Moscow Mule on the rocks.

GeschichteHumor, Familie / P18
OC (Own Charakter) Robin Sebastian
29.04.2019
01.08.2019
15
74320
1
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
Kapitel 8
Ein hochbegabtes Kind.

In den nächsten Wochen ändert sich einiges in unserer Familie. Abgesehen davon, dass ich durch den Stress sehr mit mir und meinem Verlangen nach Kokain zu kämpfen habe, verbringe ich viel zu viel Zeit damit, mit und ohne Sebby von Behörde zu Behörde zu fahren. Ich fülle verschiedenste Formulare aus, um finanzielle Unterstützungen zu beantragen. Ich hab ja sonst nichts Besseres zu tun. Im wahrsten Sinne des Wortes. Außerdem habe ich herausgefunden, dass es, sollte Sebby in seinem Test gut abschließen, die Möglichkeit gibt, ihn kostenlos auf eine Privatschule zu schicken. Er bekommt eine gute Ausbildung, ohne, dass wir uns Sorgen darüber machen müssen, ob wir uns das leisten können. Diese Erkenntnis erleichtert mich und meine Frau ungemein. Es macht alles einfacher. Eine Sorge weniger kann nicht schaden.

Heute fahre ich mit Sebby im Schlepptau zu seinem IQ-Test. In den letzten Tagen hat er den Psychologen, der mit ihm den Test macht, kennengelernt und sich glücklicherweise vorbildlich verhalten. Er hat nicht gemotzt, gejammert oder geweint. Ich bin stolz auf mein kleines Genie. Heute wird mein Sohn einige Zeit damit verbringen, Rätsel zu lösen, auch seine sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten werden getestet. Eigentlich ist Sebby noch ein wenig zu jung, sodass der Test in den nächsten zwei Jahren wiederholt werden muss, um das Ergebnis ein weiteres Mal zu überprüfen. Dennoch ist es wichtig, dass festgestellt wird, auf welchem Stand mein Sohn ist, um ihn so früh wie möglich angemessen fördern zu können. Wenn wir damit zu spät anfangen, könnte einiges schiefgehen. In einer Broschüre, von denen ich mir gefühlt unendlich viele zu Gemüte geführt habe, steht, dass sich eine fehlende Förderung negativ auf die Psyche und das Sozialleben des Kindes auswirken kann. Und das können Robin und ich nicht riskieren. Es geht bereits jetzt um Sebbys gesamtes Leben und das obwohl er gerade erst 4 Jahre alt ist…

All das scheint meinen Sohn nicht besonders zu bedrücken, aber er kennt natürlich nicht alle Details und weiß nicht genau, worum es im Großen und Ganzen geht. Fröhlich knabbert Sebby an einem Keks, er ist viel entspannter und ausgelassener als ich. In seinem Arm hält er Quaki, der ihm auf dieser Reise ein treuer Begleiter ist.
Im Gegensatz zu meinem ausgelassenen Sohn, sterbe ich vor Nervosität. Es ist seltsam zu wissen, dass auf der Rückbank meines Wagens ein kleines Genie sitzen könnte. Wenn heute wirklich festgestellt wird, dass Sebby ein kleines Genie ist, weiß ich nicht recht, ob ich dieser Situation gewachsen bin und wie ich damit umgehen soll. Es wird zwar wahnsinnig spannend, aber vermutlich nicht einfach für unsere Familie. Ich weiß, dass ich nicht unbedingt ein gebildeter Mensch bin, ich bin zwar nicht dumm, aber dennoch hatte ich es in der Schule immer sehr schwer. Ich werde Sebby also keine besonders große Hilfe sein können, sobald es an Hausaufgaben oder Lernen für irgendwelche Tests geht. Zusätzlich kommt es mir so vor, als würde Sebby viel schneller erwachsen werden, als er es müsste… Er sollte doch eigentlich ein fröhliches Kind sein, spielen und Spaß haben und keine Tests hinter sich bringen… Ich habe große Bedenken, ich will nicht, dass er überfordert ist mit dem, was auf ihn zukommt. Ich mache mir Sorgen um mein Kind, jetzt mehr denn je.

Meine größte Angst ist allerdings nach wie vor, dass Sebby um einiges intelligenter ist als ich. Irgendwann wird er feststellen, dass ich ihm nicht gewachsen bin… Ich wüsste nicht, was ich tun soll, wenn er mich aufgrund meiner Intelligenz irgendwann nicht mehr lieben oder achten würde… Robin hat mir zwar schon oft versichert, dass Sebby mich immer lieben wird, egal was passiert. Trotzdem lassen sich meine Bedenken nicht zerstreuen…

Ich bekomme schon Kopfschmerzen, wenn ich darüber nachdenke.



Der Test ist absolviert, das Ergebnis ist ausgewertet…
Ich habe das Gefühl, dass ich vergesse wie man atmet.

„…das entspricht einem Intelligenzquotienten von 132. Gratuliere, Ihr kleiner Sebastian ist wirklich hochbegabt.“

„Ach du Scheiße…“
„Daddy, das sagt man nicht.“



Nach dem Test wirkt Sebby außergewöhnlich ruhig, auch zu Hause ist er sehr in sich gekehrt. Er liegt im Wohnzimmer auf dem Boden, beschäftigt sich mit seinen Stofftieren. Seit wir zu Hause sind, spricht er kein Wort, weder mit mir, noch mit Robin. Er ist wahrscheinlich sehr ausgelaugt durch die vielen Fragen, die er heute beantwortet hat.

