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Moscow Mule on the rocks.

GeschichteHumor, Familie / P18
OC (Own Charakter) Robin Sebastian
29.04.2019
13.09.2020
22
112.387
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29.04.2019 4.173
 
Kapitel 1
Das Leben eines Arbeitslosen.

Ich parke meinen Wagen, nehme kurz meine Sonnenbrille ab, um sie zu putzen. Als die glänzenden Gläser wieder klare Sicht versprechen, setze ich sie wieder auf. Ich steige aus, schließe ab und begebe mich in den Kindergarten, um meinen Sohn abzuholen. Nachdem ich den halben Tag alleine den Haushalt geschmissen und hauptsächlich mit mir selbst gesprochen habe, freue ich mich noch mehr auf seine Gesellschaft. Viele Eltern sind froh, wenn sie ihre Kinder ein paar Stunden abgeben können, ich bin definitiv keines dieser Elternteile. Ich liebe jede Sekunde, die ich mit meinem Sohn verbringen kann.

Seit gestern Abend fühle ich mich erleichtert, mir ist eine riesengroße Last von den Schultern genommen worden. Robin die Wahrheit zu sagen hat gut getan. Ich weiß jetzt mehr denn je, dass Robin hinter mir steht und das bedeutet mir wahnsinnig viel. Und sie hat Recht, ich muss mich auf die positive Seite konzentrieren. Ich habe zwar meinen Job verloren, aber dadurch Zeit mit meinem Kind gewonnen. Jetzt, wo ich arbeitslos bin, kann ich Sebby jeden Tag vom Kindergarten abholen, mit ihm spielen und toben. Ich kann meine gesamte Zeit nutzen, um der Vater zu sein, den er verdient hat. …und ich werde ihn nicht enttäuschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich mein Leben wieder in den Griff bekomme.

Ich betrete das Gebäude, gehe den mit Kinderzeichnungen geschmückten Gang entlang. Sebbys Gruppe befindet sich am Ende des Ganges. Ich gehe an den zwei ersten Gruppen vorbei, dabei sehe ich durch das Glas, wie die fröhlichen Kinder miteinander spielen. Ich wünschte, ich könnte nur halb so unbeschwert durch das Leben gehen, wie diese Kinder es tun.

