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Für immer Caskett

von Ahadi
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Kate Beckett Richard Castle
28.04.2019
01.07.2019
18
67.450
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10.06.2019 3.937
 
Bonne journée á tous, heiße ich euch heute zur Abwechslung einmal auf Französisch willkommen, zum einen, weil ich das Begrüßungsprozedere nicht zu eintönig gestalten will und zum anderen, weil ja jetzt Sommerzeit ist und meiner Meinung nach, da nichts besser ist als ein wenig ausländisches Flair, um bei euch so richtig Urlaubsfeeling zu wecken.

Und da ich zum vorigen Kapitel bisher lediglich zwei Rückmeldungen erhielt und zwar von JohannaJames und Caskett2009, wofür ich mich bei Besagten natürlich noch einmal ganz herzlich bedanken möchte, fasse ich mich auch heute wieder so kurz wie möglich und wünsche euch allen jetzt nur noch, in meiner inzwischen üblichen Ahadi-Manier, ganz viel Spaß beim Lesen!

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„Vielen Dank noch mal, dass Sie mir erlaubt haben, mit zu kommen“, sagte Castle zu Beckett, als sie gerade aus ihrem Wagen stiegen, den sie auf dem Parkplatz des Green-Wood-Friedhofs abgestellt hatte und obwohl sie ihm, wie schon erwähnt, freundlicherweise die Erlaubnis gegeben hatte, mit zum Grab ihrer Mutter kommen zu dürfen, so war er sich trotzdem noch immer ein wenig unsicher darüber, ob das wirklich richtig und angemessen war.

Grund ihres Besuchs war, dass ihre Eltern heute ihren 35. Hochzeitstag gefeiert hätten und sie und ihr Dad, seit er trocken war, es sich zur Tradition gemacht hatten an ihrem Todestag, ihrem Geburtstag und so wie heute, an ihrem Hochzeitstag, zu ihrem Grab zu gehen und dort Blumen nieder zu legen, die einzige Ausnahme an diesem Tag war halt, das die beiden Becketts nicht alleine wären, sondern eben in Begleitung des Romanautors.

Besagter hatte bereits den ganzen Tag über gemerkt, dass mit seiner Muse irgendetwas anders war als üblich, sie wirkte auf ihn irgendwie in sich gekehrter und trauriger als sonst, er hatte aufgrund dessen vorsichtig bei ihr nachgehakt, sie gefragt, was denn mit ihr los war und entgegen des Anpfiffs, den er eigentlich eher erwartet hätte, stattdessen die Antwort erhalten, das ihre Eltern heute Hochzeitstag hätten und sie sich deswegen so untypisch verhielt.

Er hatte daraufhin ihre Hand ergriffen, ihr fest in die Augen gesehen und ihr aufrichtig versichert, dass, wenn er irgendwas tun könnte, damit sie sich besser fühlte, sie dann nicht zögern sollte es ihm zu sagen, auch wenn das, was sie brauchte, lediglich Jemand zum Reden oder eine Schulter zum Anlehnen war, ganz egal, worum auch immer es sich handeln sollte, er wäre bereit es ihr zu geben, ohne zu zögern oder lange zu fragen.

Für jemanden wie ihn, der von Geburt an ohne Vater aufgewachsen war, war es zwar ein wenig schwer nach zu voll ziehen, wie furchtbar schwer und unglaublich schmerzhaft es sein musste, von einem Tag auf den anderen ohne einen Elternteil, der eben gerade noch da war, leben zu müssen, aber das änderte dennoch nichts daran, dass er mit ihr mit fühlte und alles, aber auch wirklich einfach alles tun würde, nur damit es ihr besser ging.

Und er hoffte wirklich inständig, dass sie sich dessen auch bewusst war, genau so sehr wie sie hoffte, das sie, wenn dem so war, dies dann auch zu schätzen wusste, aber wenn sein Gefühl ihn nicht komplett täuschte, dann war sie sich dieser Tatsache sehr wohl bewusst und wusste diese auch voll und ganz würdigen, schließlich war sie eine verdammt kluge Frau, mit einem exzellenten Gespür und einer herausragenden Menschenkenntnis.