Sebby setzt sich seinen Stofffrosch Quaki auf den Kopf. Nach einander schubst er seine anderen Stofftiere um. Mein Sohn richtet sich auf, wobei Quaki von seinem Kopf rutscht. Mit einer Schmolllippe legt er den Frosch wieder auf seinen Kopf. Dieses Verhalten habe ich bei meinem Kind noch nie gesehen. Es wirkt ein wenig befremdlich, trotzdem kann ich nicht aufhören, das kleine Frettchen zu beobachten. Vorsichtig und ganz langsam steht Sebby auf, er geht in Schneckentempo den Gang entlang, Quaki liegt nach wie vor auf seinem Kopf. Er betritt sein Zimmer, hinter ihm fällt seine Tür ins Schloss.

„132…“, wiederholt Robin das Testergebnis. Sie sieht sich gerade den Papierkram an, den der Psychologe uns mitgegeben hat. „Das ist… nicht zu fassen.“ Robin ist sichtlich mit Stolz erfüllt. Sie kann kaum aufhören, zu strahlen. „Unser Sebby ist ein kleines Genie, Dan. Das ist unfassbar. Wir können ihn tatsächlich auf diese Privatschule schicken. Er könnte studieren… Vielleicht ist er so schlau, dass er einige Klassen überspringen kann. Ihm steht die Welt offen, Dan. Sebby kann alles erreichen, was er möchte.“ Robins gute Laune steckt mich ein wenig an. Ich stehe von der Couch auf, um mich zu meiner Frau zu setzen. Robin drückt mir einen Kuss auf die Wange. „Du bist so still. Ist es immer noch diese ‚Sebby mag mich nicht, weil ich nicht schlau bin‘-Sache?“
„Nein.“
„Dan.“ Robin sieht mich eindringlich an. „Hör auf, mich anzulügen. Ich weiß, was in deinem Kopf vor sich geht, du kannst mir nichts verheimlichen.“
„Ja, okay. Ich freue mich wahnsinnig, auch wenn es nicht so aussieht, okay? Ich freue mich wirklich. Aber… Robin, er ist noch so klein. Er hat so winzige Hände, so winzige Füße… Er ist noch ein Baby und jetzt muss er schon an die Schule denken? Das ist furchtbar…“
„Dir hat die Schule nicht gefallen, aber das muss nicht heißen, dass es Sebby keinen Spaß macht, Dan. Es ist wichtig für ihn, das weißt du. Du darfst deine schlechten Erfahrungen nicht auf ihn projizieren, das tut weder dir, noch ihm gut.“
Ich nicke. „Ja, schätze schon.“
„Wir machen das Beste aus dieser Chance. Wir unterstützen Sebby so gut es geht und wenn er irgendwann nicht weiter weiß, dann finden wir jemanden, der ihm helfen kann.“
Wieder nicke ich. „…aber er ist noch so klein.“
„Dan, hör auf.“
„Entschuldige, aber ich hasse es, dass er erwachsen wird. Ich will, dass er für immer klein, süß und handlich ist…“
„Dann kauf dir ein Stofftier, das wächst nie.“
„Ich nehme gleich eines von denen, die Sebby umgeschubst hat“, antworte ich grinsend, sehe dann zu der Reihe Plüschtiere. Irgendwie liegen sie da, als hätte Sebby sie in einer Reihe aufgestellt und sie nacheinander erschossen.
„Du bist ein Idiot.“
„Jup, da sind wir eindeutig einer Meinung.“ Ich gebe Robin einen Kuss, stehe dann auf, um mich wieder auf die Couch zu pflanzen. Mit einem Druck auf die Fernbedienung schalte ich den Fernseher ein. Auch Robin setzt sich zu mir. Ich bekomme einen Kuss auf die Wange, meine Frau kuschelt sich zufrieden an mich. Ich werde mit liebevollen Streicheleinheiten verwöhnt. Wohlig seufzend lege ich meinen Arm um meine Frau, sie bekommt einen Kuss auf die Stirn.

Auch unser Frettchen kommt wieder zurück in das Wohnzimmer. Er klettert zu uns auf die Couch, hält allerdings Abstand zu uns beiden. Anstatt sich zu uns zu kuscheln, kuschelt das kleine Frettchen mit Quaki. Er macht auf mich den Eindruck als wäre er schon verdammt müde. Vielleicht schläft er in den nächsten Minuten ein, dann trage ich ihn in sein Bett, damit er sich von dem anstrengenden Tag erholen kann.

Wir sehen eine Weile fern, mein Blick schweift immer wieder zu Sebastian. Er schenkt seine gesamte Aufmerksamkeit der Decke über ihm. Wahrscheinlich geht ihm gerade viel durch den Kopf. Vielleicht zu viel, um ruhigen Schlaf zu finden. Eine Geschichte könnte ihn ein wenig ablenken und ihm das Einschlafen erleichtern.