An der Tür angekommen blicke ich durch das Glas in den mit Tischen und Stühlen ausgestatteten Raum. Auch hier beschäftigen sich die Kinder mit den verschiedensten Spielemöglichkeiten. Es dauert ein wenig, bis ich Sebbys Rotschopf entdecke. Ich öffne die Tür, werde sofort von einer Kindergärtnerin erblickt.
„Sebastian, dein Daddy ist da!“, ruft sie, wenige Sekunden später läuft er schon freudig auf mich zu.
„Daddy!“ Ich gehe in die Knie, um ihn aufzufangen. Mit meinem Sohn auf dem Arm stelle ich mich wieder aufrecht hin. Ich bekomme sofort einen Begrüßungskuss auf die Wange. Freudig umarmt mein Sohn mich, er drückt mich so fest, dass mir fast die Luft wegbleibt.
„Hey Sebby.“
Auch die junge Frau kommt auf mich zu. „Sebastian hat sich schon den ganzen Tag gefreut, dass du ihn heute abholst“, erklärt sie lächelnd.
Ich schiebe meine Sonnenbrille aus meinem Gesicht, drücke Sebby einen Kuss auf die Wange. Er lässt seinen Griff glücklicherweise wieder ein wenig lockerer. „Ach ist das so, mein kleines Frettchen?“
„Jaaa!“, freut er sich glücklich, legt seine kleinen Hände an meinen Hals. „Ich hab heute einen Marienkäfer gebastelt und ein Bild gemalt und mit Bauklötzen gespielt und ich hab ein neues Puzzle gemacht.“
„Wow, du warst produktiver als ich“, gebe ich ehrlich von mir. „Ich hab nur… ich war einkaufen und hab ein bisschen geputzt… Oh, zu Hause wartet übrigens eine kleine Überraschung auf dich.“
„Eine Überraschung?“, freut Sebby sich glücklich.
„Ja, nur für dich alleine“, antworte ich, setze ihn dann ab.
„Jaaa! Daddy, ich muss dir meine Zeichnung zeigen!“, freut sich mein Sohn weiter. Schnellen Schrittes verschwindet er dann schon wieder unter den anderen Kindern.
„Ich hoffe, dass er heute nicht allzu aufgedreht war“, entschuldige ich mich durch die Blume, die Kindergärtnerin lacht.
„Das ist er jedes Mal, wenn er weiß, dass du ihn abholst. Sebastian spricht nur von seinem Dad, den ganzen lieben langen Tag. Er erzählt, dass ihr zusammen spielt, du ihm Geschichten vorliest und ihr zusammen Musik macht.“
„Ach wirklich?“, frage ich überrascht nach.
„Du bist sein Held, er bewundert dich wirklich sehr“, spricht sie mir weiterhin gut zu. „Er erzählt immer ganz stolz, dass er den besten Daddy auf der ganzen Welt hat.“
„Wow…“ Ich überblicke die Kinder, Sebastian sucht gerade in einem Stapel mit Zeichnungen nach seinem Bild. „Ich hab wirklich großes Glück, dass er noch nicht versteht, dass mein Chef mich gestern gefeuert hat und dass ich ihn deswegen öfter abholen werde“, erzähle ich offen.
„Das tut mir wirklich leid. Robin hat heute Morgen schon mit mir darüber gesprochen.“
„Danke. Naja, was soll’s, solange ich zu Hause bin, brauchen wir keine Nachmittagsbetreuung“, erkläre ich. „Vormittags bringen wir ihn trotzdem her, damit ich ein bisschen Zeit für den Haushalt habe und er sich mit seinen Freunden beschäftigen kann.“
„Kein Problem, das haben Robin und ich auch bereits geregelt.“
„Perfekt.“

Als Sebastian glücklich auf mich zukommt, gehe ich wieder in die Knie. „Sieh mal, das ist mein Bild“, erzählt Sebastian freudig. „Das bist du und das ist Mum und das bin ich.“ Mit seinem kleinen Zeigefinger der linken Hand zeigt er auf die Personen, die er gemalt hat. Er sieht mich mit seinen strahlenden Kinderaugen an.
Lächelnd betrachte ich sein neuestes Werk ein wenig genauer. Wir drei stehen scheinbar auf einer Blumenwiese, über den Köpfen stehen in großen Blockbuchstaben, Mum, Sebastian und Daddy geschrieben. Nicht nur seine Zeichnungen werden genauer, auch seine Schrift macht in den letzten Monaten wirklich große Fortschritte. Ich bin wirklich verdammt stolz auf meinen Sohn. „Du bist so talentiert. Gibt es eigentlich auch etwas, das du nicht kannst?“, frage ich erstaunt.
„Ich kann alles“, freut Sebby sich grinsend, zeigt mir dann noch einen aus Papier gebastelten Marienkäfer. „Der kann auch mit den Flügeln wackeln. Siehst du?“ Sebby klemmt seine Zeichnung unter seinen Arm, zeigt mir dann, wie man die Flügel des Marienkäfers öffnen und schließen kann.
„Wir brauchen eindeutig einen größeren Kühlschrank“, gebe ich grinsend von mir. „Wir haben ja schon fast gar keinen Platz mehr für deine Kunstwerke. Wir sollten ein Museum mit deinen Werken füllen.“

