Setter Twins

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Akaashi Keiji Bokuto Koutarou Kozume Kenma Kuroo Tetsurou OC (Own Character)
29.04.2019
07.08.2019
32
75429
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Kapitel 13: Zwei neue Gesichter

- Ankunft im Trainingscamp. Vor dem Bus.-

Kuroos Sicht:
Nach der mehr oder weniger langen Fahrt streckte ich ausgiebig meine Glieder. Lautes Knacken der steifen Knochen erklang.
„Du wirst alt, Kuroo.“, neckte mich unser Vizekapitän als er seine Tasche aus dem Buskofferraum kramte.
Nobuyuki Kai, ein vom Hauttyp etwas dunklerer schwarzhaariger Mitspieler, der dem Volleyballclub mit mir und Yaku vor knapp drei Jahren beigetreten ist. Obwohl er eher einen ruhigen Charakter besitzt, musste er schon so einige Streitereien in unserem Team schlichten. Doch manchmal neigte auch er zu Provokationen.
„Ach, halt die Klappe, Kai!“, knurrte ich, worauf er lachte.
Die ersten Strahlen der Sonne schienen auf uns herab und füllten die kalte Morgenluft mit wohltuender Wärme.
„Wehe dieses Mal passiert wieder so etwas wie beim letzten Treffen!“ Yaku schimpfte mit unseren drei Chaoten. Die Fäuste fest in die Hüfte gestemmt und mit finsteren Blick. Zum Glück hatte er vergessen, dass auch ich damals dazu gehörte, während Lev als Erstklässler Null Ahnung besaß um was es überhaupt ging. Verdutzt blickte er zwischen Yaku, Inuoka und Yamamoto hin und her.
„Von was spricht Yaku?“, fragte mein Kätzchen und stellte sich bibbernd neben mich. Weiße Atemwolken gingen von ihr aus.
Ich legte ihr einen Arm um die Schultern und zog sie an mich, um ihr Wärme zu spenden. „Nicht so wichtig. Sag hast du Hunger?“

- Mensa der Gastgeber-Schule. Irgendwann zwischen sechs und neun Uhr morgens. -

Readers Sicht:
Mit guter Laune und ausgeschlafen erreichten wir am frühen Morgen die Gastgeber-Schule des Trainingscamp. Da vielen von unserem Team der Magen in den Kniekehlen hing, hieß unsere erstes Ausflugsziel Mensa, dort hatten die Managerinnen vorsorglich ein Frühstück für die Besucher vorbereitet. Ein reichlich gedecktes Festmahl. Exotische Obstsorten und Salate. Verschiedene Arten von Brötchen und Broten und eine riesige Auswahl von passenden Aufstrichen. Na, wenn hier nichts für mich dabei ist…
Neugierig schaute ich mich an der Essensausgabe um. Die meisten Sachen waren mir unbekannt und erregten allein deswegen schon meine Abneigung, denn wie heißt es so schön: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Ich wollte gerade nach einem Brötchen greifen, als Kuroo mich anstieß.
„Hier, halt mal!“ Er drückte mir sein übervolles Tablett in die Hände und schnappte sich dafür meines.
„Was hast du vor?“, fragte ich ihn, geschockt über die Menge an Essen.
„Aufpassen, dass du mehr isst als nur Süßkram.“ Er ging die Tische mit dem ausgestellten Essen entlang und griff von jedem etwas.
„Tetsu...“, jammerte ich wie ein hilfloses Kätzchen, welches von seiner Mutter in Stich gelassen wurde. Und natürlich griff ich den Gedanken gleich auf: „Wann bist du zu meiner Mutter mutiert?!“
„Seit ich befürchten muss, dass meine Freundin frühzeitig an Diabetes stirbt!“ Als er fertig war mit Vollpacken, wurden die Tabletts zurückgetauscht. Meins war zwar nicht so voll wie seines, aber dennoch übertrieben. Die meisten Obstsorten kannte ich nicht mal, geschweige denn, die Früchte die auf den Aufstrichpackungen dargestellt waren. Aber einen Pluspunkt musste ich ihm zusprechen, er hatte keinen einzigen Salat genommen. „Und wo wir schon einmal dabei sind, wo steckt deine zweite Hälfte?“ Sein Blick huschte suchend über die Menge an Spielern, die immerhin aus vier Teams bestanden.
„Er hatte keine Hunger und hat sich auf euer Zimmer verkrümelt.“, antwortete ich niedergeschlagen. Hätte ich mich doch nur ihm angeschlossen, aber ich musste ja Kuroo nachdackeln aus Neugier über die neue Schule.
Ein lautes Seufzen erklang neben mir. „Wenn man euch beide nicht ständig im Auge behält...“
„Tetsu, wir sind alt genug um auf uns selbst aufzupassen.“
„Davon merke ich aber nichts… Komm da lang geht es!“ Er stieß mich weg von dem Tisch der Nekomas hin zur Fensterbank, wo bereits zwei Spieler einer anderen Mannschaft saßen. Blaues T-Shirt. Weiße Hosen. Die Sportuniform von Fukurodani, einer der fünf besten Volleyball-Oberschulen. Ihre Augen glichen denen von Eulen, scharf und durchdringend. Vollkommen anders als das Sanfte und Geheimnisvolle der Nekoma-Augen… Ich blockierte. Zu diesen Vögeln wollte ich mich nicht setzen!!!
Kuroo hatte inzwischen den Tisch der beiden Fukurodanis erreicht. „Wo bleibst du?“ Seine Stimme weckte mich aus der Schockstarre. Ich schüttelte wild mit dem Kopf und wollte gerade zu dem Tisch der Nekomas flüchten als mich eine Hand am Arm packte. Mit vor Angst geweiteten Augen blickte ich in Kuroos. „Du machst es mir heute echt nicht leicht, oder?“
„Hehe, und es ist erst kurz nach sieben.“, entgegnete ich. Ich weiß nicht, was ich damit bezwecken wollte, ihn beruhigen auf jeden Fall nicht. Ohne Umschweife zog er mich mit sich. Beinah wäre mir dabei das Tablett heruntergefallen. Ob das nun ein Unglück war? Eher zu meinem Vorteil.