„So, kleiner Mann, es wird Zeit für’s Bett“, stellt Robin nach einem Blick auf die Uhr fest. Sebby verzieht sein Gesicht, protestiert allerdings nicht weiter. Ich stehe von der Couch auf, gehe auf Sebby zu, um ihn hochzuheben, doch er drückt meine Hand weg.
„Kann Mum mich heute ins Bett bringen?“, fragt er leise nach, ich nehme Abstand, um seinen Wunsch zu respektieren.
„Ja, aber sicher doch, ganz wie du möchtest, Sebby“, antworte ich ruhig. Obwohl Robin ein wenig überrascht ist, geht auch sie seinem Wunsch nach. Als sie ihn hochhebt, legt Sebby gleich seine Arme um ihren Hals.
„Gute Nacht, Sebby“, verabschiede ich mich für heute. Als ich ihm einen Kuss geben will, dreht er sich weg. Verwirrt nehme ich Abstand. Was ist denn jetzt los?
„Nachti“, antwortet er leise.

Ich sehe meine Frau irritiert an, auch sie scheint Sebbys Verhalten als seltsam zu empfinden. Robin streichelt über Sebastians Rücken, sie gibt ihm einen Kuss auf die Stirn. „Soll ich dir noch etwas vorlesen?“, fragt sie, als sie auch schon auf dem Weg in Sebastians Zimmer ist. Ich bleibe im Wohnzimmer zurück. Dass Sebby noch nicht einmal einen Kuss von mir möchte, ist ungewohnt.

Deprimiert lasse ich mich wieder zurück auf die Couch fallen, mein Blick richtet sich an die Decke, die eben noch von meinem Kind angestarrt wurde. Irgendwas stimmt heute nicht mit ihm.

War der Test vielleicht zu anstrengend für Sebby?
Hab ich ihn in den letzten Wochen überfordert, weil wir so viele Amtswege zusammen erledigt haben?

Es muss doch irgendwas geben, das ich falsch gemacht habe. Sebby reagiert sonst nie so, außer er ist böse auf mich. Es muss also an mir liegen.

Fragen über Fragen rattern in meinem Kopf, doch ich finde keine befriedigende Antwort für sein Verhalten. Nach einer Dusche geht es mir bestimmt besser. Vielleicht braucht Sebby auch einfach nur Zeit, um sich von dem ganzen Stress zu erholen. Er ist bestimmt müde, der heutige Tag war sehr lang und anstrengend. Es wird ihm gut tun, sich auszuschlafen. Wenn Robin ihm eine Geschichte vorliest, schläft er hoffentlich schnell ein.



Als ich das Badezimmer verlasse, nehme ich ein leises Schluchzen wahr. Es dauert nur den Bruchteil der Sekunde, bis ich weiß, wessen Schluchzen das ist. Sebby. Wieso weint mein Baby denn?

Leise öffne ich die Tür zu seinem Zimmer. Robin liegt mit unserem Sohn im Bett, das Nachtlicht erhellt den Raum. Meine Frau sieht zu mir, als ich eintrete. Ihr Blick verrät jetzt schon, dass irgendetwas falsch gelaufen ist.

„Was ist los, Sebby?“, frage ich leise. Seine Reaktion besteht darin, sich weiter an seine Mutter zu klammern. Ich setze mich auf das Bett, streichle seinen Rücken. Bei jedem Schluchzen zuckt sein kleiner Körper unter meiner Berührung.
„Geh weg…“, schluchzt er herzzerreißend.
Meine Hand wandert in meinen Schoß, ich verschränke meine Finger miteinander. Robin seufzt, sie sieht mich vorwurfsvoll an.
„Dan, Sebby hat Angst, dass du ihn jetzt nach dem Test nicht mehr lieb hast, weil du ‚Scheiße‘ gesagt hast, als der Psychologe dir das Ergebnis gesagt hat… Musste das wirklich sein, Dan?“
Geschockt über meine eigene Dummheit, lege ich meine Hand an meine Stirn. Ich bin der größte Volltrottel auf diesem Planeten. „Es tut mir so leid. Sebby, Schätzchen, es tut mir leid, wirklich. Ich hätte das nicht sagen dürfen, das war sehr dumm von mir. Ich hab mich erschreckt, weil ich nicht erwartet habe, dass du so viele Punkte schaffst, verstehst du? Und natürlich hab ich dich noch lieb, ich werde dich immer lieb haben. Du bist doch mein kleines Frettchen.“ Sebby schluchzt weiter, vorsichtig lege ich meine Hand wieder an seinen Rücken, um ihn zu streicheln. Als er sich nicht wehrt oder versucht, mich abzuschütteln, spreche ich weiter, um meine Entschuldigung fortzuführen. „Ich bin wirklich sehr stolz auf dich. Du hast dich bei dem Test sehr gut geschlagen. Du hast das wirklich sehr, sehr gut gemacht und ich bin froh, dass du so ein tolles Ergebnis erreicht hast. Daddy ist ausgesprochen stolz auf sein schlaues, kleines Frettchen.“
„Wirklich?“, schluchzt er gegen die Brust seiner Mutter.
„Ja, klar. Komm her und hol dir einen Kuss ab. Ich könnte niemals aufhören, dich lieb zu haben. Niemals in meinem Leben.“ Sebby dreht sich ein wenig zu mir, ich beuge mich vor, um seine Stirn küssen zu können. „Ich hab dich lieb, Sebby. Für immer und ewig.“ Mit einem Taschentuch, das ich aus der Spenderbox auf seinem Nachttisch ziehe, wische ich die Tränen von Sebbys niedlichen Wangen. „Du bist mein Ein und Alles, mein süßes, freches Frettchen.“
Mein Sohn lächelt wieder ein wenig, ich streichle über seinen Bauch.
Auch Robin drückt ihm einen Kuss auf die Wange. „Sag mal, Sebby, hast du Lust heute bei uns im Bett zu schlafen?“

Die Idee meiner Frau bringt mich zum Lächeln. Sebby schläft zwar schon lange in seinem eigenen Bett, trotzdem sollte man an manchen Tagen kleine Ausnahmen machen. Und heute ist definitiv ein Tag, an dem man eine Ausnahme machen sollte.