Kichernd reicht Sebby mir die Zeichnung und den Marienkäfer. Eilig läuft er an mir vorbei und setzt sich in der Garderobe auf den Boden, um sich seine Schuhe selbst anzuziehen. Ich nehme seinen Rucksack von dem Haken, um seine Basteleien einzupacken. Als ich in seinen Rucksack blicke, sehe ich, dass er sein Obst gar nicht gegessen hat. Die Apfelspalten, die Robin ihm mitgegeben hat, sind noch vollzählig.
„Wieso hast du deine Äpfel nicht gegessen?“, frage ich. Sebby sieht kurz zu mir, kämpft dann wieder mit seinen Schuhen.
„Ich hab ein halbes Brot gegessen.“
In seiner zweiten kleinen Plastikbox befindet sich die andere Hälfte seines Brotes. Ich wende mich an die Kindergärtnerin, sie zuckt mit den Schultern. „Er hat gesagt, dass er keinen Hunger mehr hat, also wollte ich ihn nicht zwingen mehr zu essen.“
„Verstehe, ich hätte wohl dasselbe gemacht… und ihm dann ein Eis gekauft… Robin sagt immer, dass ich ihn viel zu sehr verhätschle.“
Die junge Kindergärtnerin kichert ein wenig, blickt dann zu Sebastian, auch ich sehe zu meinem Sohn.

Meine Frau verlässt sich auf mich. Robin hat gesagt, dass ich ihm keine Süßigkeiten geben darf, wenn er nicht aufisst. Ich muss mich daran halten und muss heute wohl der Böse sein. Es wird schwer, aber ich muss zumindest diese kleine Forderung meiner Frau durchsetzen, um ihr zu zeigen, dass ich auch helfen kann und dass wir zusammen an einem Strang ziehen. Ein Kind zu erziehen ist wirklich alles andere als einfach. Wenn es nach mir gehen würde, dürfte Sebby den ganzen Tag tun und lassen, was er möchte, solange er dabei glücklich ist. Wenn ich Robin nicht hätte, würde ich Sebby wahrscheinlich vollkommen verziehen…

Sebby und ich verabschieden uns von seiner Kindergärtnerin, sie betritt wieder die Gruppe. Mein Sohn hat es lange genug alleine versucht, es wird Zeit, dass ich ihm helfe, seine Schuhe zuzuschnüren. Ich setze mich zu ihm auf den Boden, nehme seine Schnürsenkel zwischen meine Finger.
„Aber dein Brot hat dir doch geschmeckt, auch wenn du es nicht aufgegessen hast, oder?“, erkundige ich mich interessiert, da ich die Vermutung habe, dass er vielleicht irgendwas in seinem Pausenbrot nicht mag.
„Ja, das war lecker“, stimmt Sebby mir zu. „Aber essen ist langweilig, ich wollte lieber spielen.“ Seine neugierigen Augen beobachten jede Bewegung meiner Finger. Als ich ihm seinen zweiten Schuh zuschnüren will, legt er seine Hände auf meine Finger, da er es selbst versuchen möchte. Einige etwas holprige Versuche später schafft er es, seine erste Schleife zu binden.
Stolz grinsend sieht er mich an, ich gebe ihm einen zarten Kuss auf die Stirn. „Oh Mann, jetzt brauchst du mich ja schon fast gar nicht mehr, du bist schon so groß und erwachsen“, mache ich ihm ein Kompliment, worauf er ein wenig lacht.
„Doch, du musst mit mir spielen und mir ein Eis kaufen, Daddy.“
Ich streiche durch seine Haare, stehe dann vom Boden auf. „Das lässt sich einrichten.“

Hand in Hand verlassen wir den Kindergarten, ich trage Sebbys Rucksack, mein Sohn springt fröhlich auf und ab. Meine Augen sind wieder durch meine Sonnenbrille von der grellen Sonne geschützt.
„Was machen wir heute, Daddy?“
„Ich mache dir etwas zu essen und dann basteln wir ein bisschen.“
„Und was ist meine Überraschung?“
„Das verrate ich dir noch nicht“, antworte ich grinsend.
„Aber ich will es jetzt wissen“, gibt Sebby ungeduldig von sich, wobei er trotzig auf den Boden stampft.

