OS zum Spielzeugmacher, der kein OS mehr ist

von Bernd
OneshotFantasy / P18
29.04.2019
18.09.2019
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„Nelly, hast Du einen Moment Zeit?“
„Ja Dad, ich komme gleich.“
Dudley saß am Tisch und betrachtete sich seinen Zauberstab. Das Ding sah gut aus, fand er. Je nach dem wie das Licht auf den Stab traf, schimmerte er in den verschiedensten Farben auf. Es fasste etwas fester zu und spürte das knistern der feinen elektrischen Entladungen in seiner Hand.
Das Material kannte er ganz genau, denn seine Mom besaß einen Ring mit einem Elbait. Das er jetzt einen Zauberstab aus genau diesem Material in der Hand hielt war doch ein sehr launischer Zufall. Oder etwa nicht? Hatte er eine Affinität zu diesem Mineral? Miss Ollivander hatte gesagt, es befinden sich im Kern fünf Zutaten. Sie hielt sie geheim, warum? Harry kannte den Kern seines Stabes, Hermione auch. Warum wurde bei ihm jetzt so ein Brimborium darum gemacht? Er beschloss, Miss Ollivander noch einmal aufzusuchen, wenn er allein war. Vielleicht wollte sie sich vor Harry nicht dazu äußern.
„Dad, Du hast gerufen, was ist?“
Dudley erwachte aus seiner Versunkenheit.
„Schau mal Nelly, ich war gestern mit Harry in der Winkelgasse. Da habe ich diesen Zauberstab erworben. Willst Du ihn Dir einmal anschauen?“
„Du hast einen Zauberstab, Dad? Der sieht schön aus.“
Und wie gut er sich anfühlt und so warm in ihrer Hand.
„Ich musste bestimmt hundert Stäbe ausprobieren, bis ich den in der Hand hatte. Jeden Stab muss man dabei schwingen. Einmal habe ich den Raum zerlegt, das war ein Krach, kann ich Dir sagen.“
„So wie mit dem Bagger?“
„Genau so. Aber die Verkäuferin hat das ganz schnell in Ordnung gebracht. Reparo hat sie gesagt und dann war es wieder wie vorher.“
„Da hast Du aber Glück gehabt, Dad.“
„Harry hat den Laden auch verwüstet. Hat er mir erzählt.“
„Echt? Das hätte ich jetzt nicht gedacht, weil er so gut zaubern kann.“
„Nelly, schwinge den Stab einmal, mal sehen was passiert.“
„Meinst Du, das ist eine gute Idee? Wenn ich was kaputt mache?“
„Dann komm, gehen wir nach draußen. Dort am Waldrand, da stören wir niemanden.“
„Hier Dad.“
„Nein, behalte ihn, bis wir draußen sind.“
„Ich darf den Zauberstab tragen? Oh Dad, Du bist der Beste.“
„Nelly, morgen gehen wir Dir auch einen kaufen und dann habe ich noch eine Überraschung für Dich.“
„Dad, Bella hat mir gestern schon einen Stab gegeben, schau mal.“
„Ein wenig krumm und knorrig?“
„Ja schon, aber den hat sie von Herbert.“
„Herbert?“
„Ja der Bowtruckle aus dem Zauberbaum bei Harry im Garten. Da sind ganz viele, hast Du die noch gar nicht gesehen?“
„Nein Nelly, möchtest Du sie mir vielleicht zeigen?“
„Ja gern. Aber Du brauchst Holzläuse dazu, sonst kommen sie nicht.“
„Holzläuse? Ich glaube Harry hatte eine Schachtel davon unten in der Küche.“
„Dann gehe ich sie holen, komm Dad, ich bin schon neugierig, was der Stab macht.“
„Ich auch Nelly. Hat Maddy gesagt, wann sie nach Hause kommt?“
„In einer Stunde Dad. Sie wollte noch einkaufen. Oh, viele Holzläuse sind nicht mehr da.“
„Das macht nichts. Morgen holen wir neue, in der Winkelgasse. Da gibt es einen Tierladen, den solltest Du unbedingt sehen. Die haben sogar einen dreiköpfigen Hund. Sehr bissig. Er ist noch klein aber er soll wohl zwei Meter groß werden und ist sehr bissig!“
„Dad, kann ich eine Eule haben, bitteee…!“
„Schau in den Spiegel, da ist schon eine.“
„Das war gemein. Das sage ich Mom.“
Dudley grinste und auch Nelly musste lachen.