„Darf ich?“, fragt Sebby überrascht nach. Diese Überraschung spiegelt sich eindeutig in seinen großen Augen wieder.
„Ich finde die Idee gut“, gebe ich lächelnd von mir. „Soll ich dich tragen?“ Ich breite meine Arme aus, um Sebby einzuladen, zu mir zu klettern.
„Jaaa!“, freut das kleine Frettchen sich wieder zufriedener. Er setzt sich gleich auf, um in meine Arme zu springen. Erleichtert drücke ich meinen Sohn an mich, gebe ihm gleich im Anschluss einen Kuss auf die Wange. Yoba sei Dank haben wir unser kleines Problemchen gleich geklärt. Ich dachte für einen kurzen Moment, dass meine Welt zusammen bricht. In Zukunft muss ich definitiv besser auf meine Worte achten. Sebastian bekommt viel mehr mit, als ich dachte. Es wird nicht einfach, aber ich muss meine dumme Klappe zügeln. Ich muss lernen zu denken, bevor ich spreche, damit ich Sebby kein weiteres Mal kränke.

Wir liegen zu dritt im Bett, Sebbys Nachtlicht erhellt den Raum. Robin hat es auf ihrer Seite des Bettes angeschlossen. Wenn es auf meinem Nachttisch stehen würde, würde sich die Nacht für mich anfühlen, als wäre ich im Suff in einer Disko eingepennt.
Unser Sohn hat auch jetzt wieder Quaki dabei. Er spielt ein wenig mit seinem liebsten Stofftier. Der grüne Frosch begleitet Sebastian schon beinahe sein ganzes Leben. Er war das erste Stofftier, das Robin und ich ihm geschenkt haben. Wenn Sebby Trost braucht, ist Quaki zur Stelle, um ihn durch jede Schwierigkeit zu helfen. Auch beim Psychologen habe ich erlaubt, dass Sebby ihn mitnimmt. Während er den Test gemacht hat, hat Quaki auf mein kleines Frettchen aufgepasst. Ich musste wie ein Hund vor der Tür warten…

„Warum hab ich den Test gemacht?“, fragt Sebby in die Stille, als hätte er eben meine Gedanken gelesen. Robin und ich sehen uns an. Unser Sohn richtet seinen Blick erst auf Robin, dann auf mich, ehe er weiter nachhakt. „Andere Kinder machen so einen Test nicht. Ich bin der einzige, der ihn gemacht hat.“
„Du hast den Test gemacht, weil wir wissen wollten, was dir am meisten Spaß macht und was du gut kannst“, erklärt Robin sachlich. Sebby setzt sich auf, drückt seinen Stofffrosch an sich.
„Und wieso?“
„Damit wir wissen, was wir noch alles machen können, damit du Spaß beim Lernen hast. Als Vorbereitung für die Schule“, lege ich noch nach, Sebby nickt.
„Was macht man in der Schule?“, fragt Sebby weiter nach. Kaum beantwortet man eine Frage, kommt bereits die nächste. Seine Neugierde ist unersättlich.
„Du lernst lesen, schreiben und rechnen“, erklärt Robin weiter. „Außerdem machst du Sport und lernst etwas über Tiere und Pflanzen, auch über Länder und Städte. Du lernst auch viele andere Kinder kennen und ihr könnt zusammen spielen und lernen.“
„Ich will jetzt gleich in die Schule gehen“, freut Sebby sich aufgeregt.
Ich lache ein wenig. Es könnte sein, dass ich diesen Satz noch nie in meinem Leben verwendet habe, maximal in sarkastischem Kontext. Schule war für mich immer ein rotes Tuch. Ich mochte eigentlich nur den Musikunterricht, in allem anderen war ich grottenschlecht.
„Du kommst noch früh genug in die Schule, Sebby“, meint Robin ebenfalls belustigt. Sie klopft auf den Platz zwischen uns. „So, du hast jetzt genug Fragen gestellt. Jetzt wird geschlafen.“
„Oh Mann… ich bin aber gar nicht müde…“

Manchmal zweifle ich daran, dass Sebby wirklich mein Sohn ist. In den letzten Wochen sind unsere Gemeinsamkeiten immer mehr geschrumpft. Ich habe die Schule seit der ersten Sekunde gehasst. Ich habe es gehasst zu lernen und Hausaufgaben waren prinzipiell eine Abschreibübung für mich. Ich war faul und unmotiviert, deswegen habe ich auch nie etwas zu Stande gebracht. Und wenn ich mich einmal zusammen gerissen habe, dann hat mein Gehirn kaum eine der wichtigen Informationen behalten. Wenn ich mich mit meinem Kind vergleiche, fühle ich mich als wäre ich ein noch größerer Idiot, als mir ohnehin bereits bewusst war.