Wir schenken ihm ein Hamsterrad in Menschengröße, damit er sich vor dem Schlafengehen noch auspowern kann. Das wäre eine klasse Idee…
Robin könnte so etwas in der Arbeit bauen...
…wäre das eigentlich schon Kindesmisshandlung?

„Daaaaaddy, bitte.“
„Nein Sebby, wenn ich es dir verrate, dann ist es keine Überraschung mehr.“
„Aber Daddy… Bitte…“
„Nein.“

Wie immer, wenn er seinen Willen nicht durchsetzen kann, bleibt Sebastian stehen, er lässt meine Hand los, verschränkt eingeschnappt seine Arme. Er zieht eine Schmolllippe, dreht seinen Kopf zur Seite, damit er mich nicht ansehen muss. Ich atme tief durch, bleibe wenige Meter vor ihm stehen, sehe einfach nur zu meinem Frettchen hinunter. Einerseits ist er verdammt niedlich, wenn er sich ärgert, anderseits ist es auch recht anstrengend, vor allem, wenn man am Vortag gesoffen hat...

Ich muss in so einer Situation ernst bleiben und darf weder lachen, noch nachgeben, auch wenn es wirklich einfacher wäre, wenn ich genau das tun würde.

„Komm, Sebby.“
„Nein…“
„Dann gehe ich eben ohne dich…“, gebe ich gleichgültig von mir, drehe mich um und mache mich auf den Weg zu meinem Auto. Hier kann ich ihn problemlos aus den Augen lassen, der Weg bis zur Straße ist ausbruchsicher. Der einzige Ausweg ist gerade aus vor mir. Vor dem Bordstein ist ein kleines Tor, das Sebby nicht alleine öffnen kann, also kann ihm nicht viel passieren außer, dass er hinfällt.

Ganz gemütlich gehe ich einfach weiter, in wenigen Metern wird Sebastian mir ohnehin folgen, das macht er immer. Kurz vor dem Tor höre ich eindeutig seine Schritte, er läuft auf mich zu. Mein Sohn greift nach meiner Hand, geht schmollend neben mir hier, bis wir beim Auto ankommen. Ich schließe auf, setze ihn in seinen Kindersitz. Mit wenigen Handgriffen gurte ich ihn fest, küsse dann seine Stirn. Ich nehme meine Sonnenbrille ab, werfe sie auf den Beifahrersitz nach vorne, widme mich dann wieder meinem Kind.
„Wenn du so böse auf Daddy bist, ist er ganz traurig…“, schmolle nun auch ich, Sebastian nimmt das erste Mal wieder Augenkontakt auf.
„Nicht traurig sein, Daddy.“
„Bekomme ich einen Kuss?“, frage ich lächelnd, halte ihm dann meine Wange hin. Sebby legt seine Finger an meine Wangen, gibt mir dann einen sanften Kuss.
„Bist du immer noch traurig, Daddy?“
„Nein, jetzt bin ich wieder glücklich. Ich bin immer glücklich, wenn mein kleines Frettchen bei mir ist“, antworte ich zufrieden, wobei ich seine Wange liebevoll streichle. Sebastian grinst stolz, hebt seinen Kopf ein wenig an, als würde er sich in meinem Kompliment sonnen. „Ich hab dich lieb, Sebby.“
„Ich hab dich auch lieb, Daddy. Du bist der beste Daddy auf der ganzen Welt.“

Weil mein kleines Frettchen so unwiderstehlich ist, überflute ich seine süßen, kleinen Wangen noch einmal mit vielen Küssen, Sebby kichert. Sein Lachen erhellt meinen Tag.

Zufrieden schließe ich die Tür, nehme auf dem Fahrersitz Platz und wir machen uns auf den Weg nach Hause.