Sie schien derweil kurz zu überlegen, bevor sie ihn völlig unerwartet dazu einlud, ihn geradezu darum bat, sie nachher nach Dienstschluss zum Friedhof zu begleiten, sie gestattete ihm dies allerdings nicht nur, weil sie seine Gesellschaft und auch seine Unterstützung dort wirklich sehr schätzen und gut brauchen könnte, sondern auch, weil sich so die Gelegenheit ergeben würde, dass er endlich einmal ihren Vater kennen lernte.

Ihr Dad drängte nämlich schon sehr lange darauf, Castle endlich mal persönlich kennen zu lernen, sie hatte ihm in den über zwei Jahren, in denen sie und der Schriftsteller nun schon zusammen arbeiteten, natürlich schon eine Menge über ihren Berater erzählt, von seinem Hang zu verrückten Theorien, über seine erstaunliche Kombinationsgabe, bis hin zu seinen hervorragenden Qualitäten als Sohn, Vater, Partner und vor allem als Freund.

Rick war zwar schon etwas mulmig zumute, dass er heute Abend zum ersten Mal ihren Vater treffen würde und befürchtete auch wirklich, das dieser ihn eventuell nicht mögen würde, aber er konnte ja schlecht einen Rückzieher machen, mit der Begründung, das er Angst vor ihrem alten Herrn hatte oder viel mehr davor, das jener ihn nicht mögen könnte, also blieb ihm nichts anderes übrig, als zu hoffen, das alles gut laufen oder auch besser und er einen guten Eindruck auf Jim Beckett machen würde.

Zumal es sich bei dem besagten Herrn ja nicht um irgendeinen x-beliebigen handelte, sondern um den Vater der Frau, die er schon seit geraumer Zeit liebte, von ganzem Herzen und aus tiefster Seele, was für ihn natürlich ein Grund mehr war, wahrscheinlich der Beste, den es überhaupt nur geben konnte, sein bestmögliches Verhalten an den Tag zu legen und alles zu tun, was er überhaupt nur tun konnte, um dessen Sympathie und Vertrauen zu gewinnen.

Denn da er beabsichtigte in nächster Zeit mit Kate zusammen zu kommen und sie irgendwann mal auch zu heiraten, konnte er sich einfach unmöglich einen Fehler erlauben, der ihm die Gunst ihres Vaters berauben könnte, schließlich war der allererste Eindruck ja bekanntlich ein bleibender und je positiver sein erste Eindruck auf ihren Dad sein würde, umso besser würden seine Chancen sein, eines Tages von ihm als Schwiegersohn akzeptiert zu werden.

Was er nicht wissen, geschweige denn ahnen konnte war, dass sie ebenfalls hoffte, dass das Treffen reibungslos verlaufen und die beiden Männer sich gut miteinander verstehen würden, obwohl sie sich diesbezüglich schon von vorne rein zu fast einhundert Prozent sicher war, schließlich war Castle ein sehr sympathischer und umgänglicher Typ, der sich mit allen Menschen in seinem persönlichen Umfeld prima verstand, also bestand für sie eigentlich kein Grund zur Sorge, das er sich nicht mit ihrem Dad verstehen könnte.

„Und Sie sind sich wirklich ganz sicher, dass Ihr Dad nichts dagegen hat, wenn ich mit dabei bin?“, fragte er, nur um ganz sicher zu gehen, deshalb vorsichtshalber noch einmal bei ihr nach, nachdem sie das Auto abgeschlossen hatten und sie sich zum Eingang des Friedhofs begaben, sowohl er, als auch sie trug einen kleinen Strauß weißer Lilien, die sie bei einem Blumengeschäft auf dem Weg hier her gekauft hatten.

„Aber ja, machen Sie sich mal keine Sorgen, Castle. Ich habe vorhin mit ihm telefoniert und ihn darüber informiert, dass Sie mitkommen und er meinte zu mir, das er sich schon sehr darauf freut, Sie endlich einmal zu treffen“, entgegnete sie und schenkte ihm, um die beruhigende Wirkung ihrer Worte zu verstärken, zusätzlich noch ein ermutigendes Lächeln, woraufhin er zurück lächelte, dankbar für ihre glaubhafte Zusicherung.