Im Vergleich zu mir ist Sebby hingegen voller Motivation. Er liebt es, neues zu lernen und er kann gar nicht genug davon bekommen, Informationen zu sammeln. Wenn er dieses Wissen in der Schule nutzt, könnte er wirklich an die Uni gehen, um zu studieren. Aus ihm könnte etwas werden. Vielleicht ein Arzt oder ein Anwalt. Er könnte es so viel einfacher und besser haben als ich.

Ich schätze mal, dass ich schon wieder zu viel denke. Robins Stimme meldet sich gerade in meinem Kopf. Und meine Frau hat vollkommen Recht mit dem, was sie in meinen Gedanken wiederholt.
Ich sollte meine Erfahrungen nicht auf Sebby projizieren, er wird seinen eigenen Weg finden und wir als Eltern haben die Aufgabe, ihn bei diesem Weg zu unterstützen.

Das alles liegt ohnehin noch weit in der Zukunft. Jetzt ist er noch das kleine, süße, ungeduldige Frettchen, das ich so lange wie möglich von Schule und Verantwortung fernhalten möchte. Sein aktueller Weg führt erst einmal ins Land der Träume und auch da werden wir ihn begleiten. Er macht gerade widerwillig den ersten Schritt dazu, indem er sich zwischen Robin und mich legt. Meine Frau deckt ihn zu, sie gibt ihm dann einen Kuss auf die Wange.

„Gute Nacht, mein Schatz. Ich hab dich lieb.“
„Gute Nacht, Mum. Ich hab dich auch lieb.“
Ich drehe mich zu meinem Sohn, er legt gerade seinen Stofffrosch neben Robin, deckt ihn dann liebevoll zu. Quaki bekommt von Sebby einen Kuss auf die Wange. Der Anblick ist so niedlich, dass ich meinen Sohn am liebsten mit Küssen überhäufen würde. Lächelnd streichle ich Sebbys Bauch, anstatt tausend Küssen gebe ich Sebby nur einen Kuss auf die Wange.
„Gute Nacht mein kleines Frettchen. Ich hab dich lieb.“
„Gute Nacht, Daddy. Ich hab dich auch lieb.“

Mein Sohn kuschelt sich zufrieden an mich, ich lege meinen Arm um ihn und ziehe ihn ein wenig näher zu mir. Obwohl ich körperlich ziemlich müde bin, will mein Kopf mal wieder nicht stillstehen.

Sebby und ich hatten ironischerweise dieselben Sorgen. Wir haben uns den Kopf darüber zerbrochen, ob der jeweils andere ihn noch immer lieb hat. Und das ist alles meine Schuld. Meine wirren Gedanken und irrationalen Ängste haben mein Kind verunsichert. Ich will Sebby nicht das Gefühl geben, dass mit ihm etwas nicht stimmt oder dass er mir jetzt weniger bedeutet. Er ist nach wie vor mein Ein und Alles und das wird sich niemals ändern. Mein kleines Frettchen ist der wunderbarste kleine Fehler, der mir jemals passiert ist.

Ich schließe die Augen und überlege, was ich machen kann, um Sebby spielerisch mit Informationen und Wissen zu füttern, bis wir erfahren, was der nächste Schritt sein wird. Was ich in der Zwischenzeit auf jeden Fall tun kann, ist seine musikalische Neugierde zu fördern, indem ich wieder mehr mit ihm musiziere.

Vielleicht sollte ich uns auch noch mehr Bücher über Frösche besorgen und sie zusammen mit meinem Sohn lesen. Es wäre schön, wenn Sebby und ich uns ausführlich über sein Lieblingsthema unterhalten könnten. Ich möchte ihn so gut ich kann unterstützen und immer ein offenes Ohr für seine Sorgen und auch seine Interessen haben. Mir wird auch nichts Anderes übrig bleiben, als mich ein wenig weiter zu bilden. Anstatt zu heulen, sollte ich mich eher daran machen, ein paar Dinge dazuzulernen. Sebby wird es bestimmt schätzen, einen Gesprächspartner zu haben.

Ich atme tief durch, gebe meinem Sohn einen Kuss auf die Wange. Es wird Zeit, dass ich selbst ein wenig Schlaf finde. Wenn ich weiterhin so viel nachdenke, fängt mein Kopf nicht nur an zu rauchen, sondern weitet sich zu einem Wohnungsbrand aus.