„Du darfst Dir gern etwas aussuchen, ich muss noch mal in den Laden. Aber nichts aus den zauberhaften Zauberscherze Laden.“
„Was, so was gibt es in der Winkelgasse? Können wir dahin gehen?“
„Ich denke, dann bleibt Dir wohl nur Zeit für ein sehr kleines Eis. Und die haben da so große.“
„Echt? Du veralberst mich schon wieder. So große Eis gibt es gar nicht!“
„Stimmt, die sind sogar so groß.“
„Daddy, Dir wächst noch eine lange Nase!“
„Oh nein, bitte nicht. Ich hatte aber schon mal eine so lange Zunge, das war furchtbar. Nur weil ich einen Bonbon aus den zauberhaften Zauberscherzen gegessen habe.“
„Was hast Du dann gemacht?“
„Ich musste einen zweiten Bonbon essen, dann war das wieder weg.“
„Aber das ist doch lustig?“
„Mein Dad war sauer kann ich Dir sagen und meine Mom, die hättest Du sehen sollen. Die hätte dem Zauberer fast die Augen ausgekratzt!“
„Dein Dad und Deine Mom sind Muggel, die hatten bestimmt Angst.“
„Weißt Du Nelly, bei meiner Mutter bin ich mit da gar nicht sicher. Ihre Schwester soll sehr magisch gewesen sein.“
„Ihre Schwester?“
„Ja, Harrys Mom. Sogar Severus kannte sie und meine Mom, sie haben mal im gleichen Ort gewohnt.“
„Wo sind Harrys Eltern? Hat er sich auch gestritten sowie Du?“
„Nein Nelly. Harrys Eltern sind tot. Das ist eine traurige Geschichte, ich mag gar nicht daran denken.“
„Kanntest du Sie denn?“
„Nein, ich war damals noch ganz klein. Harry ist dann zu uns gekommen, bis er nach Hogwarts in die Schule musste. Dann war er nur noch in den Ferien da.“
„Hat Harry immer gezaubert?“
„Bei uns fast nie. Das ist nämlich verboten außerhalb der Schule zu zaubern.“
„Hat er es trotzdem gemacht?“
„Ja und dann hat er mächtig Ärger bekommen.“
„Oh. Aber trotzdem kaufst Du mir einen Zauberstab?“
„Das Ministerium hat eine neue Regelung. Zauberstäbe ohne Kern, damit darfst Du zu Hause zaubern. Aber nur da, es sei denn, Du musst Dich oder jemand anderen aus großer Gefahr retten.“
„Und jetzt darf ich mit Deinem Stab zaubern?“
„Ich bin ja dabei. Wird schon nichts passieren. Na dann, wedle mal mit dem Stab.“
Nelly schaute Dudley mit großen Augen an. Dudley nickte ihr zu und so schüttelte sie den Zauberstab.
Es ertönte ein scharfes zischen aus dem Zauberstab und dann erschien mit einem Plobb etwas silbernes, was sich zu einem merkwürdigen Symbol formte. Ein Stab mit einem runden Knauf mit Flügeln. An dem Stab wanden sich zwei Schlangen aufwärts, dann begannen die Flügel des Stabes zu flattern und der Stab verschwand im Wald.
„Was war das denn gerade?“
Wieder machte es Plobb und ein alter Zauberer stand vor ihnen.
„Sie haben mich gerufen, wo ist er?“
„Wer denn und wer sind Sie?“
„Der Kranke! Ich bin Heiler Smethwyck, also?“
„Hier gibt es keinen kranken und ich habe Sie nicht gerufen, Sir!“
„Aber das Notsignal der obersten Heiler…? Aber wieso… Sagen Sie, waren Sie das, junge Dame?“
„Ich habe nur den Stab ausprobiert, tut mir echt leid.“
„Sie haben nur den Stab ausprobiert? Aber, aber…Sie haben noch nie gezaubert, oder?“
„Nein Sir, entschuldigen Sie bitte, ich mache das nie wieder.“
„Junge Dame. Sie haben etwas getan, was Ihnen eigentlich nicht möglich sein sollte. Das Signal ist nur den fortgeschrittenen Heilern ein Begriff. Ich muss mich sehr wundern.“
„Ich bin ein Heiler!“
„Vielleicht werden Sie das tatsächlich einmal, wenn Sie tüchtig in der Schule sind.“
„Sie werden schon sehen, dass ich heilen kann.“
„Wie heißen Sie denn?“
„Nelly Dursley und ich fast zehn Jahre alt.“
„Nun, Miss Dursley, wenn Sie tatsächlich einmal die Heilerlaufbahn einschlagen, werden wir uns mit Sicherheit über den Weg laufen. Ich bin Hippocrates Smethwyck, Chefheiler im Sankt Mungos.“
Nelly nickte.
