Die Statue

von Sam Ronin
KurzgeschichteMystery, Horror / P16
30.04.2019
30.04.2019
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Es gibt eine Statue in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin.

Sie steht seit über einem Jahrhundert in der Mitte des Marktplatzes und zeigt einen Vampir mit einem Pflock im Herzen. Ein Bronzeschild zu seinen Füßen listet die Errungenschaften meiner Familie auf um daran zu erinnern, was sie für diese Stadt getan hat.

Ich komme aus einer langen Ahnenreihe von Vampirjägern. Eine Familientradition, die begann, als mein Vorfahre auf dem Rückweg von den Kreuzzügen einen Umweg über die Karpaten machen musste und dort zum ersten Mal einen echten Vampir traf.
Das Wissen über Vampire wurde über Generationen von meiner Familie an ihre Kinder weitergegeben.

Sie denken, es ist schwierig, einen Vampir zu töten? Ich kann Ihnen versichern, dass es fast unmöglich ist.

Silber, Knoblauch, Kreuze? Völlig unwirksam.
Pflock im Herzen? Das bringt keinen Vampir um. Es lähmt ihn einfach. Es hält ihn in seinem bewegungslosen Körper fest. Aber sobald der Pflock entfernt ist, lebt der Vampir wieder und ist mächtig sauer. Eine Erfahrung, die viele Vampirjäger mit ihrem Leben bezahlt haben. Wenn Sie wirklich einen Vampir töten wollen, dann enthaupten Sie ihn und verbrennen ihn zu Asche.
Mein Vater hat mir das beigebracht. Wie alles, was ich über Vampire weiß.

Ich erinnere mich genau, wie wir zum letzten Mal gemeinsam jagten. Es war kurz vor meiner Hochzeit. Wir hatten ein Vampirnest aufgespürt. Wir schlichen uns in die Katakomben, enthaupteten jeden Vampir, den wir finden konnten, und brannten den ganzen Ort nieder. Ein fast vollständiger Vampirstamm wurde an einem Tag ausgelöscht. Wir hatten gehofft, die Matriarchin dieses Nestes zu finden, um diesen Stammbaum endgültig bis zu den Wurzeln auszurotten. Aber sie war nicht im Nest. Keine Spur von ihr.

Wenig später haben wir meine Hochzeit gefeiert. Nur die Familie. Im engsten Kreis. Wir hoben unsere Gläser und mein Vater sprach einen Toast, dass unsere Familie nicht eher ruhen würde, bis wir auch den letzten der Bluttrinkenden Dämonen, in die Hölle zurückgeschickt hätten, aus der sie empor gekrochen waren.
Ich trank aus meinem Glas und sah das bezaubernde Lächeln meiner Frau.
Dann wurde alles schwarz.

Meine Familie wurde von der Matriarchin abgeschlachtet, die wir nicht erwischt hatten. Während wir alle von der Droge im Wein ausgeschaltet wurden, hatte sie die Kehle meiner Eltern, Geschwister, Onkel und Tanten durchgeschnitten. Aber für mich hatte sie andere Pläne.

Sie hatte mir etwas von ihrem eigenen Blut gegeben, was mich zu ihrem eigenen machte. Ich bemerkte, wie mich ihr Blut verändert hatte, aber das half nicht. Sie saß auf meiner Brust. Ein Pflock tief in meinem Herzen.

Die Wurzel des Bösen auszurotten, sagte sie mir, als sie ihre Reißzähne leckte, war auch ihr Plan. Ihre Herangehensweise war nur eine andere.
Sie zog den Ring ab, den ich vor wenigen Stunden angesteckt hatte.

Und so verfluchte sie mich für meine Verbrechen gegen ihren Stamm zum ewigen Leben. Gelähmt, aber bei vollem Bewusstsein. Mit Bronze überzogen. Mitten auf dem Marktplatz.
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