Nachdem ich Sebby aus dem Kindergarten abgeholt habe, machen wir einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Fröhlich springt Sebby an meiner Hand auf und ab. Ich habe ihm wie so oft ein Eis versprochen.
„Siehst du das bunte Geschäft da vorne? Das Geschäft mit der riesigen Eistüte“, frage ich lächelnd, zeige dann in die Richtung, sodass Sebby sich orientieren kann.
„Ja“, antwortet er freudig.
„Dort gehen wir hin, um Eis zu essen.“
„Wieso sind wir nicht zum Spielplatz gegangen? Wir essen immer dort unser Eis.“
„Weil ich dachte, dass es schön ist, mal etwas Neues zu sehen“, beantworte ich seine Frage. „Aber wenn es dir hier nicht gefällt, dann essen wir unser nächstes Eis wieder im Park.“
„Okay. Ich freu mich, Daddy. Ich will ein ganz großes Eis haben. So groß wie das vor dem Geschäft.“
Sebby bringt mich zum Grinsen. „Ich denke nicht, dass es so ein großes Eis geben wird, aber du darfst dir heute ausnahmsweise das größte Eis aussuchen, das sie haben.“
„Jaaa!“, freut mein Kind sich aufgeregt, er springt wieder auf und ab. Sebby lässt mich los, um voraus zu laufen, doch ich schnappe ihn, bevor er flüchten kann und nehme ihn auf den Arm.
„Hier geblieben, du kleines Frettchen“, bitte ich lächelnd. Sebby wird immer flinker und schneller. Er grinst mich frech an, fängt dann an zu lachen.
„Du hast mich einfach so gefangen. Ich wollte nur zu dem Eis laufen, Daddy.“
„Ich weiß, Sebby, aber ich knuddle dich einfach so gerne. Du darfst dir das große Eis ansehen, wenn wir dort sind.“

Als wir im Eissalon ankommen, suche ich im Außenbereich einen Platz im Schatten. Sebby lässt es sich nicht nehmen, die große Plastikeistüte vor dem Geschäft anzufassen. Er ist ein wenig enttäuscht, dass es kein echtes Rieseneis ist, doch ich bin sicher, dass er seine Enttäuschung überwindet, sobald er ein richtiges Eis essen kann. Gerade als wir ankommen, wird zu unserem Glück ein passender Platz frei, den wir sofort besetzen. Ich sammle die vier Sitzkissen der Stühle an unserem Tisch zusammen und staple sie auf dem von Sebby auserwählten Stuhl, damit er ein wenig höher sitzt. Ich setze mich neben ihn. Die Kissen haben leider nicht geholfen, mein Sohn sitzt trotz meinen Bemühungen zu tief. Er legt seine kleinen Hände an den Tisch, blickt auf die leeren Eisbecher, die noch von den Gästen vor uns am Tisch stehen.
„Willst du lieber auf meinem Schoß sitzen?“
„Ich weiß nicht, ich find’s schön hier. Du kannst mich nicht mit deinem Bart kitzeln, wenn ich hier sitze.“

Eine freundliche Kellnerin serviert die leeren Eisbecher ab. Außerdem hat die junge Dame eine Idee, um unser Problem zu lösen. Das blonde Mädchen kommt mit zwei dicken Telefonbüchern wieder. Ich hebe meinen kichernden Sohn hoch, die Kellnerin legt die Telefonbücher unter die Kissen, sodass Sebby bequem sitzen kann. Das kleine Frettchen lacht, als ich ihn wieder auf seinen Platz setze.
„Ist das besser, kleiner Mann?“, erkundigt die Kellnerin sich lächelnd.
„Ja, das ist viel besser. Ich heiße Sebastian“, antwortet er fröhlich, streckt ihr dann die Hand entgegen, um sich vorzustellen.
Gerührt nimmt die junge Frau seine Hand zur Begrüßung an. „Awww, du bist ja ein ganz süßer. Ich bin Melody. Wie alt bist du denn schon, Sebastian?“
„Ich bin vier“, antwortet mein Sohn fröhlich. „Mein Daddy ist schon viel älter.“ Er zeigt auf mich. „Daddy ist schon 24, das heißt er ist wirklich alt.“ Ich lache ein wenig, streiche dann durch Sebbys Haare.
„Er ist herzallerliebst“, macht unsere Kellnerin mir lächelnd ein Kompliment, worauf ich nicke.
„Das ist er, nur manchmal ist er ein klein wenig frech.“ Da Sebby ganz genau weiß, dass wir von ihm sprechen, grinst er mich breit an.
„Wisst ihr schon, was ihr trinken wollt?“
„Wir hätten gerne eine Flasche stilles Mineralwasser. Wenn’s keine Umstände macht, bitte mit zwei Gläsern.“
„Aber Daddy, ich will Eistee haben“, beschwert Sebastian sich.
„Sebby, du bekommst jetzt ein großes Eis. Das Eis ist so lecker, dass du ganz vergessen wirst, dass du langweiliges Wasser dazu trinkst.“
„Na gut…“, antwortet Sebby schmollend, er verschränkt seine Arme.
Die Kellnerin reicht mir die Eiskarte. „Das Wasser kommt sofort.“
„Dankeschön.“ Sie entfernt sich mit einem Lächeln auf den Lippen von unserem Tisch. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich ihr hinterhersehe, doch ich muss mich auch verteidigen: Unsere Kellnerin sieht verdammt heiß aus. Ein klitzekleiner Teil von mir wünscht sich, dass sie einen weiteren Knopf ihrer weißen Bluse öffnet, doch dann würde ich vermutlich nur noch starren.

