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Vermisst

Kurzbeschreibung
OneshotDrama, Angst / P12 / Gen
Mina Amiri Oliver Radek
29.04.2019
29.04.2019
1
1.930
 
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Letzte Spur OS Vermisst

Disclaimer: Natürlich gehören die Charaktere der Serie nicht mir. Ihren Erfindern sei Dank existieren diese tollen Figuren. Ich leihe sie mir nur für diesen OneShot aus.

A/N: Dies ist ein Beitrag zur Challenge "1 Beginn, 1 Ende, 1 Wort" ( https://forum.fanfiktion.de/t/59239/1) Meine Vorgabe war das Wort "fast". Also muss im ersten sowie auch im letzten Satz dieser Begriff vorkommen.
Die Story spielt ungefähr in der Zeit Staffel 2. Viel Spaß beim Lesen!

Vermisst

Ihr Herz setzte fast aus, als sie den Brief öffnete, der auf ihrem Schreibtisch gelegen hatte.
Das unterdrückte Zittern ihrer Hände erschwerte das Lesen des Papieres, aber auch so fiel es ihr schwer die Worte, die dort vor ihren Augen standen, zu verstehen. Sie wollten einfach nicht in ihren Verstand dringen. Es war, als würde dieser versuchen sich durch eine Mauer vor den Tatsachen zu schützen, die ihr soeben in Form dieses Briefes mitgeteilt wurden.
"Jan?", brachte sie hervor und der Mitarbeiter schaute von seinem Computer hoch, sah sie fragend an.
"Hm? Was ist?"
Mina hielt das Schriftstück in ihrer Hand hoch.
"Woher kommt dieser Brief?"
Jan zuckte mit den Schultern.
"Ich weiß es nicht, aber wenn du mir einen Moment gibst, dann kann ich es dir gleich sagen", antwortete er und tippte dann etwas in den Computer.
Es dauerte einen Moment bis er der Kollegin mit einer Handbewegung deutete zu ihm zu kommen.
Mina ging zum Schreibtisch und blickte über Jans Schulter auf dessen Computerbildschirm.
Dieser zeigte ein pausiertes Video der Überwachungskameras. Darauf war ein junger Mann zu sehen, der einer der Reinigungskräfte den Brief gab. Jan drückte wieder auf 'Play' und man konnte sehen, wie die Angestellte den Brief auf Minas Schreibtisch legte.
"Kannst du rausfinden wer der Mann ist?"
Mina zeigte auf den Überbringer der Nachricht und Jan wiegte den Kopf hin und her.
"Ich kann es auf jeden Fall versuchen", antwortete er und drückte einige Buchstaben und Zahlen der Tastatur. Mina sah ihm dabei zu, war allerdings im Kopf an einem ganz anderen Ort. Sie blickte herüber zu Radeks leerem Büro.
"Ich hab ihn!"
Jans Stimme holte Mina aus ihren Gedanken in die Gegenwart zurück. Sie schaute auf den Bildschirm.
"Matthäus Eikhard, 25 Jahre alt, wohnhaft hier in Berlin. Er ist vorgestraft, weil er als Jugendlicher wohl ein paar Autos mit seiner Gang geknackt hat. Und Drogenbesitz ist hier aktuell aufgelistet", fasste Jan die Ergebnisse der Computeranalyse zusammen und Mina hörte ihm aufmerksam zu.
"Alles klar", sagte sie verstehend und ihr junger Kollege blickte zu ihr.
"Aber... mal eine ganz andere Frage. Was hat es mit diesem Brief auf sich?"
Mina seufzte und warf wieder einen Blick zum Büro ihres Chefs, neben dessen Tür gerade Sandra und Daniel den Raum betraten.
Sie schaute von einem Teammitglied zum anderen und brach dann mit der Wahrheit heraus:
"Radek wurde entführt."
_______________________________________