Zuhause angekommen, bitte ich Sebastian, sich eine Weile alleine zu beschäftigen. Ich bin froh, dass er es gewohnt ist, auch ein wenig für sich zu sein. Sebby sitzt auf dem Boden auf einem Kissen, der Couchtisch ist zu seinem Zeichentisch geworden, das handhaben wir immer so, damit er in meiner Nähe sein kann. Er zeichnet mit seinen neuen Wachsmalstiften, die ich heute beim Einkaufen für ihn mitgenommen habe, auf einem weißen Blatt Papier. Die Überraschung ist geglückt, er summt zufrieden zu der Kindermusik im Hintergrund, während er sich von seiner kreativen Ader leiten lässt.

Da ich nicht besonders gut kochen kann, mache ich bloß ein einfaches Nudelgericht. Ich schneide ein paar Zwiebel in kleine Würfel, brate sie ein wenig an. Ich leere eine Dose Tomatensoße in die Pfanne und werfe ein paar Gewürze dazu. Für die nächsten Tage sind noch mehr einfache Gerichte auf dem Speiseplan, alles andere würde mich aktuell restlos überfordern. Ich will nicht die Küche anzünden, dafür würde Robin mich wirklich umbringen. Bevor ich mich an ‚richtige‘ Gerichte herantraue, muss meine Frau mir noch ein wenig Nachhilfe geben.



Sebby und ich verbringen den heutigen Tag in der Wohnung, ich bin von gestern noch zu ausgelaugt, um heute noch mit ihm auf dem Spielplatz zu toben. Am späten Nachmittag lese ich ihm auf der Couch ein Kinderbuch vor, Sebbys Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sinkt von Seite zu Seite, er fällt in meinen Armen in den Schlaf.

Morgen ist Samstag, ein Tag an dem Robin eigentlich ausschlafen kann. Doch wenn Sebby jetzt schon schläft, wird das vermutlich ins Wasser fallen.
Schon bevor die Wohnungstür sich öffnet, höre ich Robins Schlüssel im Gang. Normalerweise würde ich ihr öffnen, aber Sebby liegt auf meinem Bauch, sodass ich ihn höchst wahrscheinlich wecken würde, sobald ich aufstehe.

„Hey Schatz“, werde ich von Robin begrüßt. Sie kommt gleich ins Wohnzimmer, beugt sich zu mir. „Oh nein, er schläft jetzt schon?“
„Tut mir leid, er ist eingeschlafen, als ich ihm vorgelesen habe“, entschuldige ich mich leise. Meine Frau küsst erst mich, gibt dann auch unserem schlafenden Kind einen Kuss auf die Schläfe.
„Das wird eine kurze Nacht“, stellt sie fest, ich nicke.
„Ich hab mir aus den Gelben Seiten ein paar Psychologen heraus gesucht, am Montag werde ich mich ans Telefon setzen, um so schnell wie möglich einen Termin zu bekommen“, erzähle ich ihr von meinem Tag. „Oh und ich hab diese Wachsmalstifte im Supermarkt gefunden, sie waren im Ausverkauf und da dachte ich, dass ich sie mitnehme, um Sebby eine Freude zu machen.“ Robin sieht sich die Bilder auf dem Tisch an, setzt sich damit auf die Couch. „Auf dem Kühlschrank hängt noch ein neues Bild von unserem kleinen Künstler, er hat im Kindergarten unsere Familie gemalt.“
„Ich bin richtig stolz auf meine Männer“, spricht Robin sanft, als sie die Bilder von Sebby betrachtet. „Auf dich, weil du wirklich den ersten Schritt machst und auf unseren Sebby, weil er so ein kreatives, kleines Kerlchen ist. War er heute brav?“
„Er war im Kindergarten sehr aufgedreht, weil er sich so gefreut hat, dass ich ihn abhole. Außerdem wollte er sein Obst schon wieder nicht essen, aber dafür hat er im Kindergarten wenigstens ein halbes Brot gegessen. Am Abend hat er einen halben Teller Nudeln gegessen. Und ich bin hart geblieben, er hat heute wirklich keine Süßigkeiten von mir bekommen, ich war sehr konsequent. Ich glaube, dass es für mich tragischer war, als für ihn.“
„Ich werde immer stolzer auf dich“, antwortet Robin, wobei sie kichert.
„Vielen Dank, meine Liebste.“
Robin lächelt mich an, sie gibt mir einen weiteren Kuss. „Bringst du unser kleines Monster ins Bett, dass wir etwas Zeit für uns haben?“
„Wird gemacht.“