„Daddy?“ Als Sebby mich anspricht, widme ich mich sofort wieder meinem Kind. Ich zeige dem kleinen Frettchen die Karte. Jeder Eisbecher ist durch ein Foto abgebildet. Hoffentlich fällt es Sebby nicht allzu schwer, sich bei dieser großen Auswahl zu entscheiden. „Ich darf mir alles aussuchen, was ich will?“
„Ja, Sebby.“
„Dann will ich alles.“ Sebbys freche Antwort wird durch ein Grinsen verstärkt. Als ich ihm nicht antworte, sondern ihn einfach nur ansehe, blinzelt Sebby mich an. „Du hast gesagt, dass ich mir alles aussuchen darf“, legt er mit großen Augen nach. Mein kleines Frettchen nimmt gewisse Dinge einfach zu wörtlich…
„Okay, dann formuliere ich es anders: Du darfst dir einen Eisbecher aussuchen.“
Sebby nimmt die Karte in seine Hände, hält sie dann vor sein Gesicht. Lächelnd beobachte ich, wie seine Augen von einem Foto zum anderen gleiten. Einige Male bewegen sich lautlos seine Lippen.
„Daddy? Ich will Schokoladeneis mit Erdbeeren und ich will Smarties, aber ich mag keine Sahne und überall ist Sahne drauf. Hilfe.“
„Gib mal her. Wo hast du denn die Erdbeeren gesehen?“ Ich werfe einen Blick in die Karte.
„Da. Erdbeerbecher. Da sind Erdbeeren, aber kein Schokoladeneis und auch keine Smarties. Die Smarties sind beim Kinderbecher.“
„Und du willst keine Sahne?“
„Nein, die schmeckt doof.“
„Okay, Schätzchen, das bekomme ich hin.“

Ich lege die Karte zur Seite, als unsere Kellnerin wieder an den Tisch kommt. Sie stellt uns eine Flasche Mineralwasser auf den Tisch und schenkt in beide Gläser etwas Wasser ein. Lächelnd sehe ich das Mädchen an, sie erwidert meinen Blick sofort. „Wie ungerne nimmst du Sonderbestellungen entgegen?“, frage ich charmant.
„Kommt darauf an, wie nett man mich fragt“, entgegnet sie lächelnd. Ihre Körpersprache sagt deutlich aus, dass sie mit mir flirtet.
„Sebby hätte gerne den Erdbeerbecher, aber mit Schokoladeneis und ohne Sahne, dafür aber mit Smarties. Ist das machbar?“ Nickend notiert sie die Bestellung. „Wie sagt man, Sebby?“
„Bitte, bitte“, erklingt mein Sohn hibbelig, wobei er in die Hände klatscht.
„Awww.“ Unsere Kellnerin schmilzt beinahe vor unseren Augen. Ich kann ihr ansehen, dass sie Sebbys niedlichen Art komplett verfallen ist. „Du bist so ein süßer, kleiner Schatz. Du bekommst alles, was du möchtest, mein kleiner Freund.“ Melody lächelt Sebastian an, der zufrieden grinst.
„Dankeschön.“
„Gern geschehen.“ Ihr Blick richtet sich wieder auf mich. „Und was kann ich dir bringen?“
Ich zucke mit den Schultern. „Ach nichts, danke. Ich esse den Rest, der nicht in seinem Magen oder auf seinem Shirt landet“, antworte ich grinsend, sehe dabei wieder zu meinem Sohn. Die Kellnerin lacht ein wenig.
„Okay, so kann man das auch machen“, antwortet sie, ehe sie unseren Tisch verlässt, um Sebby seinen Zuckerschock verursachenden Eisbecher zu holen.
„Ich werde alles alleine aufessen, Daddy und du bekommst gar nichts.“ Schadenfroh lacht er mich aus. Ich greife nach meinem Kind, streichle ihm über die Wange.
„Jetzt lachst du kleines Frettchen noch, aber bald wirst du schmollen und deinen Daddy bitten, dein Eis aufzuessen, weil du nicht mehr essen kannst.“
„Gar nicht wahr, ich esse alles alleine“, antwortet er übermütig.
„Komm her.“ Ich rutsche mit meinem Stuhl etwas nach hinten, greife erneut nach meinem Kind und hebe ihn auf meinen Schoß. „Du sitzt so weit weg, so kann ich dir gar keine Küsse geben.“
Sebby kichert, als ich ihm den ersten Kuss auf die Wange drücke. „Daddy, du kitzelst mich.“ Er schnappt sich die Eiskarte und öffnet sie, um sich das Angebot noch einmal anzusehen. Sein linker Zeigefinger wandert über die verschiedenen Eissorten. „Oh nein, Daddy.“
„Was ist denn?“
„Die haben auch Waffeln. Sieh mal.“ Ich folge Sebbys Finger mit meinen Augen. „Waffel mit einer Kugel Eis nach Wahl. Waffel mit zwei Kugeln Eis nach Wahl“, liest er vor. Er blickt zu mir nach oben. „Ich will Waffeln, Daddy.“
„Okay, okay. Wir machen einen Deal. Ich bestelle eine Waffel mit Erdbeereis, aber das Erdbeereis esse ich. Und du bekommst deine Waffel mit deinem Schokoladeneis und dem ganzen Zeug, das du haben wolltest, okay?“
„Jaaa!“, freut er sich glücklich. Wie gerufen kommt gerade die Kellnerin zurück.
Sie serviert Sebbys Sonderwunsch-Eisbecher. Damit Sebby nur sich vollkleckert und ich halbwegs sauber bleibe, setze ich ihn wieder zurück auf seinen Platz. Er kichert, als ich ihn hochgebe und ihm einen Kuss auf die Wange drücke. Kaum sitzt er wieder auf seinem Platz, greift er nach seinem Löffel. „Danke.“
„Gern geschehen, Sebastian.“
Als die Kellnerin gehen möchte, halte ich sie mit einer Handgeste auf. „Tut mir leid, ich hab doch noch einen Wunsch. Das kleine Monster hat gerade entdeckt, dass ihr auch Waffeln habt. Ich weiß, wie sehr Sonderwünsche nerven, ich war auch mal Kellner, aber einen kleinen Wunsch habe ich noch. Könnte ich eine Waffel bekommen, aber das Erdbeereis in eine extra Schüssel? Ein schwarzer Kaffee ohne weiterem Schnickschnack wäre auch nett.“
Sie lächelt mich an, streicht sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. „Ausnahmsweise, aber nur, weil ihr beide so süß seid.“ Auch diese Bestellung wird wieder von ihr notiert. Melody bleibt bei einem anderen Tisch stehen, auch dort nimmt sie freundlich die Bestellung auf.
„Sie ist sehr hübsch, Daddy. Ihre Lippen sind rot. Ich mag rot.“
„Ja, da hast du Recht, Sebby. Sie ist sehr hübsch, aber ich finde, dass deine Mum noch viel schöner ist.“ Das sage ich natürlich nicht nur so, das meine ich auch so. Ich habe wirklich großes Glück, eine Frau wie Robin zu haben.
Sebby nickt. „Meine Kindergartentante ist auch hübsch. Manchmal sind ihre Haare geflochten, das sieht schön aus. Heute hatte sie eine rote Haarspange in den Haaren.“
Interessiert blicke ich zu Sebastian, er schaufelt sich eine Erdbeere in den Mund. Bereits jetzt ist sein Gesicht mit Schokoladeneis beschmiert. „Sag mal Sebby, bist du schon verliebt? Du siehst dir Mädchen sehr genau an.“
Er schüttelt den Kopf. „Nein. Ein Mädchen hat mich gefragt, ob ich ihr Freund sein will, aber ich mag keine Mädchen, Daddy. Die spielen lieber mit Puppen und die sind langweilig. Einige Mädchen sind nicht so schlimm, weil sie gerne malen, so wie ich, aber ich mag sie trotzdem nicht so gerne.“ Aus meinem Rucksack nehme ich die Packung feuchter Tücher. Kaum nehme ich eines davon zur Hand, dreht Sebby sich zu mir, sodass ich sein Gesicht abwischen kann. „Die anderen Kinder sind komisch, ich bin lieber bei dir.“
„Das ist süß von dir, ich hab dich auch gerne bei mir, Sebby. Dass die anderen Kinder komisch sind, ist nicht so schlimm. Wenn du groß bist, wirst du bestimmt jemanden finden, den du gern hast“, erkläre ich lächelnd. „Bis du jemanden gefunden hast, der nicht komisch ist, bleibst du einfach bei mir.“
„Okay, Daddy.“