Eikhard war schnell gefasst, da er es sich nach der Übergabe des Briefes in seiner Wohnung gemütlich gemacht hatte. Zwar hatte er versucht über die Feuerleiter zu flüchten, aber Daniel war ihm gefolgt und hatte ihn geschnappt.
Nun saß der junge Mann Mina und Daniel gegenüber, in einem Verhörraum des Reviers.
Er schaute die Ermittler nicht an, malte mit einem Finger auf dem Tisch herum.
"Also, Herr Eikhard," fing Mina an und als er seinen Namen hörte, entschied er sich doch Blickkontakt aufzunehmen. Die Kommissarin schob ihm den Briefumschlag zu.
"Was soll das?", fragte sie und ihr Gegenüber zuckte nur mit den Schultern.
"Was soll damit sein? Is' ein Brief. Na und?"
Minas Hand ballte sich zu einer Faust.
"Wollen Sie uns für dumm verkaufen? Sie wissen genau was das für ein Brief ist."
Langsam beugte Eikhard sich vor und grinste.
"Beweisen Sie's", sagte er und Daniel nickte nur.
"Das machen wir sehr gerne."
Mit diesen Worten holte er die Fotos der Überwachungskamera hervor und legte sie auf den Tisch.
Das Grinsen aus Eikhards Gesicht verschwand und er lehnte sich wieder zurück, schluckte.
"Also... Was soll dieser Brief?", wiederholte Mina ihre Frage.
Einen Moment zögerte der Mann noch, aber dann beschloss er, dass es wohl Zeit für die Wahrheit war.
"Jemand hat mir den Brief und ein bisschen Knete gegeben und mir gesagt, dass ich ihn hier herbringen soll", gab er zu.
"Wer?", fragte Daniel und wieder schwieg sein Gegenüber.
Er reagierte erst wieder, als Mina mit der Hand auf den Tisch schlug und die Frage lauter stellte:
"Wer?!"
"Irgendein Kerl! Ich kannte den nicht."
Daniel verdrehte die Augen.
"Was ist denn überhaupt so wichtig an diesem Brief?", fragte Eikhard genervt. Anscheinend war er wirklich nur der Überbringer der Nachricht gewesen.
"Die Verfasser haben unseren Kollegen entführt und wenn Sie uns nicht sofort sagen von wem der Brief stammt, dann bekommen Sie große Schwierigkeiten", drohte Mina und der Mann hob abwehrend die Hände.
"Wie gesagt, ich kenne keinen Namen."
"Können Sie ihn wenigstens beschreiben?", fragte Daniel, ruhig bleibend. Der Andere zuckte mit den Schultern.
"Denke schon."
"Dann mal los", sagte Mina, während sie bereits aufstand.
_______________________________________

Sie hatten alles versucht, um den mysteriösen Verfasser des Briefes zu finden. Aber es gab einfach keine Spur. Zwar kam der Mann ihr irgendwie bekannt vor, doch Mina wusste wirklich nicht woher. Vielleicht irrte sie sich einfach?
Erneut las sie das Schreiben durch.

'Leben oder Tod - Ihre Entscheidung. Kommen Sie alleine. Heute, 18 Uhr. 10 000 Euro in bar. Schließfach 145.'

Darunter stand die Adresse eines Bahnhofes. Und unter dieser...
Mina schloss die Augen. Sie konnte dieses Bild einfach nicht ansehen.
Oliver.
Bewusstlos.
Gefesselt an einen Stuhl, den Mund mit Klebeband verschlossen.
An seinem Kopf war eine blutende Platzwunde.
Erst als Mina eine Hand auf ihrer Schulter spürte, öffnete sie die Augen wieder und erblickte Daniel neben sich.
"Wir finden ihn", sagte er selbstsicher.
"Vielleicht sollten wir einfach auf die Forderung in dem Brief eingehen", meinte Mina nachdenklich und Sandra reagierte sofort:
"Bist du verrückt? Du kannst doch nicht einfach alleine dahin gehen!"
"Sie hat recht. Das ist zu gefährlich", stimmte Daniel zu, aber seine ältere Kollegin seufzte nur.
"Was haben wir denn für eine Wahl?"
Der einzige Weg um ihren Freund zu retten, war wohl auch der riskanteste.
Aber das war ihr egal. Denn hier ging es nicht um irgendwen. Es ging um Oliver!
_______________________________________