Doch sie spürte ganz deutlich, dass bei ihm dennoch gewisse Zweifel und Ängste bestehen blieben, was sie wirklich gut nachvollziehen konnte, denn ihr würde es wahrscheinlich auch nicht sehr viel anders ergehen, wenn sie an seiner Stelle wäre und offen gestanden fand sie es auch ein wenig süß, das er so besorgt und ängstlich war, bezüglich des bevorstehenden allerersten persönlichen Zusammentreffens mit ihrem Vater.

Ihre Gedanken wanderten ein paar Jahre zurück, zu der Zeit, als sie mit Will Sorenson liiert war und ihn ihrem Dad vorstellte, der FBI-Agent war sich auf dem Hinweg noch so unglaublich sicher gewesen, dass ihr Vater ihn sofort mögen, ach was, ihn lieben würde, pah, von wegen, Pustekuchen war’s, Mr.-Selbstbewusst war hinterher heilfroh, gar überglücklich gewesen, als sie das Haus ihres alten Herrn endlich verlassen hatten.

Allerdings lag der schlechte Verlauf des damaligen Treffens nicht an ihrem Vater, jedenfalls nicht ausschließlich, Will trug daran nämlich auch eine gewisse Mitschuld, wenn er nicht von vorne rein so aufgetreten wäre, wie er es tat, im Sinne von „Ich bin der einzig Richtige für Ihre Tochter, einen besseren Mann als mich gibt es für sie nicht“, dann hätte ihr Dad sich ihm gegenüber auch nicht so unfreundlich und feindselig verhalten.

Castle dagegen war nicht einmal halb sich selbstsicher, wie Will es damals war, der Autor machte sich Gedanken, Sorgen und hatte auch ein klein wenig Angst vor dem Treffen mit ihrem Dad und sie war sich ganz sicher, das er sich, ganz im Gegensatz zu ihrem Ex-Freund, auch wirklich darum bemühen würde, einen positiven Eindruck auf ihren Vater zu machen und alles in seiner Macht stehende tun, damit dieser ihn mochte.

Und sie konnte einfach nicht anders, als ihn dafür noch mehr zu lieben, als ohnehin schon, kaum, wenn nicht vielleicht sogar kein anderer Mann würde sich so sehr darum bemühen, die Sympathie und das Vertrauen ihres Vaters für sich zu gewinnen, als er, Richard Castle war nicht so einer, der sich jenes mit einem Haufen Geld erkaufte, sondern es sich stattdessen mit harter und ehrlicher Arbeit verdiente, so wie er es beispielsweise bei ihr getan hatte.

Sie gingen ein Stück über den Friedhof, an Reihen unterschiedlicher Grabsteine, verschiedener Größen, Formen und Farben vorbei, bis sie schließlich an einem größtenteils schlichten Marmorstein ankamen, der lediglich unten ein wenig verziert war und vor dem ein älterer Mann Anfang, Mitte sechzig mit grau-weißem Haar stand, der, genau so wie sie, ebenfalls einen kleinen Strauß weißer Lilien in der Hand hielt.

„Hallo Dad“, begrüßte die Polizistin ihren alten Herrn, der sie mit einem „Hallo Katie“ in eine herzliche Umarmung zog und bei diesem familiären Bild, dem Anblick der beiden Becketts, von Vater und Tochter, da wurde Rick, obwohl er Alexis hatte, dennoch ein wenig neidisch, weil er ja, wie bereits erwähnt, gänzlich ohne Vater oder vaterähnliche Figur, zu der er hätte aufsehen und von der er hätte lernen können aufwachsen musste.

„Und Sie müssen Mr. Castle sein. Freut mich Sie kennen zu lernen“, wandte Jim sich, sobald er und seine Tochter ihre Umarmung Sekunden später beendet hatten, anschließend an deren männliche Begleitung, in der er natürlich sofort den weltberühmten Bestsellerautor Richard Castle erkannte, der seine Kate seit nunmehr über zwei Jahren tagtäglich bei der Arbeit begleitete und ihr dabei half Mörder hinter schwedische Gardinen zu bringen.