Ein weiteres Mal tritt Melody zu uns an den Tisch. Sebby bekommt seine Waffel, ich mein Erdbeereis und meinen Kaffee. Neben meiner Tasse entdecke ich einen kleinen Zettel. Er ist unter einem Keks versteckt. Kaum hebe ich den Keks an, greift mein Sohn sofort nach meinem Arm. „Den Keks willst du auch noch?“, frage ich erstaunt. „Sebby, du hast eine Waffel und Eis. Ich packe den Keks in den Rucksack und du kannst ihn ein anderes Mal essen, okay?“
„Okay. Kannst du die Waffel für mich schneiden, Daddy?“ Ich nicke, lasse den Keks dann in den Rucksack fallen. Um Sebby das Essen zu erleichtern, fange dann an den lockeren, fluffigen Teig in kleine Stückchen zu schneiden. Fröhlich und zufrieden greift mein Sohn nach einem kleinen Stückchen und lässt es in seinem Mund verschwinden. „Die Waffel ist super lecker. Ich liebe Waffeln“, erklärt er kauend.
„Und weißt du was ich liebe? Ich liebe es, dich glücklich zu sehen, mein kleines Frettchen.“
„Ich bin immer glücklich, wenn ich bei dir bin, Daddy“, antwortet Sebby lächelnd, ehe er sich wieder seinem Eisbecher widmet. Selbst wenn er mich nur lieb hat, weil ich ihn mit zu viel Zucker füttere, geht mein Herz bei dieser Aussage auf.

Das kleine Frettchen nimmt einen weiteren Löffel Schokoladeneis zu sich, dabei tropft ein wenig auf sein blaues Shirt. „Upsi. Daddy?“
Natürlich kümmere ich mich sofort um den Fleck. Das Shirt wandert auf jeden Fall in die Waschmaschine, sobald wir zu Hause sind.

Ich lege das mit Schokolade bekleckerte Feuchttuch zur Seite. Mein Blick fällt wieder auf den kleinen Zettel auf der Untertasse meines Kaffees. Neugierig nehme ich ihn zur Hand. Die hübsche Kellnerin hat mir meinen Kaffee mit ihrer Telefonnummer versüßt. Zu dumm, dass ich meinen Kaffee ungesüßt trinke…
Review schreiben