18 Uhr!
Sie wusste, dass Daniel und Sandra sich ganz in der Nähe aufhielten und sie beobachteten. Niemals hätten sie zugelassen, dass Mina diese Aktion in einem Alleingang durchzog.
Sie öffnete das Schließfach und legte eine Tasche herein.
Es war kein echtes Geld. Aber sie hoffte einfach, dass der oder die Täter das nicht bemerkten.
Sie schloss das Fach und blieb noch einen Moment stehen.
Was würde passieren?
Mina zuckte zusammen als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte und sie drehte sich um.
Ungläubig starrte sie den Mann an, der nun vor ihr stand.
"Oliver", brachte sie hervor; es war nicht mehr als ein Flüstern.
Er stand tatsächlich vor ihr.
Die Wunde an seinem Kopf war mit einem Pflaster verarztet worden.
Er schaute sie einfach nur an, sagte nichts.
Aber in seinem Blick konnte sie erkennen, dass etwas nicht stimmte. Da war etwas... Mina war sich nicht sicher was es war. Angst? Trauer?
Sie konnte es nicht in Worte fassen.
Einen Moment später, lehnte ihr Freund sich langsam nach vorne. Leise flüsterte er:
"Es geht nicht um das Geld. Es geht nicht um mich. Hier geht es nur um dich, Mina."
Verwirrt kniff die Ermittleren ihre Augen zusammen.
"Wovon redest du da?", fragte sie und Oliver legte ihr seine Hände auf die Schultern.
"Der Verfasser des Briefes... der Mann, der mich entführt hat... ist Damian Hunte."
Er machte eine kurze Pause.
"Der Bruder von-"
"Milan Hunte."
Mit großen Augen starrte Mina ihr Gegenüber an.
Jetzt verstand sie es. Sie wusste, warum das Phantombild ihr so bekannt vorgekommen war!
Milan Hunte... Der Mann war einer ihrer ersten Vermisstenfälle gewesen. Ein junger Mann, der zusammen mit seiner Freundin verschwand... und diese ermorden wollte. Mina hatte damals reagiert, bevor Hunte die Frau  erschießen konnte. Allerdings hatte ihr rettender Schuss nicht wie geplant die Schulter des Täters getroffen... sondern die Brust. Damian war damals, als sein großer Bruder starb, erst vierzehn Jahre alt gewesen.
"Er... will Rache", schlussfolgerte die Kommissarin und Radek sah sie wieder einfach nur an, nickte dann stumm.
Mina schluckte schwer. Darum ging es hier also.
"Verschwinde von hier. Solange es noch geht."
Oliver drückte ihre Schultern und sie schaute erneut in seine Augen. Diesmal war es Selbstbewusstsein, welches sich darin spiegelte.
"Ich werde mich gleich umdrehen und weglaufen..."
Schon schüttelte Mina den Kopf.
"Nein, Oliver. Wie du schon sagtest... Hier geht es nicht um dich. Es geht um mich. Und ich werde nicht zulassen, dass du dich für mich opferst. Das hier... ist meine Angelegenheit", sagte sie leise und dann wurde sie laut, schaute sich suchend in dem leeren Bereich um.
"Komm schon raus, Damian! Ich möchte mit dir reden!"
"Mina-", wollte Radek sie aufhalten, aber sie hatte sich bereits aus dessen Griff befreit und lief nun herum.
"Wo bist du?", rief sie und hinter einer Wand trat tatsächlich ein junger Mann hervor.
Mina erstarrte als sie Damian nun in Wirklichkeit sah. Er hatte... so viel Ähnlichkeit mit seinem Bruder. Sie fragte sich wirklich, wieso sie ihn auf dem Phantombild nicht erkannt hatte.
"Die Mörderin meines Bruders", erwiderte er mit eisiger Stimme und Mina blieb stehen.
"Es war nicht meine Absicht. Und das weißt du genau", antwortete sie, die auf sie gerichtete Waffe des Mannes ignorierend.
"Versuchen Sie nicht die Schuld mit irgendwelchen Ausreden von sich zu schieben. Sie haben mir den Bruder genommen. Sie allein!"
Er kam immer weiter auf Mina zu, aber diese blieb an Ort und Stelle stehen und blickte ihm fest in die Augen.
"Du willst Rache-"
"Ich will Gerechtigkeit!", unterbrach Damian sie.
Er stand nun nur wenige Meter vor ihr. Mina konnte die Wut sehen, die in seinen Augen brannte.
"Wenn du glaubst, dass dir die Jahre im Knast weiterhelfen... dann erschieß mich. Tu was du für gerecht hältst. Aber ich sage dir eins... Du wirst dich nicht besser fühlen. Im Gegenteil. Es wird dich zerstören, Damian. Denn du wirst für den Rest deiner Tage damit leben müssen, dass mein Blut an deinen Händen klebt. Ist es das wert?"
Dieses lodernde Feuer in den blauen Augen. Es verschwand nicht.
Und Mina konnte nicht abstreiten, dass sie Angst bekam, als ihr Gegenüber die Waffe entsicherte.
Sie wusste, dass sie sterben müsste. Sie wusste, dass ihre Rede nicht das Geringste bewirkt hatte.
Und das war beängstigend. Denn sie wusste, dass ihr Fehler damals diesen Mann zu dieser Tat gebracht hatte.
Der Schuss fiel... und beinahe hätte er sie getroffen, aber er glitt an ihrem Kopf vorbei... und traf ein anderes Ziel. Ein Ziel, welches sich hinter ihr befand.
Langsam drehte Mina sich um und sah mit an wie Oliver auf die Knie fiel, Blut auf seinem Hemd.
Der Schuss hätte fast die Schulter getroffen...
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