„Die Ehre ist ganz meinerseits, Sir“, ergriff er, mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht, die Hand seines Gegenübers und schüttelte diese zur Begrüßung und obwohl er den Herrn erst eben gerade, vor wenigen Minuten kennen gelernt hatte, so hatte er trotzdem schon jetzt große Achtung vor ihm und wenn er die Haltung des Rechtsanwalts so betrachtete, dann wusste er auch sofort, von wem Kate ihr respekteinflößendes Auftreten geerbt hatte.

„Oh, bitte nicht so förmlich. Nennen Sie mich ruhig Jim, mein Junge“, bat Jim ihn ebenfalls lächelnd, zwar ließ er sich normalerweise nicht so schnell von jemanden mit Vornamen ansprechen, aber immerhin handelte es sich bei diesem Mann nicht um irgendjemanden, sondern um denjenigen, der seine Tochter so glücklich machte, wie sie es seit dem Mord an ihrer Mutter bzw. seiner Frau, vor über einem Jahrzehnt nicht mehr gewesen war.

Und wenn jemand einen kleinen Vertrauensvorschuss verdient hatte, dann dieser nette, junge Mann, von dem seine Tochter ihm schon so unglaublich viel Gutes erzählt, teilweise sogar geradezu vorgeschwärmt hatte und er musste ganz ehrlich zugeben, dass seine Kleine kein bisschen übertrieben hatte, ganz im Gegenteil, er war genau so, wie er sich ihn, ihren Erzählungen bzw. Schwärmereien nach, vorgestellt hatte.

„In Ordnung. Aber nur, wenn Sie mich dafür Rick nennen“, so weit, so gut dachte er im Stillen, die erste Kontaktaufnahme verlief schon mal gut, blieb für ihn nur zu hoffen, dass dies auch für das restliche Treffen so sein würde, aber der Anfang, der ja bekanntlich immer am Schwierigsten war, war ja immerhin schon einmal gemacht, der Rest würde sich ergeben und das Ergebnis sich, je nach dem, wie es halt lief, letztendlich zeigen.

„Es ist schön, Sie endlich einmal persönlich kennen zu lernen. Katie hat mir schon so viel von Ihnen erzählt“, hatten die beiden Herren das Händeschütteln inzwischen beendet und beschlossen noch ein wenig Smalltalk zu betreiben, die junge Beckett stand derweil stumm daneben, mit einem zufriedenen Lächeln um die Mundwinkel herum und war überglücklich darüber, dass die zwei wichtigsten Männer in ihrem Leben sich so gut miteinander zu verstehen schienen.

„Ach wirklich? Ich hoffe doch sehr, dass sie Ihnen nur Gutes über mich erzählt hat“, ließ er, sobald er ausgesprochen hatte, seinen Blick kurz zu seiner Partnerin wandern, die ihn lediglich mit einem Augenausdruck und einem Lächeln bedachte, welches so viel sagte wie: „Wenn Du eine Antwort auf deine Frage haben willst, ob ich ihm ausschließlich Gutes über Dich erzählt habe, dann musst Du wohl oder übel abwarten, was er Dir sagt“.

„Keine Sorge, Rick. Zu Anfang hat sie zwar ziemlich oft über Sie gemeckert, aber in letzter Zeit hat sie nur in den aller höchsten Tönen von Ihnen gesprochen“, antwortete der Anwalt und musste sich wirklich schwer auf die Zunge beißen, um nicht noch den Satz „Und seit Sie dabei geholfen haben, die Stadt vor der Zerstörung durch eine Atombombe zu retten, hat sie sogar regelrecht von Ihnen geschwärmt“ hinzu zu fügen, aber er wollte seine Tochter auf keinen Fall vor ihrem Partner bloß stellen.

Denn wenn er die ihm vorliegenden Fakten, mithilfe seines scharfen, juristischen Verstandes, betrachtete und diese auch exakt auswertete, dann war seine liebe Katie schwer in den guten Buchautor verknallt, vor allem wenn er daran dachte, wie sie Castle ihm gegenüber geradezu in den Himmel gehoben hatte und die Blicke sah, mit denen sie ihn bedachte, stand für ihn zweifelsfrei fest, dass er mit seiner Analyse vollkommen richtig lag.