Vor dem Tisch an der Fensterbank stoppten wir und Kuroo schob mich vor seinen Körper. Ein fauchenden Geräusch entwich mir und ich wechselte die Positionen mit ihm. Verschwand hinter seinem breiten Kreuz und schaute ängstlich ein Stück hervor.
„Kätzchen...“, seufzte Kuroo. „Naja. Okay.“ Er fuhr sich mit der Hand über das schwarzes Haar und kämmte so sein Pony aus dem Gesicht. „Bo, ich hab dir ja schon von ihr erzählt. Das ist (VN)... meine Exfreundin, wenn sie so weiter macht.“ Zornig funkelte ich ihn dafür an, traute mich aber nicht mich lauthals zu wehren.
„Hey. Hey. Hey. Ich bin Bokuto. Schön dich endlich kennenzulernen.“, begrüßte mich der Rechte laut. Weiße Haare mit schwarzen unteren Ansatz und ein breites Grinsen. Bokuto Koutarou, der Kapitän von Fukurodani. Der Schwarzhaarige, links neben ihm, nickte dagegen nur. Er schien der ruhigere Teil zu sein. Akaashi Keiji, Setter von Fukurodani.
Ich lehnte mich stärker an Kuroo, unfähig etwas zu sagen, meine Kehle war von der Angst wie zugeschnürt. Hilfesuchend blickte ich zu ihm auf, worauf er seufzte. „Sag Hallo, Kätzchen.“
„Hallo, Kätzchen? Wieso sollte ich das tun?“ Verwirrt legte ich meinen Kopf schief und erntete dafür einen verzweifelten Gesichtsausdruck von unserem Kapitän. „Das meinst du jetzt nicht mehr ernst, oder?“ Er schnipste mir gegen die Stirn. „Dummkopf!“
Ich rieb mir die schmerzende Stelle und knurrte zurück: „Wenigstens bin ich nicht sitzen geblieben!“
„Was hat das jetzt damit zu tun?“ Für einen Moment vergaßen wir beide wo wir uns befanden. Kuroo versuchte meinen Kopf zerwühlen, ich allerdings wich geschickt mit meinem Tablett aus, wodurch ein Katz-und-Maus-Spiel entstand. Erst das laute Auflachen von Bokuto brachte uns zum Stillstand.
„Ihr beide passt echt super zusammen!“ Der Weißhaarige hielt sich den Bauch und kämpfte dagegen nicht vom Stuhl zukugeln. „Ich mag die Kleine echt.“ Die ersten Tränen rollten ihm übers Gesicht. Verwirrt tauschten Kuroo und ich währenddessen Blicke aus, doch irgendwie war sein Lachen ansteckend, so dass wir ebenfalls anfangen musste. Kuroo in der selben offenherzigen Lautstärke wie Bokuto. Und auch Akaashi stimmte ein als Gegensatz leise mit vorgehaltener Hand.

