Die geheimnisvolle Helferin

GeschichteMystery, Thriller / P16
30.04.2019
30.04.2019
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30.04.2019 2.084
 
Nachdem die letzte Staffel von „Akte X“ die letzte sein soll, die jemals produziert wird, gönne ich den Agenten Kyd Miller und Liz Einstein einmal eine X-Akte.

Agent Kyd Miller saß in dem Wagen und observierte die Straße. Nichts und wieder nichts. Ganz allmählich fragte er sich, ob er nicht völlig vergebens hier saß. Die Wagentür auf der anderen Seite ging auf, und Agent Liz Einstein stieg ein. Sie reichte ihm einen Becher mit Kaffee und einen Donut.
„Ich danke Ihnen.“ sagte der Agent, als er den Kaffee und den Donut nahm.
So eine Observation konnte eben echt langweilig sein. Als er ein Teenager gewesen war, hatte er sich immer ausgemalt, dass das Leben als FBI-Agent so ähnlich wäre wie in den James-Bond-Filmen. Jede Menge Spaß, Action, Schießereien und hübsche Frauen. Doch die Realität hatte ihn schnell eingeholt, und so war auch dieser Fall so wie die meisten anderen. Aber immerhin, wenn nichts geschah, gab es auch deutlich weniger Papierkram zu erledigen.
Doch es gab eine ganz andere Art von Fällen, die er deutlich lieber lösen würde. Die Art von Fällen, die etwas ungewöhnlicher waren, und die manchmal eine unkonventionelle Vorgehensweise erforderten.
„Drehen sich Ihre Gedanken wieder darum, die X-Akten neu eröffnen zu lassen?“ fragte Einstein leicht amüsiert.
„Sie haben es erraten.“ erwiderte Miller nur.
Agent Einstein sah auf die Straße. Es war eine Reihenbausiedlung in einem amerikanischen Vorort. Die Häuser sahen ordentlich und teuer aus. Hier wohnten in der Majorität gute betuchte Personen. Und genau solche waren in den letzten Wochen immer wieder Opfer einer Bande grausamer Räuber und Mörder geworden.
„Ich kann mir auch etwas schöneres vorstellen, als eine leere Straße zu observieren, auf welcher einige Kinder spielen, oder die Leute ihre Autos waschen. Doch wir haben den Auftrag, die Menschen hier zu beschützen und die Verbrecher dingfest zu machen.“ erklärte die Agentin resolut, „Sie können auch in Ihrer Freizeit fliegenden Untertassen nachjagen.“
„Sie haben Recht.“ gab Miller klein bei.
Als Teenager würde er wohl aufführen, wie wichtig die X-Akten doch seien, doch mit der Zeit war er eben erwachsen geworden, und hatte gelernt, dass die meisten Erwachsenen auf ihren Standpunkten beharrten, und es sinnlos wäre, deswegen einen Streit vom Zaun zu brechen. Und so ganz Unrecht hatte seine Partnerin ja auch wieder nicht. So interessant die X-Akten auch sein mochten, diese Menschen hier standen einer ganz realen Gefahr gegenüber, nämlich überfallen, ausgeraubt und ermordet zu werden.
Die Profiler im FBI konnten kein genaues Muster erkennen. Die Täter schlugen aufs Geratewohl zu. Sie brachen in ein reiches Haus ein, stahlen was sie tragen konnten, und töteten jeden der ihnen im Haus über den Weg lief, absolut mitleidlos. In vielen Fällen waren die Menschen die sie angetroffen hatten, von ihnen erst überwältigt und dann anschließend ermordet worden.
Es mussten Profis sein, denn sie hatten keine Spuren hinterlassen, welche zu ihrer Ergreifung führen konnten. Die Agenten Miller und Einstein waren nur zwei von vielen Agenten, welche verschiedene Gegenden observierten, doch noch hatte niemand einen Erfolg vermelden können.