Und wenn er ganz ehrlich zu sich war, dann konnte er sich Rick, obwohl er ihn heute erst zum ersten Mal getroffen hatte, trotzdem durchaus als seinen potentiellen zukünftigen Schwiegersohn vorstellen, sehr gut sogar, er war ihm auf jeden Fall auf Anhieb hundertmal sympathischer als dieser Will Sorenson, dieser Typ war so dermaßen aufgeblasen und arrogant gewesen, dass er ihn am liebsten verklagt hätte.

Rick schien dagegen kein bisschen eingebildet zu sein, Jim sah auch keinerlei Starallüren an ihn, die er bei einem so erfolgreichen und weltberühmten Schriftsteller wie ihn eigentlich erwartet hatte, er schien viel mehr ein bodenständiger und von Grund auf ehrlicher Mann zu sein, jemand, der sich nichts schöneres vorstellen konnte, als sich um die Menschen, die ihm wichtig waren, zu kümmern und sicher zu stellen, dass es seinen Liebsten an nichts fehlte.

Aber vor allem schien er dazu in der Lage zu sein, seine Tochter rundum glücklich zu machen, was für ihn das allerwichtigste war, ein Mann konnte so sympathisch, vertrauenswürdig und fürsorglich auf ihn wirken, wie er wollte, die Hauptsache für ihn war einzig und allein, dass Katie glücklich war und mit Castle als Partner und guten Freund an ihrer Seite war sie zweifellos glücklich, mehr konnte er nicht verlangen.
         
„Das freut mich zu hören“, erwiderte er sowohl sichtlich, als auch hörbar erleichtert darüber, dass sie, Jims glaubwürdiger Aussage nach, jetzt nicht mehr so viel über ihn meckerte, wie sie es wohl ganz zu Beginn ihrer Zusammenarbeit getan hatte und er beschloss sie später auch zu fragen, wann genau sie aufgehört hatte über ihn zu mäkeln und seit wann genau sie ihrem Vater anscheinend nur noch das Allerbeste über ihn berichtete.

Doch jetzt galt es erst einmal dem Grund nach zu kommen, wegen dem sie hier her gekommen waren, nämlich das Leben von Johanna Beckett, heute an ihrem 35. Hochzeitstag, zu feiern und ihr Vermächtnis zu ehren und genau das taten sie alle schließlich auch, indem sie die mitgebrachten Liliensträuße vor dem Grab ablegten und sich dann nebeneinander vor dieses stellten, völlig wortlos, in stillen Gedenken an eine hilfsbereite, selbstlose, mutige und einfach nur herzensgute Frau.

Beiden Becketts liefen, während so still da standen, einige stumme Tränen über die Wangen, nach ein paar Minuten nahm Jim seine Katie in die Arme, was Rick erneut ein wenig neidisch werden ließ, weil er liebend gerne derjenige gewesen wäre, an dessen Schulter sie sich lehnte, dessen Arme sie umschlangen und dessen Wärme sie tröstete und mit einem Mal kam er sich dann doch ein wenig nutzlos und überflüssig vor.

Nachdem sie eine gefühlte halbe Ewigkeit nebeneinander gestanden hatten, brach Mr. Beckett schließlich die minutenlange Stille und teilte ihnen mit, dass er jetzt nach Hause fahren würde, er zog seine Tochter in eine kurze, aber dennoch innige Umarmung und sagte ihr, das er sich nachher noch einmal telefonisch bei ihr melden würde, anschließend wandte er sich Castle zu und schüttelte diesem zum Abschied die Hand.

„Sorgen Sie bitte dafür, dass sie auch in Zukunft immer sicher und gesund ist“, bat Jim sein Gegenüber freundlich, aber eindringlich darum, auch weiterhin gut auf seine Tochter auf zu passen, genau so wie er es bisher getan hatte, denn obwohl er wusste, dass seine Tochter auch sehr gut auf sich selbst aufpassen konnte, als sie jahrelang ohne Partner unterwegs war, aber für ihn kam trotzdem nicht weniger als Katies hundertprozentige Sicherheit infrage.