Vorsichtig trage ich Sebastian in sein Zimmer, wie durch ein Wunder wacht er nicht auf. Als ich ihn in seinem Bett abgelegt habe, ziehe ich ihm noch vorsichtig seine Hose und seine Söckchen aus, damit ihm heute Nacht nicht zu heiß wird. Behutsam decke ich ihn zu, streichle über seine Seite. Ich gebe ihm noch einen Kuss auf die Stirn.
„Schlaf schön mein kleines Frettchen“, flüstere ich, schalte dann sein Nachtlicht ein, damit er keine Angst bekommt, falls er aufwachen sollte.
„Daddy…“, murmelt Sebastian leise. Zu früh gefreut.
„Keine Angst, Schätzchen, ich bin bei dir.“ Ich lege mich zu ihm ins Bett, er kuschelt sich gleich an mich.
„Ich hab dich lieb, Daddy…“
„Ich hab dich auch lieb, mein kleines Frettchen“, antworte ich leise.

Ich warte einige Minuten, bis er wieder tief und fest im Land der Träume verschwunden ist, bevor ich das Zimmer leise verlasse. Gähnend schlurfe ich in die Küche, räume noch ein wenig auf, auch wenn ich eigentlich viel lieber ins Bett gehen würde.

„Daaaan…“, höre ich Robins laszive Stimme hinter mir. Als ich mich umdrehe, öffnet sie den Gürtel ihres Bademantels. Der Anblick ihrer bloßen Haut bringt mich augenblicklich zum Grinsen. Schnell lasse ich alles stehen und liegen, gehe ich auf sie zu, um sie in einen zärtlichen Kuss zu verwickeln. Meine Frau legt ihre Arme um meinen Hals, sie erwidert den Kuss fordernd, drängt mich immer weiter gegen die Wand. Ich spüre Robins Hand unter meinem Shirt.

Ich weiß nur zu gut, wo das hinführt und ich liebe es…



„Du warst ja so sanft zu mir“, gebe ich unruhig von mir, grinse dabei. „Es war ungewohnt, aber wirklich sehr schön.“
„Ich hatte das Gefühl, dass ich dich heute nicht beißen und kratzen muss, um voll und ganz befriedigt zu sein“, antwortet Robin zufrieden, gibt mir im Anschluss einen Kuss. Mein Brustkorb hebt und senkt sich ungleichmäßig, ich muss wieder richtig zu Atem kommen.
„Da hatte ich ja wirklich Glück.“
„Du hast immer Glück, immerhin hast du mich.“ Robin streicht über meine Brust, küsst dann meine Wange. Normalerweise ist meine Frau im Bett viel härter und beinahe schon brutal, heute Abend ist sie einfühlsam und streichelweich. Diese Seite von ihr zu spüren ist wirklich eine willkommene Abwechslung und außerdem erspare ich mir die auf meinen Hals gerichteten Blicke. Robin hinterlässt gerne auffällige Spuren. Sie markiert ihr Revier sehr leidenschaftlich. Nicht, dass es mich stören würde, aber man muss ja nicht immer die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.  

„Ich liebe dich, Robin.“
„Und ich liebe dich, mein schöner Mann.“

Mit einem Kuss verabschiede ich mich für meine Zigarette danach. Ich löse meine Frau von mir, steige aus dem Bett, schlüpfe in meine Boxershorts und mein Shirt. Robin streicht über meinen Oberschenkel. „Du solltest dir das wirklich abgewöhnen“, belehrt sie mich, wobei sie allerdings lächelt.
„Das ist erst meine vierte oder fünfte Zigarette heute. Außerdem rauchen sogar Nichtraucher nach dem Sex mit dir“, mache ich meiner Frau eines meiner beliebten unromantischen Komplimente. „Ich bin in ein paar Minuten wieder da.“
Robin setzt sich auf, zieht die Decke über ihre Brüste. „Wenn du schon raus gehst, kannst du kurz nach Sebby sehen?“
„Aber sicher doch“, antworte ich ihr, ziehe dann noch eine Jogginghose über. Auch wenn der Frühling bereits ins Land kehrt, ist es nachts noch sehr kühl.