- Sporthalle der Gastgeber-Schule. Kurz vor elf Uhr. -

Ich saß auf der Bank neben unseren beiden Trainern und baumelte gelangweilt mit den Beinen. Nur Fetzen ihres Gespräch drangen an mein Ohr, denn die große Halle war gefüllt mit der Lautstärke von Ballgeräuschen, quietschenden Schuhen, Kommandos der Trainer und Kapitänen und Streitereien zwischen den Mannschaft. Zudem herrschte eine stickige Luft mit dem penetranten Geruch nach Männerschweiß. Das Hochgefühl des Morgens verflog und langsam wünschte ich mir, ich wäre nicht mitgefahren.
Ein Pfiff ertönte. Das Spiel von Nekoma gegen die andere Mannschaft war vorbei. Wir hatten knapp gewonnen. Schwitzend nahmen sich die Jungs Wasserflaschen und frische Handtücher. Sie freuten sich sichtlich über diesen Sieg. Ihre Mannschaft gehörten auch nicht zu den leichtesten Gegnern.

„Hey, alles in Ordnung?“ Kuroo kam zu mir und legte mir eine Hand an die Wange. Seine Wärme tat gut, so dass ich mich gegen sie lehnte. „Du bist ganz blass.“
„Es ist nur alles so... voll und viel.“
„Wenn du mal raus willst, ich kann mitkommen.“ Kopfschütteln meinerseits. Ich war ihre Managerin und dementsprechend sollte ich mich benehmen. Ich konnte doch nicht bereits bei kleinsten Hauch aus den Latschen kippen!
Der Pfiff zum nächsten Spiel ertönte. Die Spieler verließen den Seitenstreifen und stellten sich auf dem Spielfeld auf. Allerdings blieb der Kapitän besorgt bei mir stehen.

„Tetsu, es ist gut. Los geh schon!“ Er nickte, zögerte jedoch kurz. Er rang sichtlich mit seinem Gewissen. Auf abermaliges Drängen rannte er schließlich zu seinem Team.
Dabei war gar nichts gut. Alles drehte sich. Die Welt verschwamm vor meinen Augen. Ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen und mein Kopf dröhnte. Schwankend erhob ich mich von der Bank. „Ich geh mal eine Runde raus.“, flüsterte ich und verließ die Halle.


- Vor der Halle. Hinterhof der Gastgeber-Schule. -

Mit verlassen der Halle ging es mir sofort besser. Frische Luft wehte durch mein Haar und füllte meine Lunge mit Sauerstoff. Ich lehnte mich an die Wand der Sporthalle. Spürte die Kühle in meinem Rücken. Geschwächt glitt ich hinab, winkelte die Beine an und legte meinen Kopf auf die Knie. Genoss die Stille der Natur. Das Zwitschern der Vögel.
„Alles in Ordnung?“

Ich schreckte auf. Als ich nach oben blickte, sah ich in die kühlen blaugrauen Augen des Fukurodani-Setter. „Ähm ja, alles in Ordnung.“
Akaashi reichte mir seine Wasserflasche, welche ich dankend annahm. Sofort trank ich einen Schluck, ohne mir Gedanken zu machen, dass es vielleicht ein indirekter Kuss war.