„Ich werde mein Bestes tun“, versprach der Krimiautor dem älteren Juristen daraufhin und schwor auch sich selbst hoch und heilig, dass er auch zukünftig alles in seiner Macht stehende tun würde, um ihre Sicherheit zu gewährleisten, das er vor jede Kugel, jedes Messer, jedes Auto und sogar jeden Zug springen würde, solange sie dadurch stets unbeschadet aus der Sache heraus kommen und immer heil nach Hause kommen würde.

„Mehr verlange ich nicht“, gab Mr. Beckett wahrheitsgemäß zurück, bevor er erst seiner Tochter und anschließend seinem Gesprächspartner schnell noch einen letzten Blick zuwarf und sich dann schließlich zum Gehen abwandte, das Duo sah ihm nach, bis er außer Sichtweite war und beide atmeten erleichtert auf, heilfroh darüber, dass das Treffen so gut verlaufen war, genau so wie sie es sich von vorne rein auch erhofft hatten.

„Ihr Vater ist wirklich sehr sympathisch“, sagte der inoffizielle Polizeiberater zu seiner Partnerin und hätte über den reibungslosen Verlauf des ersten Zusammentreffens mit ihrem Dad gar nicht zufriedener sein können, er hatte jetzt zwar nicht unbedingt geglaubt, dass ihm, sobald er irgendetwas falsches sagte oder tat, gleich der Kopf abgerissen würde, aber mit einem so positiven Ablauf der Dinge hatte er dennoch nicht gerechnet.

„Ja, das ist er. Er scheint Sie auch ganz offensichtlich zu mögen“, entgegnete die Mordermittlerin und wenn ihre Erfahrung sie nicht völlig täuschte, dann hatte ihr Vater ihren Berater offenbar auch schon als seinen potentiell zukünftigen Schwiegersohn akzeptiert, etwas, was bislang noch nie zuvor vorgekommen war, weder bei Will, noch bei irgendeinem anderen Mann, den sie ihrem Dad in der Vergangenheit je vorgestellt hatte.

„Mhm, ja, den Eindruck hatte ich auch. Aber meiner charmanten Art, kann ja bekanntlich so gut wie niemand widerstehen“, meinte er daraufhin zu ihr, genau in der gerade eben genannten Art und Weise, smart und nervig zugleich, halt in seiner typischen Richard-Castle-Manier, mit der er sie tagtäglich in den Wahnsinn trieb, gleichzeitig aber auch amüsierte etwas, was bisher noch kein anderer Mann jemals zu schaffen vermochte.

„Nein, jetzt mal im Ernst. Ich bin wirklich froh, dass Ihr Dad mich zu mögen scheint. Ich hatte nämlich, ehrlich gesagt, das genaue Gegenteil befürchtet“, wurde er genau so schnell wieder seriös, wie er Sekunden zuvor unseriös geworden war und wenn er dann schon mal ehrlich ihr gegenüber war, dann wollte er ihr auch gleich noch seine voran gegangenen Befürchtungen, das überstandene Treffen betreffend, offenbaren.

„Ich hatte, offen gestanden, auch einige Bedenken. Aber insgeheim habe ich gewusst, dass er Sie mögen würde“, tat sie es ihm unverzüglich gleich, frei nach dem Motto: „Wenn Du ehrlich zu mir bist, dann ich bin auch ehrlich zu Dir“ und teilte ihm aufrichtig mit, dass er nicht der Einzige von ihnen war, der gewisse Bedenken und auch Ängste, den Verlauf des Zusammentreffens mit ihrem Vater betreffend, gehegt hatte.

„Und ich bin mir ganz sicher, dass meine Mom Sie auch mögen würde, genau so sehr wie mein Vater es zu tun scheint“, fügte sie in der darauffolgenden Sekunde wahrheitsgemäß hinzu und war mit einem Mal ziemlich traurig darüber, dass ihre Mutter niemals die Gelegenheit haben würde Castle kennen zu lernen, sie hatte seine Bücher geliebt, genau so wie sie sie liebte und wäre überglücklich gewesen, ihn einmal persönlich kennen zu lernen.