Leise gehe ich durch die Wohnung, blicke kurz zu Sebby ins Zimmer. Das Nachtlicht ist hell genug, sodass ich sehen kann, dass mein kleines Frettchen tief und fest schläft. Beinahe lautlos schließe ich die Tür zu seinem Zimmer, schnappe mir meine Zigaretten und betrete den Balkon. Draußen angekommen stecke ich mir gleich eine an, um mich zu belohnen.

Die kühle Nachtluft treibt mir Gänsehaut über die Arme und Müdigkeit in den Kopf. Ich bin wirklich froh, dass Robin wegen meinem Geständnis nicht weiter wütend auf mich ist. Ich hätte mich vermutlich rausgeworfen. Meine Frau hat mir schon viele verrückte Dinge verziehen. Angefangen von meinen Sauftouren mit der Band, bis zu versäumten Verabredungen, die ich auf Grund meiner Schusseligkeit oder dem Ausschlafen eines Rauches vergessen habe. Robin ist ein wahrer Engel. Ich hoffe nur, dass ich wirklich die Kraft habe, um mich zusammen zu reißen und mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Die letzten Jahre haben mich so ausgelaugt, dass ich eigentlich am liebsten den ganzen Tag schlafen würde, aber ich muss aufstehen, ich muss mich um Sebby kümmern und ich muss Robin so gut ich kann entlasten… Ich kann meine Familie nicht im Stich lassen.

Zug für Zug wird meine Zigarette immer kürzer. Ich strecke mich genüsslich, drücke meine ausgerauchte Zigarette in meinen Aschenbecher.

Bevor ich wieder zu Robin ins Bett steige, putze ich mir die Zähne und wasche mein Gesicht. Im Schlafzimmer ist es bereits dunkel. Ich ziehe meine Jogginghose und mein Shirt aus, kuschle mich zu Robin unter die Decke.
Meine geliebte Frau rutscht sofort näher an mich, ich spüre ihre bloßen Brüste an meiner Haut. Meine Hand wandert an ihre Seite, ich streichle sie liebevoll. Wir küssen uns immer und immer wieder, bis sie wieder auf meiner Hüfte sitzt. Als sie sich zu meinem Gesicht beugt, spüre ich ihre Haare an meiner Haut.

„Vergiss nicht, dass unsere Nacht kurz ist…“, erinnere ich sie leise.
„Ich weiß, aber heute bin ich einfach so scharf auf dich…“
Ich lege eine Hand an ihren Hintern, gebe ihr einen vorsichtigen Klaps. „Runter mit dir du Hexe, sonst versohle ich dir die ganze Nacht den Hintern.“
„Oh, welch schlimme, schlimme Strafe…“, gibt sie unbeeindruckt von sich, kichert dann.
Wir küssen uns erneut, ich streichle über Robins Oberschenkel. „Lass uns einfach schlafen, ich bin vollkommen erledigt.“
„Ausnahmsweise“, gibt sie leise von sich, gibt mir im Anschluss einen letzten Kuss. „Dafür musst du dich morgen aber besonders anstrengen.“
„Gut, dann versohle ich dir morgen die ganze Nacht den Hintern.“

Wir kuscheln uns aneinander, ich lege einen Arm um meine Frau, atme den fruchtigen Duft ihrer Haare ein. „Ich liebe dich Robin. Danke, dass du immer noch zu mir hältst, obwohl ich wirklich scheiße gebaut habe.“
„Ich wüsste gar nicht, wie ich das alles ohne dich schaffen sollte. Irgendwie würde es bestimmt gehen, aber ich will nicht herausfinden müssen wie. Einen Vollzeitjob und die Erziehung von Sebastian alleine unter einen Hut zu bekommen… Ich will gar nicht daran denken, ohne dich zu leben. Wir sind eine Familie. In guten, wie in schlechten Zeiten.“
„Ja… In guten, wie in schlechten Zeiten…“, stimme ich ihr zu, schließe dann meine Augen.

