger geworden, das stimmte, aber Loki wollte das Risiko trotzdem nicht eingehen.

„Vielleicht solltest du doch zu den anderen zurückkehren...“ schlug Loki wie so oft in den letzten Tagen vor.

Und wie jedes mal schüttelte Thor einfach nur verneinend den Kopf.

Die Situation war zermürbend, für sie beide. Seit über einer Woche waren sie hier in dem New Yorker Hotel untergebracht, welches sich in unmittelbarer Nähe zu dem Hauptsitz der Vereinten Nationen befand. Nach ihrer Ankunft auf der Erde hatte sich ihrer beider Befürchtung – das Loki alles anderes als willkommen war – bewahrheitet. Alles war viel schneller gegangen als gedacht, kaum waren sie gelandet, standen sie innerhalb der nächsten halben Stunde schon Stephen Strange und Nick Furry gegenüber. Eigentlich hätte Thor es nach seiner Zeit auf Midgard besser wissen müssen: der einfache Handel, den er im Sinn gehabt hatte – der Tesseract gegen Lokis Freiheit und Recht zu bleiben, passte nicht zu der komplizierten Art der Menschen und ihrer Staatsformen. Es gab keinen König, keinen Präsidenten der für ganz Midgard sprach und so war die Angelegenheit schließlich an die Vereinten Nationen übergeben worden.

Tag für Tag wurde Loki vernommen. Am ersten Tag hatten sie ihn an ein kleines Gerät angeschlossen, welches erkennen sollte, ob er die Wahrheit sagte oder nicht.
Sie beide hatten versucht dem Gremium klar zu machen, wie sinnlos dieses Unterfangen war, doch ihre Einwände blieben unerhört. Loki wurde verkabelt und begann dann ohne mit der Wimper zu zucken sich als Thor, König von Asgard und Gott des Donners vorzustellen. Das Gerät blieb stumm.   Nach einer mehrstündigen Diskussion hatte man den nutzlosen Apparat wieder entfernt. Stephen Strange hatte sich daraufhin als „menschlicher Lügendetektor“ zur Verfügung gestellt und mit einem Bannspruch dafür gesorgt, das er zwischen Wahrheit und Lüge bei Lokis Worten unterscheiden konnte.

„Du musst nicht bleiben...ich...die anderen brauchen dich und ich....“ begann Loki erneut. „Du musst nicht wie ein Schatten an mir kleben. Und wenn ich nur einen falschen Schritt tue, wird dich sicherlich gleich Strange informieren.“

Ein dumpfes Donnergrollen war die einzige Antwort die er bekam.

Loki hatte noch einen winzigen Funken Hoffnung, an Thors Pflichtgefühl als König appellieren zu können. Immer wieder versuchte er Thor zu überreden, doch nun war es eigentlich schon zu spät.
                                         
Morgen.
                     
Morgen würde er vor ganz Midgard sagen müssen, was er so verzweifelt versucht hatte, hinter sich zu lassen. Und vor seinem Bruder.

Er rollte sich auf die Seite, so das er Thor den Rücken zu wand und starrte in die Dunkelheit, die immer wieder von hellen Blitzen erleuchtet wurde. Der Regen prasselte wieder stärker an die Fenster, fand sich ein in der Melodie des Sturms.
Er wollte nicht darüber sprechen. Mit niemanden. Schon gar nicht seine Qualen einer ganzen Welt mitteilen. Aber es musste sein.

Jeder seinen Gedanken nachhängend lauschten sie dem Gewitter und fanden erst in den frühen Morgenstunden zurück in den Schlaf.



„Bevor wir anfangen, möchte ich den Rat bitten, meine heutige Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen zu dürfen.“

Loki bemühte sich um einen neutralen Tonfall, doch an den Augen der UN-Mitglieder des Rates konnte er sehen, wie irritiert sie waren. Stimmgemurmel erhob sich über den ganzen Saal und wie
wie erwartet musterte ihn auch Stephen Strange mit einem nachdenklichen und leicht überraschten Blick.
                                                                         
„Loki, was soll das?!?“ zischte Thor der eine Reihe hinter ihm in dem riesigen Gerichtssaal saß.

Loki presste die Lippen zusammen und drehte sich nicht um. Er hatte seine Entscheidung gefällt und würde jetzt keinen Rückzieher machen.

Nach einer fast einstündigen Beratung wurde Lokis Bitte stattgegeben und alle Anwesenden, die nicht dem Rat angehörten, aufgefordert zu gehen. Natürlich gab es ein riesen Getöse. Vor allem die Pressevertreter waren empört und schließlich mussten ein dutzend Sicherheitsleute den Saal räumen.                                                                
Dann, als die wütenden Rufe und das Poltern leiser wurden, verschluckt von der großen Holztür die den Saal von dem Rest der Welt abschottete und nur noch die letzten hartnäckigen Reporter hinaus begleitet wurden, drehte Loki sich um.
Thor durchbohrte ihn mit einem wütenden Blick und hatte die Arme verschränkt.

„Du auch, Thor.“ forderte Loki ihn mit unbeweglicher Miene auf bevor sein Bruder etwas sagen konnte. „Bitte geh.“

„Das kann nicht dein Ernst sein?!?“ Nicht Wut, sondern Verwirrung und Fassungslosigkeit spiegelten sich nun in Thors Auge.

„Doch.“ erklärte Loki und wollte sich wieder umdrehen, doch Thor griff nach seiner Schulter und hielt ihn zurück.

„Loki, was auch immer du zu sagen hast-“

Loki riess sich von ihm los.

„GEH BITTE EINFACH.“                                                                                        
                                     
Ruckartig drehte er sich wieder um, ballte die Hände zu Fäusten und lauschte.
Thor machte keine Anstalten zu gehen.

Schließlich mischte sich Strange ein.

„Sie haben den Rat doch gehört. Sie müssen den Saal verlassen, genau wie alle anderen.“ wandte er sich an Thor. „Außerdem traue ich es Ihrem Bruder zu, einfach überhaupt keine Aussage zu machen, so lange sie gegen seinen Willen hier sind und dann wird sich alles noch länger hinziehen.“

Thor zögerte einen Moment, dann verließ er ohne ein weiteres Wort den Saal.

„Danke.“ murmelte Loki kaum hörbar.

Stephen Strange war sich nicht sicher, ob er bereit war für das Grauen was Loki gleich dem Rat offenbaren würde.
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