„Mir wird es da drin auch oft zu viel.“, meinte er, während er sich neben mich an die Wand setzte.
Fragend blinzelte ich ihn an. „Das ist doch nicht dein erstes Trainingscamp, oder?“
Kopfschütteln. „Nein, aber ich bin nicht gern unter Menschen, besonders nicht so vielen.“
„Warum fährst du noch mit, wenn es dir nicht gefällt?“
„Naja, man gewöhnt sich dran. Außerdem kann ich so mehr Zeit mit ihm verbringen.“ Seine Augen starrten stur nach vorn, aber irgendwie hatten sie ein bisschen der Kühle verloren.
Ich riet einfach mal ins Blaue: „Du und Bokuto, ihr seid...“ Stocken. Jemanden danach zu fragen, ob er vom anderen Ufer war, war irgendwie seltsam und vielleicht auch zu intim.
„Wir sind zusammen.“, antwortete er. Darauf seufzte er kaum hörbar. „Aber es läuft bei weitem nicht so gut, wie bei dir und Kuroo.“
„Naja, ich habe auch oft das Gefühl, ich falle Kuroo zur Last.“ Ich streckte meine Beine von mir und legte den Kopf in den Nacken. Kleine flauschige Wolken zogen am Himmel vorbei, wie eine große Schafsherde. Akaashi lachte leise auf.

„Als Last würde ich eher ihn bezeichnen. Ich meine mehr, das ich nicht weiß, wie ich auf seine selbstbewusste Art reagieren soll.“
Dabei mochte ich gerade diese Stille an dem schwarzhaarigen Setter und ich glaubte fast, Bokuto ging es da genauso. Er hatte in Akaashi einen Ruhepol gefunden, der ihn immer akzeptieren und auffangen würde.
Schweigen trat ein. Jedoch kein unangenehmes. Wir beobachteten zusammen die vorbeiziehenden Wolken und Vögel. Ab und zu versuchte ich in einer Wolke ein Bild zu deuten und zeigte dabei wild wie ein kleines Kind auf sie, wofür ich von Akaashi einen fast mütterlichen Blick erntete.

Nach verstrichener Zeit, die mir wie Stunden vorkam, eilte Kuroo aus der Halle: „Ach, hier bist du.“ Er baute sich vor uns beiden auf. Seine Augen brannten vor Sorge. „Man, ich dachte, du wärst irgendwo zusammengebrochen.“
„Nein, mir geht es gut.“, beruhigte ich ihn. Er reichte mir seine Hand und half mir auf. „Wir haben uns super unterhalten.“ Ich lächelte zu dem am Bodensitzenden, was er aber nicht zu bemerken schien, so in Gedanken versunken war er. Mit der Wasserflasche stieß ich leicht gegen seine Stirn und gab sie ihm zurück.
„Akaashi, mach dir nicht so einen Kopf. Alles wird gut!“ Einen Moment schaute er verdutzt, erwiderte dann aber mein Lächeln. Irgendwie hoffte ich, das Akaashi und ich Freunde werden konnten. Sein Lächeln gefiel mir. Ich verabschiedete mich und ließ mich von Kuroo an der Hand zurück in die Halle führen.

„Wenn dir wieder schlecht wird, sagst du es mir!“
„Es geht mir gut, Tetsu. Außerdem war Akaashi da.“
Wir erreichten die Trainerbank, wo er sich zu mir umdrehte. Sein Blick glich der puren Sorge.
„Trotzdem ich bin dein Freund und nicht er. Ich möchte, für dich da sein.“
Ein Kribbeln zog über meine Haut. Verlegen richtete ich den Blick zu Boden. „Okay.“
Er hob mein Kinn an. Sein Gesicht näherte sich dem meinigen. Wollte er mich echt hier küssen? Was ist wenn uns jemand sah? Ich konnte mich aber nicht dagegen wehren. Seine Nähe fühlte sich an wie eine Erlösung. Fast hätten sich unsere Lippen berührt, als...

Plötzlich stieß jemand Kuroo beiseite. „Ach, hier bist du!“
Ein dümmlich aussehendes Mädchen stand vor mir. Ebenfalls blau-weiß gekleidet. Eine Managerin von Fukurodani.
„Man, wir haben dich schon überall gesucht! Komm!“
Sie packte meine Hand und zerrte mich mit sich aus der Halle hinaus. Das Letzte was ich sah, war der uns perplex hinterher blickende Kapitän in Rot.
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