Es ist eine Weile still, doch dann meldet sich Robin erneut zu Wort. Ich öffne meine Augen, als sie anfängt zu sprechen.

„Versprich mir nur, dass du alles versuchst, um dich zu bessern und dass du mit mir sprichst, wenn du nicht mehr weiter weißt. Nur wenn du mir sagst, was in deinem Kopf vorgeht, kann ich dir helfen, dich unterstützen und für dich da sein. Wir sind ein Team, Dan und ein Team funktioniert am besten, wenn man sich bei Problemen abspricht. Ich will dich nicht verlieren…“
„Danke, Baby…“, sage ich leise, gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ich verspreche, dass ich alles tue, um mich wieder zu fangen… Es wird bestimmt nicht einfach, aber ich tue, was ich kann. Ich hoffe nur, dass es gut genug für dich ist…“
„Du bist immer gut genug, Dan. Wenn ich dich nicht so lieben würde, wie du bist, hätte ich dich niemals geheiratet. Ich erwarte keine Perfektion, ich will einfach, dass es dir gut geht und dass unsere Familie zusammen bleibt.“
„Hm… Du meinst das ernst, richtig?“
„Und wie ernst ich das meine. Ich liebe dich und ich liebe Sebby… Unsere Familie ist mir das Wichtigste… Und ich will das alles nicht aufgeben. Natürlich ärgere ich mich, weil du so ein Idiot bist. Drogen sind nicht lustig und wenn du noch einmal in die Nähe von Kokain kommst, töte ich dich. Auch wenn du diese dumme Entscheidung getroffen hast, bist du ein wunderbarer Ehemann und ein noch besserer Dad. Sebby vergöttert dich, ich will mir nicht vorstellen, wie sehr es ihn kränken würde, wenn er nicht jeden Tag bei dir sein kann.“
Ich atme tief durch, drücke meine Frau ein wenig. „Verzeihst du mir?“
„Naja, also, ja… aber du musst von den Drogen wegkommen und auch wegbleiben und zwar endgültig. Dir muss klar sein, dass das hier wirklich die aller letzte Chance ist, die ich dir geben kann.“
„Okay… verstehe… Ich verspreche dir, dass ich an mir arbeite.“
„Ich denke, dass es eine gute Idee wäre, wenn du dir einen Termin bei einer Suchtberatung ausmachen würdest. Vielleicht gibt es dort Möglichkeiten, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen oder einen Termin bei einem auf Sucht spezialisierten Therapeuten zu bekommen.“
„Das ist vielleicht gar nicht so schlecht. Wieso bin ich nicht selbst darauf gekommen?“
„Tja, ich könnte dir darauf eine Antwort geben, aber sie wäre nicht nett.“
„Tz… gute Nacht.“
„Gute Nacht, Dan. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch.“

Ich danke Yoba für diese großartige Frau. Niemand sonst würde mit dieser Situation so konstruktiv umgehen und das Beste aus meinen dummen Entscheidungen machen.
Sie ist geduldig, verständnisvoll, liebevoll, witzig, sexy und verdammt gut im Bett, beinahe als wäre sie für mich gemacht worden. Sie ist einfach perfekt.

Müde gebe ich Robin einen Kuss auf die Stirn, drücke sie zufrieden an mich. Es wird höchste Zeit für ein paar Stunden Schlaf, unser kleines Frettchen wird bestimmt nicht besonders gefühlvoll sein, wenn er morgen Früh in unser Bett springt, um uns zu wecken...
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