Gelangweilt drehte sich der Agent zur Seite… und hätte beinahe seinen heißen Kaffee fallengelassen. Neben dem Wagen stand ein junges Mädchen. Er schätzte sie auf fünfzehn oder sechzehn Jahre. Sie trug ein hellbuntes Hemd und dazu eine helle Jeans. Sie sah recht nett aus, und ein gleichaltriger Teenager hätte sie vielleicht sogar hübsch gefunden, doch sie hatte auch etwas an sich, eine Art Ausstrahlung, welche Agent Miller ein wenig frösteln ließ. Doch dann fasste er sich wieder. Das Mädchen war bloß eine neugierige Teenagerin, was sollte an ihr denn unheimlich sein?
Doch sie stand einfach bloß da. Sie sagte nichts, sie tat nichts, sie stand bloß vor dem Autofenster, und sah ihn auffordernd an. Miller drückte auf einen Knopf, und das Autofenster fuhr herunter.
„Können wir dir helfen, junges Mädchen?“ fragte er.
Er hörte, wie Agent Einstein auf dem Sitz neben ihm ein genervtes Geräusch von sich gab. Natürlich war ihr Fall wichtig, aber wenn sich ohnehin nichts ergab, konnte er auch einem jungen Mädchen helfen. Vielleicht hatte sie sich verirrt, und wollte ihn nach dem Weg fragen. In diesem Fall konnte er ihr nicht helfen, kannte er diese Gegend ebenfalls nicht. Aber vielleicht brauchte sie auch etwas anderes von ihm, und er konnte ihr helfen.
„Mein bester Freund ist in Gefahr.“ sagte sie, „Er ist in seinem Haus gefangen, und drei böse Leute sind dort. Sie wollen ihm bestimmt etwas antun.“
„Das ist ein Fall für die örtliche Polizei.“ meinte Agent Einstein.
„Wir sind aber vor Ort, und vielleicht sind es die, die wir suchen.“ hielt Agent Miller entgegen.
„Das wäre aber ein großer Zufall.“ meinte Einstein bloß, stieg jedoch zusammen mit ihrem Partner aus.
Die beiden Agenten folgten dem Mädchen, welches auf ein Haus zeigte. Tatsächlich war die Hintertür aufgebrochen worden. Die beiden Agenten zogen ihre Waffen, nickten sich zu und näherten sich langsam dem Haus.
„Wir teilen uns auf. Sie gehen durch den Hintereingang, und ich gehe vorne durch die Tür, um ihnen den Fluchtweg abzuschneiden.“ beschloss Agent Miller, „Und du, Mädchen, wartest hier.“
Das Mädchen sagte nichts, sie nickte bloß.
Agent Einstein öffnete die Tür leise. Sie hörte die Stimmen von Personen, und näherte sich ihnen vorsichtig. Der Gang durch den sie sich bewegte, war eher dunkel, dennoch wollte die Agentin keine unnötigen Geräusche machen, um nicht die Aufmerksamkeit von möglichen Bewaffneten zu erregen.
Die Tür die sie erreichte, war lediglich angelehnt. Sie warf einen Blick durch den Spalt. Ein Mann mittleren Alters saß gefesselt auf einem Stuhl, während zwei maskierte Personen um ihn herumstanden. Offenbar waren es ein Mann und eine Frau.
Die gegenüberliegende Tür sprang mit einem lauten Knall auf, und Agent Miller sprang mit gezogener Waffe in den Raum.
„Waffe fallenlassen!“ rief er laut.
Agent Einstein tat einen Moment später dasselbe.
Die beiden Bewaffneten richteten ihre Waffen abwechselnd auf die beiden FBI-Agenten.
„FBI! Waffe fallenlassen!“ rief Agent Einstein noch einmal.
Einen Moment später erkannte sie ihren Fehler. Es waren drei Bewaffnete im Raum. Eine weitere Frau kam soeben aus einer weiteren Tür, als sie die Situation sah und sofort erfasste. Sie schoss auf Agent Miller, verfehlte ihn jedoch. Der Agent warf sich zu Boden und schoss einige Male zurück. Die beiden anderen Räuber schossen auf Agent Einstein.
