Nehmen wir an, es wäre anders gewesen

von Nymphen
GeschichteAllgemein / P12
Black Widow / Natasha Romanoff Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Hawkeye / Clint Barton Hulk / Bruce Banner Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Thor
28.04.2019
16.06.2019
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Wie versteinert schauten die zwei Frauen den Mann vor ihnen an. Nicht weil er aussah, wie Lord Voldemort in Rot, sondern weil er ihnen gerade den Namen ihrer Väter offenbart hat.
„Wir sollten uns nicht beirren lassen“, versuchte sich Nebula fast sofort wieder ihrer Aufgabe zu widmen. Sie durfte jetzt nicht sentimental werden.
„Du hast Recht“, schüttelte sich Natasha ihren Kopf frei, „Ich kann dir noch nicht mal sagen, ob mein Vater wirklich so heißt.“
„Ich auch nicht. Alle Erinnerungen an meine Familie sind gelöscht worden. Damit ich ganz und gar Thanos Tochter bin.“
Für einen Moment schauten sich die Frauen nur an. Eigentlich hatten sie beide nicht protestiert, als man sie in ein Team gesteckt hatte, aber sie hatten gleichzeitig auch keine Freudensprünge gemacht. In all den fünf Jahren hatten sie sich nicht anfreunden können. Dafür waren die Gespräche nie lang genug oder intim genug gewesen. Doch jetzt ... öffnete sich für beide eine Tür, welche sie niemals erwartet hätten und was dahinter wartete, könnte irgendwann zu so etwas wie eine Freundschaft führen. Denn egal wie viele Freunde man hatte, man konnte immer jemanden gebrauchen, der einen wirklich verstand.
„Du rückst jetzt besser den Seelenstein raus, oder wir bringen dich dazu“, drohte die Rothaarige dem Kapuzenmann.
„Und das geht nicht gut für dich aus“, stimmte ihr die Blauhäutige zu.
Der Mann schien nicht beeindruckt, er machte nur eine Folgt-Mir-Geste, ehe er den Berg bestieg und dabei beinahe monoton zum Sprechen anfing: „Ihr solltet wissen, dass der Stein eine besondere Stellung unter den Infinity-Steinen hat. Er erfordert ein Opfer, damit er weiß, dass ihr das Leben schätzt.“
Die Truppe war oben angekommen und die Aussicht war überwältigend. Eine rote Welt. So wie sich Menschen einmal den Mars vorgestellt hatten.
„Doch ihr beide seid Mörderinnen. Assassinen. Ihr schätzt das Leben nicht. Das habt ihr immer wieder aufs Neue bewiesen.“
Nebula zückte ihr Messer: „Hüte deine Zunge.“
Beschwichtigend hob Natasha eine Hand: „Soll das heißen, dass du uns den Stein nicht gibst.“
„Das habe ich nicht gesagt. Es ist die Entscheidung des Steines, welche Prüfung er stellt. Und er möchte immer noch sehen, dass ihr das Leben schätzt.“
Es folgte eine dramatische Pause, in welcher Nebula ihr Messer fester umgriff und die Hand der Black Widow automatisch zu ihrer Pistole glitt.
„Der Stein weiß, dass ihr euer Bestes gegeben habt, um euch zu ändern. Das ihr jetzt schon fast andere Personen seid. Wenn ihr das Leben wirklich schätzt, dann könnt ihr euer altes Leben auch wieder aufnehmen. Derjenigen von euch, welcher es gelingt, die andere zu töten, wird den Stein erhalten. Ein Leben für ein Leben.“
Entgeistert schauten sie den Mann an und beide Frauen wurden sich nur zu gut den Waffen in ihren Händen bewusst. Fast hätten sie die Hand davon genommen, doch sie sahen aus dem Augenwinkel die Handlung der jeweils anderen und beließen ihre Hände dort wo sie waren. In Sicherheit.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der beide ihren Gedanken nachgehangen waren, schauten sie sich endlich an.
„Ich habe viele Menschen umgebracht“, fing Nebula zuerst zum Sprechen an und klang dabei absichtlich gefühlslos, „Ich habe es nie bereut, doch ich habe angefangen meine Handlungen als Falsch zu erkennen.“
Tränen wollten ihr hochkommen, doch sie drängte sie weg: „Ich weiß, dass wenn ich dich umbringe, dass ich diese Tat bereuen werde.“
Natasha trafen diese Worte dorthin, wohin es noch nie eine Waffe geschafft hatte: Mitten ins Herz.
„Was ich getan habe, war einfach nur ... unmenschlich. Ich wollte diese Schulden begleichen und wusste dennoch, dass es mir nie gelingen würde. Doch mit dem Seelenstein ... wäre es zumindest ein Anfang. Und das obwohl Mord an einer Freundin eindeutig das falsche Mittel ist.“
Fast zeitgleich gingen die beiden Frauen in Kampfstellung.
„Ich bin froh, von jemandem wie dir, als Freundin bezeichnet worden zu sein“, nickte Nebula ihr zu.
Natasha lächelte: „Was immer nötig ist.“
„Was immer nötig ist“, wurde ihr bestätigt.
Dann gingen die beiden aufeinander los. Einer von ihnen würde sein Leben lassen, der andere seine Seele.
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