Sie war so sehr in Gedanken um ihre Mutter versunken, dass sie die Tränen, die ihr erneut übers Gesicht liefen, nicht bemerkte, erst als sie große, aber dennoch sanfte Hände an ihren Wangen spürte, deren Daumen ihr ganz zärtlich die salzige Flüssigkeit von der Haut wischte, schreckte sie auf und sah direkt in zwei vertraute, azurblaue Augen, die sie mitfühlend und liebevoll zugleich anblickten und das tröstliche Lächeln, mit dem er sie bedachte.

Wenn es sich um jemand anderen gehandelt hätte, dann hätte sie sich in Grund und Boden geschämt, so offen zu weinen und damit öffentlich Schwäche zu zeigen, aber nicht vor ihm, er hatte sie in der Vergangenheit bereits mehrmals in den schwersten und dunkelsten Momenten ihres Lebens gesehen, sah sie mehr als bloß einmal am absoluten Tiefpunkt und war trotzdem immer noch hier, bei ihr, an ihrer Seite, ohne irgendwelche Anstalten zu machen gehen zu wollen.

„Danke Rick, dass Du da bist“, sprach sie mit leicht tränenerstickter Stimme und schenkte ihm ein schwaches Lächeln, das Beste, welches sie im Moment zustande bringen konnte, das für ihn aber trotzdem Dank genug und auch tausendmal besser war, als gar keines, obwohl sie sich nicht unbedingt sofort hätte bedanken müssen, es hätte für ihn nämlich auch voll und ganz ausgereicht, wenn sie das später noch gemacht hätte.

„Aber das ist doch selbstverständlich, Kate, dafür sind Freunde ja schließlich da“, erwiderte er, legte dann langsam und vorsichtig seine Arme um sie, zog sie ganz behutsam an sich und drückte ihren Körper sanft an seinen, sie wehrte sich kein bisschen dagegen, sondern hieß den von ihm initiierten Körperkontakt stattdessen sehr willkommen und zeigte ihm das auch, indem sie ihre Arme ebenfalls um ihn schlang und ihren Kopf an seine Schulter bettete

Er drückte sie daraufhin noch ein wenig mehr an sich heran, stets darauf bedacht, dass er nicht zu fest zudrückte, schließlich war er ihr, so stark sie auch war, kräftemäßig dennoch überlegen und er wollte ihr auf keinen Fall wehtun, also galt für ihn jedes Mal, wenn er sie umarmte, immer so vorsichtig und behutsam wie möglich mit ihr um zu gehen, denn je sanfter er war, umso mehr konnten sie die Nähe zueinander und die Wärme des anderen genießen.

Und genau das taten sie auch, vor wenigen Minuten war er noch neidisch, weil er nicht derjenige war, der sie in den Armen halten durfte, während sie weinte, doch jetzt, wo sie bei ihm Beistand und Trost fand, war sein voran gegangener Neid locker wieder wett gemacht und er bewies seine Zufriedenheit, indem er seinen Kopf sachte auf ihrer Schulter ablegte und seine Nase in ihrem wundervoll nach Kirschen duftenden Haar vergrub.

Sie fühlte sich derweil, als würde sie auf weichen Wolken schweben, anstatt auf hartem Boden zu stehen, so erging es ihr jedoch nicht nur jetzt gerade, sondern jedes Mal, wenn er sie in seinen Armen hielt, ein Gefühl, das bisher noch nie ein anderer Mann je hatte bei ihr hervorrufen können und in diesem Moment wurde ihr klar, dass es selbst an den schlimmsten Tagen im Leben möglich war, Freude und Glück zu empfinden.
   
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So wie ich es zu Beginn des Kapitels tat, so werde ich mich auch jetzt wieder so kurz wie möglich, gleichzeitig aber auch so lange wie nötig fassen, von daher sage ich euch hiermit, dass ich all meine Hoffnung darin setze, das dieser Part wieder ganz nach eurem fachmännischen Leser-Geschmack war und das hoffentlich auch eure Reviews erneut allesamt positiv ausfallen werden, etwas zahlreicher wäre übrigens auch nicht schlecht.

Ade, bleibt schee, euer Ahadi.    














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