Die Agentin warf sich zurück und schlug die Tür hinter sich zu. Sie drückte sich eng an die Wand. Einen Moment später wurde die Tür aufgetreten. Die Agentin schoss sofort. Eine der Frauen wurde von mehreren Kugeln in der Brust getroffen, und sackte zu Boden. Der Mann wich zurück, gab jedoch auch einige Schüsse ab.
Mit einem Sprung kehrte Agent Einstein in den Raum zurück. Der Mann der gefesselt auf dem Stuhl gesessen hatte, schien bewusstlos zu sein. Die Agentin wollte die Schießerei in diesem Raum beenden oder in einen anderen Raum verlagern, um ihn nicht zu gefährden. Agent Miller hatte einen Tisch umgeworfen und hinter diesem Deckung gesucht. Er kam immer wieder kurz aus der Deckung um einige Schüsse abzugeben, und verbarg sich dann wieder. Die Tischplatte hatte schon unzählige Einschusslöcher.
Die beiden Gangster hatten jeweils hinter einem Sessel Deckung gefunden, und schossen ebenfalls immer wieder aus ihrer Deckung heraus. Agent Einstein gab einige Schüsse auf sie ab, sodass sie sich in Deckung begeben mussten, und lief zu ihrem Partner.
„Wir brauchen Verstärkung.“ sagte Miller, „Die sehen nicht so aus, als würden sie schnell aufgeben. Und jemand muss den Jungen retten, der sich hier im Haus befindet.“
„Welcher Junge?“ fragte Einstein verwirrt.
„Das Mädchen draußen hat doch davon gesprochen, dass ihr Freund in Gefahr ist.“ erklärte der Agent, „Auf dem Stuhl sitzt aber ein Mann der eher fünfzig bis sechzig Jahre alt sein dürfte. Wenn ihr Freund in Gefahr ist, wie sie sagte, müsste sich aber noch ein weiterer Teenager in diesem Haus aufhalten.“
Inzwischen waren die beiden Räuber zu einer weiteren Taktik übergegangen. Der Mann näherte sich den beiden Agenten, während die Frau im Rückendeckung gab. Er würde sie jeden Moment erreicht haben… doch plötzlich stand das Mädchen von draußen im Türrahmen.
Noch bevor einer der Agenten sie warnen konnte, entdeckte die Gangsterin das Mädchen und schoss auf sie. Doch sie traf sie nicht. Aus dieser Entfernung verfehlten die Kugeln das Mädchen offenbar, denn sie wurde nicht getroffen.
Agent Einstein nahm die Chance wahr, und schoss dem bewaffneten Mann in die Beine. Dieser schrie auf und fiel mit einem schmerzerfüllten Geräusch zu Boden. Die Agentin warf sich sofort auf den Mann, überwältigte ihn, und legte ihm Handschellen an.
Inzwischen hatte die letzte Gangsterin sich zur Flucht entschlossen. Sie rannte auf die Tür zu, doch Agent Miller folgte ihr. Inzwischen war er davon überzeugt, dass diese Räuber genau die waren die sie suchten, oder doch zumindest waren sie genauso schlimme Verbrecher. Und wenn sie entkam, würde sie auch weiterhin solche Verbrechen verüben.
Als die Gangsterin nach draußen gelangte, stand wieder dieses Mädchen vor ihr. Erneut schoss sie, doch auch diesmal konnte sie sie nicht treffen. Miller wunderte sich, wie dieses Mädchen so schnell und vor allem ungesehen nach draußen gelangen konnte, und warum die Gangsterin sie auf eine so kurze Distanz verfehlte.
„Waffe fallenlassen!“ rief er noch einmal.
Die Bewaffnete drehte sich zu ihm um und richtete ihre Pistole auf den Agenten. Doch Miller war schneller. Er erschoss sie, bevor sie ihn treffen konnte, und die Gangsterin fiel zu Boden.