„Ich soll in der Schule der Heilerin zur Seite stehen. Und ich habe in Hermiones Bibliothek fast alle Heilbücher gelesen. Auch die von den Muggeln.“
„Sagen Sie Miss Dursley, dann haben Sie tatsächlich großes Interesse an Medizin?“
„Ja Mister Smethwyck. Ihr Vorname ist der von einen große Arzt der Antike, nicht wahr?“
„In der Tat ja. Sie scheinen wirklich eine Menge zu wissen. Nun, vielleicht haben Sie nächstes Jahr im Sommer Lust auf ein kleines Praktikum, Miss? Da können Sie das Sankt Mungos kennen lernen?“
„Aber da bin ich doch erst elf?“
„Man kann nie früh genug damit beginnen, sich mit der Heilkunst auseinander zu setzen, Miss Dursley. Wie gesagt, wenn Sie Interesse haben?“
„Wir melden uns bei Ihnen Mister Smethwyck, wenn das Interesse noch da ist, versprochen.“
„Sagen Sie, wo könnte ich Sie denn erreichen?“
„Wir werden in Kürze wieder nach London ziehen. Lassen Sie mir Ihre Karte da, ich setze mich dann mit Ihnen in Verbindung.“
„Einverstanden, Mister Dursley. So machen wir das. Ich werde Sie jetzt velassen. Hat mich gefreut, Sie kennen zu lernen.“
„Ich kann schon Diagnosezauber, Sir.“
„Was? Wie? Diagnose? Aber, aber das, das ist, nein tatsächlich? Mister Dursley, darf ich Ihre Tochter kurz entführen, sagen wir zehn Minuten? Möchten Sie mich begleiten, Miss Dursley? Ich würde mich gern von Ihren Fähigkeiten überzeugen. Ich also das ist…Bitte.“
„Dad, darf ich?“
„Ja schon aber gib mir meinen Zauberstab zurück. Wohin bringen Sie meine Tochter?“
„Ins Mungos Sir, wollen Sie gleich mitkommen?“
„Nein, wenn es wirklich nur zehn Minuten dauert?“
„Aber ja, ja, das geht wirklich fix. Ich muss nachher noch zu Mister Prince, wir beeilen uns, versprochen.“
„In Ordnung. Zehn Minuten.“
„Kommen Sie Miss Dursley, halten Sie sich an meinem Arm fest, wir apparieren.“

Dudley griff sich an den Kopf. Nelly macht das, was Harry vor vielen Jahren bei ihm gemacht hat, als er die Dementoren vertrieb. Das war wohl ein magischer Notruf, denn das Zeichen kannte er auch. Das Äskulap Symbol!
Nelly wird eine Ärztin, nein eine Heilerin will sie werden. Mit neun Jahren! Da hatte er sich damals noch mit seiner Gang geprügelt.
Die Welt bei Harry stellte alles auf dem Kopf, jeder Tag war eine neue Überraschung. Schon kamen ihm wieder Ideen für das Buch, was er schreiben wollte. Vorläufig machte er sich nur Notizen, bis er einen Laptop hatte. Das Schreiben am Computer fiel ihm nicht schwer, das wusste er.
So stand er eine Weile sinnierend am Waldrand, mit seinem Zauberstab in der Hand, den er sich wieder betrachtete. Es sah aus, als ob der Zauberstab mit den Lichtfarben pulsierte, doch das war das Laub der Blätter, das Licht- und Schattenspiel.
Dudley lief zu der Geröllhalde um sich ein paar Steine auszusuchen, mit denen er übern konnte. Ein alter Abzählreim kam ihn in den Sinn und im Takt der Verse bewegte er seinen Zauberstab von Stein zu Stein. Letztlich bückte er sich und steckte sich einen der Steine in die Tasche, wandte sich um und lief zurück zum Eberkopf.
Weit kam er nicht, denn hinter ihm fing es an zu knistern und zu knacken. Seine Nackenhaare stellten sich auf und im nächsten Moment kamen alle ausgezählten Steine auf ihn zugeschossen. Er riss seine Hand hoch um sein Gesicht zu verdecken, als die Steine schon auf seinen Körper trommelten. Ihm wurde schwarz vor Augen, er stürzte und blieb unter einem Geröll Haufen halb verdeckt, besinnungslos liegen.