Die Polizei war schnell vor Ort gewesen, um den verletzten Verbrecher festzunehmen, und die beiden getöteten Räuberinnen abzutransportieren. Der Mann war glücklicherweise nicht nennenswert verletzt worden, und die Agenten auch nicht. Seine Aussage würde die Polizei später aufnehmen, und weitere Untersuchungen würden ergeben, ob diese drei Verbrecher auch die waren, die sie gesucht haben.
Agent Einstein kam gerade die Treppe herunter.
„Hier im Haus hält sich kein Teenager auf.“ sagte sie.
„Das ist aber merkwürdig. Dieses Mädchen hat doch gesagt, dass ihr Freund hier sei, und in Gefahr wäre.“ meinte Agent Miller, „Obwohl, das ist nicht das einzige merkwürdige an diesem Mädchen.“
„Sie klingen schon beinahe wie Mulder.“ meinte Agent Einstein, „Sie versuchen dort eine X-Akte zu sehen, wo keine ist. Die Verbrecherin hat das Mädchen eben einfach nicht getroffen. Vielleicht war sie keine gute Schützin. Und danach hatte das Mädchen Angst, und ist einfach weggerannt.“
„Und Sie klingen schon beinahe wie Scully.“ hielt Agent Miller entgegen, „Sie leugnen jeden Beweis dafür, dass dieses Mädchen kein gewöhnliches Mädchen war.“
Der Mann der in dem Haus wohnte, trat auf die beiden Agenten zu und sagte: „Für mich war das ein furchtbarer Tag. Wenn Sie keine weiteren Fragen an mich haben, möchte ich jetzt gerne zu einem meiner Freunde fahren.“
„Selbstverständlich. Unsere Arbeit hier ist beendet.“ sagte Miller.
„Sie sollten sich bei der Freundin ihres Sohnes bedanken, dass sie uns auf die Verbrecher aufmerksam gemacht hat.“ fügte Einstein hinzu.
„Ich habe keinen Sohn. Ich bin kinderlos.“ meinte der Mann.
„Wohnt ihr Neffe bei Ihnen. Oder ein anderer, männlicher Verwandter?“ fragte die Agentin.
„Nein, ich wohne hier völlig alleine, seit meine Eltern im Altenheim sind.“ antwortete der Mann.
Die Agentin sah ihn verwundert an, doch sie sagte nichts, und ging stattdessen gemächlich weiter durch den Raum. Ihr Blick fiel plötzlich auf ein Bild, welches auf dem Kamin stand. Es zeigte zwei Teenager, einen Jungen und ein Mädchen. Die Agentin nahm das Bild, und ging wieder zu dem Mann.
„Wer sind die beiden Teenager auf diesem Foto?“ fragte sie.
„Ach das, das Foto ist schon recht alt.“ erwiderte der Mann, „Der Junge bin ich, und das Mädchen dort war meine beste Freundin, meine allerbeste. Wir haben sogar eine Blutsbrüderschaft geschlossen, oder Blutsschwesterschaft, sie war ja ein Mädchen. Das war in meiner Generation bei den Teenagern beliebt. An dem Tag, an dem dieses Foto aufgenommen wurde, haben wir uns geschworen, immer füreinander da zu sein, wenn einer von uns Hilfe braucht. Es ist traurig, dass sie kurz danach bei diesem furchtbaren Autounfall ums Leben gekommen ist.“
Agent Einstein sah plötzlich entsetzt aus. Sie blickte immer wieder auf das Foto und auf den Mann.
„Nein. Nein, das ist nicht möglich. Es muss eine rationale Erklärung für das alles geben.“ sagte sie.
„Wovon reden Sie?“ fragte Agent Miller, „Sie sehen ja so aus, als hätten Sie einen Geist gesehen.“
Sie zeigte ihm das Foto. Darauf zu sehen waren ein Mädchen und ein Junge. Man sah, dass das Foto schon ein wenig älter war. Und der Mann hatte gesagt, dass er der Junge auf diesem Bild war. Und neben ihm stand ein Mädchen.
Und es war das gleiche Mädchen, welches die beiden Agenten zur Hilfe des Mannes gerufen hatte.

ENDE
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